Yoga Jahresbuch

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Jeden Tag Motivation und Inspiration.

Januar Februar März April Mai Juni

Januar

1 Dieses ist ein besonderes Jahr.

Im Moment verändert sich gerade die Welt. Aus einer Zeit des Friedens kommen wir durch den Ukraine-Krieg in eine Zeit des Krieges. Wir werden weltweit durch eine lange Zeit der Aufrüstung und der Gewalt-Rhetorik gehen. Die Bundeswehr wird massiv aufgerüstet. Russland wird zum neuen Dauerfeind und Putin zu einem neuen Hitler, den man stoppen muss. Auch China rüstet derzeit massiv auf, um in vielleicht zehn Jahren die USA besiegen zu können. Dann könnte China mit seiner umfassenden Überwachungsdiktatur und seinen vielen Gefängnissen für Andersdenkende zum alleinigen Weltherrscher werden. Und Deutschland wird zu einem chinesischen Vasallenstaat. Wir werden den neuen Führer Xi verehren müssen.

Aber im Moment ist es noch nicht so weit. Denn die westlichen demokratischen Staaten wehren sich natürlich und verstärken ihr Militär. Und derzeit ist die Nato mit vierfacher militärischer Überlegenheit die stärkste Macht. Aber das kann sich ändern, weil China wirtschaftlich stark wächst und seine Atombomben ausbaut. Es droht ein weltweiter Atomkrieg und ein Dritter Weltkrieg. Soweit so gut. Oder nicht gut. In jeder Krise wachsen auch die guten Kräfte. Die Friedensbewegung aus den 70iger Jahren wird wieder lebendig.

2 Das goldene Zeitalter kommt

Es haben sich viele große erleuchtete Wesen auf der Erde inkarniert, um den Weltuntergang abzuwenden. Wir befinden uns in einer globalen Epoche des Kampfes der Guten gegen die Bösen. Wie es in allen heiligen Schriften der Welt vorausgesagt wurde. Nach der Aussage der Heiligen Schriften der großen Religionen der Welt, des Christentums, des Hinduismus und des Buddhismus, wird diese Epoche des Schreckens mit dem Sieg der Guten enden. Ein goldenes Zeitalter des Friedens, der Weisheit und der Liebe kommt auf uns zu.

Wann dieses Zeitalter genau anbricht, ist nicht gewiss. Es hängt davon ab, wie viele Menschen sich für eine bessere Welt engagieren. Wir können als spirituelle Menschen dieses Zeitalter bereits jetzt in uns beginnen lassen. Wir können in uns Frieden erzeugen. Wir können an unseren Gedanken arbeiten, achtsam auf unsere Gedanken sein, meditieren und mit dem Kundalini-Yoga unser inneres Glück entwickeln. Wenn das innere Glück erwacht, dann wird unser Geist positiv. Dann können wir unsere Welt als Reines Land, als Paradies erkennen, egal wie sie sich äußerlich gerade gestaltet. Denn aus der Sicht eines Erleuchteten ist alles genau so richtig wie es ist. Alles ist letztlich gut, weil ein Erleuchteter das Licht in allem sieht. Ein Erleuchteter lebt im Licht und sieht das Licht in seiner Welt. Alle äußeren Phänomene sind nur Randerscheinungen. Sie sind leer, vergänglich, Übungsmöglichkeiten für das Bewusstsein. Wer seinen Geist beherrscht, kann immer im inneren Frieden, im Glück und in der Liebe ruhen. Auch Buddha lebte friedlich in einer unfriedlichen Welt. Durch die Achtsamkeit auf seine Gedanken und das Leben in der Ruhe und Meditation bewahrte er seine Erleuchtungsenergie.

3 Ich werde in diesem Jahr siebzig.

Ich lebe jetzt 34 Jahre als abgeschiedener Yogi. Nach einer Vision vor etwa 25 Jahren werde ich im Alter von 70 zur Erleuchtung gelangen. In einer Vision sah ich mich in einer großen Gruppe meinen siebzigsten Geburtstag feiern. Ich saß einfach nur da in meinem inneren Glück und um mich herum feierten die Menschen. Und es gab da auch eine Frau. Vor 25 Jahren sah ich schon voraus, dass ich im Alter von siebzig Jahren eine Frau haben werde. Die Frau ist da. Für die Gruppe

haben sich schon viele Menschen angemeldet. Nur auf die Erleuchtung warte ich noch. Zuerst hat Barbara an meine Vision geglaubt. Aber je näher mein Geburtstag (im Mai) kommt, desto größer werden ihre Zweifel. Ich glaube ohnehin nicht an die eine Erleuchtung. Für mich ist der Weg der Erleuchtung ein Weg des ewigen Wachstums. Man kann spirituell immer weiter wachsen. Auch mit einer Erleuchtung hört der Weg nicht auf. Es gibt viele Stufen der Erleuchtung. Das Bewusstsein kann ewig wachsen.

4 Das große Lachen

Vielleicht klappt es ja auch nicht mit der Erleuchtung. Dann ist es Zeit über die Vision zu lachen. Immerhin ist die Frau aus meiner Vision bereits da. Das ist doch auch schon was. Eine glückliche Beziehung ist in der heutigen Zeit ein wertvolles Gut. Seit einiger Zeit spüre ich in mir auch heftige Energien. Es entwickelt sich spirituell etwas in mir. Aber was daraus wird, weiß ich nicht.

Ich hatte 1992 nach vier Jahren als Yogi eine erste Erleuchtungsphase. Die Kundalini-Energie erwachte. Abwechselnd war ich extrem glücklich und sehr unglücklich. Das ist typisch für einen spirituellen Reinigungsprozess. Seit dieser Zeit befinde ich mich in einem beständigen spirituellen Wachstumsprozess. Und ich denke, das wird auch noch einige Leben so weiter gehen.

5 Ein Buddha

Es ist ein langer Weg über viele Leben, bis man zu einem vollständigen Buddha wird. Ein vollständiger Buddha verfügt nicht nur über eine Erleuchtungssicht, sondern auch über besondere spirituelle Kräfte (Siddhis). Die wichtigsten Siddhis sind Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht. Man kann mit seinem Bewusstsein überall anwesend sein, an allen Orten und in allen Zeiten. Man kennt die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft seiner Mitmenschen. Man verfügt über starke spirituelle Energien und kann seinen Mitwesen daher spirituell sehr helfen. Es ist deshalb das Ziel eines Bodhisattvas ein Buddha zu werden, damit er seine Mitwesen ins Licht führen kann. Ein Buddha ist grundsätzlich auch in der Lage die Welt zu retten. Wir brauchen viele Buddhas, um ein goldenes Zeitalter auf der Welt zu erschaffen.

6 Das Yoga-Jahresbuch

Ich habe beschlossen ein Jahresbuch zu schreiben, weil dieses ein besonderes Jahr ist. Ich werde aus meinem Leben und dem Weltgeschehen berichten. Wir werden sehen, wie sich die Dinge bei mir und in der Welt entwickeln. Zunächst hoffe ich auf einen glücklichen Ausgang des Ukraine-Krieges. Aber selbst wenn dieser Krieg mit einem Frieden oder zumindest einem Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine endet, haben wir immer noch genug Probleme auf der Welt. Es droht eine weltweite Klimakatastrophe. Es werden viele Menschen verhungern und große Flüchtlingsströme entstehen. Bereits jetzt warnen die Hilfsorganisationen durch den Zusammenbruch der Weltwirtschaft vor einer Hungersnot in Afrika. Ich habe bereits Geld für die Menschen in Afrika gespendet.

7 Die fünf Grundsätze der Gesundheit

Es sieht ziemlich traurig mit der Welt aus. Es ist gut die Trauer zu leben. Aber wir sollten nicht in der Trauer versinken. Es nützt der Welt nichts, wenn wir in Depressionen versinken. Die Welt braucht starke, glückliche und optimistische Menschen, die die Dinge auf der Welt verändern. Der erste Schritt beginnt damit, dass wir gut für uns selbst, unsere Gesundheit und unsere Psyche sorgen. Ich habe deshalb die Lehre von den fünf Grundsätzen der Gesundheit aufgestellt, an die ich mich einigermaßen auch selbst halte: Gesunde Ernährung, täglicher Sport, Schadstoffe vermeiden (Alkohol, Rauchen), Meditation und positives Denken. Was ist heute dein positiver Gedanke? Wofür bist du dankbar? Was bringt dich ins Licht?

8 Frühere Leben

Ich glaube an frühere Leben. Bei mir tauchten in einer bestimmten Phase auf dem spirituellen Weg in Träumen meine früheren Leben auf. Die Träume waren sehr klar und mit bestimmten Begleitumständen verbunden. Zuerst tauchten Träume von Situationen aus dem jetzigen Leben auf, verbunden mit den genannten Begleitumständen. Dann träumte ich von meiner Geburt. Dann geschah einige Zeit nichts. Und dann tauchten innerhalb von vier Jahren die früheren Leben aus meinem Unterbewusstsein
auf. Aus meinen früheren Leben kann ich erkennen, dass sich mein Bewusstsein immer mehr zum Höheren entwickelte. Ich war beständig auf der Suche nach dem Glück. Ich vermutete das glückliche Leben immer bei den höher entwickelten Lebewesen und inkarnierte mich deshalb entsprechend, wenn
ich mit ihnen in Kontakt gekommen war. Vor etwa fünf Leben kam ich als Schamane kurz zur Erleuchtung und erfuhr dabei das höchste Glück. Ich brauchte aber noch vier Leben, um den zu mir passenden spirituellen Weg zu finden. Insgesamt kann ich mich etwa an fünftausend frühere Leben erinnern. Sie tauchten in einem Zeitraum von zwanzig Jahren auf. Sie tauchten in Träumen und auch tagsüber in Visionen auf. Es waren Träume in einer Art Kurzvideos von ein bis drei Minuten. Mit meinen Augen habe ich die jeweilige Situation genau gesehen und dann als Film in meinem Bewusstsein gespeichert. Die Videos waren sehr detailgenau. Ich konnte alle Einzelheiten erkennen und daraus Rückschlüsse auf die Zeit, den Ort und die Form meiner Inkarnation ziehen. Die ersten zweitausend Videos waren sehr genau. Dann tauchten die Leben als Kleinstlebewesen auf. Und die waren sehr ungenau, eher traumartig.

9 Der Wunsch nach Erleuchtung

Frage: Bei mir scheint es noch etliche Leben zu brauchen, bis ich überhaupt den Wunsch nach Erleuchtung in mir spüre. Vielleicht geht’s mir ja auch zu gut. Offenbar kommt man dem Wunsch nach Erleuchtung ja immer näher (und damit auch der Erleuchtung), je mehr man im Leben (oder in den Leben) gelitten hat.

Nils: Das geht den meisten Menschen so. Wer interessiert sich schon für die Erleuchtung? Und wer ist bereit die ganze Mühe des intensiven spirituellen Weges auf sich zu nehmen? Nur ganz wenige Menschen. Aber viele suchen Halt in ihrem Leben. Und den können sie in der Spiritualität, im Buddhismus, Yoga oder Christentum finden. Es muss ja keiner sofort die Erleuchtung erreichen. Es genügt für die meisten Menschen etwas mehr inneren Frieden, Glück und Liebe zu haben. Es genügt im Einklang mit sich selbst und seiner Welt zu sein. Es genügt auf seine Art ein sinnhaftes Leben zu führen.

Der intensive Wunsch nach Erleuchtung entsteht entweder, wenn man eine Erleuchtungserfahrung gehabt hat oder wenn man am Leben leidet. Wenn man zu sehr leidet, hat man kaum die Kraft den spirituellen Weg zu gehen. Und wenn es einem im Leben gut geht, warum sollte man etwas ändern? Aber in unserer Gesellschaft leiden sehr viele Menschen am Leben. Etwa ein Drittel der Menschen leidet an psychischen Krankheiten, Ängsten oder Süchten. In unserer Gesellschaft gibt es deshalb viele suchende Menschen.

10 Stufen auf dem Weg der Erleuchtung

Die erste Stufe auf dem Weg der Erleuchtung ist es, dass man nach Weisheit sucht. Es gibt zwei Gründe, weshalb man beginnt nach Weisheit zu suchen. Entweder leidet man am Leben oder hat man möchte sein Lebensglück vergrößern. Oft ist der Tod eines nahen Menschen ein Punkt, wo man anfängt über den Sinn des Lebens nachzudenken.

Normalerweise wird man in unserer konsumorientierten Welt durch die Schule und die Massenmedien auf eine falsche Fährte gelenkt. Man glaubt dann, dass das große Glück in einer glücklichen Familie, in einem attraktiven Partner, in einer beruflichen Karriere, in äußerem Reichtum oder im weltlichen Konsum zu finden ist. Im Laufe des Lebens stellen die meisten Menschen dann fest, dass alle diese Wege kein wirkliches tiefes Glück bringen und immer einen Pferdefuss haben. Sie bringen immer auch Leid mit sich. Entweder ruiniert man sein Gesundheit, endet im Burnout, streitet sich mit seinem Partner oder ist gelangweilt durch den oberflächlichen Konsum.

Ich begann meine Suche im Alter von 14 Jahren. Ich stellte fest, dass sich Freude und Leid im Leben immer abwechseln. Ich wünschte auf einer tieferen Ebene glücklich zu werden. Ich fragte nach dem Sinn des Lebens. Das Besondere an mir war, dass ich von da an beständig mein Leben zu beobachten begann. So erlangte ich im Laufe der Zeit Weisheit. Ich probierte viele Glückswege aus. Ich reiste viel, hatte viele Beziehungen und machte beruflich Karriere. Ich bestand mein Abitur, studierte Rechtswissenschaft, engagierte mich in der Studentenpolitik und wurde Rechtsanwalt. Ich hatte eine schöne Frau und wir bekamen ein Kind. Für kurze Zeit waren wir eine glückliche Familie. Aber dann zerstörte der Stress des Lebens und unser Ego das Glück.

11 Der Weg des inneren Glücks

Im Alter von 30 hatte ich alle wesentlichen Dinge in meinem Leben ausprobiert und hatte immer noch nicht den tieferen Sinn des Lebens gefunden. Ich war verzweifelt. Ich las alle Bücher zum Glück, die ich finden konnte. Und da traf ich auf den Philosophen Epikur und seine Lehre vom inneren Glück. Glücklich kann ein Mensch in seinem Leben vor allem dann werden, wenn er sein inneres Glück entwickelt. Dazu ist eine beständige Arbeit an den Gedanken, tägliche Meditation und eine gesunde Lebensweise erforderlich. Dass ich darauf noch nicht eher gekommen bin. Das Glück ist vorwiegend im Inneren und nicht im Äußeren zu finden.

Häufig treffen Menschen in ihrem Leben scheinbar zufällig auf den spirituellen Weg. Wenn sie vorher intensiv nach Weisheit gesucht und schon viele Glückswege ausprobiert haben, dann schlägt es oft wie ein Blitz in ihrem Geist ein. Sie erkennen spontan, dass sie den tieferen Sinn des Lebens gefunden haben. So war es bei der tibetischen Meisterin Tenzin Palmo. Und so war es auch bei mir. Tenzin Palmo las ein Buch von Buddha und wurde eine Buddhistin. Ich las ein Buch von Epikur und wurde ein Philosoph.

12 Vertiefung

Nachdem ich durch Epikur den Weg des inneren Glücks gefunden hatte, suchte ich nach Wegen das innere Glück zu erlangen. Ich las die Schriften aller großen Religionen, machte eine Ausbildung als Psychotherapeut und probierte zehn Jahre lang viele spirituelle Wege aus. Zuerst lag mein Schwerpunkt auf der Psychologie. Passend dazu hatte ich eine Freundin, die sich auch sehr für Psychologie interessierte. Sie hatte wie ich eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht und war eine geniale Therapeutin. Zwar hatte sie eine andere therapeutische Richtung. Sie kam eher von der Gestalttherapie und von der Gesprächstherapie her. Und ich hatte die rational emotive Therapieform erlernt. Aber wir ergänzten uns wunderbar und hatten viele spannende Diskussionen. Und viel Sex. Das darf nicht vergessen werden.

13 Depression

Mit dreißig Jahren fand ich den spirituellen Weg und im Alter von 31 geriet ich in eine schwere Depression. Die Depression entstand durch den überstarken Examensstress verbunden mit ständigem Streit in meiner damaligen Familie. Der tiefere Grund war eine überstarke Leistungsorientierung, die von meiner Mutter stammte. Mich überfluteten große Versagensängste, die nach dem Examen in eine einjährige schwere Depression mündeten. Das Leben brachte mir keinen Spaß mehr. Ich dachte ständig negativ und machte damit mir und meinen Mitmenschen das Leben schwer. Ich überlegte meinem Leben ein Ende zu setzen. Aber dann probierte ich doch aus, aus der Depression heraus zu kommen. Ich las viele psychologische Bücher und hatte nach einem halben Jahr einen guten Übungsweg gefunden.

Ich praktizierte ein halbes Jahr konsequent das positive Denken, beobachtete meine Gedanken, stoppte negative Gedanken und führte ein Glückstagebuch. Ich machte viel Sport (Karate) und erlernte bei einer Ärztin die Meditation (das autogene Training). Der Kampfsport gab mir Kraft. Die Meditation schenkte mir inneren Frieden. Und das positive Denken half mir meine falschen Gedankeneinstellungen aufzulösen. Ich praktizierte meinen Weg so radikal und konsequent, dass ich nach einem halben Jahr zur Erleuchtung durchbrach und meine Depression überwand.

14 Erleuchtung

In der Erleuchtung verschwanden alle Depressionen. Meine Gedanken verwandelten sich vollständig. Ich dachte grundlegend positiv. Ich hatte innere Frieden und Mitgefühl in mir. Alle Ängste und aller Lebensstress verschwanden. Mein Ego löste sich auf und ich war reines Bewusstsein. Ich war eins mit allem. Ich konnte mich mit allem identifizieren und jede Persönlichkeitsform annehmen.

Die Erleuchtung hielt einige Zeit an. Dann verschwand sie wieder, weil ich für eine dauerhafte Erleuchtung noch nicht weit genug entwickelt war. Ich hatte noch zu viele Verspannungen in meinem Geist, die mich wieder in die weltliche Ebene zogen. Aber aus meiner Sicht war diese Erleuchtung auch nicht vollständig. Ich besaß tiefen inneren Frieden, weil ich kein Ego mehr hatte. Aber mir fehlte das tiefe innere Glück. Aus meiner Sicht gehört das zu einer vollständigen Erleuchtung dazu. Schließlich war ich ein Glücksphilosoph, für den das Glück das Zentrum des Lebens ist.

15 Vollständige Erleuchtung

Die vollständige Erleuchtung erlangte ich einige Jahre später, als bei einer tiefen Meditation meine Kundalini-Energie erwachte. Die Energie stieg vom Beckenboden langsam als dicke Energiesäule in meinem Körper hoch. Als sie meinen Kopf erreichte, gab es einen Bewusstseinsumschwung und ich war im tiefsten Glück. Ich erkannte, dass dieses Glück der tiefere Sinn des Lebens ist.

Ich bin später noch oft in tiefe Glückszustände gelangt. Diese Glückszustände hingen meistens mit der Öffnung bestimmter Chakren zusammen. Durch eine Yogaübung öffnete sich mein Scheitelchakra. Vom Himmel aus floss das Licht in mich hinein. Durch die Übung der umfassenden Liebe öffnete sich mein Herzchakra und ich gelangte in eine unermessliche Dimension der Liebe. Durch intensives Voranschreiten auf dem spirituellen Weg aktivierte sich mein Unterbauchchakra (Solarplexus, Nabelchakra) und in mir entstand eine große innere Kraft. Ich trat damals gerade als Rechtanwalt vor einem Gericht auf und ich merkte, dass der Richter zutiefst von mir beeindruckt war.

Als ich meine Mutter im Krankenhaus besuchte, öffnete sich auf dem Spaziergang danach mein Erdchakra und ich erlange einen unermesslichen inneren Frieden. Man hätte mir einen Fuss abschneiden können und es hätte mir nichts ausgemacht. Ich war von allem äußeren Geschehen völlig unbeeindruckt.

Nachdem ich einige Jahre als Yogi gelebt hatte, lösten sich bei einem Spaziergang in der Natur umfassend meine Energieblockaden. Ich erfuhr meine Umwelt als Paradies. Alles war lichtdurchflutet. Alles strahlte glückselig aus sich selbst heraus. Die Farben und Formen waren äußerst intensiv. Ich befand mich in einem Einheitsbewusstsein und war eins mit der Natur.

16 Siddhis

Zur vollständige Erleuchtung gehören übersinnliche Kräfte. Es gibt sehr viele verschiedene Kräfte. Sie werden im Yoga Siddhis genannt. Die bekanntesten Siddhis sind das Hellsehen, das Heilen und das Reisen in jenseitige Welt. Wir können mit unserem Bewusstsein in die Zukunft sehen. Wir können Menschen an anderen Orten sehen und es spüren, wenn sie an uns denken. Wir können die Gefühle und die Gedanken von anderen Menschen spüren. Wir können mit unserem Bewusstsein aus unserem Körper austreten und zu fernen Welten reisen. Das ist nur eine kleine Anzahl von Siddhis. Es gibt noch viele mehr. Dazu kann ich aber nicht viel sagen.

Aus der Sicht der derzeitigen materialistischen Wissenschaft kann es keine Siddhis geben. Aber als spiritueller Mensch erfährt man sie, wenn man eine bestimmte spirituelle Stufe erreicht hat. Sie treten oft schon vor der Erleuchtung auf. Sie können sogar zu einem Hindernis für die Erleuchtung werden, wenn man dadurch sein Ego aufbläht. Wenn man andere Menschen mit seiner Energie heilen kann, könnte man sich zum Beispiel als großartigen Heiler sehen. Man fühlt sich dann als etwas Besseres als seine Mitmenschen und schon ist man aus dem Einheitsbewusstsein herausgefallen.

Im Yoga und im Buddhismus wird deshalb geraten, nicht von seinen Siddhis zu sprechen. Es wird sogar geraten, sie nicht zu verwenden, weil sie das Ego stärken könnten. Mir sind einige Siddhis auf meinem spirituellen Weg begegnet. Manche sind für mich inzwischen so selbstverständlich, dass ich sie nicht als etwas Besonderes empfinde. Einige Siddhis wurden mir von meinen Meistern übertragen, damit ich meine Aufgabe in der Welt erfüllen kann. Einige Siddhis kamen und gingen.

Ein vollständig erleuchteter Buddha bin ich aber noch lange nicht. Das wird noch einige Leben dauern. Ich kann aber sagen, dass es die Siddhis gibt. Ein vollständig erleuchteter Buddha besitzt die Fähigkeit der Allgegenwart, der Allwissenheit und der Allmacht. Er kann seine Anhänger an allen Orten sehen, hören und spüren. Er kennt ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft. Er weiß, was für sie richtig ist und kann ihnen mit seiner spirituellen Energie umfassend helfen. Er kann sie vor Leid bewahren und sie durch alle Krisen führen. Er kann ihnen die Kraft geben, ihre Ziele zu erreichen. Er kann sie mit Frieden, Liebe und Licht füllen. Er kann ihnen sogar das Erleuchtungsbewusstsein übertragen.

Ich habe das alles bei meinen Meistern erlebt. Eigentlich erfährt man erst durch die übersinnlichen Fähigkeiten, wie großartig der spirituelle Weg ist. Wenn es viele spirituelle Menschen gibt, können wir wirklich das Paradies auf der Erde schaffen. Andererseits gibt es auch bei spirituellen Menschen oft noch ein großes Ego. Unentwickelte spirituelle Menschen können auch eine Hölle auf Erde schaffen. Deshalb ist es so wichtig, dass es die Religion der umfassende Liebe gibt. Darum bemühen sich das Christentum, die Sufis im Islam, der Neohinduismus und der Mahayanabuddhismus. Derzeit stecken diese Religionen aber teilweise noch so im Ego, dass sie sich gegenseitig bekämpfen und nicht zur Harmonie finden können. Ähnlich ist es in den spirituellen Foren im Internet. Auch dort herrschen das Ego, der Streit und der Dogmatismus. Es ist noch ein weiter Weg zur vollständigen Erleuchtung aller Wesen dieser Welt.

