Religiöse Toleranz

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Moschee in Berlin

„Darum lass gläubig sein, wer will; und lass ungläubig sein, wer will.“ (Al-Kahf 18:29)

Wikipedia: Toleranz ist ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“) entlehnt. Das Adjektiv tolerant in der Bedeutung „duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig“ ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. Der Begriff ist häufig mit der religiösen Toleranzforderung verknüpft. So meint Toleranz beispielsweise den gegenseitigen Respekt der Einzelnen gegenüber den Ansichten über die „Letzten Dinge“. Eine Verankerung wird beispielsweise im christlichen Liebesgebot gesehen. Die Toleranz schützt die Träger einer Minderheitsmeinung vor Repression und gilt insofern als eine Grundbedingung für Humanität. Toleranz ist auch die Vorbedingung einer friedlichen, theoretischen, Auseinandersetzung um konkurrierende Wahrheitsansprüche.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Erklärung von Prinzipien der Toleranz (UNESCO)
  • 2 Die fünf Suchenden
  • 3 Die Einheit aller Religionen
  • 4 Diskussion
  • 5 Zitate aus der Presse
  • 6 Siehe auch
  • 7 Weblinks
  • 8 Videos

Erklärung von Prinzipien der Toleranz (UNESCO)

Thich Nhat Hanh lehrt die Toleranz zwischen den Religionen

(Zitate aus Deutsche UNESCO-Kommission. Die Erklärung von Prinzipien der Toleranz wurde auf der 28. Generalkonferenz (Paris, 25. Oktober bis 16. November 1995) von den Mitgliedstaaten der UNESCO verabschiedet.)

Entschlossen, alle positiven Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um den Gedanken der Toleranz in unseren Gesellschaften zu verbreiten – denn Toleranz ist nicht nur ein hochgeschätztes Prinzip, sondern eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker, erklären wir:

Artikel 1: Bedeutung von ‚Toleranz‘

1.1 „Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens. Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg. Sie ist nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische und rechtliche Notwendigkeit. Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und trägt dazu bei, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden. (…)

1.3 Toleranz ist der Schlußstein, der die Menschenrechte, den Pluralismus (auch den kulturellen Pluralismus), die Demokratie und den Rechtsstaat zusammenhält. Sie schließt die Zurückweisung jeglichen Dogmatismus und Absolutismus ein und bekräftigt die in den internationalen Menschenrechtsdokumenten formulierten Normen.

1.4 In Übereinstimmung mit der Achtung der Menschenrechte bedeutet praktizierte Toleranz weder das Tolerieren sozialen Unrechts noch die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugungen. Sie bedeutet für jeden einzelnen Freiheit der Wahl seiner Überzeugungen, aber gleichzeitig auch Anerkennung der gleichen Wahlfreiheit für die anderen. Toleranz bedeutet die Anerkennung der Tatsache, daß alle Menschen, natürlich mit allen Unterschieden ihrer Erscheinungsform, Situation, Sprache, Verhaltensweisen und Werte, das Recht haben, in Frieden zu leben und so zu bleiben, wie sie sind. Dazu gehört auch, daß die eigenen Ansichten anderen nicht aufgezwungen werden dürfen.

Artikel 3: Soziale Dimensionen

3.1 In der heutigen Welt ist Toleranz wichtiger als jemals zuvor. Diese Epoche ist gekennzeichnet durch Globalisierung der Wirtschaft und durch schnell zunehmende Mobilität, Kommunikation, Integration und Interdependenz, gewaltige Wanderungsbewegungen und Vertreibung ganzer Bevölkerungen, Verstädterung und Wandel sozialer Muster. (…)

3.2 Toleranz ist notwendig zwischen einzelnen wie in Familie und Gemeinschaft. Toleranz und Offenheit, die Fähigkeit zum Zuhören und Solidarität sollten vermittelt werden in Schulen und Universitäten wie in außerschulischer Bildung, zu Hause und am Arbeitsplatz. Die Massenmedien können eine konstruktive Rollespielen, indem sie Räume schaffen für freien und offenen Dialog und Diskussion, die Werte der Toleranz verbreiten und hinweisen auf die Gefahren der Indifferenz gegenüber der Ausbreitung intoleranter Gruppen und Ideologien.“

