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Der Fluch des Oligarchentums. Wie immer die Krise in der Ukraine ausgeht, einige Männer im Hintergrund werden mitreden. Es sind reiche Geschäftsleute, die die Medien beherrschen und die Politik beeinflussen. Dieses Oligarchentum ist eine schwere Bürde – nicht nur für die Ukraine. Von Silvia Stöber, tagesschau.de

Wenn die Menschen in der Ukraine, aber auch in Moldawien und Armenien, für eine Annäherung ihrer Länder an Europa auf die Straße gehen, ärgert sie vor allem eines: Sie haben es satt, in Ländern zu leben, in denen einige Geschäftsleute nicht nur die Wirtschaft beherrschen, sondern auch die Politik und die Behörden beeinflussen. So gelingt es diesen Oligarchen nicht nur, sich Konkurrenten vom Leib zu halten, sondern auch staatliche Ressourcen für sich zu nutzen – zum Nachteil der Bevölkerung.

Wer zur rechten Zeit, meist zu Beginn der neunziger Jahre, clever und skrupellos genug war, der konnte mit Glück und guten Verbindungen ein Wirtschaftsimperium aufbauen. Je größer die Ressourcen eines Landes sind, desto mehr und desto reichere Oligarchen bringt es hervor. In schwach ausgeprägten Rechtsstaaten stehen ihnen kaum Gesetze im Wege.

Zum Merkmal eines Oligarchen gehört, dass er über Medienkontrolle verfügt. So besitzen Firtasch und Ljowotschkin den Fernsehkanal „Inter“. Der „Fünfte Kanal“ wiederum gehört Poroschenko. Nicht gerade zur Freude der arrivierten Oligarchen nutzt Präsident Viktor Janukowitsch seit dem Amtsantritt 2010 seine Machtposition, um mit seiner Familie Besitz und Vermögen anzuhäufen. Vor allem sein ältester Sohn Oleksander fällt derzeit auf, da er laut dem Magazin „Forbes“ in kürzester Zeit ein Vermögen von 500 Millionen US-Dollar angesammelt hat. Das ist drei Mal mehr, als er offiziell im April besaß.

„Einige Oligarchen wie Poroschenko und Tigipko wurden zur Seite gedrängt. Andere mussten das Land verlassen“, sagt die Wirtschaftsexpertin Elena Gnedina. „Die wichtigsten Entscheidungen fallen in einem kleinen Zirkel um Janukowitsch, der als ‚Familie‘ bekannt ist.“ Janukowitschs Leute bedienen sich vor allem aus den Staatskassen, erklärt Kyryl Savin, Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew. Dazu machte sich Janukowitsch Justiz und Behörden gefügig. Eine Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik beschreibt zum Beispiel, wie die Gerichte an Unabhängigkeit verloren, die Aufsichtsbehörden ihrer Kontrollinstrumente beraubt und wichtige Positionen mit Getreuen besetzt wurden. Dies alles geschah, während Janukowitsch offiziell einen pro-europäischen Kurs verfolgte.

Weder Janukowitsch noch die Oligarchen wollen ihr Terrain mit russischen Unternehmern teilen. Deshalb würde die Ukraine nur unter höchstem Druck der Zollunion mit Russland beitreten. Doch zu weit kann sich Janukowitsch auch nicht auf die EU zubewegen. Denn eine ernsthafte Umsetzung des fertig ausgehandelten Assoziierungs- und Freihandelsabkommens würde Macht und Einkommensmöglichkeiten einschränken.

Zwar verfolgen Janukowitsch und die Oligarchen in der derzeitigen Situation das gleiche Ziel: Sie wollen den Status quo erhalten und ungestört ihr Business betreiben. Doch könnte nach bald drei Wochen Dauerprotest im Land der „point of no return“ erreicht sein, meint Savin. Sicher sei, dass Janukowitsch nicht allein entscheiden könne und auf die Rückendeckung von Leuten wie Achmetow angewiesen sei. Womöglich hätten die Oligarchen darauf gedrungen, dass Janukowitsch Gesprächsbereitschaft gegenüber der Opposition zeigt.

Ohnehin bilden die Oligarchengruppen keinen einheitlichen Block. Sie hielten sich auch bislang schon nicht nur an Janukowitsch: „Ukrainische Oligarchen sind sehr opportunistisch und setzen nicht allein auf ein Pferd. Sogar jene aus Janukowitschs Umfeld unterstützten in der Vergangenheit auch die Opposition. Sie würden die Seiten wechseln, wenn Janukowitsch schwach und unpopulär wird. Sie fürchten soziale Unruhen, die zum wirtschaftlichen Kollaps und zum Wertverlust ihres Besitzes führen könnten“, sagt die Wirtschaftsexpertin Gnedina.

Weitere sehr starke Gerüchte besagten, so Savin, dass der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko mit Oligarchen wie Firtasch Gespräche führt. Womöglich finanzierten sie auch seine Partei und sein politisches Engagement. Klitschko streitet das ab. Unklar bleibt aber, wie er seine Partei und deren Aktivitäten finanziert. Klitschko wird seinen Machtkampf nicht führen können, ohne sich mit den Oligarchen ins Benehmen zu setzen, ob jetzt oder später im Präsidentschaftswahlkampf. Dies wird auch der Konrad-Adenauer-Stiftung bewusst sein, die Klitschko nach Recherchen der österreichischen Journalistin Jutta Sommerbauer bereits im Wahlkampf 2012 organisatorisch und logistisch unterstützte. Erfahrungen hat der Verbund christdemokratischer Parteien in Europa bereits mit derlei Problemländern. Beobachtendes Mitglied der EVP ist auch die Partei des armenischen Präsidenten Sersch Sarksjan. Diese ist Bestandteil eines Oligarchensystems, das Armenien fest im Griff hält. Auch Georgiens Ex-Präsident Michail Saakaschwili ist im Kreis der EVP aktiv. Seine Partei steht im eigenen Land unter dem Vorwurf der Elitenkorruption.

Kommentare
Am 10. Dezember 2013 um 05:56 von Liane8151
Oligarchentum. Vlt. nicht auf DIESE Art und Weise …. aber auch wir in DE werden durch unsere Wirtschaft regiert und bestimmt ! Die Wirtschaft sagt der Regierung einfach: „So nicht mit uns – dann gehen wir einfach in ein anderes Land mit unseren Unternehmen. Die Steuern zahlen wir dann da. Dann seht doch zu, wie ihr in DE OHNE Wirtschaftsunternehmen klar kommt !“

riewekooche
Bei uns ist das alles völlig anders. Bei uns wird der Einfluß unserer „Oligarchen“ nicht so öffentlich wirksam. Sie arbeiten über Lobbyisten, über verdeckte und offene Zahlungen an Parteien und über einflußreiche Stiftungen. Das Gewissen, das unserem Grundgesetz zufolge einzige Entscheidungsgrundlage eines Abgeordneten sein sollte, wird maßgeblich von seiner Partei und den Lobbyisten beeinflusst, und ich möchte auch daran erinnern, daß unser Land die UNO-Antikorruptionsvereinbarung nicht ratifiziert hat (im Gegensatz zur Ukraine übrigens).

Pixelpusher28
Der Hinweis das die Ukraine von Oligarchen regiert wird ist sicherlich richtig. Nur wird gern vergessen das auch Frau Timoschenko eine Oligarchin ist. Das scheint den Westen dann wiederum nicht zu stören, sie wird gar zur Ikone der Freiheit hochstilisiert. Was zeigt das es hier nicht um Demokratie geht sondern um Einflußzonen. Und wer regiert uns denn? Schon vergessen wohin die halbe SPD-Regierung nach der Abwahl verschwand? Erst hat man den Unternehmen Geschenke gemacht, dann bekam man bei den begünstigten Unternehmen fett dotierte Posten, ob Schily, Schröder, Clement oder Riester. Korruption? Aber nicht doch… Man vergesse auch nicht das es südlich der Alpen ein Land gibt das lange Jahre von einem Oligarchen zum Wohle seiner Konzerne regiert wurde.
Wir hätten wirklich allen Grund uns selbst so kritisch zu betrachten wie wir das immer nur bei den Osteuropäern tun.

DeHahn
Kommt nicht gerade eine GroKo bestehend aus SPD und CDU? Die CDU hat schon immer für die Reichen gearbeitet, aber den entscheidenden Quantensprung hat die SPD mit der Agenda2010 und der Liberalisierung der Finanzmärkte gemacht.

COJO
@TheodorTugendreich Zitat:“Man wird nicht durch Skrupellosigkeit zum Oligarchen, sondern durch Nachdenken, Geschick, Schnelligkeit und der Fähigkeit Leute zu gewinnnen.“

Schön verpackt ist das nichts anderes als ein psychopatischer Egoist. Und der ist skrupellos und verhindert das alle in der Gesellschaft gleiche Chancen haben oder bekommen.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/banken-strafzahlungen100.html

Jetzt müssen die Banken bluten. Fünf Jahre nach der Finanzkrise werden die Banken doch noch zur Rechenschaft gezogen. Als Präsident Barack Obama Anfang 2012 eine Sondereinheit zur Untersuchung des US-Immobiliendebakels aufstellte, da war das Urteil über diese „Task Force“ rasch gefällt: Um ein Wahlkampfmanöver handele es sich, worum sonst? Anderthalb Jahre später ist Obama längst wiedergewählt und mit anderen Problemen beschäftigt. Die damals eingesetzte Sondereinheit indessen, geleitet vom US-Generalbundessanwalt Eric Holder und seinem New Yorker Amtskollegen Eric Schneiderman, hat in den vergangenen Monaten eine völlig ungeahnte Eigendynamik entwickelt. Die vermeintliche Alibi-Veranstaltung war es, die jene Ermittlungen koordinierte, die im Oktober in dem historischen 13-Milliarden-Dollar-Vergleich zwischen der US-Regierung und der Großbank JP Morgan Chase mündeten. Doch das ist erst der Anfang.

Berichten der „Financial Times“ zufolge strebt Washington ähnliche Übereinkünfte mit neun weiteren Großbanken an, die in die Immobilienmisere verwickelt waren – darunter die Deutsche Bank. Da ist zum Beispiel der Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze. Rund zwei Milliarden Dollar zahlte allein die Schweizer UBS, um sich von weiteren Untersuchungen freizukaufen, rund eine Milliarden Dollar blechte jüngst die niederländische Rabobank. Weitgehend abgehandelt scheinen derweil diverse Geldwäsche-Affären, die unter anderem die britische HSBC eine Milliardensumme kostete. Und dann sind da Absurditäten wie die „Wal-von-London“-Saga um einen JP-Morgan-Mitarbeiter, der mit einer einzigen Handelsposition unfassbare 6,2 Milliarden Dollar verzockte. 920 Millionen Euro zahlte die Bank als Buße für das Versagen sämtlicher Risikokontrollen.

Nach Schätzungen der Analysegesellschaft Bernstein Research dürften die diversen Vergleiche allein die größten US-Banken letztlich über 100 Milliarden Dollar kosten. Das wäre mehr Geld, als die Institute seit der Finanzkrise als Dividenden an ihre Aktionäre ausgeschüttet haben. Eine Deutung drängt sich auf: Ist es etwa so, dass der Staat die Banken zunächst einmal rettete, dass er dann wartete, bis sie sich erholten – und dass er sie nun, wo er selber Geld braucht, schröpft? „Richtig ist, dass Behörden, wenn sie Strafen verhängen, normalerweise auch darauf achten, wie viel sie den Unternehmen zumuten können“, sagte Thorsten Voss, der früher für die Finanzaufsicht BaFin arbeitete und heute für die Anwaltskanzlei Mayer Brown tätig ist.

Sich öffentlich zur Wehr zu setzen – das trauen sich die Banken nicht. Nach dem Subprime-Crash ließ sich noch argumentieren, dass die Finanzbranche zwar die Hauptschuld an dem Desaster trage, Politiker und Regulierer aber ebenfalls versagt hätten. Im Libor-Skandal hingegen ist die kriminelle Energie zu offensichtlich: ein paar Dutzend Händler, die, womöglich gedeckt durch ihre Vorgesetzten, über Jahre hinweg die wichtigsten globalen Referenzzinssätze manipulierten. „Da haben sich Abgründe aufgetan“, sagt Voss. So ist zu erklären, dass die Geldhäuser alles dafür tun, öffentliche Verfahren zu vermeiden. Die Ermittler wissen dies natürlich und treiben die Preise für die Vergleiche immer weiter in die Höhe. „Man kann“, so der Anwalt, „darin durchaus auch etwas Erpresserisches sehen.“

http://www.taz.de/Welthungerindex-vorgestellt/!125516/

Rund 842 Millionen Menschen weltweit sind chronisch unterernährt, besonders viele davon in Südasien und Afrika südlich der Sahara. Das zeigt der jüngste Welthungerindex, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. „Das ist jeder achte Mensch“, sagte Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, bei der Vorstellung des Berichts. Dass Millionen Menschen hungern, liege zunehmend an bewaffneten Konflikten, Naturkatastrophen und hohen Nahrungsmittelpreisen. Und Krisen, wie Dürren, würden zunehmen.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/g20-steuern102.html

ARD 19.7.2013 Multinationale Konzerne sollen künftig mehr Steuerverantwortung tragen und damit nationale Unternehmen und Bürger entlasten. Ein solches Modell hat die OECD beim G20-Finanzministertreffen vorgestellt – und erhält Rückendeckung. OECD-Generalsekretär Angel Gurria hofft, dass in Moskau eine Art Steuer-Revolution auf den Weg gebracht wird. Er präsentiert den Finanzministern der 20 wichtigsten Volkswirtschaften einen Aktionsplan, den seine Organisation in den vergangenen Monaten ausgearbeitet hat: „Der Plan enthält 15 Aktionen, die zur radikalsten Veränderung der internationalen Steuerregeln seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts führen würden.“ Nötig wäre es. Denn diese Steuerregeln sind so chaotisch, dass sie den großen internationalen Konzernen allerlei Tricksereien ermöglichen. Das empört auch den französischen Finanzminister Pierre Mosovici: „Einige große Unternehmen schaffen es, gerade mal drei bis vier Prozent Steuern auf ihre weltweiten Gewinne zu zahlen. Das kann man doch den Bürgern und auch den kleinen und mittleren Unternehmen, die ihren fairen Teil zum Steueraufkommen beitragen, nicht mehr vermitteln.

Und deshalb sollen nun etliche dieser zurzeit noch legalen Schlupflöcher gestopft werden. Es soll nicht mehr möglich sein, dass die multinationalen Konzerne durch kreative interne Preisgestaltung ihre Gewinne in den Ländern kleinrechnen, wo die Steuersätze hoch und die Verluste dort hochrechnen, wo die Besteuerung niedrig ist. Die Konzerne sollen auch zur Transparenz gezwungen werden, sie sollen Land für Land ausweisen, wie hoch ihre Einnahmen sind und wie viele Steuern sie gezahlt haben.

Und schließlich wagt sich der Aktionsplan auch an das heiße Eisen des unfairen Steuerwettbewerbs zwischen den Staaten. Die sollen nicht mehr mit bestimmten Dumping-Steuersätzen und anderen Vergünstigungen die Konzerne anlocken und so das Steueraufkommen in anderen Ländern aushöhlen. Eine generelle Harmonisierung der Steuersätze wird allerdings nicht angestrebt. Ziel ist, dass am Ende in jedem Land die Steuern entsprechend der dort tatsächlich stattfindenden Wertschöpfung entrichtet werden.