17 Meine Meister

Meine Meister sehe ich als vollständig erleuchtete Buddhas an. Im Hinduismus spricht man von Avataren. Ich habe Meister aus verschiedenen Religionen. Im Buddhismus ist der Dalai Lama mein Meister. Er hat mir viele Energien übertragen und mich durch Träume auf meinem spirituellen Weg geführt. Meine hinduistischen Meister sind Mutter Meera, Sathya Sai Baba, Swami Sivananda, Anandamayima und Amritanandamayi (genannt Amma). Sie alle sind mir in Träumen erschienen und haben mir spirituelle Energien übertragen. Teilweise durfte ich sie auch persönlich treffen. Soweit sie schon tot sind, sind sie mir nach ihrem Tod in Träumen erschienen. Eine Zeitlang fühlte ich mich auch mit christlichen Meistern wie Jesus Christus, Mutter Maria, Mutter Theresa, Antonius dem Großen und dem katholischen Priester Bede Griffiths sehr verbunden.

Ohne meine Meister wäre ich nichts. Ich glaube, dass ich durch sie zum spirituellen Weg gefunden habe. Sie haben mir meine Erleuchtungserfahrungen und ihr spirituelles Wissen geschenkt. Ihre Bücher sind eine tägliche Inspiration auf meinem Weg. Sie geben mir die Kraft meinen spirituellen Weg zu gehen. Ich verbinde mich jeden Tag geistig mit ihnen, damit ich meinen Weg nicht verliere.

18 Die Prostituierte

Eine Bekannte von mir war früher eine Prostituierte. Sie ruft mich jeden Tag an, damit ich ihr helfe aus dem Sumpf ihres Lebens herauszukommen. Sie bemüht sich wirklich sehr. Aber sie steckt immer noch in den Süchten des weltlichen Lebens fest. Zwar ist sie inzwischen der Prostitution entkommen. Einige Jahre riefen immer noch Freier bei ihr an und boten ihr viel Geld für Sex. Aber sie hatte gelernt, dass die Prostitution letztlich ein Leidweg ist.

Am Anfang hatte ihr die Prostitution viel Spaß gebracht. Sie hat viel Geld verdient und konnte in Konsumgütern schwelgen. Auch die starken Sexenergien zogen sie sehr an. Aber dann wurde sie älter. Frauen aus Osteuropa drängten auf den Markt und verkauften sich für billiges Geld. Meine Bekannte verdiente nur noch wenig Geld. Sie hatte zwar viel Geld für ein sorgenfreies Alter zurückgelegt. Aber dann stahl ihr Freund, der sie auch zur Prostitution gebracht hatte, ihr ganzes Geld. Sie landete im Sado-Maso-Sex und erlitt dort große Qualen. Bis sie genug hatte. Eines Tages wollte sie nicht mehr leiden und bat mich um Hilfe.

Ich half ihr sich von der Prostitution zu befreien. Aber dann wurde es schwierig. Sie hatte keine Selbstdisziplin. Sie scheiterte in allen Berufen und allen Beziehungen. Anstelle der Prostitution verfing sie sich in der Spielsucht im Internet. Ich führte sie auf den spirituellen Weg, um sie von ihren Süchten zu befreien und ihrem Leben einen tieferen Sinn zu leben. Sie hatte eine starke Energie und machte schnell spirituelle Fortschritte. Sie gelangte durch die Meditation zu innerem Frieden und Glück. Aber sie fiel immer wieder schnell in den weltlichen Weg zurück. Die weltlichen Energien versprachen kurzfristig viel mehr Glück. Das Glück auf dem spirituellen Weg muss man langfristig entwickeln. Dazu braucht man viel Selbstdisziplin. Aber die hatte meine Bekannte nicht.

Sie schwankte jeden Tag zwischen spirituellen und weltlichen Energien hin und her. Sie verlor sich in Internetspielen und verspielte ihr ganzes Geld. Dann spürte sie das Leid des weltlichen Weges und kam wieder zum spirituellen Weg zurück. Nach kurzer Zeit langweilte sie der spirituelle Weg und sie begann wieder ihrer Spielsucht zu frönen. Was sollte ich tun? Das einzige was ich tun konnte war, sie immer wieder aufzubauen. Jeden Tag. Jahraus jahrein. Immerhin schaffte sie es mich jeden Tag anzurufen. Sie liebte es mit mir zu telefonieren. Und das gab ihr einen gewissen Halt in einem Leben. Ich bete zu meinen Meistern, dass sie eines Tages ins Licht gelangt.

19 Meister-Yoga

Die meisten Menschen haben nicht die Selbstdisziplin konsequent ihren spirituellen Weg zu gehen. Sie hängen in weltlichen Glücksvorstellungen fest. Aber sie merken, dass ihnen der spirituelle Weg einen gewissen Halt im Leben gibt. Was sie tun können, ist sich jeden Tag mit ihrem spirituellen Vorbild (Buddha, Jesus, Krishna, Shiva) oder ihrem spirituellen Meister zu verbinden. Sie meditieren jeden Tag etwas, lesen in einem spirituellen Buch und machen ein kleines Ritual vor ihrem Hausaltar. Auch so wachsen sie spirituell im Laufe der Zeit. Von Leben zu Leben kann sie so ihr spiritueller Meister immer weiter ins Licht führen.

So geschieht es in Indien und auch in Deutschland. Nur einige wenige Menschen werden Yogis, Mönche oder Nonne. Die Mehrzahl der Menschen lebt als Laien und praktiziert jeden Tag ein kleines spirituelles Ritual. Und auch das tun in der heutige Zeit immer weniger. Das weltliche Konsumfernsehen ist attraktiver als der spirituelle Weg. Außer ein Mensch besitzt viel Weisheit und Selbstdisziplin. Oder er hat eine spirituelle Gruppe, die ihm Halt gibt. Durch eine Gruppe können 90 % der Menschen auf ihrem Weg bleiben. Ohne Gruppe schaffen es nur 20 %. Das sind die Erkenntnisse der psychologischen Forschung.

Deshalb habe ich eine Yogagruppe und eine Buddhismus Gruppe in Facebook gegründet. Ich habe viele kostenlose spirituelle Bücher geschrieben und viele Videos auf YouTube veröffentlicht. Jedes Jahr bieten Barbara und ich ein kostenloses spirituelles Retreat an. So kann ich einigen Menschen in Deutschland helfen. Zum Glück gibt es nicht nur mich, sondern viele spirituelle Lehrer. Insgesamt hat sich eine große spirituelle Szene in Deutschland entwickelt.

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20 Was ist Wahrheit?

Das ist eine große philosophische Frage? Es gibt die absolute Wahrheit und die relative Wahrheit. Die absolute Wahrheit ist von uns Menschen nur teilweise zu erkennen. Wir sind Teil des kosmischen Systems. Wir können nur das erkennen, was uns im Rahmen des kosmischen Systems möglich ist. Wir haben vom Kosmos Ohren, Augen, eine Nase, Hände und einen Verstand bekommen. Damit können wir Rückschlüsse auf die absolute Realität ziehen.

Wir können die materielle Welt wahrnehmen. Wir sind ein Körper und ein Geist. Wir haben körperliche und geistige Bedürfnisse. Wir leben eine Zeitlang, pflanzen uns fort und sterben eines Tages. Unsere Nachfahren führen die Existenz der menschlichen Rasse auf der Erde fort. Die menschliche Rasse entstand vor einigen Millionen Jahren und wird in einigen Millionen Jahren wieder verschwunden sein. Dann wird es neue Lebensformen auf der Erde geben. Bis auch die Erde eines Tages verschwinden. Auch der Kosmos wird vermutlich eines Tages verschwindet. Dann wird ein neuer Kosmos entstehen. So wird es ewig weitergehen. Nach der modernen Physik gibt es wahrscheinlich viele Universen, die aus einer Art Ursuppe (der Urenergie, dem Nichts, der Leere, dem göttlichem Licht) immer wieder kommen und gehen. Und wir leben in einem Multiversum. Es existieren wahrscheinlich viele Universen nebeneinander.

21 Der Sinn des Universums

Was ist der tiefere Sinn des Universums? Das können wir Menschen letztlich nicht erkennen. Wir können nur erkennen, das alles ist. Und dass alles im Universum bestimmten kosmischen Gesetzen folgt. Und jetzt wird es spannend. Das Universum ist eine Glücksordnung. Alle Lebewesen wollen leben und streben nach Glück. Auch der Mensch möchte glücklich sein. Er probiert viele Glückswege aus, bis er erkennt, dass das Glück in ihm selbst zu finden ist. Er kann durch bestimmte spirituelle Techniken sein inneres Glück erhöhen, bis er in einen Zustand des glücklichen erleuchteten Seins kommt. Man kann es auch Erleuchtung oder Erwachen nennen. Das tiefere Lebensziel des Menschen ist es im erleuchteten Sein zu leben. Seine Aufgabe ist es seine Chakren zu öffnen und in die umfassende Liebe zu kommen.

22 Eine glückliche Welt

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er wird glücklicher, wenn er sich mit anderen Menschen in Liebe austauschen kann. Er ist am glücklichsten, wenn er in einer Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks lebt. Er ist glücklich, wenn er in sich selbst glücklich ist und in einer Gemeinschaft mit anderen glücklichen Wesen lebt. Leider besitzt der Mensch ein ziemlich großes Ego. Dieses Ego bringt ihn dazu Glück nur für sich zu wollen. Er ist verblendet durch die materielle Welt und glaubt in seiner Unweisheit, dass er glücklicher wird, je mehr äußere Dinge er besitzt. Das bringt ihn dazu viele grausame Kriege zu führen und sich gegenseitig unglücklich zu machen. Die große kosmische Aufgabe des Menschen ist es Weisheit, Liebe und Frieden zu erlangen. Im Moment befindet sich die Menschheit in einer Phase der Unweisheit. Aber langfristig werden die Weisheit, die Liebe und der Frieden auf diesem Planeten zunehmen. Das sagen alle großen Seher der Menschheit voraus.

23 Die relative Wahrheit

Die oben aufgezeigten absoluten Wahrheiten sind für die meisten Menschen schwer zu erkennen. Deshalb haben wir derzeit so unglückliche Zustände auf der Welt. Erkennen können die Menschen die relative Wahrheit. Sie können ihr Leben beobachten, darüber nachdenken und so ihre eigene persönliche Wahrheit erkennen. Sie können ihren Weg der persönlichen Wahrheit sehen. Wenn sie ganz ehrlich zu sich sind, werden sie eines Tages zur Weisheit des inneren Glücks und der umfassenden Liebe finden. Sie werden erkennen, was sie wirklich glücklich macht. Sie werden ihr persönliches Leben so gestalten, dass es ein Glücksweg wird. Auf diese Weise werden alle Wesen im Laufe vieler Leben zur Erleuchtung finden.

24 Zukünftige Leben

Das große Geheimnis des Lebens ist es, dass der Mensch eine ewige Seele ist. Er ist ein Bewusstsein, das den Tod des Körpers überdauert und sich in einem neuen Körper wieder auf der Erde inkarniert. So kann das Bewusstsein von Leben zu Leben an Weisheit wachsen und eines Tages zur Erleuchtung gelangen. Dann wird es zum umfassenden Bewusstsein. Dann wird es eins mit der Urenergie des Kosmos. Dann kann es in einem glücklichen Jenseitsbereich weiter existieren oder immer wieder zur Erde kommen, um anderen Wesen auf dem Weg des Glücks zu helfen.

Nach der Aussage der erleuchteten Meister existieren viele Energieebenen im Kosmos. Das meinen auch viele Quantenphysiker. Wir können in immer höhere Ebenen aufsteigen. Wir konnen auf der materiellen Ebene leben. Das ist unsere Erde. Wir können in die Astralebene, eine erdnahe Jenseitsdimension gelangen. Dort ist unser Bewusstsein wie auf der Erde von Anhaftung und Ablehnung, von Freude und Leid, von Wut, Trauer, Angst und Sucht geprägt. Dann können wir in das Paradies der Formen aufsteigen. Wir erschaffen durch unser Bewusstsein Formen, die den Formen auf der Erde ähneln. Wir sehen schöne Landschaften, Häuser, Tiere und Menschen. In den Paradiesen ohne Form erheben wir uns über alle Formen. Wir sind reines Bewusstsein und nehmen Gefühle wie Liebe, Glück und Frieden war. So können wir in immer höhere Ebenen aufsteigen, die aber für unser derzeitiges Bewusstsein unbegreifbar sind. Wir überwinden Raum und Zeit. Wir können an jeden Ort des Universums gelangen und in der Zeit vor und zurück reisen.

Das Wunderbarste ist, dass alle diese Ebenen gleichzeitig in unserem Bewusstsein existieren. Wir können auch auf der Erde in allen diesen Ebenen sein. Deshalb können manche Menschen in die Zukunft sehen. Sie können sich geistig zu fernen Orten begeben. Ein vollständig erleuchteter Meister kann alle Menschen sehen, die mit ihm energetisch verbunden sind. Er kennt ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er kann ihnen über jede Entfernung spirituell helfen. Er kann in ihren Träumen erscheinen und ihnen Energien übertragen. Er selbst kann im Schwerpunkt seines Bewusstseins auf der Erde sein oder in einer höheren Bewusstseinsebene ruhen. Ein spiritueller Meister ist man dann, wenn man geschickt alle Ebenen verbinden kann. Dann ist ein optimales Leben möglich.

25 Beweise für ein Leben nach dem Tod

Wissenschaftlich ist es noch umstritten, ob das Bewusstsein ewig lebt. Aber es gibt viele Indizien, die dafür sprechen. Es gibt die Nahtoderfahrungen, die Kontakte vieler Menschen mit verstorbenen Verwandten und die Erkenntnisse der erleuchteten Meister. Die absolute Wahrheit ist es, dass das Bewusstsein ewig ist. Die relative Wahrheit des einzelnen Menschen ist in Bezug auf diese Tatsache sehr unterschiedlich. Es hat aber große Auswirkungen auf unser jetziges Leben, ob wir an viele Leben und die Entwicklung zur Erleuchtung glauben oder nicht.

Der beste Beweis besteht darin, dass wir die Wahrheit selbst erfahren. Wenn wir zur Erleuchtung gelangen, können wir erkennen, wie die Dinge wirklich sind. So erging es Buddha. Er erkannte das erleuchtete Sein als das Ziel des Lebens. Er erkannte, dass uns unser Ego am erleuchteten Sein hindert. Wir müssen alle Anhaften an äußere Genüsse und die Ablehnung von Leid loslassen. Wir müssen Weisheit erlangen und unser Bewusstsein auf das erleuchtete Sein konzentrieren. Wir müssen es lernen zwischen Weisheit und Unweisheit zu unterscheiden. Wenn wir unseren Geist schulen, achtsam auf unsere Gefühle und Gedanken sind, können wir das erleuchtete Sein bewahren.

Buddha konnte seine früheren Leben sehen. Er konnte auch in die Zukunft sehen. Er hat mit seinem Bewusstsein Raum und Zeit überwunden. Er konnte mit seiner Energie seine Schüler zur Erleuchtung bringen. Er wusste, dass sein Bewusstsein ewig ist. Allerdings hatte sich durch die Erleuchtung sein Bewusstsein über das normale Verständnis erhoben. Die Erleuchtung kann man nicht erklären. Man kann sie nur erfahren. Und dann weiß man auch, dass es höhere Ebenen des Bewusstseins gibt. Man kann dort hin reisen. Das berichten viele Erleuchtete. Buddha wusste viele Dinge. Das meiste hat er seinen Schülern nicht mitgeteilt. Er konzentrierte sich darauf, was zur Erlangung der Erleuchtung wichtig ist. Dann kann man selbst alles höhere Wissen erlangen.

26 Das Selbst

Bereits die Frage nach dem Selbst ist für Nichterleuchtete nicht zu begreifen. Darüber streiten sich Buddhisten und Nichtbuddhisten seit tausenden von Jahren. Gibt es ein Selbst oder gibt es kein Selbst? Im Hinduismus lehrt man, dass sich das Selbst (die Seele) von der unerleuchteten Seele zur erleuchteten Seele weiterentwickelt. Dann wird die Seele eins mit dem göttlichen Bewusstsein. Im Buddhismus vertritt man die Lehre vom Nicht-Selbst (Anatman, Anatta). Danach gibt es kein eigenständiges Selbst. Das Nicht-Selbst ist das erleuchtete Selbst. Es ist eins mit allen Wesen und allen Dingen. Es ist eins mit Gott, dem absoluten Licht. Ein Erleuchteter besitzt ein Einheitsbewusstsein. Er sieht sich in allem. Aber gleichzeitig hat er noch das Bewusstsein der Eigenständigkeit. Er kann eigenständig handeln. Er kann zwischen Handeln und Sein entscheiden. Er kann in beidem gleichzeitig ruhen. Das muss man erfahren. Dann begreift man es.

Das Bewusstsein erlischt nicht. Das ist ein Missverständnis der buddhistischen Lehre der Leerheit. Leerheit bedeutet Egolosigkeit. In der Leerheit existieren aber gleichzeitig noch Frieden, Glück, Einheit und Handlungsfähigkeit. Die Erleuchtung besteht aus den zwei Seiten Egolosigkeit (Leere, Nichtswerdung) und Glück (Einheit, Alleswerdung). Es gibt ein ewiges Bewusstsein, aber es verändert sich ewig. Erleuchtung ist unermesslich. Man kann ewig spirituell wachsen. Man kann ewig in den Eigenschaften Frieden, Liebe, Glück, Weisheit und Kraft zunehmen. Man kann ein vollständig erleuchteter Buddha werden. Und dann kann man weiter wachsen, indem man sich mit allen Wesen auf der Welt verbindet und ihnen spirituell hilft. Das Bewusstsein kann so weit werden wie der Kosmos und gleichzeitig so klein, dass man in einem Einzelwesen ist. Man kann als Kosmos im Glück ruhen und in einer individuellen Form auf der Welt handeln. Das ist der Weg des Bodhisattvas, des Buddhas der Liebe. Im Hinduismus spricht man von Shiva und Shakti. Shiva ist das umfassende Bewusstsein und seine Frau Shakti ist das Leben, dass sich in vielen Formen manifestiert.

26 Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

In der Spiritualität wird gelehrt, dass man in der Gegenwart leben sollte. Das ist insofern richtig, als es das Ziel ist im erleuchteten Sein zu leben. Wer nicht an den äußeren Genüssen anhaftet, das Leid im Leben nicht ablehnt, ohne Ängste und ohne Wut ist, der ruht in sich selbst, im inneren Frieden und im gegenwärtigen Sein.

Allerdings funktioniert diese Lehre nur, wenn man bereits erleuchtet ist. Dann ist man in sich selbst glücklich und braucht nichts Äußeres mehr. Man lebt innerlich abgeschieden von der äußeren Welt. Die meisten von uns sind aber nicht erleuchtet. Und selbst wenn sie erleuchtet sind, sind sie nicht so weit erleuchtet, dass sie völlig unabhängig von äußeren Dingen sind. Ich sehe das daran, dass auch Erleuchtete sich leicht aufregen können und oft äußeren Genüssen verfallen. Ein erleuchtete Bekannte von mir wurde immer fürchterlich wütend, wenn jemand anderer Meinung als sie war. Sie konnte nur Verehrung und Bewunderung ertragen. Genauso erging es mir mit einem tibetischen Lama in Hamburg. Er schmiß alle aus seiner WhatsApp-Gruppe heraus, die es auch nur wagten eine eigene Meinung zu haben. Ein sehr bekannter erleuchteter Lama liebte den äußeren Konsum, das Fernsehen und die Frauen. Er wurde sogar vom Dalai Lama dafür getadelt.

Solange wir nicht vollständig erleuchtet sind, müssen wir an unserem Geist arbeiten. Wir sollten klug mit der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft umgehen. Für viele Menschen ist es hilfreich, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. So können sie ihre Ängste, ihre Süchte und ihre Trauer loslassen. Sie überwinden so ihre Ängste vor der Zukunft und ihre Trauer über ihre Vergangenheit. Sie finden zum inneren Frieden.

Andererseits können wir unser inneres Glück vermehren, wenn wir daran denken, was alles Positives in unserem Leben geschehen ist. Wir können dankbar für unsere Freunde, unsere Familie, unsere Wohnung, unser Essen und unsere Gesundheit sein. Wir können aus der Vergangenheit lernen und so eine glückliche Zukunft haben. Wir können uns eine glückliche Zukunft ausmalen, positive Ziele anstreben und so eine positive Aufgabe in unserem Leben haben. Das macht uns glücklich. Das gibt uns einen tieferen Sinn im Leben.

Die beste Weg in eine glückliche Zukunft besteht darin nach Erleuchtung zu streben. Durch gute Taten erhalten wir ein gutes Karma. Wir bestimmen durch unsere Handlungen in der Gegenwart, welche Zukunft wir erhalten. Bei genauer Hinsicht müssen wir weise mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft umgehen. Wir sollten die Gedanken pflegen, die uns helfen dauerhaft glücklich zu sein. Wir sollten genau hinschauen, ob es im Moment für uns richtig ist, uns auf die Zukunft, die Vergangenheit oder die Gegenwart zu konzentrieren.

27 Zufriedenheit

Zufriedenheit ist ein wichtiges Ziel im Yoga und im Buddhismus. Ich organisiere meinen Tag so, dass ich am Ende des Tages damit zufrieden bin. Ich plane mein Leben so, dass ich am Ende des Lebens zufrieden bin. Ich organisiere mein Leben so, dass Zufriedenheit entsteht. Zufriedenheit beinhaltet das Wort Frieden. Wir finden Frieden mit uns und unserer Welt. Wir leben so, dass wir zum Frieden hin kommen. Was ist mit diesem Frieden gemeint? Es geht nicht nur um innere Ruhe. Es geht nicht nur darum, dass wir unsere Ziele erreicht haben. Es geht auch um das Wohlgefühl, das aus der Entspannung nach einem langen Kampf entsteht. Wir haben uns angestrengt. Wir haben unser Ziel erreicht.

Letztlich geht es um die Erleuchtung. Die große Zufriedenheit entsteht erst in der Erleuchtung. Dann sind wir aus uns selbst heraus glücklich. Dann entsteht Zufriedenheit von alleine aus unserem Inneren. Dann haben wir alles für uns erreicht. Dann gibt es nichts Großes für uns zu tun. Wir leben im Glück, im Frieden und in der Wahrheit.

Wir können höchstens noch für das Glück unserer Mitwesen sorgen. Dafür gibt es endlos viel zu tun. Es gibt endlos viel Leid auf der Welt. Es ist ein weiter Weg zu einer Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks. Es ist ein weiter Weg bis alle Menschen erleuchtet sind. Vielleicht ist es ein Utopie. Wir sollten uns nicht mit diesem Ziel stressen. Wir sollten das tun, was wir tun können. Wir sollten in der Liebe zu allen Mitwesen leben. Dann entsteht am Ende unseres Lebens die große Zufriedenheit.

Speziell bin ich heute zufrieden über mein neues Buch „Reinkarnation Grundwissen“. Es ist erfolgreicher als ich es mir vorgestellt hatte. So ich erreiche ich viele Menschen mit meinem spirituellen Wissen. Bei Amazon war das Ebook ganz vorne bei den meistgelesenen Büchern gelistet (N.1 bei Naturwissenschaft und Nr. 9 bei Jugendbüchern). Daraufhin habe ich es gestern noch schnell als Paperback zusammengestellt. Und heute hat Amazon es schon veröffentlicht. Das ging sehr schnell. Und meine Facebook-Freundin Chryssanti hat sich sehr darüber gefreut. Sie kommt mit einem Artikel auch in dem Buch vor.

28 Das Leid einer ehemaligen Prostituierten

Es gibt auch das Leid in der Welt. Das erkenne ich jeden Tag, wenn meine Bekannte anruft. Sie hat früher als Prostituierte gearbeitet. Der viele Sex hat sie energetisch ruiniert. Gegen viel Geld hat sie zugelassen, dass sie immer wieder sexuell missbraucht wurde. Das hat zu vielen Verspannungen im Unterleib geführt. Jetzt im Alter von etwa 40 Jahren hat sie fast ständig Schmerzen. Sie leidet unter Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Depressionen. Sie kämpft sich jeden Tag durch das Leben. Manchmal geht es ihr zwar auch gut. Aber meistens nur für eine kurze Zeit. Ich versuche sie jeden Tag etwas aufzubauen.

Die beste Perspektive wäre es für sie von einer Hure zu Heiligen zu werden. Solche Fälle gab es öfter. Einige Hundert Jahre nach Christus lebte Maria von Ägypten. Sie war eine sehr schöne Frau und verdiente ihr Geld als Hure. Bei einer Wallfahrt nach Jerusalem erwachte der Wunsch ihr altes Leben aufzugeben und ein neues Leben zu beginnen. Sie zog als Eremitin in die Wüste und gelangte nach 46 Jahren disziplinierten Übens zur Erleuchtung. Sie wurde zur einer vielfach verehrten christlichen Heiligen. Auch im Yoga und im Buddhismus gibt es solche Geschichten.