Die fünf Suchenden

Dalai Lama

Es waren einmal fünf Menschen, die suchten Gott. Der eine Mensch war ein Atheist, der andere ein Christ, der dritte ein Yogi, der vierte ein Moslem und der fünfte ein Buddhist. Eines Tages kamen alle fünf Suchenden zu einem großen Berg. Am Fuße des großen Berges trafen sie sich. Oben auf dem Berg strahlte ein helles Licht. Der Atheist sagte: „Das ist die Sonne.“ Der Christ erklärte: „Das ist Gott.“ Der Moslem gab dem Licht den Namen Allah. Der Buddhist hielt es für das Nirwana (Leere/Einheitsbewusstsein/Glück). Der Yogi nannte es Brahman (Urgrund, höhere Realität).

Die fünf Suchenden diskutierten lange über das Licht, das Glück und Gott. Der Atheist bestand darauf, dass es keinen Gott gibt. Der Buddhist glaubte nicht an einen persönlichen Gott. Dem widersprachen der Moslem und der Christ auf das Heftigste. Der Yogi überraschte seine Freunde mit der Feststellung: „Diese Frage kann ein unerleuchteter Mensch nicht klären. Erst müssen wir alle zur Erleuchtung kommen. Dann werden wir begreifen was Gott ist.“

Die fünf Suchenden unterhielten sich lange über Gott. Sie lernten ihre gegenseitigen Standpunkte kennen. Das Gespräch war eine große Bereicherung für alle. Aber zu einem endgültigen Ergebnis konnten sie nicht kommen. Sie beschlossen deshalb, den Berg zu besteigen und das Licht genau zu untersuchen. Aber sofort gab es Streit über den richtigen Weg zum Berggipfel. Es gab viele Wege, die den Berg hinauf führten. Welchen Weg sollten sie benutzen? Da sie sich nicht einigen konnten, stieg jeder auf seinem eigenen Weg den Berg hinauf.

Als alle auf dem Berggipfel angekommen waren, beschlossen sie gemeinsam in das große Mysterium einzutreten. Sie nahmen sich bei der Hand und gingen ins große Licht. Sie durchschritten eine große Dunkelheit (die innere Nichtswerdung, Egoauflösung) und befanden sich plötzlich in Gott (in der Transzendenz). Sie verweilten einige Zeit in Gott und kehrten dann wieder in die Welt der Materie (der Dualität) zurück. In Gott waren alle sprachlos gewesen. Aber jetzt begannen ihre Gedanken zu arbeiten. Aufgeregt berichteten sie sich gegenseitig von ihren Erfahrungen.

Der Yogi hatte Gott als Glück (Sat-Chit-Ananda, Ruhe-Einheitsbewusstsein-Glückseligkeit), der Christ als umfassende Liebe, der Buddhist als inneren Frieden (Unabhängigkeit von weltlichen Energien, Anhaftungslosigkeit), der Moslem als große Macht (Kraft) und der Atheist als höhere Wahrheit erfahren. Der Moslem hatte das Wort „Allah“, der Christ das Wort „Gott“, der Buddhist den Begriff „Erleuchtung“ (Buddha, meine Buddhanatur), der Yogi „Sat-Chit-Ananda“ (Tat Tvam Asi, Ich bin das) und der Atheist „Kosmos“ (Transzendenz, Einheitsbewusstsein) erhalten. Wenn sie an ihr jeweiliges Wort dachten, konnten sie sich damit sofort wieder in das Licht hineinbegeben. Das Wort war ihr persönlicher Schlüssel zum Eintritt in das große Mysterium. Wer einmal Gott kennengelernt hat, kann sich mit der Kraft der Erinnerung und seinem persönlichen Mantra immer wieder in den Zustand der Erleuchtung versetzen.

