Philosophie und Philosophen des Glücks (Wikiversity)

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Philosophie und Philosophen des Glücks (aus der Wikiversity)

Der Glücksphilosoph Epikur bei der Meditation

Die Philosophie des Glücks ist eine Richtung der Philosophie, die sich mit dem Wesen und den Wegen des Glücks auseinandersetzt. Die Glücksphilosophie lehrt, das innere Glück zum Zentrum des Lebens zu machen.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Glück in der Philosophie der Antike
    • 1.1 Sokrates
    • 1.2 Aristippos von Kyrene
    • 1.3 Antisthenes
    • 1.4 Platon
    • 1.5 Epikur
  • 2 Glück in der Philosophie des Mittelalters
    • 2.1 Augustinus von Hippo
    • 2.2 Pseudo-Dionysius Areopagita
    • 2.3 Franz von Assisi
    • 2.4 Meister Eckhart
    • 2.5 Teresa von Avila
  • 3 Glück in der Philosophie der Moderne
    • 3.1 Michel de Montaigne
    • 3.2 Arthur Schopenhauer
    • 3.3 Jeremy Bentham
    • 3.4 Karl Marx
    • 3.5 Theologie der Befreiung
  • 4 Philosophie, Psychologie und Erleuchtung
    • 4.1 Die Ethik der Transzendenz (in Gott leben)
    • 4.2 Die positive Psychologie betont positive Werte
    • 4.3 Die glückliche Gesellschaft
    • 4.4 Quantenphysik und Mystik
    • 4.5 Der Dalai Lama macht die Menschen glücklich
  • 5 Positives Denken
  • 6 Literatur
  • 7 Einzelnachweise
  • 8 Siehe auch
  • 9 Weblinks
  • 10 Videos

Ich bin ein Anhänger der Philosphie des Glücks. Ich strebe inneres und äußeres Glück bei mir und bei allen meinen Mitmenschen an. Ich vermeide soweit wie möglich Leid und nehme es an, wenn es nicht vermeidbar ist. Ich wünsche eine Welt des Friedens, des Glücks und der Liebe. Ich bin dafür, dass alle Menschen auf der Welt genug an äußeren Dingen haben (Essen, Wohnung, Sicherheit) und innerlich voller Glück und Liebe sind. Ich bin dafür, dass alle Menschen auf der Welt gesund und glücklich leben können.

Was einen Menschen hauptsächlich daran hindert auf einer tiefen Ebene glücklich zu sein, sind seine inneren Verspannungen. Sie rauben ihm seine Kraft, zerstören sein Wohlgefühl, beeinträchtigen seinen inneren Frieden und seine geistige Positivität. Ein in sich stark verspannter Mensch neigt zu negativen Gedanken. Die Liebe zu sich und seinen Mitmenschen ist blockiert.

Die inneren Verspannungen stammen häufig bereits aus der Kindheit. In einer verspannten Gesellschaft, die auf Leistungsdruck und Konkurrenzkampf aufgebaut ist, werden Verspannungen schon von den Eltern bei der Erziehung an ihre Kinder weitergegeben. Die Eltern leben ihre Ängste, Aggressionen und Genusssüchte und beeinflussen damit die seelische Entwicklung der Kinder. Viele kindliche Verspannungen kommen auch vom Fernsehen. Verspannungen in einem Menschen können aber auch durch große Stressereignisse oder durch einen Dauerstress in Beruf oder Partnerschaft entstehen.Wenn innere Verspannungen aufgebaut werden können, können sie grundsätzlich wieder abgebaut werden. Das ist die gute Botschaft für alle verspannten Menschen. Die nicht so erfreuliche Botschaft ist, dass das ziemlich lange dauern kann. Der Aufbau der Verspannungen ist über viele Jahre entstanden. Wir brauchen deshalb auch meistens viele Jahre, um die Verspannungen wieder abzubauen. Aber der Aufwand lohnt sich immer. Wir vermeiden dadurch viele Krankheiten im Alter. Und wir erhalten ein glückliches Leben voller Frieden, Kraft, Liebe und Freude.Ein kluges Leben besteht darin, jeden Tag so viele Übungen zu machen, dass die inneren Verspannungen immer weniger werden. Wir sollten so leben, dass wir zum Licht und nicht zur Dunkelheit hinwachsen. Die meisten Menschen in der heutigen Zeit marschieren in die verkehrte Richtung. Sie leben egoistisch und gestresst. Sie bauen im Laufe des Lebens immer mehr Verspannungen auf. Sie enden im Burn Out, in der Krankheit, Negativität und Depression.Verspannungen können im Körper und im Geist sitzen. Grundsätzlich sind beide Bereiche miteinander verbunden. Damit wir uns umfassend von unseren inneren Verspannungen befreien, sollten wir spirituelle Übungen für beide Bereiche praktizieren. Inneres Glück entsteht auf einer tiefen Ebene erst dann, wenn der Körper und der Geist von den Verspannungen gereinigt sind.Gute Körperübungen sind Gehen, Radfahren, Schwimmen, Yoga und Meditation. Gute Geistesübungen sind das tägliche Lesen in einem spirituellen Buch, die Visualisierung positiver Vorbilder, die Arbeit mit positiven Sätzen (Mantras) und die ständige Gedankenbeobachtung (positives Denken). Wir sollten die Übungen herausfinden, die für uns persönlich optimal wirksam sind. Und wir sollten uns konsequent zu einer täglichen Übungsdisziplin erziehen.Das große Geheimnis des Glücks ist, dass es zu 90% vom Inneren eines Menschen abhängig ist. Wir müssen unser Inneres positiv strukturieren, wenn wir in unserem Leben glücklich sein wollen. Wir sollten auch ein Meister des äußeren Lebens werden. Auch das äußere Leben ist wichtig. Auch ein gelungenes äußeres Leben kann zum Glück eines Menschen beitragen. Aber wir dürfen die Gewichtung in unserem Leben nicht vertauschen.

Wenn wir das innere Glück als das Hauptziel in unserem Leben begriffen haben, können wir auch den richtigen Weg zum Glück erkennen. Wir können unseren persönlichen Glücksweg entwickeln, nach den richtigen Grundsätzen leben und werden dann eines Tages auch die Ernte einfahren. Auch wenn jeder Mensch seinen persönlichen Glücksweg hat, so gelten doch im Kern für alle Menschen die gleichen Lebensgrundsätze: positives Denken, eine gesunde Lebensweise, ein positiver Umgang mit anderen Menschen und tägliche spirituelle Übungen.

Die wichtigsten Ergebnisse der heutigen Glücksforschung kann man in zehn Punkten zusammenfassen.

1. Aktivität macht glücklich = Glücklich sind Menschen mit positiven Zielen und einer positiven Aufgabe. Aktive Menschen besitzen 15% mehr Lebenszufriedenheit als ihre eher passiven Mitmenschen. Der Glücksforscher Ed Diener erklärt: „Glückliche Menschen setzen sich immer wieder Ziele.”

2. Sport macht glücklich = Regelmäßiger Sport hält den Körper gesund und macht den Geist glücklich. Tägliche Spaziergänge steigern das Lebensglück um 12%. David Niven stellt fest: „Menschen, die sich durch Sport fit halten, sind gesünder, positiver und erfolgreicher.”

3. Gutes tun macht glücklich = Wer regelmäßig anderen Menschen etwas Gutes tut, ist 24% glücklicher als ein Mensch, der nur für sich lebt. John A. Schindler schreibt: “Lebe vorwiegend als gebender Mensch. Der Gebende ist glücklicher als der Nehmende. Wer der Welt und allen Wesen gegenüber zum Gebenden wird, entdeckt die Schönheit der Welt.”

4. Ruhe macht glücklich = Das Zentrum eines gesunden und glücklichen Lebens ist es, im richtigen Gleichgewicht von Ruhe und Aktivität zu leben. Neben Zeiten der Arbeit, der Bewegung und der Geselligkeit sollten wir jeden Tag auch Zeiten der Ruhe und der Erholung in unser Leben einbauen.

Wir sollten genug schlafen. Aus der wissenschaftlichen Forschung ergibt sich, dass entspannte Menschen positiver denken und glücklicher sind. Jede fehlende Stunde Schlaf verringert die positive Einstellung am nächsten Tag um 8%.

Wo das richtige Gleichgewicht von Ruhe und Aktivität genau liegt, ist individuell verschieden. Jeder Mensch muss sich erforschen und seinen persönlichen Weg des inneren Gleichgewichts herausfinden. Wir müssen ausprobieren, wie viel Schlaf wir brauchen, wie viele Entspannungszeiten wir brauchen und in welcher Geschwindigkeit wir am besten durch das Leben gehen.

Wer in der westlichen Leistungsgesellschaft glücklich und gesund bleiben will, muss weise leben. Er muss sein Leben klug organisieren, sich im inneren Glück zentrieren und konsequent seinen persönlichen Weg des inneren Gleichgewichts gehen.

5. Positives Denken macht glücklich = Wer positiv denkt, verdoppelt seine Glückswahrscheinlichkeit. Wer glücklich werden will, sollte jeden Tag das positive Denken pflegen. Er sollte die positiven Eigenschaften Weisheit, Liebe, Frieden, innere Kraft und Lebensfreude in das Zentrum seines Lebens stellen.

Und er sollte sie jeden Tag systematisch üben, zum Beispiel durch eine lebenslange positive Tageseinstellung: „Wie sieht der Tag heute aus? Wie komme ich heute positiv durch den Tag? Was macht mich heute zum Sieger auf dem inneren und äußeren Weg?”

6. Zu viel Fernsehen macht unglücklich = Die wissenschaftliche Forschung hat klar ergeben: “Jede Stunde Fernsehen am Tag verringert die allgemeine Lebenszufriedenheit um 5%. ” Das Fernsehen orientiert die Menschen auf den Weg des äußeren Glücks. Es erweckt Wünsche. Es verstärkt Aggressionen. Es erzeugt Ängste. Wer in seinem inneren Glück wachsen will, muss den Fernseher abschaffen oder einen positiven Umgang damit erlernen.

Der Weg des positiven Fernsehens besteht aus drei Schritten: a) Wähle deine Fernsehsendungen bewusst aus. Vermeide negative Filme und bevorzuge positive Filme. b) Finde das richtige Maß beim Fernsehen. Kinder dürfen höchstens eine Stunde am Tag fernsehen. c) Nach jedem Fernsehkonsum muss man sich durch spirituelle Übungen reinigen.

7. Freundschaften pflegen = Baue dir einen positiven Freundeskreis auf. Frauen, die sich regelmäßig mit anderen Frauen austauschten, erlebten eine Verringerung ihrer Sorgen um 55%.

8. Die Freude pflegen = Wer regelmäßig kleine Elemente der Freude in sein Leben einbaut, steigert sein allgemeines Lebensglück um 20%.