Aber um ein konsequent spirituelles Leben zu führen, braucht frau innere Kraft und Zielstrebigkeit. Und das fehlt meiner Bekannten. So können wir nur versuchen mit spirituellen Übungen ihre inneren Verspannungen zu heilen und ihren Geist auf das Positive im Leben zu orientieren. Das Positive in ihrem Leben ist ihre kleine Katze. Und manchmal auch ich, wenn ich es schaffe sie wieder zurück zum spirituellen Weg zu bringen. Sie schwankt ständig zwischen den weltlichen und dem spirituellen Weg hin und her. Obwohl sie merkt, dass ihr der weltliche Weg meistens Leid und der spirituelle Weg inneren Frieden und Glück schenkt. Aber ihre weltliche Anhaftung ist so groß, dass sie ihren Geist nicht dauerhaft auf den spirituellen Weg konzentrieren kann. Das einzige Ritual, was sie zu tun mag, ist mich täglich anzurufen, weil sie so etwas Kontakt hat. Das hält sie letztlich auf ihrem Weg.

29 Die Power von Barbara

Meine Freundin Barbara ist dagegen ganz anders. Sie hat sehr viel Power. Sie macht jeden Morgen ihre spirituellen Rituale. Sie erweckt mit einem positiven Mantra ihr inneres Glück. Sie hört die Tagesbotschaft ihrer spirituellen Meisterin auf YouTube. Und sie meditiert jeden Tag eine halbe Stunde. Zwar leidet sie auch einigen Krankheiten, weil sie in ihrem Leben zu viel gearbeitet hat. Sie hat sich immer etwas überfordert. Auch jetzt noch neigt sie dazu überaktiv zu sein. Sie liebt es zu putzen, im Garten zu arbeiten und zu shoppen. Ich bin eher etwas zu träge. Ich meditiere viel, gehe spazieren und erfreue mich am Sein. Zusammen sind wir ein gutes Paar. Ich bringe Barbara etwas zur Ruhe und sie bringt mich zur Aktivität.

30 Wie ich mich selbst sehe

Ich bin ein ziemlich verrückter Typ. Inzwischen ein verrückter alter Typ. Ich war immer anders als die anderen Menschen. Ich wollte immer normal sein. Aber das ist mir nie gelungen. Im Kindergarten war ich ängstlich und zurückgezogen. In der Schule war ich rebellisch. Als Student war ich ein linker Studentenführer. Dann war ich ein linker Rechtsanwalt. Und dann wurde ich ein engagierter Yogi. Ich verband die Spiritualität und mit der Arbeit für das Glück aller Wesen. Bereits als Student wünschte ich eine Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und des Glück. Mir fehlte aber der Weg Frieden und Glück in mir selbst zu schaffen. Das lernte ich erst durch meinen spirituellen Weg. Durch die tägliche Meditation findet man zum inneren Frieden, durch das positive Denken kann man Glück in sich erzeugen und durch die Öffnung des Herzchakras kommt man in die Liebe.

Mich begeistert der engagierte Buddhismus in der Tradition von Thich Nath Hanh und dem Dalai Lama. Im Yoga gibt es die Richtung des Neohinduismus, die sich für eine Welt der Liebe und des Friedens engagiert. Hier finden wir erleuchtete Meister wie Sai Baba, Mutter Meera, Anandamayi Ma, Amritanandamayi und Swami Sivananda. Der Begründer des Neohinduismus war Ramakrishna, der auch die Einheit aller Religionen lehrte. Das Zentrum im Mahayana Buddhismus und im Neohinduismus ist es in der Liebe zu leben und ein gutes Herz zu entwickeln.

Durch meine Freundin Barbara werde ich langsam immer normaler. Die langen Haare sind abgeschnitten, der Bart ist kurz, die Kleidung ordentlich und mein Leben verläuft in geordneten Bahnen. Gemeinsames Frühstück mit Brötchen und Marmelade. Mit dem Hund spazieren gehen. Barbara putzt das Haus und ich surfe im Internet. Mittagschlaf. Noch eine Runde mit dem Hund. Ich koche das Essen. Abends gibt es dann einen schönen Film im Fernsehen oder auf Netflix. Barbara liebt Familienfilme. Ich eher nicht. Aber damit wir etwas Gemeinsames tun können, ordne ich mich ihr unter. Meine Filme dagegen erträgt sie nicht. Meinem Geschmack kann sie sich nicht unterordnen. Also akzeptiere ich es, dass sie die Bestimmerin ist. So kommen wir miteinander klar.

Ich bemühe mich aber auch ausreichend Freiraum für mich zu haben, wo ich meditieren, die Welt retten und meinen spirituellen Weg praktizieren kann. Man muss sich in seinem Leben auch ausreichend selbst leben, sonst wird man langfristig unzufrieden. Innerlich bin ich immer noch ziemlich verrückt. In einer materialistischen Welt konzentriere ich mich auf den spirituellen Weg. Wo andere nach äußerem Reichtum streben, achte ich vor allem auf das innere Glück und die Liebe zu allen Wesen. Ich lebe als lachender Buddha im inneren Glück, wo andere Menschen sich an äußeren Dingen erfreuen. Und oft auch leiden. Ich übersteige Freude und Leid im äußeren Leben, indem ich das Licht in die Welt bringe und es so in mir habe. Ich halte es mit dem großen Philosophen Erasmus von Rotterdam: „Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grat an Verrücktheit.“

31 Im Einklang mit der Natur leben

Dalai Lama: „Der Mensch wird im Buddhismus als Teil der Natur betrachtet.“

Nils: Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir die Natur achten und pflegen sollten. Sie ist unsere Heimat. Wir hängen von ihr ab. Es bedeutet, dass wir den Gesetzen der Natur unterworfen sind. Wir sind vergänglich. Alles in der Natur stirbt irgendwann. Nur die Natur an sich ist ewig. Und so ist es auch mit unserem Körper. Unser Körper stirbt eines Tages. Nur unser Bewusstsein ist ewig, weil es aus einer höheren Dimension kommt. Wir sollten gesund leben, damit unsere Gesundheit erhalten bleibt. Wir sollten unseren Geist pflegen, damit wir positiv mit dem Leben fließen können und eines Tages im Licht erwachen.. Wir finden inneren Frieden, wenn wir im Einklang mit der Natur leben. Es ist gut sich öfter in die Natur zu begeben und auf die Natur zu meditieren. So gelangen wir in ein Bewusstsein der Einheit und ins Licht.

Februar

1 Was ist im Leben wichtig?

Der Lieblingsspruch meiner Exfrau war: „Lebe das Leben“. Was meint dieser Spruch? Das Leben an sich ist wertvoll. Wir sollten jeden Tag genießen. Wir sollten uns am Leben erfreuen. Aber was ist, wenn das Leben nicht erfreulich ist? Wenn das Leben vorwiegend aus Leid besteht? Sollten wir uns auch dann auf das Leben an sich konzentrieren? Sollten wir leiden, wenn das Leben Leid mit sich bringt? Sollten wir aus dem Leben einen Leidensweg machen, wenn unser Leben ein Leidensweg ist?

2 Leid nicht verdrängen

Grundsätzlich ist es nicht gut, Leid zu verdrängen. Wenn wir Gefühle wie Wut, Angst und Trauer verdrängen, dann erzeugt das innere Verspannungen. Und diese Verspannungen zerstören unsere Gesundheit, rauben uns unsere innere Kraft und unser inneres Glück. Dann wird das Leben wirklich zu einem Leidweg. Dann leben wir durch unser inneres Unglück in der Hölle, egal wie sich das äußere Leben gestaltet. Viele depressive Menschen können davon berichten. Ich selbst war ein Jahr schwer depressiv. Ich habe ein Jahr in der Hölle gelebt. Als ich durch Gedankenarbeit und Meditation meine Depression überwunden hatte, wusste ich, was der wirkliche Sinn des Lebens ist. Der wirkliche Sinn des Lebens ist es glücklich zu sein.

3 Freude und Leid

Das Leben besteht normalerweise aus Freude und Leid. Wir sollten uns am Leben erfreuen und gleichmütig durch die Phasen des Leidens hindurchgehen. Insgesamt sollten wir so leben, dass unser Leben ein Glücksweg wird. Wie wird das Leben ein Glücksweg? Wir sollten unser äußeres Leben klug gestalten. Wir sollten es so gestalten, dass wir uns in unserem Leben wohl fühlen. Wir sollten dafür sorgen, dass wir gesund sind, genug Geld haben, Freunde haben und auch etwas Spaß haben.

4 Inneres Glück

Äußeres Glück alleine genügt nicht. Das Hauptglück eines Menschen kommt aus seinem Inneren. Zu 90 % wird der Mensch durch seine Psyche glücklich oder unglücklich. Das ist das Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung. Viele Menschen in der heutigen Zeit sind innerlich unglücklich. Sie müssen vorwiegend an sich selbst arbeiten. Sie müssen ihr inneres Glück entwickeln, damit sie ein glückliches Leben haben können. Dafür geben uns die moderne Psychologie, der Buddhismus und auch der Yogaweg viele Tipps. Wir sollten jeden Tag an unseren Gedanken arbeiten und achtsam auf unsere Gefühle sein. Wir sollten das tun, was Glücksgefühle erzeugt und Leidgefühle vermeiden oder sie immer wieder heilen.

5 Positives Denken

Die wichtigste Technik für ein glückliches Leben ist das positive Denken. Positive Menschen sind doppelt so glücklich wie negativ denkende Menschen. Negativ denkenden Menschen sind neunmal so oft krank wie positive Menschen. Das positive Denken schützt uns vor Krankheiten, heilt uns körperlich und geistig und bewirkt glückliche Beziehungen zu unseren Mitmenschen. Es gibt deshalb sogar die positive Psychologie. Im Gegensatz zur traditionellen defizitorientierten Psychologie befasst sich die Positive Psychologie mit den positiven Aspekten des Menschseins. Sie konzentriert sich auf das Glück, den Optimismus, die Geborgenheit, das Vertrauen und auf die individuellen Stärken. Sie erforscht, wie ein Mensch in seinem Leben glücklich sein kann. Es ist wichtig, sich mit den Problemen des Lebens auseinanderzusetzen. Aber wenn wir in den Problemen hängen bleiben, wird unser Leben unglücklich. Das ist ein Hauptproblem der heutigen Psychologie. Ich habe das bei einer Bekannten erfahren, die unglücklicher wurde, je länger sie ihre Psychoanalyse betrieb. Wir müssen das Positive in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen. Dann wird unser Leben glücklich. Das ist die große Erkenntnis der positiven Psychologie. Das hat auch der Paartherapeut Gottman erforscht. Wir sollten das tun, was uns Spaß bringt und was unserem Leben einen tieferen Sinn gibt. Und vor allem sollten wir an unseren Gedanken arbeiten und positiv denken.

6 Die Gefahren des positiven Denkens

Beim positiven Denken gibt es einige Gefahren. Wir sollten das positive Denken mit Weisheit praktizieren. Wir dürfen nicht unsere Probleme verdrängen, weil wir sie sonst nicht lösen können. Wir dürfen nicht unsere negativen Gefühle wie Wut, Trauer oder Angst verdrängen, weil so innere Verspannungen entstehen, die uns langfristig körperlich und psychisch krank machen können. Wenn wir das positive Denken dogmatisch praktizieren, verlieren wir das Gespür für uns selbst. Und vor allem müssen wir unser Leben an den richtigen Zielen ausrichten. Wir sollten unseren Geist auf den spirituellen Weg konzentrieren. Wir sollten Eigenschaften wie Liebe, Frieden, Wahrheit, Glück und Selbstdisziplin üben. Wir sollten nach Erleuchtung streben und nicht nur nach einem äußerlich erfolgreichen Leben. Wenn wir vorwiegend nach materialistischen Zielen streben, dann erzeugen wir langfristig ein schlechtes Karma. Wir leben in der Lüge, weil der tiefere Sinn des Lebens das innere und nicht das äußere Glück ist.

7 Achtsam auf die Gedanken und Gefühle

Der Begriff des positiven Denkens kann also sehr leicht missverstanden werden und wird er auch oft. Im Buddhismus spricht man deshalb lieber von der Achtsamkeit auf die Gedanken und Gefühle. Wir sollen uns primär bewusst sein, was wir denken und fühlen. Daraus entsteht dann Weisheit. Wir werden Gedanken vermeiden, die uns schaden. Wir werden heilsame Gedanken pflegen. Wir werden Eigenschaften wie innerer Frieden, Glück, Wahrheit und Liebe pflegen. Wir werden uns an positiven Vorbildern wie Buddha, Jesus, Shiva, Krishna und der Glücksgöttin Lakshmi orientieren. Wir werden nach Erleuchtung streben. Wir werden im Licht leben und durch die Achtsamkeit auf die Gedanken das Leben im Licht bewahren können.

8 Positives Denken alleine reicht nicht

Der Mensch besteht nicht nur aus seinem Geist. Er hat auch einen Körper. Um glücklich zu werden, müssen wir unseren Körper und unseren Geist pflegen. Beides hängt zusammen. Wir sollten regelmäßig Sport treiben und uns ausreichend bewegen. Es ist gut Yoga oder einen anderen Körperweg wie Gehen oder Radfahren zu praktizieren. Wir sollten regelmäßig meditieren und uns ausreichend entspannen. Wir sollten uns gesund ernähren und Schadstoffe (Alkohol, Rauchen) vermeiden. Womit willst du heute beginnen?

9 Der Hausaltar

Erleuchtung entsteht nach Buddha aus den drei Haupttechniken Meditation, Gehen und Gedankenarbeit. Wir sollten in der Ruhe leben und viel meditieren. Wir sollten unsere innere Kraft durch Gehen, Yoga oder andere Körpertechniken erhalten. Und wir sollten an unserem Geist arbeiten. Wir sollten Stressgedanken vermeiden oder überwinden. Wir sollten unseren Geist in der Ruhe halten oder auf Taten der Liebe ausrichten. Wesentlich ist es, dass wir uns jedem Tag mit einem positiven Vorbild wie Buddha verbinden. Wir können ein tägliches Ritual vor unserem Altar machen. Wir können zu Buddha beten, ein Mantra denken (Om Mani Padme Hum) oder uns selbst als Buddha visualisieren. Wir können in den Schriften Buddhas lesen und seine Lehre praktizieren. Im Yoga können wir auch die Yogagötter oder unsere spirituellen Meister verehren. Ich habe auf meinem Altar neben einer Buddhastatue auch eine Statue des Glücksgottes Ganesha und der Glücksgöttin Lakshmi. In meinem Zimmer hängen die Fotos meiner erleuchteten Meister. Ich bete jeden Tag zu ihnen.

10 Weisheit auf dem spirituellen Weg

Wichtig ist es bei allen spirituellen Übungen, dass wir sie mit Weisheit und innerem Gespür praktizieren. Sie sollen positive Gefühle und positive Energien in uns erzeugen. Das ist eine große Kunst, weil wir aus Trägheit leicht in einen sinnlosen Ritualismus verfallen. Wir praktiziere die Rituale dann nur äußerlich und sind innerlich mit unserem Geist ganz woanders. In meinem letzten Leben als Mönch habe ich so meine Erleuchtung verhindert. Auf den spirituellen Weg gibt es zwei große Gefahren: Faulheit und dogmatisches Praktizieren ohne inneres Gespür. Die meisten spirituellen Menschen bleiben durch diese zwei Fehler irgendwann auf ihrem Weg stecken.

11 Energie-Yoga

Die Grundtechniken des spirituellen Weges sind Meditation, Gehen und Gedankenarbeit. Zusätzlich zum Gehen (oder Joggen) können wir auch Yoga praktizieren. Wobei ich unter Yoga nicht die übliche Leistungsgymnastik verstehe. Ein dehnbarer Körper ist zwar schön, aber spirituell völlig sinnlos. Yoga dient seinem tieferen Zweck nach dazu die Erleuchtungsenergie zu erwecken. Wenn wir Yoga richtig praktizieren, lösen sich unsere inneren Verspannungen, die Energietore werden geöffnet und die spirituelle Energie in uns beginnt zu fließen. Wir spüren Frieden, Liebe und Glück in uns. Ich war nach 18 Jahren als Yogalehrer innerlich so gereinigt, dass die spirituelle Energie von alleine floss. Yoga geschah in allen Situationen im Alltag, auch beim Gehen, Arbeiten, Fernsehen oder im Kontakt mit meinen Mitmenschen. Alles wurde zu einem Weg der Erleuchtung.

12 Gottheiten-Yoga

Yoga dient dazu die Erleuchtungsenergie zu erwecken. Die Yogahaltungen sind Energiestellungen, die uns in die Erleuchtung bringen. Im tibetischen Buddhismus verwendet man neben den Körperübungen (Niederwerfungen, Lu Jong) vor allem den Gottheiten-Yoga als Weg zur Aktivierung der Erleuchtungsenergie. Durch bestimmte Visualisierungen können wir unsere Energiekanäle und Chakren öffnen. Plötzlich fließt das Glück in uns. Manchmal genügt es auch sich einfach auf Buddha als Vorbild zu konzentrieren. Oder auf eine der viele tibetischen Gottheiten zu meditieren. Sie verkörpern verschiedene Energien wie Liebe, Frieden, Kraft oder Wahrheit. Dahinter stehen unterschiedliche Chakren. Um zur vollständigen Erleuchtung zu kommen, müssen wir alle Chakren öffnen und alle wichtigen spirituellen Eigenschaften entwickeln. Manchmal genügt es sich auf ein einzelnes Chakra zu konzentrieren und dabei ein Mantra zu denken. Das Herzchakra verbindet uns mit der Liebe. Das Kraftchakra im Unterbauch gibt uns Kraft. Das Erdchakra schenkt uns inneren Frieden und das Scheitelchakra öffnet uns dem kosmischen Licht. Wenn die Energie durch die Chakren fließen, werden wir zu einer Gottheit.

13 Der beste spirituelle Weg

Für mich besteht der beste spirituelle Weg aus der Kombination von verschiedenen Techniken. Neben der Meditation, dem Lesen in einem spirituellen Buch, der Verbindung mit meinen erleuchteten Meistern, dem Spazierengehen und der Gedankenarbeit ist die tägliche Aktivierung der Erleuchtungsenergie sehr wichtig. Dafür gibt es viele Techniken. Ich spüre jeden Tag genau hin, was ich gerade brauche.

Meine Haupttechnik ist die tägliche Meditation verbunden mit Mantren, Visualisierungen und Atemtechniken. Dadurch gelingt es mir meistens sehr schnell meine spirituelle Energie zu erwecken. Danach komme ich in mir ganz zur Ruhe und meditiere auf die spirituelle Energie. Sie löst von alleine meine inneren Verspannungen und Energieblockaden und bringt mich ins Licht. Beim Spazierengehen mache ich es ähnlich. Ich praktiziere beim Gehen Mantren, Visualisierungen und eine laute Feueratmung, was andere Spaziergänger oft erschreckt. Ich gehe so, dass ich meine innere Unruhe herausbewege, meine Verspannungen löse und ins Glück komme. Meistens bin ich so nach etwa fünfzehn Minuten in einem Zustand des inneren Friedens, des Glücks und des Einheitsbewusstseins. Ich empfinde mich als ein mit der Natur, die mich umgibt.

14 Der Weg der umfassenden Liebe

Mein Yoga-Meister Swami Sivananda lehrte: „Durch ein Leben in der Ruhe hast du bereits die Hälfte des Weges zur Erleuchtung geschafft. Die andere Hälfte bewältigst du mit deinen spirituellen Übungen. Durch das große Tor schreitest du dann durch den Weg der umfassenden Liebe.“ Eine ähnliche Aussage gibt es auch im tibetischen Buddhismus. Durch ein ruhiges und entspanntes Leben entsteht innere Heilung. Das alleine reicht für die Erleuchtung aber nicht aus. Wir brauchen auch spirituelle Übungen, durch die wir die Erleuchtungsenergie erwecken. Und wir brauchen eine Technik zum Durchbruch in das Einheitsbewusstsein. Der beste und einfachstes Weg ist die umfassende Liebe. Wir identifizieren uns mit unseren Mitwesen. Buddha lehrte deshalb die drei Eigenschaften Mitgefühl, Mitfreude und umfassende Güte. Wir tuen allen Wesen Gutes. Wir wünschen allen Wesen die Erleuchtung. Wir wünschen eine Welt des Friedens, der Liebe und des Glücks. Und wir senden jeden Tag unseren Freunden, allen Wesen und der ganzen Welt Licht (spirituelle Energie). So entsteht in uns ein Bewusstseinsumschwung. Das Ego löst sich auf, die spirituelle Energie beginnt zu fließen und wir gelangen in ein Erleuchtungsbewusstsein. Wir sind ein Buddha und eine Göttin der Liebe. Wir leben in einer Dimension der Liebe und des Glücks.

15 Der erleuchtete Meister

Um zur Erleuchtung zu gelangen, braucht man einen erleuchteten Meister. Das Ziel ist jenseits aller Vorstellungen. Nur wer die Erleuchtung kennt, kann den Weg dort hin finden. Erleuchtung ist ein Leben ohne Ego. Wer ein Ego hat, den führt das Ego grundsätzlich auf den Weg des Egos. Auch jeder spirituelle Weg wird grundsätzlich zu einem Egoweg, wenn man nicht in der Lage ist das Ego zu überschreiten. Zwar gibt es einige Menschen, die durch Zufall zur Erleuchtung gekommen sind. Sie hatten einen schweren Unfall, eine Depression, großes Leid in ihrem Leben. Um das Leid zu bearbeiten, mussten sie ihr Ego überwinden. Sie mussten hart an ihren Gedanken arbeiten. Und plötzlich löste sich das Ego auf und sie waren im Licht. So ist es mir 1984 auch ergangen. Und trotzdem glaube ich, dass meine Meister mich schon damals gesehen und mich geführt haben. Sie konnten es, weil ich bereits Anfang 1983 mit dem spirituellen Weg in Kontakt gekommen war. Ich las ein Buch des griechischen Philosophen Epikur und war begeistert von seinem Weg des inneren Glücks. Ich trat spürbar in die Energie des spirituellen Weges ein. So fand ich kurze Zeit danach zum Yoga, zur Meditation und zu Buddha. Nach und nach tauchten zur jeweils richtigen Zeit die erleuchten Meister in meinem Leben auf. Sie führten mich auf dem Weg und halfen mir bei vielen Krisen. Sie übertrugen mir Erleuchtungsenergien und gaben mir das, was ich gerade auf meinem Weg brauchte. Grundsätzlich heißt es, dass man sich am Anfang des spirituelles Weges durch spirituelle Bücher gründlich in den Weg einarbeiten sollte. Dann sollte man die Techniken finden, die für einen persönlich hilfreich sind. Man sollte seine persönliche spirituelle Praxis aufbauen. Und dann braucht man einen erleuchteten Meister, um den Weg ins Licht zu finden.

16 Meine drei Zukunftsvisionen

Am Anfang meines spirituellen Weges bekam ich von meinen erleuchteten Meistern meinen Zukunft in drei Visionen gezeigt. Ich war damals etwa 43 Jahre alt. Als erstes wurde mir gezeigt, dass ich im Alter von 70 Jahren erleuchtet sein würde. Wir werden bald sehen, ob das eintrifft und wie es eintrifft. Jedenfalls sah ich mich in einer Gruppe Menschen bei einem Retreat in meinem Haus an einem großen Tisch sitzen. Alle redete und ich saß schweigend und innerlich glücklich mit an dem Tisch. Ich würde zu dem Zeitpunkt auch eine Frau haben, die nicht aus der Yoga-Szene kommt. Das Haus ist da, die Freundin ist da, aber die Erleuchtung ist noch nicht da. Aber ich spüre seit drei Monaten starke Energieprozesse in mir. Das Retreat wird in zwei Monaten stattfinden. Es ist sehr spannend, ob die Zukunft wirklich so genau geplant stattfinden kann.

17 Vor der Erleuchtung Holz hacken, nach der Erleuchtung Holz hacken

Letztlich kann ich ohnehin nicht genau sagen, ob ich erleuchtet bin oder nicht. Ich lebe bereits jetzt in einer Art Einheitsbewusstsein. Ich bin energetisch und geistig mit allem verbunden. Ich kann andere Menschen über große Entfernungen spüren. Ich verfüge über bestimmte spirituelle Fähigkeiten, über die ich aber nicht mehr reden möchte. Außer, dass ich meine früheren Leben kenne. Das habe ich gerade in einem Buch veröffentlicht. Das ist jetzt allgemein bekannt. An der Erleuchtung fehlt aus meiner Sicht noch der dauerhafte innere Frieden und das innere Glück. Und ein gewisses Ego ist auch noch vorhanden, wie mir meine Freundin Barbara immer wieder bestätigt. Meistens lachen wir über meine zukünftige Erleuchtung.