Jeder der Suchenden hielt sein Wort für das Größte. Sie stritten sich über ihre Gebetsformeln und konnten sich auf der verbalen Ebene nicht einigen. Deshalb beschlossen sie, ihre Auseinandersetzungen zu beenden und sich lieber auf das spirituelle Üben zu konzentrieren. Sie lebten viele Jahre nebeneinander auf dem Berggipfel. Sie lasen in ihren heiligen Schriften, meditierten viel, pilgerten jeden Tag um den Berggipfel und trafen sich einmal in der Woche zu einer gemeinsamen Feier.

Irgendwann gelangten alle in das dauerhafte Licht. Und das große Licht verwandelte sie. Sie sahen das Licht in allen Wesen und in allen Dingen auf der Welt. Sie erkannten, dass sie alle Brüder und Schwestern sind. Sie erkannten, dass nur die Liebe, der Frieden und das Glück wichtig sind. Sie verließen ihren Berg, stiegen in die Welt der Menschen herab und bauten eine glückliche Welt auf. Mögen wir alle Glaubenskriege auf der Welt beenden. Mögen wir ein goldenes Zeitalter der Liebe, des Friedens und des Glücks auf der Erde errichten. Mögen das Licht, die Liebe und die Wahrheit immer mit uns sein. (Yogi Nils)

Die Einheit aller Religionen

Einheit aller Religionen

(Zitate aus http://www.talk2enemy.de/ )

Nils: Ich vertrete die Position der Einheit aller Religionen. Ich glaube, dass es bei allen Religionen im Kern um eine Transzendenzerfahrung geht, die man auch mit dem Begriff “Erleuchtung” oder “Heiligkeit” beschreiben kann. Ich meine, dass alle Religionen positiv zusammenarbeiten sollten, weil sie im Zentrum das gleiche Ziel haben.

Klaus der zweite: Ich persönlich halte gar nichts von einer “Einheitsreligion”. Natürlich sollen allen Religionen wie auch die übrigen gesellschaftlichen Gruppen gut zusammenarbeiten und sie haben durchaus gemeinsame Ziele. Trotzdem gibt es elementare Unterschiede zwischen den Religionen. Daraus folgt für mich, dass der einzig gangbare Weg der ist, dass man die Unterschiede respektiert und friedlich zusammenlebt. Oder weist du einen Weg die oben genannten gegensätzlichen Positionen zu vereinbaren?

Nils: Hallo Klaus, ich weiß einen Weg die gegensätzlichen Positionen in den Religionen zu vereinbaren. Es geht darum die Essenz aller Religionen zu klären und von dort aus zu einer tiefen inhaltlichen Verbundenheit zu kommen. Gleichzeitig dürfen die Unterschiede gerne bestehen bleiben, solange sich die Religionen in ihrer Existenzberechtigung gegenseitig respektieren.Ich will keine Einheitsreligion, sondern die Einheit aller Religionen bei gleichzeitiger Akzeptanz ihrer Unterschiede.

Das Zentrum aller Religionen ist die Erfahrung einer transzendenten Ebene im Kosmos. Alle Religionsgründer haben diese Ebene erfahren und von dort her die Motivation bekommen, ihre Religion zu gründen. Diese Erfahrung wird unterschiedlich genannt, aber es handelt sich im Wesentlichen um die gleiche Erfahrung. Grundsätzlich wird diese Erfahrung Gott genannt. Gott ist das Zentrum aller Religionen. Es kommt darauf an zu klären, was Gott ist. Dann finden alle Religionen ihren gemeinsamen Kern, können positiv zusammen arbeiten und sich gegenseitig auf ihrem spirituellen Weg unterstützen.

Die Diskussion ist nicht einfach, wie ich inzwischen im Internet erfahren habe. Aber sie ist möglich und sehr wichtig für ein positives Miteinander der Religionen. Die Essenz ist die Erleuchtungserfahrung. In der Erleuchtung erfährt man eine Bewusstseinsebene, die über der Ebene der Unterschiede (der Dualität) liegt. Von dort aus kann man die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der Religionen gut klären. Man kann Verwirrungen in den Religionen und falsche Wege erkennen.