9. Humor = Wer Humor hat, erhöht sein Lebensglück um 33%. Wir sollten auch den Humor in unserem Leben pflegen. Wir sollten die Dinge nicht zu ernst nehmen. Wir sollten es lernen, auch über uns selbst zu lachen. Wer über sich selbst lachen kann, geht leichter durch das Leben. Es ist gut, heitere Filme zu sehen, humorvolle Bücher zu lesen und mit fröhlichen Menschen zusammen zu sein.

10. Selbstvertrauen = Glückliche Menschen glauben an sich selbst. Sie glauben an ihre Ziele, ihre Weisheit und ihre Kraft. Sie sehen sich grundsätzlich als Sieger. Sie glauben daran, dass sie langfristig in ihrem Leben siegen werden. Mögen wir alle Sieger auf dem spirituellen Weg sein. Mögen wir an uns selbst, an unsere positiven Ziele und an unsere innere Kraft glauben. Mögen wir mit Ausdauer ewig den Weg des inneren Glücks, des inneren Friedens und der umfassenden Liebe gehen.

Der wahrscheinlich erste Philosoph, der eine komplette Glücksphilosophie entworfen hat, war Aristippos von Kyrene, der etwa 400 v. Chr. lebte. Er gilt als Begründer des Hedonismus. Der Weg zum Glück ist es nach Aristippos, die Lust zu maximieren und Schmerz soweit wie möglich zu vermeiden. Er erklärte, dass die körperliche Lust der eigentliche Sinn des Lebens sei. Der Hedonismus kann als die Hauptphilosophie des Glücks in der heutigen Zeit angesehen werden. Sie wird insbesondere vom westlichen Konsum-Fernsehen verbreitet. Langfristig gesehen führt übermäßiger Genuss zu Suchtverhalten und innerer Unzufriedenheit, weil er die Anhaftungsstrukturen im Geist verstärkt.

Der bekannteste Philosoph des Glücks ist Epikur. Epikur lehrte es in äußeren Dingen genügsam zu sein und den Schwerpunkt des Lebens auf das innere Glück zu legen. Ein Mensch sollte jeden Tag philosophieren. Er sollte über den Sinn des Lebens nachdenken und sich immer wieder auf seine positiven Ziele besinnen. Er sollte es vermeiden, sich zu viele Sorgen zu machen. Ein Leben wird nach Epikur dann glücklich, wenn man alle Dinge im richtigen Maß lebt. Jeder Mensch sollte das für ihn persönlich genau richtige Maß an den äußeren Dingen des Lebens finden. Er sollte seinen Genug-Punkt kennen. ”Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.“ Epikur empfahl es, in der Ruhe und aus der Ruhe heraus zu leben. Dann lebt man wie ein Gott (Buddha) unter seinen Mitmenschen. Der schönste Satz von Epikur ist: “Die Freundschaft umtanzt den Erdkreis, uns allen verkündend, dass wir erwachen sollen zur Seligkeit.”

Das Zentrum der Philosophie ist die Frage nach dem Sinn des Lebens. Wer ohne diese Frage durch das Leben geht, lebt unbewusst. Ein Mensch wird man erst durch das philosophische Denken. Jeder sollte ein Philosoph sein. Gesegnet ist, wer durch das philosophische Nachdenken seinen Lebenssinn findet. Er kann strategisch klug leben und ein erfülltes Leben erhalten.

Grundsätzlich gibt es den Weg des äußeren Glücks und den Weg des inneren Glücks. Sie folgen entgegengesetzten Lebensprinzipien. Auf dem Weg des äußeren Glücks werden Anhaftungsstrukturen im Geist aufgebaut. Es entstehen Verspannungen und man wird langfristig innerlich unglücklich. Auf dem Weg des inneren Glücks löst man alle inneren Verspannungen auf. Man baut systematisch die Anhaftungstendenzen im Geist ab. Ist der Geist von seinen Ängsten und Süchten befreit, entsteht innerer Frieden. Man gelangt in ein kosmisches Bewusstsein. Es entwickelt sich ein dauerhaftes inneres Glück.

Erleuchtung ist der zentrale Punkt um die Philosophie des Glücks zu verstehen. Ich behaupte, dass die Lehre der Erleuchtung das Bindeglied zwischen Buddha und Epikur und der zentrale Punkt der gesamten Philosophie ist. Die Essenz des Weges der Erleuchtung ist das Leben in der Ruhe und die konsequente Gedankenarbeit. Das finden wir bei Buddha und bei Epikur.

Gedankenarbeit bedeutet negative Gedanken zu vermeiden und positive Gedanken zu fördern. Negative Gedanken führen zu inneren Verspannungen, zur Zerstörung der Gesundheit und zu schlechten sozialen Beziehungen. Positive Gedanken bewirken positive Gefühle und ein konstruktives äußeres Verhalten. Positive Gedanken erhalten wir durch Nachdenken, Selbstbesinnung, positive Vorsätze und das Lesen in positiven Büchern. Wichtig ist die beständige innere Achtsamkeit auf die Gedanken, die Gefühle und die positiven Lebensgrundsätze (Liebe, Frieden, Wahrheit, Kraft, Glück).

Für viele Menschen ist das tägliche Ziehen einer Orakelkarte hilfreich, um immer wieder eine positive Lebenssicht zu erhalten. Dazu brauchen wir jeden Tag nur eine Minute. Diese Zeit hat jeder. Der Gewinn ist langfristig unermesslich. Wir schreiben die für uns wichtigsten positiven Lebensgrundsätze auf kleine Zettel oder Karteikarten. Wir mischen sie, ziehen jeden Tag eine Karte und üben den entsprechenden Grundsatz an diesem Tag. Wenn wir unser Orakel weise praktizieren, stärkt es uns auf dem Lebensweg.

Überlege dir deine tägliche Glückspraxis. Welches Vorbild inspiriert dich und gibt dir Kraft für ein positives Leben? Welche Übungen und Meditationen willst du regelmäßig praktizieren? Setze deine Entscheidung mit Kraft um. Verwirkliche deinen positiven Lebensplan. Gehe deinen Weg, siege und sei zufrieden mit dir. Beginne jeden Tag mit einem positiven Vorsatz oder einem Gebet. Mit Weisheit, Selbstdisziplin und Optimismus voran. Gelingen.

–> Video Philosophie des Glücks  (22 Min.)

Glück in der Philosophie der Antike

Sokrates: Was ist der Weg des wahren Lebens?

Sokrates

Sokrates (* 469 v. Chr. in Athen; † 399 v. Chr.) ist ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph. Michel de Montaigne nannte ihn den „Meister aller Meister“ und Karl Jaspers schrieb: „Sokrates vor Augen zu haben, ist eine der unerlässlichen Voraussetzungen unseres Philosophierens.“[1]

Sokrates war ein erleuchteter Meister (Mystiker).[2] Er besaß die Eigenschaften Gelassenheit, Güte und Heiterkeit. Es gibt viele Berichte von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten. Er konnte stundenlang in Meditation fallen, im Winter barfuss gehen und sehr viel Alkohol trinken, ohne jemals betrunken zu sein. Er lebte in strenger Führung durch seine innere Stimme, deren Herkunft er als göttlich ansah. Er betete regelmäßig.

In Bezug auf das Weiterleben nach dem Tod bevorzugte er eine offene Perspektive: „Eins von beiden ist doch das Totsein: Entweder ist es ein Nichts-Sein, und keinerlei Empfindung mehr haben wir nach dem Tode – oder es ist, wie es erzählt wird, irgendeine Versetzung und eine Auswanderung der Seele aus dem Orte hier an einen andern.“[3] Da Sokrates das Gebet praktizierte, neigte er vermutlich eher zu einem Weiterleben nach dem Tod als zu einem Nichtweiterleben.

Wir können Sokrates als den geistigen Vater der heutigen wissenschaftsbetonten Zeit ansehen. Er war ein Anhänger der Vernunft. Er beschäftigte sich intensiv mit der Frage nach der Wahrheit. Was ist wahr und was ist falsch? Was ist der Weg des wahren Lebens?

Sokrates gab keine fertigen Antworten. Er überließ es jedem seiner Schüler selbst, seinen eigenen Weg der Wahrheit zu finden. Sokrates war ein Lehrer des individuellen Glücksweges. Drei Dinge gab er seinen Schülern mit auf den Weg: 1. Bemühe dich um Einsicht und Wahrheit. 2. Bemühe dich darum, dass deine Seele so gut wie möglich werde. 3. Um eine gute Seele zu erhalten, solltest du die vier Tugenden Weisheit, Mäßigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit pflegen.[4]

Aristippos von Kyrene

Der wahrscheinlich erste Philosoph, der eine komplette Glücksphilosophie entworfen hat, war Aristippos von Kyrene, der von 435 v. Chr. bis ca. 355 v. Chr. lebte. Aristippos lebte zur Zeit von Sokrates und begründete die kyrenaische Schule. Er gilt als Begründer des Hedonismus. Der Weg zum Glück ist es nach Aristippos, die Lust zu maximieren und Schmerz soweit wie möglich zu vermeiden. Er erklärte, dass die körperliche Lust der eigentliche Sinn des Lebens sei.

Der Hedonismus kann als die Hauptphilosophie des Glücks in der heutigen Zeit angesehen werden. Sie wird insbesondere vom westlichen Konsum-Fernsehen verbreitet. Langfristig gesehen führt übermäßiger Genuss zu Suchtverhalten und innerer Unzufriedenheit, weil er die Anhaftungsstrukturen im Geist verstärkt.[5]

Antisthenes

Antisthenes war ein Schüler von Sokrates. Er lebte von 445 v. Chr. bis 365 v. Chr. in Athen. Er gilt als Begründer des Kynismus und Ahnherr der stoischen Philosophie. Sein wichtigster Schüler war Diogenes, der einer Legende nach in einer Tonne lebte. Der Glücksweg von Antisthenes ähnelt der Philosophie des Buddhismus und des indischen Yoga.Durch ein Leben der Ruhe, der Bescheidenheit und der Gedankenarbeit löst man seine inneren Verspannungen auf. Sind der Körper und der Geist entspannt, entstehen von alleine (durch Gnade) innerer Frieden, inneres Glück und Erleuchtung.

Platon

Platon lebte von 428/427 v. Chr. bis 348/347 v. Chr. in Athen,. Er war ebenfalls ein Schüler von Sokrates. Laut Platon hat die menschliche Seele drei Teile: Die Vernunft, den Willen und das Begehren. Ein Mensch ist nur dann glücklich, wenn alle drei Seelenteile im Gleichgewicht sind. Platon überlegte, wie man einen guten Staat aufbauen kann. Er schlug vor die Führung den Weisen zu übertragen. Man könnte es heute so ausdrücken, dass die Wissenschaft im Zentrum der positiven Organisation eines Staates stehen soll.