20.7.2013 Der Spiegel: Die G-20-Staaten haben sich auf einen Aktionsplan gegen Steuervermeidung verständigt. Hintergrund sind Schätzungen, dass den Staaten jährlich rund 160 Milliarden Dollar Steuern verlorengehen. Beim letzten G-20-Treffen im Februar hatte ein Bericht für Furore gesorgt, wonach die Steuerlast multinationaler Konzerne im Schnitt nur halb so hoch wie die anderer Unternehmen. Bei der Höhe ihrer Steuersätze wollen sich die Staaten zwar nicht koordinieren. Niedrigsteuerländer werden Staaten mit relativ hohen Steuern wie Deutschland also auch weiter Konkurrenz machen. Mit einem verbesserten Informationsaustausch wollen die Staaten aber Praktiken der Steuervermeidung zu Leibe rücken.

http://www.weltkirche.katholisch.de/de/weltkirche/aktuelles/20130531_postmdgs.php

31.05.2013 – Die Vereinten Nationen sollen bis zum Jahr 2030 extreme Armut in der Welt beseitigen und sich weiter für nachhaltige Entwicklung einsetzen. Das geht aus dem am Freitag in New York vorgestellten Expertenbericht A New Global Partnership  hervor. Er formuliert die Ziele der weltweiten Entwicklungspolitik in der Fortsetzung der im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniums-Entwicklungsziele der Staatengemeinschaft. „Wir stehen am Beginn einer historischen Reise“, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Post-2015-Prozess biete die Chance, eine neue Ära im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit einzuleiten, erklärte Ban in New York. Ziel sei es, für alle Menschen „eine Welt des Wohlstands, der Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit und der Würde“ zu schaffen. Der Bericht nennt unter zwölf Zielen die vollständige Beseitigung extremer Armut, nachhaltige Energieversorgung, eine drastische Verringerung der Kindersterblichkeit und eine weltweite Sicherung der Lebensmittelversorgung sowie Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle. Auch die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern wird als Ziel genannt. Die 27-köpfige Expertengruppe, der auch der frühere deutsche Bundespräsident Horst Köhler angehört, hatte im September ihre Arbeit aufgenommen. Basierend auf den jetzt vorgestellten Empfehlungen wird Ban im September seinen Bericht der UN-Generalversammlung vorlegen.

Video Wer ist Schuld am Welthunger (ZDFinfo)

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/welternaehrung-klimawandel-bedroht-die-globale-nahrungsproduktion-a-894254.html

Bis 2050 soll die Weltbevölkerung um gut zwei Milliarden Menschen reicher sein als heute, wobei das Bevölkerungswachstum Uno-Prognosen zufolge fast ausschließlich in den Entwicklungsländern stattfinden wird. Allein in Afrika wird sich die Bevölkerung voraussichtlich von rund einer Milliarde auf etwa 3,6 Milliarden Menschen verdreifachen. Aus diesem Grund schlagen die Wissenschaftler anlässlich der Konferenzen um Ernährungssicherheit in Dublin Alarm.

Es sind düstere Szenarien, die sie voraussagen: Millionen Menschen in Afrika und Asien drohen zu verarmen, weil sich die Preise für Grundnahrungsmittel bis 2050 verdoppeln werden. Als einen Hauptverantwortlichen für die bedrohliche Entwicklung machen die Forscher den Klimawandel aus. Die Erderwärmung werde mittelfristig zu extremen Temperaturen, Fluten und Dürrekatastrophen führen – und damit zu einer massiven Beeinträchtigung der Nahrungsmittelproduktion.

„Die Nahrungsmittelproduktion muss bis 2050 um 60 Prozent steigen“

Die Folgen: Insbesondere in Afrika werden die Menschen künftig häufiger von Hungerkatastrophen betroffen sein, als sie es ohnehin schon sind. Derzeit gelten laut Uno etwa eine Milliarde Menschen als unterernährt, die Zahl wird vor allem in den Entwicklungsländern drastisch steigen.

http://www.tagesschau.de/ausland/unicef-bericht102.html

Unicef-Bericht. Jedes vierte Kind ist unterernährt. Ein neuer Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef stellt Zahlen zur Unterernährung vor: Weltweit ist jedes vierte Kind im Alter von unter fünf Jahren unterernährt. 165 Millionen Kinder seien aufgrund von Mangelernährung bereits im Mutterleib oder während ihrer ersten Lebensjahre in ihrer Entwicklung beeinträchtigt.

„Der Rückstand in den ersten 1000 Tagen im Mutterleib und bis zum zweiten Geburtstag lässt sich meist nicht wieder aufholen“, heißt es im Unicef-Bericht. Während sich Hunger augenfällig auswirke, sehe man einem unterernährten Kind die Auswirkung nicht direkt an. Die Folgen seien aber fatal: Viele Kinder kämen zu klein auf die Welt, die Entwicklung des Gehirns und damit der kognitiven Fähigkeiten seien häufig für immer beeinträchtigt. Und: Für jeden dritten Todesfall bei Kleinkindern sei Mangelernährung mitverantwortlich.

In Südasien und Südafrika leiden die meisten. „Wir brauchen innovative Lösungen, um die Bevölkerung zu schützen.“ Einzelne Länder wie Äthiopien, Ruanda, Haiti und Peru hätten dabei bereits große Fortschritte gemacht.

http://www.tagesschau.de/inland/niebel-bilanz100.html

„terre des hommes“ kritisiert deutsche Entwicklungspolitik

Danuta Sacher ist Vorstandsvorsitzende des internationalen Kinderhilfswerks „terre des hommes“. Davor leitete sie die entwicklungspolitische Abteilung von „Brot für die Welt“. Sacher hat u.a. Geographie und Soziologie studiert. Sie gehört der Kammer für Nachhaltige Entwicklung der EKD an.

tagesschau.de: Wo sehen Sie den Schwerpunkt der Niebel’schen Politik?

Sacher: Deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist stärker interessensgeleitet als früher. So formuliert es auch die Bundesregierung: Entwicklungszusammenarbeit ist interessensgeleitete Zukunftspolitik. Wir finden die deutlich erkennbare Orientierung an Außenwirtschaftsinteressen bedauerlich. Wir halten es nicht für richtig, dass die vergleichsweise bescheidenen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit vor allem der Außenwirtschaftsförderung dienen sollen.

tagesschau.de: Was vermissen Sie grundsätzlich in der deutschen Entwicklungspolitik?

Sacher: Es fehlt die stärkere Ausrichtung an den wirklich brennenden Zukunftsfragen. Seit Jahren erleben wir eine Bündelung und Zuspitzung globaler Krisen und Herausforderungen. Aber die Entwicklungszusammenarbeit operiert immer noch mit den Instrumenten von gestern. Steueroasen austrocknen oder den Finanzsektor bändigen, das könnte unglaubliche Auswirkungen auf die Entwicklungschancen und auf die Politik zugunsten der armen Bevölkerung in vielen Ländern haben. Der Betrag, der an den Steuersystemen vorbei offshore angelegt wurde, ist um ein Vielfaches größer als der weltweit benötigte Betrag, um die Armut zu halbieren. Gleiches gilt für die Bekämpfung der Lebensmittelspekulation. Das sind unverzichtbare Beiträge für die Entwicklungszusammenarbeit von morgen. Da vermissen wir deutliche Worte unseres Entwicklungsministers.

tagesschau.de: Als Säulen der Entwicklungspolitik gelten die Bekämpfung von Armut, die Förderung von Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Menschenrechte. Sind das noch die bestimmenden Prinzipien oder fand eine Akzentverschiebung statt?

Sacher: Diese Herausforderung beschreiben auch die Konzepte des Ministeriums. Aber es fehlt die Übereinstimmung von Wort und Tat. Womöglich tun sich Widersprüche auf, zum Beispiel zwischen Außenwirtschaftsorientierung und Armutsbekämpfung. Wirtschaftsunternehmen investieren in der Regel ja nicht in den armutsrelevanten Sektoren. Mit Grundbildung und Basis-Gesundheitsversorgung lässt sich kaum Gewinn machen. Besonders problematisch ist es, wenn das BMZ Entwicklungshilfegelder in Gemeinschaftsprojekte mit Banken und Investmentfonds steckt.

nano spezial vom 21. März 2013: Wege aus der Armut

Nach fast einem halben Jahrhundert Entwicklungshilfe sind viele Länder so arm wie zuvor. Wissenschaftler haben Instrumente entwickelt, um den Erfolg der Maßnahmen zu messen.  „Das fundamentale Problem ist, dass die Entwicklungshilfe keine Jobs geschaffen hat, sondern das Gegenteil bewirkte, sie zerstörte.“

Afrikas Staaten benötigen nach Moyos Thesen vor allem Investitionen, die aber gebe es nur bei stabilen Verhältnissen. Das System der Entwicklungshilfe sei da ein Hemmnis. Innovationen und Fleiß würden in Empfängerländern nicht belohnt, Fehlverhalten nicht bestraft, so die streitbare Finanzexpertin. Eine Weltbank-Studie belege, dass 85 Prozent der Hilfsgelder fehlgeleitet würden. In 50 Jahren Entwicklungshilfe flossen Schätzungen zufolge zwischen 500 Milliarden und zwei Billionen Dollar nach Afrika. Aber das Ergebnis scheint vielen niederschmetternd. Während vor allem asiatischen Entwicklungsländern ein rasanter Sprung nach vorne gelang, meist mit wenig Hilfen von außen, fiel Afrika immer weiter zurück. Auch die beeindruckenden Wachstumszahlen Afrikas in den letzten Jahren haben wesentlich die Entdeckung und bessere Ausbeutung der üppigen Rohstoffe zum Hintergrund – weniger eine solide Ökonomie.

Der kenianische Ökonom James Shikwati plädiert für eine radikale Abkehr des Konzepts der Entwicklungshilfe. Sie habe Afrika nur abhängig gemacht und Machtstrukturen verfestigt, von denen wenige profitierten. Die westliche „Hilfsindustrie“ stärke lediglich tyrannische Herrscher und Korruption. Markt, freier Handel und Eigeninitiative würden erstickt, Bürokratie und Dirigismus gemästet. Ohne funktionierende Märkte, ohne demokratische, rechtsstaatliche Grundlagen könne es keine Entwicklung geben.

http://content.globalmarshallplan.org/ShowNews.asp?ID=4584

Bis zu 32 Billionen US-Dollar sind in den Steueroasen versteckt. Das ist ein Drittel des Gesamtvermögens der Reichen. Mit diesem Geld könnte alle Armut auf der Welt beseitigt und eine bessere Welt aufgebaut werden. Und das Geld wird von den Reichen wirklich nicht gebraucht. Es ist kriminelles Geld und sollte deshalb von der Weltgemeinschaft eingezogen werden. Die Offshore-Leaks sind das größte Informationsgeschenk der Geschichte. Die Veröffentlichung von 130.000 Namen zeigt, welch ein gigantisches Netzwerk im Hintergrund agiert, um den Fiskus – und damit uns alle – zu betrügen.

Was kann die Politik tun?

Es braucht einen politischen Willen, die Geschäftsmodelle ganzer Staaten zu beenden. Man muss die Steueroasen unter Druck setzen, ihr Bankgeheimnis zu opfern – das machen die USA im Moment mit der Schweiz und Liechtenstein.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordert den automatischen Informationsabgleich zwischen Banken und Finanzämtern der Welt – das Ende von Anonymität und Bankgeheimnis. Halten Sie das für realistisch?

Der Ansatz stimmt, aber das Problem muss weltweit bekämpft werden. Die OECD muss ihre eigenen Steueroasen austrocknen.

An diesem Wochenende versuchen die Finanzminister der Eurozone, den Informationsaustausch über Dividenden und Veräußerungsgewinne durchzusetzen. Und immerhin wollen sich jetzt auch Luxemburg und Österreich zu diesem Informationsaustausch bei den Zinserträgen durchringen. Was halten Sie davon?

Ein erster Ansatz, aber die Finanzindustrie hat sich längst darauf eingerichtet, Schlupflöcher zu bauen, um das alles zu umgehen. Für wichtiger halte ich, dass das Country-by-Country-Reporting bei Großkonzernen durchgesetzt wird.

Was ist das?

Die Firmen müssen dann im Geschäftsbericht zeigen, wo ihre Gewinne und Verluste anfallen. Es ist doch höchst seltsam, wenn eine Firma auf den Virgin Islands Riesengewinne einfährt, aber quasi keine Angestellten hat. Oder dass bei ihrer Tochter in Deutschland nur Verluste anfallen. Warum zahlen Konzerne wie Google oder Starbucks in England und Deutschland kaum Steuern?

Die Welt leidet unter Hunger, Krankheit, Krieg und Unweisheit. Die Reichen werden immer reicher und es gibt immer mehr Arme. Über 1 Milliarde Menschen auf der Welt leiden unter extremer Armut. Extreme Armut bedeutet chronische Unterernährung, schlechte Gesundheitsversorgung, nicht genug zum Leben zu haben. Mehr als zehn Millionen Kinder sterben jährlich an Unterernährung und vermeidbaren Krankheiten.

Wenn die Welt ein Dorf mit 100 Einwohnern wäre, dann ist ein Mensch superreich. Ihm gehören ein Drittel des Landes und 30 % des Dorfvermögens. 20 Menschen gehören 80 % des gesamten Reichtums des Dorfes. Ihnen geht es materiell gut. Sie haben weitaus mehr, als sie brauchen. Sie bilden die reiche Oberschicht des Dorfes, die Großgrundbesitzer, die Kapitalisten, die herrschende Klasse. Ihnen gehören die meisten Zeitungen, Radiosender und Fernsehanstalten. Sie können damit stark die öffentliche Meinung beeinflussen.

40 Menschen haben ausreichend Geld. Sie leben als Kleinbauern, Arbeiter, Angestellte und kleine Selbständige. 40 Menschen (40 %) sind die Armen. Die Hälfte von ihnen ist unterernährt oder direkt am verhungern. In ihrem Lebensbereich gibt es keine ausreichende Krankheitsvorsorge, starke Suchtprobleme (Drogen, Alkohol) und eine ausufernde Kriminalität. Sie wohnen in einem Slum am Rande des Dorfes und ernähren sich von der Müllkippe.

Nach der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen ist ausreichende Nahrung ein Menschenrecht. Die Reichen sind deshalb verpflichtet, den am Hunger leidenden Menschen von ihrem Geld so viel abzugeben, dass sich alle genug zu essen kaufen können. Darüber hinaus gibt es in der Menschenrechtscharta das Menschenrecht auf Arbeit. Die Reichen sind desweiteren verpflichtet, für die gesamten Arbeitslosen der Erde Arbeit zu schaffen, ihnen ausreichend Land zur Verfügung zu stellen oder den Staaten der Welt genug Geld für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu geben.

Es gibt die Möglichkeit von ausreichender Besteuerung, Schutzgesetzen für die Armen und einer Agrarreform. Es gibt die Möglichkeit eines globalen Marshallplans und einer globalen ökosozialen Marktwirtschaft. Und es gibt die Möglichkeit, dass die Armen sich organisieren und gemeinsam ihre Rechte durchsetzen. Es gibt viele Organisationen auf der Erde, die für eine bessere Zukunft arbeiten. Jeder Mensch sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beitragen, dass unsere Welt nicht eines Tages im Chaos versinkt, sondern in eine glückliche Zukunft gelangt.

Wenn wir ohne Weisheit bei der kapitalistischen Globalisierung so weiter machen, wird die Umwelt zerstört, die Armut unkontrollierbar groß und die psychische Verelendung der Menschen entsetzlich werden. Es wird ewig sinnlose Verteilungskriege geben. Die Welt muss auf der Basis des inneren Glücks und der umfassenden Brüderlichkeit neu organisisiert werden. Wir brauchen eine Globalisierung der Liebe und der Vernunft.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Rettet Afrika
  • 2 Prinzip der Selbstversorgung
  • 3 UN-Millenniumsziele
  • 4 Weltsozialforum
  • 5 Deutschland und die Welt
  • 6 Aufrüttelnde Worte von Jean Ziegler
    • 6.1 Interview mit Jean Ziegler über den Welthunger
  • 7 Der Weg der umfassenden Liebe
  • 8 Mulitikulturelle Welt
  • 9 Rede des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck
  • 10 Diskussion im Spiegelforum
  • 11 Zeitungszitate
    • 11.1 Hunger in der Welt
    • 11.2 Der Aufstand der Jugendlichen
    • 11.3 Eine psychisch kranke Gesellschaft
    • 11.4 Globales Geldvermögen auf neuem Rekord
    • 11.5 Burn-out im Job
    • 11.6 Friedensnobelpreis 2011 für drei afrikanische Frauen
    • 11.7 Die neue Occupy-Bewegung in den USA
    • 11.8 Für eine solidarische Moderne
    • 11.9 Einkommensverteilung in Deutschland wird ungleicher
    • 11.10 Hungersnot in der Sahelzone in Nordafrika
    • 11.11 Club of Rome: Die Welt im Jahr 2052
    • 11.12 Mehr Wohlstand führt nicht zum Glück
    • 11.13 ERSTER WELTGLÜCKSBERICHT DER UNO
    • 11.14 Bhutan will 100% Bio in der Landwirtschaft
    • 11.15 wohlstandsstudie (geld-ist-wichtiger-als-glueck)
    • 11.16 Solidarität mit Malala
    • 11.17 Mit Vollgas in die Hungerkrise. Film von Richard Prost und Yves Billy (Phönix 7.1.2012)
  • 12 Weblinks

Rettet Afrika

Essen für Afrika.