Aber auch für Barbara ist es sehr spannend. Vor allem ist die große Frage, wie sich die Erleuchtung auf sie und unsere Beziehung auswirkt. Manchmal bin ich bereits jetzt in einer starken Energie. Dann hebe ich mit meiner Energie meine Freundin deutlich an. Es macht sie glücklich in meiner Gegenwart zu sein. Aber es nervt sie auch, dass ich dann noch fauler werde als vorher. Ich neige noch mehr zum Nichtstun. Insofern scheint die Vision vor 27 Jahren in die richtige Richtung gedeutet zu haben. Ein Problem sehe ich darin, dass mein Geist so ruhig werden könnte, dass es mir schwerfällt zu reden und zu schweigen. Ich kann dann einfach nur dumm dasitzen und nichts tun. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt. Es gibt energetische Tricks, durch die man sich in die Aktion bringen kann, zum Beispiel in dem man auf Fragen antwortet, sich als dynamische Gottheit visualisiert oder auf das Leid der Welt konzentriert.

18 Über die Erleuchtung lachen

Der beste Weg mit meiner zukünftigen Erleuchtung umzugehen, ist sie nicht zu ernst zu nehmen. Ein bekannter Zen-Spruch lautet: „Vor der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen. Nach der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen.“ Das Leben geht einfach normal weiter. Es ändert sich nichts, außer das das Leben etwas leichter wird. Man ist glücklicher aus sich selbst heraus und deshalb unabhängiger von den äußeren Geschehnissen. Wahrscheinlich werde ich auch meine Macken behalten. Vor vielen Jahren habe ich erfahren, dass man vor der Erleuchtung seine Persönlichkeit schulen muss. Nach der Erleuchtung findet man sich gut so wie man ist und hat kein Bedürfnis etwas an sich oder seinem Leben zu ändern.

Ich sehe das innere Wachstum als einen ewigen Weg an. Auf diesem Weg gibt es bestimmte Entwicklungsstufen. Auch die Erleuchtung besteht nach meiner Erfahrung aus vielen Stufen. Das ist auch die Sicht, die im tibetischen Buddhismus bevorzugt wird. Ich bin in diesem Leben schon viele Stufen gegangen. Und ich werde in zukünftigen Leben noch weitere Stufen gehen. Bis zur vollständigen Erleuchtung, der Buddhaschaft, sind normalerweise viele Leben als Bodhisattva notwendig. Ich glaube, dass ich noch dreimal auf die Erde kommen werde. Es gibt deshalb keinen Stress bei der spirituellen Entwicklung. Ich werde auch in zwei Monaten nur eine von vielen Stufen vorwärts gehen. Was diese Stufe genau beinhaltet, werde ich dann erfahren. Ich vermute ein gewisses Ansteigen des inneren Glücks und der Unabhängigkeit vom äußeren Leid. Das mein spirituellen Weg von da an ohne Krisen verläuft, kann ich mir nicht vorstellen.

19 Tod und Aufstieg ins Licht

Die größte zukünftige Herausforderung sehe ich darin, meinen Tod gut zu bewältigen. Ich plane meinen Tod als Aufstieg ins Licht. Dazu muss ich meinen Geist beim Sterben gut beherrschen können. Ich weiß, dass ich mit dem Mantra „Ja“ und der Kundalini-Meditation ins Licht aufsteigen kann. Aber wie das genau geht, weiß ich noch nicht. Ich kann nicht abschätzen, welche spirituellen Fähigkeiten ich im Zeitpunkt meines Todes haben werde.

Jedenfalls ist es wünschenswert, dass ich nach meinem Tod die Fähigkeit habe allen Menschen, die sich geistig mit mir verbinden, auf ihrem spirituellen Weg zu helfen. In einer zweiten Vision vor 27 Jahren sah ich mich eine Gruppe von Menschen auf dem spirituellen Weg ins Licht führen. Konkret wanderten wir gemeinsam einen schmalen Pfad durch ein steiles Gebirge in ein glückseliges Gebirgstal. Dort standen viele Hütten. Für jeden Menschen eine. Jeder konnte in seiner Hütte die spirituellen Übungen praktizieren, die ihm persönlich zusagten.

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20 Die Einheit aller Religionen und der individuelle Weg

Ich lehre die Einheit aller Religionen, weil ich das als den für mich persönlich richtigen Weg gefunden habe. Das Wissen aller Religionen der Welt gehört der Menschheit insgesamt. Jeder darf die Techniken praktizieren, die für ihn persönlich gut passen. Er kann sich aus allen Religionen das Beste heraus suchen oder eine spezielle Religion zu seinem Hauptweg machen. Religionskriege und Kämpfe sollten der Vergangenheit angehört. Es sind letztlich nur Egokämpfe. Die Religion der Zukunft ist die Religion der Liebe und der Toleranz.

Auch innerhalb der Religionen sollten die vielen Egokämpfe unterbleiben. Das ist eine riesige Herausforderung. Im Moment gibt es in fast allen Religionen einen großen Kampf um den richtigen Weg. Im Christentum bekämpfen sich die Katholiken, die evangelischen Christen und die radikalen Evangelikalen. Im Islam bekämpfen sich die friedliebenden Moslems und die aggressiven Islamisten. Die Yoga-Szene in Deutschland in Deutschland ist vollständig gespalten. Und genauso geht es den Buddhisten. Corona und der Krieg in der Ukraine führen zu heftigen Auseinandersetzungen. Liebe und Toleranz sind wie Werte von einem fremden Stern.

In einer dritten Vision sah ich bereits vor 27 Jahren, wie ich versuchte die Kräfte der Liebe und der Toleranz in der spirituellen Szene zu stärken. Ich sah mich mit meinem Sohn auf einem interspirituellen Kongress. Ich hielt einen Vortrag. Neben mir saßen auf dem Podium die Vertreter verschiedener Religionen, ein Schwarzer, ein Weißer und ein Indianer. Wir traten für eine Welt der Liebe ohne Rassismus und Religionskriege ein. Ich war dort als Vertreter des Neohinduismus, der entsprechend des Gründers Ramakrishna für die Einheit aller Religionen eintrat. Ramakrishna ist persönlich den Weg des Hinduismus, des Islam und des Christentums gegangen und hat dabei erkannt, dass alle Weg zur Erleuchtung führen. Dementsprechend kann man Yoga mit dem Hinduismus, dem Christentum und dem Buddhismus verbinden, wie es heute im Westen vielfach geschieht. Obwohl es dagegen insbesondere aus dem Christentum und dem Buddhismus viele Widerstände gibt. Viele Christen lehnen Yoga als Werk des Teufels ab. Im Buddhismus wurde ich wegen des Kundalini-Yogas von vielen Buddhismus stark angefeindet, obwohl aus meiner Sicht gerade der tibetische Buddhismus ein Weg des Kundalini-Yoga ist und selbst Buddha oft mit der Kundalini-Schlange gezeigt wird. Es gibt noch viel zu tun, wenn wir eine Welt des Friedens, der Liebe und der Toleranz aufbauen wollen.

Ob ich eines Tages auf einem Podium einen Vortrag halten werden, weiß ich noch nicht. Es ist noch nicht absehbar. Was ich sehe ist, dass ich auf Facebook zwei große Gruppen im Yoga und im Buddhismus gegründet habe, in denen ich die Liebe und die Toleranz lehre. Des Weiteren habe ich viele erfolgreiche Bücher über den spirituellen Weg geschrieben. Meine Bücher über Yoga, Buddhismus, Christentum, Islam und eine spirituelle Philosophie stehen ganz vorne in den Internetbuchhandlungen. Ich engagiere mich beim Weltparlament der Religionen, das allerdings derzeit vorwiegend in Amerika stattfindet. Vielleicht werde ich eines Tages mit meinem Sohn in die USA reisen, um an einem der Treffen teilzunehmen. Und vielleicht finden dadurch Vater und Sohn wieder zusammen.

21 Mein Sohn

Mein Sohn ist jetzt 42 Jahre alt. Er weiß aber immer noch nicht genau, was er mit seinem Leben anfangen will. Er leidet immer noch unter der Trennung seiner Eltern. Als er sieben Jahre alt, habe ich mich von meiner damaligen Frau getrennt. Wir passten einfach nicht mehr zusammen. Sie wollte ein glückliches weltliches Leben und ich strebte nach Erleuchtung. In den ersten Jahren unserer Beziehung haben wir uns gut verstanden. Aber dann stritten wir uns immer mehr, bis das Zusammenleben für mich unerträglich wurde. Ich wurde dann ein Yogi und meine Exfrau lebte mit unserem Sohn alleine weiter. Nach einem Jahr fand sie einen neuen Mann, mit dem sie bis heute zusammen ist. Und ich fand eine neue Frau.

Hauptleidtragender der Trennung war mein Sohn. Vor der Trennung war er glücklich und lebensfroh. Nach der Trennung war er zurückgezogen und introvertiert. Er fand bis jetzt nicht wieder zu seinem früheren Lebensglück. Das tut mir sehr leid. Aber ich kann es nicht ändern. Ich könnte ihm vielleicht mit dem spirituellen Weg helfen. Aber er lehnt die Spiritualität ab. In seiner Jugend folgte er mir auf dem Yogaweg. Er wurde sogar Yogalehrer. Er studierte Psychologie. Aber dann traf er im Alter von 23 Jahren einen Psychologieprofessor, der ihn davon überzeugte, dass der spirituellen Weg Unsinn ist. Mein Sohn wurde zu einem dogmatischen Atheisten. Plötzlich hatten wir uns kaum noch etwas zu sagen.

Als Psychologe probierte er viele Wege aus. Aber nichts half ihm grundlegend. Nach meiner Meinung hat er durch die Trennung ein tiefsitzendes Trauma erfahren. Dieses Trauma kann durch den konsequenten spirituellen Weg aufgelöst werden. So war es bei mir. Ich habe viele Jahre regelmäßig meditiert, mit Yogaübungen meine innere Energie erweckt und mich im positiven Denken geübt. Nach einigen Jahren als Yogi begann sich alle meine Traumata von alleine aufzulösen. Sie tauchten in Form von Träumen auf und verschwanden dann. Allerdings musste ich jedes Mal durch alle Gefühle, Ängste, Wut und Trauer noch einmal vollständig hindurchgehen.

Ich hatte viele Traumata. Einige stammten aus diesem Leben. Dabei ging es insbesondere um Trennungen und Prüfungsstress. Ich löste das Trauma meiner Geburt auf, indem ich noch einmal vollständig meine Geburt nacherlebte. Dann tauchten sehr viele Traumata aus früheren Leben auf. Sie stammten überwiegend aus leidvollen Todessituationen. Ich wurde von anderen Tieren gefressen, als Soldat getötet und erlebte den Verlust meiner Familie. Alles kann aufgelöst werden, wenn man bewusst hineinspürt, alle Gefühle zulässt und nichts verdrängt. Letztlich lösen sich Verdrängungen auf. Es ist deshalb sehr wichtig, dass man beim Yoga und bei der Gedankenarbeit nichts verdrängt. Wir arbeiten so lange an unseren inneren Problemen, bis eine tiefgreifende Lösung erfolgt.

22 Vertrauen in das Leben

Im Christentum ist die Gottüberlassenheit eine sehr wichtige Eigenschaft. Man überlässt sich voller Vertrauen der Führung Gottes und vertraut darauf, dass letztlich alles gut wird. Gott führt alle Menschen ins Licht und ins Paradies. Ein Christ betet jeden Tag: „Dein Wille geschehe.“ So bewahrt er Gleichmut in schweren Zeiten und behält immer einen positiven Geist.

Im Yoga übergibt man sich völlig dem erleuchteten Meister. Man vertraut darauf, dass der Meister einem hilft und führt. Alle großen erleuchteten Meister empfehlen sich jeden Tag mit ihrer Energie zu verbinden, ihren Namen als Mantra zu denken und dann aus der eigenen Weisheit heraus positiv zu handeln. So kann man als Yogi gut alle Lebenskrisen bewältigen.

Im Buddhismus gibt es den Amitabha-Buddhismus, der dem christlichen Weg sehr ähnelt. Man betet zu Amitabha und er tut alles für einen. Glauben allein genügt. Man überlässt sich voller Vertrauen der Kraft und der Führung Buddha Amitabhas. Er hat versprochen alle Menschen ins Licht zu führen, die ihn mit seinem Namen anrufen.

Teilweise folge ich diesen Wegen, aber sie passen nicht ganz für mich. Ich übe es die Dinge so anzunehmen wie sie sind. Ich übe Vertrauen in meine Meister und in das Leben zu haben. Letztlich haben meine Meister mir spürbar immer geholfen, obwohl mein Weg insgesamt schwerer ist als ich es wünschte. Was hilft für mich in schweren Zeiten? Einfach weitermachen. Es kommen bestimmt bessere Tage. Insgesamt ist mein Leid natürlich gering gegenüber dem Leid anderer Menschen, die unter schweren Krankheiten, Krieg, Hunger oder Einsamkeit leiden. Sie haben oft keine Hoffnung in ihrem Leben, während ich aus der Hoffnung heraus lebe.

23 Der Witz

Heute begann der Tag mit einem Witz. Beim Spazierengehen traf ich einen netten jungen Mann mit seinen zwei Hunden. Ich schätze sein Alter auf vierzig Jahre. Er ist sehr gutaussehend und arbeitet als Model. Wir unterhielten uns über Corona. Seit zwei Jahren grassiert in Deutschland eine Corona-Epidemie. Zuerst waren alle in Panik, weil es keinen Impfstoff gab. Jetzt gibt es einen Impfstoff, aber nach Ansicht der Bundesregierung lassen sich zu wenige Menschen impfen. Deshalb gibt es im Moment eine Debatte über eine Impfpflicht. Die Corona-Diskussion spaltet die Yoga-Szene. Teilweise wird mit großem Hass diskutiert. Dabei sollten sich Yoga-Leute doch durch Liebe, Gewaltlosigkeit und Toleranz auszeichnen. Die Diskussion zeigt deutlich, wo die Yoga-Szene spirituell steht. Mein Freund hatte gerade Corona. Er lag zwei Wochen mit Fieber im Bett. Zum Glück hatte er keinen schweren Verlauf. Auch eine Yoga-Freundin von mir hat Corona und ist seit zwei Wochen krank. Sie erholt sich langsam. Meine Yogafreundin ist eine Querdenkerin und Impfgegnerin. Mein Freund wurde geimpft. Das schützt aber nur vor schweren Verläufen. Ich werde mich impfen lassen, wenn eine Impfpflicht kommt. Von einer Impfung abgehalten hat mich bisher die Erfahrung meiner Freundin Barbara. Sie wurde zweimal geimpft und leidet seit derzeit und schweren Impfnebenwirkungen. Jedenfalls kamen mein Freund und ich durch Corona auf mein Alter zu sprechen. Ab 70 nimmt die Immunschutz des Körpers ab. Ich gestand ihm, dass ich dieses Jahr 70ig werde. Da war er völlig überrascht und meinte, dass ich viel jünger aussehe. Ich meinte, dass mich Yoga, positives Denken, eine gesunde Ernährung, das tägliche Spazierengehen und meine junge Freundin jung halten. Da mussten wir laut lachen. Barbara ist immerhin zwei Jahre jünger als ich. Das sieht man ihr auch nicht an. Sie sieht drei Jahre jünger aus als ich.

24. Kriegsbeginn. Durch den russischen Präsidenten Putin habe ich gerade das Gesetz des Karma begriffen. Putin führt derzeit einen völkerrechtswidrigen Krieg in der Ukraine. Er will die Ukraine als eigenständigen Staat vernichten. Er ist gerade fast einstimmig von der UNO verurteilt worden. Aus meiner Sicht ist Putin ein grausamer Diktator, ein Mörder, ein Kriegsverbrecher, ein Lügner und ein unberechenbarer Psychopath. Er hat fast die gesamte Opposition in Russland ausgeschaltet, getötet oder in Gefängnisse gesteckt. Er lässt durch seinen Geheimdienst Menschen in Ost und West ermorden. Er hat in der Ukraine und auch in Syrien nachweislich viele Kriegsverbrechen begangen. So hat er gerade eine Geburtsklinik in der Ukraine bombardiert. Dabei hat er sich gleichzeitig vor aller Welt der Lüge überführt. Putin ist ein ehemaliger Geheimdienstoffizier und führt im Westen einen Informationskrieg. Er versucht die westliche Gesellschaft zu spalten, indem er sie mit Falschinformationen durchseucht. Leider fallen viele westliche Menschen darauf herein, auch in der Yoga- und in der Buddhismus-Szene. Dadurch spaltet Putin die spirituelle Szene in Deutschland.

25 Durch den Ukraine-Krieg droht eine weltweite Hungersnot. Ich habe schon für die Welthungerhilfe gespendet.

„Oleg Ustenko warnt vor einer Hungersnot, sollte der Krieg in der Ukraine andauern. „Uns bleibt maximal eine Woche für die Saat. Wenn der Krieg bis dahin nicht aufhört, dann hat die Welt ein Nahrungsproblem“, sagte der Ökonom der „Wirtschaftswoche“. Die Ukraine ist wie Russland ein großer Weizenexporteur. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine belastet die globalen Getreidemärkte und hat dort schon zu deutlichen Preissprüngen geführt. „Wenn wir nicht liefern können, dann wird der Preis an den internationalen Märkten anziehen“, sagte Ustenko nach Angaben des Blattes: „Die Welt muss entscheiden, wie sie die Menschen ernähren will, besonders in afrikanischen Ländern.“

26 Aus meiner Sicht ist Putin noch gefährlicher als Hitler, weil er unberechenbar ist und über die weltweit größte Menge an Atomwaffen verfügt. Wir sollten deshalb sehr vorsichtig mit ihm umgehen. Insofern bin ich gegen die Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine. Und auch gegen den Stopp der Gaslieferungen, weil uns das vor einem Atomkrieg schützt. Solange Putin an uns verdient, wird er keine Atombomben schicken.

27 Und was ist mit dem Karma-Gesetz? Nach dem Karma-Gesetz wird Putin im nächsten Leben die Folgen seines bösen Tuns ernten. Er ist geistig und energetisch darauf orientiert, seinen Mitmenschen zu schaden und sein Ego zu erhöhen. Er befindet sich energetisch in einer Täter-Opfer-Spirale. Durch seine extreme Anhaftung an seine Opfer wird er im nächsten Leben als Opfer wiedergeboren. Er wird so lange in Situationen des Leidens gehen, bis er sein schlechtes Karma aufgelöst hat. Insofern verdient Putin langfristig unser Mitgefühl. Noch langfristiger gesehen wird er durch die Erfahrung des Leides Mitgefühl und Weisheit lernen. Er wird einen Weg suchen dem Leiden zu entkommen und Glück zu finden. So wird er nach einige Leben des Leidens zum spirituellen Weg finden. Er wird sein Karma vollständig auflösen und ein Heiliger werden. Langfristig gesehen wird sich nach dem Gesetz des Karma alles zum Guten wenden.

28 Und wie wird man ein Heiliger? Wie löst man das Karma vollständig auf? Man löst alles Karma auf, indem man die Verspannungen im Körper und im Geist auflöst. Dafür brauchen wir körperliche Übungen wie Yoga und meditatives Gehen. Und geistige Übungen wie Meditation und positives Denken. Und natürlich sollten wir die yogischen Grundsätze wie Gewaltlosigkeit (Ahimsa), Frieden (Shanti), Liebe (Prema), Wahrhaftigkeit (Sathya) und Rechtschaffenheit (Dharma) beachten. Ich merke, wie ich nach langen Jahren des spirituellen Übens kaum noch anhaften kann. Nach der Lehre Buddhas löst sich das Karma durch die Überwindung aller Anhaftungen. Wir haften nicht an dem Genuss des Lebens an und lehnen auch nicht das Leid ab, wenn unser Schicksal Leid mit sich bringt. Wir üben beständig die Eigenschaften Weisheit, Frieden, umfassende Liebe und Selbstdisziplin. Wir machen beständig unsere spirituellen Übungen und erwecken damit die Erleuchtungsenergie in uns. Wenn wir voller innerem Glück und Frieden sind, dann verschwinden die Anhaftungsimpulse, weil wir aus uns selbst heraus glücklich sind. Wir müssen das Glück nicht im Außen suchen. Wir müssen nicht unser Ego verstärken und nach Macht, Anerkennung und äußerem Reichtum streben. Wir müssen nicht anderen Wesen schaden und ihnen Leid zufügen. Dank unserer Weisheit haben wir das als Irrweg erkannt. Wir können als Heiliger im glücklichen erleuchteten Sein leben und uns Taten der Liebe widmen.

März

1 Die erleuchtete Nonne Tenzin Palmo

Frage: Ich kann seit dem Ukraine-Krieg nicht mehr glücklich sein. Ich sehe das Leid der Kinder, der Frauen, der Hungernden und der zerstörten Familien. Sie haben alles verloren. Sie leiden entsetzlich. Was soll ich tun?

Jetsunma Tenzin Palmo: Wir leben hier in Samsara. Es gibt immer irgendwo Leid. Das war auch zu der Zeit Buddhas so. Deshalb lehrte Buddha einen Weg sich über das Leid der Welt zu erheben. Man muss innerlich abgeschieden von der Welt sein. Wir sollten uns auf das Positive konzentrieren, auf den spirituellen Weg und die Taten der Liebe. Wir sollten meditieren, achtsam auf unsere Gedanken sein und so inneren Frieden finden. Angesichts des Leides erkennen wir wie kostbar der buddhistische Weg ist.

2 Frage: Ist es gut sich politisch zu betätigen, um soziales Unrecht zu überwinden.?

Tenzin Palmo (erleuchtete Meisterin): „Offensichtlich gibt es in dieser unvollkommenen Welt Dinge, die verändert werden müssen. Und um diese Dinge zu verändern, muss es Leute geben, die sich politisch engagieren. Das Problem dabei ist nur, dass wir uns selbst oft zu ernst nehmen. Wir identifizieren uns völlig mit unserer Rolle und die Motivation ist oft nichts anderes als Zorn. Unsere politische Arbeit dient nur dazu unsere eigenen Aggressionen auszuleben. Wir reden dann voller Wut über den Frieden. Wir sollten unsere grundlegende Motivation sehr gründlich überprüfen.“

Nils: In meiner Yoga- und in meiner Buddhismus-Gruppe in Facebook reden die Menschen sehr gerne über Politik. Es ist eigentlich das einzige Thema, wo sich alle sehr stark engagieren. Und dabei vergessen sie oft ihren spirituellen Weg. Sie vergessen, dass sie Eigenschaften wie innerer Frieden, Glück und umfassende Liebe entwickeln wollen. Sie werden zu Opfern ihres Egos. Diese Diskussionen sind deshalb ein guter Weg zu prüfen, wo man spirituell steht. Und in einem zweiten Schritt Eigenschaften wie Liebe, Freundlichkeit und Gewaltlosigkeit zu üben. Es geht darum unser Ego und unsere negativen Eigenschaften zu überwinden. Wir sollten danach streben ein Buddha, ein Bodhisattva oder eine Göttin der Liebe zu werden. Wir brauchen dafür ein Übungsfeld. Ich liebe politische Diskussionen in spirituellen Gruppen, weil sie ein gutes Übungsfeld sind.

3 Tenzin Palmo: „Die Dinge werden allmählich besser. Wir befinden uns in einem dunklen Zeitalter. Aber wir haben immer noch die Lehren des Buddha. Also lasst uns zusehen, dass wir vom Fleck kommen.“

Nils: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Erleuchtung kommt nicht von alleine. Wir müssen uns darum bemühen. Wir müssen jeden Tag unsere spirituellen Übungen machen und konsequent an unserem Geist arbeiten. Bei Emotionen wie Wut, Angst oder Sucht sollten wir sehr wachsam sein. Wir sollten ihren tieferen Grund erforschen und sie mit unseren spirituellen Techniken überwinden. Mit einem klugen positiven Gedanken kann man jede Anhaftung abschneiden. Wir sollten uns immer wieder bemühen Eigenschaften wie Gelassenheit, Ruhe, innerer Frieden, Weisheit, Selbstdisziplin und umfassende Liebe zu entwickeln. Wenn wir das tun, entsteht spirituelles Wachstum.

4 Schlechtes Karma überwinden

Frage: Wir alle haben viele Leben auf der Erde verbracht und dabei Unmengen von schlechtem Karma angehäuft. Wie können wir das schlechte Karma überwinden?

