Das spirituelle Märchenbuch. Die schönsten Märchen und ihre Bedeutung

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Es gibt viele Möglichkeiten Märchen zu interpretieren. Vorherrschend ist in Deutschland die psychologische Interpretation. Spirituelle Interpretationen gibt es kaum. Das ist aus meiner Sicht ein Fehler, weil gerade viele deutsche Volksmärchen auf der mittelalterlichen Mystik beruhen oder von germanischen Eingeweihten stammen. Man kann die tiefe Bedeutung nur erfassen, wenn man über das Wissen von der Erleuchtung verfügt und spirituelle Energien spüren kann. Ich betrete mit diesem Buch Neuland. In erster Linie soll es aber einfach ein Lesevergnügen sein. Die Geschichten sind einfach nur Geschichten und haben nichts mit realen Personen zu tun.

Wikipedia: Märchen sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen. Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff Märchen insbesondere durch die Sammlung der Brüder Grimm geprägt. Im Unterschied zur Sage und Legende sind Märchen frei erfunden und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt. Charakteristisch für Märchen ist unter anderem das Erscheinen phantastischer Elemente in Form von sprechenden und wie Menschen handelnden Tieren, von Zaubereien mit Hilfe von Hexen oder Zauberern, von Riesen und Zwergen, Geistern und Fabeltieren (Einhorn, Drache usw.); gleichzeitig tragen viele Märchen sozialrealistische oder sozialutopische Züge und sagen viel über die gesellschaftlichen Bedingungen, z. B. über Herrschaft und Knechtschaft, Armut und Hunger oder auch Familienstrukturen zur Zeit ihrer Entstehung aus. Nach der schriftlichen Fixierung der Volksmärchen setzte eine mediale Diversifikation ein (Nacherzählungen, Parodien, Dramatisierungen, Verfilmungen, Vertonungen usw.), die nun an die Stelle der mündlichen Weitergabe trat.

In jüngerer Zeit wurden Märchen mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen aus der Anthropologie, der Psychologie (Analytische Psychologie, Psychoanalyse, Psychologische Morphologie) und weiteren Einzeldisziplinen untersucht. Ein Problem der psychologischen oder psychoanalytischen Märchendeutung ist, dass selten zwei Interpretationen eines Märchens übereinstimmen. Das weist auf einen Mangel an Evidenz hin. Für jeden Menschen biete ein Märchen andere Assoziationsmöglichkeiten. Von der Psychoanalyse erfahre man nichts über Herkunft, Alter, Verbreitung und kulturhistorische Hintergründe der Märchen. Röhrich plädiert daher für einen Methodenpluralismus bei der Märcheninterpretation.

Das spirituelle Märchenbuch
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Die Hexe und der Zauberer

Es war einmal eine Hexe. Sie hieß Mimi. Die Hexe war weder alt noch jung, weder schön noch häßlich, weder dumm noch klug. Sie war von allem irgendwie in der Mitte. Sie war einfach nur ganz normal. Sie war eine normale Hexe. Und als normale Hexe wünschte sie sich auch einen ganz normalen Zauberer zum Mann. Denn die Hexe fühlte sich etwas einsam. Es war zu wenig Liebe in ihrem Leben. Sie brauchte ein Gegenüber, mit dem sie reden, lachen und wilde Streiche machen konnte.
Zwar hatte sie eine schwarze Katze, wie es sich für eine normale Hexe gehört. Sie liebte die Katze und die Katze liebte sie. Sie schmusten auch oft zusammen. Aber meistens lag die Katze einfach nur gemütlich in ihrer Katzenecke im Hexenhaus. Oder sie war gerade im Wald und fing Mäuse. Und mit der Katze konnte man auch keine tiefsinnigen Gespräche führen. Sie wirkte eher durch ihr entspanntes Sein.
Die Hexe hatte eine Freundin, die nicht weit von ihr entfernt in einem allerliebsten kleinen Hexenhaus wohnte. Die Hexenfreundin liebte es kitschig. Überall in ihrem Haus standen kleine Figuren aus Porzellan. Es gab kleine dicke Engel, schöne Feen, häßliche Hexen und böse Zauberer. Am meisten waren kleine dicke, pausbäckige Engel zu sehen. Man fand sie in jeder Ecke. Die Freundin liebte kleine dicke Engel. Sie hatte einen Kindertick. Bei jedem Kind entfuhr ein langgestrecktes „Ach wie süß“ ihrem Mund.
Die Freundin liebte die schönen Seiten des Lebens. Und sie aß ständig Kekse. Deshalb war sie bereits ziemlich dick. Sie konnte kaum noch auf ihren Hexenbesen klettern. Das musste sie aber, wenn sie die normale Hexe besuchen wollte. Sie trafen sich oft zu einem Plausch unter Freundinnen. Dabei tranken sie köstlichen Hexenwein, den sie selbst gezaubert hatten.
Aber weder die Katze noch die Hexenfreundin konnten der normalen Hexe den Wunsch nach einem normalen Zauberer erfüllen. Es gab Dinge, die eine normale Hexe nur mit einem normalen Zauberer tun konnte. Zum Beispiel schweigsam gegenübersitzen und sich trotzdem wohl fühlen. Oder viel reden und der Mann hört stundenlang zu. Oder Händchen haltend gemeinsam im Wald spazieren gehen.
Die normale Hexe rief also per Hexentelefon bei der Hexendatingzentrale an und fragte, ob es in ihrem Wald einen Zauberer gibt, der weder zu schön noch zu häßlich, weder zu dumm noch zu klug, weder zu alt noch zu jung war. Und vor allem musste er natürlich offen für eine Beziehung zu einer Hexe sein, die auch weder zu schön noch zu häßlich, zu dumm oder zu klug und zu jung oder zu alt war.
Die Hexendatingbörse fand tatsächlich etwas entfernt im Wald einen alten Zauberer. Allerdings war er bereits ziemlich alt, außerdem noch ziemlich häßlich, dafür aber sehr klug und vor allem sehr humorvoll. So etwas lieben Hexen an einem Zauberer.
Die Hexe setzte sich auf ihren Hexenbesen, die Katze kam auf ihren Hexenbuckel, und schon flogen sie los. Dank ihres Hexennavis, ihrer inneren Stimme, fand sie auch schnell das Haus des alten Zauberers. Sie umkreiste dreimal auf ihrem Hexenbesen das Haus. Das ist ein altes Zauberritual. Der Zauberer findet dann eine Hexe sehr schön und verliebt sich unsterblich in sie.
Der Zauber funktionierte auch sehr gut. Der alte Zauberer war sofort dem Liebreiz der Hexe verfallen. Sein ganzer Verstand verließ ihn und er wollte nur noch mit der Hexe reden. Unter reden verstehen wir hier, dass die Hexe redet und der Zauberer zuhört und manchmal etwas brummt. Soweit so gut.
Die Hexe hatte ihr Ziel erreicht. Sie entspannte sich etwas und wendete ihren Blick vom Zauberer ab und der Wohnung des Zauberers zu. Und was musste sie dort erblicken? Unordnung, Schmutz und Staub. Zum Glück hatte die Hexe ihren Hexenbesen dabei. Sie begann sofort das Haus des Zauberers zu säubern. Danach fühlte sich der Zauber in seinem Haus nicht mehr wohl. Er fand nichts mehr wieder, weil die Hexe es entweder weggeschmissen oder an einen anderen Ort gelegt hatte.
Aber die Hexe mochte jetzt gerne in dem Haus des Zauberers sein. Sie zog auch sofort bei ihm ein. Jetzt gingen der Zauberer und die Hexe jeden Tag mit der Katze im Wald spazieren, backten Zauberkekse, aßen viel, lachten viel und wurden beide nach einiger Zeit ziemlich dick.
Sie hatten auch ein gemeinsames Thema. Das ist sehr wichtig für eine gute Beziehung zwischen einer Hexe und einem Zauberer. Sie interessierten sich beide für den inneren Glückszauber. An äußeren Dingen hatten sie im Laufe ihres langen Zauberlebens bereits alles Mögliche gezaubert. Äußerer Zauber war langweilig, auch wenn die Hexe immer noch gerne von Zeit zu Zeit schöne Dinge aus dem Internet herbeizauberte und damit das Haus des Zauberers vollstopfte, bis alle Schränke überzulaufen drohten.
Das Hauptinteresse beider lag bei dem inneren Zauber. Wie konnte man Glück, Liebe und Frieden in einem Menschen erzeugen? Wie konnte man die Welt zu einem friedlicheren und glücklicheren Ort machen, an dem die Liebe und nicht der Egoismus herrschen? Es gab viele böse Zauberer und Hexen auf der Welt. Wie konnte es gelingen, die Herzen aller Menschen zu verwandeln, dass sie vom Hass zur Liebe kamen?
Das ist eine große Kunst. Es ist die größte Zauberkunst überhaupt. Und dieser Kunst hatten sich unsere beiden Freunde verschrieben. Dabei mussten sie erst einmal in ihrem eigenen Geist anfangen. Die Hexe war manchmal etwas dominant und liebte es zu streiten. Dann zog sich der Zauberer in sein Zimmer zurück und meditierte tagelang, bis er wieder gesprächsbereit war.
Unter diesem Zustand litten letztlich beide. Sie liebten die Harmonie. Sie waren in ihren Herzen so verbunden, dass der Schmerz des anderen auch sein eigener Schmerz war. Es war deshalb wichtig, alle Disharmonie immer wieder aufzulösen. Dazu hatten sie die Techniken des positiven Denkens, der Meditation und der Erzeugung des inneren Glücks. Wenn sie das Glück in sich selbst erzeugt hatten, dann veränderte sich ihr Geist und sie konnten auch wieder das Positive in dem anderen sehen und positiv mit ihm umgehen.
Sie entwickelten einige Rituale, durch die sie nach einem Streit immer wieder in die Harmonie und in die Liebe kamen. Denn die Liebe ist das Wichtigste in einer Beziehung. Und auch unter den Menschen insgesamt. Was nützt aller Reichtum der Welt, wenn keine Liebe unter den Menschen ist? Liebe kann man erzeugen, wenn man die richtigen spirituellen Techniken kennt. Das ist die hohe Kunst des Zauberns. Mögen alle Hexen und Zauberer diese Kunst beherrschen. Die Hexe und der Zauberer haben sich deshalb vorgenommen, ihr Wissen an die Welt weiterzugeben. Zwar sind sie selbst noch nicht perfekt, aber Perfektion ist langweilig. Das Lachen ist dort, wo man auch über die eigenen Fehler lachen kann.

2. Der schüchterne Yogi

 Es war einmal ein Yogi, der war sehr schüchtern. Wenn er auf andere Menschen traf, dann traute er sich meistens nicht etwas zu sagen. Er blieb lieber in seiner Ruhe. Andere Menschen waren oft aggressiv. Sie hatten eine andere Meinung als der schüchterne Yogi. Das brachte sein Energiesystem leicht durcheinander. Er verlor seinen inneren Frieden und sein Glück. Ängste traten auf. Der Yogi fühlte sich klein und minderwertig.

Diese Minderwertigkeitskomplexe kamen bereits aus seiner Kindheit. Für seine Mutter war er nie gut genug. Sie konnte ihn nicht lieben, weil er ihren hohen Ansprüchen nicht genügte. Letztlich hatte sie viele Verletzung in sich selbst. Sie war in der Zeit des Nationalsozialismus groß geworden. Dort ging man sehr unsensibel mit den Menschen um. Es hieß, dass nur die Starken überlegen. Schwache und andersartige Menschen wurden isoliert und getötet. Und dann kam der Krieg. Das verstärkte noch die Ängste in der Mutter. Und diese Ängste gab sie alle an ihren Sohn weiter.

Und später in der Schule wurde es noch schlimmer. Nils blieb körperlich klein. Er wuchs nicht so schnell wie die anderen Jungen. Deshalb verachtete sie ihn. Und die Mädchen auch. Sie liebten nur die starken Jungs. Nils befreundete sich dann mit einer Gruppe von Mickerlingen. Das waren Jungs, die irgendwie anders und sozial nicht anerkannt waren.

Nils versuchte seine Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden. Er studierte an der Universität und wurde Mitglied im sozialistischen Hochschulbund. Dort machte er Karriere und stieg in die oberen Ränge auf. Er wurde Vorsitzender und alle Sozialisten lauschten andächtig seinen Worten. Auch beruflich war er erfolgreich. Und plötzlich klappte es auch mit den Frauen. Nils bekam eine schöne Frau und einen kleinen Sohn.

Aber nichts währt ewig. Nach zwölf Jahren zerbrach die Beziehung. Er gab sein politische Karriere und seinen Beruf als Rechtsanwalt auf. Und zog in ein kleines Haus im Wald, dass er von seinen Großeltern geerbt hatte. Sein Leben änderte sich völlig. Nils interessierte sich für Psychologie, Philosophie und Spiritualität, machte eine Ausbildung aus Psychotherapeut und wurde Yogalehrer.

Er machte jeden Tag seine Yogaübungen, meditierte viel und brach nach vier Jahren zur Erleuchtung durch. In der Erleuchtung erkannte er, dass alles so richtig ist, wie es ist. Es ist auch richtig, ein Mickerling zu sein, nicht perfekt zu sein und schüchtern zu sein. Diese Erkenntnis war die große Befreiung. Er konnte seine Minderwerigkeitskomplexe dadurch weitgehend loslassen. Durch die Erleuchtung hatte sich in ihm etwas gelöst.

Aber etwas blieb die Schüchternheit. Zum Glück fand er eine nette Frau, die gar nicht schüchtern war. Sie hieß Barbara und war sehr selbstbewusst. Zusammen waren sie ein gutes Team. Nils war der ruhige und freundliche. Und Barbara war die Powerfrau, die die Dinge in die Hand nahm. Sie hatte tausend Ideen und die Kraft sie alle umzusetzen. So kam viel Aktion in das ruhige Leben des schüchternen Yogis.

Am meisten liebte es Barbara sich mit Nils zu streiten. Jeder wollte der größte spirituelle Lehrer sein. Sie hatten teilweise auch unterschiedliche Ansichten. Aber sie fanden immer wieder einen gemeinsamen guten Weg, weil die Liebe das Wichtigste im Leben ist. 

3. Der große Schatz

Es war einmal ein junger Mann, der stand ganz am Anfang seines Lebens. Er fragte sich, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Alle Möglichkeiten lagen vor ihm. Er war gesund, klug und hatte etwas Geld. Er hatte gerade sein Abitur gemacht. Viele Jahre anstrengenden Lernens lagen hinter ihm.

Deshalb wollte der junge Mann als erstes das Leben genießen. Von Hamburg aus trampte er über die Autobahn nach Süd-Frankreich. In Marseille traf er in der Jugendherberge eine junge Frau. Da erkannte er, dass das Leben zu zweit viel mehr Spaß bringt. Sie trampten zusammen an der Cote Azure entlang bis nach Monacco. Es war eine schöne Zeit. Sie hatten viel Spaß und lachten viel. Aber in Montecalo trennten sich ihre Wege. 

Der junge Mann besuchte das Spielcasino in Monte Carlo. Dort saß er an einem große Spieltisch mit vielen reichen Menschen. Da er nicht viel Geld besaß, war sein Geld schnell verspielt. Da erkannte er, dass das Glück in der Liebe und im Spiel nicht lange anhält. 

Wo war das Glück zu finden, dass er suchte? Welches Glück suchte er überhaupt? Auf einem Aprikosenfeld in Italien bekam er von dem Bauern eine Aprikose geschenkt. Wie kostlich war diese eine Aprikose? Die Sonne schien, die Luft war warm und im Gras zirpten die Zikaden. Der junge Mann saß im Gras und genoss das Leben. Ihm wurde klar, dass das Glück in den kleinen Dingen zu finden ist. Oder besser in einer bescheidenen Geisteshaltung. Wer mit wenig zufrieden ist, der ist meistens zufrieden. 

Auf der Rückfahrt nahmen ihn zwei schöne Mädels in ihrem Caprio von Italien bis nach Deutschland mit. Wie schön war das denn? Gibt es einen größeren Traum für einen jungen Mann? Die Bescheidenheit war vergessen. Jetzt wollte der junge Mann das Leben in vollen Zügen genießen. Er war auf den Geschmack gekommen. 

Er zog in eine kleine Wohngemeinschaft mit zwei Freunden und begann zu studieren. Er studierte alles, wozu er Lust hatte. Er hatte einen großen Wissensdurst. Was sagten die großen Denker der Welt über den Sinn des Lebens? Was hatten sie herausgefunden? Der junge Mann beschäftigte sich mit dem griechischen Weisen Sokrates, dem Begründer der westlichen Philosophie. Er las Epiktet, Seneca und Epikur.

Sokrates hatte nur die Frage nach der Wahrheit gestellt. Aber Epikur gab die Antwort. Seine Philosophie war die Lehre vom inneren Glück. Ein Mensch sollte an seinen Gedanken arbeiten, positiv denken, inneren Frieden finden und ein bescheidenes Leben, am besten mit einigen guten Freunden, führen. Er sollte philosophieren und beständig über den Sinn des Lebens nachdenken. Er sollte für das Glück aller Wesen wirken. Er sollte sich aus der Politik heraushalten. So würde das Leben am besten gelingen. 

Epikurs Philosophie entsprach dem Lebensstil und den Erfahrungen des jungen Mannes. Auch er lebte mit einigen Freunden auf einem Gartengrundstück am Rande einer großen Stadt. Auch er philosophierte gerne und unterhielt sich mit seinen Freunden über das Leben. Den tieferen Sinn fanden die drei Freunde allerdings in den Frauen, im Sex und in Liebesbeziehungen. Da unterschieden sie sich etwas von Epikur. Epikur hatte es bevorzugt alleine zu leben. Er war nicht grundsätzlich gegen Beziehungen, aber meinte, dass man aufpassen muss, dass sie nicht mehr schaden als nützen. So weise war der junge Mann damals noch nicht. 