Ein Schüler von Platon war Aristoteles. Nach Aristoteles ist glücklich, wer die in ihm liegenden Tugenden und Tüchtigkeiten entfaltet. Vollendet glücklich kann ein Mensch genannt werden, wenn er mit äußeren Gütern hinreichend ausgestattet ist und sein Leben tugendgemäß verbringt.

Epikur

Epikur lebte von 341 bis 270 vor Christus in der Nähe von Athen mit seinen Freunden auf einem schönen Grundstück mit einem Garten. Epikuräer werden in der westlichen Philosophie oft mit den Hedonisten, den Anhängern der Genussphilosophie von Aristippos, verwechselt. Beides sind aber völlig verschiedene philosophische Wege. Ein Epikuräer verkörpert einen gemäßigten Weg des inneren Glücks und ein Hedonist den Weg des extremen äußeren Glücks. Epikuräertum ist Weisheit und Hedonismus ist Unweisheit.

Epikur lehrte das positive Denken. Ein Leben wird dann glücklich, wenn man sich beständig im positiven Denken übt. Epikur nannte es „philosophieren.“ Ein Mensch sollte jeden Tag philosophieren. Er sollte über den Sinn des Lebens nachdenken und sich immer wieder auf seine positiven Ziele besinnen. Er sollte es vermeiden, sich zu viele Sorgen zu machen. Ein Leben wird nach Epikur dann glücklich, wenn man alle Dinge im richtigen Maß lebt. Jeder Mensch sollte das für ihn persönlich genau richtige Maß an den äußeren Dingen des Lebens finden. Er sollte seinen Genug-Punkt kennen. „Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.[6]

Das innere Glück kommt aus der inneren Ruhe. Wenn die Gedanken zur Ruhe kommen, entsteht Erleuchtung. Epikur empfahl es, in der Ruhe und aus der Ruhe heraus zu leben.[7] Dann lebt man wie ein Gott (Buddha) unter seinen unweisen Mitmenschen[8], denen der Weise aber auch hilft: „Die Freundschaft umtanzt den Erdkreis, uns allen verkündend, dass wir erwachen sollen zur Seligkeit.“[9]

Glück in der Philosophie des Mittelalters

Der mystische Kirchenlehrer Augustinus

Augustinus von Hippo

Augustinus von Hippo, der von 354 bis 430 lebte, schrieb ein ganzes Buch (Vom glücklichen Leben) über das menschliche Glück. Das Endziel alles menschlichen Strebens liege in der Glückseligkeit. Glückseligkeit könne der Mensch aber nicht durch viele weltliche Güter erhalten, sondern allein durch Gott. Dauerhaftes Glück sei nur durch ein Leben in Gott möglich. Gott sei das höchste Glück, dass ein Mensch erreichen kann: denn du hast uns zu dir hin geschaffen und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir. [10]

Pseudo-Dionysius Areopagita

In der sogenannten mystischen Theologie ist es vor allem Dionysius Areopagita, der um 500 lebte, der sich mit der Idee des Glücks beschäftigt. Nach ihm sehnt sich die menschliche Seele nach Gott. Dieses Sehnen kann nur durch die mystische Vereinigung mit Gott befriedigt werden. Über den Dreischritt Reinheit (katharsis), Erleuchtung (photismos) und Einigung (teleiosis) lässt sich die Erkenntnis Gottes erreichen.

Denn durch diese Ekstase, (…) wirst du, nachdem du dir alles entfernt hast und von allem gelöst bist, zu dem überwirklichen Strahl des göttlichen Schattens gebracht. [11] Das göttliche Dunkel ist das unzugängliche Licht, in dem (…) Gott wohnt. (…) Darin befinden sich alle, die würdig geworden sind, Gott zu erkennen und zu schauen.[12] Es ist notwendig, (…) in die Finsternis hineingehen, wo der, der jenseits von allem ist, wie die Schrift sagt, sich wirklich befindet. [13] Es ist (…) notwendig, wie ich meine, die absprechenden Verneinungen zu preisen. [14]

Was bedeuten diese Sätze? Die Erkenntnis Gottes (in Gott zu leben) ist höchstes Glück. Gott ist eine höhere Dimension im Kosmos, die sich mit den Begriffen Finsternis (Nichtswerdung) und Licht (Glück) beschreiben lässt. Erst muss ein Mensch sich innerlich von allen weltlichen Anhaftungen (Verspannungen, indisch: Samskaras) reinigen, dann muss er in die Finsternis der Ego-Auflösung hineingehen (Nichtswerdung) und erwacht anschließend im göttlichen Licht.

Er muss sich auf die göttliche Finsternis (das Nichts) konzentrieren, um im Glück der Erleuchtung bleiben zu können. Ein Anfänger auf dem spirituellen Weg kann sich durch positive Gottesbeschreibungen leiten lassen (Frieden, Liebe, Wahrheit, Kraft, Fülle), der fortgeschrittene Mystiker gelangt in ein Leben in Gott (in die Erleuchtung, Heiligkeit, Transzendenz) durch verneinende Beschreibungen (Gott ist weder dies noch das).

Franz von Assisi

Franz von Assisi (* 1181/1182 in Assisi, Italien; † 1226) lebte streng nach dem Vorbild des Jesus von Nazaret (sogenannte Imitatio Christi). Er nahm den Begriff Armut in der Bergpredigt wörtlich und führte ein spirituelles Leben der Armut und der Liebe zum Nächsten. Diese Lebensweise zog viele gleichgesinnte Gefährten und Nachahmer an.

Franz von Assisi stammte aus einem reichen Elternhaus. In seiner Jugend führte er ein ausschweifendes Leben, aber es machte ihn innerlich nicht glücklich. Nach einer Sinnkrise änderte er sein Leben radikal und begann als Einsiedler zu leben. Er pflegte die Aussätzigen, die außerhalb der Stadtmauern leben mussten. In seinem Testament schrieb er: Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt. [15]

Der Weg der umfassenden Liebe aktivierte seine Erleuchtungsenergie (Kundalini). Wer sich in seinen Mitwesen sieht und allen Wesen Glück wünscht, der gelangt dadurch in ein Einheitsbewusstsein und erweckt sein inneres Glück. Wer für eine glückliche Welt arbeitet, der wird von Gott mit einem Leben im Licht und in der Liebe belohnt.

Meister Eckhart

Eckhart von Hochheim, bekannt als Meister Eckhart (* um 1260; † vor dem 30. April 1328 in Avignon) war ein bedeutender spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph. Er ist in wichtiges Verbindungsglied der westlichen Philosophie zu den östlichen Religionen, weil er ein unpersönliches Gottesbild hat und einen meditativen Erleuchtungsweg lehrt. Gott ist in der Stille zu finden, im Sein, in der Gelassenheit und in der inneren Abgeschiedenheit von den weltlichen Mitmenschen. Wer alle weltlichen Anhaftungen loslässt, kann aus der Liebe Gottes heraus leben.

Der Mensch soll sich nicht genügen lassen an einem gedachten Gott. (…) Wer Gott im Sein hat, (…) dem leuchtet er in allen Dingen; denn alle Dinge schmecken ihm nach Gott, und Gottes Bild wird ihm aus allen Dingen sichtbar. (…) Dazu gehört Eifer und Hingabe und ein genaues Achten auf des Menschen Inneres. (…) Er muß eine innere Einsamkeit lernen, wo und bei wem er auch sei. Er muß lernen, die Dinge zu durchbrechen und seinen Gott darin zu ergreifen. (…) Fürwahr, soll er die Kunst beherrschen, so muß er sich viel und oft in dieser Tätigkeit üben. [16]

Meditieren ist nach Meister Eckhart hilfreich bei einem Leben in Gott: Ganz still zu stehen und so lange wie möglich, das ist dein Allerbestes. [17] Gleichzeitig ist es aber auch wichtig den Weg der tätigen Nächstenliebe zu gehenAls Maria zu Füßen unseres Herrn saß, da lernte sie. (…) Aber späterhin, als Christus gen Himmel gefahren war und sie den Heiligen Geist empfangen hatte, da (…) lehrte sie und ward eine Dienerin der Jünger.[18]

Teresa von Avila

Teresa von Ávila (* 28. März 1515 in Ávila, Spanien; † 4. Oktober 1582) soll abschließend auch noch genannt werden, obwohl sie kurz nach dem Ende des Mittelalters gelebt hat. Die Glücksphilosophie des Mittelalters war von der christlichen Mystik geprägt; dazu gehört Teresa von Avila als wichtige Vertreterin. 1554 sah Teresa eine Darstellung des gekreuzigten Christus. Sie identifizierte sich mit seinem Leid, konnte dadurch ihr eigenes Leid auf einer tiefen Ebene annehmen, löste so die inneren Verspannungen (Ängste) auf und erweckte auf diese Weise die Erleuchtungsenergie (Kundalini) in sich.

Als Haupttechnik praktizierte sie die vier Stufen der Versenkung (das innere Gebet), die auch Buddha zum Kern seines spirituellen Übungsweges gemacht hatte. Bei Buddha bestehen die vier Stufen der Meditation aus dem Nachdenken (Probleme lösen, positive Gedanken finden), zur Ruhe kommen (Gedankenstopp), inneres Glück (Erwachen der Kundalini-Energie) und Samadhi (Egoauflösung, Erleuchtung, Verweilen im Nirwana). Die ersten beiden Stufen sind durch Willenskraft erreichbar, die zweiten beiden Stufen erfolgen aus Gnade. Teresa von Avila nannte diese vier Stufen: Gebet der Sammlung (über das Leben Nachdenken, das Vaterunser denken), Gebet der Ruhe (Kontemplation), Gebet der beginnenden Einigung (Glücklichsein in Gott) und Gebet der Einigung (Unio Mystica). [19] „Was ist doch die Seele in diesem Zustand! Sie möchte nichts als Zungen haben, um den Herrn zu preisen.“[20]

Der Befreiungstheologe Leonardo Boff

Glück in der Philosophie der Moderne

Michel de Montaigne

Michel de Montaigne (* 28. Februar 1533; † 13. September 1592) war ein französischer Politiker und Philosoph. Er gilt als der wichtigste Nachfolger Epikurs. Mit 38 Jahren zog er sich bereits aus dem Berufsleben zurück, um sich ausgiebig der Philosophie widmen zu können. Er dachte gründlich über sich und sein Leben nach. Dabei entstanden seine berühmten Essays. In Form von Tagebuchaufzeichnungen schrieb er seine wichtigsten Gedanken niederDer Genuss des Lebens bedarf des wohlüberlegten Umgangs mit ihm. Ich genieße es doppelt so sehr wie die anderen. [21]

Montaigne ist auf dem Weg des inneren Glücks so weit gekommen, wie man als Mensch durch reines Nachdenken kommen kann. Ihm fehlte das Wissen von der Erleuchtung und die dazu gehörigen Techniken. Dadurch hätte er sein Glück noch auf eine wesentlich höhere Ebene anheben können. Genau an diesem Punkt steht auch die heutige Glücksforschung. Sie hat erkannt, dass man durch bestimmte Techniken sein allgemeines Glücksniveau um etwa 40 % anheben kann (Sonja Lubosimirsky). Die momentane Glücksforschung und auch die Glücksphilosophie haben noch nicht begriffen, dass ein Mensch sein Glück durch den Weg der Erleuchtung erheblich steigern kann.

Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788 in Danzig; † 21. September 1860 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer. Er begründete ein System des empirischen und metaphysischen Pessimismus. Die Welt sei ein „Jammertal“, voller Leiden. Alles Glück sei eine Illusion. Das Leben „schwingt also, gleich einem Pendel, hin und her zwischen dem Schmerz und der Langeweile“. [22] Jede Lebensgeschichte sei eine Leidensgeschichte, eine fortgesetzte Reihe großer und kleiner Unfälle. [23]

Es tut gut Schopenhauer zu lesen, wenn es einem schlecht geht. Schopenhauer lehrt den Pessimismus als Weg zum Glück. Pessimismus kann manchmal für das innere Gleichgewicht hilfreich sein, muss es aber nicht. Der Dalai Lama konzentriert sich eher auf positive Eigenschaften wie innerer Frieden, Optimismus und umfassende Liebe. Es kommt beim Weg des Glücks darauf an die richtige psychische Technik im richtigen Moment zu praktizieren.

Jeremy Bentham

Jeremy Bentham (* 1748; † 1832) war ein englischer Jurist, Philosoph und Sozialreformer. Er gilt als Begründer des klassischen Utilitarismus. Das größte Glück der größten Zahl ist das Leitprinzip von Benthams Ethik. Eine Handlung bewertet sich demnach nach ihren sozialen Folgen: Sie ist moralisch richtig, wenn sie der Allgemeinheit (bzw. der größten Zahl) nutzt. Für Bentham war die Quantität des Glücks allein entscheidend. Dagegen vertrat sein Schüler John Stuart Mill, dass kulturelle, intellektuelle und spirituelle Befriedigung auch einen qualitativen Wert besitze.

Karl Marx

Karl Marx (* 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) wurde 1841 an der Universität Jena mit einer Arbeit zur demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie promoviert. Er sah das Elend der arbeitenden Bevölkerung auf der Welt und wollte helfen. Er analysierte klar die wirtschaftspolitischen Ursachen des Elends. Er wünschte eine Gesellschaft der Gleichheit und des Glücks. Bei der Klärung des Ziels hatte er erhebliche Probleme, weil er die Egonatur des Menschen unterschätzte und den Weg des inneren Glücks nicht kannte. China ist ein Beispiel dafür, wie positive sozialistische Ideale an der Realtität scheitern können. Eine glückliche Welt kann aufgebaut werden, wenn Ökonomen, Ökologen und Glücksforscher zusammenarbeiten.[24]

Das Problem der Ungerechtigkeit besteht weiterhin. Etwa eine Millarde Menschen auf der Welt hungert. [25] Es gibt zu viele Arbeitslose und einen krankmachenden Arbeitsdruck in vielen Unternehmen. Gleichzeitig gibt es einen unermesslichen Reichtum bei einigen wenigen Menschen. Es gibt genug Geld auf der Welt, um alle Menschen satt zu machen. Es könnten Arbeitsplätze für alle geschaffen werden.

Karl Marx weist uns darauf hin, trotz aller Schwierigkeiten und Irrtümer weiter am Ziel einer besseren Welt festzuhalten. Dabei sollten alle Menschen zusammenarbeiten, auch wenn sie aus verschiedenen sozialen und geistigen Richtungen kommen. Die Widerstände gegen eine Welt des Friedens, der Liebe und des allgemeinen Glücks sind so groß, dass sie nur durch eine globale Kooperation erreicht werden kann. Insofern muss der alte Ausspruch von Karl Marx Arbeiter aller Länder vereinigt euch [26] heute erweitert werden zu Menschen aller Länder vereinigt euch. In diesem Sinne gibt es heute schon vielfältige Organisationen, die jede auf ihre Weise für das Ziel einer besseren Welt arbeiten.

Theologie der Befreiung

Die Befreiungstheologie wurde von Christen in Süd- und Mittelamerika entwickelt. Sie versucht den Weg des inneren Glücks (Spiritualität) mit dem Weg des äußeren Glücks (eine glückliche Welt) zu verbinden. Sie wünscht das Paradies im Himmel und auf der Erde. Sie möchte eine Welt des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit. Spirituelle Menschen sollten sich nicht auf die Entwicklung ihres inneren Glücks beschränken, sondern am Aufbau einer besseren Welt beteiligen. Sie sollten sich auch politisch engagieren und insbesondere für die Rechte der Armen eintreten.

Zu den wichtigsten Vertretern der Befreiungstheologie zählen Gustavo Gutiérrez, Helder Camara (Erzbischof von Olinda und Recife), Oscar Arnulfo Romero (ermordeter Bischof von El Salvador), Ernesto Cardenal (Nicaragua), Leonardo Boff und in Deutschland Dorothee Sölle. Alberto da Silva MoreiraDie neue Kirche, von der wir träumen, wird dadurch bestimmt sein, dass sie mit den Armen der Welt solidarisch ist. (…) Statt des gegenwärtigen Modells der Weltwirtschaft, in dem die Umwelt zerstört und eine reine Konsumentenmentalität erzeugt wird, treten wir für eine Gesellschaft ein, die die Mutter Erde als einen Ort des solidarischen Zusammenlebens achtet. [27]

Philosophie, Psychologie und Erleuchtung

Die heutige Glücksphilosophie begann mit dem Philosophen Ludwig Marcuse und dem Glücksforscher Alfred Bellebaum. Sie haben die vorhandenen Denkansätze gesichtet. Wesentliche Impulse bekam die Glücksphilosophie dann von der amerikanischen Glücksforschung. Der englische Ökonomieprofessor Layard hat die Bedeutung des Glücks als zentralen Wert der Politik erkannt. Eine wesentliche Erweiterung erhielt die Glücksphilosophie durch neue Überlegungen in der Quantenphysik. Den westlichen Büchermarkt dominieren der Dalai Lama und viele Bücher zum positiven Denken. Das positive Denken kann man als die populärwissenschaftliche Fortsetzung der Denkansätze von Epikur sehen. Insofern ist die Glücksphilosophie eine wichtige Geistesströmung der heutigen Zeit.

Die Ethik der Transzendenz (in Gott leben)

Jonathan Haidt ist ein amerikanischer Psychologie-Professor. Er schrieb das Buch Die Glückshypothese. Darin verbindet er altes philosophisches und spirituelles Wissen mit der aktuellen GlücksforschungSeine Hauptlehre ist die Ethik der Transzendenz. Psychologisch ist nachgewiesen, dass der Mensch in seinem Gehirn einen Bereich für Gotteserfahrungen hat. Ein Erleuchteter ist glücklicher als ein Nichterleuchteter. Spiritualität macht glücklich, wenn sie nicht zu dogmatisch und intolerant gelebt wird.

Haidt sieht sich als Atheisten, der zwar nicht an einen äußerlich beweisbaren Gott glaubt, aber aus Gründen des inneren Glücks und der Gesundheit positive spirituelle Werte befürwortet: Indem wir uns auf ausgewogene Weisheit stützen – alte und neue, östliche und westliche, ja liberale und konservative – können wir in unserem Leben Richtungen wählen, die zu Zufriedenheit, Glück und einem Gefühl von Sinn führen.[28]

Die positive Psychologie betont positive Werte

Sonja Lyubomirsky ist eine der bekanntesten amerikanischen Glücksforscherinnen. Sie ist Professorin und hat den Weltbestseller „Glücklich sein“ (2008) geschrieben. Sie fragte sich, was sie tun kann, wenn sie ein glückliches Leben bekommen möchte. Sie akzeptierte, dass nach dem heutigen Forschungsstand etwa 50 % des Glücksniveaus genetisch festgelegt sind. Etwa 10 % des Glücksniveaus sind durch die äußeren Lebensverhältnisse gegeben. 40 % des Glücksniveaus kann ein Mensch durch sein Verhalten und die Arbeit an seinen Gedanken beeinflussen.

Nach Sonja Lyubomirsky liegt das Geheimnis des dauerhaften Glücks darin, dass wir uns vorwiegend diesen 40 % zuwenden und beständig unser inneres Glück pflegen. Wir sollten regelmäßig Sport treiben, negative Gedanken vermeiden und positive Gedanken fördern, unsere sozialen Beziehungen pflegen und eine positive Aufgabe in unserem Leben haben. Viele Studien belegen die positive Auswirkungen der Meditation auf unser Glücksempfinden: Versuchen Sie, jeden Tag zu meditieren. Beginnen sie mit fünf Minuten und steigern Sie sich auf bis zu 20 Minuten pro Tag.[29]

Sonja Lyubomirsky hat ein Zwölf-Punkte-Glücksprogramm entwickelt. Sie rät es konsequent und gleichzeitig flexibel im Leben umzusetzen. Der wichtigste Punkt ist nach ihrer Ansicht die Dankbarkeit. Wir sollten unseren Blick auf das Positive in unserem Leben richten und dafür dankbar sein. Wir sollten nach Grundsätzen wie Optimismus, Lebensfreude, Hilfsbereitschaft, Vergebung, gute soziale Beziehungen, eine gute Gesundheitsfürsorge und eine positive Aufgabe (Flow-Prinzip) leben, wenn wir ein zufriedenes und erfülltes Leben erreichen möchten.[30]

Die glückliche Gesellschaft

Der englische Wirtschaftsprofessor Richard Layard erklärte: Obwohl die Menschen im Westen seit Jahrzehnten immer reicher werden, sind sie keinesweg glücklicher geworden. (…) Untersuchungen beweisen, dass die Menschen heute nicht glücklicher sind als vor 50 Jahren. Und das, obwohl sich das reale Durchschnittseinkommen in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hat.[31] Im Gegenteil werden die Menschen äußerlich immer reicher und innerlich immer unglücklicher. Die Wahrscheinlichkeit an einer klinischen Depression zu erkranken ist heute zehnmal so groß wie vor einem Jahrhundert.[32]

Richard Layard meint, dass die Menschen im Westen glücklicher leben könnten, wenn sie sich statt auf das Anwachsen des äußeren Reichtums auf das Anwachsen des inneren Glücks konzentrieren würden. Im Moment zerstöre der ungezügelte Egoismus das Anwachsen des allgemeinen Glücks. Die Menschen im Westen benötigen eine neue Philosophie auf der Basis der Glücksforschung. Das Ziel sollte das größte Glück aller sein.[33] Die Politik des Staates sollte danach beurteilt werden, ob sie das Glück mehrt und das Leid mindert.[34] Notwendig sei insbesondere eine ethische Erziehung an den Schulen und eine Veränderung des Fernsehens.[35]

Ein wichtiges Vorbild für die Welt ist Bhutan. Bhutan hat 1998 das Glück zum obersten Staatsziel erklärt. Es orientiert sich an den Grundsätzen eine gute Regierung, eine gute Ökonomie, eine gute Ökologie und eine Kultur des inneren Glücks. Die Kultur des Glücks besteht in Bhutan aus dem Buddhismus als Staatsreligion. Nach der Glücksforschung kann jede Religion und Philosophie das Lebensglück fördern, wenn sie tolerant und positiv praktiziert wird. Wir sollten die positiven Ansätze in der Welt beobachten und daraus lernen.