Tenzin Palmo: „Zuerst sollten wir wirklich Reue empfinden. Noch wichtiger ist es nicht wieder zu tun. Als Drittes sollten wir Zuflucht zum spirituellen Weg nehmen. Wenn wir konsequent den spirituellen Weg gehen, dann kann alles schlechte Karma bereinigt werden. Selbst wenn schlechtes Karma auftaucht, können wir damit umgehen. Und als Viertes sollten wir gute Taten tun. Gute Taten lösen schlechtes Karma auf. Wenn unsere Absichten in diesem Leben gut sind, gibt es keinen Grund zur Sorge.“

Nils: Schlechtes Karma entsteht durch schlechte Gedanken und schlechte Gewohnheiten. Wir sollten deshalb an unseren Gedanken arbeiten. Das ist der wichtigste Punkt auf dem spirituellen Weg. Wenn wir positiv denken, positiv sprechen und positiv handeln, erhalten wir ein positives Schicksal. Das ist das grundlegende Gesetz des Lebens. Wenn wir Fehler machen, können wir daraus lernen. Schlechtes Karma entsteht auch durch energetische Verbindungen zu schlechten Menschen und schlechten Dingen. Wir müssen ungünstige energetische Verbindungen auflösen. Das geschieht durch Meditation, Gedankenarbeit und die Vermeidung von Kontakt. Wir müssen letztlich der äußeren Welt ganz entsagen, wenn wir unser inneres Licht entfalten wollen. Hilfreich kann eine äußere Entsagung sein. Entscheidend ist die innere Entsagung. Das können wir üben.

5 Traumata überwinden

Traumata sind ein großes Thema. Wie kann man helfen und wie hilft man sich selbst? Die Psychologie steht hier leider erst am Anfang. Letztlich braucht man das Wissen vom spirituellen Weg. Ich habe inzwischen schon über 5000 Traumata aus früheren Leben aufgelöst. Wie ging das? Durch tägliche Meditation, Körperarbeit und Achtsamkeit auf die Gedanken. Dann kam alles von alleine hoch. Und dann musste ich einfach durch die Gefühle noch einmal durchgehen. So lösten sich die Traumata auf. Um das zu können, braucht man ein gutes spirituelles System. Pfingsten dieses Jahr bieten Barbara und ich ein kostenloses Retreat an, bei dem auch die Behandlung von Traumata angesprochen wird.

tagesschau.de: Aus der Ukraine flüchten derzeit vor allem Frauen und Kinder. Kriege prägen Kinder oft ein Leben lang. Sind sie daher besonders betroffen? Schmidt (Psychotherapeutin): Kinder und Erwachsene reagieren sehr unterschiedlich auf Kriegserfahrungen. Kleinkinder lernen Angst, spüren die Bedrohung und verändern sich womöglich auch psychisch, aber sie werden kaum über Flashbacks berichten können. Ihre Angstsymptome sind eher unspezifisch. Ältere Kinder können hingegen eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Und wer bereits früher Kriege erlebt hat, kann besonders schlimm betroffen sein. Weil alles wieder aufbricht. Diese Menschen machen zum wiederholten Mal im Leben die Erfahrung, dass man nirgendwo sicher ist. Das ist vergleichsweise schwieriger zu behandeln, aber nicht unmöglich. tagesschau.de: Wie äußern sich solche Kriegstraumata?Schmidt: Man muss unterscheiden zwischen Trauma und Traumafolgestörung. Das Trauma ist das Erlebnis, also in diesem Fall das Kriegserlebnis. Daraus kann sich dann die Traumafolgestörung entwickeln. Je länger und intensiver ein Mensch Traumata erlebt hat, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden. Aber irgendwann ist bei jedem Menschen die Schwelle erreicht, krank zu werden. Also etwa eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln.

tagesschau.de: Wie äußert sich das? Schmidt: Vor allem in Flashbacks, also sogenannten Nachhall-Erinnerungen. Dann erleben die Menschen die schlimmsten Momente, etwa die Bombe im Nachbarhaus, ein verletzter Verwandter, Tote immer wieder – wie ein Film, der vor dem inneren Auge wieder und wieder abläuft. Man hat dann das Gefühl, dieses Trauma immer wieder zu durchleben. Das kann auch getriggert werden durch Auslösereize, etwa ein lauter Knall. tagesschau.de: Welche weiteren Symptome gibt es? Schmidt: Vermeidungsverhalten. Man vermeidet, an diese Erlebnisse zu denken und versucht, die Flashbacks wegzudrücken. Nicht darüber zu reden. Oder das Gefühl der Gefühllosigkeit. Dann schaltet das Gehirn unbewusst diese Gefühle ab. Weiteres Symptom ist das, was man früher Kriegszittern genannt hat. Die Menschen sind dann sehr schreckhaft, unruhig, übernervös und zittern stark.

tagesschau.de: Wie erkennt man, dass jemand psychologische Hilfe braucht? Schmidt: Sprechen ist ganz wichtig. Dazu müssen natürlich erstmal Sprachbarrieren überwunden werden. Man braucht Übersetzer. Ist das geklärt, kann man gezielt nach Schlafproblemen, Albträumen, depressiven Verstimmungen, Selbstmordgedanken fragen. Für die psychiatrische Erstversorgung fragt man also verschiedene Symptome ab, identifiziert besonders Betroffene und kann sie dann therapeutisch betreuen.

tagesschau.de: Gibt es auch eine Art Rüstung gegen Kriegstraumata? Stichwort Resilienz. Schmidt: Jeder Mensch hat einen biologischen Punkt, an dem er Stress, also Trauma nicht mehr bewältigen kann. Wo dieser Punkt liegt, ist biologisch definiert. Manche sind resilienter, manche weniger. Doch man kann sich nicht komplett gegen Traumata schützen – niemand. Jeder von uns ist verwundbar. Wir unterscheiden uns lediglich in der Traumadosis, die wir ertragen können. tagesschau.de: Aber es gibt auch Schutzfaktoren? Schmidt: Soziale Unterstützung gehört dazu. Wer ein soziales Netz um sich herum hat, ist erfahrungsgemäß weniger gefährdet für eine Posttraumatische Belastungsstörung. Eine sinnstiftende Tätigkeit schützt außerdem – das kann das Kümmern um ein Kind, einen anderen Menschen, ein Tier sein. Oder ein Job. Beschäftigung und Tagesstruktur sind ganz wichtig und geben Halt, neben familiären Strukturen. Das gilt übrigens nicht nur für Kriegs-Traumatisierte. Das spielte ja auch in der Corona-Krise eine große Rolle. Ohne eine Aufgabe und soziale Kontakte steigt das Risiko für psychische Erkrankungen.

6 Meine heutige Heldin

„Im russischen Staatsfernsehen hat eine Kriegsgegnerin mit einem Plakat und lauten Rufen gegen den russischen Angriff auf die Ukraine protestiert. Die laufende Hauptnachrichtensendung wurde deshalb unterbrochen.Während der Live-Übertragung am Montag um 21.00 Uhr Moskauer Zeit (19.00 Uhr MEZ) sprang die Frau plötzlich hinter Nachrichtensprecherin Jekaterina Andrejewa ins Bild und hielt ein Schild mit der Aufschrift „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“ hoch. Dazu rief sie mehrmals laut: „Nein zum Krieg, Nein zum Krieg, Nein zum Krieg!“ Die Demonstrantin war einige Sekunden lang zu sehen und zu hören, dann brach die Übertragung ab und es wurden Bilder aus einem Krankenhaus gezeigt. Bei der Frau soll es sich um Marina Owsjannikowa handeln, eine Mitarbeiterin des Senders. Sie habe einen ukrainischen Vater und eine russische Mutter und ertrage es deshalb nicht, die beiden Länder verfeindet zu sehen. In einem zuvor aufgezeichneten und online gestellten Video sagte sie: Was gerade in der Ukraine passiert, ist ein Verbrechen. Russland ist ein Aggressorland. Die Verantwortung für diese Aggression liegt bei einem einzigen Menschen. Dieser Mensch ist Wladimir Putin. (…) Leider habe ich in den letzten Jahren beim ersten Kanal gearbeitet und war mit der Kreml-Propaganda beschäftigt. Ich schäme mich, dass ich es zugelassen habe, dass die Lügen aus dem Bildschirm kommen. (…) Wir sind intelligente russische Menschen. Es liegt in unseren Kräften, diesen Wahnsinn zu stoppen. Kommt zu den Demos, fürchtet euch vor nichts. Sie können uns nicht alle in den Knast stecken.
Der Videoausschnitt verbreitete sich umgehend in sozialen Netzwerken. Vor allem russische Oppositionelle lobten die Frau für ihren Mut. „Was Mut wirklich bedeutet“, schrieb der Pianist Igor Levit bei Twitter.

7 Die buddhistische Nonne Chan Khong

Schwester Chan Khong ist die erste vollständig ordinierte monastische Schülerin des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh und die Leiterin seiner humanitären Projekte seit den 1960er Jahren. Schwester Chan Khong wurde 1938 in Ben Tre in Südvietnam geboren und begann als Teenager mit der Sozialarbeit in den Slums der Stadt. Nachdem sie 1959 den Zen-Meister Thich Nhat Hanh getroffen hatte, half sie ihm, die Schule der Jugend für sozialen Dienst zu gründen, die Tausende junger Sozialarbeiter ausbildete, um Hilfe in abgelegene, vom Krieg verwüstete Dörfer zu bringen. Sie organisierte die buddhistische Friedensdelegation bei den Pariser Friedensgesprächen 1969 und unterstützte Thich Nhat Hanh in den 1970er Jahren auf seinen Weltreisen, auf denen er zum Frieden aufrief.
Ich traf Chan Khong auf einem Wochenendretreat in Hamburg mit Thich Nath Hanh. Ich erkannte sofort, dass sie erleuchtet ist. Sie war von einer großen Aura aus Licht umgeben. In diesem Video spricht sie über Terroristen. Sie meint, dass die islamistischen Selbstmordattentäter letztlich ein Opfer falscher Informationen sind. Sie denken, dass sie zu Gott kommen, wenn westliche Menschen töten. Chan Khong lehrt es für die Opfer und die Täter zu beten und ihnen Licht zu senden. So kommen wir zum Frieden in uns.
Die Situation ist ähnlich mit den russischen Präsidenten Putin und seinem Krieg gegen die westlich orientierten Menschen in der Ukraine. Putin ist ein Opfer seines Egos. Er glaubt, dass er glücklich wird, wenn er als neuer Zar ein neues großrussisches Reich gründet. Er glaubt, dass er dazu Tausende von Menschen in der Ukraine töten muss. Wir sollten uns Putin Taten entgegenstellen, soweit wir können. Wir sollten für die vielen Leidenden in diesem Krieg beten und ihnen Licht schicken. Aber wir sollten auch Putin Licht schicken, damit wir inneren Frieden erlangen und kein Opfer unserer Wut werden. Möge Putin Weisheit, Liebe und Mitgefühl erlangen.
Senden wir heute Licht und Liebe zu uns selbst, zu den Menschen in unserer Nähe und zu allen Menschen auf der Welt. Möge es eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks geben.

8 Vorbild für ein positives Alter

Chan Khong ist für mich ein Vorbild für ein positives Alter. Sie ist in sich selbst glücklich, voller Frieden, Liebe und engagiert sich für das Wohl ihrer Mitmenschen. Sie hat ihre positive Aufgabe in der Welt. Jeder Mensch wird älter. Die Zeit des Lebens ist begrenzt. Es kommt darauf an, dass wir die Zeit unseres Lebens gut nutzen. Ich habe die letzten vierzig Jahre meines Lebens intensiv spirituell geübt. Ich habe mich für eine bessere Welt engagiert. Jetzt wird es für mich Zeit etwas ruhiger werden. Nach meinem Lebensplan will ich mindestens 80 Jahre alt werden. Mein Vater starb mit 79 Jahren. Meine Mutter wurde sogar 93 Jahre alt, mein Großvater 94 und meine Grußmutter 80. Die normale Lebenserwartung eines Menschen in Deutschland beträgt etwa 80 Jahre. Deshalb möchte ich auch 80 werden. Ich bevorzuge es normal zu sein, wo ich mein ganzes Leben immer unnormal war. Vielleicht werde ich auch noch älter. Wenn man gesund lebt, lebt man im Durchschnitt viele Jahre länger. Ich sehe jedes Jahr als Geschenk an, das ich länger als 80 lebe. Und ich versuche schon jetzt meine Zeit bewusster zu leben. Das geschieht dadurch, dass ich die Dinge verlangsame. Ich lebe langsamer und kann dadurch meine Zeit noch besser genießen. Ich mache mehr Pausen und baue Phasen des Genusses in mein Leben ein. Aber gleichzeitig bleibe ich natürlich immer auf meinem spirituellen Weg. Das ist die Basis eines glücklichen Lebens. Dadurch werde ich auch in zukünftigen Leben überwiegend glücklich sein.

9 Weltfriedenstag

Ich habe mich gerade zum Thema Weltfrieden und Weltfriedenstag informiert. Derzeit ist seit etwa drei Wochen Krieg in der Ukraine. Der russische Präsident Putin versucht mit seinen Truppen die Ukraine zu besetzen und zu einem russischen Vasallenstaat zu machen. Doch die Ukrainer unter ihrem Präsident Selenskyj wehren sich mit allen Kräften und konnten bis jetzt den russischen Vormarsch stoppen. Sie sind westlich orientiert und wünschen sich Demokratie, Meinungsfreiheit und wirtschaftlichen Wohlstand. Wie der Krieg ausgeht, ist noch völlig ungewiss. In den Religionen gibt es die Idee einer Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks. Im Yoga, im Buddhismus und im Christentum wird ein goldenes Zeitalter des Friedens vorausgesagt. 1945 legte die Charta der Vereinten Nationen die Schaffung des Weltfriedens als das Ziel aller Politik fest, auf das die Mitglieder der UNO sich verpflichtet haben.

Dieses Ziel ist schwer zu erreichen. Durch den Ukrainekrieg stehen wir gerade am Beginn einer weltweiten Aufrüstung. Das kann in einem Dritten Weltkrieg enden. Auch jetzt schon sind wir kurz davor. Deshalb hat die Nato beschlossen nicht in den Krieg einzugreifen, weil es sonst zu einem Atomkrieg mit Russland kommen könnte. Aber die westlichen Staaten liefern Waffen an die Ukraine und versuchen Russland wirtschaftlich zu zerstören. Sie tanzen auf einem schmalen Grat zwischen Krieg und Frieden.
Aus meiner Sicht ist es wichtig die Kräfte des Friedens auf der Welt zu stärken. Dazu gibt es den Weltfriedenstag, der zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert wird. Yoga Vidya hat gerade eine Feier ausgerufen. Die UNO feiert den Tag am 21.September und die katholische Kirche am 1. Januar. Es gibt außerdem weltweit im Moment viele große Demonstrationen für den Frieden.

Wie können wir die Kräfte des Friedens stärken? Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Wir können die Menschen in der Ukraine unterstützen. Wir können ihnen mit Geld- oder Sachspenden helfen. Wir können ukrainische Flüchtlinge aufnehmen und wir können geistig für den Frieden eintreten.
Insbesondere können wir für den Frieden eintreten, indem wir in uns selbst, in unseren Familien und in unserem Freundeskreis für Frieden eintreten. Und da existiert für mich eine große Herausforderung. Viele Menschen in der Yoga- und in der Buddhismus-Szene informieren sich durch den russischen Propaganda-Sender RT (Russia Today). Etwa die Hälfte meiner persönlichen Yoga-Freundinnen gehören zur Querdenker-Szene und stehen im Ukraine-Krieg auf der Seite Russlands. Gerade gestern rief mich meine Bekannte A. aus Bonn an. Sie ist ein sehr spiritueller Mensch und war bis vor kurzem noch völlig unpolitisch. Sie interessierte sich nicht für Politik. Aber angestoßen durch die Impfdiskussion der Coronazeit hat sie sich plötzlich sehr stark radikalisiert.

Das Problem besteht darin, dass wir völlig entgegengesetzte Meinungen haben. Für sie ist Putin ein Held und sie bejaht den russischen Einmarsch in die Ukraine. Für mich ist Putin ein grausamer Diktator und Kriegsverbrecher. Er hat die Meinungsfreiheit in Russland abgeschafft, läßt fast die gesamte Opposition in seinen Gefängnissen verschwinden und tötet in der Ukraine unschuldige Zivilisten. Für mich ist Putin ein neuer Adolf Hitler und für meine Bekannte ist er ein Held, der sich dem westlichen Kapitalismus entgegenstellt. Diskussionen zwischen uns werden leicht sehr schnell aggressiv. Wir haben deshalb beschlossen nicht mehr über Politik zu sprechen. Aber das ist angesichts der Gräuel des Krieges kaum durchzuhalten.
Meine Bekannte kam deshalb gestern wieder auf den Krieg zu sprechen und erklärte mir, dass die ukrainische Führung aus Nazis bestände, die von Russland beseitigt werden müssten. Es gelang mir tatsächlich meiner Bekannten eine halbe Stunde ruhig zuzuhören. Ich akzeptierte, dass es in der Yoga-Szene derzeit sehr unterschiedliche Meinungen gibt. Ich fand es interessant, was die russische Propaganda zum Krieg sagt und wie stark das in den Köpfen vieler Yogis verankert ist.

Es war für mich eine große Herausforderung friedlich zu bleiben, meiner Bekannten ihre Meinung zu lassen und trotzdem die Freundschaft zu bewahren. Man muss viel aushalten können, wenn man die Toleranz bewahren will. Das hat auch schon Gandhi erfahren, der von britischen Kolonialherren brutal zusammengeschlagen wurde und trotzdem seinen inneren Frieden bewahrt hat. Ich glaube daran, dass sich langfristig die Wahrheit und die Liebe durchsetzen werden. Dazu ist es notwendig, dass wir zuerst die Energie des Friedens und der Liebe in uns erzeugen und sie dann auf unsere Umwelt ausstrahlen. Und natürlich auch gute Argumente vorbringen, wenn unser Gegenüber dafür aufnahmefähig ist. Das war meine Bekannte gestern nicht, aber die Zeiten werden sich möglicherweise ändern. Sie hat schon oft ihre Meinung geändert. Egal wie es kommt, ich bleibe im Frieden und in der Liebe.

10 Die Reine Land Sicht

In der Sicht eines Erleuchteten ist alles so richtig wie es ist. Durch diese Sicht bewahrt er seinen inneren Frieden, seine innere Entspannung und seine Erleuchtungssicht. Wer ohne Ego ist, haftet an nichts an. Wo keine Anhaftung ist, kann auch keine Ablehnung sein. Das ist der Weg des Buddhas. So wird man ein Buddha. Die Reine Land Sicht ist ein wichtiger Übungsweg, um zur Erleuchtung zu kommen. Wir denken Mantras wie: „Ich nehme die Dinge so an, wie sie sind. Ich fließe positiv mit dem Leben. Ich ruhe in mir und meinem Glück. Alle äußeren Dinge sind nicht so wichtig. Man kann an allen Situationen spirituell wachsen. Es kommt wie es kommt. Ich bin eins mit dem Leben und der Welt.“

Im tibetischen Buddhismus wird jedem Buddha ein Reines Land zugeordnet. Man kann zur Erleuchtung kommen, indem man sich als Buddha oder indem man das Reine Land eines Buddhas visualisiert. Durch beide Übungswege erwacht die Erleuchtungsenergie. Im Christentum gibt es eine ähnliche Übung. Man erkennt das Wirken Gottes in allem. Man denkt das Mantra: „Dein Wille geschehe.“ So wird man eins mit Gott und dem Licht. So gelangt man in ein Leben im Licht. So wird man ein Heiliger. Wobei es normalerweise schwere innere Arbeit ist, auch die leidvollen Dinge im Leben anzunehmen. Ein Heiliger/Erleuchteter zu werden ist beständige innere Arbeit. Man muss intensiv auf seine Gedanken und Gefühle achten und immer wieder zum positiven (spirituellen) Denken finden.

Wenn man durch Gedankenarbeit und Meditation die Erleuchtungsenergie aktiviert hat, entstehen innerer Frieden und inneres Glück. Durch das innere Glück wird der Geist positiv. Plötzlich fällt es einem leicht positiv zu denken. Es fällt einem schwer negativ zu denken. Dadurch verwandelt sich die Weltsicht. Man erlebt seine Welt nicht nur als Reines Land, sondern sogar als Paradies. Deshalb spricht man im Buddhismus teilweise vom Reinen Land und teilweise vom Paradies. Buddha Amitabha zum Beispiel lebt im Paradies Sukhavati (Land des Glücks).

11 Die Paradiessicht

Die Paradiessicht ist eine Steigerung der Reinen Land Sicht. Mit einer Paradiessicht sagt man: „Alles ist gut so wie es ist.“ Man lebt im Licht und sieht das Licht (das Positive) in allen Dingen und allen Menschen. Leid bemerkt man zwar, aber es belastet einen emotional nicht so stark. Man nimmt es als Teil des Lebens an. Man konzentriert sich auf das Positive. Bei Leid ruht man im Gleichmut und im Mitgefühl. Man hat Mitgefühl mit seinen leidenden Mitwesen. Man hilft ihnen soweit man kann. Der Weg der Liebe und des Mitgefühls verstärken die Erleuchtung.

Für uns Unerleuchtete bedeutet das, dass wir immer wieder Gedanken wie „Ich nehme die Dinge an, wie sie sind. Alles ist gut so wie es ist.“ üben sollten. Wir sollten uns beständig im positiven Denken üben. Die Dinge anzunehmen und sich auf das Positive zu konzentrieren, ist das Zentrum des positiven Denkens. Wobei nicht dogmatisch, sondern mit innerem Gespür vorgehen muss. Wir sollten ständig in uns hineinspüren und uns fragen, welche Gedanken uns gut tun und welche uns schaden. Welche Gedanken erzeugen Stress, innere Verspannung und zerstören unsere Gesundheit? Welche Gedanken sind für uns hilfreich, bringen uns zum inneren Frieden, in die Liebe, ins Glück und zur Erleuchtung?

Wikipedia: „Reines Land (auch Buddhafeld) ist vor allem im Amitabha-Buddhismus (auch: Reines-Land-Buddhismus) die Vorstellung eines Daseinsbereiches, in dem alle Bedingungen zur spirituellen Praxis für die Erlangung der Buddhaschaft als günstig angesehen werden und große spirituelle Verdienste angehäuft werden können.“

12 Wie lange braucht man bis zur Erleuchtung?

Im Buddhismus gibt es die Lehre vom Sotapanna. Sotapanna bedeutet Stromeingetretener. Ein Sotapanna ist in den Strom der Erleuchtung eingetreten. Seine Kundalini-Energie ist erwacht. Er hat mindestens einmal den Zustand der Erleuchtung erfahren. Er kennt jetzt das Ziel. Er weiß, wie gut es ist erleuchtet zu sein. Dadurch richtet sich sein Unterbewusstsein automatisch auf das Ziel der Erleuchtung aus. Er muss nur noch den persönlich richtigen Weg finden. Sotapatti ist die erste der vier Stufen der Heiligkeit. Nach Buddha braucht ein Sotapanni noch höchstens sieben Leben bis zur vollständigen Erleuchtung.

Ich hatte vor fünf Leben als mongolischer Schamane meine erste Erleuchtungserfahrung. Ich habe also noch zwei Leben bis zur vollständigen Erleuchtung. Nach Sathya Sai Baba braucht man drei Leben als abgeschiedener Yogi bis zur Buddhaschaft. Dieses ist mein erstes Leben als abgeschiedener Yogi. Ich werde demnach noch zwei Leben als Yogi brauchen. Außer ich komme vom Weg ab. Dann brauche ich drei Leben.

13 Guru-Yoga

Im Christentum gibt es die Aussage, dass jeder Gläubige in die Hand Gottes geschrieben ist. Aus meiner Sicht bedeutet das, dass jeder, der sich einmal mit einem vollständig erleuchteten Meister (Gott, Avatar, Buddha) verbunden hat, von ihm zur Erleuchtung geführt wird. Ein vollständig erleuchteter Meister vergißt seine Anhänger nie. Auch wenn sie den spirituellen Weg verlieren. Er fängt sie immer wieder auf. Er führt sie von Leben zu Leben weiter ins Licht, egal wie viele Leben ein Mensch persönlich braucht. Gott wirkt durch alle Gurus. Wer einen Guru hat, der ist sicher auf dem Weg zur Erleuchtung. Wer einmal zur Spiritualität gefunden hat und tief in seinem Herzen daran glaubt, der erreicht eines Tages das Ziel.