Die meisten extrem Armen leben in Afrika. Es gibt auch extreme Armut in Indien, China und Südamerika. Aber diese Länder befinden sich in einem wirtschaftlichen Aufwärtstrend. In Afrika dagegen steigt das Elend immer mehr an. Der Weltwährungsfond (IWF) hat vierzig Jahre lang versucht, mit einer neoliberalen Wirtschaftspolitik (Staatsunternehmen privatisieren, die Märkte liberalisieren, Sozialausgaben einsparen) die Wirtschaft Afrikas in Gang zu bringen. Sie hat das Gegenteil bewirkt. Sie ist in Afrika gescheitert.

Der Harvard-Professor Jeffrey Sachs hat 2005 das Buch „Das Ende der Armut“ veröffentlicht. Darin macht er konkrete Vorschläge, wie die extreme Armut in Afrika überwunden werden kann. Seine wichtigste Erkenntnis besteht darin, dass Afrika sich nicht selbst aus der wirtschaftlichen Not befreien kann. Die reichen Staaten des Westens müssen den Menschen finanziell und personell helfen. Afrika kann nur durch einen klugen Marshallplan wirtschaftlich gerettet werden, der von der westlichen Welt finanziert werden muss. Das kann durch eine Reichensteuer gelingen (Finanztransaktionssteuer wie von den Kirchen, der Welthungerhilfe, dem DGB, Attac und dem französischen Präsidenten Giscard d’Estaing bereits vorgeschlagen wurde).

Jeffrey Sachs hat einen konkreten Plan der Armutsüberwindung in Afrika ausgearbeitet:

1. Die landwirtschaftlichen Erträge der Bauern könnten durch gute Beratung und bestimmte Hilfsmittel (Bewässerungsanlagen, Dünger, venüntigen ökologischen Landanbau mit 3-Felder-System) verbessert werden.

2. Damit die größere Ernte nicht gleich wieder aufgegessen wird, muss das Bevölkerungswachstum durch eine gezielte Familienberatung und die kostenlose Verteilung von Verhütungsmitteln eingedämmt werden.

3. Die Hilfsgelder müssen demokratisch von den Dorfgemeinschaften selbst verwaltet werden, damit sie nicht in der staatlichen Korruption verschwinden.

4. Die armen Länder müssen von ihrer Schuldenlast befreit werden, damit sie Geld zur Überwindung der Armut übrig haben.

5. Es muss eine ausreichende Infrastruktur (Schulen, Straßen, Gesundheit, Elektrizität) aufgebaut werden.

Dass nachhaltige Entwicklungshilfe funktioniert, hat der Filmschauspieler Karlheinz Böhm in Äthiopien bewiesen. Er hat vier Dörfer persönlich betreut, Spenden in Deutschland gesammelt, eine ökologische Landwirtschaft aufgebaut und so einen ganzen Landstrich vor dem Hungertod bewahrt. Es hat über ein Jahrzehnt gedauert, aber heute können sich die Dörfer selbst mit allem Notwendigen versorgen.

Prinzip der Selbstversorgung

Glückliche Kinder

In Indien setzt sich die soziale Basisbewegung Ekta Parishad (Solidarischer Bund) mit gewaltfreien Methoden für die Rechte der unterdrückten Landbevölkerung ein. Ihr Gründer und Leiter Rajagopal erklärt: „Die Globalisierung hat der Mittelklasse Indiens viel gebracht, den Armen jedoch geschadet. 80 Prozent der Inder leben von der Arbeit auf dem Land. Wenn sie kein Land haben, gibt es auch keine Nahrung für sie.“

Die industrielle Landwirtschaft führt zu kapitalistischen Agrarkonzernen, einem großen Sterben bei den kleinbäuerlichen Betrieben und zur Massenarbeitslosigkeit bei der Landbevölkerung. Unter dem Begriff «Entwicklung» wird diese Idee nach Indien exportiert, sagt Rajagopal. Land ist aber kein kapitalisierbares Gut, sondern Nahrungsgrundlage für die Landbevölkerung. Er zitiert Gandhi, der gesagt hat, dass Indien nicht eine Massenproduktion braucht, sondern eine Produktion durch die Massen.

Die landlosen und landarmen Bauern in den Ländern der so genannten Dritten Welt stellen den Großteil der Unterernährten. Was sie brauchen, ist vor allem ein Stück Land, von dem sie sich selber ernähren können.Agrarreformen sind zur wirksamen Armutsbekämpfung, zur nachhaltigen Sicherung der Welternährung und zur Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung von zentraler Bedeutung. Sie müssen eingebettet sein in ein umfassendes Konzept zur Förderung einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung.

Die Hauptlösung des Welthungerproblems ist das Prinzip der Selbstversorgung durch eigenes Land. Jeder Bauer sollte das Recht auf ein eigenes Stück Land haben, von dem er mit seiner Familie leben kann. Die landlosen Bauern müssen fruchtbares Land von den Regierungen bekommen. Im Moment läuft der Prozess eher umgekehrt. Das Land der Armen wird den Reichen gegeben, damit diese noch reicher werden. Wenn landlose Bauern erfolgreich ein Stück Land angebaut haben, werden sie oft wieder davon vertrieben.

Die Großgrundbesitzer müssen einen Teil ihres Landes den Armen abgeben. Ohne Landreformen ist das Welthungerproblem nicht zu lösen. Teilweise können auch neue landwirtschaftliche Flächen erschlossen werden. Dieses kann zum Beispiel durch die Bewaldung von Wüstengebieten geschehen. Die Abholzung der Wälder muss gestoppt werden. Statt Monokulturen (Ölpalmen, Biosprit) für den Export aufzubauen, sollte jedes Land eine ausreichende Fläche für die Selbstversorgung der Bevölkerung zur Verfügung stellen.

Der Aufbau funktionierender kleinbäuerlicher Strukturen in den Entwicklungsländern muss verbunden werden mit einer guten Beratung durch landwirtschaftliche Experten, einem effektiven ökologischen Landanbau, mit kooperativen Strukturen und einem fairen weltweiten Handel. Es gibt funktionierende Beispiele für ökologische Selbstversorgungsgemeinschaften, an denen sich die Entwicklungshelfer orientieren können.

Wichtig ist die Förderung des Gemeinsinns in der Welt. Ohne eine Rückbesinnung auf die Werte Genügsamkeit, inneres Glück, umfassende Liebe und gegenseitige Hilfe werden die Selbstversorgungsstrukturen sich langfristig wieder auflösen. Wenn der Egoismus dominiert, hat das gemeinsame Glück auf der Welt keine Chance. Wir müssen uns als eine Weltfamilie begreifen, die aus vielen kleinen Familien besteht und wo jeder jedem hilft, damit es allen gut geht.

UN-Millenniumsziele

Das Ziel: Eine Welt voller glücklicher Menschen.

Wikipedia: „Die UN-Millenniumsziele sind acht Entwicklungsziele für das Jahr 2015, die im Jahr 2000 von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der UNO, der Weltbank, der OECD und mehreren NGOs formuliert worden sind.

1. Bekämpfung von extremer Armut und Hunger

  • Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden.
  • Vollbeschäftigung in ehrbarer Arbeit für alle erreichen, auch für Frauen und Jugendliche.

2. Primärschulbildung für alle

3. Gleichstellung der Geschlechter / Stärkung der Rolle der Frauen

4. Senkung der Kindersterblichkeit

5. Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter

6. Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten

7. Ökologische Nachhaltigkeit

  • Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in der Politik und den Programmen der einzelnen Staaten verankern und die Vernichtung von Umweltressourcen eindämmen.
  • Bis 2020 eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern und -bewohnerinnen bewirken.

8. Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung

  • Entwicklung eines offenen, regelgestützten, berechenbaren und nicht diskriminierenden Handels- und Finanzsystems.
  • Umfassende Anstrengungen auf nationaler und internationaler Ebene zur Lösung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer.
  • In Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern Strategien zur Schaffung menschenwürdiger und sinnvoller Arbeitsplätze für junge Menschen erarbeiten und umsetzen.

Weltsozialforum

Wikipedia: „Das Weltsozialforum ist eine Gegenveranstaltung zu den Gipfeln der Welthandelsorganisation (WTO), dem Davoser Weltwirtschaftsforum und den jährlichen Weltwirtschaftsgipfeln der Regierungschefs der G8-Staaten. Die erste Veranstaltung fand 2001 in Porto Alegre statt und wurde zu einem Symbol für die Bewegung der Kritiker der Globalisierung. Die Treffen stehen unter dem Motto: „Eine andere Welt ist möglich.“ Mit den weltweiten Treffen wird unter anderem beabsichtigt, Alternativen zum vorherrschenden Denkmodell des globalen Neoliberalismus aufzuzeigen. Das Vernetzen sozial engagierter Personen und Organisationen soll zum Ausdruck bringen, dass eine Globalisierung auch ein verantwortungsbewusstes Denken und Handeln für das Wohl der ganzen Welt bedeuten kann.

Beim 3. Weltsozialforum 2003 stand thematisch der (völkerrechtswidrige) Irakkrieg der USA im Vordergrund. Das Forum wurde zum Ausgangspunkt für die größten Massendemonstrationen der Menschheitsgeschichte zugunsten des Friedens. 2009 fand das WSF in Belém (Brasilien) statt. Es gab eine große Debatte über den Klimawandel. Am Forum nahmen über 130.000 Besucher aus 142 Ländern teil, darunter Delegierte von rund 4.000 sozialen Bewegungen, indigenen Völkern, Gewerkschaften, Kirchen und nichtstaatlichen Organisationen. Inhaltliche Schwerpunkte waren Ökologie, Arbeitswelt, indigene Völker sowie die globale Finanz- und Wirtschaftskrise.“

Deutschland und die Welt

Glückliche Frauen

Wir haben nicht nur eine Klimakatastrophe, sondern auch eine wachsende soziale Katastrophe auf der Erde. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich vergrößern sich immer mehr. Immer mehr Menschen rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit, in Alkoholismus, Drogensucht, Krankheit und Kriminaliät ab. Wir leben in einer Kultur der globalen Zerstörung, durch die langfristig immer mehr Menschen aus der Gesellschaft gedrängt und in Slums oder Gefängnissen gettoisiert werden.

Das Ende der Entwicklung wird sein, dass es einige festungsähnliche Reichensiedlungen und ansonsten eine weltweite Slumkultur gibt. Slumkultur bedeutet psychische Verelendung, ausufernde Kriminalität, keine ausreichende Gesundheitsvorsorge und unkontrollierbare Suchtprobleme (Alkohol, Drogen, Tabletten). Viele Staaten zerfallen oder werden von Verbrecherorganisationen kontroliert. Das beginnt derzeit schon.

Deutschland ist nicht unabhängig von der Entwicklung zur Selbstzerstörung der Menschheit. Wir sind ein Teil und ein Motor des Systems. Der westliche Kapitalismus verschärft weltweit die Verelendung und Umweltzerstörung, weil er den äußeren Reichtum einer Minderheit und nicht das Glück aller Menschen im Blickwinkel hat.

Im Moment profitieren viele Menschen in Deutschland von der Ausbeutung der Welt, weil wir Exportweltmeister sind. Aberlangfristig wird die soziale Verelendung auch bei uns zunehmen, weil die Löhne in Deutschland sich immer mehr an die Entwicklungsländer anpassen werden.Gleichzeitig werden immer mehr Unternehmen ihre Betriebe ins Ausland verlagern, weil sie dort mehr verdienen können. Das führt dazu, dass der Leistungsdruck in den Betrieben zunehmen und sich die Arbeitslosigkeit verstärken wird.

Auch in Deutschland wird die Gesellschaft immer mehr zerfallen. Bereits jetzt können wir beobachten, dass sich die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter öffnet. Durch Steuerentlastungen und andere Geschenke versucht der Staat die großen Unternehmen im Land zu halten. Die Unternehmen wiederrum können die einzelnen Länder der Welt gegeneinander ausspielen und dadurch eine große Reichtumsverschiebung zu ihren Gunsten bewirken.

In einer globalisierten Welt besteht die einzige Lösung darin, dass wir weltweit eine Kultur der Liebe, der Weisheit und des Glücks aufbauen. Die globalen Unternehmen müssen global kontrolliert werden. Die Armen müssen global beschützt werden. Die Menschheit ist eine Familie. In einer guten Familie tragen alle Familienmitglieder zum Gelingen der Gesamtfamilie bei. Mögen wir das begreifen, unsere persönliche Aufgabe erkennen und rechtzeitig tatkräftig handeln.

Wie können wir gegensteuern? Wir können fair gehandelte Produkte kaufen, durch die die Menschen in der Dritten Welt einen fairen Preis für ihre Arbeit erhalten und vor Gesundheitszerstörung geschützt werden. Wir können auf umweltschonende Anbaumethoden achten und keine Produkte aus Kinderarbeit kaufen. Auch als Käufer haben wir eine gewisse Macht, die wir nutzen sollten. Wir können Parteien wählen, die eine gute Entwicklungshilfe betreiben. Wir können im Internet für Weisheit, eine offene Spiritualität und eine glückliche Welt eintreten.

Aufrüttelnde Worte von Jean Ziegler

Jean Ziegler, Audimax Universität Wien, 2009

Der bekannte Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler kämpft wehement gegen die kapitalistische Globalisierung. Bis zu seiner Emeritierung im Mai 2002 war er Professor für Soziologie an der Universität Genf . Von 2000 bis 2008 arbeitete er als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

Zitate TAZ 2010: „Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus Guatemala. Dort besitzen die reichen Großgrundbesitzer und die westlichen Fruchtkonzerne das Land in den fruchtbaren Ebenen. Die Nachkommen der vertriebenen Maya dagegen – 80 Prozent der Bevölkerung – bearbeiten karge Maisäcker in 2.500 Meter Höhe. Die Bauern sind halb verhungert. Die Frauen auf den Feldern sehen mit 30 aus wie 80. Die gerechte Verteilung des Landes, Schulbildung für alle Kinder, das wird alles nicht kommen, weil die multinationalen Unternehmen es blockieren. Die haben die wichtigsten UNO-Staaten in der Hand. Die haben auch die Regierung von Guatemala in der Hand. Eine Landreform dort wird es nicht geben. Die weißen Kolonialherren, die Lateinamerika 500 Jahre ausgebeutet haben, verzichten nicht einfach auf ihr Machtmonopol. Es geht um die ökonomischen Interessen der Minenkonzerne, deren Macht der bolivianische Präsident Morales beschnitten hat. Evo Morales ist sehr intelligent, er hat gute Berater. In Bolivien gibt es berechtigte Hoffnungen auf eine wirkliche Dekolonisierung, durch die eine multiethnische Nation entsteht.

Eine Milliarde Menschen lebt noch immer in absoluter Armut. Die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften kontrollieren über 52 Prozent des Weltsozialprodukts. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen Prinzip der Profitmaximierung. Für die Opfer der Weltdiktatur des Finanzkapitals ist die Globalisierung täglicher Terror. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Die Zahl der Hungernden und Armen steigt wieder. Das nenne ich Vernichtung der Menschen durch Hunger. Für diese Globalisierung gibt es keine Entschuldigung. Jedes Kind, das an Hunger stirbt, könnte mein Kind sein oder Ihr Kind. Dabei sind alle diese schrecklichen Opfer unnötig. Das ist es, was mich unendlich empört und erzürnt. Die Menschheit hat heute die Möglichkeit, ein materiell glückliches Leben für alle zu sichern. Der sagenhafte Reichtum, der unter dem Kapitalismus erwirtschaftet wurde, reichte dafür aus. Die Produktivkräfte sind enorm gestiegen. Deshalb gibt es für all das Leiden keine Entschuldigung, keine moralische Rechtfertigung. Die neoliberale Wahnidee muss verschwinden. Die Finanzdiktatur muss durch eine normative Weltgesellschaftsordnung ersetzt werden.