Quantenphysik und Mystik

Nach der Meinung vieler Quantenphysiker (Amit Goswami, Fritjof Capra, Hans-Peter Dürr, Jean Émile Charon, Burkhard Heim, Michael König) gibt es hinter der Welt der Materie einen Hyperraum, den man als Jenseits oder als Himmel auffassen kann. Grundlage dieser Annahme ist das bewiesene (verifizierte) Phänomen der Quantenverschränkung. Wenn zwei verschränkte (durch einen Kontakt „geistig“ verbundene) Photonen (Lichtteilchen, Quanten) über eine große Raumdistanz weitaus schneller als mit Lichtgeschwindigkeit (sofort) kommunizieren können, muss es eine höhere Dimension (einen Hyperraum) geben, durch die dieses möglich ist. Denn die spezielle Relativitätstheorie Einsteins zeigt, dass sich Signale in den herkömmlichen Dimensionen des Raumes nicht schneller als mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten können.

Gesicherte Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Hyperraums liegen noch nicht vor. Es gibt die Stringtheorie und die Viele-Welten-Interpretation der Quantenphysik. Daraus ließe bei erfolgreicher Verifizierung die Existenz eines mehrdimensionales Universum (Multiversum) ableiten.

Der französische Physiker Jean Émile Charon (1920-1998) entwickelte die komplexe Relativitätstheorie, wonach es im Inneren eines Elektrons (Elementarteilchens) ein Photonengas gibt, das Strukturen ausbilden kann und eine Art inneres Gedächtnis des Elektrons darstellt. Das Bewusstsein eines Menschen kann nach Charon im Elektronengedächtnis gespeichert werden (siehe Biophotonik). Da Elektronen eine ewige Lebenszeit haben, stellte der deutsche Physiker Michael König in den 1980er Jahren die Hypothese auf, dass die Essenzelektronen im Körper eines Menschen eine ewige Seele bilden. Diese könnte nach dem Tod des Menschen weiterexistieren und sich später in einem neuen Körper wieder auf der Erde inkarnieren. Für die Existenz einer vom Körper unabhängigen Seele sprechen nach Ansicht einiger Wissenschaftler auch die Erkenntnisse der Nahtodforschung, der Reinkarnationsforschung und das Nachtodgeschehen beim 16. Karmapa.[36]

Der Physiker Burkhard Heim (1925-2001) führte mit der erweiterten Quantenfeldtheorie eine Quantifizierung von Raum und Zeit durch. Er ging davon aus, dass der Raum aus kleinsten Flächenquanten zusammengesetzt ist und es zusätzlich Zeitquanten gibt. Spirituell formuliert würde man sagen, dass der Kosmos aus Licht (einer feinstofflichen Substanz) besteht. Das spürt man als Mystiker auch so. Der Hyperraum ist also nicht leer, sondern mit „Licht“ gefüllt. So konnte Burkhard Heim den Hyperraum jenseits der Materie berechnen. Insgesamt ergab sich ein zwölfdimensiones Universum. Wie Charon ist Heim ein bisher wenig beachteter Außenseiter in der momentanen Physik. Aber die Dinge können sich ändern. Außenseitermeinungen können zum Mainstream werden.

Der deutsche Quantenphysiker und Mystiker Dr. Michael König (*1957) veröffentlichte 2010 das Buch Das Urwort. Die Physik Gottes. Darin stellt er die Urwort-Theorie auf, wonach das Bewusstsein das Zentrum des Universums ist, aus dem sich alles entwickelt und mit dem alles verbunden ist. Michael König hat die Theorien von Charon und Heim aufgearbeitet und erweitert. Dadurch konnte er quantenphysikalisch bestätigen, was die Erleuchteten und Mystiker aller Zeiten durch die innere Erforschung ihres Bewusstseins herausgefunden haben. Er verbindet mit seiner Urwort-Theorie das traditionelle Wissen der mystischen Philosophie mit der Quantenphysik. Gott ist danach eine höhere Bewusstseinsdimension aus Energie, Liebe und Information (ELI) im Zentrum unseres Multiversums.

Unser Gesamtuniversum besteht entsprechend der traditionellen indischen Philosophie aus den drei Grundbereichen materieller Kosmos, Jenseits (geistige Welt) und Himmel (Gott, Lichtwelt). Durch spirituelle Übungen kann ein Mensch einen Lichtkörper entwickeln und in höhere Bewusstseinsbereiche aufsteigen. Auf der Erde wird es in Zukunft ein goldenes Zeitalter geben, in dem Spiritualität und Wissenschaft miteinander vereint sind. Und das Licht Gottes wird durch sie fluten, (…) alle werden sich lieben, sie werden lachen und glücklich sein.[37]

—> Spirituality#Science (Wikipedia)Der Mathematiker Klaus Lange zur Urwort-Theorie.

Der Dalai Lama macht die Menschen glücklich

Dalai Lama 1430 Luca Galuzzi 2007

Der Dalai Lama heißt mit seinem Mönchsnamen Tendzin Gyatsho (* 6. Juli 1935, Osttibet) und wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er setzt sich für einen friedfertigen Dialog der Menschen ein. Dazu hat er eine große Zahl von Vortragsreisen rund um den Globus durchgeführt und viele Bücher geschrieben. Er hat den Buddhismus zu einer modernen westlichen Glücksphilosophie gewandelt.[38]

Einer seiner wichtigsten westlichen Schüler ist Matthieu Ricard, der sich von Gehirnforschern untersuchen ließ und seitdem scherzhaft als der glücklichste Mensch der Welt gilt. Über seinen Weg der Erleuchtung schrieb er: Ich kann wirklich von mir sagen, dass ich ein glücklicher Mensch bin. (…) Das intensive Gefühl des inneren Wohlbefindens, das ich heute in jedem Moment meines Lebens verspüre, entstand erst im Lauf der Zeit. (…) Wirklich unverzichtbar war für mich, meinen spirituellen Meistern zu begegnen und ihre Unterweisungen zu erhalten. [39]