Ich habe das gespürt, als ich im Alter von 30 Jahren ein Buch des griechischen Philosophen Epikur gelesen hatte. In mir erwachte ein tiefer Glaube. Ich wusste, dass ich gerettet bin. Mein Unterbewusstsein richtete sich auf das spirituelle Ziel aus. Später traf ich auf meine erleuchteten Meister. Ich bin öfter gefallen. Aber ich bin immer wieder aufgestanden. Ich habe mein Ziel letztlich nie aufgegeben. Das ist die Kraft des tiefen Glaubens. Diesen Glauben bekommt man, wenn man den spirituellen Weg in der Tiefe seines Herzens versteht.

14 Yogis, Mönche und Gläubige (Laien)

Der Weg des Glaubens führt einen grundsätzlich langfristig über viele Leben zum Ziel. Der Weg eines Mönches oder einer Nonne geht noch schneller, weil man seine Zeit fast vollständig für das spirituelle Üben verwendet. Am schnellsten entwickelt man sich durch das Leben als abgeschiedener Yogi. Durch die Kraft der Ruhe wendet sich die Energie nach innen. Dazu muss man genau den Punkt finden, wo man ins sogenannte Nichtstun (Wu-Wei) kommt, ohne in der Trägheit zu versinken. Wenn man auf diesem Punkt lebt und seinen Geist auf den spirituellen Weg ausrichtet, dann wächst man spirituell optimal. Es ist dann nur noch wichtig, dass man die persönlich effektiven spirituellen Techniken findet. Formales üben bringt einen nicht voran. Man muss mit Weisheit und innerem Gespür praktizieren.

14 Der Weg des abgeschiedenen Yogis (Asketen)

Buddha lebte sechs Jahre als abgeschiedener Asket. Er probierte viele Techniken aus. Er fand durch sein inneres Gespür zum mittleren spirituellen Weg. Er praktizierte weder zu locker noch zu angespannt. Dadurch entspannte er sich so weit innerlich, dass er nach sechs Jahren dauerhaft zur Erleuchtung durchbrach. Allerdings hatte er bereits viele Leben vorher als Bodhisattva gelebt und in den ersten 29 Jahren seines Lebens auch das weltliche Leben ausreichend genossen und gelebt. Das muss man berücksichtigen.

Mein Yoga-Meister Swami Sivananda brauchte neun Jahre als abgeschiedener Yogi zur Erleuchtung. Grundsätzlich heißt es im Yoga, dass dazu 12 Jahre in der Abgeschiedenheit notwendig sind. Im tibetischen Buddhismus gibt es die abgeschiedenen Yogis, die so lange praktizieren, bis sie erleuchtet sind. Für normale Buddhisten gibt es die Möglichkeit eines dreijährigen Retreats. Ein solches Retreat kann man auch mehrmals wiederholen, bis man am Ziel ist.

15 Der persönliche Zeitraum

Grundsätzlich ist die Zeit, die man zur Erleuchtung braucht, sehr unterschiedlich. Sie hängt von den persönlichen Fähigkeiten, vom Karma und von den äußeren Umständen ab. Durch Zeiten intensiven Leidens kann man sehr schnell zur Erleuchtung kommen, weil dann der Geist sehr intensiv geschult wird. Ich war ein Jahr schwer depressiv. Ich habe ein halbes Jahr extrem hart an meinem Geist gearbeitet. So konnte der Durchbruch und das Erlöschen des Egos gelingen. Allerdings fiel ich dann nach einiger Zeit wieder zurück.

Ich machte viele Anläufe, um wieder zurück ins Licht zu finden. Das gelang auf den unterschiedlichsten Wegen. Ich traf auf einen erleuchteten Meister und trat in seine Energie ein. Sein Erleuchtungsbewusstsein übertrug sich auf mich. Das geschah mir öfters. Manchmal sofort, manchmal einige Stunden später und einmal ein halbes Jahr später.

Ich probierte viele spirituelle Techniken aus und kam dadurch immer wieder für kurze Zeit zur Erleuchtung. Ich meditierte und machte Yogaübungen. Ich las spirituelle Bücher und dachte gründlich über den spirituellen Weg nach. Ich visualisierte mich vor dem Einschlafen als Buddha und wachte am nächsten Morgen erleuchtet auf. Ich sandte allen Wesen Licht, öffnete dadurch vollständig mein Herzchakra und war dadurch plötzlich selbst im Licht.

16 Der spirituelle Tagesplan

Die wichtigste Technik war es, mich durch einen klugen spirituellen Tagesplan systematisch und dauerhaft zur Erleuchtung bringen zu können. Ich lebte vier Jahre als abgeschiedener Yogi und suchte intensiv nach dem optimalen spirituellen Weg für mich. So fand ich den Weg des spirituellen Tagesplans. Ich praktizierte mit innerem Gespür in ständigem Wechsel Meditation (im Liegen), Gehen (meditatives Gehen mit spirituellen Übungen), Lesen (in einem spirituellen Buch), Gutes tun (anderen Menschen helfen) und das Leben genießen (ausreichend Genuss). Ich machte diese Übungen jeweils auf die genau persönlich richtige Art und in der richtigen Länge. Das erspürte ich in mir auf die Sekunde genau. So lösten sich optimal meine inneren Verspannungen und Energieblockaden auf.

Nach einem halben Jahr mit dem intensiven spirituellen Tagesplan brach ich ständig immer wieder zur Erleuchtung durch. Ich meditierte dabei in der Regel zehn Stunden am Tag. Letztlich übte ich 24 Stunden am Tag ununterbrochen. Auch das Schlafen wurde zu einem spirituellen Weg. Der Übungsprozess ging im Schlafen weiter. Das ganze Leben wurde zu einem innerlich fein abgestimmten spirituellen Weg. Ich blieb ein halbes Jahr bei diesen ständigen Erleuchtungsdurchbrüchen. Dann wurde mir das zu anstrengend und ich ging zu einem sanfteren Übungsweg über, bei dem ich langsamer spiritueller wachse, aber auch nicht mehr so heftige Kundalini-Prozesse erlebe.

17 Der mittlere spirituelle Weg

Auf diesem langsamen spirituellen Weg befinde ich mich seit etwa dreißig Jahren. Ich verbinde glückliches äußeres Leben mit dem spirituellen Üben. Seit vier Jahren habe ich sogar eine Beziehung. Und trotzdem wachse ich spürbar immer weiter, manchmal ist es mir sogar jetzt noch zu intensiv. Aber langsamer geht es nicht, weil der innere Reinungsprozess seit meinen Erleuchtungsdurchbrüchen von alleine weiter läuft. Wie lange kann das noch dauern? Ein Hellseher erklärte mir vor vielen Jahren, dass ich dann erleuchtet wäre, wenn ich weiße Haare hätte. Seit dieser Zeit beobachte ich immer wieder meine Haare. Ganz weiß sind sie immer noch nicht. Das kann noch einige Jahre dauern.

18 Besinnung auf das Gute im Leben

Dalai Lama: „Wenn der Geist von den negativen Emotionen gereinigt wird, scheint Wissen und Klarheit auf.“

Nils: Wir alle besitzen eine Erleuchtungsnatur. Sie erscheint, wenn wir uns von unseren negativen Gedanken, Gefühlen und Energieblockaden reinigen. Wir müssen zum inneren Frieden und zur Ruhe in uns finden. Dafür gibt es viele Wege. Manchmal hilft auch die Besinnung auf das Positive, damit wir in uns zur Ruhe kommen. Was gibt es Gutes in deinem Leben? Ich komme bei näherem Nachdenken auf viele gute Dinge: Mein erfolgreiches Reinkarnationsbuch, meine erfolgreichen Gruppen im Internet (Yoga und Buddhismus), Gesundheit, genug Geld, eine gute Beziehung, ein erfülltes Leben. Ich haben meinen spirituellen Weg gefunden und folge glücksbringenden Zielen. Ich wachse jeden Tag mehr ins Licht. Ich lebe in der Liebe, im inneren Frieden. Meine Welt ist glücklich. Ich kann vielen Menschen viel Gutes tun. Mein Leben hat einen tieferen Sinn.

19 Bescheidenheit als spiritueller Weg

Erstaunlicherweise zeichnen sich die glücklichsten Menschen dadurch aus, dass sie sehr bescheiden sind. Überhöhte Ansprüche können unser inneres Glück zerstören. Wenn wir die Dinge so annehmen wie sie sind, erlangen wir inneren Frieden. Wenn wir bescheiden sind und uns auch an den kleinen Dingen des Lebens freuen können, haben wir eine Quelle unerschöpflichen Glücks um uns herum. Für mich ist die Bescheidenheit ein schwieriger Übungsweg. Mein Großvater sagte immer: „Wer unbescheiden ist, hat mehr vom Leben.“ Er überschätzte die Bedeutung der äußeren Dinge und unterschätzte die Bedeutung des inneren Friedens. Erleuchtung entsteht aus innerem Frieden. Der griechische Philosoph Epikur lehrte die Genügsamkeit. Wenn wir unseren Genugpunkt kennen, dann können wir zur inneren Ruhe finden. Wir sollten unsere Lebensziele klar benennen, unseren Genugpunkt definieren, keine überhöhten Erwartungen haben und uns auf das innere Glück und die Liebe ausrichten. Dann können wir auch in einem schwierigen Leben glücklich werden.

20 Die Geistesgifte

Dalai Lama: „Die Geistesgifte (Wut, Hass, Neid, Egoismus) sind so groß, dass sie uns oft am inneren Frieden und der umfassenden Liebe hindern.“

Nils: Wie überwinden wir die Geistesgifte? In jeder konkreten Situation müssen wir genau unseren Geist und unsere Gefühle beobachten. Wenn wir uns über unser inneres Geschehen klar sind, können wir es durch Gedankenarbeit und Meditation lenken. Wenn also jemand etwas sagt, das Aggressionen in uns auslöst, dann sollten wir einen Gedanken finden, der uns wieder in die Ruhe und Liebe bringt. Und dann erst handeln und antworten. Wir leben in einer Welt mit sehr aggressiven Energien. Die Kunst ist es diese Energien so zu steuern, dass wir den inneren Frieden bewahren und trotzdem äußerlich positiv handeln können.

21 Beziehungen als Wachstumsweg

In Beziehungen ist es wie in der Politik. Es ist schwer sein Ego zu überwinden und sich nicht in falsche Machtkämpfe zu verstricken. In der Politik geht es vorwiegend um unterschiedliche Interessen. Es geht vorwiegend um den Konflikt zwischen Arm und Reich, zwischen Arbeitern und Kapitalisten, zwischen Männern und Frauen, zwischen den unterschiedlichen Völkern der Welt, zwischen den verschiedenen Lebensauffassungen. Dabei geht oft das Gemeinsame und der tiefere Sinn des Lebens verloren. Der tiefere Sinn des Lebens ist die Entwicklung des inneren Glücks und der umfassenden Liebe. Gemeinsam ist uns allen, dass wir alle auf der Erde leben. Mit dem Untergang der Erde geht auch wir unter. Wenn das Klima zerstört wird oder ein Atomkrieg kommt, leiden wir alle gemeinsam. Wenn wir den Egoismus auf der Erde fördern, werden wir uns alle gegenseitig zerstören. Kriege sind grundsätzlich Höhepunkte des Egoismus und der menschlichen Dummheit, jedenfalls von Seiten des Angreifers. Verteidigen darf man sich. Aber auch hierbei sollte man das richtige Maß wahren und daran denken, dass wir letztlich eine globale Friedensordnung auf der Welt schaffen sollten. In der Politik geht es darum, letztlich aus positiven Werten wie Wahrheit, Liebe und Frieden heraus zu handeln.

22 Das gemeinsame Glück in den Mittelpunkt stellen

Und genauso ist es in Beziehungen. Wir müssen unsere Beziehungen in tieferen positiven Werten verankern. Dann können sie langfristig gelingen. Wenn wir das Ego und die äußeren Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen, dann verstricken wir uns in ewige Egokämpfe und zerstören letztlich das gemeinsame Glück. Ich erfahre immer wieder wie schwer es ist, sich auf das gemeinsame Glück zu besinnen. Dem Ego zu folgen hat eine große Kraft. Man baut sich seine eigene Philosophie um sein Ego herum und verstrickt sich dann darin. Bereits die Wahrheit in einer Angelegenheit zu erkennen, ist oft äußerst schwierig. In der Politik wird gerne mit Lügen und Desinformation gearbeitet. Es gibt die Kunst der Manipulation, durch die das Gegenüber geistig völlig verwirrt wird. Es ist sehr mühsam die Wahrheit herauszuarbeiten. Das Ego des Gegenüber wehrt sich mit allen Mitteln. Ich sehe das an den politischen Diskussionen in meinen Gruppen. Aber auch in meinen Beziehungen gab es oft Egokämpfe.

23 Die Kunst des positiven Miteinanders

Eine gute Beziehung zu führen, ist eine große Kunst. Grundsätzlich gelingt es nur mit dem positiven Denken. Der Paartherapeut Gottman hat herausgefunden, dass sich gute von schlechten Beziehungen im Wesentlichen durch die gemeinsame Fähigkeit zum positiven Denken unterscheiden. Wenn wir glückliche Beziehungen haben möchten, müssen wir gemeinsam das positive Denken lernen. Wir müssen uns in positiven Werten verankern und konsequent ein positives Verhalten trainieren. Barbara und ich sind sehr unterschiedlich und eigensinnig. Am Anfang unserer Beziehung haben wir uns oft gestritten. Es war schwer einen gemeinsamen Weg zu finden. Im Laufe der Jahre wurden wir immer harmonischer. Wir haben immer besser gelernt positiv miteinander umzugehen. Wir haben es gelernt den anderen zu verstehen und mit seinen Macken positiv umzugehen. Letztlich haben wir es nur geschafft, weil wir beide wirklich eine glückliche Beziehung wollten.

23 Man muss wirklich eine glückliche Beziehung wollen

Das ist der Kern. Man muss wirklich eine glückliche Beziehung wollen. Dann findet sich auch ein Weg. Letztlich geht es in Beziehungen und in der Welt um spirituelles Wachstum. Spirituelles Wachstum gelingt nur, wenn wir uns klar im spirituellen Ziel und in positiven Werten verankern. Es gibt auf der Welt und in Beziehungen immer den Kampf zwischen dem Ego und der Erleuchtung. Erleuchtung bedeutet Frieden, Liebe und Harmonie. Ego bedeutet Kampf und Disharmonie. Im Moment sind die Kräfte des Egos auf der Welt sehr stark. Das wirkt sich auch auf die Beziehungen der Menschen untereinander aus. Eine glückliche Welt und eine glückliche Beziehung zu schaffen ist ein täglicher Übungsweg. Andererseits sind Wahrheit und Liebe große Kräfte. Die Erleuchtung ist ein viel größeres Glück als die Befriedigung des Egos. Deshalb werden langfristig die Wahrheit und die Liebe siegen.

24 Dualität und Lichtebene

Wenn ein Erleuchteter in der äußeren Welt handeln will, muss er die Energien der Dualität und des Lichts meistern. Er muss es lernen ins innere Glück, in den Frieden, in die umfassende Liebe und in die Erleuchtung zu kommen. Dabei helfen ihm der Weg der Gedankenarbeit, der Meditation und der Energie-Yoga. In der Lichtebene hat man alle Anhaftungen an die äußere Welt losgelassen. Man ruht in sich und im Glück. Das innere Glück entfaltet sich im Wesentlichen durch die innere Abgeschiedenheit von der äußeren Welt. Man findet nur inneren Frieden, wenn man sich von den Energien der äußeren Welt geistig abtrennt. Aber dann kann man nicht mehr äußerlich handeln. Um äußerlich handeln zu können, muss sich ein Erleuchteter immer wieder in die Ebene der Dualität begeben. Es muss es lernen die weltlichen Energien zu meistern. Dafür gibt es verschiedene Techniken. Es gibt den Weg des kleinen Handelns. Man handelt nur wenig und verstrickt sich deshalb nur wenig in den weltlichen Energien. Oder man besinnt sich auf die Liebe und das Mitgefühl. Dann kann man auch kraftvoll im Außen handeln, ohne seine Erleuchtung zu verlieren. Wichtig für mich ist es immer wieder zur Ruhe zu kommen. In der Meditation und beim Spazierengehen lasse ich die weltlichen Energien sich austoben und von alleine beruhigen. Ich besinne mich jeden Tag immer wieder auf mein spirituelles Zentrum. Ich besinne mich immer wieder darauf ein Buddha und ein Bodhisattva zu sein. So finde ich immer wieder meinen Weg ins Licht. So kann ich im Licht leben und aus dem Licht heraus handeln. So kann man letztlich auch seine Mitmenschen und die ganze Welt mit ins Licht nehmen.

25 Die spirituelle Gruppe

Buddha erklärte: „Seid harmonisch, Mönche. Dann werdet ihr Bestand haben.“ Das zentrale Element im Buddhismus ist die Zuflucht zu Buddha (als Vorbild), zum Dharma (der buddhistischen Lehre) und zur Sangha (der buddhistischen Gemeinde, Gruppe). Die Gemeinschaft spielt daher im Buddhismus eine große Rolle. Auch im westlichen Yoga ist die Yogagruppe für die meisten Praktizierenden das zentrale Element der yogischen Praxis. Es ist deshalb wichtig, dass wir gute und funktionierende Gruppen haben.

Wie entsteht eine gute Gruppe? Eine gute Gruppe bringt die Menschen spirituell voran. Dafür ist Harmonie und positives Miteinander sehr wichtig. In meinen Yogagruppen war das immer selbstverständlich. Wir haben uns auf das gemeinsame Yogaüben konzentriert. Auch buddhistische Gruppen verlaufen in der realen Welt überwiegend harmonisch. Zwar gibt es immer wieder Probleme, aber die werden konstruktiv gelöst. Im Vordergrund stehen hier die gemeinsame Meditation, gemeinsame Rituale und Vorträge über den Inhalt der buddhistischen Lehre.

Im Internet ist die Situation ganz anders. Hier geht es vorrangig nicht um eine gemeinsame spirituelle Praxis, sondern um Diskussionen über Yoga und Buddhismus. Hier wird oft gestritten. Hier geht es oft nicht besonders harmonisch zu. Ich betone die Liebe, die Freundlichkeit und die Toleranz in meinen Gruppen. Anderseits darf über die Wahrheit auch frei diskutiert werden. Nur Beleidigungen sind verboten.

Auf dem Weg der Wahrheit ist es normal, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Wir leben in einer aggressiven Zeit, wo sich unterschiedlich denkende Menschen oft sehr bekämpfen. Es ist deshalb verständlich, dass diese Aggressionen aus der Gesellschaft sich auch in einer großen Diskussionsgruppe widerspiegeln.

Andererseits ist es das Ziel in einer spirituellen Gruppe inneren Frieden, Glück und Erleuchtung zu erreichen. Es geht sowohl im Buddhismus als auch im Yoga um die Entwicklung umfassender Liebe als wichtigen Teil des spirituellen Weges. Deshalb sollten Diskussionen so geführt werden, dass inneres Wachstum bei den Teilnehmern stattfindet. Es geht nicht um ein Ausleben von Aggressionen. Es geht um spirituelles Wachstum.

Spirituelles Wachstum entsteht, wenn man gründlich über den spirituellen Weg nachdenkt. Dabei sind Kontroversen unvermeidlich, wie es zum Beispiel in der Frage des Fleischessens oft geschieht. Eine weitere wichtige Frage im Yoga sowohl als auch im Buddhismus ist es, ob man sich mit Politik beschäftigen oder sich sogar politisch engagieren sollten. Auch hier gibt es sehr unterschiedliche Positionen. Da ich ein Anhänger des engagierten Buddhismus (Thich Nhat Hanh) bin, lasse ich politische Diskussionen in einem begrenzten Rahmen zu, insbesondere wenn es um grundsätzliche Fragen wie Krieg und Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit geht. Ich wünsche eine Welt des Friedens, der Liebe und des allgemeinen Glück. Ich glaube, dass Yoga und Buddhismus viel dazu beitragen können.

Bei den Diskussionen ist zu beachten, dass sie zum spirituellen Wachstum aller Beteiligten beitragen. Wir sollten uns deshalb im spirituellen Ziel verankern. Wir sollten so miteinander umgehen, dass spirituelles Wachstum bei allen entsteht. Dafür ist es notwendig, dass wir Grundsätze wie Wahrhaftigkeit, Liebe, Gewaltlosigkeit und Toleranz beachten. Wir müssen uns in Wahrheit und Liebe austauschen, damit Erleuchtung in uns entsteht. Ich bemühe mich das in meinen Gruppen durchzusetzen.

Die Wahrheit kann manchmal hart sein. Klare und deutliche Positionen können zum Erkenntnisgewinn beitragen. Aber ohne den Grundsatz der Liebe kommen wir nicht zur Erleuchtung. Spirituelle Vorbilder wie Buddha, Shiva oder Krishna zeichnen sich durch ihre Liebe aus. Meine Meister wie Mutter Meera, Amritanandamayi, Satya Sai Baba, der Dalai Lama und Swami Sivananda verbinden den Weg der Meditation mit dem Weg der Liebe. Die Liebe steht im Mittelpunkt des Neohinduismus und des Mahayana-Buddhismus. Ich poste deshalb oft positive Leitsätze, damit wir immer wieder zur Liebe, zum Frieden und zur Selbsterkenntnis finden können.

Im Yoga und im Buddhismus geht es darum negative Eigenschaften (die sogenannten Geistesgifte) zu überwinden. In den Diskussionen kommen diese negativen Eigenschaften oft zum Vorschein. Wir sollten uns selbst beobachten und uns bemühen aus einer positiven Motivation heraus zu schreiben. Wir sollten die Diskussionen zum Anlass nehmen negative Eigenschaften zu überwinden und positive Eigenschaften zu entwickeln. So entsteht auch in kontroversen Diskussionen spirituelles Wachstum.

26 Mitgefühl

Der Krieg in der Ukraine geht immer weiter und kann noch lange dauern, da beide Parteien irgendwie gleichstark sind. Die Ukraine hat die Bevölkerung und die westlichen Waffen hinter sich. Und Russland den riesigen Militärapparat. In den nächsten Tagen kommt vermutlich eine große Entscheidungsschlacht um den Donbass. Putin hofft da zu gewinnen, damit er das auf der Parade am 9. Mai als großen Sieg verkaufen kann. Die Ukraine will aber die eroberten Gebiete zurück haben. Deshalb wird es möglicherweise danach zu einem Dauerkrieg kommen. Diese Strategie praktiziert Putin gerne. Er destabilisiert damit langfristig die Ukraine und kann seine Bevölkerung in einem dauerhaften Kriegszustand halten. So gewinnt er seine Wahlen und kann sich langfristig an der Macht halten. Die Ukraine wird sich mit westlichen Waffen immer weiter aufrüsten. Aber vielleicht kommt es ja auch bald zu einem Waffenstillstand und Friedensverhandlungen. Mir tun die vielen Menschen in der Ukraine sehr leid. Sie sind im Fernsehen ständig präsent, da es viele Interviews und Berichte über den Krieg gibt. Für mich ist das Fernsehen im Moment ein Weg mein Mitgefühl zu entwickeln.

27 Meine Freundin, die christliche Eremitin

Aus meiner Zeit als Eremit kenne ich eine Frau, die wie ich als Eremitin lebt. Sie ist etwas jünger als ich und hat mich einmal sogar besucht. Ansonsten mailen wir uns regelmäßig. In den ersten Jahren schrieben wir uns jeden Tag. Jetzt gibt es nur noch einmal in der Woche eine Mail, weil in unserem Leben einfach nicht viel passiert. Sie lebt an der Ostsee, fährt oft mit dem Fahrrad spazieren und sitzt ansonsten in ihrer kleinen Wohnung. Früher hatte sie ein stressreiches Leben mit vielen Beziehungen und vielen verschiedenen Jobs. Aber seit einiger Zeit wird sie vom Arbeitsamt nicht mehr vermittelt. Sie genießt die viele Ruhe in ihrem Leben. Immer mehr Ängste fallen von ihr ab und ihr inneres Glück entwickelt sich. Hauptsächlich durch die viele Ruhe in ihrem Leben wächst sie immer mehr ins Glück. Früher war sie undogmatisch und hat viele spirituelle Wege ausprobiert. Jetzt findet sie immer mehr zu ihrer christlichen Religion zurück, durch die sie in ihrer Kindheit stark geprägt worden ist. Ihre Hauptübung ist die Gottüberlassenheit. Sie überläßt Gott ihr Leben und lebt ansonsten einfach friedlich vor sich hin. Spirituelle Übungen praktiziert sie nicht so viel wie ich. Sie lebt einfach im glücklichen Sein. Früher haben wir viel zusammen gelacht. Wir haben einen ähnlichen Humor. Aber jetzt tauschen wir uns eher einfach nur aus und teilen uns mit, was in unserem Leben so geschieht. Dabei haben wir einen Stil wie zwei sehr alte Menschen, die schon etwas dement sind. Ich schreibe ihr einfach das, wozu ich gerade Lust habe und was mir gerade durch den Kopf geht. Und sie antwortet auf die gleiche Art. Manchmal schreiben wir etwas aneinander vorbei. Aber gleichzeitig nehmen wir uns radikal gegenseitig so an wie wir sind. Es ist gut so viel Akzeptanz zu erfahren. Und außerdem ist diese Art des Schreibens sehr heilsam. Es ist eine Art Schreibtherapie. Ich reflektiere mein Leben und lebe meine momentanen Emotionen aus. Und auf ihrer Seite geschieht das Gleiche. Insgesamt haben wir so eine sehr harmonische Beziehung.