Es gibt immer Hoffnung. Gerade in unserer Zeit erleben wir, wie eine neue planetarische Zivilgesellschaft aufbegehrt. Beim Weltsozialforum im brasilianischen Belém 2009 waren über 8.000 soziale Gruppen und Bewegungen präsent. Es wächst heute die Erkenntnis, dass man die Unterdrückungsmechanismen mit demokratischen Mitteln brechen kann.“

Interview mit Jean Ziegler über den Welthunger

Zitate n-tv.de (Sept. 2010): „In der Abschlusserklärung des UN-Millenniumsgipfels vor einer Woche in New York fehlen konkrete Beschlüsse. Sind Sie enttäuscht?

Jean Ziegler: Die Kinder verhungern, Punkt. Die Vereinten Nationen sind gelähmt, weil die Macht nicht mehr den Staaten gehört. Inzwischen herrschen die Oligarchien des globalisierten Finanzkapitals über den Planeten. Die nach Weltbankstatistik 500 größten Privatkonzerne haben im letzten Jahr mehr als die Hälfte des weltweiten Bruttosozialprodukts kontrolliert. Sie haben eine Macht wie kein Kaiser und kein Papst sie jemals hatte. Diese multinationalen Konzerne funktionieren nach dem Prinzip der Profitmaximierung. Sie sind nicht an Normen gebunden und fühlen sich nicht verantwortlich, wenn Menschen auf der Welt verhungern. Wir haben also auf der einen Seite eine immer stärkere Monopolisierung der wirtschaftlichen Macht. Und auf der anderen Seite wächst der Hunger in den Ländern des Südens.

Wir sind 6,7 Milliarden Menschen auf der Welt. Eine Milliarde sind permanent unterernährt, jeden Tag sterben 37.000 Menschen an den Folgen des Hungers. Gleichzeitig sagt die Welternährungsorganisation FAO, dass die weltweite Landwirtschaft problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnte, also fast das Doppelte der Weltbevölkerung. Es gibt zu Beginn dieses Jahrtausends keinen objektiven Mangel mehr. Ein Kind, das jetzt, während wir reden, an Hunger stirbt, wird ermordet. Das ist die kannibalische Weltordnung.

Wie könnte man diese kannibalische Weltordnung durchbrechen?

Das tägliche Massaker des Hungers hat überall verschiedene Ursachen. Die Hedgefonds haben in der Krise viel Geld auf den Finanzmärkten verloren und sind dann umgezogen auf die Agrarrohstoffmärkte. Dort spekulieren sie legal auf Grundnahrungsmittel. Die Preise für Reis, Mais und Weizen, die zusammen etwa drei Viertel des weltweiten Konsums abdecken, sind explodiert. Im Flassbeck-Report der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung steht, dass mindestens 37 Prozent der Preissteigerung dieser drei Grundnahrungsmittel Spekulationsgewinn ist. Dadurch können sich die mehr als zwei Milliarden Menschen, die man als extrem arm bezeichnet, die Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten. Ein weiterer Aspekt ist das Agrardumping, insbesondere der Europäischen Union. Durch die Subventionen der EU können Sie heute auf jedem afrikanischen Markt deutsches oder französisches Geflügel oder Gemüse kaufen – und zwar für die Hälfte oder ein Drittel des Preises der inländischen Produkte. Deshalb hat der afrikanische Bauer, der sich mit Frau und Kind zehn Stunden am Tag in der brennenden Sonne abrackert, nicht die geringste Chance, auf ein Existenzminimum zu kommen.

Sie waren in den ärmsten Ländern dieser Welt. Schämen Sie sich manchmal dafür, ein Europäer zu sein?

Ich schäme mich meiner Ohnmacht. Ich war neun Jahre lang Sonderberichterstatter der UN für das Recht auf Nahrung und jetzt bin ich Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrates. Es ist also meine Aufgabe, für das Menschenrecht auf Nahrung zu kämpfen, aber ich bin total ineffizient. Wenn ich nach Guatemala reise, dann komme ich da mit dem UNO-Tross an, mit Sicherheitsleuten, mit weißen Toyotas mit blauer Flagge und so weiter. Und dann glauben die Menschen dort, die halbverhungerten Mayas, dass jetzt endlich einer kommt, der ihnen hilft. Ich weiß aber schon in dem Moment, dass ich scheitern werde, wenn ich vor der UNO die Agrarreform in Guatemala fordere. Und so ist es auch geschehen.

Kann denn der einzelne Bürger etwas gegen den Welthunger unternehmen?

Allen Ursachen, die ich genannt habe, ist eins gemeinsam: Sie sind menschengemacht und können von Menschen wieder rückgängig gemacht werden. Man kann die Spekulationen verbieten, man kann die Exportsubventionen stoppen und man kann mit der Verbrennung von Lebensmitteln aufhören. Die Bundesrepublik ist eine große und vitale Demokratie. Die Bevölkerung kann, wenn sie erwacht, den Landwirtschaftsminister zwingen, das Agrardumping zu stoppen. Und sie kann den Finanzminister zwingen, bei der nächsten Generalversammlung des Internationalen Währungsfonds für die Entschuldung der ärmsten Länder zu stimmen. Und wenn er es nicht tut, kann man ihn abwählen.

Sie hoffen also auf einen Aufstand der Bevölkerung?

Ich hoffe auf einen demokratischen Aufstand des Gewissens. Und da gibt es Fortschritte. Das sieht man sehr gut an Deutschland, wo es übrigens weltweit die meisten Nichtregierungsorganisationen gibt. Während des G8-Gipfels in Heiligendammvor drei Jahren standen auf der anderen Seite des Stacheldrahtes 140.000 Menschen, die protestiert haben. Das ist der Motor einer neuen Bewegung, die gerade entsteht und die bereits politischen Einfluss hat. Nur diese neue Zivilgesellschaft kann die kannibalische Weltordnung brechen.

—> Videos: Jean Ziegler – We feed the world„Der Geist des Geldes“: Jean Ziegler

Der Weg der umfassenden Liebe

Helft den Kindern der Welt

(aus Manifest für eine glückliche Welt)

Axel: „Lieber Nils, das ist der vergebliche Versuch mit Hilfe von äußerem Handeln etwas ändern zu wollen. Damit wir das Antlitz Gottes erkennen, müssen wir uns mit dem verbinden, was in uns schon immer war und immer sein wird. Das geschieht, indem wir einfach sind. Wir haben keine andere Chance dem Marionettentheater auf der Erde zu entkommen. All diese Weltverbesserungs-Gruppen treiben uns automatisch tiefer in die Dualität. Es ist der Aberglaube des Humanismus, der uns in die Katastrophe treibt. Wenn wir etwas anders wollen als es ist, sind wir in der Gemeinschaft der ewig Unzufriedenen. Wenn Du für Dich die Stille erkannt hast, kannst Du Dich genüßlich zurücklehnen, und Du weißt, DAS GRAS WÄCHST, DER FRÜHLING KOMMT VON ALLEIN.“

Nils: Lieber Axel. Ich befürchte, bei dir geht Einiges durcheinander. Nicht der Humanismus (die Liebe) treibt die Welt in die Katastrophe, sondern der globalisierte Kapitalismus (der Egoismus der wirtschaftlich Mächtigen). Wir sollten der Zerstörung der Erde die vereinigte Kraft aller lebenswilligen Menschen entgegensetzen. Wenn wir uns jetzt genüsslich zurücklehnen, könnte bald in vielen Teilen der Welt kein Gras mehr wachsen. Es wird keinen schönen Frühling geben, sondern ein böses Erwachen.

Es gibt zwei Wege zur Erleuchtung, den Weg der Ruhe und den Weg der Liebe. Auf dem Weg der Ruhe kommen wir durch unsere spirituellen Übungen in uns zur Ruhe. Wir erheben uns meditierend über die Welt des Dualismus. Auf dem Weg der Liebe erkennen wir uns in unseren leidenden Mitwesen und helfen ihnen ihr Leid zu überwinden. So entsteht ein kosmisches Bewusstsein. Die umfassende Liebe öffnet unser Herz und wir gelangen in die Dimension der umfassenden Liebe. Dann leben wir in Gott.

Ich bin mit dir der Meinung, dass wir uns nicht auf dem Weg des Handelns energetisch verbrauchen sollten. Wir sollten uns auch als Arbeiter für eine glückliche Welt in uns, unserer Ruhe und im Sein zentrieren. Wir sollten immer wieder in die Ruhe zurückkehren, unsere Batterien aufladen. Wir sollten in unserem persönlich richtigen Gleichgewicht von ruhendem Sein und aktivem Handeln leben.

Ein Karma-Yogi (Bodhisattva, Weltretter) lebt im Licht (im Sein) und in der Liebe (im Handeln) gleichzeitig. Er lebt alles im richtigen Moment und auf die richtige Weise. Die Verbindung von innerem und äußerem Glück ist schwierig. Wenn wir für eine glückliche Welt kämpfen, sehen wir normalerweise unseren jeweiligen Gegner als eine Inkarnation des Bösen. Das mag für eine kurze Zeit hilfreich und unvermeidlich sein. Es verspannt uns aber innerlich. Wir sollten deshalb alle Gegner immer wieder geistig in uns auflösen und zur inneren Harmonie finden. Das geschieht, indem wir ihnen Licht senden, ihnen verzeihen, sie als innerlich leidende Opfer eines unweisen Weltsystems erkennen und sie letztlich als entwicklungsbedürften Teil unseres Selbst sehen.

Jesus hat dafür den Weg der Feindesliebe entwickelt. Wir grenzen uns zwar äußerlich klar gegen das Böse auf der Welt ab (die selbstsüchtigen Kapitalisten, die fehlgeleiteten Politiker, die unweisen Mitmenschen) und führen es auf den Weg des Guten, soweit wir es vermögen. Innerlich lassen wir aber kein Wesen aus unserer Liebe herausfallen. Ich orientiere mich am Weg der spirituellen Mutter, die auch ihre bösen Kinder liebt und letztlich eine glückliche Gesamtfamilie anstrebt. Eine positive Erziehung geschieht, in dem wir ein positives Glücksvorbild sind und uns mit dem Guten (der Weisheit) in den schlechten Menschen verbünden. Denn kein Mensch ist nur schlecht. Jeder Mensch besteht aus guten und nicht so guten Anteilen. Wir sind also Mütter und Väter der Welt. Wir wünschen das Glück aller Wesen. Wir wünschen insgesamt eine glücklichen Welt.

Mulitikulturelle Welt

(Zitate Facebook „Für eine friedvolle und liebevolle Welt“, 2012)

Wir leben in einer multikulturellen Welt. Wir sollten die Werte Liebe, Frieden, Wahrheit und Toleranz betonen. Sonst endet alles in einem Kampf jeder gegen jeden. Was sich in Zukunft entwickelt ist relativ klar zu erkennen. Wir haben einen globalen Kapitalismus. Die Reichen werden immer reicher. Und die Armen immer mehr und immer ärmer. Wir steuern auf eine Welt der globalen Verelendung (Slums, Umweltkatastrophen, Kriege, Krankheiten) zu mit einigen wenigen festungsmäßig geschützten Reicheninseln. Dagegen wirken die positiven sozialen Kräfte, die wir unterstützen sollten. Ideologisch dominiert in den Massenmedien die Konsumideologie. Alle positiven Menschen sollten zusammenarbeiten und ein Gegengewicht bilden. Eine friedliche, liebevolle, tolerante und glückliche Welt ist möglich, aber wir müssen sie gegen die im Moment sehr starken Kräfte der Unweisheit und des Egoismus aufbauen.

Die alten Wege haben nicht funktioniert. Wir müssen neue Wege finden. Und da gibt bereits einige Orientierungspunkte. Vor allem muss klar sein, wohin die Reise gehen soll. Dann finden wir auch den dazu passenden Weg. Ich bin in meinem Zentrum ein Glücksphilosoph. Ich denke von Glück her. Und zwar nicht vom äußeren Glück des maximalen Konsums, sondern vom inneren Glück, dass seinen Höhepunkt in der Erleuchtung (Heiligkeit) findet. Das Glück der Erleuchtung geht einher mit Eigenschaften wie Frieden, Liebe und Wahrhaftigkeit. Daran sollten wir uns orientieren. Insofern wünsche ich nicht nur eine etwas bessere Welt, wo es nicht mehr ganz so viele Hungernde gibt. Nein. Ich bin da ganz radikal. Ich wünsche eine glückliche Welt. Ich möchte eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks. Für alle. Ich möchte eine Welt, in der alle Menschen sich spirituell entwickeln können und zu Erleuchteten werden. Und zwar jeder auf seine Weise. Ich möchte, dass es allen Menschen auf dieser Welt äußerlich gut geht, aber die Liebe, der Frieden und das innere Glück (die Spiritualität) sollten im Zentrum stehen.

Eine glückliche Welt ohne das Zentrum der Spiritualität halte ich für eine Illusion. Das ist die Illusion des Kommunismus. Und es ist auch die Illusion des Kapitalismus. Kommunismus und Kapitalismus denken vom äußeren Glück her. Und erzeugen letztlich nur das Glück einer kleinen Parteielite oder das Glück einer kleinen Schicht von Reichen. Wenn man das allgemeine innere Glück in das Zentrum stellt, ergeben sich daraus bereits viele Schritte. Die ungerechte Vermögensverteilung muss überwunden werden. Die Reichen müssen den Armen mindestens so viel Geld abgeben, dass alle Menschen auf der Welt genug zu essen haben. Das kann zum Beispiel durch eine weltweite Reichensteuer von 1% auf alles private Vermögen der 1 % reichsten Menschen der Welt (sie besitzen derzeit 95 Billiarden $) geschehen. Die Reichensteuer muss zweckgebunden zur Beseitigung des Hungers auf der Welt und zum Aufbau von lokalen Selbstversorgungsstrukturen sein. Das Geld darf nicht in der Korruption der Entwicklungsländer verschwinden, sondern muss von der UNO gemeinsam mit den Hilfsorganisationen effektiv eingesetzt werden. Es muss eine globale Organisation der Armutsüberwindung aufgebaut werden, die alle Aktivitäten der Hilfsorganisationen koordiniert, einen Entwicklungsplan aufstellt und dafür sorgt, dass das Geld auch bei den Armen ankommt. Es ist sehr traurig, dass es derzeit einen Millenium-Entwicklungsplan gibt, aber die Umsetzung weitgehend gescheitert ist. Statt die Verelendung der Welt zu beseitigen, werden die Armen immer mehr und der Hunger wird sich in Zukunft noch stark ausbreiten.

Wir brauchen weltweit eine soziale Marktwirtschaft im wahren Sinne des Wortes und keinen Raubtierkapitalismus. Und wir sollten die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Glücksforschung in die Politik einfließen lassen. Die Menschen in Deutschland werden immer unglücklicher. Die Zahl der Depressionen nimmt stark zu. Die Zahl der Stresskrankheiten steigt. Die sozialen Beziehungen zerfallen immer mehr. Der Leistungsdruck an den Schulen macht viele Kinder psychisch und körperlich krank. Etwa ein Drittel aller Schüler leidet bereits an Ängsten, sozialen Störungen und psychosomatischen Krankheiten. Die ganze Welt driftet in die falsche Richtung der maximalen Ausbeutung der Natur und der Menschen zu Lasten der Gesundheit und des inneren Glücks. Durch die Verbindung von spirituellem und sozialem Denken kann die Richtung umgekehrt werden.

Wer für das Ziel einer glücklichen Welt arbeitet, hat davon auch einen inneren Gewinn. Durch die Vision einer glücklichen Welt entsteht im Geist eine positive Orientierung, die einem Menschen Lebenssinn, Glück und tiefe Zufriedenheit geben kann. Wenn wir im Gleichgewicht von Ruhe (spirituellem Üben) und Handeln (Gutes tun) leben, kann sich das Erleuchtungspotential in einem Menschen entwickeln. Wir dürfen nur nicht unsere Energie im Weltretten verbrauchen. Das ist die große Gefahr auf dem Weg des Helfens. Wir müssen aus der Ruhe und der Liebe heraus handeln. Wir müssen immer wieder zu unserem Zentrum der Ruhe (Gott, inneres Glück) zurückfinden. Dann wird unsere Glücksenergie auf dem Weg des Helfens immer weiter wachsen. Jesus spricht von dem Doppelweg aus Liebe zu Gott (Erleuchtung) und Liebe zu allen Menschen (dem Nächsten). Im Mahayana-Buddhismus (Tibet, Zen) ist das Leben als Bodhisattva der Hauptweg zur Erleuchtung. Wir sollten unseren Weg des Helfens mit Weisheit gehen, dann haben wir und unsere Mitmenschen den größten Gewinn davon.