Erleuchtung ist inzwischen auch bei vielen Christen ein bekannter Begriff. Es geht um die persönliche Verwirklichung der Heiligkeit. Für Christen spreche ich aber gerne auch von einem Leben in Gott oder im Licht, in der Liebe, im Frieden und in der Wahrheit. Auf diese Begriffe können sich meiner Einschätzung nach auch Juden und Moslems einigen. Es geht im Wesentlichen um den Weg der Mystik. Wikipedia: „Ein Mystiker oder Erleuchteter erfährt eine Bewustseinsebene, die oft als Gott (Transzendenz) bezeichnet wird.“

Schwierig ist die Klärung, was Gott im Buddhismus und Hinduismus ist. Dazu habe ich viel geschrieben. http://de.wikibooks.org/wiki/Buddhismus_und_Hinduismus_im_Vergleich

Janeway: Ich will Ihnen zustimmen, dass die meisten Religionen in gewissen Punkten Gemeinsamkeiten aufweisen. Ich will hier nur mal auf die gemeinsamen Wurzeln des Christentums, Judentums und des Islams verweisen. Doch muss auch gesehen werden, dass sich die Religionen in spezifische Richtungen mit einer nicht zu leugnenden Eigendynamik entwickelt haben. Aus dieser Entwicklung sind große Unterschiede entstanden. Die im extremsten Fall zu Hassemotionen gegenüber den anders Glaubenden führen können.

Nils: Es gibt gemeinsame Wurzeln gerade im Christentum, Judentum und Islam. Abraham ist der erleuchtete Gründungsvater aller drei Religionen.

Moses beschrieb seine Erleuchtungserfahrung (Gott) mit den Worten „Ich bin“. Das ist die essenzielle Beschreibung von Erleuchtung. Man gelangt ins Sein, in eine friedvolle Existenz, wo man von sich nur sagen kann „Ich bin“. Man kann nicht mehr sagen „Ich bin der und der …“ Das Ich-Bewusstsein ist zugunsten eines Einheitsgefühls überwunden. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass alle Menschen gleich werden. Es existiert Individualität und Zusammengehörigkeitsgefühl gleichzeitig.

Die Unterschiede zwischen den Religionen und Menschen bleiben gewahrt. Sie sind auch notwendig, weil es viele Wege zur Erleuchtung gibt. Man kann über eine personale Gottesvorstellung (Gottesverehrung) und über eine abstrakte Gottesvorstellung (Ruhe, Meditation) zur Erleuchtung kommen. Jeder Mensch sollte den Weg finden und gehen, der zu ihm persönlich passt. Gleichzeitig sollten sich die Religionen nicht bekämpfen. Kampf entsteht, wenn die Religionen ihren gemeinsamen Kern vergessen und wenn sie machtpolitisch missbraucht werden.

Klaus der zweite: Wenn es einen Gott gibt, gibt es auch eine Wahrheit. Ich suche nach dieser Wahrheit, es ist auch mir wichtig die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Religionen zu verstehen, aber es gibt eben auch Unterschiede und die muss man ernst nehmen.

Nils: Das hast du wunderbar geschrieben. Das ist auch meine Meinung. Es gibt nur eine Wahrheit. Es gibt nur einen Gott. Aber dieser Gott ist für einen unerleuchteten Menschen nicht begreifbar. Er kann mit Worten wie Liebe, Frieden, Wahrheit, Glück und Licht beschrieben werden. Aber alles das sind nur Worte, die die Gotteserfahrung nicht ersetzen können. Der Hauptweg zur Gotteserfahrung ist es die Übungen seiner jeweiligen Religion konsequent und mit Weisheit (echtem Gefühl, nicht formal) zu praktizieren. Jeder sollte den Weg finden, der zu ihm passt und auf dem er spürbar spirituell vorankommt. Vor allem sollten wir uns gegenseitig zugestehen, dass wir alle Sucher nach der Wahrheit sind. Das macht uns bescheiden. Dann können wir uns gegenseitig in unserer Suche annehmen, ernstnehmen, unterstützen und uns gleichberechtigt über unsere Erkenntnisse bei der Suche austauschen.