Auch einen weiteren Rat von Epikur beherzigte er nicht. Er stürzte sich in die Politik. Damals war an den Universitäten politisch viel los. Es war die Zeit der 68iger. Es gab ständig Diskussionen, Demonstrationen und wilde Parties. Sex and Drugs and Rock n Roll. 

Von Drogen hielt der junge Mann nicht viel. Er hatte mal etwas Haschisch geraucht. Aber es war nicht sein Weg. Er interessierte sich eher für die Rettung der Welt. Drogen machten träge und passiv. Und außerdem schadeten sie der Gesundheit. Seine Eltern waren große Anhänger einer gesunden Ernährung. Bereits als Kind hatte er jeden Tag sein Müsli gegessen. Von daher passte es nicht jetzt in den Drogensumpf abzugleiten. Er wollte lieber lange, gesund und glücklich leben.

Auch die freie Liebe war nicht sein Ding. Sein erste Freundin war eine heiße Studentin. Leider war sie zu heiß. Sie ging mit vielen Männern ins Bett. Das tat dem jungen Mann im Herzen weh. Das wollte er nicht. Also suchte er sich in Zukunft nur eine Frau, die ihm auch treu war. 

Die fand sich auch bald. Der junge Mann arbeitete als Schilehrer in der Studentenorganisation. Er reiste in einem großen Bus von Hamburg aus nach Österreich in die schneebedeckten Berge. Es waren dort auch viele junge Frauen im Bus. Und natürlich verliebte sich sofort eine junge Frau in den attraktiven jungen Schilehrer, der so klug reden konnte und gleichzeitig auch viel Humor hatte. Auf einer Apres Ski Party kam es dann zum ersten Kuss.

Und ein halbes Jahr später zogen sie zusammen. Leider hatte der junge Mann nicht viel Zeit. Er war jetzt voll in die Politik eingestiegen, besuchte ständig irgendwelche Sitzungen, verteilte Flugblätter, hielt politische Reden und nahm an Demonstrationen teil. Und nebenbei studierte er auch noch und bestand erfolgreich sein Examen. 

Nach dem Examen tauchte plötzlich wieder die Frage nach dem tieferen Sinn des Lebens auf. Wie sollte der junge Mann, der jetzt nicht mehr ganz so jung war, sein weiteres Leben gestalten? Die Beziehung mit der Frau war inzwischen nicht mehr ganz so glücklich. Sie hatten ein Kind bekommen und als junge Eltern viel Streit und Stress. Sie lebten sich langsam auseinander. 

Da traf der junge Mann auf den indischen Weisen Buddha. Buddha meinte, dass der tiefere Sinn des Lebens die Erleuchtung, die Befreiung vom Leid des Lebens sei. Das äußere Leben auf der Erde sei überwiegend Leid. Aber man könnte sich befreien. Man könnte sein Ego loslassen und im Nirwana leben. Nirwana sei das höchste Glück. Erleuchtung die große Befreiung. Dazu müsste man am besten als Mönch oder als abgeschiedener Yogi leben und viel meditieren. 

Der junge Mann hatte keine Lust ein Mönch zu werden. Auf Beziehungen und Sex wollte er nicht verzichten. Aber die Idee, als freier Yogi zu leben, gefiel ihm. Er trennte sich von seiner Frau, wurde Yogalehrer und zog in sein kleines Haus im Wald, in dem er bereits als Student mit seinen Freunden gelebt hatte. Er meditierte jeden Tag zehn Stunden und brach eines Tages zur Erleuchtung durch. Da erkannte er, dass Buddha recht hatte und dass die Erleuchtung der große Schatz im Leben war. Das Glück der Erleuchtung überstieg bei weitem alles bisher erfahrerne Glück. Gleichzeitig verschwanden alle Ängste und er lebte in einem tiefen Frieden. Das war für ihn die beste Art sein Leben zu leben. Er lebte im erleuchteten  Sein. 

Aber nach dreißig Jahren als Yogi wurde ihm dann doch etwas langweilig. Er suchte sich eine Frau und genoß die Gemeinsamkeit. Allerdings hatte ihn seine Zeit in der Politik doch etwas geprägt. Er wünschte immer noch eine Welt der Liebe, des Friedens und des allgemeinen Glücks. Deshalb wählte er für sich den Weg des engagierte Buddhismus. Er versuchte auf seine Art den Menschen auf der Welt zu helfen. Da er inzwischen gelernt hatte mit einem Computer umzugehen, gründete er einige Gruppe in Facebook und postete dort kleine Geschichten, die das Herz erfreuen und die Weisheit verbreiten. 

4. Der kleine Weltretter

Die Weltgemeinschaft hat beschlossen, den Hunger auf der Welt bis 2030 auszurotten. Tatsächlich nehmen die Probleme auf der Welt immer mehr zu. Es gibt immer mehr Kriege. Es droht sogar ein großer Krieg zwischen den USA und China. Die Klimakatastrophe führt zu immer mehr Waldbränden, Wüstengebieten und Überschwemmung. Man schätzt, dass eine halbe Milliarde Menschen dadurch ihre Heimat verlieren werden.

Jedes Jahr sterben etwa 30 bis 40 Millionen Menschen auf der Welt an Hunger, vorwiegend Frauen und Kinder. Über 800 Millionen Menschen, also fast jeder siebte Mensch auf der Erde, leidet an Unter- und Mangelernährung. Und gleichzeitig gibt es so viel Reichtum auf der Welt, dass kein Mensch hungern müsste. Es gibt Nahrung im Überfluss. In den reichen Industrieländern wird Essen in großem Stil weggeworfen. Für die Fleischproduktion wird etwa ein Drittel der weltweiten Getreideernte verbraucht. Die reichen Menschen der Welt leben im Luxus, während die Armen verhungern, ausgebeutet und unterdrückt werden. Die Welt nähert sich dem Abgrund. Wenn wir so weitermachen, ist die Erde bald nicht mehr von Menschen bewohnbar. Die Welt muss gerettet werden. Aber wie soll das geschehen?

Mit solchen Gedanken wachte der kleine Weltretter heute morgen auf. Da fiel ihm die Geschichte vom kleinen Kolibri ein. Das Märchen stammt aus Afrika. Der Kolibri ist ein kleiner Vogel, der sich wie ein Biene vom Honig der Blüten ernährt. Dazu kann er mit seinen Flügeln in der Luft flattern, so dass er auf der Stelle in der Luft vor der Blume stehen bleibt.

Unser Kolibri flog also in Afrika durch den Wald auf der Suche nach schönen Blumen. Da bemerkte er plötzlich, dass der Wald zu brennen anfing. Bei einem Gewitter war ein Blitz in den Wald eingeschlagen. Aufgeregt rief er zu den anderen Tieren, dass der Waldbrand gelöscht werden muss. Aber die anderen Tiere wollten nur sich selbst in Sicherheit bringen. Sie glaubten nicht daran, dass es ihnen möglich war den Waldbrand zu löschen.

Der kleine Kolibri dachte: „Dann muss ich es alleine tun.“ Er nahm eine Blüte, flog zum großen Fluss und schöpfte damit etwas Wasser. Das brachte er zur Brandstelle und goss es in die Flammen. Das bewirkte natürlich nicht viel. Aber als die anderen Tiere den Mut des kleinen Kolibris sahen, nahmen sie ihn sich zum Vorbild. Jeder bemühte sich auf seine Weise zur Löschung des Feuers beizutragen. Sie versuchten das Unmögliche. Und gemeinsam gelang es ihnen.

Der kleine Kolibri hatte mit der Weltrettung begonnen. Das führte dazu, dass auch die großen Tiere aus ihrer Trägheit erwachten. Und als die Elefanten mit ihren Rüsseln Wasser sprühten und mit ihren Füssen die Flammen austraten, da war das Feuer schnell gelöscht. Es konnte gelöscht werden, weil der Kolibri rechtzeitig die Gefahr erkannte und die anderen Tiere gewarnt und zu einem gemeinsamen Handeln gebracht hatte.

So kann auch die Welt gerettet werden. Es gibt viele gute Menschen auf der Welt. Wenn sie sich auf die Kraft der Liebe besinnen und positiv zusammenwirken, dann kann das Unmögliche möglich werden. Es ist möglich den Hunger auf der Welt zu überwinden. Es ist möglich die Luftverschmutzung zu reduzieren und die Wälder wieder aufzuforsten. Es ist möglich die Kriege auf der Welt zu beenden, wenn die Weltgemeinschaft sich zu einer aktiven Friedenspolitik durchringt. Jeder einzelne von uns kann in seinem Lebensbereich dazu beitragen. Jeder einzelne von uns kann zu einem Weltretter werden und die Welt zu einem glücklichen Ort machen.

5. Der Sohn des Zauberers

Der alte Zauberer hat einen Sohn. Vor etwa vierzig Jahre lebte der alte Zauberer in der großen Stadt. Dort traf er eine junge Frau und sie verliebten sich ineinander. Damals war der Zauberer noch jung und schön. Er brauchte nicht viel zu zaubern, damit die Frau ihr Herz für ihn entdeckte. Obwohl er auch schon damals ein guter Zauberer war. Nachdem er es am Anfang seines Lebens schwer mit dem Zaubern hatte, zwang ihn das Leben intensiv zu üben, bis er langsam immer erfolgreicher wurde.

Die Beiden zogen zusammen und bekamen nach einigen Jahren ein Kind. Sie waren sehr glücklich über ihr Kind. Sie zogen es gemeinsam auf. Die Frau arbeitete vormittags in der Hexenschule und der Zauberer betreute in dieser Zeit das Kind. Er wechselte die Windeln, gab ihm zu essen, ging mit ihm spazieren und spielte mit ihm auf dem Spielplatz. Dann kam die Frau, übernahm das Kind und der Zauberer hatte Zeit für seine Zauberarbeit. Jeden Abend brachte der Zauberer seinen Sohn ins Bett und erzählte ihm eine lange Geschichte. Deshalb ging der Sohn immer gerne ins Bett. Der Zauberer las die alten deutschen Märchen und berichtete dann seinem Sohn davon. Er entdeckte, dass in den alten deutschen Volksmärchen ein tiefer spiritueller Kern verborgen war.

Die Kultur der alten Germanen war mit der Vernichtung durch die Römer und die Christen untergegangen. Die Römer hatten alle Zauberer getötet und die Christen hatten die Germanen zwangschristianisiert. Bis ins fünfzehnte Jahrhundert wurde dann das spirituelle Wissen auf die weisen Frauen übertragen, die zugleich Heilerinnen und spirituelle Lehrerinnen waren. Doch dann kamen die Hexenverbrennungen und die Kultur der weisen Frauen verschwand. Es bliebt fast nichts von der alten deutschen Kultur übrig, weil das Wissen nur mündlich übertragen worden war.

Zum Glück liebten die alten Germanen das Geschichtenerzählen. Sie verpackten ihr spirituelles Wissen in spannende Märchen, die dann von Generation zu Generation vor allem im ländlichen Bereich weitererzählt wurde. Diese Märchen wurden gerade noch rechtzeitig von den Brüdern Grimm gesammelt. Sie wussten, dass in den Märchen ein geheimes Wissen versteckt war. Aber sie konnten es nicht entschlüsseln. Nur für Eingeweihte ist das tiefe Wissen zu erkennen.

Die Einweihung konnte auch durch das Leben selbst geschehen. Wer eine Erleuchtungserfahrung hat und sich intensiv mit den deutschen Volksmärchen beschäftigt, kann sie mit etwas Intuition und klarem Verstand entschlüsseln.

Der damals noch junge alte Zauberer war gerade durch seine Meister aus dem Jenseits auf den spirituellen Weg geführt worden. Er hatte seine ersten Erleuchtungserfahrungen gemacht und sich gründlich mit der Spiritualität beschäftigt. Es war ihm ein Leichtes das tiefe spirituelle Wissen in den Märchen zu entschlüsseln. Es brachte ihm sogar großen Spaß ein spirituelles Rätsel nach dem anderen zu lösen. Im Laufe der Zeit breitete sich das ganze spirituelle Wissen der alten Germanen vor ihm aus.

Es half ihm sich auf seinem eigenen spirituellen Weg zurecht zu finden. Die germanischen Priester lehrten es eine Zeitlang zurückgezogen als Eremit oder Eremitin im Wald zu leben. Dadurch konnte der Zauberlehrling Abstand von den weltlichen Energien gewinnen, in sich zur Ruhe kommen und spirituelle Energie aufbauen. Er sollte beständig an seinen Gedanken arbeiten, den Weg des Gute gehen und positiv denken. Meistens gab es auf dem spirituellen Weg eine Prüfung, wo er sich zwischen Gut und Böse entscheiden musste. Und er musste es lernen, nicht auf die Intrigen der bösen Mächte der Welt hereinzufallen, sondern immer konsequent auf seinem spirituellen Weg zu bleiben. Er brauchte Weisheit, Liebe und Ausdauer. Dann konnte er zur Erleuchtung, zur mystischen Hochzeit mit der Königstocher, gelangen und selbst ein spiritueller Meister (König) werden.

Eigentlich ähneln die Grundsätze dem Wissen, was in allen Religionen gelehrt wird. Gedankenarbeit und Meditation sind der Weg der inneren Heilung und Erleuchtung. Bei der Meditation hatten die Germanen einen Sonderweg, den Runen-Yoga. Die Runen-Zeichen hatten sie zum Glück in Stein gemeißelt. So konnten sie die Zeiten überdauern. Die Runen-Zeichen sind Energiestellungen, durch die man kosmische Energie aufnehmen und die Kundalini-Energie in sich zum Fließen bringen kann. Man muss diese Zeichen nur mit seinem Körper nachbilden, den Namen der jeweiligen Rune als Mantra denken und nach einiger Zeit spürt man den spirituellen Effekt.

Als sein Sohn sieben Jahre alt war, trennte sich der Zauberer von der Frau und zog in seine Hütte im Wald. Er besuchte regelmäßig seinen Sohn in der Stadt und gab ihm sein spirituelles Wissen weiter. Der Sohn studierte dann später sogar Psychologie und machte eine Ausbildung als Yogalehrer. Vater und Sohn waren immer eng verbunden.

Aber dann verlor der Sohn seinen spirituellen Weg. Das war notwendig, damit er seinen eigenen Weg finden konnte. Im Moment sucht er noch seinen Weg. Aber der alte Zauberer ist sicher, dass sein Sohn eines Tages in seine Fußstapfen tritt und auch ein großer Zauberer wird. Alles im Kosmos hat seine Zeit. Zu gegebener Zeit werden dem Sohn die Augen aufgehen, er wird die spirituelle Energie spüren können und erkennen, dass der tiefere Sinn des Lebens einzig und allein in der Erleuchtung, im inneren Glück und in der Liebe liegt.

Video Runen-Yoga

6. Die Kristallkugel

 Die Kristallkugel ist das wichtigste spirituelle Märchen der Gebrüder Grimm. Es zeigt uns den Weg der Erleuchtung. Der Sohn einer Zauberin, also einer weisen Frau, fragt seine innere Stimme nach dem Weg der Erleuchtung. Seine innere Stimme rät ihm sich in einen großen Wald, also in die Abgeschiedenheit von der Welt, zu begeben und dort zu meditieren. 

Als Meditation wählt er die Technik des Wunschhutes. Er visualisiert einen Hut auf seinem Kopf und aktiviert so sein Scheitelchakra. Er meditiert so lange auf den Hut, bis sein Geist zur Ruhe kommt. Er kämpft mit seinen Gedanken, den Riesen in sich. Er besiegt sein Ego, den Auerochsen in seinem Inneren. Er läßt alle Anhaftung und Ablehnung an die Welt los. Er streckt wie Buddha die Hand zur Erde und plötzlich öffnet sich das Wurzelchakra (Erdchakra) und die Kundalini-Energie beginnt in ihm zu fließen. Sie steigt wie ein feuriger Vogel in ihm nach oben bis in den Kopf. 

Dort verwandelt sie sein Bewusstsein. In dem Märchen heißt es, dass der Feuervogel in sich ein glühendes Ei trägt, in dem sich die Kristallkugel befindet. Die Kundalini-Energie, das glühende Ei, verbrennt in seinem Kopf alle Anhaftungen an die Welt. Es löst alle Verspannungen im Kopf. Dadurch wird der Geist frei. Er kann plötzlich die Dinge sehen wie sie wirklich sind.

Die Welt verwandelt sich in eine Kristallkugel. Der Sohn der Zauberin erlangt eine ganzheitliche Weltsicht, ein Einheitsbewusstsein. Er erkennt die Welt als ein Reines Land. Alles ist richtig so wie es ist. Er kann plötzlich die Schönheit der Welt sehen. Sein Geist konzentriert sich automatisch auf das Positive. Wir können es so verstehen, dass durch die Kundalini-Energie in ihm Glück, Liebe und Frieden sind. Er betrachtet die Welt und seine Mitmenschen durch die Augen der Liebe. Er hat das Licht in sich und sieht dadurch das Licht in der Welt.

Er bekommt ein Paradiesbewusstsein. Und dadurch kann er die Schönheit der Königstochter im Schloss der goldenen Sonne erkennen. Bei dem ersten Treffen mit der Königstochter empfand er sie als hässlich, weil sein Geist sich auf das Nichtperfekte konzentrierte. Jetzt empfindet er durch seine Erleuchtungsenergie die Königstochter als sehr schön. Er verliebt sich in sie und beide heiraten. Die Heirat symbolisiert die mystische Hochzeit, die Vereinigung von Shiva und Shakti, die Vereinigung von Gott und Mensch, von Individuum und Natur. Der Sohn der weisen Frau wird zu einem Erleuchteten, einem Buddha, einem Heiligen. Er hat das Göttliche in sich, seine Buddha-Natur verwirklicht. 