Els: Jaaaa! Sehr gut ♥

Silvia: Sehr schön, danke Nils! Das sehe ich auch so! Der Kapitalismus zerstört die Welt, der Mensch wird zum Slaven des Kapitalismus. Wer gegen dieses Systhem ist, der gilt als verdächtig. Die Recourcen der Welt reichen nicht für einen übertriebenen Luxus aller Menschen aus. Dieses Sythem funktioniert nur, weil die Mehrheit in Armut lebt. Man will die Religiösität nebensächlich machen, aus den Herzen der Menschen rauben, und sie durch die neue Religion ersetzen: Konsum, Materialismus. Wir müssen alle umdenken! Man sollte diesen Konsum nicht weiter unterstützen, und nur das kaufen, was man wirklich braucht. Die Zinsen gehören abgeschafft, dadurch wächst die private sowie die staatliche Verschuldung immer weiter. Wir sollten Obst und Gemüse aus der Region kaufen, am besten Bio, wenn möglich selber anbauen, kein Fleisch aus Massentierhaltung, möglichst wenig Fleisch, oder gar keins…. also Wege suchen, um dieses Systhem möglichst wenig zu unterstützen.

Ulla: Ich kann mich Els nur anschließen ♥ ♥ ♥

Gunthard: Das innere Glück ist Privatsache. Erleuchtung oder Heiligkeit für alle anzustreben, ist Quatsch. Es macht nur all diejenigen unglücklich, die’s dann nicht schaffen, zumal man diese Bewußtseinszustände willentlich nicht herbeiführen kann. Der sozialistische Gedanke, den Reichen Geld abzunehmen, um für die Armen zu sorgen, läuft letztlich auf’s Stehlen hinaus, auch wenn das ein Staat per Gesetz tut. Tatsächlich wäre bereits dann genug für alle da, wenn keine Gelder verschleudert und Steuerhinterziehungen verhindert würden. Um das Leben hier auf der Erde zu verbessern, braucht’s keine Generalrevolution. Es genügt, wenn die Regierenden ihre demokratischen Pflichten erfüllen.

Nils: Das innere Glück der meisten Menschen in einer Gesellschaft hängt überwiegend von den äußeren Gegebenheiten ab. Bei einem extremen Leistungsdruck in den Schulen und in den Betrieben können die Menschen kein inneres Glück entwickeln. Wenn die Menschen nicht das Wissen aus der Glücksforschung haben, können sie den Weg nicht finden. Das Fernsehen manipuliert die Menschen zu Sucht, Ängsten und Aggressionen. Wie sollen Hungernde, Ausgebeutete und vom kapitalistischen Konsumfernsehen Manipulierte glücklich sein? Wir brauchen Glücksstrukturen in unserer Gesellschaft. Natürlich hat in einer freien Gesellschaft jeder das Recht unglücklich zu sein und sich selbst zu zerstören. Wer so lebt, ist aus meiner Sicht krank und braucht unsere Hilfe. Erleuchtung kann gefördert werden, auch wenn sie letztlich aus Gnade kommt. Die Reichen haben den Armen das Geld aufgrund der kapitalistischen Produktionsbedingen ungerechtfertig weggenommen. Wir wollen doch die Tatsachen nicht verdrehen. Die 95 Billiarden $ Vermögen haben sich die Reichen doch nicht durch ihrer Hände Arbeit verdient. Einzig stimme ich zu, dass der Staat das Geld besser ausgeben sollte. Statt den Reichen Steuergeschenke zu machen und Milliarden in Aufrüstung zu investieren, sollte weltweit der Hunger beseitigt werden. Eine Revolution ist notwendig, vor allem im Bewusstsein der Menschen. Dafür arbeite ich. Und wenn ich die Welt alleine retten muss. Aber ich denken, ich habe hier doch einige Freunde.

Gunthard: Natürlich weiß ich, daß nicht alle Reichen mit redlichen Methoden zu ihrem Reichtum gekommen sind. Doch das ist kein Grund, selbst Unrecht zu begehen. Die konkreten politischen Maßnahmen zur Weltverbesserung sollten sich darauf beschränken, Schaden abzuwenden bzw. zu verhüten. Der Rest ist Privatsache.

Nils: Eine gerechte Verteilung des Vermögens und höhere Steuern für die Reichen zu fordern, ist kein Unrecht. Wir leben in einer Demokratie. Und in einer Demokratie entscheidet die Gemeinschaft aller Menschen, wie sie zusammen leben wollen. Wenn die Menschen es gut finden, dass alle arbeiten und einige wenige den Gewinn fast allein für sich nehmen, dann ist das in Ordnung. Aber so dumm sind die Menschen nicht. Sie streben in der Mehrheit nach sozialer Gerechtigkeit. Sie wollen, dass es allen gut geht und nicht nur einer kleinen Schicht von Multimillionären. Ein übertriebener Neoliberalismus, der alles zur Privatsache erklärt, nutzt nur der Oligarchie des weltweiten Großkapitals und führt zur Zerstörung der Welt, wie wir deutlich erkennen können. Manchmal ist es hilfreich einfach die Nachrichten zu lesen oder zu sehen. Dann weiß man, was auf der Welt so vor sich geht. Wir haben derzeit eine weltweite Finanzkrise aufgrund ungebremster Staatsverschuldung (weltweit vorwiegend durch extreme Rüstungsausgaben) und weil die Banken zu wenig kontrolliert werden und zu viel Geld in ihre eigene Tasche wirtschaften.

Rede des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck

(Video der ganzen Rede, Auszüge siehe folgend, 2012)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ja, wie soll es denn nun aussehen dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel einmal sagen sollen: unser Land? Geht die Vereinzelung in diesem Land weiter? Geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auf? Verschlingt uns die Globalisierung? Werden Menschen sich als Verlierer fühlen, wenn sie an den Rand der Gesellschaft geraten? Schaffen ethnische oder religiöse Minderheiten in gewollter oder beklagter Isolation Gegenkulturen? Hat die europäische Idee Bestand? Droht im Nahen Osten ein neuer Krieg? Kann ein verbrecherischer Fanatismus in Deutschland wie in anderen Teilen der Welt weiter friedliche Menschen bedrohen, einschüchtern und ermorden?

Jeder Tag, jede Begegnung mit den Medien bringt eine Fülle neuer Ängste hervor und Sorgen. Manche ersinnen dann Fluchtwege, misstrauen der Zukunft, fürchten die Gegenwart. Viele fragen sich, was ist das eigentlich für ein Leben, was ist das für eine Freiheit. Mein Lebensthema Freiheit ist dann für sie keine Verheißung, kein Versprechen, sondern nur Verunsicherung. (…) Ich wünsche mir also eine lebendige Erinnerung auch an das, dass in unserem Land nach all den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur, nach den Greueln des Krieges gelungen ist. In Deutschlands Westen trug es, dieses Gelungene als erstes den Namen Wirtschaftswunder. Deutschland kam wieder auf die Beine. Die Vertriebenen, gar die Ausgebombten erhielten Wohnraum, nach Jahren der Entbehrung nahm der Durchschnittsbürger teil am wachsenden Wohlstand. Freilich, nicht jeder im selben Maße. Allerdings sind für mich die Autos, und die Kühlschränke und all der neue Glanz einer neuen Prosperität nicht das Wunderbare jenes Jahrzehnts. Ich empfinde mein Land, vor allem als ein Land des Demokratiewunders. Anders als die Alliierten es damals nach dem Kriege fürchteten, wurde der Revanchismus im Nachkriegs-Deutschland nie mehrheitsfähig. Es gab schon ein Nachwirken nationalsozialistischer Gedanken, aber daraus wurde keine wirklich gestaltende Kraft. Es entstand stattdessen eine stabile demokratische Ordnung. Deutschland West wurde Teil der freien westlichen Welt.

(…) Wir dürfen nicht dulden, dass Kinder ihre Talente nicht entfalten können, weil keine Chancengleichheit existiert. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, Leistung lohne sich für sie nicht mehr und der Aufstieg sei ihnen selbst dann verwehrt, wenn sie sich nach Kräften bemühen. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, sie seien nicht Teil unserer Gesellschaft, weil sie arm oder alt oder behindert sind. Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit. Denn, was Gerechtigkeit, auch soziale Gerechtigkeit bedeutet und was wir tun müssen, um ihr näher zu kommen, lässt sich nicht paternalistisch anordnen, nur in intensiver demokratischer Diskussion und Debatte klären. Umgekehrt ist das Bemühen um Gerechtigkeit unerlässlich für die Bewahrung der Freiheit. Wenn die Zahl der Menschen wächst, die den Eindruck haben, ihr Staat meine es mit dem Bekenntnis zu einer gerechten Ordnung in der Gesellschaft nicht ernst, sinkt das Vertrauen in die Demokratie. Unser Land muss also ein Land sein, das beides verbindet. Freiheit als Bedingung von Gerechtigkeit und Gerechtigkeit als Bedingung dafür, Freiheit und Selbstverwirklichung erlebbar zu machen.

Sodann: In „unserem Land“ sollen auch alle zu Hause sein können, die hier leben. Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind.(…) Unsere Verfassung spricht allen Menschen dieselbe Würde zu, ungeachtet dessen, woher sie kommen, woran sie glauben und welche Sprache sie sprechen. Sie tut dies nicht als Belohnung für gelungene Integration, sie versagt dies aber auch nicht als Sanktion für verweigerte Integration. Unsere Verfassung wie unser Menschsein tragen uns auf, im Anderen geschwisterlich uns selbst zu sehen: begabt und berechtigt zur Teilhabe wie wir. (…) Wie kann es noch aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel „Unser Land“ sagen sollen? Nicht nur bei uns, sondern auch in Europa und darüber hinaus ist die repräsentative Demokratie das einzig geeignete System, Gruppeninteressen und Gemeinwohlinteressen auszugleichen. Es handelt sich um ein lernfähiges System. Neben den Parteien und anderen demokratischen Institutionen existiert eine aktive Bürgergesellschaft. Bürgerinitiativen, Ad-hoc-Bewegungen und Teile der digitalen Netzgemeinde ergänzen mit ihrem Engagement, aber auch mit ihrem Protest die parlamentarische Demokratie und gleichen Mängel aus.

Anders als die Demokratie von Weimar verfügt unser Land über genügend Demokraten, die dem Ungeist von Fanatikern, Terroristen und Mordgesellen wehren. Sie alle bezeugen mit unterschiedlichen politischen oder religiösen Gründen: Wir lassen uns unsere Demokratie nicht wegnehmen, wir stehen zu diesem Land, nicht weil es so vollkommen ist, sondern weil wir nie zuvor ein besseres gesehen haben. Und speziell zu den rechtsextremen Verächtern unserer Demokratie sagen wir in aller Deutlichkeit: Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich. Wir schenken euch auch nicht unsere Angst. Ihr werdet Vergangenheit sein und unsere Demokratie wird leben. Die Extremisten anderer politischen Richtungen werden unserer Entschlossenheit in gleicher Weise begegnen. Und auch denjenigen, die unter dem Deckmantel der Religion Fanatismus und Terror ins Land tragen, und die hinter die europäische Aufklärung zurückfallen, werden wir Einhalt gebieten. Ihnen sagen wir: Die Völker ziehen in die Richtung der Freiheit. Ihr werdet ihren Zug vielleicht behindern, aber endgültig aufhalten könnt ihr ihn nicht.

Mir macht allerdings auch die Distanz vieler Bürgerinnen und Bürger zu den demokratischen Institutionen Angst, die geringe Wahlbeteiligung, auch die Geringschätzung oder gar Verachtung von politischem Engagement, von Politik und Politikern. Meine Bitte an Regierende wie Regierte: Findet euch nicht ab mit dieser zunehmenden Distanz. Für die politisch Handelnden heißt dies: Redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Den Regierten muten wir zu: Ihr seid nicht nur Konsumenten. Ihr seid Bürger, das heißt Gestalter, Mitgestalter. Wem Teilhabe möglich ist und wer ohne Not auf sie verzichtet, der vergibt eine der schönsten und größten Möglichkeiten des menschlichen Daseins – Verantwortung zu leben…

Diskussion im Spiegelforum

(aus Manifest für eine glückliche Welt/Spiegel online 2010)

Nils: „Natürlich wird sich das globale Kapital gegen jede effektive Lösung des Welthungers wehren. Es geht um ihr Geld. Sie werden bezahlen müssen. Sensible Lösungen können gefunden werden. Die Welt muss nicht zusammenbrechen, weil die Armen etwas von dem globalen Reichtum abbekommen.

Die Lösung des Welthungers ist in erster Linie ein Gerechtigkeits- und in zweiter Linie ein Organisationsproblem. Nach der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen ist ausreichende Nahrung ein Menschenrecht. Die Reichen sind verpflichtet, den am Hunger leidenden Menschen von ihrem Geld so viel abzugeben, dass sich alle genug zu essen kaufen können.

Wir sollten das innere Glück und die Liebe (Brüderlichkeit) in das Zentrum der Volkswirtschaft stellen und nicht das Ego und den maximalen äußeren Gewinn.Darauf hat schon der englische Wirtschaftsprofessor Richard Layard hingewiesen (Die glückliche Gesellschaft: Kurswechsel für Politik und Wirtschaft, 2005). Das kann durch viele einzelne Maßnahmen geschehen: eine globale soziale Rahmenplanung der Weltwirtschaft durch die UNO, eine positive Ethik für Manager und Wirtschaftstudenten, positive Richtlinien und Gesetze für die einzelnen Unternehmen, fairer Welthandel und Organisierung von sozialer Verbrauchermacht. Wir müssen nicht gleich den ganzen Kapitalismus abschaffen. Das wird uns nicht gelingen, weil marktwirtschaftliche Strukturen sehr effektiv sind. Aber wir können weltweit eine ökosoziale Marktwirtschaft fordern und sie in Deutschland besser als bisher umsetzen.

Wir können das Hungerproblem nicht isoliert betrachten. Es muss eingebunden werden in eine positive Weltentwicklung. Ich sehe die Zustände auf der Welt nicht völlig schwarz. Es gibt viele Menschen, die sich für eine bessere Welt engagieren. Es gibt positive Strukturen auf der Welt, an denen wir ansetzen können (UNO). Und es gibt auch viele erfolgreiche Modelle. Ich halte auch die soziale Marktwirtschaft für ein erfolgreiches Modell, dass wir dem globalen Raubtierkapitalismus entgegensetzen müssen. Wir sollten nur das Element des Sozialen mehr betonen, die Umwelt stärker schützen und unser Geld nicht in sinnlosen Kriegen vergeuden.

Vor allem brauchen wir einen vernünftigen Gesamtplan. Ich habe das Gefühl, dass im Moment die meisten Politiker, die meisten Staaten und auch die Hilfsorganisationen mehr oder weniger vor sich hin wurschteln. Die Maßnahmen der Politiker sind überwiegend Augenwischerei und den Projekten der Hilfsorganisationen fehlt eine umfassende Entwicklungsperspektive. Auf dem jetzigen Weg werden wir nicht in einer Welt ohne Hunger ankommen. Wir werden nicht ausreichend Arbeit für alle erreichen. Wir werden kein weltweites Glück bei den Menschen bewirken.

Bhutan ist eines der ärmsten Länder der Welt. Aber sie sind meines Erachtens auf dem richtigen Weg. Das Glück aller Einwohner zum Staatsziel zu erklären, ist schon einmal sehr gut. Und die vier Grundpfeiler Gute Regierung, Gute Umwelt, Gute Volkswirtschaft und eine gute Gemeinschaftskultur sind auch sehr gut. Bhutan ist im Moment ein Vorbild für einen vernünftigen Gesamtplan. Wir müssen nicht alles übernehmen. Jedes Land hat seine Besonderheiten und sollte sensibel entwickelt werden. Ich fordere vor allem die Einführung des Fachs Glück an den Schulen. Das gilt auch für Entwicklungsländer. Dort muss der kapitalistischen Ego-Ideologie ein Riegel vorgeschoben werden. Die Menschen dürfen nicht mehr auf die falschen Versprechungen des Konsumfernsehens hereinfallen. Sie müssen ein globales Gemeinschaftsbewusstsein entwickeln. Sonst gelingt kein Aufbau solidarischer Strukturen und auch keine Überwindung des Hungers auf der Welt.“

Zeitungszitate

Dhumavati Yantra

Hier kann auf aktuelle Entwicklungen hingewiesen werden.