Positives Denken
 Video: Positives Denken mit Übungen (8 Min.) 
Was ist dein Problem? Was ist der Weg der Problemlösung? Was sind deine Ziele? Was ist dein Siegerweg? Welcher positive Gedanke hilft dir?  Mache mit dem Video einfache Yogaübungen am Computer, um deine Energie zu stärken.
Positives Denken ist ein Weg weise mit seinen Gedanken umzugehen. Gedanken und Gefühle sind grundsätzlich verbunden. Wer negativ denkt, erzeugt negative Gefühle, die ihn unglücklich und krank machen können. Wer positiv denkt, kann sich damit heilen und ins Glück bringen. Positives Denken sollte aber weise praktiziert werden. Man muss genau hinsehen, was in der jeweiligen Situation positives Denken ist.
Positives Denken besteht aus vielen Elementen. Ein Element ist es, die Dinge anzunehmen wie sie sind. Wer Dinge ablehnt, verspannt sich innerlich und kann dadurch krank und unglücklich werden. Wer die Dinge wirklich annimmt und akzeptiert, kommt dadurch zur Gelassenheit und zum inneren Frieden. Positives Denken ist nicht so einfach, wie man das gerne hätte. Es besteht aus vielen Elementen.
Eine große Gefahr beim positiven Denken ist es Probleme und Gefühle zu verdrängen. Positives Denken muss mit realistischem Denken verbunden werden. Wir verdrängen nichts. Wir sehen genau hin. Nur dann können wir der Weg der Lösung von Problemen erkennen. Es ist gesundheitlich schädlich Gefühle von Trauer und Wut zu verdrängen. Wir sollten unsere Gefühle nicht verdrängen, sondern sie auf sozial positive Weise ausleben. Wir können zum Beispiel bei Wut einen Spaziergang oder bei Trauer eine Trauermeditation machen. Wir lassen Gefühle kommen und gehen wie sie wollen. Wir beobachten sie nur und im Laufe der Zeit lösen sie sich auf.
Wenn negative Gedanken und Gefühle einen Menschen zerstören, muss man kraftvoll dagegen ankämpfen. Natürlich beginnt die Arbeit grundsätzlich bei einem selbst. Aber wenn äußere Dinge die Menschheit zerstören, sollten wir auch im Äußeren kraftvoll handeln. Das Äußere und das Innere gehören zu einem Menschen. Wir sollten unsere äußere und unsere innere Welt positiv gestalten. In der Erleuchtung kann man sich innerlich dauerhaft über die Welt der Gegensätze erheben. Aber gleichzeitig ist es wichtig auch die äußere Welt positiv zu gestalten.
Oft ist die Ursache von Gefühlen schwer zu erkennen. Ich spüre dann genau in das Gefühl hinein und finde den damit verbundenen Gedanken. Habe ich den Gedanken identifiziert, kann ich einen Gedanken finden, durch den ein negatives Gefühl aufgelöst werden kann und positive Gefühle entstehen können. Wie kannst du heute deine negativen Gefühle auflösen? Finde zum inneren Frieden, zum Glück und zur umfassenden Liebe.
Diskusssion über positives Denken in Esoterikforum.de (2013) 
Feivel: Bei mir schwankt das ganz stark. Positiv denken fällt mir im Moment sehr schwer. Ich halte Realismus mit einer Mischung aus “positiver Gesamtstimmung der Zukunft wegen” und einer “nicht belastenden Vorbereitung darauf wenn es doch schief gehen sollte” für am besten.
Nils: Positives Denken ist ein Weg der inneren Arbeit. Wenn es in dir dynamisch zugeht, ist das ein gutes Zeichen. Positives Denken verbunden mit Realismus ist ein guter Weg. Positives Denken bekommt große Kraft, wenn es mit Körperübungen verbunden wird. Dazu kannst du dir mein Video ansehen. Leicht wird positives Denken erst dann, wenn du stabil erleuchtet bist. Dann entsteht es von alleine aus deinem Inneren heraus. Bis dahin muss man an sich arbeiten. Buddhas Weg zur Erleuchtung bestand aus Meditation (Sitzen, Gehen) und Gedankenarbeiten (positives Denken). Ich praktiziere eine Mischung aus Yoga, Gehen, Meditation, Lesen, Gutes tun, das Leben genießen und Gedankenarbeit. Durch Yogaübungen kann die Kundalini-Energie aktiviert werden. Dann bekommt man Kraft, Frieden und inneres Glück. Es fällt einem dann leichter positiv zu denken.
Joy1: Die Aussage: „Gefühle folgen grundsätzlich den Gedanken“, wäre somit erst einmal plausibel und würde ich auch unterstreichen. „ABER“ Ich denke, dass man da noch etwas mehr differenzieren sollte, denn von „Grundsätzlich“ kann man da nicht sprechen. Das würde nämlich im krassen Gegenteil dazu stehen, dass keine Gefühle entstehen oder auch gefühlt werden könnten, wenn nicht grundsätzlich Gedanken voraus gegangen wären. Folglich wäre die Hellfühligkeit nur eine Wahrnehmungstäuschung (???) Doch wie oft stehen am Anfang immer nur die Gefühle und das ohne sich dessen darüber bewusst zu sein, woher oder auch worauf diese resultieren???
Nils: Du hast Recht. Die Dinge sind kompliziert. Es gibt viele Zusammenhänge. Es gibt den Zusammenhang von Kundalini-Energie (Chakren) und Gedanken. Energie kann auch von anderen Menschen übertragen werden. Energie kann durch Visualisierungen (Fernsehen, Bilder, Natur) entstehen. Oft ist die Ursache von Gefühlen schwer zu erkennen. Ich spüre dann genau in das Gefühl hinein und finde den damit verbundenen Gedanken. Habe ich den Gedanken identifiziert, kann ich einen Gedanken finden, durch den ein negatives Gefühl aufgelöst werden kann und positive Gefühle (Glück, Frieden, Liebe) entstehen können.
Shade: Man kann ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, wie er erschaffen worden ist. Wenn ich also bedenke, dass das Problem ja daher rührt, dass wir dualistisch denken, sehe ich keine Lösung im dualistischen Denken.
Nils: Das ist eine gute Idee. Am besten sehen wir genau hin. Woher kommen die Kriege? Woher kommen die Kämpfe zwischen den Menschen? Aus dem Egoismus. Das dualistische Denken führt zum Egoismus. Dualistisches Denken bedeutet, dass wir Menschen uns als getrennte Subjekte sehen. Um genug für mich zum Essen zu haben, muss ich dem anderen etwas wegnehmen. Um glücklich sein zu können, muss ich mein Gegenüber unglücklich machen. Tatsache ist aber, dass alle Wesen auf der Welt materiell und energetisch zusammenhängen. Wenn wir die Erde zerstören, werden wir alle darunter leiden. Wenn wir auf der Erde innerhalb der Menschheitsfamilie Unglück erzeugen, macht das uns alle unglücklich.
Wir müssen den Egoismus überwinden, um Frieden auf der Erde zu schaffen und gemeinsam glücklich sein zu können. Wie können wir den Egoismus überwinden? Letztlich erst in der Erleuchtung. Deshalb arbeiten viele Menschen für die Erleuchtung der Menschheit. Ein erster Schritt zum allgemeinen Frieden und Glück ist die Verbreitung positiver Werte wie Liebe, Frieden, Weisheit und Glück. Die Menschheit sollte sich nicht am maximalen Konsum, ständigem Wettbewerb und Egokampf orientieren, sondern an einem guten Miteinander. Insofern müssen wir unsere alte Denkweise überwinden und das Problem durch ein neues Denken auf einer höheren Stufe ersetzen. Wir müssen von der Steinzeit in das Zeitalter der Liebe und des Lichts eintreten.
Caramella: Ich finde dieses Thema sehr wichtig. In meinem Elternhaus haben Menschen gelebt, die dazu tendierten, alles schwarz zu sehen – und aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Auf die Dauer ist das Ganze sehr herunterziehend – das allerschlimmste war aber, dass ich nicht merkte, wie ich selbst so wurde. Nun gibt es das andere Extrem, die vielen Esos, die uns erzählen, dass die Energie den Gedanken folgt, was ja so schon stimmt. Nun besteht der Trend, negative Gedanken so weit als möglich zu verhindern, indem man sie einfach wegschiebt und sie durch positive zu ersetzen versucht. In diese Richtung tendieren Affirmationen. Beides ist nicht die Lösung: Weder alles negativ zu sehen, noch alles Negative zu verdrängen, denn durch Verdrängen verarbeiten wir es ja nicht. Ich denke der Mittelweg ist gut! Ich selbst versuche von diesem Schwarzsehen loszukommen, eine gewisse Lebensskepsis beizubehalten, in der ich nicht sofort alles für bare Münze nehme, was sich mir bietet – und gleichzeitig mit einem gesunden Optimismus durchs Leben gehen, der aus einer Mischung aus “ich vertraue, dass Gott mir hilft” und “ich tue was dafür” besteht.
Nils: Liebe Caramella. Ich finde dieses Thema auch sehr wichtig. Es gibt sehr viel Leid auf der Welt. Durch eine positive Denkweise können wir viel Leid in uns und zwischen den Menschen vermeiden. Wir können in uns und mit unserem Mitmenschen glücklich werden. Das ist ein Ziel für das es sich lohnt zu arbeiten.
Dabei dürfen wir nicht von einem Extrem ins andere fallen. Es ist gut einen Mittelweg zu gehen. Viele Esoteriker gehen in die Fallen des positiven Denkens. Sie meinen, dass sie positives Tun durch positives Denken ersetzen können. Wenn sie nur positiv denken, dann würden sich die Verhältnisse zum Positiven wenden. Das ist natürlich Unsinn. Wir müssen auch etwas dafür tun. Wir sollten positives Denken mit positivem Tun verbinden. Wir dürfen Probleme nicht verdrängen, sondern sollten sie lösen. Das ist der Weg des positiven Tuns. Andererseits sind nicht alle Probleme lösbar. Dann sollten wir mindestens in unserem Geist Frieden schaffen und Glück herstellen.
Shade: Nur können wir als ‘Ich’ das ‘Ego’ nicht auflösen, weil wir Ich-Ego (denn mehr bedeutet das Wort nicht) sind. Es geht in meinen Augen… und ich spreche aus Erfahrung… darum, zu erkennen, wozu wir als Ego/Ich hier sind.
Nils: Das Ego ist das Ich-Bewusstsein. Der Mensch nimmt sich als das Zentrum des Universums wahr. Das ist eine unrealistische Weltsicht. Tatsächlich ist der Mensch ein Sandkorn im Kosmos. Es gibt vor allem den Kosmos und darin einige kleine unbedeutende Menschlein. Der Mensch kann von einem Ich-Bewusstsein zu einem Einheitsbewusstsein gelangen. In der Erleuchtung nimmt er sich als Teil des Kosmos wahr, erlangt dadurch inneren Frieden und kann trotzdem noch handeln. Er sieht sich als Teil der Natur und weiß gleichzeitig, dass er auch dieser Körper ist. Und er ist für den Körper verantwortlich, so wie er auch für den ganzen Kosmos und insbesondere seine Mitwesen auf der Erde eine Verantwortung trägt.
Chevreuil: Und was wäre/wird man dann? Sein Sein .. das Ego auflöst, sein Selbst, das Ich .. hm wäre das dann nicht wie eine Art Ameise … eher *fremdbestimmt* zwar dem höheren Überlebens/Zweck förderlich, doch selber ? Ein dienlicher Roboter ==? Oder schwimmendes Teilchen in der Ursuppen ..
Nils: Wie ist es, wenn sich das Ego auflöst? Vor der Erleuchtung mit einem Ego sagt man “Ich bin Chevreuil.” Nach der Erleuchtung sagt man “Ich bin.” Man lebt im erleuchteten Sein. Man hat ein Einheitsbewusstsein. Man sieht sich nicht mehr als von Kosmos getrenntes Wesen. Man lebt in Gott und ist in gewisser weise Gott, ein Sohn oder eine Tochter Gottes. Man lebt im Licht, aber kann gleichzeitig auf der Erde handeln. Das konnten Jesus und Buddha auch. Man handelt dann aus dem Licht, dem göttlichen Bewusstsein heraus. Man ist ein Instrument Gottes.
Destiny: Waren die Menschen in der Steinzeit glücklicher?  ICH glaube ja, die Frauen haben schon damals versucht sich zu emanzipieren. damit der Mann sie nicht mehr an den Haaren in die Höhle zerrte! Aber eines stimmt absolut – man kann es nur sein – das reicht vollkommen.
Nils: So ist es. Das Sein reicht absolut. Es ist die glücklichere Lebensform. Und das war damals so wie heute. Die erleuchteten Steinzeitmenschen waren glücklicher als die unerleuchteten. Möglicherweise gab es in der Steinzeit mehr erleuchtete Menschen als heute. Jede Gruppe hatte ihren Schamanen oder ihre Scharmanin. Die Menschen lebten mehr mit der Natur und in der Einheit wie heute. Ich glaube, dass Naturvölker normalerweise glücklicher sind als die gestressten heutigen Menschen. Andererseits hat die heutige Zeit natürlich auf Vorteile wie das Internet.
Destiny: Warum wird dieses “goldene Zeitalter” immer in die Zukunft verschoben? Was wäre, wenn der Mensch auch so glücklich wäre – jetzt – und nicht erst wenn
Nils: Du hast vollständig Recht. Wir können auch glücklich im Hier und Jetzt sein. Wir können für uns selbst durch spirituelle Übungen und konsequentes positives Denken bereits jetzt in das goldene Zeitalter eintreten. Als Erleuchteter können wir dauerhaft im Licht leben, in einem Paradiesbewusstsein existieren. Durch das innere Glück konzentriert sich der Geist automatisch auf das Positive und Schöne. Allerdings sollten wir das Leid in der Welt und in unserem Leben nicht verdrängen. Wir sollten es integrieren und positiv handeln, soweit es möglich ist. Liebe und Mitgefühl sind wichtige Eigenschaften auf dem spirituellen Weg.
Spirituell entsteht das größte Glück durch die Erleuchtung. Das Reich Gottes ist grundsätzlich ein innerer Zustand, in dem man Gott in sich spürt und gleichzeitig auch das Licht Gottes in der Welt sieht. Durch Übungen wie Meditation und Gedankenarbeit (positives Denken, im Wesentlichen leben) kann ein Mensch erreichen, dass er in einem großen inneren Glückszustand lebt. Ist ein Mensch innerlich glücklich, sieht er auch das Positive in der Welt. Er kann seine Welt als Paradies wahrnehmen. Es ist möglich, durch Visualisierungen seine Kundalini-Energie zu aktivieren und zur Erleuchtung zu gelangen. Das ist eine Aufgabe der Paradiesvorstellungen in den verschiedenen Religionen.
taos: Guten Morgen Destiny, … und jetzt halte ich einfach mal die Klappe….
Nils: Ihr beide könnt gut das positive Denken zusammen üben. Ein Weiser bleibt immer in der Ruhe und in der Liebe. Er kommuniziert positiv mit seinen Mitmenschen. Wenn das nicht möglich ist, schweigt er. Er gießt grundsätzlich kein Öl ins Feuer, sondern das Wasser der Liebe und des Friedens. Ich spüre immer in mein Herz. Sind es Worte der Liebe, die aus ihm fließen. Dann übergebe ich sie der Welt. Spüre ich in mir Aggressionen, schweige ich und überwinde die Aggressivität in mir.
Destiny: Wenn alles göttlich ist – wieso wird da getrennt und etwas abgelehnt – das so nicht sein darf, wie z.B. Aggression oder Streit usw.? Unterdrückte Gefühle sind eine Hauptursache von Blockaden die zu Erkrankungen des Körpers führen! Da fände ich es besser und gesünder(!), gar “nicht mehr zu denken” und die Emotionen einfach sein zu lassen.
Nils: Wenn du vollständig erleuchtet bist, brauchst du nichts mehr zu tun. Du kannst einfach so sein wie du bist. Du kannst deine Gefühle so leben wie sie kommen. Du bist über der Ebene von Gut und Böse. Du kannst positiv und negativ sein wie du willst. Und es wird deinen Mitmenschen nützen, weil du aus der Erleuchtungsenergie (aus Gott) heraus handelst. Solange wir aber nicht vollkommen sind wie Jesus oder Buddha, müssen wir uns entwickeln und an uns arbeiten. Wir sollten genau hinspüren, was im Moment richtig ist. Ist es richtig Gefühle zu leben oder sie nicht zu leben? Grundsätzlich erzeugen nicht gelebte Gefühle Verspannungen im Körper. Es ist gut Gefühle auszuleben. Gleichzeitig können Aggression andere Menschen und auch einen selbst zerstören. Man kann in der Trauer versinken. Wenn man seine Suchtgefühle zu stark lebt, entsteht Anhaftung und man versinkt immer weiter in der Sucht.
Erleuchtung bedeutet nicht das Leid zu verdrängen, sondern es zu integrieren. Wir nehmen die Dinge an wie sie sind. Wir haften innerlich nicht am Leid an, sondern bewahren unseren Gleichmut und unsere Gelassenheit. Wir erwecken das Glück in uns. Damit erheben wir uns in eine höhere Bewusstseinsebene. Wir leben grundsätzlich im Licht, im Frieden, im Glück, in der Einheit und in der umfassenden Liebe. Wir leben innerlich abgeschieden von der Welt und der Materie. Dadurch geht unsere Energie nicht nach außen und verbraucht sich dort, sondern sie sammelt sich im Inneren und macht uns glücklich. Im Zustand des inneren Glücks können wir Leid besser ertragen. Wir können uns weitgehend darüber erheben, es vergessen. Aber etwas werden wir es spüren. Und das ist gut so. Denn wenn wir uns des Leidens in uns und in der Welt bewusst sind, dann haben wir die Motivation die Dinge zu verändern, soweit sie veränderbar sind.
 Destiny: mal etwas praktisches zur Theorie des positiven Denkens: Eine Glücksbox klöppeln! Nimm einen Schuhkarton oder etwas ähnliches und lege all das hinein was du mit Glück verbindest. Mach dich dabei frei, von trüben Gedanken und begegne dem Glück so glücklich wie du grad sein kannst…