Das gelang ihm durch die Arbeit mit seiner inneren Energie. Er musste es lernen, seine Chakren zu aktivieren, seine Energie zu lenken und positiv damit umzugehen, damit sie ihn nicht zerstört. Im Märchen wird gesagt, dass er zu einem Adler wurde, der verhinderte, dass ihm die Energie (der Feuervogel) davon fliegt. Und er wurde zu einem Wahlfisch und löschte das Feuer, als das feurige Ei seine Fischerhütte, also seinen Körper (seinen Verstand), zu verbrennen drohte. 

In dem Schloss der goldenen Sonne (in der Welt) wohnt der böse Zauberer, Maya, die Täuschung, die Unweisheit. Der Sohn der weisen Frau zeigte dem großen Verwirrer die Kristallkugel. Er praktizierte Yoga, Meditation und Gedankenarbeit. Dadurch nahm er dem Zauberer die Macht. Er befreite sich und die Welt. Er gelangte vom Samsara ins Nirwana. Er kam von der Dunkelheit ins Licht. Er wurde zum König im Schloss der goldenen Sonne (zu einem Buddha, zu einem erleuchteten Meister). 

7. Der Königssohn und der Tod

 Der Königssohn und der Tod ist ein altes Märchen aus Frankreich. Ich erzähle es in etwas veränderter Form nach. Es war einmal ein Königssohn, der war sehr klug. Er reiste viel, studierte viel und las alle weisen Bücher seiner Zeit. Als er dreißig Jahre alt war, besaß er ein großes Wissen. 

Da traf er auf den Tod. Er traf auf einen Menschen, der krank war, durch eine Zeit des großen Leidens hindurchging und dann starb. Dieser Mensch war sein Vater, der alte König. Und kurz darauf starb auch seine Mutter, die Königin. Sie konnte den Kummer nicht ertragen, dass ihr geliebter Mann nicht mehr an ihrer Seite war. Sie starb an gebrochenem Herzen. 

Bis dahin wusste der Prinz zwar, dass es den Tod gab. Er wusste, dass alle Menschen eines Tages sterben mussten. Aber dieses Wissen hatte ihn nicht weiter berührt. Es hatte scheinbar mit ihm persönlich nichts zu tun. Jetzt änderte sich die Situation. Der Prinz trauerte über den Verlust seiner Mutter und seines Vaters. Ihm wurde drastisch klar, dass auch er eines Tages krank werden, sehr leiden und dann sterben müsste. Mit diesem Wissen konnte er trotz seiner großen Weisheit nicht umgehen. 

Er konnte sich nicht mehr am Leben erfreuen, weil er wusste, dass eines Tages alles zu Ende ist. Das Leben erschien ihm sinnlos, weil es so vergänglich war. Der Tod konnte jederzeit jeden Menschen treffen. Wie sollte er leben, wenn er doch bereits am nächsten Tag tot sein konnte? Sollte er sich in das weltliche Vergnügen stürzen und jeden Tag des Lebens soweit wie möglich genießen?

Das tat er eine Zeitlang. Aber dann merkte er, dass er doch nur dabei war die Tatsache des Todes zu verdrängen. In seinem Unterbewusstsein schlummerte weiter die Angst vor dem Tod und schränkte seine Lebensfreude in der Tiefe seiner Seele ein. Ihm fehlte die tiefe Gelassenheit, die unbeschwerte Lebensfreude seiner Kindheit.

Als nächstes beschloss er die Angst vor dem Tod dadurch zu überwinden, dass er an das Paradies im Jenseits nach dem Tod glaubte. Das beruhigte ihn etwas. Er würde nicht sterben, sondern in größerem Glück weiterleben. Aber alle Weisen seiner Zeit erklärte ihm, dass es nicht sicher sei, ob es überhaupt ein Leben nach dem Tod gibt. Und selbst wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, wie könne er sicher sein, dass er ins Paradies aufsteigen würde? Es könne auch sein, dass er nach seinem Tod in einem Höllenbereich lande oder als wildes Tier wiedergeboren werde.

Der Königssohn suchte Sicherheit. Deshalb ging er zu einem erleuchteten Meister, der die Dimension von Leben und Tod bereits überwunden hatte. Der Meister lebte abseits aller Menschen in einer kleinen Hütte in den Bergen. Er war schon sehr alt und sah bereits aus wie der Tod. Der Tod würde auch ihn bald holen. Aber dem Meister machte das scheinbar nichts aus. Er wirkte in sich glücklich, gelassen und heiter. Er hatte das Licht in sich und strahlte Licht aus. In seiner Gegenwart war man glücklich und vergaß alle seine Sorgen.

So wollte der Königssohn auch werden. Er bat den Meister deshalb sein Schüler werden zu dürfen. Der Meister war damit einverstanden unter der Bedingung, dass er drei Jahre mit ihm in der Hütte leben müsste. Damit war der Königssohn einverstanden. Er übergab sein Königreich einem Verwalter und zog zu dem Meister in die Hütte.

Da saß er nun drei Jahre neben dem Meister in der Hütte. Es gab nichts zu tun. Sie schwiegen einfach nur. Das wurde dem Königssohn schon nach ein paar Tagen langweilig. Aber da er versprochen hatte drei Jahre durchzuhalten, hielt er sich auch an sein Versprechen. Der Geist des Königssohn kam zur Ruhe und die Langeweile verschwand. In ihm entstanden Frieden und Glück. 

Aber irgendwie quälte ihn der Gedanke an den Tod weiterhin. Da empfahl ihm sein Meister direkt auf die Tatsache des Todes zu meditieren. Er sollte den Gedanken an den Tod und an das zukünftige Leid nicht verdrängen, sondern hineingehen und hindurch gehen. Das tat der Königssohn. Es tauchten alle Ängste vor dem Tod in ihm auf. Es tauchte die Trauer über den Verlust seiner Eltern auf. Es tauchte das Gefühl auf, dass das Leben sinnlos sei.

Zum Schluss tauchte sein Ego auf. Sein Ego wollte die Dinge nicht so annehmen wie sie sind. Es wollte nicht die Tatsache von Tod, Vergänglichkeit und Leiden akzeptieren. Aber der Königssohn blieb eisern auf seinem Weg, meditierte immer weiter und das Ego löste sich auf. Er wurde eins mit allem und auch mit dem Tod. Leben und Tod waren keine Gegensätze mehr. Alles war genauso richtig wie es war. Alles war irgendwie glücklich und gut.

Jetzt saß der Königssohn einfach nur noch glücklich neben seinem Meister. Sie machten jeden Tag einen Spaziergang, kochten sich ihr Essen, lachten über kleine Scherze und saßen ansonsten einfach nur schweigend in der Meditation. Durch die spirituelle Energie des Meisters lösten sich im Laufe der Zeit alle inneren Verspannungen und Energieblockaden im Königssohn auf. Er brauchte dazu einfach nur in der Gegenwart des Meisters zu leben. Das genügte.

Nach drei Jahren erwachte das Licht auch in dem Königssohn. Er hatte jetzt das Licht in sich und strahlte Licht aus. Dazu war nicht mehr die Gegenwart des Meisters notwendig. Deshalb ging er zurück in sein Königreich. Er wurde zum König gekrönt, heiratete eine schöne Prinzessin und lebte glücklich bis an sein Lebensende. Durch sein Licht konnte er auch seine Mitmenschen glücklich machen, ihnen Frieden schenken und sie von vielen Krankheiten heilen. 

Eines Tages kam sein Meister zu Besuch. Er sah jetzt schon sehr alt und tot aus. Sein Anblick erinnerte den jungen König daran, dass auch er eines Tages sterben würde. Er erinnerte ihn daran, demütig zu sein und das Leben zu achten. Wenn er als guter Mensch leben würde, dann würde er sicherlich nach dem Tod ins Paradies kommen, wenn es ein Paradies im Jenseits geben würde. 

Das waren die letzten Worte des Meisters. Dann setze sich der Meister auf seinen Platz an der Königstafel, richtete seine Augen zum Himmel, tat seinen letzten Atemzug und starb. Und alle spürten, dass der alte Meister weiterhin in seiner energetischen Präsenz bei ihnen anwesend war. Da wusste der junge König, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass der Weg der Erleuchtung der Weg ins Paradies ist. Er verband sich jeden Tag geistig mit seinem Meister, meditierte und widmete sein Leben dem Glück und der Erleuchtung aller Wesen. So blieb sein Leben immer ein Weg des Lichts. Frieden, Liebe und Glück waren immer mit ihm. 

8. Von der Hure zur Heiligen

 Eine meiner Bekannten ist eine Prostituierte. Vor vielen Jahren rief sie mich an und bat mich ihr zu helfen. Sie hatte erkannt, dass ihr Leben als Prostituierte mit viel Leid verbunden war. Sie hatte erkannt, dass es überwiegend ein Leidweg ist. Zwar brachte ihr der Sex mit den vielen Freiern auch Spaß. Und das viele Geld reizte sie auch. Sie konnte sich alles kaufen, was sie sich wünschte. 

Aber im Laufe der Jahre wurde sie älter und die Konkurrenz auf dem Sexmarkt nahm zu. War sie vorher eine Edelprostituierte gewesen, so konnte sie jetzt viel Geld nur noch in der Sadomaso-Szene verdienen. Dort wurde sie teilweise sehr erniedrigt. Das brachte das Faß zum Überlaufen und sie beschloss aus dem Sexgeschäft auszusteigen. Sie bat mich ihr dabei zu helfen. 

Der Ausstieg erwies sich als schwieriger als gedacht. Ihr Zuhälter war mit dem ganzen angesparten Geld verschwunden, von dem sie sich ein gutes Lebensalter ermöglichen wollte. Das Arbeitsamt gab ihr zwar etwas Geld zum Leben und für Umschulungen, aber es war doch sehr wenig im Verhältnis zu dem, was sie vorher verdient hatte.

Und vor allem tauchten jetzt ihr ganzen Süchte und Anhaftungen auf, die sie jahrelang gepflegt hatte. Als erstes musste sie ihre Kaufsucht überwinden, weil sie jetzt das Geld zum Leben brauchte. Als nächstes musste sie ihre Sexsucht besiegen. Sie versuchte eine Beziehung zu einem normalen Mann aufzubauen, was ihr aber nicht gelang. Stattdessen tauchten ständig Freier aus der Sadomaso-Szene bei ihr auf und lockten sie mit Geld und Sex-Energien. Es dauerte einige Jahre, bis sie davon frei wurde. 

Dann wurde sie von ständigen Krankheiten heimgesucht, die ihre Ursache in dem früheren extremen Sex hatten. Dadurch hatte sie ihre Psyche überfordert und das rächte sich jetzt. Sie wurde nie wieder richtig gesund. Und dadurch war sie auch nicht fähig in einem anderen Job zu arbeiten. Alle Jobs, die ihr das Arbeitsamt vermittelte, gab sie nach kurzer Zeit auf.

So blieb ihr nur in ihrer kleinen Wohnung zu leben, mit ihrer Katze zu spielen und Netflix zu gucken. Die früheren Energien zerrten immer noch stark an ihr. Zwar konnte sie die Freier loslassen, dafür entwickelte sie aber eine Spielsucht. Mit Vorliebe spielte sie Mafiaspiele, bei denen sie der Mafiaboss war. 

Ich bemühte mich ihr als Perspektiven den Weg der Erleuchtung aufzuzeigen. Wenn sie ohnehin schon jahrelang alleine in ihrer Wohnung wie ein abgeschiedener Yogi lebte, dann konnte sie auch meditieren, an ihren Gedanken arbeiten und nach Erleuchtung streben. Ich entwickelte zusammen mit ihr einen spirituellen Tagesplan, den sie anfangs auch konsequent umsetzte. Aber es fehlte ihr die Selbstdiszplin zu einer intensiven spirituellen Praxis. Sie schaffte es nicht jeden Tag zehn Stunden oder mehr zu meditieren, wie ich es in meinen ersten Jahren als Yogi getan hatte. 

Sie rutschte immer wieder in altes Suchtverhalten ab. In der Tiefe konnte sie die Bedeutung des Erleuchtungsziels nicht begreifen. Ihre Psyche wehrte sich dagegen. Sie glaubte eher an den Weg des weltlichen Glücks. Deshalb war ihr Streben nach Erleuchtung nur halbherzig. 

Was sollte ich tun? Ich konnte sie nur so annehmen, wie sie war. Also entwickelte ich einen leichten spirituellen Weg über mehrere Leben für sie. Die Basis dieses Weges war es sich jeden Tag geistig mit einem spirituellen Vorbild zu verbinden. Am meisten glaubte meine Bekannte an den Dalai Lama. Also riet ich ihr sich jeden Tag mit dem Dalai Lama zu verbinden und seinen Namen als Mantra zu denken. 

Das hatte einen guten Effekt bei ihr. Da sie als Prostituierte über starke Energien verfügte, konnte sie durch die Mantra-Meditation die Energien umlenken und damit großes inneres Glück erzeugen. Dadurch war sie in der Lage jeden Tag einige Stunden zu meditieren. Diese Technik brachte sie spürbar auf ihrem Weg voran. 

Hilfreich war auch unser regelmäßiger telefonischer Kontakt. Dadurch konnte ich sie in Krisenzeiten immer wieder ermutigen und innerlich aufrichten. Ich war sozusagen ihre spirituelle Gruppe (Sangha), die sie auf dem spirituellen Weg hält. Wir werden sehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. 

9. Sex mit dem Guru

Eine Bekannte von mir war jahrelang die geheime Geliebte eines indischen Gurus. Der Guru war Mitglied einer großen Yoga-Organisation. In Deutschland gab er in einem Seminarzentrum regelmäßig Yogakurse. Meine Bekannte besuchte einen seiner Kurse und war begeistert von seiner spirituelle Ausstrahlung. Das spürte der Guru, weil er über die Fähigkeit des Energiegespürs verfügte. Er bat sie deshalb nach der Yogastunde zu einer Tasse Tee in sein Zimmer. Dort fielen sie übereinander her.

Sie war durchaus einverstanden damit verführt zu werden. Insofern könnte man sagen, dass es unproblematischer einverständlicher Sex war. Ein Problem bestand allerdings darin, dass aus gutem Grund in der Yoga-Organisation Sex zwischen Lehrern und Schülerinnen verboten war. Die Beziehung musste deshalb im Geheimen stattfinden.

Sex zwischen Lehrern und Schülern ist in der Spiritualität ein großes Problem. Oft führt es zu Missbrauch, wobei man meistens nicht genau abschätzen kann, wo der Missbrauch genau beginnt. Ein Grundproblem ist das Machtgefälle zwischen Lehrern und Schülerinnen. Dieses Problem kennen wir von der katholischen Kirche, die derzeit mit extrem vielen Missbrauchfällen belastet ist. Priester missbrauchen die ihnen anvertrauten Kinder. Nonnen werden von ihren geistlichen Betreuern zum Sex gezwungen. Argumentiert wird dabei oft mit dem Willen Gottes. Dem kann sich eine gottesfürchtige Nonne nur schwer entziehen. Sie wird durch den Priester in eine geistige Notlage gebracht.

Ähnlich ist es in der Spiritualität. Der Yoga-Meister verfügt über eine spirituelle Autorität und oft auch über besondere spirituelle Kräfte. Er kann diese Autorität und seine spirituellen Kräfte einsetzen, um eine Schülerin zum Sex zu bringen. Dann sieht es scheinbar freiwillig und einverständlich aus. In Wirklichkeit hat die Schülerin keinen freien Willen.

Allerdings habe ich es auch umgekehrt erlebt. Es gibt Frauen, die ihre sexuellen und Liebesenergien auf den spirituellen Lehrer richten. Dann kann ein Guru in ziemliche Probleme kommen. Eine andere Bekannte von mir hat mich einmal davor gewarnt. Sie meinte, dass Frauen gerne Gurus verführen, weil sie auf Alpha-Männchen stehen. Das sei ein genetisches Programm aus der Steinzeit. Frauen stehen biologisch auf das stärkste Männchen, damit sie starke Nachkommen erzeugen können.

Nach meiner Erfahrung ist da durchaus etwas dran. Das spirituelle Lehrer-Schülerinnen- Verhältnis ist ein wildes Gemisch aus unklaren Energien. Von den Schülerinnen kann man keine spirituelle Weisheit verlangen. Sie sind die Schülerinnen, die den Umgang mit Energien zu lernen haben. Es ist die Aufgabe eines spirituellen Lehrers mit diesen Energien verantwortlich umzugehen. Und natürlich scheitern viele spirituelle Lehrer im Yoga, Christentum und Buddhismus daran. Auch spirituelle Lehrer sind oft nicht perfekt.

Mein Meister lehrt die Grundsätze Treue, Wahrheit und Liebe. Ein spiritueller Lehrer darf eine Beziehung haben. Aber dann muss er das ehrlich kommunizieren, in der Wahrheit und Liebe leben und vor allem seiner Frau treu sein. Wenn beide den Grundsätzen Wahrheit, Liebe und Treue verpflichtet sind, dann kann eine sexuelle Beziehung zu einem spirituellen Wachstumsweg werden. Im Yoga und im Buddhismus gibt es den Tantraweg. Hier lernt man sexuelle Energien für den Weg der Erleuchtung zu nutzen.