Hunger in der Welt

(FR, 2010) Hunger in der Welt. Längst keine Entwarnung. Im Kampf gegen den Hunger hat die Weltgemeinschaft in den vergangen 20 Jahren nur geringe Erfolge errungen. Auch heute haben fast eine Milliarde Menschen nicht genügend Nahrungsmittel zur Verfügung – folgt man den Zahlen des „Welthungerindex 2010“ (WHI). Besonders stark betroffen sind weiterhin Länder in Afrika und Südostasien (Indien). Fortschritte haben Staaten in Ostasien und Lateinamerika gemacht. Am schlechtesten schneidet die Demokratische Republik Kongo ab. Drei Viertel der Menschen sind dort unterernährt.

(Generalanzeiger, 2010) Der Hunger, die hässlichste Fratze der globalen Ungerechtigkeit, bleibt in der Welt, weil seine Abschaffung nie ernsthaft angegangen wurde. Worum geht es? Um ungerechte Handelsbarrieren, um fehlendes Saatgut in den ländlichen Regionen der Dritten Welt, wo 70 Prozent aller weltweit Hungernden leben, auch um das Versagen von Afrikas Eliten. Zudem hält sich kaum jemand an seine Fensterrede. Afrikas Regierungen sagten zu, zehn Prozent ihrer öffentlichen Mittel in die Landwirtschaft zu investieren. Es sind nur vier Prozent geworden. Und die Industrieländer haben erst ein Drittel ihrer Beiträge für das UN-Welternährungsprogramm gezahlt. Selbst ein weltweiter Konsens würde den Hunger nicht aus der Welt schaffen – solange die Ignoranz sein zuverlässiger Begleiter ist.

(Der Spiegel, 2010) Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, die Mittelschicht schrumpft rapide. Soziologen und Ökonomen warnen vor verheerenden Folgen: Sie fürchten soziale Resignation, Elendsquartiere in den Großstädten und eine Zunahme des gesellschaftlichen Gewaltpotentials. In fast allen industrialisierten Staaten driftet die Gesellschaft auseinander, nicht nur in Deutschland. Der Soziologe Ulrich Beck warnt schon vor einer „Brasilianisierung des Westens“, immer mehr Deutsche könnten in prekäre Arbeitsverhältnisse abdriften und mit mehreren schlechtbezahlten Jobs am Existenzminimum knapsen. Ärmere Menschen seien auf niedrige Mieten angewiesen und würden vermehrt in Elendsquartiere abwandern. Solche Armenviertel aber seien „von Resignation und Zukunftspessimismus geprägt“.

(TAZ, 2010) In Bonn trafen sich 80 Trägerinnen und Träger des alternativen Nobelpreises. Sie warnen vor gefährliche Entwicklungen – und zeigen, dass eine humane Welt möglich ist. „Gentechnik, Agrarindustrie und ökonomisches Wachstum verringern den Hunger nicht – Indien beweist das Gegenteil“, fasste Vandana Shiva zusammen. Dagegen könnte eine kleinteilige, auf Vielfalt und regionale Besonderheiten ausgerichtete Landwirtschaft die Menschheit ernähren und sei außerdem anpassungsfähiger in Bezug auf den Klimawandel.

(TAZ, Juni 2011) Neuer FAO-Generalsekretär José da Silva. Der Kampf der Vereinten Nationen gegen den Hunger hat ein neues Gesicht. Da Silva bringt Erfahrung im Kampf gegen Hunger und Unterernährung mit. 2001 machte der damalige brasilianische Präsident Lula da Silva zum Sonderminister für Ernährungssicherheit. José Graziano da Silva leitete das neue Programm „Fome Zero“ (Null Hunger). Nach offiziellen Schätzungen sank die Zahl der unterernährten Menschen in Brasilien innerhalb von fünf Jahren um 25 Prozent, 24 Millionen Brasilianer entkamen der extremen Verarmung. Da Silva setzt dabei auf kleinbäuerliche Strukturen. „Graziano hat das nötige Engagement, die Erfahrung und die Fähigkeiten, um unser kaputtes Ernährungssystem zu reformieren und den Wechsel in eine neue landwirtschaftliche Zukunft zu vollziehen“, zeigt sich Oxfam hoffnungsfroh.

Der Aufstand der Jugendlichen

Tripura-Bhairavi Yantra

(heute.de, August 2011) Krawalle in Paris vor einigen Jahren, dann Athen, Madrid. Und jetzt brennt London. Was glauben Sie, sind die Hintergründe der aktuellen Ausschreitungen in London? Sind das einfach nur randalierende Jugendliche oder steckt da mehr dahinter?

Florian Lennert (Associate Director der London School of Economics and Political Science): Mit Paris gibt es durchaus diverse Ähnlichkeiten. London ist wie Paris eine große Ballungsstadt. Hier ist die Kluft zwischen Arm und Reich enorm – und vor allem enorm sichtbar. In London gibt es durch den Bankensektor einen geballten Reichtum. Und dieser so reichen Schicht steht jetzt eine völlig perspektivlose Jugend gegenüber.

heute.de. Welche Rolle spielen hier wirtschaftspolitische Prozesse?

Lennert: Großbritannien hat ja in den vergangenen 25 Jahren systematisch seinen Industriesektor abgebaut. Die Autoproduktion in Großbritannien ist drastisch eingebrochen. Der Industriesektor ist geschrumpft. In Großbritannien setzt man überwiegend auf den Dienstleistungssektor. Herzstück des Bankensektors ist London. Dort prägen nun hochmobile, gut ausgebildete und hochbezahlte junge Menschen das Stadtbild, die Mietpreise und die Freizeitangebote. Und dieser hochmobilen Gesellschaft steht eine nicht-mobile, arme gegenüber. Das kann nicht gut gehen.

Eine psychisch kranke Gesellschaft

(Zitat TAZ vom 9.2.2013)

Rund 1,25 Milliarden durchschnittliche Tagesdosen an Antidepressiva werden inzwischen pro Jahr in Deutschland verschrieben, so der Arzneiverordnungsreport 2012. Damit hat sich die Zahl der verschriebenen Tagesdosen in zehn Jahren mehr als verdoppelt…Zur Behandlung von akuten leichten und mittelschweren Depressionen könne wahlweise eine Pharmakotherapie oder eine Psychotherapie angeboten werden, heißt es in der Leitlinie. Bei schweren und chronischen Depressionen sollte beides angewandt werden, eine Therapie mit Medikamenten und eine Psychotherapie. Psychotherapien allerdings sind teuer und die Zuteilung ist sehr unausgewogen. Der GEK Arzneimittelreport 2009 zeigte, dass gerade ältere Frauen häufig Psychopharmaka ohne Psychotherapie bekommen. Laut der Erhebung macht unter den 30- bis 34-jährigen Frauen, denen Antidepressiva verordnet wurden, etwa jede Dritte auch eine Psychotherapie. Bei den 60- bis 64-jährigen Frauen auf Antidepressiva bekam dies aber nur jede Achte. Generell werden Frauen fast um die Hälfte mehr Psychopharmaka als Männern verschrieben.

(sz-online.de 5.9.2011) Jeder dritte Europäer psychisch krank. Eine dramatische Studie von Wissenschaftlern der TU Dresden wurde in Paris vorgestellt. Psychische Störungen sind in Europa zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale wissenschaftliche Studie unter Leitung des Dresdner Psychologen Hans-Ulrich Wittchen. 38,2 Prozent aller Einwohner in der EU leiden jährlich mindestens einmal unter einer eigentlich zu behandelnden psychischen Störung. Angststörungen nehmen mit 14 Prozent den Spitzenplatz ein, Schlafstörungen folgen mit sieben Prozent und ebenso Depressionen. Alkohol- und Drogenabhängigkeit machen vier Prozent aus. Die Häufigkeit und Rangfolge der 100 untersuchten Krankheitsbilder sei in allen Ländern annähernd gleich, mit Ausnahme der Suchterkrankungen.

(Zeit-online 5.9.2011) In Europa sind seelische Leiden zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung geworden. Das geht aus einer Studie hervor, die auf dem Neuropharmakologie-Kongress in Paris vorgestellt wurde. Danach leiden 38,2 Prozent der Europäer jedes Jahr unter mindestens einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung. Für die Untersuchung wertete das Forscherteam um Studienleiter Hans-Ulrich Wittchen von der Universität Dresden Gesundheitsdaten aller 27 EU-Mitgliedsstaaten aus. Zusätzlich flossen Erhebungen aus der Schweiz, Island und Norwegen ein. Am häufigsten verbreitet sind demnach Angststörungen (14 Prozent), gefolgt von Schlafstörungen (7 Prozent) und bestimmte Formen der Depression (6,9 Prozent). Immerhin 6,3 Prozent der Europäer leiden unter Beschwerden, wie Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen, die nicht körperlich erklärt werden können. Mediziner sprechen dann von psychosomatischen Erkrankungen. „Das niedrige Problembewusstsein gekoppelt mit dem Unwissen über das wahre Ausmaß hinsichtlich Häufigkeit, Belastungen und Kosten psychischer Störungen in allen Gesellschaften und Schichten, ist das zentrales Hindernis für die Bewältigung dieser Herausforderung“, sagte der Dresdner Psychologe Wittchen.

(Stern.de 5.9.2011) Die Zahlen sind erschreckend: Rund 165 Millionen Europäer leiden laut einer Studie unter einer psychischen Störung. Die Behandlung startet meist zu spät – und genügt häufig nicht einmal minimalen Standards. Die Gesamtzahl der pro Jahr betroffenen Menschen in der EU und den Ländern Schweiz, Norwegen und Island schätzen die Experten nach einer umfassenden Metaanalyse vorhandener Daten auf 164,8 Millionen Menschen.

Männer und Frauen leiden nach Angaben der Forscher etwa gleich häufig unter psychischen Erkrankungen – einen großen Unterschied gibt es aber zwischen der Art der Störungen. Männer haben in der Kindheit etwa häufiger ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen) und später Suchterkrankungen, während Frauen häufiger an Depressionen, Angsterkrankungen und Essstörungen leiden. Als eine Ursache der Geschlechtsunterschiede gelten nach Angaben von Wittchen gesellschaftliche Veränderungen. „Die soziale Stress- und Rollenbelastung von Frauen hat in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen. Das heißt, eine Frau, welche die Rolle einer berufstätigen Hausfrau und Mutter hat, hat ein höheres Risiko Angst- und Depressionserkrankungen zu bekommen als Männer.“

Globales Geldvermögen auf neuem Rekord

(Die Presse.com vom 14.09.2011) Die Sparer rund um den Globus haben vergangenes Jahr von der Erholung der Weltwirtschaft profitiert und sind reich wie nie zuvor. Das Bruttogeldvermögen ist (…) um durchschnittlich 6,2 Prozent auf 95,3 Billionen Euro geklettert. Das reichste Land der Erde bleibt mit Abstand die Schweiz mit einem durchschnittlichen Geldvermögen von brutto 207.000 Euro pro Kopf. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen die USA, Japan, Dänemark und die Niederlande. Mit 59.346 Euro pro Kopf rangiert Österreich auf Platz 18 der Rangliste, direkt hinter Deutschland.

(Fokus.de 14.09.2011) Nach wie vor sitzen die großen Vermögen vorwiegend in den westlichen Industrieländern und Japan. Das Wohlstandsgefälle sei weiter gewachsen.Allerdings gelinge immer mehr Haushalten aus den Schwellenländern der Sprung in die globale Vermögensmittelschicht von weltweit 500 Millionen Menschen, die der Report zwischen 6000 und 36 200 Euro pro Kopf angesetzt hat.

—> Anmerkung: Bei 95 Billionen Vermögen bräuchte es keinen Hunger auf der Welt zu geben, wenn die Reichen auch nur 1 Billion davon den Armen abgeben würden.

Burn-out im Job

(TAZ 27.09.2011)

Der Boom ist da (aber die nächste Krise kündigt sich schon an), der Stress ist mehr geworden. Auf diese Formel lassen sich die Ergebnisse der Betriebsrätebefragung der IG Metall bringen. Während die Zahl der Menschen mit Burn-out-Syndrom in den letzten Jahren explodiert ist und die Weltgesundheitsorganisation warnt, beruflicher Stress sei die „größte Gefahr des 21. Jahrhunderts“, hinken Analyse und Gegenmaßnahmen hinterher. In den Betrieben gibt es bis heute keine verbindlichen Mechanismen, um Frustration und Arbeitsverdichtung entgegenzusteuern.

(…) Die Kapitulation von Körper und Seele immer mehr Beschäftigter ist ein Zeichen dafür, wie krank die Arbeit in einer globalisierten und auf immer mehr Wettbewerb, Restrukturierung, Schnelligkeit und Renditedruck getrimmten Ökonomie macht. Der gesellschaftliche Diskurs muss revitalisiert werden: über gute Jobs und ihre Entschleunigung, über Arbeitszeitverkürzung, über echte Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten. Für die Gewerkschaften eigentlich ein dankbares Feld; doch die haben den Kampf um die Qualität der Arbeit viel zu lange hintangestellt.

Friedensnobelpreis 2011 für drei afrikanische Frauen

(Zitate TAZ/Amnesty International 07.10.2011)

Danke, Oslo! Glückwunsch! Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Ellen Johnson-Sirleaf, Leymah Gbowee und Tawakkul Karman hat das norwegische Komitee eine hervorragende Entscheidung getroffen. Die beiden Liberianerinnen und die Jemenitin setzen sich mit ungeheurer Energie dafür ein, dass Frauen in Nachkriegsgesellschaften und in kriegsähnlichen Verhältnissen mehr Gehör finden. Und das unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen: Die eine ist ranghohe Politikerin, die zweite kämpft als Aktivistin für die Überwindung der Leiden, die der langjährige Krieg in ihrer Heimat hervorgerufen hat, die dritte mobilisiert in einem Land für Frauenrechte, in dem gerade jetzt die Waffen sprechen. Gemeinsam sind ihnen ihr Mut, ihre Klugheit und die Stärke, sich gegen die extrem gewalttätigen patriarchalen Verhältnisse in Liberia beziehungsweise Jemen aufzulehnen.

Mit der Liberianerin Laymah Gbowee erhält eine Frau den Preis, die ihre Erfahrung in der alltäglichen Praxis sammelte: als Streetworkerin mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen, als Aktivistin der ersten Stunde der Bewegung Women of Liberia Mass Action for Peace, und brachte Musliminnen und Christinnen zusammen. Als Mitglied der Wahrheitskommission setzte auch sie sich für die Versöhnung im Land ein.

(TAZ) Man hat alles versucht: Zweimal wurde die 32-jährige Mutter von drei Kindern festgenommen. Mehrmals hat sie Todesdrohungen erhalten, und auch mit einem Regierungsamt hat man sie zu locken versucht. Sie ist nicht darauf eingegangen. Tawakkul Karman wurde wohl stellvertretend für die gesamte Bewegung des Arabischen Frühlings ausgewählt. „Ich stifte meinen Preis den Jugendlichen und Frauen in Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien und natürlich auch im Jemen“, erklärte sie in einem ersten Interview des Fernsehsenders al-Dschasira. Sie ist für ihr Land in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Geboren in der jemenitischen Stadt Taiz als Tochter einer betuchten Familie, studierte sie an der Universität Sanaa Psychologie. Seit 2007 macht sich die widerspenstige Aktivistin einen Namen durch Sit-ins für Pressefreiheit oder Menschenrechte vor dem Kabinett. Später begann sie als Journalistin zu arbeiten und gründete die Organisation „Journalistinnen ohne Ketten“. In ihrem Büro hängen Porträts von Martin Luther King, Mahatma Gandhi und Nelson Mandela.

Die neue Occupy-Bewegung in den USA

(TAZ 14.10.2011) Matt Crosby, 25, Platzbesetzer in Washington, über Ziele, Vorbilder und Struktur der Occupy-Bewegung. Und über das Gefühl, dass plötzlich möglich ist, was vor Kurzem noch undenkbar schien.

taz: Herr Crosby, einige Republikaner nennen Ihre Bewegung sozialistisch oder kommunistisch. Was sagen Sie dazu?