Nils: Danke. Das ist eine gute Idee. Damit machst du mich heute glücklich. Ich habe eine ähnliche Praxis. Ich bastele mir Diashows am Computer und kopiere in die Diashow alle die Bilder hinein, die mich im Moment glücklich machen und mich motivieren. Des weiteren ziehe ich jeden Tag eine Orakelkarte mit einem positiven Satz. Yogi Nils Video Orakel 

Philosophie des Glücks 
(Zitate aus dem Esoterikforum)
 
taos: Lebensfreude als Ausdruck der Liebe zum Leben … 
 
Nils: Ich unterscheide zwischen Freude und Liebe. Beides hängt aber zusammen. Wenn ich das Leben liebe, werde ich mich auch oft freuen. Wenn ich eine positive Aufgabe im Leben habe, wird es viele Glücksmomente geben. Wenn ich einen netten Partner habe, wird das mein Leben sehr bereichern. Man kann so viele Elemente von Freude in sein Leben bringen, dass man ein glückliches Leben hat. 
 
Giri: Ohne Glück ist man viel ausgeglichener und entspannter. Weder Glück noch Unglück wichtig nehmen. Ein Zenmeister sagte mal von Glückszuständen: „Das geht vorbei.“ Byung-Chul Han wies daruf hin, daß die westliche Philosophie sehr auf Freiheit und Glück zielt, die asiatische auf Mühelosigkeit, in der leeren Mitte ruhen und sich treiben lassen. Einfach dem Lauf der Dinge folgen. Nichts wollen. Sich nicht bemühen. Still sitzen, das Gras wächst und der Frühling kommt, ohne das ich dem nachgeholfen habe.
 
Nils: Hier liegt ein großes Missverständnis vor. Der Buddhismus strebt nach Erleuchtung und Erleuchtung ist ein Zustand des höchsten Glücks. Allerdings liegt dieses Glück auf einer anderen Ebene als weltliches Glück. Weltliches Glück ist oft mit Anhaftung verbunden, was langfristig zu Leid führt. Weltliches Glück sucht man in äußeren Dingen, während das Glück der Erleuchtung ein inneres Glück ist. Erleuchtung kann entstehen, wenn man ausgeglichen und entspannt lebt. Aber ohne Bemühen kommt man normalerweise auf dem spirituellen Weg nicht voran. Wer sich nicht bemüht, kann in der Leerheit versacken. Auf dem spirituellen Weg braucht man ein gutes Gespür für sich selbst. Man sollte wissen, wie viel Lebensfreude man braucht und wann man sie braucht. Viele Zen-Mönche pflegen zu wenig das Lebensglück und verhindern damit ihre Erleuchtung. Ein Zen-Meister meditierte viele Jahre streng in einem Kloster. Dann erkannte seinen Fehler, ging in ein Bordell und kam dort zur Erleuchtung. 
 
Träumerin: Und was ist mit dem Leben, wenn ich immer nur in meiner Mitte bin, mich nichts mehr bewegt, mich nichts mehr erschüttern und freuen und berühren lässt, sowie ich andere nicht mehr bewegen kann, erschüttern , freunen lasse und berühre? Also ich stell mir das recht langweilig vor. 
 
Nils: Richtig. Ein solches Leben ist schrecklich. Ich sah einmal einen Film von zwei Zen-Mönchen, die in der Abgeschiedenheit lebten. Es war eine große Trauer und Hoffnungslosigkeit in dem Film. Nur erleuchtetes Sein ist ein Glücksweg. Unerleuchtet in der Ruhe vor sich hin zu leben kann ziemlich langweilig sein. Der Yogi bringt sich dann durch seine spirituellen Übungen ins Licht. Er wartet nicht auf Gott, sondern erweckt seine Kundalini-Energie. Er wartet nicht, dass die Liebe zu ihm kommt, sondern sendet allen Wesen Liebe, hilft allen Wesen und gelangt so in die Energie der umfassenden Liebe. Ein Leben im Licht und in der Liebe ist das schönste Leben. Möge jeder seinen Weg dahin finden. 
 
Träumerin: Jeder hat das Recht seinen eigenen Glückweg zu wählen.
 
Nils: Selbstverständlich. Jeder hat das Recht auf seinen Irrweg. Aus Fehlern kann man gut lernen. Weisheit ist etwas, das sich über viele Leben langsam entwickelt. Zuerst hält man das weltliche Leben für einen Glücksweg. Bis man das äußere Glück als letztlich leer erkennt. Dann wendet man sich dem inneren Glück zu. Und dann sucht man, auf welchem Weg man am besten zur Erleuchtung gelangt. Auch hierbei kann man viele Fehler machen. Die meisten spirituellen Menschen scheitern auf ihrem Weg. Von 100 Zen-Mönchen erreichen nur drei die Erleuchtung. Wenn von 1000 Christen drei zu Heiligen werden, halte ich das für sehr viel. Ich kenne kaum erleuchtete Christen. Auch auf dem Yogaweg gehen die meisten Menschen in die Falle des formalen Übens oder sehen Yoga nur als einen Weg um äußerlich schön zu werden. Ich habe viele Leben gebraucht, um einen für mich effektiven Weg der Erleuchtung zu finden. Dieser Weg besteht aus einem Leben in der Ruhe, in der umfassenden Liebe, im konsequenten spirituellen Üben und im ausreichenden Lebensgenuss. Ich habe nichts gegen äußeren Genuss. Aber ich lebe ihn im richtigen Moment und im richtigen Mass. So bringt er mich auf dem spirituellen Weg voran. 
 
taos: dass das permanente Ruhen ohne Teilhabe am Leben auch nicht gesund sein muß auf Dauer…. ist doch klar
 
Nils: Es gibt viele Fallen auf dem spirituellen Weg. Man kann in der Ruhe und der Trauer versacken. Das geschieht sehr oft bei buddhistischen und christlichen Mönchen. Oder man kann seine Probleme durch viel Arbeit oder zu intensives Üben verdrängen. Der Weg ins Licht geht oft durch die Dunkelheit. Man muss seine Leidpunkte betrachten, darüber nachdenken, hindurchgehen und erwacht dann ins Licht.
 