Klaus der zweite: Natürlich können Angehörige verschiedener Religionen gemeinsam meditieren, aber das löst keine Unterschiede auf. Dadurch entsteht keine gemeinsame transzendente Erfahrung, da man sich nicht an den gleichen Gott wendet.

Nils: Wenn man wirklich begreift, was Gott ist, richten sich alle Religionen letztlich an den gleichen Gott. Jede Religion darf ihre eigenen Rituale praktizieren. Wir sollten aber auch Wege finden, wie wir gemeinsam spirituell üben können. Die Meditation ist dafür ein guter Weg. Und auch das gemeinsame Beten, Singen und Feiern. Beim Beten darf jeder gerne seinen Gottesbegriff verwenden. Das ist für mich kein Problem.

Richtig verstanden führt uns jeder Gottesbegriff zum inneren Frieden und in die umfassende Liebe. Ich wünsche eine Welt der Liebe und des Frieden und keine Welt der ewigen Religionskriege. Ich möchte, dass die Religionen sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen und töten, sondern dass sie sich lieben und gegenseitig unterstützen.

Diskussion

Friedrich der Große: „Alle Religionen sind gleich und gut.(…) Wenn Türken (…) kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir sie Moscheen (…) bauen lassen“ „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ (1740).

(Zitate aus http://www.talk2enemy.de/ )

Anas (Moslem): Ich habe oft das Gefühl, es liegt nicht an dem Mangel an deutscher Sprache oder unserem Aussehen oder etwas anderem, sondern die Vorraussetzung für viele Deutsche, Muslime zu vollwertigen Deutschen zu machen, wäre, dass wir unserer Religion abschwören. Das kann aber nicht die Lösung sein!“

Nils: Im deutschen Grundgesetz ist die Religionsfreiheit verankert. Jeder Mensch in Deutschland darf seine Religion praktizieren. Auch Muslime sind vollwertige Deutsche, wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Ärger dich nicht über die kleine Gruppe von Deutschen, die das Grundgesetz nicht kennen oder sich nicht daran halten. Die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland akzeptiert einen friedlichen Islam. Sogar der Bundespräsident hat erklärt, dass der Islam ein Teil Deutschlands ist. Mehr geht nicht. Das Grundgesetz und der Bundespräsident sind die höchsten Autoritäten in Deutschland.

Tautroepfchen (Muslima): Vom Heiligen Propheten ist die Aussage überliefert: “Die Liebe zum Heimatland ist Teil des Glaubens.” Zumindest aus der Sicht von Pakistanis und von Ahmadi Muslimen muss ich feststellen, dass wir oft patriotischer sind als die Deutschen selbst. (…) Ich wünschte nur, auch Deutschland würde uns genauso ins Herz schließen wie wir Deutschland bereits ins Herz geschlossen haben und uns als integraler Teil dieses Landes verstehen – auch mit Kopftuch auf dem Kopf!“

Nils: Ich habe die Muslime genauso in mein Herz geschlossen wie die Christen. Wenn die Christen ihr Kreuz tragen dürfen, dürfen auch die muslimischen Frauen ihr Kopftuch tragen. Wichtig ist mir nur, dass die Menschen friedliebend, wahrheitsliebend und freundlich sind.

Wir sollten aber die Liebe zu unserem Heimatland nicht übertreiben. In der Welt entwickelt sich zunehmend ein globales Bewusstsein. Ich sehe mich im Schwerpunkt als Mensch und als Erdenbürger und nur sekundär als Deutscher. Ich wünsche eine insgesamt glückliche Welt. Ich möchte, dass der Hunger, die Armut und die Kriege insgesamt auf der Welt verschwinden. Wir müssen ein globales Verantwortungsbewusstsein entwickeln, damit die Menschheit global überleben kann. Wenn es der Welt insgesamt schlecht geht (Umweltzerstörung, Kriege, Welthunger), sind alle Menschen letztlich irgendwie davon betroffen. Wenn es der Weltfamilie insgesamt gut geht, wird auch die Aggressivität untereinander verschwinden.