28 Die Einheit aller Religionen

Der Dalai Lama hat erklärt, dass es nur eine Religion gibt, die Religion der Liebe: „Ich glaube, dass die einzig wahre Religion darin besteht, ein gutes Herz zu haben.“ Der Dalai Lama engagiert sich für die Zusammenarbeit aller Religionen der Welt. Er trifft sich oft mit religiösen Führern aus dem Christentum, dem Islam und dem Hinduismus. Unter den Buddhisten ist der Dalai Lama die herausragende Persönlichkeit, die sich für die Einheit aller Religionen engagiert.

In Indien gibt es den Weg des Neohinduismus. Er geht zurück auf den Yogi Ramakrishna, der verschiedene Religionen ausprobierte und erkannte, dass es alles Wege zur Erleuchtung sind. Er verglich die Religionen mit einem Berg, zu dessen Gipfel verschiedene Wege führen. Jede Religion ist ein Weg ins Licht, wenn man sie ernsthaft und mit Weisheit praktiziert. Meine hinduistischen Meister lehren alle den Weg des Neohinduismus und haben diesen Weg wesentlich geprägt. Das gilt für Mutter Meera, Sathya Sai Baba, Anandamayi Ma, Swami Sivananda und Amritanandamayi (Amma). Sie alle stellen die umfassende Liebe in das Zentrum des spirituellen Weges. Sie alle lehren die Toleranz der Religionen untereinander.

29 Toleranz im Christentum

Das Christentum ist überwiegend eine sehr dogmatische Religion, die nur ihren Weg für den einzig richtigen hält. Sie beruft sich dabei auf das Johannes Evangelium, nach dem Jesus gesagt haben soll, dass nur er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Keiner komme zum Vater außer durch ihn. Diese Behauptung ist aber eine Falschbehauptung, die Jesus so nie gesagt hat. Sonst hätten auch andere Evangelien davon gesprochen. Jesus sah sich nicht als Begründer einer neuen Religion. Er wollte nur das Judentum reformieren und auf den Weg der umfassenden Liebe bringen. Einer solchen Lehre würde ein Alleinvertretungsanspruch völlig widersprechen, weil das letztlich zu ewigen Religionskriegen geführt hat und führen wird.

Es gibt im Christentum auch viele Vertreter der Zusammenarbeit aller Religionen. Zuerst sind hier die Katholiken zu nennen, die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil erklärt haben, dass der Geist Gottes durch alle Religionen wirkt. Dementsprechend haben sich die Päpste oft mit Vertretern anderer Religionen getroffen und auf ein friedliches Miteinander hingewirkt. Der katholische Priester und erleuchtete Mystiker Bede Griffiths vertrat sogar ausdrücklich die Einheit aller Religionen. Nach ihm sind die Lehren aller Religionen ein Gesamtwissen, dass der gesamten Welt gehört. Seine Schülern lernten von allen Religionen, um den für sie persönlich passenden Weg zu finden.

30 Erleuchtung und Toleranz

Nach meiner Erfahrung gibt es nur eine höchste Wahrheit. Diese Wahrheit erfährt man in der Erleuchtung. In der Erleuchtung erhebt man sich über jeden religiösen Streit und erkennt das Gemeinsame in allen Wegen. Durch die Erleuchtung gelangt man in eine Ebene über allen Religionen. Die Erleuchtung ist über allen Worten und dogmatischen Systemen. Die einzelnen Religionen sind Wege, die zu einem Leben im Licht führen. Wie man ins Licht gelangt, ist für jeden Menschen individuell.

Ich glaube, dass die Gründer der verschiedenen Religionen eine Erleuchtungserfahrung gemacht haben. Darauf beruht jede echte Religion. Religionsgründer wie Buddha, Jesus, Mohammed, Moses und Krishna haben dann in den Worten ihrer Kultur beschrieben, wie man den Weg ins Licht finden kann. Alle dieser großen Religionen haben Erleuchtete hervorgebracht. Allein das beweist, dass es in allen Religionen letztlich um die Erleuchtung, die Gotteserfahrung, das Leben im Licht geht.

Ich konnte nach meiner Erleuchtungserfahrung plötzlich die Bücher aller Religionen auf einer tiefen Ebene verstehen. Jede Religion zeigte verschiedene Aspekte des spirituellen Weges auf. Zusammen ergaben sie das Gesamtsystem des spirituellen Wissens. Von jeder Religion habe ich etwas für meinen spirituellen Weg gelernt. Deshalb vertrete ich die Einheit aller Religionen und den individuellen Weg eines jeden Menschen. Jeder darf herausfinden, was ihn spirituell voranbringt. Er kann dem Weg einer speziellen Religion folgen oder sich aus allen Religionen seinen persönlichen Weg zusammenstellen. Wenn er wirklich nach Erleuchtung sucht und konsequent praktiziert, wird er seinen Weg finden.

31 Der individuelle spirituelle Weg

In der westlichen Welt ist es üblich, dass man bei verschiedenen Meistern lernt. Man wandert von Meister zu Meister und von Religion zu Religion, bis man seinen persönlichen Weg gefunden hat. So war es auch bei mir. Ich begann mit der Philosophie und der Psychologie. Dann fand ich zum Christentum, zum Buddhismus und zum indischen Yoga. Ich probierte aus, was für mich persönlich funktioniert. Das praktiziere ich seit vierzig Jahren.

Ich engagiere mich für die Zusammenarbeit aller Religionen und für die religiöse Toleranz, weil ich eine Welt des Friedens, der Liebe und des allgemeinen Glücks wünsche. Eine solche Welt ist nur möglich, wenn die Religionen untereinander Frieden finden und sich auf ihre gemeinsamen positiven Werte besinnen. Ich behaupte sogar, dass eine dauerhaft friedliche Welt nur möglich ist, wenn die Menschen ihren Egoismus überwinden und sich auf die Liebe und das innere Glück als ihr wahres Lebensziel besinnen. Ich engagiere mich deshalb für das Weltparlament der Religionen. Meine Hauptarbeit besteht aber darin in meinen spirituellen Gruppen Frieden, Liebe und Toleranz zu lehren.

April

1 Worüber kannst du lachen? Was ist Lustiges in deinem Leben passiert. Nimm das Leben nicht zu ernst. Lache über dich. Barbara und ich lachen gerne. Meistens machen wir es wie der Dalai Lama. Wir versetzen uns in die Kindrolle und ärgern uns gegenseitig etwas. So können wir spielerisch alle Bosheiten loslassen. Im muss bei Barbara aber sehr aufpassen, dass ich sie dabei nicht verletze. Sie ist sehr empfindlich. Wir beide haben viele Macken, so dass es immer etwas zu lachen gibt.

2 Geschehen in der Ukraine

Ich sehe das Geschehen in der Ukraine als eine Art Krimi an. Es ist sehr spannend. Ständig passiert etwas Neues, mal etwas Gutes und mal etwas Schlechtes. Gut finde ich, dass die Ukraine möglicherweise doch den Krieg gewinnen kann. Alle dachten, dass sie keine Chance gegen Russland haben, weil Russland fünfmal überlegen ist. Aber durch Klugheit, Mut und einem großen Widerstandswillen drängen sie im Moment in Kiew die Russen zurück. Allerdings zeigt sich dabei auch, wie grausam die Russen in den besetzten Gebieten vorgehen. Sie erschießen wahllos Zivilisten. Jetzt steht die große Schlacht um den Donbass und um Odessa bevor. Putin wird vermutlich versuchen, den Osten und den Süden der Ukraine zu erobern und dauerhaft zu besetzen. So kommt er gesichtswahrend aus dem Krieg heraus. Der Westen liefert massiv Waffen und Munition. So können die Ukrainer standhalten. Ich bin für die Waffenlieferungen, weil die Ukraine das Recht auf Selbstbestimmung hat. Wer möchte schon in einer Diktatur ohne Meinungsfreiheit leben? Ich nicht. Ein Problem besteht darin, dass wir immer am Rande eines Atomkrieges entlangschlittern. Putin droht mit dem Einsatz von Atomwaffen, wenn der Westen in den Krieg eingreift. In Wirklichkeit sind wir schon stark am Krieg beteiligt. Wir stärken die Ukraine mit Geld, Lebensmitteln und Waffen. Wir nehmen in großem Umfang Flüchtlinge auf. Die westlichen Massenmedien ergreifen eindeutig Partei für die Ukraine. Wir versuchen Russland wirtschaftlich durch einen Handelsboykott zu zerstören. Etwa 20 000 westliche Soldaten kämpfen bereits freiwillig in der Ukraine. Jetzt liefern wir sogar schon Panzer, bewaffnete Drohnen und bald vielleicht sogar Flugzeuge. Die Nato versucht die Schmerzgrenze von Putin herauszufinden und so viele Waffen zu liefern, dass Putin den Krieg verliert. Aber Putin hat noch große Reserven an Waffen und Soldaten. Bist du für einen Stopp der Gaslieferungen? Aus meiner Sicht würde das nur die Wirtschaft in Deutschland zerstören und den Krieg nicht beenden. Beenden werden den Krieg nur Waffenlieferungen und der Widerstand der Ukrainer. Wenn Putin erkennt, dass er den Krieg nicht mehr gewinnen kann, wird er zu echten Verhandlungen bereit sein. Hier sehe ich aber das Problem, dass weder der russische Präsident Putin noch der ukrainische Präsident Selenskyj zu einem echten Kompromiss bereit sind. Es ist noch ein weiter Weg zum Frieden in der Ukraine.

3 Der Ukraine Krieg 2022

Wikipedia: Der Russisch-Ukrainische Krieg begann Ende Februar 2014 in Form eines hybriden regionalen bewaffneten Konflikts auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Im Anschluss an die völkerrechtswidrige Annexion der Krim folgten stetige Schritte weiterer Eskalation durch Russland insbesondere mit dem Aufbau prorussischer bewaffneter Milizen in den ostukrainischen Oblasten Donezk und Luhansk, die dort gemeinsam mit regulären russischen Truppen gegen die ukrainischen Streitkräfte und Freiwilligenmilizen kämpften. Die mit internationaler Hilfe zustande gekommenen Minsker Abkommen von September 2014 und Februar 2015 sahen für den Krieg in der Ostukraine einen dauerhaften Waffenstillstand vor; tatsächlich erreicht wurde nur eine Stabilisierung des lokalen Konflikts.

Nach einem relativen Abflauen baute Russland ab Sommer 2021 massiv Truppen an der ukrainischen Grenze auf. Ab dem 24. Februar 2022 folgte ein groß angelegter Angriff durch die russische Armee aus mehreren Richtungen. Die NATO verweigerte ein direktes Eingreifen, um Kämpfe zwischen dem Bündnis und Russland zu vermeiden. Zahlreiche Länder unterstützten die Ukraine aber mit Geld und Waffen. Bis Ende März 2022 flohen über vier Millionen Ukrainer vor den Kämpfen und russischem Bombardement ins Ausland.

Am 24. Februar begann entlang der gesamten ukrainischen Grenze Russlands sowie aus Belarus der großangelegte Überfall auf die Ukraine. Der russische Angriff war offensichtlich als kurze Kommandoaktion geplant gewesen, deren eines Kriegsziel die Einnahme Kiews innerhalb einiger Tage zum Sturz der Regierung war. Nach wochenlanger Umklammerung der Stadt von Norden, Westen und Osten musste Russland die Eroberung Kiews Ende März aufgeben. Beim Abzug der russischen Truppen aus allen zuvor eroberten Gebieten westlich von Charkiw offenbarten sich nach Kriegsrecht verbotene Plünderungen und ein Muster von Tötungen von Zivilisten, das auf Kriegsverbrechen hindeutete. Der Ort Butscha erlangte weltweite Bekanntheit durch die dort bekannt gewordenen Gräueltaten.

Das zweite Kriegsziel war die Erweiterung der Vasallenstaaten im Osten der Ukraine; vor Donezk konnten die ukrainischen Truppen ihre Stellungen den ganzen März hindurch halten, ebenso die nahe der russischen Grenze liegende Großstadt Charkiw, welche in der um sie geführten Schlacht um Charkiw erheblich beschädigt wurde. Die zwischen Donezk/Luhansk und Charkiw an der russischen Grenze liegenden Gebiete wurden hingegen von Russland besetzt. Die Gebiete im Süden, wo seit 2014 eine Einnahme einer Landbrücke von Russland zur Krim befürchtet worden war, wurden trotz der lange verteidigten belagerten Stadt Mariupol ebenfalls großenteils von Russland besetzt.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine waren Ende Februar 2022 Hunderttausende auf der Flucht. Großteils handelte es sich um Frauen und Kinder, da Männern zwischen 18 und 60 Jahren keine Ausreise gestattet war. Bis Ende März 2022 flohen über vier Millionen Ukrainer vor den Kämpfen und russischem Bombardement ins Ausland.

Bereits vor dem Ausbruch des Krieges waren die globalen Nahrungsmittelpreise auf einem Höchststand. Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Getreide-Exporteuren, allein Afrika bezieht rund 30 % seiner Weizenimporte aus den beiden Ländern. Am 11. März 2022 trafen sich die G7-Agrarminister, um die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die weltweite Ernährungssicherung zu analysieren und Ansätze zur Stabilisierung der Agrarmärkte zu diskutieren.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte schrieb Mitte April 2014, die Propaganda im Fernsehen Russlands habe parallel zu den Entwicklungen auf der Krim signifikant zugenommen, darunter völkerrechtlich verbotene Hass-Propaganda. „Die ersten 20 Minuten der Nachrichten sind teilweise reine Hasspropaganda“, wertete der Historiker Andreas Umland Anfang März 2014, während die Süddeutsche Zeitung von „inszenierten“ und sogar frei erfundenen Berichten spricht. Der Ukraine-Historiker Andreas Kappeler stellte fest: „Eine unheimliche Propaganda-Maschinerie… es ist einfach kaum vorzustellen, die Lügengeschichten, die da erzählt werden.“ Und: „Alle Umfragen (dazu) weisen darauf hin, dass es nie innerethnische Antagonismen zwischen Russen und Ukrainern gab. Heute aber gibt es den Konflikt, und er wird durch Propaganda erzeugt.“ Es wurde eine in Russland allgemein verbreitete Faschismus-Rhetorik verwendet; so wurde der bewusst an deutsche Aktionen im Zweiten Weltkrieg erinnernde Begriff „Strafaktion“ von Rossija 1 bis im August 500 Mal verwendet. Der Historiker Timothy Snyder spricht von Nonstop-Propaganda und Phrasen-Recycling.

Die russische Propaganda verbreitete das Narrativ der ukrainischen „Nazis“. Schockierte Familienmitglieder von durch die Kontaktlinie getrennten Familien stellten fest, dass die Menschen auf russischer Seite die Propaganda für glaubwürdiger hielten als die Berichte der eigenen Familienmitglieder.

4 Eine Bekannte schrieb mir zum Krieg:

„Ich überlege grade, ob ich mir noch weiterhin die Nachrichten anschaue, denn die Bilder von den Leichen in den Straßen gestern Abend haben mir geschadet. Ich denke auch, dass man sich das nicht unbedingt reinziehen muss. Die weinenden, alten Menschen schaden mir erst recht. Ich finde es auch gut, dass es momentan so aussieht, als würde die Ukraine gewinnen. Dennoch befürchte ich, dass Putin enorme Kraftreserven hat, ähnlich wie Hitler damals, und dann alle möglichen Männer einberuft und an die Front schickt, vielleicht auch noch sehr junge Männer, die gar nicht in den Krieg ziehen wollen oder noch nicht ausreichend in Kampfwehrhandlungen ausgebildet sind. Mein Vater war damals auch noch sehr jung, als er einberufen wurde, und er war für den Rest seines Lebens ein gestörter Mensch, der emotional völlig unzugänglich war, Psychotherapien gab es ja damals noch nicht, man hatte das Erlebte runterzuschlucken. Ich denke, dieser Krieg wird Vieles verändern, weil wir wieder dieses übermächtige Russland als Feind realisieren. Wir haben nur noch eine kleine und schlecht ausgestattete Bundeswehr. Außerdem muss die Ostgrenze gestärkt werden. Die Flugabwehr über Deutschland muss ausgebaut werden. All das wird Jahre dauern und enorme Summen verschlingen. Die Flüchtlinge, die hergekommen sind, müssen versorgt werden. Ich bin gespannt, wie es finanziell für die Menschen weitergeht. Es gibt ja jetzt schon Menschen, die ihre Heizungen nicht mehr aufdrehen, weil es zu teuer kommt. „

5 Kein Russenhass

In der Ukraine kämpfen die Russen gegen die Ukrainer. Russland führt einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, ist in die Ukraine einmarschiert und tötet viele Menschen durch seine Raketen. Es zerbombt systematisch die großen Städte und begeht viele Kriegsverbrechen. Es zerstört Krankenhäuser, Wohngebiete und tötet unschuldige Zivilisten. Allerdings gibt es nicht „die“ Russen. Es gibt auch bei den Russen die Guten und die Schlechten. Allerdings ist Russland eine Diktatur. Und in einer Diktatur bestimmt der Präsident. Er beherrscht die Massenmedien, tötet Oppositionelle und schaltet mit seiner Geheimpolizei alle Andersdenkenden aus. Die Opposition sitzt entweder im Gefängnis, ist ins Ausland geflüchtet oder wagt es kaum noch eine andere Meinung zu äußeren. Insofern hat Putin jetzt laut einer Meinungsumfrage 81 % Zustimmung zum Krieg in seiner Bevölkerung. Die Russen unterstützen überwiegend den Krieg Putins und seine Soldaten töten die Menschen in der Ukraine. Deshalb ist es aus meiner Sicht berechtigt von den Russen zu sprechen. Allerdings sollten wir immer bedenken, dass es auch andersdenkende Russen gibt. Und die sind unsere Freunde. Gerade die in Deutschland lebenden Russen sind in der Mehrheit gegen Putin. Ich wende mich deshalb klar gegen den Russenhass, der hier in Deutschland um sich greift. Zuallererst sind wir alle Menschen.

6 Das Massaker von Butscha

Viele meiner Freunde in der Yoga-Szene sind Opfer der russischen Fehlinformation. Russland betreibt im Westen gezielt eine Desinformationskampagne. Bei näherem Hinsehen kann man das aber klar erkennen.  Es verstößt gegen das Völkerrecht, einen Angriffskrieg zu führen und unschuldige Zivilisten zu ermorden, Frauen zu vergewaltigen und Krankenhäuser zu bombardieren. Das sind alles bei den russischen Soldaten nachgewiesene Verbrechen. Putin ist ein Kriegsverbrecher und wird sich vor dem internationalen Gerichtshof verantworten müssen. Er ist von der überwältigenden Mehrheit der Staaten der Welt verurteilt worden. Er hat nur ganz wenige Freunde, die alle brutale Diktatoren sind. Die russische Propaganda behauptet, dass die Ukrainer nach dem Rückzug der Russen selbst die Menschen erschossen hätten. Es ist aber durch Satellitenfotos klar nachgewiesen, dass die Leichen in den Straßen zwei Wochen nach dem russischen Einmarsch in den Straßen lagen. Nach Zeugenaussagen waren es Spezialkommandos vom russischen Geheimdienst, die für die Verbrechen verantwortlich sind. Die jungen russischen Soldaten wären freundlich gewesen. Aber dann kamen die Spezialeinheiten und hätten mit dem Morden begonnen. Butscha ist ein Wendepunkt im Krieg, weil er der ganzen Welt die Kriegsverbrechen zeigt.  https://www.youtube.com/watch?v=acILvdHeLEA

7 Aufrüstung der Bundeswehr

„Die Sicherheitsordnung Europas ist am Ende und die Bundeswehr auf Putins Aggression nicht vorbereitet. Die deutsche Bundeswehr ist zu einer Armee für Einsätze wie in Afghanistan und Mali umgebaut worden, doch angesichts der geopolitischen Aggression Russlands muss sie auch auf die Bündnis- und Landesverteidigung fokussiert sein, sagt Rüstungsexperte Wolfgang Richter. Es brauche vor allem eine bessere Luftabwehr. Richter war Brigadegeneral der Bundeswehr und arbeitet heute in der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.

ZEIT ONLINE: Ukrainische Offizielle fordern Panzer, Flugabwehrgeschütze, ja Kampfflugzeuge aus deutschen Beständen.

Richter: Der ukrainische Botschafter und der Präsident fordern Waffen, um zum Gegenangriff übergehen zu können, verlorenes Gelände wieder zu nehmen und in die Flanke des Gegners zu stoßen, etwa in die überdehnte russische Logistikkette. Ein Teil des russischen Misserfolgs hat damit zu tun, dass die Ukrainer viele gegnerische Versorgungsfahrzeuge mit Panzerabwehrwaffen und Kampfdrohnen zerstören. Am besten ist es aber, wenn Deutschland und die anderen Nato-Staaten solche Rüstungstechnik liefern, die bei den Ukrainern bereits eingeführt ist. Und darüber verfügt die Bundeswehr tatsächlich kaum. Die Strela-Raketen gehören dazu, die bereits geliefert wurden. Auch diese Flugabwehrwaffen aus den Beständen der ehemaligen NVA helfen. Sie sind immer noch wirksam.

ZEIT ONLINE: Wie gut ist die Bundeswehr auf die Landesverteidigung tatsächlich vorbereitet?

Richter: Für die Landesverteidigung braucht es Großverbände, die in fünf bis sieben Tagen einsatzbereit sind. Die müssen dann aber auch mit ausreichendem Material ausgerüstet sein. Das ist aktuell nicht der Fall. Die Truppe wurde zu einer Armee für leichte Stabilisierungseinsätze bei niedriger Kampfintensität umgebaut, auf Missionen wie in Afghanistan und Mali vorbereitet. Es ist daher richtig, die Bundeswehr jetzt so aufzustellen, dass sie wieder auf die Bündnis- und Landesverteidigung fokussiert und dafür ausgerüstet ist. Denn mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat sich das wahrscheinliche Kriegsszenario verändert. Dem müssen nun auch die künftigen Aufgaben der Bundeswehr entsprechen.“

8 Deutschland wird eine der stärksten Militärmächte der Welt

„ZEIT ONLINE: Die Bundesregierung will die Bundeswehr durch einen 100-Milliarden-Sonderfonds aufrüsten. Lag es bislang nur am Geld, dass die Streitkräfte viele Fähigkeitslücken aufweisen und laut dem Inspekteur des Heeres kaum in der Lage seien, den Aufgaben im Bündnis nachzukommen?

Richter: Geld ist wichtig, aber Geld ist nicht alles. Die finanziellen Mittel müssen in die richtigen Strukturen fließen. Heute hat die Bundeswehr zu viele hohe Kommandobehörden, zu viele Häuptlinge, zu wenige Indianer. Das führt zu einer Zersplitterung der Verantwortung. Ein Führungsgrundsatz aber lautet: Die Verantwortung ist unteilbar.

ZEIT ONLINE: Reicht denn das 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr überhaupt aus?

Richter: Ein Großteil der Summe ist sicherlich bereits verplant: Allein für die dringend benötigte Munition wird man etwa 20 Milliarden brauchen, dann werden bis zu 25 Milliarden für das neue Kampfflugzeug vom Typ F-35 gebraucht, das in den USA gekauft werden soll. Dann sollen ein neuer schwerer Transporthubschrauber beschafft werden sowie weitere Fregatten und U-Boote. Zudem sollen die Panzergrenadiere endlich flächendeckend den Schützenpanzer Puma erhalten. Um mit Verbündeten operieren zu können, braucht man interoperable Funkgeräte. Die 100 Milliarden werden rasch aufgezehrt sein. Die angestrebten jährlich zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung sind angesichts der gewachsenen Sicherheitsrisiken nötig. Mit etwa 75 Milliarden Euro jährlich für den Wehretat würde Deutschland zu denjenigen Staaten gehören, die weltweit am meisten für ihre Streitkräfte ausgeben.