Giri: Ich hab ja nicht von Buddhismus gesprochen. Ich halte viele seiner Lehren für seltsam (Karma und Reinkarnation z.B.) Es gibt einen Dialog von Buddha mit einen erwachten Schüler. Eine der wenigen Stellen, wo Buddha vom Glück redet, an die ich mich erinnern kann. Darin erklärt der Schüler das alle Empfindungen, Gefühle etc., man kann auch sagen alle Zustände, von ihm abgefallen sind. Darauf meint Buddha, das eben darin das Glück besteht, keine Sinnesempfindungen mehr zu haben. Hier ist also Glück kein wohliges Gefühl, sondern dessen Abwesenheit. Und vor allem ist im Buddhismus niemand erleuchtet. Erleuchtung ist im Buddhismus die Verwirklichung, das es kein Ich, kein Mein, keine Seele gibt. Es ist also da gar niemand mehr da, der glücklich sein kann.
Nils: Reinkarnation gibt es. Ich kenne meine früheren Leben. Buddha kannte seine früheren Leben. Viele heutige Menschen kennen auch ihre früheren Leben. Das Wissen von der Reinkarnation ist sehr wichtig, weil man dann seinen spirituellen Weg über viele Leben gehen kann. Man muss nicht gleich in einem Leben zur Erleuchtung gelangen. Man kann langsamer und mit mehr äußerem Genuss voranschreiten. Der schnelle spirituelle Weg kann sehr hart sein. Ein mittleres Voranschreiten ist viel leichter zu praktizieren.
Buddha redet sehr oft vom Glück. Die ganze Dhammapada ist voll davon. Der Buddhismus ist eine Glückslehre. Allerdings geht es dabei nicht um oberflächliche Glücksgefühle. Die kommen und gehen. Es geht um das tiefe Glück der Erleuchtung. Dieses Glück liegt auf einer anderen Bewusstseinsebene. Es ist mit Gefühlen wie Frieden, Liebe und Einheit verbunden. Erleuchtung ist nicht die Abwesenheit von Glück, sondern die höchste Verwirklichung. Allerdings darf man auch nicht an dem Glück der Erleuchtung anhaften. Dann verspannt man sich und blockiert es. Wenn es gehen will, muss man es gehen lassen. Dann kommt es mit Sicherheit irgendwann wieder. Auf dem Weg der Erleuchtung gibt es auch Phasen der Dunkelheit, die man nicht blockieren darf. Man muss sie durchschreiten.
Natürlich ist in der Erleuchtung noch jemand da, der glücklich ist. Sonst wäre die Erleuchtung ja sinnlos. Dann könnte man gleich sterben. In der Erleuchtung stirbt das Egobewusstsein. Man erlangt ein Einheitsbewusstsein, ein reines Bewusstsein. Man ist glückseliges Bewusstsein. Man hat keine spezielle Identität mehr. Man kann jede Identität annehmen und sich wieder darüber erheben. Man kann sagen „Ich bin“, aber man sagt nicht mehr „Ich bin der spezielle Mensch“. Ein „Ich bin“, eine Seele, ein Bewusstseinskontinuum über viele Leben gibt es weiterhin.
Giri: Ob Erleuchtung erlangt durch Tun werden kann, ist eine andere Frage. Oft wird im Buddhismus darauf verwiesen, daß positives karma nicht zum Erwachen führt. Im Daoismus z.B. geht es gar nicht um Glück. Es geht auch nicht drum,, irgendwo vorwärts zu kommen. Das wär der Weg des Lernens. Da bekommt man etwas dazu. Aber wer dem Dao folgt, der verliert und verliert. Und immer wieder wird darauf hingewiesen, daß dem Dao folgen nicht süß wie Glück oder wie Süßigkeiten ist, sondern fade. Fade wie der Geschmack des Wassers. Geschmacklos. Zugegebener Maßen nicht besonders spannend.
Nils: Wenn es fade ist dem Weg des Daos zu folgen, dann wäre es ein Weg für Dummköpfe. Tatsächlich geht jedoch darum möglichst dauerhaft das größtmögliche Glück auf der Erde zu erreichen. Die Zeit des Übens kann manchmal etwas fade und langweilig sein. Um seine inneren Verspannungen aufzulösen und seine Energieblockaden zu überwinden, ist es hilfreich überwiegend in der Ruhe zu leben und sich äußerer Aktivitäten zu enthalten. Dann wendet sich die Lebensenergie nach innen. Erst ist es unerträglich langweilig und dann ist man plötzlich im Glück. Langweile ist ein Zustand, durch den man durchgehen und den man überschreiten muss. Man sollte auf dem spirituellen Weg die Langeweile nicht fliehen, sondern sie durchschreiten. Das begreifen viele Menschen nicht. Erleuchtung an sich kann sehr spannend sein, weil es viele verschiedene Erfahrungen und Fähigkeiten dabei gibt. Das Spannendste was ich erlebt habe war, als ich einmal ins höchste Paradies erhoben wurde.
Erleuchtung ist das ziellose Ziel. Es wird erreicht durch Anhaftungslosigkeit. Das allerdings ist zu üben. Erleuchtung ist intensive innere Arbeit. Aber kurz bevor man sie erreicht, muss man alle Ziele loslassen. Man muss seine Wünsche und Anhaftungen an äußere Dinge immer mehr verlieren. Dann gewinnt inneren Frieden, aus dem sich dann inneres Glück und Erleuchtung entwickelt. Erleuchtung ist ein Zustand der inneren Harmonie. Und es ist gleichzeitig erheblich mehr als das.
Positives Karma führt zu glücklichen äußeren Situationen. Erleuchtung erlangt man durch spirituelles Üben. Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Gutes Karma kann aber auch darin bestehen, dass man Weisheit erlangt, den effektiven spirituellen Weg findet und einen erleuchteten Meister hat.
Spirituelles Üben besteht aus Nichtstun (Ruhe) und Tun (innere und äußere Aktivität) im persönlich richtigen Verhältnis. Man muss genau spüren, was man jeweils braucht. Ohne Weisheit und inneres Gespür scheitert man auf dem spirituellen Weg.
Giri: Sicher kann jeder, der will, nach Glück streben. Die Frage ist, ist es sinnvoll und sind nicht auch andere Ausrichtungen denkbar? Das Glücksdogma ist inzwischen übermächtig. Ich finde es spannender, das Glücksdogma als solches zu hinterfragen.
Nils: Wir können gerne das Glücksdogma hinterfragen. Ich persönlich habe in meinem Leben Glück und Leid erfahren. Ich finde es erheblich besser glücklich zu sein als zu leiden. Wobei man körperliches Leid oft nicht verhindern kann. Aber seelisches Leid kann man durch spirituelle Übungen überwinden. Und man kann einen Zustand der Erleuchtung erreichen. Wer diesen Zustand kennt, weiß, dass es der tiefere Sinn des menschlichen Lebens ist im inneren Frieden, im dauerhaften Glück und in der umfassenden Liebe zu leben. Der Weg des äußeren Glücks ist ein Irrweg, aber der Weg des inneren Glücks ist die Essenz des Lebens.

Literatur

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  • Alfred Bellebaum (Hersg.): Glücksforschung. Eine Bestandsaufnahme. UVK Verlagsgesellschaft GmbH, Konstanz 2002, ISBN 3-89669-766-8
  • Augustinus von Hippo: De beata vitaQuelle
  • Jonathan Haidt: Die Glückshypothese. Was uns wirklich glücklich macht. Die Quintessenz aus altem Wissen und moderner Glücksforschung. VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2007, ISBN 978-3-86731-005-5
  • Michael König: Das Urwort. Die Physik Gottes. Scorpio Verlag, Berlin und München 2010, ISBN 978-3-942166-11-9
  • Dalai Lama: Der Weg zum Glück. Sinn im Leben finden. Herder, Freiburg im Br. 2002, ISBN 3-451-27637-2
  • Dalai Lama: Die Liebe. Quelle des Glücks. Herder, Freiburg im Br. 2005, ISBN 3-451-28840-0
  • Dalai Lama/Howard C. Cutler: Die Regeln des Glücks. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-7857-09161-7
  • Richard Layard: Die glückliche Gesellschaft. Kurswechsel für Politik und Gesellschaft. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2005,ISBN 3-593-37663-6
  • Sonja Lyubomirsky: Glücklich sein. Warum sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2008,ISBN 978-3-593-38527-3
  • Ludwig Marcuse: Philosophie des Glücks. Paul List Verlag, München 1962, ISBN 3-257-20021-8
  • Platon: Sämtliche Werke 1, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1994, ISBN 3-499-55561-1
  • Matthieu Ricard: Glück. Nymphenburger, München 2007, ISBN 978-3-485-01116-7
  • Wilhelm Schmid: Glück. Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist. Insel Verlag, Frankfurt am Main / Leipzig 2007, ISBN=978-3-458-17373-1
  • Arthur Schopenhauer: Aphorismen zur Lebensweisheit. Insel Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-458-31923-9

Einzelnachweise

  1.  Zitiert nach Eva-Maria Kaufmann: Sokrates. München 2000, S. 93 (Montaigne), S. 8 (Jaspers).
  2.  Nils Horn: Philosophie des Glücks (Epikur, Diogenes, Buddha, Jesus). 2010, Kapitel Sokrates und Epikur.
  3.  Platon, Apologie, Stuttgart 1982, S. 36.
  4.  Platon, Apologie, Stuttgart 1982, S. 36.
  5.  David Niven: Die 100 Geheimnisse glücklicher Menschen. Integral Verlag, München 2000, Seite 129.
  6.  Johannes Mewaldt: Epikur. Philosophie der Freude. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1973, Seite 71.
  7.  Johannes Mewaldt, a.a.O., Seite 67.
  8.  Johannes Mewaldt, a.a.O., Seite 48.
  9.  Johannes Mewaldt, a.a.O., Seite 70.
  10.  Augustinus: Confessiones 1,1
  11.  Pseudo-Dionysius Areopagita: Über mystische Theologie, I.1.
  12.  Pseudo-Dionysius Areopagita: Brief V
  13.  Pseudo-Dionysius Areopagita: Über mystische Theologie, I.3.
  14.  Pseudo-Dionysius Areopagita: Über mystische Theologie, II.
  15.  Testament 1-3, zitiert nach Franziskanische Quellenschriften, Band 1
  16.  Josef Quint (Hrsg.): Meister Eckehart. Deutsche Predigten und Traktate. München 1979, s.60 f.
  17.  Quint, a.a.O., Seite 435.
  18.  Quint, a.a.O., Seite 289.
  19.  Erika Lorenz (Hrsg.): Lockruf des Hirten. Teresa von Avila erzählt ihr Leben. Kösel Verlag, München 1999, ISBN 3-466-20444-5, Seite 112 ff.
  20.  Erika Lorenz, a.a.O., Seite 126.
  21.  Josef M. Werle: ‚Epikur für Zeitgenossen. Ein Lesebuch zur Philosophie des Glücks. Wilhelm Goldmann Verlag, Müchen 2002, 2. Aufl., ISBN 3-442-07741-9, Seite 107.
  22.  Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Köln 1997, Erster Band, §. 56.
  23.  Arthur Schopenhauer, a.a.O., §. 59.
  24.  Nils Horn: Manifest für eine glückliche Welt, 2010.
  25.  BBC News 1999: Der Welthunger übersteigt eine Milliarde.
  26.  Kommunistisches Manifest.
  27.  Alberto da Silva Moreira in Elmar Klinger/Francis X. D’Sa: Gerechtigkeit im Dialog der Religionen, Echter Verlag GmbH 2006, ISBN 3429027934, Seite 171 ff.
  28.  Jonathan Haidt, Seite 315.
  29.  Sonja Lyubomirsky, a.a.O., Seite 257.
  30.  Sonja Lyubomirsky, a.a.O., Seite 103 ff.
  31.  Richard Layard: Die glückliche Gesellschaft, Seite 13.
  32.  Sonja Lyubomirsky, a.a.O., Seite 49.
  33.  Richard Layard: Die glückliche Gesellschaft, Seite 142.
  34.  Richard Layard: Die glückliche Gesellschaft, Seite 240.
  35.  Richard Layard: Die glückliche Gesellschaft, Seite 250 und Seite 91 ff.
  36.  Reinkarnationsforschung
  37.  Michael König, a.a.O., Seite 265 (Schlußworte).
  38.  Wikipedia: Glück
  39.  Matthieu Ricard: Glück, Seite 371 f.

Siehe auch

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