Schwede: Natürlich habe ich nichts gegen das Streben nach Glück. Doch man sollte bedenken, dass Glück parteiisch ist …

Nils: Wunderbar, wenn du nichts gegen das Streben nach Glück hast. Dann haben wir eine gemeinsame Basis. Äußeres Glück ist natürlich manchmal parteiisch. Aber wir können für gerechte Verhältnisse auf der Welt sorgen. Jeder Mensch kann die gleiche Chance auf Glück erhalten. Dafür ist es sehr wichtig die inneren und äußeren Gesetzmäßigkeiten des Glücks zu kennen. Äußerlich brauchen alle Menschen genügend zu essen, eine ausreichende Krankheitsvorsorge und den Schutz vor Kriminalität und Krieg.

Innerlich müssen positive Lebensgrundsätze wie Liebe, Frieden und Wahrhaftigkeit gepflegt werden, damit Glück unter den Menschen entstehen kann. Durch spirituelle Techniken wie Meditation und positives Denken kann das Glück in einem Menschen erheblich gefördert werden. Positives Denken darf dabei nicht als Verdrängung aller negativen Tatsachen missverstanden werden. Man muss bei Problemen hinsehen, wenn man sie lösen will. Man sollte aber auch nicht in seinen Problemen versinken.

Schwede: „Du berufst dich in deiner Universalphilosophie auf “Liebe, Frieden, Wahrheit, Kraft und Freude”. Liebe, Frieden, Kraft, Freude. Keine Einwände. Wahrheit: was ist denn das?

Nils: Wenn du die Grundsätze Liebe, Frieden, Kraft und Freude mit mir teilst, ist das gut. Der Begriff Wahrheit hat für mich eine objektive und eine subjektive Seite. Subjektiv ist wichtig, dass ein Mensch wahrhaftig ist. Er sollte ehrlich seinen Weg der Wahrheit und Weisheit gehen. Wahrheit ist insofern ein subjektives Gefühl. Über das, was jeder subjektiv als Wahrheit gefunden hat, können wir uns austauschen. Dadurch können wir unser Wissen erweitern und uns immer mehr einer objektiven Wahrheit annähern. Wenn wir ehrlich über Gott reden, können wir immer mehr klären, was Gott ist, wo wir übereinstimmen und wo es Unterschiede gibt. Die Wahrheitssuche muss aber immer mit Liebe und Toleranz verbunden sein. Sonst bleibt die Wahrheitsfindung und Weisheitsentwicklung der Menschheit stecken.

Schwede: Uns einer objektiven Wahrheit auch nur zu nähern, bleibt Subjekten wie uns für immer verwehrt. Wir können uns höchstens einer intersubjektiven Wahrheit nähern.

Nils: Das ist ein Streit um Worte. Im Kern sind wir einer Meinung. Wir sind ein Teil des kosmischen Systems und können nur im Rahmen der uns vom Kosmos gegebenen Möglichkeiten erkennen. Christlich formuliert: Gott geht über den menschlichen Verstand hinaus, aber der Mensch kann so viel begreifen, dass er seinen Weg zu Gott finden kann.

Schwede: Dein Gott interagiert nicht, ist nur ein passives Werkzeug zu Erkenntnis und seelischem Wohlbefinden. Konstitutiv für die abrahamitischen Götter ist aber eine personelle Funktion im Sinne eines aktiven Teilnehmers am Weltgeschehen, eines (moralischen) Wegweisers etc. Wie diese Rolle mit einem passiven, ermeditierbaren Seelenzustand einhergehen soll, ist mir schleierhaft.