Matt Crosby: Ich grinse freundlich. Ich glaube, dass es Dinge im Kommunismus gibt, die Wert haben. Und Teile aus dem Sozialismus können übernommen werden. Aber ich glaube nicht, dass ein Allheilmittel existiert.

Aber was ist Ihr Ziel?

Das ist symptomatisch: Sobald jemand eine Frage stellt, wollen die Leute gleich die Antwort hören.

Wenn sich Menschen in Kälte und Regen auf einem Platz niederlassen, müssen sie doch wissen, warum sie das tun.

Wir haben keine Hierarchie. Ich kann nur für mich sprechen.

Gut. Warum sind Sie hier?

Ich bin nicht damit einverstanden, wie die Welt funktioniert. Außerdem muss die repräsentative Demokratie in Amerika neu definiert werden. Die Politik repräsentiert nicht die Bürger.

Was ist die Ursache der Probleme? Das Wirtschaftssystem?

Gier. Das ist die Motivation.

Gibt es ein Mittel dagegen?

Vor zwei Wochen hätte ich geantwortet: Nein. Aber jetzt tue ich meinen Teil dazu, dieses System zu ändern. Denn ich spüre, dass die Menschheit auf einem negativen Pfad von Gier und Krieg ist. Und ich glaube, dass diese Bewegung die Möglichkeit hat, die Strippenzieher der Welt zu nötigen, weniger gierig zu sein.

Für eine solidarische Moderne

(Rede von Franz Alt in Stuttgart am 15.10.2011)

Wir leben in Zeiten des Finanz-Extremismus, in denen Politiker nur noch die Getriebenen der Finanz-Haie sind. Vernünftiges Regieren findet gar nicht mehr statt. Die Politik fährt nur noch Krankenwagen zu den Finanz-Katstrophen-Orten. Mindestens genauso wichtig wie die Rettung der Banken ist aber die Frage: Wie können wir den 1,5 Millionen Hartz IV-Empfängern helfen, die seit bereits sechs Jahren von weniger als 400 Euro im Monat leben müssen?

Solange sich Steuerhinterzieher hinter Schweizer Banken verstecken können, ist unser Gerechtigkeitsgefühl tief verletzt. Jeder Ladendieb wird bestraft, aber Millionen-Steuer-Betrüger bleiben oft straffrei, obwohl sie um Millionen betrogen haben. Und in diesen Tagen hat Finanzminister Schäuble diesen Millionen-Betrügern auch noch einen Roten Teppich ausgerollt, indem er ihnen eine Amnestie und Straffreiheit versprochen hat, wenn sie sich nur selbst anzeigen. Solche Verträge wie dieser mit der Schweiz beleidigen das allgemeine Rechtsempfinden. Denn hier gilt immer noch das Motto: Die Kleinen hängt man, aber die Großen lässt man laufen.[…]

Demokratie ist mehr als nur alle vier Jahre ein Kreuz auf dem Wahlzettel. Wir fordern mehr direkte Demokratie ähnlich wie in der Schweiz. Wir wollen eine Verschweizerung der Bundesrepublik Deutschland. Eine Demokratie, in der die Bevölkerung und nicht nur die Großkonzerne und die großen Banken das Sagen haben.[…] Demokratie heißt: Offenheit, Transparenz und Mitbestimmung. Demokratie heißt auch: Engagiert Euch und Empört Euch – so wie es uns der 94-jährige französische Philosoph Stephane Hessel empfiehlt.

Wir wollen eine an Werten und nicht eine primär an Kapitalinteressen orientierte Politik. Wertorientiert heißt: Mehr Gerechtigkeit, mehr Transparenz, mehr Umweltpolitik, die diesen Namen verdient. Wir selbst wollen mehr Demokratie – so wie es Willy Brandt schon 1972 gefordert hat. Wir sagen entschieden Nein zum Diktat des Geldes. Wir sagen Nein zum Auseinanderklaffen zwischen arm und reich. Und wir sagen Ja zum generellen Mindestlohn wie er schon in fast allen EU-Ländern selbstverständlich ist. Wir sagen entschieden Nein zum Brutal-Kapitalismus der USA. Unsere Freunde in den USA sind jene, die in diesen Wochen dort für mehr Gerechtigkeit auf die Straßen gehen. Sie sind unser Vorbild.

Es ist jedoch der größte Skandal unserer Zeit, dass auf dieser reichen Erde jeden Tag 35.000 Menschen verhungern müssen. Und dass die Zahl der Hungernden noch ständig steigt. Der doppelte Skandal wachsender Ungleichheiten in den reichen Ländern und zwischen armen und reichen Ländern ist kein Naturgesetz, sondern die Folge falscher und feiger Politik. Es reicht nicht mehr, sich nur über die zunehmenden Ungerechtigkeiten zu empören. Wir müssen uns ab sofort mehr engagieren für eine gerechtere und bessere Welt. Und heute machen wir weltweit damit einen Anfang. Unser Engagement richtet sich auch gegen die Plünderung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Die heutige Wirtschaftspolitik ist nicht enkelverträglich.[…] Wo es aber ausschließlich um Gewinn-Maximierung geht, wird auch diese bald nicht mehr funktionieren. Geld und Konkurrenz und der Tanz um das Goldene Kalb sind nicht alles. Dagegen empören wir uns, dagegen wehren wir uns und dagegen leisten wir ab jetzt auch Widerstand. Wenn das Gemeinwohl gefährdet ist, wird Widerstand zur Pflicht. So steht es im Grundgesetz. Eine Gesellschaft, die nur am Profit orientiert ist, hat keine Zukunft. Ich wünsche uns allen ein Gespür dafür, dass Empörung ein kostbarer Schatz ist für die Zukunft einer menschlichen Gesellschaft.

Einkommensverteilung in Deutschland wird ungleicher

5.12.2011 Zitate aus http://www.taz.de/Einkommensverteilung-in-OECD-Staaten/!83158/

Die Ungleichheit bei den Einkommen nimmt in Deutschland rasant zu. Arm und Reich driften schneller auseinander als in den meisten anderen Industrieländern, wie aus einer neuen OECD-Studie hervorgeht. Die obersten 10 Prozent der deutschen Einkommensbezieher verdienten im Jahr 2008 im Durchschnitt 57.300 Euro. Das unterste Zehntel kam hingegen nur auf 7.400 Euro. Das Verhältnis zwischen oben und unten betrug also acht zu eins. In den 1990er Jahren waren es erst sechs zu eins. Vor zwanzig Jahren gehörte Deutschland noch zu den eher egalitären Gesellschaften – und konnte sich mit Skandinavien vergleichen. Inzwischen liegt die Bundesrepublik nur noch im OECD-Mittelfeld. Selbst dies könnte sich schnell ändern: Zwar sind die Einkommen in Ländern wie Mexiko, den USA oder Australien noch deutlich ungerechter verteilt, aber an der Bundesrepublik fällt die Geschwindigkeit auf, mit der sich Arm und Reich trennen.

Die OECD macht hierfür drei Ursachen aus. Erstens: Die Teilzeitarbeit nimmt zu, die häufig schlecht entlohnt wird. Seit 1984 ist sie von 11 auf 22 Prozent gestiegen. Zweitens: der soziale Wandel. So gibt es immer mehr Alleinerziehende und Singles, was automatisch zu einem sinkenden Haushaltseinkommen führt. Zudem verändert sich das Beziehungsverhalten. Immer häufiger finden Partner zusammen, die ein ähnliches Einkommen mitbringen. Drittens: Auch die deutsche Steuer- und Sozialpolitik hat dazu beigetragen, dass sich die Einkommensunterschiede verschärfen. Die OECD empfiehlt, die Reichen stärker zu belasten. „Eine Option wäre, die Einkommensteuer progressiver zu gestalten.“ Darüber hinaus wird vorgeschlagen, die Steuerflucht einzudämmen, Steuererleichterungen für Besserverdienende abzubauen und die Vermögensteuern zu erweitern.

Hungersnot in der Sahelzone in Nordafrika

SwissInfo.ch 20. April 2012: Die Sahelzone ist ohne internationale Hilfe verloren. Die Nahrungsmittel-Vorräte sind im Tschad wie in der übrigen Sahelzone praktisch aufgebraucht. Im Verlauf des Sommers droht 15 Millionen Menschen in der Sahelzone eine Hungersnot. Caritas-Mitarbeiter Fred Lauener glaubt, dass die Zeit zum Handeln noch reicht. Man dürfe die Fehler, die am Horn von Afrika gemacht wurden, nicht wiederholen. Erst knapp die Hälfte der von der internationalen Gemeinschaft verlangten 700 Millionen US-Dollar seien bis heute zusammengekommen. Laut der WHO sind zwischen 1 und 1,5 Millionen Kinder unter 5 Jahren „schwer“ unterernährt. Das Klima allein ist nicht schuld an der Situation. Hohe Preise für Grundnahrungsmittel und die massiv zugenommene Rückkehr von Migranten aus dem Maghreb, die keine Arbeit mehr haben, beschleunigen die Verarmung und den Mangel an Lebensgrundlagen in der Region. Dazu kommen vermehrt regionale Konflikte, die zu einem Anstieg von vertriebenen Menschen und zu einer Verschlimmerung der Situation führen.

swissinfo.ch: Zum dritten Mal innerhalb zehn Jahren ist die Sahelzone mit einer Hungerkrise konfrontiert. Worin unterscheidet sich die heutige Situation von den früheren Krisen?

Fred Lauener: Es stimmt, dass diese Region regelmässig mit Dürreperioden und Lebensmittelproblemen zu kämpfen hat. Doch diesmal kommen die angestiegenen Lebensmittelkosten dazu. Dies hat einerseits zu tun mit der chronischen Verarmung, andererseits aber auch mit Spekulationen auf dem Markt für Grundnahrungsmittel. Letztes Jahr waren die Ernten sehr schlecht. In den meisten Regionen der Sahelzone mussten Einbussen bis zu 90 Prozent hingenommen werden. Mit dem wenigen Geld, das ihnen bleibt, können die Betroffenen keine Lebensmittel mehr kaufen. Die Situation in der Sahelzone war noch nie so alarmierend.

swissinfo.ch: Wäre es nicht besser, im Kampf gegen den Hunger auf langfristige Strategien zu setzen statt nur immer auf kurzfristige Nothilfe?

F.L.: In der Tat sollten wir uns künftig mehr um die frühzeitige Erkennung und die Vermeidung von Risiken kümmern statt um die Krisen selbst. Wir wissen, dass Dürren und Hochwasser aufgrund des Klimawandels zunehmen werden. Innerhalb der humanitären Hilfe steigt deshalb die Bedeutung von Prävention und Risikoverminderung.

finanznachrichten.de 18.04.2012: „Die Lage der Menschen in der Sahelzone verschlechtert sich dramatisch. Sie brauchen dringend unsere Hilfe zum Überleben“, so Karin Kortmann, stellvertretende Generalsekretärin von CARE Deutschland-Luxemburg. Im Tschad, in Mali und Niger ist die Nahrungssicherheit von etwa elf Millionen Menschen bedroht. Über 1,8 Millionen Menschen sind akut unterernährt, darunter eine Million Kinder. Deshalb ruft der Verbund von CARE International zu weiteren Spenden auf. Mit insgesamt 25 Millionen Euro möchte die Hilfsorganisation etwa eine Million Menschen im Tschad, Niger und in Mali mit Nahrungsmitteln und Wasser versorgen. Seit der ersten Warnung vor einer Nahrungskrise durch CARE im Oktober 2011 sind erst rund 13 Prozent der benötigten Gelder eingenommen worden. Die Hälfte der Haushalte, die CARE in den drei Ländern identifiziert hat, benötigt in den kommenden Monaten lebensrettende Nothilfe. Für die übrigen Gemeinden sind Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung einer Krise geplant. CARE verteilt bereits heute Nahrungsmittel, verbessert die Wasser- und Sanitärversorgung und schult Gesundheitspersonal in der Erkennung und Behandlung von Unterernährung.

Nach Angaben von CARE werden die Vorräte der meisten Familien bis zur nächsten Ernte nicht mehr ausreichen. „Die Menschen in der Sahelzone benötigen bis zur nächsten Ernte im Oktober dringend unsere Unterstützung. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln, um eine weitere humanitäre Katastrophe zu verhindern“, betont Karin Kortmann. CARE arbeitet seit fast 40 Jahren in der Region daran, die Widerstandskräfte der Menschen zu stärken: Gemeinschaftsgärten und Kleinspargruppen helfen Reserven zu bilden. CARE hat bereits im vergangenen Oktober damit begonnen, seine laufenden Programme aufzustocken, um Menschen mit Bargeldauszahlungen, Schulspeisungen, Nahrung, Tiernahrung und Wasser zu unterstützen. CARE baut außerdem Lagerhallen und richtet Frühwarnsysteme ein, um der Nahrungsmittelknappheit vorbeugen zu können. „Aber die Hilfe muss jetzt in einem größeren Maßstab durchgeführt werden. Dafür brauchen die Menschen dringend auch finanzielle Unterstützung“, so Kortmann.

Club of Rome: Die Welt im Jahr 2052

(Zitat Focus online, 07.05.2012)

Der Bericht „2052: Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre“ erscheint zum 40-jährigen Jubiläum des ersten großen Warnrufes des Club of Rome, mit dem er damals den Glauben an einen stetigen Wirtschaftsaufschwung stark dämpfte. Zusammen mit der Ölkrise kurz danach machte er die Endlichkeit der Rohstoffe deutlich. So weiter machen wie bisher geht nicht. In „2052“ stehen wieder die Grenzen des Wachstums im Vordergrund: „Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde ausgereizt und wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen örtlichen Kollaps erleben“, sagte Randers bei der Präsentation der Ergebnisse in Rotterdam. Die Wirtschaft schade mit ihrem steten Wachstum dem Klima und den Naturschätzen. Der Generalsekretär des Club of Rome, Ian Johnson, fügte hinzu: „,Business as usual‘ ist keine Option, wenn wir wollen, dass unsere Enkelkinder auf einem zukunftsfähigen und gerechten Planeten leben.“

Viele Volkswirtschaften hätten ihr Entwicklungspotenzial ausgeschöpft. Außerdem sinke die Zahl der Geburten, da immer mehr Menschen in Städten lebten und die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen könnten, so Randers. In den Megastädten bedeute ein Kind, einen Mund mehr zu füttern statt eine Hilfe mehr auf dem Acker. Nach seinen Berechnungen wird die Weltbevölkerung kurz nach 2040 bei 8,1 Milliarden ihren Höchststand erreichen und dann zurückgehen. Doch die Not wird zunehmen: Mit drei Milliarden Menschen, die in Armut leben, rechnet der Club of Rome im Jahr 2052. Es werde weniger Armut in den Entwicklungsländern, jedoch mehr Armut und Ungleichheit in den Industriestaaten und überall mehr Umweltzerstörung geben, schreibt der argentinische Investmentmanager Carlos Joly in seinem Ausblick.

Neben der Entwicklung der Wirtschaft bildet der Klimawandel einen weiteren Schwerpunkt des Berichts. „Wir stoßen jedes Jahr zweimal so viel Treibhausgas aus wie Wälder und Meere absorbieren können“, klagt Randers. Nach seinen Schätzungen wird sich der Klimawandel in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dramatisch verstärken und dadurch viel Leid verursachen. Die Treibhausgasemissionen werden ihm zufolge erst 2030 ihren Höhepunkt erreicht haben. Das sei zu spät, um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, was als eben noch akzeptable Marke angesehen wird. „Das Ausbleiben von engagierten und konsequenten Reaktionen der Menschheit in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird die Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf einen gefährlichen Pfad der sich selbst verstärkenden globalen Erwärmung bringen.“ Es werde mehr Dürren, Fluten und verheerende Wirbelstürme geben. „Und im Jahr 2052 wird die Welt mit Schrecken auf weitere Änderungen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts blicken“, fährt Randers fort. „Der sich selbst verstärkende Klimawandel wird die Sorge Nummer eins sein.“

Mehr Wohlstand führt nicht zum Glück

(Zitat Hamburger Abendblatt vom 11. 5.2012)

Gesundheitsexperten schlagen Alarm: Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen sind in den vergangenen zehn Jahren dramatisch gestiegen – von 33,6 Millionen auf 53,5 Millionen. Als Grund wurden steigende Anforderungen an Eigenverantwortung und Flexibilität genannt – die Leute halten den Stress nicht mehr aus. Aufregung löst dies erstaunlicherweise nicht aus. Ängste, Depressionen und Burnout werden offenbar als Kollateralschaden des Wohlstands akzeptiert. Dennoch stellt sich die Frage, wieso eines der wohlhabendsten Länder der Welt seine Wirtschaft nicht so zu strukturieren vermag, dass seine Bürger mit wachsendem Wohlstand auch mehr Zeitsouveränität und Zufriedenheit erleben. Das Gegenteil ist der Fall, nicht nur bei uns: Statistiker beobachten, dass Zufriedenheit und Glücksempfinden in den wohlhabenden Ländern mit dem steigenden Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht mehr mithalten – die Kurven entwickeln sich auseinander. BIP allein macht eben nicht glücklich.