Das gelingt aber nur, wenn man ehrlich zu einander ist. Sonst wird der Tantraweg leicht zu einem Egoweg, der im weltlichen Chaos endet. Ehrlichkeit bedeutet, dass man keine geheime Beziehung führt und andere Menschen täuscht. Das war im tibetischen Buddhismus ein Problem, wo viele Mönche ab einer bestimmten Stufe geheime Beziehungen haben durften. Eine westliche Frau berichtete, dass sie dadurch psychisch schwer geschädigt wurde. Oft wurden tibetische Meister in den USA von Frauen verklagt und mussten hohe Schadensersatzzahlungen erbringen. Gerade im Westen kommt sexueller Missbrauch meistens eines Tages ans Licht. Berühmte Yoga-Gurus wurden dadurch schon zu Fall gebracht. Zen-Meister verloren ihre Stellung. Katholische Bischöfe mussten große Abfindungszahlungen leisten.

In unserem Fall war nicht nur das Problem, dass der Guru seine Organisation hinterging. Er war auch verheiratet und hat seiner Frau seine Nebenbeziehung verschwiegen. Gegenüber meiner Bekannten argumentierte er, dass seine Frau keine Lust mehr auf Sex hatte. Das geht manchmal Frauen nach vielen Jahren Ehe so. Es ist aber nicht in Ordnung, dass der Mann sich dann eine geheime Geliebte holt. So wird das Vertrauen in der Beziehung zerstört. Spirituell beginnt der Weg in die Hölle.

Meine Bekannte liebte den Guru wirklich. Sie ging jahrelang zu seinen Kursen, um Sex mit ihm zu haben. In Wirklichkeit wünschte sie sich eine echte Liebesbeziehung. Aber der Guru wollte sich nicht von seiner Frau trennen. Ein Problem war auch die große Distanz zwischen ihren Wohnorten. Letztlich trennte sich dann meine Bekannte von dem Guru.

Sie ist eine starke Frau. Ich glaube nicht, dass die Beziehung sie geschädigt hat. Sie hat daraus gelernt und betrachtet es als ein großes Abenteuer in ihrem Leben. Das geht aber nicht allen Frauen so. Eine Frau berichtete mir auch von sexuellem Fehlverhalten ihres Gurus. Sie verlor dadurch ihr Vertrauen in die Spiritualität und konnte erst viele Jahre später ihre spirituellen Praxis wieder aufnehmen. Eine andere Frau empfand den Guru als ihre große Liebe. Als er sie wegen einer jüngeren Frau verließ, litt sie viele Jahre unter schweren Depressionen. Und eine dritte Frau wurde sexuell so abhängig von ihrem Guru, dass sie sich nicht aus der Beziehung befreien konnte. Eine Freundin von ihr bat mich um Rat. Aber was sollte ich ihr raten? Ich konnte ihr nicht helfen. Sie musste sich selbst helfen.

Meine Erfahrung ist, dass man bei allen sexuellen Energien genau hinsehen muss. Oft ist es eine Lösung nicht anzuhaften und sie einfach durch sich hindurch fließen zu lassen. Man muss sich immer wieder klar machen, dass nicht Sex der tiefere Sinn des Lebens ist, sondern die Erleuchtung und das Leben im Licht (im Nirwana). Nirwana bedeutet Anhaftungslosigkeit. Man ruht im erleuchteten Sein und ist glücklich aus sich selbst heraus. Ein Guru kann eine Beziehung haben. Aber dann sollte er es nicht aus dem Ego, sondern aus dem erleuchteten Sein heraus tun. Er sollte die Energien so lenken, dass Glück bei allen Beteiligten entsteht.

10. Das Wasser des Lebens

Es war einmal ein König, der war durch den Stress des Lebens krank geworden. Er litt in heutiger Sprache gesprochen an einem Burnout. Seine Lebensenergie war verbraucht. Er fühlte sich müde und lustlos. Das Leben brachte ihm keinen Spaß mehr. Und außerdem suchten ihn viele Krankheiten heim. Ein Burnout kann auch zu verschiedenen psychosomatischen Krankheiten führen. Der König hatte Kopfschmerzen, Asthma, Herzprobleme, Verdauungsstörungen und Schlafstörungen. Im Laufe der Jahre verschlechterte sich sein Zustand immer mehr und ihm drohte der frühzeitige Tod. 

Der König fragte seine Berater, was er tun könne. Ein weiser Arzt erklärte ihm, dass ihn das Wasser des Lebens heilen könne. Da der König bereits zu alt und krank war, schickte er seine beiden ältesten Söhne auf die Suche. Aber sie verirrten sich im Leben und fanden nicht den Weg zur Quelle. 

Als sie nicht zurück kamen, schickte der König seinen jüngsten Sohn los. Dieser Sohn hatte eine gutes Gespür für sich selbst und fragte seine innere Stimme nach dem Weg. Da erschien ihm ein kleines Männchen und erklärte ihm, dass in der Mitte des großen Waldes ein goldenes Schloss stehe. Im Schlosshof sei ein Brunnen, aus dem er das Wasser des Lebens schöpfen könne. Um in das Schloss zu gelangen, bräuchte er eine Rute und zwei Brote. Das gab ihm das kleine Männchen. 

Die Rute ist ein Symbol für die spirituellen Übungen, also für die Meditation, die Gedankenarbeit und bei den Germanen insbesondere für den Runen-Yoga. Damit kann man die inneren Verspannungen auflösen und die Lebensenergie zum Fließen bringen. Eines Tages gelangt man so zur Erleuchtung und es kommt zur mystischen Hochzeit, zur Vereinigung des eigenen Ichs mit dem kosmischen Bewusstsein. 

Der Königssohn ging in den großen Wald hinein und fand tatsächlich in der Mitte das goldene Schloss. Vor der Tür saßen zwei Löwen, die fütterte er mit den beiden Broten. Dann ließen sie ihn hinein. Er klopfte mit der Rute dreimal gegen die Schlosstür und sie öffnete sich. In der Mitte des Hofes befand sich der Brunnen mit der Quelle. Daneben saß schlafend eine schöne Prinzessin. 

Der Königssohn schöpfte mit seiner Wasserflasche Wassser aus dem Brunnen. Er gab auch der Prinzessin etwas zu trinken. Daraufhin erwachte sie. Sie schenkte ihm das Schwert der unbesiegbaren Kraft und das Brot, von dem man ewig essen kann. Sie küsste ihn und versprach ihm ihn zu heiraten, wenn er in einem Jahr wiederkommen würde.

Der Königssohn meditierte also und kam dadurch in sich so weit zur Ruhe, dass sich sein Wurzelchakra öffnete. Seine spirituelle Energie begann zu fließen und er hatte seine erste Erleuchtungserfahrung. Er wurde vom inneren Glück geküsst. Durch die Öffnung seiner Chakren erlangte er große innere Kraft und die Fähigkeit, sich ewig von der Quelle des inneren Glücks zu ernähren. Seine Kraft und sein Glück würden nie versiegen. Und wenn er fleißig weiter seinen spirituellen Weg ging, dann würde eines Tages die Erleuchtung zu einem dauerhaften Zustand werden.

Der Königssohn wanderte zurück zu seinem Vater und gab ihm vom Wasser des Lebens zu trinken. Er zeigt ihm den Weg zur Aktivierung der Lebensenergie. Daraufhin konnte der König seinen Burnout überwinden, wurde wieder gesund und bekam seine Lebensfreude zurück.

Im Märchen hatte der Königssohn dann noch einige Schwierigkeiten mit seinen weltlich gesonnenen Brüdern. Er musste noch hart mit seinen weltlichen Bedürfnissen ringen. Aber dank seiner Ausdauer und seines spirituellen Wissens siegte er. Nach einem Jahr heiratete er die schöne Prinzessin und wurde König im goldenen Schloss. Er lebte dauerhaft im Glück, in der Liebe und in der Kraft. 

11. Die vier kunstreichen Brüder

Es waren einmal ein armer Mann und eine arme Frau, die hatten vier Söhne. Sie waren so arm, dass sie eines Tages nichts mehr zu essen hatten. Sie konnten ihre Kinder nicht mehr ernähren. Da zogen die vier Söhne in die Welt hinaus, um dort ihr Glück zu finden. Sie beschlossen sich in alle vier Himmelsrichtungen zu verteilen und sich nach drei Jahren am Ausgangspunkt wieder zu treffen.

Der erste Sohn wanderte nach Süden. In einer kleinen Stadt in Süddeutschland suchte ein Schneidermeister einen Lehrling. Dort erlernte er das Schneiderhandwerk. Als er nach drei Jahren seinen Abschied nahm, schenkte ihm der Meister eine Nadel, mit der er alles zusammennähen konnte.

Der zweite Sohn wanderte nach Ostdeutschland. Weil dort viel Wald ist, wurde er ein Jäger. Sein Meister schenkte ihm als Lohn nach drei Jahren ein Gewehr, mit dem er jedes Ziel treffen konnte. 

Den dritten Sohn zog es nach Norddeutschland an das Meer. Er wurde Leuchtturmwärter und bekam nach drei Jahren ein Fernrohr geschenkt, mit dem er alles sehen konnte, was er zu sehen wünschte. 

Der vierten und letzte Sohn ging nach Westdeutschland. Er lernte bei einer großen Bank und wurde ein Meisterdieb. Wo es irgendetwas zu ergaunern gab, das ergaunerte er. Er erlernte tausend Tricks alle Gesetze zu umgehen und jedem Menschen sein Geld aus der Tasche zu ziehen. 

Nach drei Jahren trafen sich alle am Ausgangspunkt. Bevor sie zu ihren Eltern zurückkehrten, wollten sie herausfinden, wer der Größte unter ihnen ist. Zufällig war dem König des Landes gerade von einem bösen Drachen die Tochter geraubt worden. Er versprach demjenigen seine Tochter zur Frau, der den Drachen besiegen und seine Tochter retten könnte. Viele junge Männer hatten schon ihr Glück versucht, aber der Drache hatte sie alle gefressen. Jetzt traute sich keiner mehr auf die gefährliche Suche zu machen. 

Die vier Söhne nannten sich jetzt die kunstreichen Brüder. Für sie war es eine gute Gelegenheit ihr Können zu beweisen. Der erste Sohn nahm sein Fernrohr und suchte nach dem Ort, wo der der Drache die Königstocher versteckt hielt. Auf einer einsamen Insel im Meer hauste der Drache auf einem großen Felsen. Also liehen sich die vier Brüder vom König ein Segelboot und segelten zur einsamen Insel. 

Der Meisterdieb schlich sich an Land und stahl die Königstocher aus den Armen des Drachen. Er kam auch bis auf das Boot. Aber als sie gerade auf dem Meer waren, erwachte der Drache und flog den vier kunstreichen Brüdern hinterher. Als er über dem Boot war, nahm der Jäger sein Gewehr und erschoß den Drachen. Der fiel so unglücklich auf das Boot, dass es in tausend Teile zerbrach. 

Jetzt war der Schneider gefordert. Es nahm seine Zaubernadel und nähte das Boot ruck zuck wieder zusammen. Da war die Freude groß. Die Königstochter war gerettet. Doch wer sollte sie jetzt heiraten? Zum Glück hatte sie noch drei Schwestern, so dass jeder der vier kunstreichen Brüder eine Prinzessin zur Frau bekam. 

Der König beschenkte sie mit so viel Gold, Silber und Edelsteinen, dass sie jetzt reich waren. Sie nahmen ihre armen Eltern mit in das Schloss und feierten ein großes Fest. Nach dem Tod des Königs regierten alle vier gemeinsam das Königreich. Da sie zusammen unbesiegbar waren, brach eine Zeit des Friedens und des Glücks für alle Menschen an. 

Wie ist dieses Märchen spirituell zu deuten? Der Drache ist das Ego eines Menschen. Das Ego ist schwer zu erkennen und schwer zu besiegen. Aber wer es besiegt, der erhält ein neues Selbst (das Boot wird neu zusammengenäht). Dieses Selbst besitzt statt des Egos ein Einheitsbewusstsein. Es kann in alle vier Himmelsrichtungen gleichzeitig sehen und erfährt sich als eins mit seiner Welt. 

Gleichzeitig mit dem Einheitsbewusstsein entsteht das große Glück der Erleuchtung. In der mystischen Hochzeit vereinigt sich der Prinz mit der Königstochter. Der Schlüssel zur Erleuchtung sind die vier Eigenschaften Weisheit, Liebe, Zielstrebigkeit und innerer Frieden.

Der Schneider verkörpert das Einheitsbewusstsein und den inneren Frieden. Der Bruder mit dem Fernrohr steht für die Liebe zum Ziel. Der Meisterdieb besitzt das ausreichende Geschick, um mit seinen spirituellen Übungen zur Erleuchtung zu gelangen. Und der Jäger hat die Kraft, die Ausdauer und die Zielstrebigkeit, um so lange spirituell zu praktizieren, bis das Ziel erreicht ist.  

File:Otto Ubbelohde - Der Bärenhäuter.jpg

12. Der Bärenhäuter

 Es war einmal ein armer Soldat. Der wurde im Krieg verwundet und konnte nur humpelnd durch das Leben gehen. Da er nicht mehr kriegstauglich war, wurde er entlassen. Damals wurden die Soldaten zwangsrekrutiert und bekamen nach ihrer Entlassung keinen Sold mehr. Es gab auch keine Rente dafür, dass sie kriegsversehrt waren. 

Da stand der arme Soldat nun da, hatte kein Geld und wusste nicht wohin. Plötzlich hörte er ein Brausen in der Luft und vor ihm stand der Teufel. Der Teufel wettet gerne. Er erklärte dem Soldaten: „Wir machen einen Vertrag. Ich gebe dir sieben Jahre so viel Geld wie du magst. Wenn du die sieben Jahre ein guter Mensch bleibst, darfst du das Geld behalten. Wenn du vom guten Weg abkommst, dann gehört nach den sieben Jahren deine Seele mir. Es gibt aber noch eine Bedingung. Du darfst dich die sieben Jahre nicht waschen und musst einen Mantel aus Bärenfell tragen.“

Sich nicht zu waschen, war für den Soldaten kein Problem. Reich zu sein war dagegen für ihn sehr verlockend. Also sagte er zu. Er zog das Bärenfell an und der Teufel verschwand. Nun lebte der Soldat in Saus und Braus. Gleichzeitig half er jedoch seinen Mitmenschen und gab allen etwas Geld, wenn sie am verhungern waren. Er achtete sehr darauf, dass er weder log, noch betrog und auch kein Opfer irgendwelcher Süchte wurde. Er hielt in allen Genüssen das richtige Maß ein. Er bewahrte in seinem Geist immer die Eigenschaften Liebe, Frieden, Weisheit und Selbstdisziplin. 

Nach vier Jahren begann er jedoch ziemlich zu stinken, weil er sich nie wusch. Da er auch seinen Bart und seine Haare nicht schnitt, sah er äußerlich schrecklich aus. Die Menschen flohen vor ihm. Aber da er viel Geld hatte, ging es ihm trotzdem gut. 

Eines Tages saß er in einem Wirtshaus und neben ihm saß ein alter Mann und weinte. Der Soldat fragte ihn nach dem Grund seiner Trauer. Der alte Mann erklärte ihm, dass er sich verschuldet hatte und in den Schuldturm geworfen werden sollte, wenn er seine Schulden nicht in einer Woche bezahlen könnte. Dann müssten er, seine Frau und seine Kinder verhungern.  

Der Soldat griff in seine Tasche und holte so viel Gold heraus, dass der alte Mann seine Schulden bezahlen konnte und auch noch etwas Geld zum Leben hatte. Da war der alte Mann sehr dankbar und versprach ihm eine seiner drei Töchter zur Frau. Als er seinen Töchtern jedoch den zerlumpten und stinkenden Soldaten vorstellte, da schrie die Älteste entsetzt auf. Auch die Zweitälteste konnte sich nicht zu einer Heirat durchringen, egal was der Soldat für sie und ihre Familie Gutes getan hatte. 

Aber die jüngste Tochter hatte ein gutes Herz. Obwohl sie die Schönste von allen war, war sie bereit den zerlumpten und stinkenden Soldaten zu heiraten. Sie achtete mehr auf den guten Charakter als auf die äußere Erscheinung. Der Soldat war darüber sehr glücklich. Er erklärte ihr aber, dass er noch drei Jahre als Bärenhäuter durch die Lande ziehen müsste. Dann würde er zurück kommen und sie heiraten. Damit sie ihn erkennen kann, nahm er einen Ring, zerbrach ihn in zwei Teile, behielt den einen Teil für sich und gab ihr die andere Hälfte.

Dann zog er von dannen, blieb ein guter Mensch und achtete auf seine Gedanken und seine Taten. Als die sieben Jahre um waren, erschien ihm wieder der Teufel. Der Teufel war betrübt, weil er die Wette verloren hatte. Aber er hielt sein Wort und ließ den Soldaten frei. Der wusch sich erst einmal gründlich, kleidete sich neu ein und kehrte als schöner reicher Mann zu seiner Braut zurück. 

Seine Braut erkannte ihn zuerst nicht wieder. Aber er zeigte ihr seine Ringhälfte und sie feierten eine große Hochzeit. Ihre beiden Schwestern waren so eifersüchtig, dass das Teufel ihre Seelen holte. So hatte der Teufel eine Seele verloren und zwei Seelen dafür gewonnen. 