Nils: Wenn Gott eine höhere Bewusstseinsdimension im Kosmos ist, kann diese Dimension wie jedes Bewusstsein auch denken und handeln. Auch bei einer abstrakten Gottesvorstellung kann Gott handeln. Allerdings wird dieses Handeln meistens so konstruiert, dass Gott sich als erleuchtetes Wesen (Avatar, Jesus, Buddha, Krishna) manifestiert. Gott handelt durch die Erleuchteten (Heiligen, Propheten). Als Mensch kann man die Erleuchteten oder Gott direkt anrufen (Gebet, Mantra).

Schwede: Dieses “Handeln über eine höhere Bewusstseinsebene” – kann das bewiesen werden? Mir reicht die “Übertragung von Energien” oder deine Zeugenaussage (so gern ich dich auch hab, Nils 😉 nicht.

Nils: Hallo Schwede, ich hab dich auch gern. Man kann sich immer etwas vormachen. Deshalb sollten alle Wahrnehmungen durch die Vernunft (sind die Zusammenhänge logisch) und durch ergänzende Tatsachen überprüft werden. Das Handeln über eine höhere Bewusstseinsebene kann bewiesen werden. Es gibt dazu auch schon viele Versuche.Mit der Erforschung von übersinnlichen Phänomenen beschäftigt sich die Parapsychologie.

Die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Forschung liegen auf den Bereichen Gedankenübertragung (Telepathie), Hellsehen/Hellhören, Zukunftserkennen (Präkognition) und Vergangenheitserinnern (frühere Leben). Am besten erforscht ist die Gedankenübertragung. Hierzu gab es in den letzten hundert Jahren tausende von Untersuchungen, vor allem in England, den USA und Russland. In den Untersuchungen wurden diese Fähigkeit bestätigt. Den endgültigen Beweis erbrachte 1994 der amerikanische Psychologe Charles Honorton von der Princeton-Universität. Er führte seinen Versuchspersonen einen Videoclip von einer Minute Dauer vor und bat sie, diesen Film geistig auf eine in einem schalldichten Nebenraum sitzende Person zu übertragen. Der Person im Nebenraum wurden zusätzlich drei weitere Videos gezeigt. Von den vier Filmen sollte sie das von der Versuchsperson übertragene Video auswählen. Das Ergebnis war erstaunlich. Die Trefferquote lag deutlich über dem Bereich des Zufalls. Zuvor hatte Honorton mit einfachen Fotos experimentiert. Aber erst die Videoclips brachten die für einen wissenschaftlichen Beweis geforderte ausreichende Trefferquote.

Das Sehen von Dingen an entfernten Orten nennt man Hellsehen. Diese Fähigkeit wurde in der Zeit des Kalten Krieges von den Geheimdiensten der USA und Russland intensiv genutzt. Es fand auf beiden Seiten eine umfassende Erforschung und Erprobung von übersinnlichen Fähigkeiten statt. Es wurden Gruppen von Psychospionen ausgebildet. Nach dem Kalten Krieg wurden die Geheimdienstoperationen von Wissenschaftlern ausgewertet. Sie kamen zu dem Ergebnis: „Ein statistisch signifikanter Effekt kann eindeutig nachgewiesen werden. Die Informationen sind allerdings so ungenau, dass Hellsehen als Methode zur Gewinnung von nachrichtendienstlichen Informationen unbrauchbar ist.“ In Einzelfällen konnten aber erstaunliche Ergebnisse erzielt werden. Hellseherisch besonders begabt war bei den Amerikanern McMoneagle. Er spähte eine Fabrik mit einem neuartigen russischen Atom-U-Boot aus. Er beschrieb das U-Boot sehr genau. Nach dem Kalten Krieg konnten seine Erkenntnisse verifiziert werden. Dieser Fall gehört zu den bekanntesten Fällen der damaligen Zeit.

Nils: Lieber Schwede, ich möchte aus dir keinen Gläubigen machen. Das darfst du selber tun. Oder auch lassen. Wie du möchtest. Meine Meinung ist, dass jeder seinen Weg des Glücks selbst finden soll. Jeder muss sein Leben selbst verantworten. Ich war früher auch ein Atheist. Ich habe zehn Jahre überlegt und viele Bücher gelesen, bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass an der Gotteshypothese doch etwas dran sein könnte.