Ökonomen, deren Denken noch durch moralphilosophische Erwägungen geprägt war, hatten die Vision, der materielle Fortschritt werde irgendwann die Bedürfnisse sättigen und zum Paradies auf Erden führen – doch unsere Bedürfnisse wuchern offenbar ins Unendliche, je mehr Wohlstand wir haben. (…) Der „Homo oeconomicus“, der selbstsüchtig auf seinen Vorteil bedachte Mensch, war jahrzehntelang Leitbild der Ökonomen, die als Politikberater großen Einfluss auf Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik nahmen. Dabei fehlt ein Gefühl für das richtige Maß in all diesen Dingen, denn alles Gute, was man übertreibt, wird schlecht, das hat schon Aristoteles erkannt. Was hindert uns daran, „genug“ zu sagen und zufrieden und dankbar das Erreichte zu genießen? Zu viel Selbstsucht und Gier haben sich unterm Strich nicht als glückstauglich erwiesen, sondern soziale und ökologische Werte zerstört. Freude am Leben entsteht in erster Linie durch erfüllende Beziehungen, durch das Gefühl von Zugehörigkeit, Vertrauen, Nähe, Geborgenheit – hier liegen vermutlich die größten Wachstumspotenziale der Zukunft!

ERSTER WELTGLÜCKSBERICHT DER UNO

(Zitat TAZ 26.05.2012)

Obwohl sich das Bruttosozialprodukt vervielfacht hat, ist die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der US-Bevölkerung kontinuierlich gesunken. Das geht aus dem ersten Weltglücksbericht der UNO hervor, der jüngst erschienen ist. Für den Bericht haben die Glücksforscher John Helliwell und Richard Layard sowie der UN-Sonderberater für die Millenniumsentwicklungsziele Jeffrey Sachs sämtliche internationalen Glücksumfragen bis 2011 ausgewertet.

Die wichtigste Studie zum Thema ist der Gallup World Poll. Danach leben die glücklichsten Menschen in den vergleichsweise egalitären westlichen Ländern Dänemark, Norwegen, Finnland und den Niederlanden. Die unglücklichsten Menschen leben in Afrika: in Benin, in der Zentralafrikanischen Republik und in Togo. Bei der Frage, wie oft die Befragten am Tag zuvor gelacht, sich gefreut und glücklich gefühlt haben, liegen die Bewohner so unterschiedlicher Staaten wie Island, Irland und Costa Rica vorne. Die Deutschen kommen bei beiden Umfragen auf einen vergleichsweise lausigen 30. beziehungsweise 46. Platz.

Es sei nicht primär Reichtum, der Menschen glücklich mache, fassen die Autoren ihre Erkenntnisse zusammen, sondern „politische Freiheit, starke soziale Netzwerke und die Abwesenheit von Korruption“. Wirtschaftswachstum macht Menschen nur dann glücklicher, wenn sie zuvor arm waren. Ab einer gewissen Sättigung droht eher das Gegenteil: Konsumismus macht unglücklich, vor allem in Ländern mit großer sozialer Ungleichheit – weil sich Wohlhabende ständig mit den noch Reicheren vergleichen.

Welche Faktoren fördern das individuelle Glück? Sehr wichtig, so der Report, sei Erwerbsarbeit. Arbeitslosigkeit führe nicht nur zu Armut, sondern auch zu Ausgrenzung und Statusverlust, mache Menschen krank und depressiv. Ein sicherer Job wird von Befragten weit mehr geschätzt als hohes Einkommen. Ebenfalls wichtig: Ehe und Religion. Stabile Partnerschaften machen Menschen glücklicher. Und vor allem in armen Ländern mit unsicheren Lebensbedingungen hat der Glaube offenbar eine deutlich tröstende Funktion. Sehr positiv für das Wohlbefinden sind geistige und körperliche Gesundheit sowie eine grüne Umgebung. Und Altruismus. Der UN-Report führt diverse Studien auf, wonach Ehrenamtliche und Freiwillige wesentlich glücklicher sind und Materialisten zum Unglücklichsein neigen. Klare Schlussfolgerung der Autoren: „Solange es kein hohes Niveau von Altruismus und Vertrauen untereinander gibt, kann eine Gesellschaft nicht glücklich sein. Deshalb riet schon Aristoteles, dass Glück hauptsächlich durch tugendhafte Akte angestrebt werden sollte. Auch Buddha und unzählige andere Weise argumentieren so, ebenso viele heutige Psychologen und moralische Führer.“ Regierungen sollten nicht länger Wirtschaftswachstum, sondern das Wohlbefinden der Regierten befördern und regelmäßig messen.

Auf Betreiben Bhutans und 68 weiterer Ländern ist das weltweite Streben nach Glück bereits im Rechtsgefüge der Vereinten Nationen verankert worden. Die UN-Generalversammlung hat im August 2011 eine Resolution unter dem Titel „Glück: hin zu einer ganzheitlichen Annäherung an Entwicklung“ verabschiedet. Wie die Bundesregierung in den kommenden Verhandlungen von Rio+20 diese Ziele unterstützen will, ist unklar. Dabei hätte auch Deutschland durchaus Nachholbedarf. Zwar ist das deutsche Bruttosozialprodukt von 1973 bis 2003 um 60 Prozent gestiegen. Das individuelle Glücksniveau jedoch sank im gleichen Zeitraum um 10 Prozent.

Bhutan will 100% Bio in der Landwirtschaft

(Zitat oneco 01.08.2012)

Das kleine Königreich Bhutan überraschte vor einigen Jahren mit der Erklärung, dass das Bruttonationalglück wichtiger sei als das Bruttoinlandsprodukt. Das Denken in Bhutan geht aber über das menschliche Glück hinaus und möchte Umwelt sowie spirituelles und mentales Wohlbefinden in seine Berechnungen einschließen. Der Himalaya-Staat setzt nun auf 100% Bio-Landwirtschaft. Während der Rio+20-Konferenz erklärte Premier Jigmi Thinley, dass seine Regierung ein nationales Bio-Programm entwickle. Der IFOAM-Präsident Andre Leu aus Australien ist Berater der bhutanischen Regierung und überzeugt, dass das Vorhaben machbar ist.

wohlstandsstudie (geld-ist-wichtiger-als-glueck)

(Zitat Stern 29.8.2012)

Seit Anfang 2011 brütet eine Enquete-Kommission über einem ganzheitlichen Wohlstands- und Fortschrittsindikator, der die Grenzen des Wachstums berücksichtigen soll. Bislang ohne Ergebnis. In die Debatte mischt sich nun Zukunftsforscher Horst Opaschowski ein, der mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos einen solchen Index für Deutschland entwickelt hat. Neben dem ökonomischen Wohlstand soll das Barometer auch den ökologischen („Naturnah und nachhaltig leben“), gesellschaftlichen („Frei und in Frieden leben“) und individuellen Wohlstand („Gesund und ohne Zukunftsängste leben“) erfassen. Um herauszufinden, wie wichtig welcher Wohlstandsbereich ist, wurde 2000 Bundesbürgern ein Katalog mit 30 Fragen aus den vier Kategorien vorgelegt. Wer sich nun erhofft, dass den Menschen Geld weniger wichtig ist als Glück, Gesundheit oder Freiheit, wird enttäuscht. „In den meisten Wohlstandswünschen der Bevölkerung geht es um Leib und Leben – und nicht um Glücksgefühle“, sagt Professor Opaschowski. Die Bundesbürger definieren ihren Wohlstand demnach vor allem über finanzielle Belange: 71 Prozent gaben an, Wohlstand sei für sie, wenn sie sich keine finanziellen Sorgen machen müssten. 65 Prozent wünschten sich ein sicheres Einkommen, 62 Prozent einen gesicherten Arbeitsplatz. Umweltfragen dagegen liegen am Ende der Skala: In einer Welt zu leben, die gut mit der Natur umgeht, ist nur 23 Prozent wichtig. Nur 15 Prozent sehen in der Nutzung von Erneuerbaren Energien eine Form von Wohlstand. Auch in der Kategorie „Gesellschaftlicher Wohlstand“ blieben die Werte niedrig: 36 Prozent nannten „in Frieden mit den Mitmenschen leben“ als Wohlstandsmerkmal, 33 Prozent ist es wichtig, die Meinung frei äußern zu können, 24 Prozent wollen in einer toleranten Welt leben.

Solidarität mit Malala

Wikipedia: Mit elf Jahren berichtete Malala auf einer Website der BBC in Form eines Blog-Tagebuches über Gewalttaten der terroristischen pakistanischen Taliban im Swat-Tal, wo seit der Machtübernahme durch die Terrororganisation im Jahre 2007 Mädchen von der Schulbildung ausgeschlossen würden und das Hören von Musik verboten sei. Später trat sie auch in Dokumentationen auf. 2011 bekam sie den ersten Friedenspreis der pakistanischen Regierung für ihren Einsatz um das Recht der Mädchen auf Bildung. Am 9. Oktober 2012, während der Heimfahrt von der Schule mit dem Bus, wurde auf sie ein Attentat verübt. Dabei wurde sie durch Kugeln in Kopf und Hals schwer verletzt und musste in einem Militärkrankenhaus in Peschawar operiert werden. Grund für den Anschlag war einem Bekennerschreiben der Taliban folgend der Einsatz des Mädchens für die schulische Bildung der weiblichen Bevölkerung. Der ehemaligebritische Premierminister Gordon Brown, jetzt der UN-Sonderbeauftragte für globale Bildung, startete eine Petition in Malalas Namen „zur Unterstützung dessen, wofür Malala gekämpft hat“. Verschiedene Initiativen fordern eine Nominierung Malalas für den Friedensnobelpreis.

Süddeutsche: Malala – Inspiration für die Welt. Niemand kann ihre Botschaft zum Verstummen bringen. Die von pakistanischen Taliban schwer verletzte Kinderrechts-Aktivistin Malala Yousafzai hatte sich vor allem dafür eingesetzt, dass Mädchen in die Schule gehen dürfen. Sarah Brown, die Ehefrau des ehemaligen britischen Premiers Gordon Brown meint: „Wir müssen für Mädchen wie Malala eintreten.“

Mit Vollgas in die Hungerkrise. Film von Richard Prost und Yves Billy (Phönix 7.1.2012)

Ich sah gerade einen Film auf Phönix über die globalisierte Landwirtschaft. Biosprit und Fleischproduktion verbrauchen einen Großteil des Weltgetreides (Mais, Soja). Gleichzeitig werden momentan die meisten kleinen und mittleren Bauern von ihren Höfen verdrängt und wandern in die Städte, wo sich weltweit riesige Slums bilden werden. Und der Wald wird gerodet, um Kraftstoff für die Autos der Reichen zu haben. Auf die Welt kommt eine riesige Hunger- und Umweltkatastrophe zu. Alle wissen es und keiner tut etwas. Nur eine globale neue Landwirtschaftspolitik würde helfen. Aber davon sind wir weit entfernt.

Phönix-Beschreibung: Die Rohstoffpreise für Nahrungsmittel steigen, die landwirtschaftlichen Nutzflächen schrumpfen und aufstrebende Volkswirtschaften wie China und Indien verändern ihre Ernährungsgewohnheiten. Der Dokumentarfilm sucht nach den Gründen für die weltweite Verknappung von Lebensmitteln und für die ständig steigenden Preise. Die weltweiten Getreidevorräte reichen gerade einmal für 37 Tage, obwohl die Versorgung nach offiziellen Vorgaben 60 Tage lang gewährleistet sein muss. Warum ist das so? Der Anstieg der Rohstoffpreise, die Verknappung landwirtschaftlicher Nutzflächen, der Einsatz pflanzlicher Grundstoffe zur Herstellung von Biotreibstoff, und auch die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten aufstrebender Volkswirtschaften wie Indien und China haben die Welt in eine tiefe Nahrungsmittelkrise gestürzt, die offenbar außer Kontrolle zu geraten droht. Die Filmemacher haben in Europa nachgeforscht und Meinungen von Experten der Welternährungsorganisation FAO zum aktuellen Ungleichgewicht der Märkte eingeholt. Sie haben sich in den ländlichen Regionen Argentiniens und der USA umgesehen, den beiden größten Produzenten von Biotreibstoff und Befürwortern genmanipulierter Pflanzen. Und sie sind nach China gereist, um nachzufragen, wie die dortige Regierung die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung sichern will. Denn Chinas Bedarf an Getreide entspricht schon heute der gesamten Weltproduktion. Peking betreibt ein Wettrennen gegen die Zeit, mit dem Ziel, immer schneller immer mehr Nahrungsmittel zu produzieren. Ein Spiel mit hohem Einsatz, bei dem es um die Zukunft und das Gleichgewicht des gesamten Planeten geht.

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Zauberer Nils rettet die Welt

In meinem Video erzähle ich die Geschichte vom Egodrachen, der durch Weisheit und Liebe überwunden werden kann. Ich zaubere eine Kristallkugel hervor, die uns den Weg in eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks zeigt. Diese Kristallkugel ist unser Inneres, christlich gesprochen unser Herz. Wir müssen Kontakt mit unserer inneren Stimme der Weisheit und Liebe aufnehmen, damit wir unseren Weg des Glücks finden können. Wo das Ego regiert, sind Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Krieg nicht fern. Jederzeit können kleine und große Kriege ausbrechen, wenn Verhandlungen nicht zum Ziel führen. Jederzeit finden wirtschaftliche Machtkämpfe für den Profit einer weniger Reicher statt. Die USA und Deutschland versuchen auf Kosten der Menschen in Afrika, Südamerika und Indien reich zu werden. Die Luftverschmutzung in den Industrieländer nimmt zu und macht viele Menschen krank. Die Eiskappen der Erde schmelzen und der Meeresanstieg ist nicht mehr zu verhindern. Es gibt aber nicht nur eine äußere Zerstörung der Welt, sondern auch eine innere Zerstörung der Menschen. Um Geld und hohe Einschaltquoten zu erzielen, verbreitet das westliche Konsumfernsehen Ängste, Gewalt und Süchte. Es bringt die Menschen nicht zu positiven Werten wie innerer Frieden und umfassende Liebe, sondern stärkt das Ego und die Unweisheit. In Schulen und Betrieben herrscht ein übergroßer Leistungsdruck und Konkurrenzkampf. Etwa ein Drittel der Schüler leiden bereits an Ängsten und psychosomatischen Krankheiten. Depressionen nehmen in Deutschland in großem Maß zu.
Wie kann die Welt gerettet werden? Wir brauchen positive Werte wie Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und Weisheit. Wir müssen das innere Glück und nicht den äußeren Konsumwahn in den Mittelpunkt des Leben stellen. Wir müssen die Erkenntnisse der Glücksforschung in unser Leben und in die Organisation unserer Gesellschaft einfließen lassen. Vor etwa fünfhundert Jahren waren die Mongolen sehr kriegerisch und verbreiteten Angst und Schrecken in der Welt. Dann brachte ihnen der III. Dalai Lama den Buddhismus und sie wurden friedlich. Dieses Beispiel zeigt, dass die Welt nur durch eine friedliche Philosophie oder Religion zu retten ist. Da die Welt multikulturell aufgebaut ist, brauchen wir viele verschiedene friedliche Lehren. Für Atheisten kann die Glücksforschung hilfreich sein. Die Christen müssen sich auf den friedlichen Kern ihrer Religion besinnen und die Liebe in den Mittelpunkt ihrer Religion stellen. Der Islam muss sich vom gewalttätigen Islamismus verabschieden und zu einer toleranten Religion werden. Die Religionen müssen friedlich miteinander umgehen.

Siehe http://www.youtube.com/watch?v=T83ST4mNUT4

Weblinks

Wikipedia WeltfriedenWikipedia Welthunger

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