Spirituell gesehen hatte sich der Soldat entschieden als Yogi zu leben. Durch seine spirituellen Übungen trat er in einen beständigen inneren Reinigungsprozess ein. Dieser Reinigungsprozess war so belastend, dass er es ihm sieben Jahre lang nicht gut ging und er sich innerlich unrein fühlte. Aber zum Glück erwachte bereits nach vier Jahren seine Glücksenergie und er hatte seine erste Erleuchtungserfahrung. Er konnte sein inneres Glück jedoch nicht halten und musste sich noch drei Jahre weiter innerlich reinigen, bis es zur mystischen Hochzeit kam. Dann verschwand sein Ego, der Teufel in ihm, und er trat in die dauerhafte Glückseligkeit ein. 

Das Märchen weist uns darauf hin, wie wichtig die positiven Eigenschaften auf dem spirituellen Weg sind. Im Buddhismus gibt es die fünf Silas (nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, kein sexuelles Fehlverhalten, keine berauschenden Mittel), im Christentum die zehn Gebote von Moses und die Seligpreisungen von Jesus. Und im Yoga die zehn Yamas und Niyamas. Wer sich an diese Grundsätze hält, erwirbt ein gutes Karma, reinigt seinen Geist immer mehr und erreicht eines Tages die spirituelle Selbstverwirklichung. 

Der Bärenhäuter – Brüder Grimm (grimmstories.com)

13. Der Zauberer mit den drei Gaben

 Es war einmal ein alter Zauberer. Der bekam von seinem Zaubermeister drei Gaben geschenkt. Er bekam das Wissen vom inneren Glück, die Gabe der Heilung und die Fähigkeit in die Zukunft zu schauen.

Der alte Zauberer war sehr glücklich über seine Fähigkeiten. So konnte er seinen Mitmenschen viel Gutes tun. Er hatte eine Aufgabe in seinem Alter und brauchte sich nicht zu langweilen.

Der Zauberer ging in die Welt der Menschen und versuchte ihnen das Wissen vom inneren Glück zu schenken. Doch leider interessierten sich die Menschen nicht für den Weg des inneren Glücks. Er war ihnen zu anstrengend. Sie glaubten nur an das äußere Glück. Doch dieser Weg machte die Menschen auf die Dauer nicht wirklich glücklich. Das merkte aber kaum jemand. Und die es merkten, die hatten nicht genug Selbstdisziplin, um konsequent den Weg des inneren Glücks bis zum Ziel zu gehen. 

Der alte Zauberer konnte seine Mitmenschen nur etwas motivieren auf ihre Gedanken zu achten und positiv zu denken. Er gab ihnen jeden Tag einen positiven Leitsatz. Die Menschen merkten, dass ihnen der tägliche positive Satz gut tat. Und so hörten sie ihm jeden Tag zu. So konnte er sie wenigstens etwas glücklich machen. Er riet ihnen auch regelmäßig zu meditieren und Sport zu treiben. Das konnten aber nur sehr wenige Menschen umsetzen.

In der Welt der Menschen gab es viel Stress. Viele Menschen lebten sehr ungesund und wurden dadurch oft krank. Es gab ein großes Bedürfnis nach Heilung. Die Menschen gingen zu ihren Ärzten, die sie leider nur selten wirklich gesund machen konnten, weil sie die tieferen Ursachen nicht heilten. 

Auch zum alten Zauberer kamen manchmal Menschen, die an verschiedenen chronischen Krankheiten litten. An den Weg der spirituellen Heilung glaubte keiner. Deshalb konnte der alte Zauberer ihnen nur selten helfen. Manchmal heilten sie zufälligerweise in seiner Gegenwart. Das geschah auch nur ausnahmsweise, weil der alte Zauberer das schlechte Karma der Menschen nur begrenzt auflösen konnte. Das mussten sie selbst tun, indem sie konsequent positives Karma erzeugten. 

Was der alte Zauberer seinen Freunden beibringen konnte, war der Weg der fünf Grundsätze der Gesundheit. Dieser Weg war wissenschaftlich erforscht und begründet. Und an die Wissenschaft glaubten die Menschen. Der Weg der fünf Grundsätze der Gesundheit besteht aus positivem Denken, gesunder Ernährung, der Vermeidung von Schadstoffen wie Alkohol und Zigarettenrauch, regelmäßigem Sport (Yoga, Gehen, Joggen) und täglicher Entspannung (Meditation, genug Erholungspausen). 

Wer den Weg der fünf Grundsätze der Gesundheit konsequent praktiziert, der lebt wissenschaftlich erforscht im Durchschnitt zwanzig Jahre länger, gesünder und glücklicher. Das überzeugte seine Mitmenschen. Daran hielten sich viele. Das war die Hauptlehre des alten Zauberers. 

Völlig verrückt war die Fähigkeit des alten Zauberers in die Zukunft zu schauen. Daran glaubte keiner. Wie sollte das möglich sein? Dann müsste die Zukunft eines Menschen ja schon irgendwie feststehen. Der alte Zauberer hatte selbst daran einige Zweifel. Aber sein Meister hatte ihm klar gezeigt, dass er die Zukunft kennt. Er hatte ihm sogar deutlich gemacht, dass er die Zukunft des alten Zauberers positiv umgeschrieben hatte. Er hatte einige Zeilen im Schicksalsbuch verändert. 

Der Meister des Zauberers hatte ihm einige Orakelspiele übertragen. Er ließ ihn das Yoga-Orakel, das Buddha-Orakel und einen Kommentar zum Tarot und zum I Ging entwickeln. Der alte Zauberer versuchte gar nicht erst seine Freunde davon zu überzeugen. Er erklärte es ihnen als ein schönes Spiel. Sie zogen gemeinsam Orakelkarten und überlegten dann, was das Orakel ihnen persönlich zu sagen hatte. 

Für manche Menschen erwiesen sich die Orakel als sehr hilfreich. Sie kamen damit gut durch schwierige Lebenssituationen und erhielten Kraft für ihren spirituellen Weg. Wissenschaftlich könnte man das so erklären, dass die Orakel auf den fünf Eigenschaften Liebe, Frieden, Weisheit, Kraft und Glück aufgebaut waren. Man zog immer irgendwie eine dieser Eigenschaften. Und das war auf die Dauer sehr hilfreich. 

So konnte der alte Zauberer mit seinen drei Gaben seinen Mitmenschen doch irgendwie helfen. Und letztlich ist es egal ob man daran glaubt oder nicht. Hauptsache es hilft. 

Die fünf Grundsätze der Gesundheit – mystiker2 (wordpress.com)

I Ging – mystiker2 (wordpress.com)

Buddha Orakel – mystiker2 (wordpress.com)

Yoga Orakel – mystiker2 (wordpress.com)

Tarot (Wikiversity) – mystiker2 (wordpress.com)

14. Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

 Es war einmal ein kleiner Junge, der hatte eine Glückshaut. Eine Glückshaut zu haben bedeutet, dass ein gutes Schicksal auf ihn wartet. Man kann es so sehen, dass er aus seinen früheren Leben ein gutes Karma mitgebracht hat.

Zuerst ging alles in seinem Leben schief. Er hatte viele Prüfungen zu bestehen. Er wurde in einem Korb ausgesetzt. Er wurde von guten Menschen gefunden und aufgezogen. Kaum war er groß geworden, drohte ihm der Tod. Er sollte einen Brief an die Königin überbringen, in dem seine Hinrichtung angeordnet wurde.

Aber wieder wandelte sich sein Schicksal. Räuber lasen seinen Brief und machten sich einen Scherz daraus, die Botschaft zu verändern. Jetzt stand in dem Brief, dass er die Königstochter heiraten sollte. Und so geschah es auch. Kaum war der junge Mann mit der Glückshaut am Königshof angelangt, wurde eine prächtige Hochzeit gefeiert. Da er einen guten Charakter hatte und auch gut aussah, verliebte sich die Königstochter in ihn. Sie waren zusammen sehr glücklich. 

Doch kein Glück währt ewig. Eines Tages kam der alte König von einem langen Kriegszug zurück. Als er erfuhr, dass seine Tochter einen einfachen jungen Mann aus dem Volk geheiratet hatte, war er außer sich vor Wut. Er schrie: „Bevor ich diesem Nichtsnutz meine Tochter und später mein Königreich überlasse, muss er mir drei goldene Haare vom Teufel bringen.“ Der alte König meinte, dass das eine unmögliche Aufgabe wäre. Aber der junge Mann war wie immer optimistisch und meinte, dass ihm auch das gelingen würden.

Also machte er sich frohgemut auf die Reise zum Teufel. Unterwegs kam er an einer Stadt vorbei, wo der Stadtbrunnen ausgetrocknet war. Da der junge Mann eine Glückshaut hatte, baten die Bewohner ihn ihnen zu helfen. Der junge Mann war sehr von sich überzeugt. Er behauptete frech, dass er alles weiß. Er würde den Grund ihres Elends schon herausfinden.

Seine Reise führte ihn noch an einer zweiten Stadt vorbei, in deren Mitte ein Baum stand, der goldene Äpfel hervorbrachte. Leider war der Baum am verdorren und die Stadt verlor ihren Reichtum. Auch hier war der junge Mann gerne bereit die Ursache zu erforschen und Abhilfe zu schaffen.

Bevor der Glückshäutige zum Teufel in die Hölle gelangte, musste er über einen großen Fluss. Ein Fährmann setzte ihn herüber. Da der Fährmann einen traurigen Eindruck machte, fragte ihn der junge Mann: „Warum bist du so traurig?“ Der Fährmann antwortete: „Ich fahre seit endloser Zeit immer wieder über den Fluß von einem Ufer zum anderen. Ich bin müde geworden. Aber ich weiß nicht, wie ich diese ewigen Fahrten beenden kann. Es gelingt mir nicht aus dem Boot auszusteigen.“

Der Glücksjunge betrat die Hölle und suchte dort nach dem Teufel. Der Teufel war leider gerade nicht zuhause. Er befand sich in der Welt der Menschen, um schlechte Seelen einzusammeln. Stattdessen begegnete dem jungen Mann die Großmutter des Teufels. Sie war eine gute alte Frau und gerne bereit, dem Glückskind zu helfen. Sie verwandelte ihn in einen Ameise und versteckte ihn in ihrem Schoß.

Als der Teufel zurückkam, war er hungrig und müde. Die Großmutter gab ihm heute sehr viel zu essen. Davon wurde er noch müder. Dann legte er sich auf sein Bett und ließ sich dabei von der Großmutter den Kopf kraulen und eine Geschichte erzählen. Aber diesmal erzählte ihm die Großmutter kein Märchen, sondern stellte ihm drei Fragen. Sie fragte nach dem Brunnen, dem Apfelbaum und dem unglücklichen Fährmann. Der Goldjunge hörte als Ameise genau zu.

Als der Teufel eingeschlafen war, riß ihm die Großmutter drei goldene Haare aus und gab sie dem Glückskind. Der junge Mann begab sich sofort frohgemut auf den Weg zurück zu seiner geliebten Prinzessin. Als der Fährmann ihn über den großen Fluss gebracht hatte, verriet er ihm des Rätsels Löung: „Du musst einfach den Fährstab loslassen und ihn einem anderen Menschen geben.“

Das Wasser des Brunnens brachte der junge Mann zum Fließen, indem er die Kröte entfernte, die die Quelle blockierte. Und den Apfelbaum ließ er wieder ergrünen, in dem er die Mäuse aus den Baumwurzeln vertrieb. Von den Bewohnern der beiden Städte wurde er mit viel Gold belohnt. So kam er reichbeschenkt und erfolgreich wieder in dem Königreich an.

Jetzt musste der alte König ihm seine Tochter zur Frau geben. Es wurde noch einmal eine große Hochzeit gefeiert. Dem alten König erklärte der junge Mann, dass er das Gold aus der Hölle bekommen hatte. Dort könne man so viel Gold bekommen wie man wolle. Da der alte König sehr gierig war, machte er sich sofort auf den Weg in die Hölle. Der Fährmann übergab dem König den Stab. Und jetzt musste der König ewig auf dem Fluss hin und herfahren. Der junge Mann mit der Glückshaut wurde zum neuen König gekrönt. Er lebte mit seiner Frau glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende. Und danach kamen beide in den Himmel und vollendeten damit die Reise ihrer Seelen.

Dieses Märchen ist spirituell einfach zu entschlüsseln. Wer die Anhaftung an alle weltlichen Wünsche losläßt, der wird von der Notwendigkeit der Reinkarnation frei. Er braucht nicht mehr als Seele (als Bewusstsein) auf dem großen Fluss zwischen dem Diesseits und dem Jenseits hin und her zu fahren. 

Wenn er sein Ego überwindet, dann öffnet sich in ihm die Quelle der spirituellen Energie. Er wird zu einem Baum, der goldene Früchte trägt. Der Baum symbolisiert den Kundalini-Kanal im Menschen und der runde Apfel das Einheitsbewusstsein. Die Heirat mit der Königstocher ist die mystische Hochzeit. Der junge Mann wurde zu einem Erleuchteten, einem Buddha. Er hatte den Teufel in sich besiegt und die ewige Glücksseligkeit gewonnen. Das nennt man wahrlich ein gutes Karma. 

15. Hans mein Igel

Es war einmal ein junger Mann, der hatte eine Igelhaut. Er war stachelig. Er war anders als die anderen Menschen. Er kam mit den normalen Menschen nicht klar. Er wurde von ihnen gemobbt und gequält. Das ganze Dorf war gegen ihn.

Deshalb beschloss er das Dorf zu verlassen und im Wald mit einer Schweineherde zu leben. Von seinem Vater, der ein reicher Bauer war, bekam er einen Esel zum Reiten, einige Schweine zum Hüten und einen Dudelsack gegen die Langeweile. So machte er sich auf den Weg in den Wald. Bei einer schönen großen Wiese richtete er es sich gemütlich auf einem Baum ein und spielte auf seinem Dudelsack.

Nach einige Jahren wurde die Schweineherde immer größer und Hans immer besser mit seinem Dudelsackspiel. Bald klangen die schönsten Melodien weit durch den Wald. Das hörte ein König, der sich bei der Jagd im Wald verlaufen hatte. Er folgte dem Klang der Melodien und erblickte dann Hans mit seinen Schweinen.

Hans war bereit dem König den Weg zurück in sein Königreich zu zeigen. Als Gegenleistung sollte ihm der König das Erste geben, was ihm in seinem Königreich begegnete. Das Erste war die schöne Königstochter, die sich auf den Vater freute und ihm sofort entgegeneilte. Da war der König sehr betrübt, weil er seine Tochter verlieren sollte. Und dann auch noch an einen Schweinehirten. Aber ein Versprechen muss gehalten werden.

Die Tochter war bereit den Schweinehirten zu heiraten. Ein Bote wurde zu Hans geschickt. Der verkaufte alle seine Schweine, kleidete sich schön ein und ritt auf seinem Esel zum Schloss. Da wurde eine große Hochzeit gefeiert. Der Königstochter graute allerdings etwas vor der Hochzeitsnacht. Sie hatte Angst vor einem Zusammenleben mit dem stacheligen Hans. Hans würde sie sicherlich mit seinen Stacheln stechen.

Aber bevor Hans zu der Prinzessin ins Bett stieg, legte er seine Igelhaut ab. Da stand jetzt ein schöner junger Mann vor ihr. Da war die Prinzessin sehr glücklich und beide liebten sich heiß und innig. Nach der Hochzeitsnacht verbrannte die Prinzessin die Igelhaut in einem großen Feuer. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Wie kann man dieses Märchen spirituell interpretieren? Ein Mann zog sich in die Abgeschiedenheit zurück, um spirituell zu praktizieren. Das geschah früher oft in Deutschland. In den Wäldern außerhalb der Dörfer und Städte lebten Eremiten und weise Frauen. Sie galten als heilkräuterkundig und besaßen das Wissen vom Weg des inneren Glücks. Schweinehüten ist ein Symbol für die Arbeit an den Gedanken und Gefühlen. Auf dem spirituellen Weg müssen wir unsere weltlichen Gedanken und Anhaftungen überwinden und uns spirituell auf das Leben im Licht ausrichten.

Der Dudelsack weißt auf eine Atemtechnik hin, die man im Yoga Blasebalgatmung nennt. Mit dieser Atemtechnik in Verbindung mit ruhiger Meditation kann man zur Erleuchtung gelangen. Dann öffnen sich die Chakren in einem Menschen wie die Löcher einer Flöte. Der Mensch kann seine Chakren aktivieren und dadurch seine Kundalini-Energie zum Fließen bringen. Im Laufe der Jahre lösen sich so die Energieblockaden auf, der Mensch wird innerlich heil und gelangt zur Erleuchtung, zur mystischen Hochzeit mit dem kosmischen Bewusstsein.

Die stachelige Igelhaut ist ein Ausdruck für ein aggressives Ego. Sie verschwindet und der Mensch erhält eine Goldhaut. Diese Haut fühlt sich gut und zart an. In den Büchern wird beschrieben, dass die Haut eines Erleuchteten golden glänzt. Deshalb wird ein Buddha oft als goldene Statue dargestellt.

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16. Die Bienenkönigin

Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne. Die beiden Älteren waren groß und stark. Der Jüngste war klein und schwächlich. Die beiden starken Söhne liebten das Abenteuer und das Leben. Sie kämpften viel und betranken sich gerne im Wirtshaus des Dorfes. Der Jüngste dagegen liebte seine Bücher, die Natur und die Tiere. Die älteren Söhne verspotteten deshalb den Jüngsten und nannten ihn einen Dummling.

Der König überlegte, wen er zu seinem Nachfolger machen sollte. Im Nachbarkönigreich gab es eine schöne Königstochter. Aber sie war nicht einfach zu erobern. Wer sie heiraten wollte, der musste drei schwere Prüfungen bestehen. Der alte König entschloss sich den seiner Söhne zum König zu krönen, der die schöne Königstochter gewinnen konnte.