Talesdis (Christ): Werter Nils, Streit gehört zu einer Kultur dazu. Es ehrt dich, dass du den Frieden bevorzugst, aber leider sprechen wir hier ja nicht, weil alles friedlich ist, sondern weil es Probleme gibt.

Nils: Werter Talesdis. Ich bin für eine Diskussion, in der unterschiedliche Standpunkte klar benannt werden. Ein Streit ist eine aggressive Auseinandersetzung. Dann geht es letztlich nicht um die Wahrheit, sondern um das Ego. Jeder will Recht behalten. Eine Diskussion sollte geprägt sein von Wahrhaftigkeit und Liebe (gegenseitiger Wertschätzung). Alles andere ist gerade im Verhältnis von Christen und Muslimen extrem gefährlich. Vom verbalen Streit zum Religionskrieg ist es oft nur eine kleiner Schritt, wie die Vergangenheit und die Gegenwart zeigen. Religiöse Menschen sollten sehr sanft miteinander umgehen, um jede Eskalation zu vermeiden.

Zitate aus der Presse

Welt online (31.7.2011)[1]

Durch die Anschläge vom 22. Juli waren 77 Menschen, unter ihnen viele Jugendliche, ums Leben gekommen. Die deutschen Sicherheitsbehörden fürchten, dass der Attentäter von Norwegen zum Vorbild militanter Islamgegner werden könnte. (…) Nach Einschätzung des Verfassungsschützers handelt es sich bei dem Attentat um eine „neue Form der Ausländerfeindlichkeit, die nicht mehr rassistisch, sondern kulturalistisch und ideologisch argumentiert“.

BILD am SONNTAG [2]

Herr Ministerpräsident, der Anschlag auf den Regierungssitz in Oslo galt Ihnen persönlich, das Massaker auf der Urlaubsinsel der Jugend Ihrer Partei. Wie sehr hat Sie das getroffen?

JENS STOLTENBERG: Diese Anschläge sind für Norwegen eine nationale Tragödie. Für uns sind diese Tage eine Zeit des tiefen Schmerzes und der Trauer. Es erfüllt mich mit Stolz, wie die Menschen Norwegens auf diesen perfiden Angriff reagiert haben, der unmittelbar auf das Herz unserer Demokratie abzielte: mit noch mehr Demokratie, mehr Toleranz und mehr Offenheit.

taz.de (1.8.2011) [3]

Christen und Muslime trauern gemeinsam in Oslo um die ermordete Bano Rashid. Elf Tage nach den Attentaten in Norwegen dieses Bild: Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg nimmt an der Trauerfeier für die kurdischstämmige Norwegerin Bano Rashid in einer Moschee teil. Da stand er, der norwegische Sozialdemokrat, bei denen, die der Attentäter gemeint hatte, die Muslime. (…) Der Attentäter erschoss (…) Sozialdemokraten, (…) weil Breivik der norwegischen Sozialdemokratie unterstellt, mit Muslimen demokratisch gleichgestellt zusammenleben zu wollen.

Der Umgang der deutschen Öffentlichkeit mit der norwegischen Tat beschränkt sich auf die Frage, ob man weiterhin über Einwanderung berichten darf wie bisher. (…) Die Politik wiederum beschränkt sich auf Fragen der inneren Sicherheit und technischen Lösbarkeit. Warum aber bleibt so eine einfache Geste, wie der Besuch eines hochrangigen deutschen Politikers in einer Moschee, einer Schule, einem Kaffeehaus aus? Eine einfache menschliche Geste, die sagen möchte: Wir lassen die Spaltung der Gesellschaft nicht zu, Muslime, ihr seid Mitbürger, nicht Feinde, wir stellen uns schützend vor euch!

Siehe auch

Weblinks

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5 Kommentare

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  1. Yoga und Christentum – mystiker2 linked to this post.
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