Die drei Prinzen ritten sofort los. Auf ihrem Weg durch den großen Wald mussten sie eine Ameisenstraße überqueren. Die beiden älteren Brüder traten dabei viele Ameisen tot. Der Dummling aber sah die Ameisen und ritt vorsichtig herüber. Das merkten sich die Ameisen.

Am Ende des Tages waren die Brüder hungrig und müde. Sie bauten ihre Zelte auf und machten eine Rast. Die beiden Älteren wollten noch schnell einige Enten jagen, die auf einem großen Teich schwammen. Der Dummling hielt sie davon ab und meinte, dass das mitgebrachte Brot als Essen genügen würde. Das merkten sie die Enten, die dem Gespräch der Brüder genau zugehört hatten.

Am nächsten Morgen kamen die Brüder an einem Bienenstock vorbei. „Das wäre jetzt ein schönes Frühstück,“ meinten die beiden Älteren und wollten den Bienenstock ausräuchern. Aber der Dummling bat sie die Bienen zu verschonen und sich lieber auf ihr Ziel, die schönen Prinzessin, zu konzentrieren. Das merkte sich die Bienenkönigin.

Nach kurzer Zeit erreichten sie das Schloss der schönen Prinzessin. Im Schlosshof stand ein graues Männchen, dass ihnen die drei Aufgaben stellte. Als erstes sollten die drei Brüder die Perlen der Königstochter finden, die sie im Wald verloren hatte. Der älteste Prinz machte sich auf die Suche. Er konnte in dem großen Wald aber keine einzige Perle finden. Daraufhin wurde er zu Stein. Der Dummling dagegen fand die Perlen, weil die Ameisen sie aus dem Moos herausgetragen und vor seine Füße gelegt hatten.

Das graue Männchen führte sie zum Schlossteich. Dort hatte die Königstochter den Schlüssel zu ihrem Schlafgemach versteckt. Der zweite Prinz tauchte im Schlossteich. Aber er konnte den Schlüssel nicht entdecken. Daraufhin wurde auch er zu Stein. Da kamen die Enten herangeflogen, wühlten den Schlamm auf, fanden den Schlüssel und gaben ihm dem Dummling.

Jetzt musste der jüngste Königssohn alleine die dritte und schwierigste Aufgabe lösen. Mit dem goldenen Schlüssel schloss er das Schlafgemach auf. Dort lagen drei Prinzessinnen in ihren Betten und schliefen. Die schöne Königstochter hatte noch zwei Schwestern. Alle drei sahen sie völlig gleich aus. Es gab nur einen Unterschied. Die schöne Königstochter hatte vor dem Einschlafen Honig gegessen und ihre beiden Schwestern nur ein Zuckerbrot. Hier konnte die Bienenkönigin helfen. Sie roch an den Mündern der drei Prinzessinnen und setzte sich dann auf den Kopf der Prinzessin, die vom Honig genascht hatte. So fand der junge Prinz die richtige Prinzessin.

Sie heirateten, feierten eine große Hochzeit und danach wurde der Dummling zum König und die Prinzessin zur Königin gekrönt. Und was wurde aus den beiden Brüdern? Sie lernten aus der Geschichte und wurden zu besseren Menschen. Ihre Versteinerung löste sich auf. Sie bekamen die beiden Schwestern der Prinzessin zur Frau und führten auch ein glückliches Leben.

Dieses ist ein wichtiges Märchen der Gebrüder Grimm. Es zeigt uns, dass schon unsere Vorfahren es lehrten, die Natur und die Tiere zu achten. Das graue Männchen können wir als die innere Stimme eines Menschen verstehen. Wer gut in Kontakt mit seiner inneren Stimme ist, der findet den Weg zur Königstochter in sich. Er erweckt sein inneres Glück, dass dann wie Honig durch seine Adern fließt.

Die Grundlage dieses Märchens ist die Lehre von den fünf Elementen. Diese Lehre ist das Zentrum der mittelalterlichen Alchemie. In der Alchemie ging es darum aus Eisen Gold zu machen. Aus einem innerlich versteinerten (verhärteten) Menschen sollte ein Erleuchteter werden. Mit Hilfe der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft sollte der Stein der Weisen, der Heilige Gral, das fünfte Element hergestellt werden. Viele Menschen suchten im Mittelalter im Außen nach dem Stein der Weisen. Aber in Wirklichkeit handelt es sich bei dieser Lehre um einen inneren Weg.

Das Erdelement symbolisiert die Eigenschaft Ruhe, innerer Frieden, Gelassenheit und Gleichmut. Es ist die Basis des Erleuchtungsweges. Wer durch die Achtsamkeit auf seine Gedanken, durch die Anhaftungslosigkeit an weltliche Wünsche und durch eine regelmäßige Meditation seinen Geist zur Ruhe bringt, in dem erwacht das innere Glück, das innere Gold, die innere Harmonie, das Einssein mit sich und der Welt. Das gelingt aber normalerweise nur, wenn man auch drei weitere Eigenschaften übt.

Wir brauchen noch Weisheit, Kraft und umfassende Liebe. Weisheit bedeutet ein genaues Gespür dafür zu haben, was man spirituell in jedem Moment braucht und welche Technik gerade hilfreich ist. Weisheit erfordert einen guten Kontakt zu sich selbst, zu seinen Gefühlen und inneren Energien. Für die Weisheit steht das Wasserelement. Das Luftelement verkörpert die umfassende Liebe und das Feuerelement die innere Kraft und Ausdauer.

Im Einzelnen ist umstritten, welche Eigenschaften man welchem Element genau zuordnet. Es gibt auf der Welt und in den verschiedenen Religionen verschiedene Zuordnungen. Jedenfalls stehen in unserem Märchen die Ameisen für das Erdelement, die Enten für das Wasserelement und die Bienen für das Luftelement. Das Feuerelement verkörpern die drei Prinzen. Und das fünfte Element ist die mystische Hochzeit, die Vereinigung von männlich und weiblich, die Überwindung der Dualität und die Geburt des Einheitsbewusstseins. Erleuchtung, Einheitsbewusstsein, inneres Glück, der heilige Gral und der Stein der Weisen sind Ausdrücke für den gleichen Sachverhalt, die spirituelle Selbstverwirklichung. Das Märchen von der Bienenkönigin zeigt uns, dass dabei der Weg der umfassenden Liebe eine zentrale Bedeutung hat.

17. Buddha und Mara

 Im Buddhismus gibt es die wichtige Geschichte von Buddha und Mara. Als Buddha kurz vor seiner Erleuchtung stand, erschien ihm Mara. Diese Geschichte ist vergleichbar mit Jesus, der vom Teufel versucht wurde, als er nach seiner Taufe (Übertragung der Erleuchtungsenergie) vierzig Tage in der Wüste meditierte. Jesus lehnte dann die Versuchungen des Teufels mit den berühmten Worten ab: „Der Mensch lebt nicht von Brot allein.“ In dem Konflikt zwischen dem Teufel und Jesus zeigt sich der Konflikt zwischen dem Weg des Egos und dem Weg der Erleuchtung. Ein spiritueller Mensch kommt irgendwann in seinem Leben an den Punkt, wo er sich entscheiden muss.

Buddha ist der Begründer des Buddhismus. Er suchte lange nach einem Weg der Erleuchtung, auf dem er persönlich erfolgreich sein konnte. In seinem Leben ging er zuerst den Weg des totalen weltlichen Genusses. Er lebte ein Leben in Reichtum und Fülle. Er wuchs in einem Palast auf, hatte eine schöne Frau und einen Sohn. Aber dieses Leben befriedigte ihn nicht. Er erkannte es als innerlich leer.

Ihm wurde klar, dass es im Leben Leid, Krankheit und Tod gibt. Alles ist unbeständig. Es gibt kein dauerhaftes Glück im äußeren Leben. Das äußere Leben ist ein ewiges Wechselspiel von Freude und Leid. Buddha sucht nach einem Weg inneren Frieden zu finden. Er suchte letztlich nach einem Weg aus sich selbst heraus glücklich sein zu können.

Im Alter von 29 Jahren gab Buddha sein weltliches Leben auf und wurde ein Yogi. Er praktizierte eine strenge Askese, Fasten, Atemübungen und Meditation. Aber dieser Weg führte ihn nicht zum inneren Frieden und zur Erleuchtung. Buddha erkannte, dass für ihn persönlich der mittlere Weg richtig war. Übermäßige Kasteiung des Körpers war für ihn nicht hilfreich. Er musste dem Körper das geben, was er brauchte. Aber er durfte auch nicht wieder im Weg des weltlichen Genusses versinken. Das würde nur zu weltlicher Anhaftung und nicht zur Erleuchtung führen.

Der mittlere Weg ist der Weg eines meditativen Lebens, bei dem man weder zu streng noch zu locker praktiziert. Als Buddha diesen Weg ging, lösten sich seine inneren Verspannungen, seine Chakren öffneten sich und die spirituelle Energie begann zu fließen. Buddha nahm an Energie zu und sein Bewusstsein begann sich zu wandeln. Es wandelte sich vom Ego-Bewusstsein zum Einheitsbewusstsein. Und genau in diesem Moment trat Mara auf. Bevor Buddha grundlegend seine Anhaftung an die weltlichen Genüsse und an sein Ego aufgab, tauchten sie noch einmal in massiver Form auf. 

Buddha saß also vor dem Bodhibaum und meditierte. Sein Geist beruhigte sich immer mehr. Da hörte er plötzlich ein Rauschen im Gebüsch vor sich und es erschien ihm Mara, der Versucher. Zuerst tauchten Ängste und Trauer in Buddha auf. Mara erschien ihm mit seinen Armeen, mit Angst, Trauer, Wut, Machtstreben und dem ganzen Leid des Lebens. Buddha besiegte die Ängste, die Wut, die Trauer und die Hoffnungslosigkeit in sich. Er streckte eine Hand zur Erde. Er erdete sich. Er nahm die Dinge einfach so an wie sie sind. Er akzeptierte den Tod, das Leid und das Unschöne im Leben. Dadurch fand er zum inneren Frieden und besiegte die Armeen Maaras.

Als nächstes versuchte Mara Buddha mit seinen drei schönen Töchtern. Er versuchte ihn mit den weltlichen Genüssen, Süchten und Anhaftungen. Er versuchte ihn mit Sex, weltlicher Liebe und einem schönen weltlichen Leben. Aber das hatte Buddha bereits während seiner Phase als reicher Prinz als Irrweg erkannt. Er besiegte Maras schöne Töchter, indem er den inneren Frieden, die Erleuchtung und das Geben als höheren Glücksweg erkannte. So wie Jesus Gott (das Leben im Licht) als wichtiger als die Welt (Brot, Macht, äußerer Reichtum) erkannt hatte. 

Zum Schluss versuchte Mara Buddha noch mit dem eigenen Ego. Buddha musste die Anhaftung an sich selbst, an seine persönliche Identität, aufgeben. Er hatte das Gefühl, dass er sich selbst auflöste. Er ging friedvoll durch dieses unangenehme Gefühl hindurch und erwachte zu einem Einheitsbewusstsein. Es gab ihn nicht mehr als Ich. Er war eins mit allem. Mara verschwand und in Buddha waren Frieden, Glück und umfassende Liebe. Er konnte die Dinge so sehen wie sie wirklich waren. Er hatte das dualistische Denken aus Gut und Böse überwunden. 

Wenn wir das dualistische Denken überwinden, dann ist alles richtig so wie es ist. Samsara und Nirwana verbinden sich. Auch die weltlichen Genüsse und das weltliche Leid sind richtig so wie sie sind. Wir betrachten sie von einer höheren Ebene aus. Wir haben uns durch die Erleuchtung innerlich darüber erhoben. Wir können sie leben oder nicht. Es ist egal. Wir leben aus dem inneren Glück und dem Einheitsbewusstsein heraus. 

Eine spannende Frage unter Buddhisten ist, wie stark man sich den Energien von Genuss und Leid aussetzen soll. Hier gibt es viele Wege. Es gibt die Technik auf dem Friedhof zu meditieren und sich so den Tod, das Leid und die Vergänglichkeit bewusst zu machen. Man lässt alle Gedanken und Gefühle kommen und gehen wie sie wollen. Man lebt bewusst seine Trauer. Durch die Meditation kommt man langsam in sich zur Ruhe und zum inneren Frieden. 

Bei den weltlichen Genüssen gibt es den Weg der Abgeschiedenheit (Mönche und Nonne), den Weg des Auslebens (Tantra) und den mittleren Weg (weder ablehnen noch anhaften). Entscheidend für die Entwicklung zur Erleuchtung ist jedenfalls immer die Achtsamkeit auf die Gedanken, die Meditation und die umfassende Liebe. Wir sehen uns in allen Wesen, wünschen allen Wesen Glück und gelangen so in ein Einheitsbewusstsein.

18. Der Wolf und die sieben Geißlein

Es war einmal eine Geiß, die hatte sieben Kinder. Eines Tages machte sie sich auf den Weg in die Stadt, um einzukaufen. Sie wusste aber, dass im Wald ein böser Wolf lebt, der gerne Kinder frisst. Sie ermahnte deshalb ihre sieben Geißlein: „Hütet euch vor dem bösen Wolf. Öffnet keinem Fremden die Haustür. Prüft vorher jeden, der euch besuchen will. Den bösen Wolf erkennt ihr an der rauhen Stimme und an seiner schwarzen Pfote.“ Die sieben Geißlein antworteten im Chor: „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, liebe Mutter. Wir sind vorsichtig.“

Aber der Wolf war schlauer als gedacht. Beim Krämer kaufte er sich ein Stück Kreide, damit er eine sanfte Stimme bekam. Und beim Bäcker ließ er sich seine Pfote mit Mehl weiß pudern. So ging er zum Haus der sieben Geißlein und rief: „Macht auf meine lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat euch etwas Schönes mitgebracht.“ Die Geißlein ließen sich erst noch die Pfote zeigen. Die Stimme war sanft und die Pfote weiß, da öffneten sie die Tür. Und wer kam herein? Der böse Wolf.

Voller Panik versuchten sich die sieben Geißlein zu verstecken. Das erste sprang unter den Tisch, das zweite unter die Bettdecke, das dritte in den Ofen, das vierte in die Küche, das fünfte in den Schrank, das sechste versteckte sich unter der Waschschüssel und das siebte sprang in den Uhrenkasten. Aber der Wolf fand sie alle und fraß sie nacheinander auf. Nur das Jüngste im Uhrenkasten, das fand er nicht. Der Wolf war jetzt satt und zufrieden. Er ging zurück in den Wald und machte dort auf einer Waldwiese seinen Mittagsschlaf.

Nach einiger Zeit kam die alte Geiß aus der Stadt vom Einkaufen zurück. Und was musste sie sehen? Die Tür war sperrangelweit auf, die Stühle und Tische umgeschmissen und die Kinder verschwunden. Sie blickte voller Entsetzen um sich. Da hörte sie eine feine Stimme aus dem Uhrenkasten. „Hier Mutter, ich bin im Uhrenkasten,“ rief das Jüngste. Voller Freude zog die Geiß ihr Jüngstes aus dem Uhrenkasten. Und voller Entsetzen hörte sie, dass der Wolf alle anderen Kinder gefressen hatte.

Da war die Trauer groß. Aber nach kurzer Zeit besann sich die alte Geiß und beschloss nach dem Wolf zu suchen. Sie entdeckte ihn auch schlafend auf der grünen Wiese und sah seinen dicken Bauch. Darin befanden sich also ihre geliebten Kinder. Wie sie genau hinsah, da zappelte und regte es sich in dem Bauch. Sollten ihre Kinder noch am Leben sein? Schnell holte die Jüngste eine Schere, Nadel und Faden. Dann schnitten sie dem Wolf dem Bauch auf. Glücklich kamen nacheinander alle sechs Geißlein aus dem Bauch herausgekrabbelt. Schnell nähten sie Bauch wieder zu. Vorher füllten sie ihn noch mit Wackersteinen, damit der Wolf nicht merkte, dass die Geißlein fehlten.

Dann versteckte sich die ganze Familie hinter einem Gebüsch. Nach einiger Zeit wachte der Wolf auf. Er war durstig und ging zum Brunnen. Er wunderte sich, was mit seinem Bauch los war: „Es rumpelt und pumpelt in meinem Bauch, als ob dort Wackersteine sind. Dabei habe ich doch gerade sechs Geißlein gefressen.“ Er beugte sich über den Brunnenrand, um zu trinken. Da zogen ihn die Wackersteine in seinem Bauch nach vorne. Er fiel in den Brunnen und ertrank. Die Geißlein kamen aus dem Gebüsch hervor, tanzten um den Brunnen und sangen: „Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot.“

Das ist eine schöne Geschichte aus meiner Kindheit. Oberflächlich betrachten soll sie die Kinder lehren sich vor fremden Männern vorzusehen. Aber hier taucht das Problem auf, dass der Wolf schlauer ist als die Kinder. Nur mit Glück kann die alte Geiß sie retten. Letztlich ist die Geschichte deshalb unbefriedigend. Wir können uns vor bösen Menschen im Leben nicht wirklich schützen, weil sie oft auch sehr schlau sind.

Bei einer spirituellen Interpretation gibt die Geschichte mehr Sinn. Die sieben Geißlein sind die sieben Chakren. Der Uhrenkasten deutet auf das Herzchakra hin. In ihm tickt die Uhr wie das schlagende Herz im Körper. Auch die anderen Verstecke weisen auf bestimmte Chakren hin. Der Platz unter dem Tisch mit seinen Beinen zeigt das Wurzelchakra an. Die Waschschüssel gibt einen Hinweise auf das Stirnchakra. Wir waschen mit den Händen unser Gesicht. Der Ofen ist das Solarplexus-Chakra, das den Menschen mit Wärme und Energie erfüllt. Die Küche verweist auf das Halschakra, weil es dort etwas zu essen gibt. Wenn wir uns das Geißlein in der unteren Etage des Schrankes vorstellen, sind wir beim Unterbauch-Chakra. Das Bett verweist auf eine Meditation im Liegen. Dann harmonieren sich die ersten sechs Chakren und die Kundalini-Energie steigt zum Scheitelchakra auf. Damit haben wir alle sieben Hauptchakren des Menschen zusammen.

Wenn der Wolf sechs Geißlein frisst, dann bedeutet das, dass sechs Chakren blockiert sind. Nur das Herzchakra, der Uhrkasten, ist noch aktiv. Zusammen mit der inneren Stimme der Weisheit, der alten Geiß, können wir den Weg finden, die anderen Chakren wieder zu befreien und zu öffnen. Wenn alle sieben Chakren aktiviert werden, dann beginnt die Kundalini-Energie im mittleren Energiekanal zu fließen. Das Wasser im Brunnen fließt wieder. Das Ego ertrinkt wie der Wolf im Brunnen. Die Sonne des Lebens beginnt zu scheinen. Wir erwachen zum wahren Leben. Wir erwachen zu einem Leben im Frieden, in der Liebe und im Glück.

19. Das Waldhaus

Es war einmal ein armer Holzfäller, der lebte mit seiner Frau und seiner Tochter in einer kleinen Hütte am Rande eines großen Waldes. Eines Tages ging der Holzfäller weit in den Wald hinein, um einen Baum zu fällen und daraus Feuerholz zu machen. Um die Mittagszeit schickte die Mutter die Tochter mit etwas Essen zu dem Vater im Wald. Doch leider verlief sich das Mädchen im Wald.

Als der Vater am Abend nach Hause kam, machte er der Frau Vorwürfe, weil sie ihm kein Essen geschickt hatte. Da merkten beide, dass die Tochter sich im Wald verlaufen hatte und machten sich große Sorgen.

Die Tochter aber war bei ihrer Suche nach dem Vater immer tiefer in den Wald hineingeraten. In der Mitte des Waldes stand ein Haus. Darin lebten ein alter Mann mit einer Kuh, einem Hahn und einem Huhn. In der Dunkelheit leuchtete das Licht aus dem Fenster weit in den Wald hinein. So fand das Mädchen das Haus. Es freute sich, dass es ein Nachtlager gefunden hatte. Am nächsten Tag würde ihm der alte Mann sicherlich den Weg zurück zu seinen Eltern zeigen.

Der alte Mann hatte graue Haare und einen langen weißen Bart. Er begrüßte das Mädchen freundlich und erklärte ihm, dass es in der Küche in Hülle und Fülle zu Essen gebe. Dann setze er sich an den großen Tisch in der gemütlichen Stube. Am warmen Ofen lag die Kuh und neben ihr das Hähnchen und das Hühnchen. Das Mädchen bereite in der Küche ein schönes Essen für sich und den alten Eremiten zu. Es vergaß auch nicht die drei Tiere zu füttern. Die quittierten das mit einem „Duks“. Da war der alte Mann zufrieden.

In der Nacht legte sich das Mädchen zu dem alten Mann ins Bett und schlief sofort ein, weil es sehr müde war. Am Morgen fing es im ganzen Haus an zu krachen, als ob das Dach einstürzte. Das Mädchen wachte erschrocken auf. Und was musste es sehen? Das ganze Haus hatte sich in Schloss verwandelt und neben ihm im Bett lag ein schöner junger Prinz. Die drei Tiere hatten sich in drei Diener verwandelt.

Der Prinz erklärte dem Mädchen: „Ich bin ein verzauberter Königssohn. Du hast mich erlöst, weil du ein gutes Herz hast. Willst du mich heiraten?“ Da der Prinz schön und reich war, sagte das Mädchen nicht nein. Vielmehr freute sie sich, dass sie ihren Traumprinzen gefunden hatte. Sie feierten eine große Hochzeit, zu der auch die Eltern des Mädchens eingeladen wurden.

Die Geschichte lehrt uns, dass ein gutes Herz belohnt wird. Wer anderen Wesen Gutes tut, erntet ein gutes Karma. Tatsächlich handelt das Märchen wahrscheinlich von dem alten Einsiedler, der viele Jahre im Wald gelebt und spirituell praktiziert hat. Mit seinen spirituellen Techniken, der Meditation und der Achtsamkeit auf die Gedanken hatte er die Verspannungen in seinem Körper und seinem Geist aufgelöst. Manchmal muss man jahrelang an sich arbeiten, bis es zu einem spirituellen Durchbruch kommt. Dann lösen sich die Verspannungen plötzlich in einer Nacht und am Morgen wacht man erleuchtet auf. Es fühlt sich an, als ob sich der ganze Körper auflöst. Man kann dabei durchaus einen Traum haben, in dem ein Haus zusammenbricht. Und dieses Haus verwandelt sich dann in einen Palast. Es findet eine mystische Hochzeit statt. Danach spürt man in sich Glück und die Weltsicht verändert sich völlig. Man sieht plötzlich seine äußere Welt als Paradies. Man erlangt durch die Erleuchtung eine Paradiessicht der Welt. Weil man in sich das Licht hat, kann man auch das Licht in der Welt sehen. Alles strahlt intensiv, ist glücksdurchflutet und erhält eine intensive räumliche Dimension.

Wir können das Märchen weiter interpretieren. Dann könnte der alte Einsiedler tantrische Techniken praktiziert haben, wie wir sie im Hinduismus und im Buddhismus kennen. Das Zentrum des tantrischen Weges ist der Gottheiten-Yoga. Man visualisiert sich als Buddha, als Gott oder Göttin, als erleuchtet. In einem zweiten Schritt visualisiert man seinen Umwelt als Reines Land, als Paradies. Man erkennt alles als richtig so wie es ist.

Egal wie arm man äußerlich ist, das Leben kann durch spirituelle Techniken in ein Glücksleben verwandelt werden. Im Tantra-Yoga gibt es dafür viele Techniken. Vorwiegend wird mit Mantren, Visualisierungen, Atemübungen und Körperhaltungen gearbeitet. Im Wesentlichen geht es darum die Chakren zu aktivieren und die Erleuchtungsenergie zum Fließen zu bringen. Diese Techniken waren den Verfassern der Märchen bekannt. Sie kannten die Chakren, die innere Energie, die Mantren und verwendeten die Märchengeschichten als Visualisierungshilfen. Wenn wir das Märchen visualisieren und uns mit dem alten Mann oder dem jungen Mädchen identifizieren, ihr Glück in uns spüren, auch unsere Welt als glücklich erkennen, dann kann das Glücksgefühle in uns erwecken und uns innerlich glücklich machen. Die Wirkkraft der Märchen beruht letztlich darauf, dass es sich um Erleuchtungsgeschichten handelt.

20. Die Lebenszeit

 Die Lebenszeit ist ein Märchen der Gebrüder Grimm. Ich erzähle es in etwas veränderter Form nach. Als Gott die Welt erschaffen hatte, gab er jedem Wesen seine Lebenszeit. Zuerst kam der Affe, dem gab Gott 40 Jahre zu leben. Dann kam der Esel, für den hatte Gott 30 Jahre vorgesehen. Dem Hund gab Gott zehn Jahre. Der Mensch war unersättlich und wollte ewig leben. Da sprach Gott: „Das ewige Leben musst du dir verdienen. Ich gebe dir aber die 40 Jahre des Affen, die 30 Jahre des Esels und die zehn Jahre des Hundes.“ 

Damit war der Mensch zufrieden. Die ersten vierzig Jahre ging es ihm gut. Er war frei, fröhlich und gesund. Er lebte wie ein Affe spontan nach seinen Bedürfnissen. Dann ließ seine Energie nach. Die Arbeit fiel ihm schwer. Bis zur Rente musste er wie ein Esel schuften. Jetzt hatte er noch zehn Jahre. Die durfte er wie ein Hund genießen. Er durfte jeden Tag auf der faulen Haut liegen, bekam immer gut zu essen und es wurde gut für ihn gesorgt. 

Aber dann wurde der Mensch achtzig Jahre. Gott sprach zu ihm: „Deine Lebenszeit ist jetzt um. Mache dich bereit zu sterben.“ Der Mensch war noch nicht bereit zu sterben. Er sehnte sich nach dem ewigen Leben. Gott meinte: „Das ewige Leben gibt es nur im Himmel. Und das gibt es nicht umsonst. Das musst du dir verdienen.“ „Wie kann ich mir das ewige Leben verdienen?“ fragte der Mensch. Gott antwortete: „Du kannst dir das ewige Leben durch ein spirituelles Leben verdienen. Wenn du als guter Mensch lebst, jeden Tag meditierst und dein Leben dem Glück aller widmest, dann kommst du nach deinem Tod ins Paradies. Dort kannst du ewig im Licht leben.“ 

Der Mensch freute sich über das Wissen vom ewigen Leben im Licht. Er bat Gott ihm noch zwanzig Jahre zu schenken, damit er spirituell praktizieren kann. Gott war damit einverstanden. Als der Mensch hundert Jahre alt war, kam der Tod zu Besuch. Der Mensch hatte jetzt lange genug gelebt. Er war bereit zu sterben. Und weil er sich in den letzten zwanzig Jahren innerlich genug gereinigt und ein gutes Herz entwickelt hatte, stieg seine Seele nach seinem Tod direkt ins Paradies auf. 

Bei den Gebrüdern Grimm sind viele christliche Märchen zu finden. Dabei stellt sich uns in der heutigen Zeit die große Frage, ob es überhaupt ein Leben nach dem Tod gibt. Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Die heutige Nahtodforschung gibt einige Hinweise auf ein Leben nach dem Tod. Menschen sind bei einem Nahtoderlebnis aus ihrem Körper ausgetreten und mit ihrem Bewusstsein ins Jenseits gelangt. Sie konnten von oben die Dinge auf der Erde sehen und darüber genau berichten. 

In den großen Religionen der Welt geht man übereinstimmend davon aus, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus glauben an eine Paradiesdimension im Jenseits. Sie bieten uns verschiedene Techniken an, mit denen man bei seinem Tod ins Licht aufsteigen kann.

Als meine Mutter vor einigen Jahren starb, habe ich bei ihrem Tod die Amitabha-Meditation praktiziert. Ich habe den Buddha Amitabha angerufen und ein Mantra für meine Mutter gesungen. Amitabha ist der Paradies-Buddha. Wenn man seinen Namen als Mantra denkt, bringt er einen beim Tod ins Paradies. Nachdem ich eine Stunde neben meiner sterbenden Mutter das Mantra gesungen habe, war der ganze Raum plötzlich mit Glückseligkeit erfüllt. Aller Kummer über den Tod meiner Mutter verschwand. Meine Mutter verzog ihren Mund zu einem Lächeln, obwohl sie bereits im Koma lag. Sie ging glückselig durch den Tod. Und einige Zeit danach erschien sie mir im Traum und erklärte, dass sie jetzt im Paradies sei.

Ich jedenfalls glaube an ein Leben nach dem Tod. Ich habe mein Leben dem spirituellen Weg gewidmet. Ich tue was ich kann, um nach meinem Tod ins Licht aufzusteigen. Aber ich gehe einen mittleren Weg. Ich genieße auch das Leben auf der Erde. Ich lebe so, dass es mir auf der Erde und im Jenseits gut geht. 

21. Aschenputtel

Es war einmal ein armes Mädchen, dessen Mutter starb, als es noch klein war. Bei ihrem Tod ermahnte die Mutter ihr Kind: „Liebes Kind, bleibe immer fromm und gut, dann wird Gott dich immer beschützen. Und ich werde vom Himmel herabblicken und dir beistehen.“ Mit diesen Worten starb die Mutter.

Das Mädchen weinte viele Jahre am Grab der Mutter. Aber es hielt sich immer an ihre Worte. Und das war nicht einfach. Denn ihr Vater heiratete eine neue Frau. Die war äußerlich sehr schön und innerlich böse. Die neue Frau brachte zwei Töchter mit in die Ehe. Ihre beiden Töchter bevorzugte sie und ermöglichte ihnen ein angenehmes Leben. Das arme Mädchen aber bekam nur Lumpen zum Anziehen, musste hart arbeiten und in der Asche am Ofen schlafen. Deshalb nannten sie es Aschenputtel.

So gingen die Jahre dahin. Eines Tages machte der Vater eine große Reise. Er versprach jedem seiner drei Töchter ihm etwas mitzubringen. Die erste Tochter wünschte sich Perlen und Edelstein. Die zweite wollte gerne schöne Kleider. Aschenputtel blieb bescheiden und bat nur um einen Haselnusszweig.

Als der Vater von der Reise zurückkam, brachte er jedem seiner Töchter das Gewünschte mit. Die beiden Stiefschwestern schmückten sich mit schönen Kleidern, Perlenketten und Edelsteinen. Aschenputtel nahm den Haselnusszweig und pflanzte ihn auf das Grab ihrer Mutter. Dabei vergoss sie bittere Tränen, weil sie so ein schweres Schicksal hatte.

Der Haselnusszweig wurde im Laufe der Jahre zu einem großen Baum. Aschenputtel wusste aber nicht, dass dieser Baum ein Wunschbaum war. Was man sich unter diesem Baum wünschte, ging in Erfüllung.

Als Aschenputtel achtzehn Jahre alt war, gab der König ein großes Fest. Er wollte seinen Sohn verheiraten und suchte eine schöne Frau für ihn. Alle Mädchen des Reiches waren zu diesem Fest eingeladen. Auch Aschenputtel freute sich auf das Fest. Aber die Stiefmutter meinte, sie dürfe nur mitkommen, wenn sie ihre Hausarbeit gemacht hätte. Aus Bösartigkeit schüttete sie noch Linsen in die Asche und erklärte, diese Linsen müsste sie auch noch auflesen. Das war aber bis zur Feier nicht zu schaffen,

Traurig ging Aschenputtel zum Wunschbaum und klagte ihm ihr Leid. Da kamen plötzlich ganz viele Tauben angeflogen und sammelten die Linsen auf. Dabei gurren sie: „Die guten ins Töpfen, die schlechten in Kröpfchen.“ Aschenputtel konnte ihre Arbeit so noch rechtzeitig erledigen.

Die Stiefmutter wollte Aschenputtel aber trotzdem nicht mitnehmen, weil es kein schönes Kleid für sie gab. Die beiden Stiefschwestern hatten die schönen Kleider bereits angezogen. Also gingen sie ohne Aschenputtel zum Fest. Aschenputtel aber rannte geschwind zum Wunschbaum und wünschte sich ein silbernes Kleid und dazu passende silberne Schuhe. So trat sie vor den Prinzen, der mit ihr tanzte und sich sofort in sie verliebte.

Aber so einfach machte ihm Aschenputtel die Sache nicht. Kurz bevor der Prinz sie seinem Vater vorstellen wollte, verschwand sie wieder. Der Prinz war untröstlich und veranstaltete sofort ein zweites Fest. Diesmal erschien Aschenputtel in einem goldenen Kleid mit goldenen Schuhen. Sie tanzte glücklich mit dem Prinzen. Und war kurz vor dem Ende des Festes wieder wie vom Erdboden verschwunden.

Der Prinz gab nicht auf. Er beschloss beim dritten Fest schlauer zu sein. Diesmal erschien Aschenputtel in einem strahlenden Sternenkleid mit wiederum goldenen Schuhen. Als sie mit dem Prinzen tanzte, ließ dieser die Palaststufen mit Teer bestreichen, damit Aschenputtel nicht entkommen konnte. Sie aber sprang die Stufen herunter und entkam in den Wald. Nur ein Schuh von ihr blieb im Teer stecken. Dann zog sie sich schnell wieder ihre Lumpen an, damit keiner merkte, dass sie das gesuchte Mädchen war.

Der Königssohn nahm den goldenen Schuh und ließ im ganzen Königreich das Mädchen suchen, dem der Schuh passte. Alle Mädchen mussten den Schuh anprobieren. Aber keiner passte der Schuh, denn Aschenputtel hatte sehr kleine Füße. Auch die beiden Stiefschwestern probierten ihr Glück. Sie zwängten sich so stark in den Schuh, dass ihre Füße zu bluten anfingen. Darauf hin gurrten die Tauben: „Ruckedigu, ruckedigu. Blut ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.“

Der Prinz fragte den Vater, ob er nicht noch eine weitere Tochter habe. Der Vater meinte, dass es nur noch das Aschenputtel gäbe, aber das käme als Braut nicht in Betracht. Der Prinz bestand darauf das Aschenputtel zu sehen. Und tatsächlich passte der Schuh. Der Königssohn erkannte, dass er die richtige Braut gefunden hatte. Jetzt gab sich auch Aschenputtel zu erkennen und lüftete ihr Geheimnis. Die böse Stiefmutter und die beiden Stiefschwestern wurden wurden für ihre Falschheit bestraft und Aschenputtel heiratete den Prinzen. Und sie waren glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Was sagt uns dieses Märchen? Aus einem Aschenputtel kann eine Prinzessin werden. Wer immer auf dem richtigen Weg wandelt, Gutes tut und spirituell übt (fromm ist), der wird eines Tages vom Leben belohnt. Es entsteht inneres und oft auch äußeres Glück. Bevor es zur mystischen Hochzeit kommt, sind aber viele Prüfungen zu bestehen. Insbesondere muss ein Mensch Demut und Bescheidenheit entwickeln. Das Ego muss sich auflösen, damit sich das Einheitsbewusstsein entfalten kann.

Dabei gibt es vier Hauptübungsfelder. Ein Mensch muss Gleichmut lernen und die Dinge des Lebens so annehmen wie sie sind. Ein Mensch braucht ein gutes Herz. Er sollte allen Wesen Glück wünschen. Des weiteren braucht man viel Weisheit und ein gutes Gespür für sich selbst. Man muss genau spüren, was einem gut tut, was einem nicht gut tut und wo der Weg des inneren Glücks ist. Und als letztes braucht man viel Ausdauer. Man muss den spirituellen Weg bis zu Ende gehen, damit man den großen Segen einfahren kann.

22. Simeliberg

Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm und der andere reich. Der Reiche war sehr geizig. Er gab dem Armen nichts von seinem Reichtum ab. Der Arme lebte in einer kleinen Hütte. Er hatte eine Frau und viele Kinder. Er ernährte sich mühselig vom Kornhandel. Aber oft musste seine Familie hungern.

Eines Tages kam der Arme mit seinem Kornwagen durch eine fremde Gegend. Vor ihm türmte sich ein kleiner Berg auf. Und wie er genau hinschaute, da entdeckte er in der Ferne zwölf Räuber, die vor dem Berg standen und riefen: „Berg Semsi, Berg Semsi, öffne dich.“ Der Berg tat sich auf und die Räuber gingen mit großen Säcken hinein. Nach einiger Zeit kamen sie ohne Säcke heraus, sprachen zum Berg: „Berg Semsi, Berg Semsi, schließe dich.“ Die Tür im Berg schloss sich und die Räuber gingen ihrem Tagwerk nach.

Der Arme war jetzt sehr neugierig. Was wohl in dem Berg drin sein würde? Er vermutete große Schätze von Gold und Edelsteinen. Er schlich sich in den Berg hin und rief ebenfalls: „Berg Semsi, Berg Semsi, öffne dich.“ Die Bergtür ging auf und der Arme ging hinein. Und tatsächlich lagen überall große Berge von Gold, Silber und Edelsteinen herum. Er stopfte sich die Taschen damit voll und verließ schnell wieder die Räuberhöhle. Er wollte ja nicht, dass die Räuber ihn entdeckten. Das hätte ihn sicherlich sein Leben gekostet.

Jetzt brach für den Armen und seine Familie eine gute Zeit an. Ein ganzes Jahr lebten sie in Hülle und Fülle. Sie hatten jeden Tag genug zu essen. Sie kleideten sich in schöne Kleider, kauften sich schöne Möbel und gaben auch den anderen Armen im Dorf etwas von ihrem Reichtum ab.

Nach einem Jahr war das Geld alle. Diesmal wollte der Arme sich etwas mehr Gold und Silber aus der Räuberhöhle mitbringen, damit es für ein Leben lang reichte. Er nahm sich einen großen Sack und lieh sich von seinem reichen Bruder einen Scheffel, um damit das Gold in den Sack zu scheffeln. Der reiche Bruder aber war schlau und bestrich den Scheffel mit einem Klebstoff.

Der Arme fuhr mit seinem Karren wieder zu dem Berg. Er versteckte sich im Gebüsch und wartete, bis die Räuber auf einen Raubzug gingen. Dann stellte er sich vor den Berg, sprach das heilige Mantra, der Berg öffnete sich und der Arme trat in die Höhle ein. Er scheffelte so viel Gold, Silber und Edelsteine in seinen Sack, wie er tragen konnte. Diesmal teilte er sich seinen Reichtum so gut ein, dass er für sich und seine Familie für immer genug zu essen hatte. Und er ging auch so sparsam mit dem Geld um, dass es nicht vorzeitig aufgebraucht war. Es blieb aber immer noch genug, daß er den anderen Armen etwas von seinem Reichtum abgeben konnte. So lag Segen auf seinem Tun.

Der reiche Bruder bekam den Scheffel zurück. Und wie erfreut war der Bruder, als etwas Gold am Scheffel kleben geblieben war. Sofort rannte er zu seinem Bruder und verlangte zu wissen, woher er das Gold hatte. Der Arme verriet dem Bruder das Geheimnis des Berges. Daraufhin fuhr der Reiche sofort mit einem großen Karren dort hin, um ganz viel Gold abtransportieren zu können.

Er wartet ab, bis die Räuber den Berg verließen, sprach das geheime Mantra und fuhr mit seinem Karren in den Berg hinein. Er brauchte einige Stunden, um die ganzen Schätze auf seinen Karren zu laden. In seiner Gier hatte er aber das Mantra vergessen, durch das er die Tür öffnen konnte. Er rief immer wieder voller Verzweiflung: „Simeliberg, Simeliberg, öffne dich.“ Aber der Berg öffnete sich nicht.

So blieb er in dem Berg gefangen, bis die Räuber zurück kamen. Die Räuber waren froh, dass sie endlich den Dieb gefangen hatten, der ihnen schon zweimal ihre Schätze geraubt hatte. Der Reiche flehte sie an ihn zu verschonen. Er behauptete, dass er einen Bruder hätte, der die ersten zwei Male etwas von dem Schatz genommen hatte. Aber die Räuber glaubten ihm nicht. Sie nahmen ein großes Schwert und schlugen ihm den Kopf ab. So wurde der Reiche für seine Gier bestraft und der Arme durch sein gutes Herz belohnt.

Jetzt wird es spannend. Wie kommen wir zu großem Reichtum? Wo ist der Berg zu finden? Der Berg ist natürlich nicht im Außen, sondern in unserem Inneren. Der größte Schatz ist das innere Glück, die Erleuchtung, das Paradiesbewusstsein. Wenn wir das begriffen haben, dann können wir auch das richtige Mantra finden.

Das Mantra lautet natürlich nicht „Berg Semsi“ oder „Sesam öffne dich,“ wie in der ähnlichen Geschichte von Tausend und eine Nacht. Auch Simeliberg ist nicht das richtige Wort. Das richtige Wort müssen wir in uns selbst finden. Dazu müssen wir zuerst den Weg des inneren Glücks und der Erleuchtung auf einer tieferen Ebene verstehen.

Was uns an der Erleuchtung hindert, sind unsere inneren Verspannungen. Diese inneren Verspannungen blockieren unsere Energiekanäle. Können wir diese Verspannungen auflösen, dann beginnt die spirituelle Energie in uns zu fließen. Dann verändert sich unser Bewusstsein. Wir spüren Frieden, Liebe und Glück in uns. Unser Geist beginnt von Grund auf positiv zu denken. An allen äußeren Erscheinungen können wir dann auch etwas Positives entdecken. Wir erfahren durch unser positives Denken unsere Welt als Paradies. Wir sehen das Licht in der Welt, weil wir das Licht in uns haben.

Der Berg Semsi ist unser Körper. Der große Schatz ist die spirituelle Energie. Und das richtige Mantra ist jeweils das Wort, mit dem wir unsere inneren Verspannungen auflösen können. Dieses Wort können wir nur individuell finden. Wir müssen ausprobieren, welcher positive Satz uns in der jeweiligen konkreten Situation hilft. Wir werden feststellen, dass wir uns so von innerem Leid befreien können. Wir können mit einem passenden Satz Frieden und Glück in uns erzeugen. Wenn wir innerlich weit genug sind, können wir sogar mit einem einzigen Wort zur Erleuchtung durchbrechen. Dann können wir unser ganzes Leben im Glück, in der Liebe und im inneren Frieden verbringen. Und falls uns unser inneres Glück einmal verlässt, können wir es durch ein geeignetes Mantra immer wieder neu erzeugen.

Der Trommler (Video)

23. Der Trommler

Es war einmal ein junger Trommler, der ging eines Tages an einem warmen Sommertag an einem See entlang. Da erblickte er im Gras am Ufer ein feingesticktes Hemd. Da kein Mensch weit und breit zu sehen war, nahm er das Hemd mit nach Hause. Am Abend klopfte es an seine Tür. Er öffnete die Tür und ein schönes Mädchen trat herein: „Ich bin eine verzauberte Königstochter. Ich habe im See gebadet und du hast mein Hemd mitgenommen. Bitte gib es mir zurück, sonst kann ich nicht nach Hause fliegen.“ Der Trommler wunderte sich sehr: „Woher kommst du? Wer hat dich verzaubert? Und wieso kannst du fliegen?“ Die schöne Prinzessin antwortete: „Mein Vater ist der König in einem fremden Reich. Er hat sich mit einer Hexe gestritten. Deshalb hat die Hexe mich verzaubert und hält mich auf dem großen Glasberg gefangen. Wenn ich mein gesticktes Hemd anziehe, dann kann ich damit fliegen und für kurze Zeit den Glasberg verlassen,“

Gerne gab der junge Trommler der Prinzessin ihr Hemd zurück. Da sie sehr schön war, hatte er sich sofort in sie verliebt und wollte sie retten: „Wie kann ich dir helfen? Wo finde ich den Glasberg?“ Der Glasberg liegt weit weg hinter dem großen Wald. Aber selbst wenn du dort hingelangen kannst, so kommst du doch nicht herauf.“ Mit diesen Worten zog sie ihr Hemd an und flog davon. Der Trommler behauptete: „Ich kann alles schaffen, wenn ich es will.“

Am nächsten Tag packte er seine Trommel ein und wanderte zum großen Wald. Im großen Wald wohnten böse Riesen, die jeden Menschen töteten, der unbefugt ihren Wald betrat. Als der Trommler die Riesen erblickte, fing er laut an zu trommeln. „Was trommelst du so laut,“ fragten die Riesen. „Ich rufe meine Armee zum Kampf, um euch zu töten.“

Da fürchteten sich die Riesen und baten ihn ihr Leben zu retten. Der Trommler hörte auf zu trommeln und erklärte den Riesen: „Wenn ihr mich zum Glasberg tragt, will ich euer Leben verschonen.“ Da freuten sich die Riesen. Ein Riese nahm ihn auf seine Schultern und trug ihn kurzer Zeit zum Glasberg. Natürlich hatte der Trommler keine Armee hinter sich, die er hätte rufen können. Aber da Riesen meistens ziemlich dumm sind, glaubten sie ihm jedes Wort.

So war er wider Erwarten schnell zum Glasberg gelangt. Aber wie sollte er dort hinauf kommen? Der Glasberg war sehr hoch und spiegelglatt. Der Soldat versuchte herauf zu klettern. Aber schon nach dem ersten Meter rutschte er wieder herunter. So jedenfalls war der Berg nicht zu bezwingen.

Zum Glück gab es in der Nähe zwei Menschen mit einem Wunschsattel. Wer sich auf diesen Sattel setzt, der kann sich überall hin wünschen. Der Trommler tauschte seine Trommel gegen den Wunschsattel ein. Er setzte sich auf den Sattel, wünschte sich auf den Glasberg und war sofort oben auf der Spitze des Berges.

Dort erblickte auf einer grasbewachsenen Ebene ein altes Haus. Vor dem Haus befand sich ein Fischteich und hinter dem Haus ein Wald. In dem Haus wohnte eine alte Hexe, die auch sofort aus der Tür trat: „Wo kommst du her? Was willst du hier,“ fragte sie den Trommler. Der entgegnete: „Ich komme von weit her. Ich möchte Einlass, Kost und ein Nachtlager.“ „Das kannst du haben, aber dafür musst du drei Aufgaben erledigen,“ meinte die Hexe. Dazu war der Trommler gerne bereit und übernachtete bei der Hexe im Hexenhaus.

Am nächsten Tag bat ihn die Hexe als erstes den Fischteich auszuschöpfen, damit sie die Fische fangen konnte. Dafür gab sie ihm aber nur einen Fingerhut. Wie sollte der arme Trommler mit einem Fingerhut einen ganzen Fischteich ausschöpfen. Bereits nach dem ersten Versuch verließ ihn der Mut und er setzte sich verzweifelt auf die Erde. Da trat plötzlich die schöne Prinzessin aus dem Hexenhaus. Sie sagte: „Ich kann dir helfen. Lege deinen Kopf in meinen Schoß und ruhe dich aus.“ Das tat der Trommler und hatte einen süßen Traum.

Während der Soldat schlief, drehte die Prinzessin ihren Wunschring und sofort war das Wasser aus dem Fischteich verschwunden und die Fische lagen in Reih und Glied vor dem Hexenhaus. Der Trommler wachte auf und freute sich. Die schönen Prinzessin war allerdings schon wieder verschwunden. Dafür kam die alte Hexe wieder aus der Tür heraus und meinte: „Die Aufgabe war zu leicht. Morgen bekommst du eine schwerere Aufgabe.“

Am nächsten Morgen bekam er die zweite und die dritte Aufgabe. Die Hexe erklärte ihm: „Fälle die Bäume hinter dem Haus, zerhacke sie und mache daraus ein großes Feuer.“ Wie sollte der Trommler einen ganzen Wald an einem Tag fällen und zu Brennholz verarbeiten? Er begann gar nicht erst mit der Arbeit, sondern hoffte auf die schöne Prinzessin. Die kam auch nach kurzer Zeit zu ihm. Er legte wieder seinen Kopf in ihren Schoß, schlief ein, hatte einen schönen Traum und sie drehte ihren Wunschring. Sofort war der ganze Wald zu einem großen Stapel vor dem Hexenhaus aufgeschichtet.

Das Mädchen sprach zu dem Soldaten: „Zünde das Feuer an. Wenn es brennt, wird die Hexe kommen und dir befehlen einen brennenden Holzscheit aus dem dem Feuer zu holen. Das kannst du ohne Angst tun. Dadurch wirst du mich befreien.“ Und so geschah es. Das Feuer loderte hell auf. Die Hexe kam und fragte, ob er sich traute ins Feuer zu springen und ein bestimmtes Holzstück zu retten.“ Ohne zu zögen, ging der Trommler ins Feuer und holte das Holzstück heraus. Das Holzstück verwandelte sich in die schöne Prinzessin. Die Prinzessin stieß die alte Hexe ins Feuer und alle waren gerettet.

Aus dem Hexenhaus holten sie die Schätze der Hexe. Dann drehte die Königstochter ihren Wunschring und wünschte sich mit dem Trommler zurück in ihr Königreich. Sie hatte sich in ihren Retter verliebt und war bereit ihn zu heiraten. Der Trommler wollte aber erst noch seine Eltern besuchen und sie zur Hochzeit einladen. Die Königstochter bat ihn inständig sie nicht zu vergessen.

Als der Trommler nach einem Jahr immer noch nicht zurückgekehrt war, machte sich die Königstochter auf den Weg zum Hause des Trommlers. Der hatte sie tatsächlich vergessen, weil ein Mädchen aus dem Dorf ihren Zauber auf ihn gelegt hatte. Gerade rechtzeitig vor der Heirat kam die Königstochter bei ihm an. Sie zeigte ihm ihren Ring und der Zauber war gebrochen. Der Trommler erinnerte sich wieder an das Geschehen und erklärte seinen Eltern, dass die Königstochter seine große Liebe war. Sie reisten in ihr Königreich, beide heirateten und waren ihr ganzes Leben lang glücklich.

In dieser Geschichte lernen wir den ganzen spirituellen Entwicklungsprozess kennen. Ein Mensch lernt den Geschmack des inneren Glücks kennen. Er kommt in Kontakt mit seiner inneren Königstochter. Bevor er sie befreien kann, muss er zuerst in den wilden Wald seines eigenen Bewusstseins eindringen und dort die Riesen besiegen. Die Riesen sind seine weltlichen Wünsche und Bedürfnisse. Der Mensch muss seinen Geist ganz auf das Ziel der Erleuchtung ausrichten.

Wenn das geschafft ist, kann er mit der Praxis der Meditation beginnen. Dafür steht in diesem Märchen der Wunschsattel. Der Mensch setzt sich zur Meditation (auf den Sattel), kommt innerlich zur Ruhe und kann sich dadurch geistig in die höchsten Höhen erheben. Er kann auf die Spitze des Glasberges gelangen, auf die er sonst nicht kommen kann. Der Glasberg ist der Berg der Erleuchtung. Wenn wir uns auf der Spitze des Berges und unter uns den Berg umgeben von einem großen Wald visualisieren, aktiviert das unser Wurzelchakra und die spirituelle Energie beginnt zu fließen. Die innere Königstochter erscheint.

Jetzt brauchen wir Ausdauer. Es ist als, ob wir einen Teich mit einem Fingerhut ausschöpfen müssten. Es erscheint unmöglich, aber nach einiger Zeit gibt es einen spirituellen Durchbruch. Das Feuer der spirituellen Energie erwacht in uns. Brennt das Feuer der Kundalini-Energie erst einmal richtig, ist es nicht mehr zu löschen. Es brennt von alleine weiter. Es verbrennt unser Ego (die Hexe), bringt uns in ein Einheitsbewusstsein und befreit die Königstochter in uns. Wir erlangen den Schatz des inneren Glücks.

Jetzt taucht jedoch die Gefahr des spirituellen Egos auf. Wir können Stolz auf unseren spirituellen Fortschritt entwickeln. Wir können uns als Erleuchteter auf einer unteren Stufen noch in weltliche Energien verstricken. Wir können uns in die falsche Frau, in unser spirituelles Ego verlieben. Deshalb müssen wir auch diesen Zauber lösen, damit es zur endgültigen, tiefen und dauerhaften Erleuchtung, zur wahren mystischen Heirat, kommt. Der Trommler ist ein Soldat. Er steht für Kraft und Ausdauer auf dem spirituellen Weg. Durch seine Trommel, sein spirituelles Mantra, motiviert er sich jeden Tag auf seinem spirituellen Weg zu bleiben und sein Ziel zu erreichen. Mit Ausdauer und etwas Weisheit können wir alles schaffen.

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