ZEIT ONLINE: Woran liegt es, dass die Bundeswehr selten zeitnah und in der richtigen Menge die Rüstungstechnik bekommt, die sie braucht?

Richter: Ich bin dagegen, den ganzen Frust auf dem Beschaffungsamt abzuladen. Die Mitarbeiter müssen sich als gute Beamte an ihre Vorschriften halten. Zum Problem werden oft auch taktische und technische Nachforderungen aus den Streitkräften. Die Beschaffer müssen dann neu mit der Industrie verhandeln, Qualitätsforderungen an Panzer oder Flugzeuge müssen wieder geändert werden. Wenn alles immer auf dem allerneuesten Stand der Technik sein soll, dann bremst das die Beschaffung aus. Auch die ersten Auslieferungen der Industrie sind nicht immer zufriedenstellend, müssen getestet und verbessert werden. Zudem müsste man die teilweise europaweiten Ausschreibungsverfahren vereinfachen. Aber hier ist die Politik gefragt. Letztlich geht jedes größere Projekt durch den Verteidigungs- und Haushaltsausschuss des Bundestags. Er genehmigt den Verteidigungshaushalt mit jedem Einzelposten. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee.

9 Was fehlt der Bundeswehr?

ZEIT ONLINE: Veraltete Boden-Luft-Abwehr, fehlende mobile Luft-Nahverteidigung, keine bewaffneten Drohnen in Deutschland … Was fehlt der Bundeswehr Ihrer Meinung nach am dringendsten?

Richter: Die Heeresflugabwehr abzuschaffen, war ein großer Fehler. Nun gibt es nur noch einige leichte Ozelot-Fahrzeuge, die mobile Einheiten gegen Angriffe aus der Luft im Nahbereich schützen sollen. Die Luftverteidigung ruht vor allem auf den zwölf Patriot-Staffeln der Luftwaffe. Sorge bereiten aber die Lücken in der Abwehr von Drohnen und schnell fliegenden Mittelstreckenraketen. Die aktuelle Debatte über einen Raketenschutzschirm führt aber in die Irre. Es gibt nicht ein System, das alle Gefahren abwehren kann. Russland verfügt über Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander, die auch in Kaliningrad stehen und mit ihrer Reichweite von etwa 500 km bis Berlin fliegen können, dazu über see- und luftgestützte Marschflugkörper, sowie über Kinschal-Raketen mit Hyperschallgeschwindigkeit und tiefer, schwankender Flugbahn, die momentan überhaupt kein System abwehren kann.

Wir brauchen daher verschiedene Techniken zur Luftverteidigung und sollten dabei im Bündnisrahmen denken. Zudem benötigen wir offensive Luftkriegsmittel, um Raketen zerstören zu können, bevor sie abgefeuert werden, oder um Flugzeuge am Boden zu treffen, die mit Hyperschallwaffen aufsteigen sollen. Außerdem müssen wir eine weitere Lücke schließen: Die Bundeswehr braucht bewaffnete Drohnen. Das zeigt der Ukraine-Konflikt deutlich. Solche Drohnen müssen in größerer Zahl gekauft und in die Verbände integriert werden.“

10 Frieden braucht eine Friedensordnung

ZEIT ONLINE: Sie haben sich als Offizier und als Wissenschaftler intensiv mit Verträgen zwischen Ost und West auseinandergesetzt. Wie könnte eine Vereinbarung zwischen Nato und Ukraine auf der einen sowie Russland auf der anderen Seite aussehen?

Richter: Man muss festhalten, dass die Russen in den Neunzigerjahren tatsächlich abgerüstet und große militärische Transparenz gezeigt haben. Damals waren sie äußerst vertragstreu. Einige westliche Staaten haben die Rüstungskontrolle weniger ernst genommen und eine Chance für eine neue Geopolitik gesehen. Nun hat Putin seine Frustration darüber selbst in eine aggressive Geopolitik und einen Angriffskrieg zulasten seiner Nachbarn münden lassen. Die neue Konfrontation mit Russland zeigt, dass die kooperative Sicherheitsordnung Europas am Ende ist. Aber anders als im Kalten Krieg zeichnen sich derzeit noch keine klaren Regeln ab, um die Abschreckungsbeziehungen unter Kontrolle zu halten. Mein Eindruck ist, dass Russen und Ukrainer gerade versuchen, diesen Ordnungskonflikt auf dem Gefechtsfeld zu entscheiden, (noch) nicht am Konferenztisch. Offensichtlich ist der Leidensdruck für beide Seiten noch nicht hoch genug.

ZEIT ONLINE: Wie wird der Konflikt zwischen Nato und Russland weitergehen?

Richter: Ich glaube, militärische Abschreckung wird allein nicht reichen, um für dauerhafte Sicherheit zu sorgen. Bereits 1968 stellte die Nato fest, dass wir eine Sicherheitsarchitektur brauchen, die auf zwei Säulen steht: auf Abschreckung, aber auch auf Rüstungskontrolle und Diplomatie. Die Zeitenwende, die mit dem russischen Angriff eingeleitet wurde, bedeutet das definitive Ende der kooperativen Sicherheitsordnung. Das imperiale Narrativ Wladimir Putins hat vorerst zum Ende des konstruktiven Dialogs geführt. Wir leben nun in einer anderen Welt, in der sich Europa bedroht fühlen muss. Ich gehe von einem eisernen Gürtel aus, den die Nato vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer errichten wird. Die Frage ist, wie lange Russland diesen Konflikt mit der Nato durchhalten kann, auch wirtschaftlich. Ich gehe fest davon aus, dass die Machthaber im Kreml ihre Politik anpassen werden. Sie werden sich auf Kompromissformeln auch für die Ukraine zubewegen müssen.“

Zitate aus https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/krieg-in-der-ukraine-milit%C3%A4rische-abschreckung-wird-allein-nicht-reichen/ar-AAVRrVu?ocid=msedgntp&cvid=e28138e1d8324f20b080f62ab943a3fe

11 Meine Meinung

Das Interview aus der Zeit-Online zeigt sehr gut den derzeitigen Stand der Diskussion. Die Zeitenwende in der deutschen Politik ist erst zwei Monate alt. Der Brigadegeneral Richter erläutert sehr klar, was aus der Sicht des Militärs zu geschehen hat. Die Bundeswehr muss um- und aufgerüstet werden. Das wird einige Jahre dauern, bis sie zu einer der stärksten Armeen der Welt wird. Damit gehen aber viele Gefahren einher. Die größte Gefahr besteht darin, dass diese Armee letztlich zur Durchsetzung des globalen Kapitalismus missbraucht wird. Sie dient dann weniger dem Frieden auf der Welt als dem Profit der großen Unternehmen. Das Volk muss zahlen und die Reichen ernten den Gewinn.

Es kann sogar sein, dass der Frieden auf der Welt dadurch unsicherer wird. Bis jetzt beobachten wir, dass Deutschland von den USA in ihre verfehlten Kriege hineingezogen wird. Das galt sowohl für den völkerrechtswidrigen Irak-Krieg, der auf einer Lüge der Geheimdienste beruhte. Angeblich sollte der Irak Atombomben bauen, was aber nicht stimmte. Auch der Afghanistan-Krieg der USA war ein großer Fehler. Um einige wenige islamische Terroristen zu bekämpfen, wurde ein ganzes Volk mit einem jahrzehntelangen grausamen Krieg überzogen, der dann auch noch so unfähig geführt wurde, dass er wie der Vietnamkrieg verloren ging. Deutschland hat sich an dem Irak-Krieg zum Glück nicht beteiligt. Dagegen nahmen wir am Afghanistan-Krieg teil. Europa muss von den USA unabhängiger werden und sich vorwiegend auf die Verteidigung ausrichten.

12 Eine weltweite Abrüstung als langfristiges Ziel

Das zweite große Problem der Aufrüstung besteht darin, dass die Gefahr eines globalen Atomkrieges größer wird, je mehr in der Welt militärisch aufgerüstet wird. Langfristig wird es zwei große militärische Blöcke auf der Welt geben, den Block der Diktaturen, angeführt von China und Russland. Und den Block der westlichen demokratischen Staaten, angeführt von den USA und der Europäischen Union. Im Moment gibt es eine atomare und militärische Pattsituation. In einer solchen Situation könnte es nur zu einem Atomkrieg kommen, wenn es ein technisches Versagen gibt oder ein Diktator psychisch durchdreht. Wahrscheinlicher sind Kleinkriege, die sich dann zu einem globalen Krieg ausweiten können. Es kann aber auch sein, dass langfristig Russland und China wirtschaftlich und militärisch dem Westen überlegen sind. China arbeitet vermutlich darauf hin und Russland versucht sein großrussisches Reich wiederherzustellen. Einen Schutz vor einem Atomkrieg gibt es nur durch eine globale Abrüstungs- und Friedensordnung. Leider geht die Welt im Moment in die entgegengesetzte Richtung.

Das dritte Problem ist es, dass sich die Werte in Deutschland verschieben werden. Vom einem Land des Friedens könnten wir zu einem militaristischen Nationalismus kommen. Wir sehen wie bereits jetzt weltweit der Nationalismus anwächst, weil die Politiker damit erfolgreich Wahlen gewinnen und ihre Bevölkerung hinter sich bringen können. Nationalismus führt aber irgendwann zum Krieg, möglicherweise zum Dritten Weltkrieg. Was wir brauchen, ist eine globale Friedensordnung und Abrüstung. Das Geheimnis des Friedens besteht seit dem König Salomon darin, dass man eine starke Armee und gleichzeitig eine friedliche Gesinnung hat. Beides ist aber nur schwer zu verbinden.

Zentral wird es sein, dass wir langfristig die Liebe und das innere Glück in den Mittelpunkt des Lebens stellen. Nur durch eine friedliche Philosophie wie zum Beispiel den Buddhismus werden wir zu einem dauerhaften Frieden auf der Welt kommen. Letztlich ist es notwendig, dass die großen Weltreligionen auf der Basis des Friedens, der Liebe und der Toleranz zusammenarbeiten. Sie könnten der Welt damit ein geistiges Zentrum des Friedens geben.


13 Wie entstehen Krieg und Frieden?

„Ein Hauptgrund für Krieg ist, dass die Welt zu wenig demokratisch ist, dass es Autokratien gibt, die sich oft über den Verkauf von Erdöl oder Erdgas an der Macht halten. Seit einigen Jahren nimmt der Autoritarismus wieder zu. Laut dem Think-Tank Freedom House leben 38 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, die unfrei sind. Das ist der höchste Anteil seit 1997. Die Krise der Demokratie macht mir Sorgen. Denn die Forschung zeigt: Demokratien ziehen nicht gegen andere Demokratien in den Krieg. Dies lässt sich mit einem Beispiel aus den USA illustrieren. Jene Parlamentarier, deren Kinder für den Vietnamkrieg hätten eingezogen werden können, haben öfter die allgemeine Wehrpflicht für diesen Krieg abgelehnt als ihre Kollegen. Wenn also jene entscheiden, welche die Kosten des Krieges tragen müssen, ist die Bereitschaft, einen Krieg anzufangen, gering. Demokratien sind für den Weltfrieden deshalb absolut zentral.

Sollte sich im Markt – also im Wettbewerb der Systeme – dann nicht die Demokratie durchsetzen?


Kürzlich hat ein Forscherteam des MIT zwar überzeugend dargelegt, dass Demokratie zu mehr Wohlstand führt; das würde für Ihre Hypothese sprechen. Allerdings gibt es auch in reifen Demokratien immer wieder Populisten und Demagogen, die probieren, die demokratischen Institutionen auszuhöhlen. Sowohl die Demokratie als auch der Handel sind in den letzten Jahren zurückgegangen. Zwei wichtige Dinge, die gut sind für die Welt, sind somit unter Druck und auf dem Rückzug. Wir sind in einem schlechten Trend.

Wie könnte der Krieg in der Ukraine beendet werden?
Ganz allgemein gilt für Friedensbemühungen: Die betroffene Bevölkerung sollte selbst und demokratisch entscheiden, was sie möchte. Es ist nicht an einer Grossmacht, zu bestimmen, was ein kleineres Land tun oder lassen sollte.

Zitat aus https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/interview-demokratien-ziehen-nicht-gegen-andere-demokratien-in-den-krieg/ar-AAVWSZV?ocid=msedgntp&cvid=eec5044b01864fbfbf33261e62b7dd72

14 Warum die Ukraine den Krieg gewinnen kann

„Obwohl die ukrainischen Truppen den Invasoren bei der Zahl des Kriegsgeräts und der Gesamtzahl der Soldaten klar unterlegen sind, können sie den Angreifern seit mehr als 40 Tagen trotzen. Selbst heftig umkämpfte Städte wie Mariupol halten sie. Wie sie das geschafft haben?

  1. Taktik. Die Ukrainerinnen und Ukrainer verteidigen gezielt wichtige Straßen. Aus dem Schutz von Wäldern greifen sie mit Raketen permanent russische Einheiten an. Zu Beginn des Kriegs operierten sie rein defensiv. Zunächst verzögerten sie den russischen Vormarsch und bauten Verteidigungslinien auf, um bedeutende Städte wie Odessa und den Westen des Landes halten zu können. Seit einer Woche gehen sie aus den gesicherten Gebieten zu kleinen Gegenoffensiven über.
  2. Die ukrainische Armee agiert zudem ganz anders als noch 2014. Aus dem Hinterhalt greifen die Ukrainer sehr erfolgreich die Nachschublinien der russischen Armee an: Je mehr Lastwagen mit Proviant und Treibstofftransporte sie zerstören können, desto mehr stockt der russische Angriff. In den Regionen Luhansk und Donezk, auf die sich die russischen Truppen seit einigen Tagen konzentrieren, gelingt es Wladimir Putins Soldaten kaum, Geländegewinne zu erzielen. Auch dort fügen die Ukrainerinnen und Ukrainer dem Gegner mit Vorstößen aus defensiven Stellungen heraus schwere Verluste zu.
  3. Durchhaltewillen
    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die Führung der Streitkräfte demonstrieren ihren unbedingten Willen, nicht aufzugeben. Trotz heftigen russischen Beschusses und vieler Opfer unter der Bevölkerung haben sie keine einzige attackierte Großstadt kampflos geräumt. Sie wissen genau, dass der Häuserkampf für die Angreifer stets äußerst verlustreich verläuft. Militärexperten sagen, dass ein Verhältnis von mindestens acht zu eins erforderlich sei, um eine Stadt zu stürmen.
  4. Training
    Wie man eine Invasion abwehrt, lernten ukrainische Soldaten von ausländischen Ausbildern. Trainer aus den USA haben sie gedrillt, außerdem schickten Großbritannien, Kanada, Litauen und Polen eigene Instrukteure. Gemeinsam haben sie Zehntausenden ukrainischen Soldatinnen und Soldaten modernes Militärwissen vermittelt und in der Praxis gezeigt. Auch in Deutschland haben ukrainische Soldaten den Kampf gegen einen überlegenen Gegner trainiert. So waren zum Ende des vergangenen Jahres auf einem Truppenübungsplatz in Bayern einige Einheiten an einer US-Übung beteiligt. Sie lernten Nachtkampf und den Einsatz der Panzerabwehrrakete Javelin. Ukrainische Spezialeinheiten trainierten zudem, hinter den feindlichen Linien zu operieren, was ihnen nun im Kampf gegen die russischen Truppen nützt.
  5. Armeestruktur
    Wolodymyr Selenskyj hat seit seinem Amtsantritt 2019 die Armee reformiert und die Generäle an der Spitze verjüngt. Seit acht Monaten führt Waleri Saluschni die ukrainischen Streitkräfte. Der 48-Jährige wurde nicht wie seine Vorgänger in der Sowjetunion ausgebildet und hängt nicht der russischen Militärdoktrin an, die vor allem auf Quantität setzt. Saluschni hat seine Truppe an den Westen gebunden. Außerdem gab der neue Befehlshaber seinen Kommandeuren im Feld mehr Kompetenzen: Sie führen die Truppen vor Ort nun weitaus eigenständiger als noch 2014.
  6. Vor dem Kriegsbeginn dienten 255.000 aktive Soldaten und Soldatinnen in den Streitkräften und der Nationalgarde. Wie viele Einheiten die Ukraine bisher verloren hat, ist nicht zu beziffern. Experten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik gehen von mindestens 10.000 Toten und Verwundeten aus. Auch wenn gut ausgebildete Männer und Frauen schwer zu ersetzen sind, gibt es viele neue Rekruten. Mehr als 100.000 Freiwillige haben sich nach Angaben der Armee bereits gemeldet. Sie verstärken vor allem die Territorial Defence Force, die aus leichter Infanterie besteht. So gelingt es der Ukraine, weitaus mehr Infanteristen in Gefechte zu schicken, als die Angreifer aufbieten können.
  7. Moral
    Seit dem Kriegsbeginn am 24. Februar erweisen sich die ukrainischen Soldaten und Soldatinnen als besonders motiviert. Bereits für Carl von Clausewitz, den berühmten preußischen Militärtheoretiker, war die Moral der entscheidende Faktor im Krieg. Seit 2014 wissen die Ukrainerinnen und Ukrainer genau, wofür sie kämpfen. Sie wollen den Invasoren nicht noch mehr Territorium überlassen. Als Putin nach der Krim griff, liefen dort viele ukrainische Soldaten über. Nun halten die Verteidiger selbst unter andauerndem Beschuss Stand. Kriegsverbrechen, die den russischen Truppen in Butscha und an anderen Orten vorzuwerfen sind, dürften die ukrainischen Soldaten eher noch stärker motivieren, um jeden Meter Boden weiterzukämpfen.
  8. Vorbereitung
    Die Militärs der Ukraine haben sich intensiv auf den russischen Angriff vorbereitet – mit Hilfe aus dem Westen. Noch Anfang 2022 war etwa der ehemalige Generalmajor Michael Repass, der Spezialeinheiten der USA kommandierte, als Berater des ukrainischen Generalstabs in der Ukraine. Er und andere Experten mit Einsatzerfahrung in Afghanistan und dem Irak haben die Partner in Kiew dabei unterstützt, eine Strategie gegen die überlegene russische Armee zu entwickeln.
  9. Die Ukrainer haben die russischen Luftschläge vorausgesehen und Ausrüstung rechtzeitig in Sicherheit gebracht. So haben sie einen Teil ihrer Boden-Luft-Raketenabwehr versteckt oder in Bunkeranlagen untergebracht. Bereits am ersten Tag des Kriegs verkündete Russland, die Luftabwehr der Ukraine ausgeschaltet zu haben. Eine gezielte Täuschung. Danach verloren die Angreifer viele Flugzeuge und Helikopter durch ukrainische Boden-Luft-Raketen.
  10. Waffen von Nato-Staaten
    Das US-Verteidigungsministerium kündigte zuletzt Anfang April an, dass die Ukraine weitere Waffen für gut 270 Millionen Euro erhalte, dazu gehören auch gepanzerte Fahrzeuge. Seit 2021 haben allein die USA Militärhilfe in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar an die Regierung in Kiew geleistet. Die Vereinigten Staaten versorgen die Partner zudem mit Geheimdienstinformationen, was den Ukrainern gezielte Angriffe auf entscheidende Ziele ermöglicht.

Eine Erfolgsgarantie bedeutet das alles für die Ukraine nicht. Aber es ermöglicht den Verteidigern seit 41 Tagen, die Angreifer auf Abstand zu halten. Und immer mehr Experten im Westen halten es für möglich, dass die Ukrainerinnen und Ukrainer den Krieg gewinnen. Das hätte vor dem russischen Angriff kaum jemand so eingeschätzt.“

Zitat aus https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/sieg-der-ukraine-nur-auf-dem-papier-chancenlos/ar-AAVZoUz?ocid=msedgdhp&pc=U531&cvid=5f90d304aebe4533ac64b0873e1c1391

15 Wie lange dauert der Krieg?

tagesschau.de: Deutet das darauf hin, dass Russland nun alles auf ein Kampfende zum 9. Mai anlegt, der dort alljährlich als „Tag des Sieges über den Faschismus“ begangen wird?

Gressel: Bis zum 9. Mai schafft Russland noch eine größere Offensive – aber ich glaube, dass der Krieg noch länger dauern wird. Denn wenn ich mir die russische Propaganda ansehe, ist das Ziel, die Ukraine als ganzes zu unterwerfen, noch nicht vom Tisch. Es ist gut möglich, dass Russland es im Sommer erneut versucht. Die Umorientierung auf den Donbass ist eine operative Entscheidung der militärischen Führung, die aber noch keine endgültige Umorientierung der russischen Kriegsziele bedingt. Russland könnte versuchen, die ukrainischen Streitkräfte langsam zu ermatten.

tagesschau.de: Ein Ermüdungskrieg gegen die Ukraine setzt voraus, dass Russland sowohl auf umfangreiche militärische Ausrüstung und auch auf die Truppenstärke zurückgreifen kann. Wie steht es momentan um die Kräfte auf beiden Seiten?

Gressel: Bei der Manpower sind die Ukrainer im Moment noch im Vorteil, weil sie mehr Freiwillige auf ihrer Seite haben. Beim Militärgerät ist Russland im Vorteil, weil das Land größere Lagerbestände hat – selbst wenn einige davon unbrauchbar sind, sind sie schlicht so groß, dass man den Krieg immer wieder ergänzen kann. Man sieht die Strategie des Ermattungskriegs auch jetzt an den russischen Luft- und Marschflugkörperschlägen: Die richten sich vor allen Dingen gegen Öldepots, gegen Firmen, die Munition fabrizieren, Fahrzeuge und Fahrzeugwartung – die ganze Instandsetzungskette. Das Ziel ist, die ukrainischen mechanisierten Reserven möglichst zu lähmen und zu verhindern, dass sie wieder frische Kräfte aufstellen und Reserven bilden können. Wenn Russland das nämlich lange genug kann und die Ukraine nicht, könnte Russland den Krieg gewinnen – zwar nicht auf militärisch elegantem Weg, aber man käme ans Ziel.

tagesschau.de: Was würde das für die ukrainischen Streitkräfte bedeuten?

Gressel: Wenn wir von einem Ermüdungskrieg sprechen, ist der nicht am 9. Mai beendet, sondern kann sich bis in den Sommer oder bis ins nächste Jahr hineinziehen. Dann hätte die Ukraine einige Nachschubprobleme. Denn durch die Zerstörung der eigenen Rüstungsindustrie ist sie zunehmend darauf angewiesen, dass der Westen liefert.

tagesschau.de: Auf russischer Seite ist die Frühjahrs-Einberufung in die Armee nun knapp eine Woche her. Welchen Faktor stellen die neuen Rekruten im weiteren Kriegsverlauf dar?

Gressel: Sie sind zum einen ein quantitativer Faktor. Die Ukrainer schätzen, dass die russische Seite etwa 60.000 Mann rekrutiert hat und nachführen will, um die bisherigen Verluste auszugleichen. Inzwischen können wir davon ausgehen, dass Russland in diesem Krieg 13.000 bis 14.000 Mann verloren hat, dazu kommen noch einmal 20.000 Verwundete – das heißt, wir müssen von mindestens 30.000 Mann ausgehen, die für einen weiteren Einsatz nicht zu gebrauchen sind.

tagesschau.de: Was kann Russland in Donezk und Luhansk erreichen?

Gressel: Russland kann dort seinen Angriffskrieg leichter führen. Es hat eine bessere Eisenbahnanbindung, in Donezk und Luhansk waren russische Kräfte schon lange aktiv und konnten sich vorbereiten – die Infrastruktur ist also da. Auch das Gelände ist für die Russen vorteilhafter als die Waldgebiete um Kiew, was die Kontrollierbarkeit der Nachschublinien angeht.

tagesschau.de: Eine militärische Rückeroberung der Gebiete um Donezk und Luhansk, die Russland als selbsternannte „Volksrepubliken“ anerkannt hat, ist für die Ukraine nicht realistisch – das sagt selbst ihr Präsident Wolodymyr Selenskyj. Wie steht es um Cherson, wo ebenfalls ein angebliches „Referendum“ über eine Abspaltung als selbsternannte Volksrepublik vorbereitet werden soll?

Gressel: Cherson versuchen die Russen zu halten, weil es militärisch ein wichtiger Punkt ist: Es ist auf mehrere Hundert Kilometer der einzige größere Übergang über den Dnjepr, ein wichtiger Eisenbahn-Knotenpunkt.

tagesschau.de: Militärisch war der bisherige Kriegsverlauf für Russland ein Fiasko, der weitere Verlauf ist ungewiss. Worin liegt für Russland der Zweck, weiterhin enorme Kräfte auf den Angriff zu werfen?

Gressel: Im Kreml glaubt man, dass Russland diesen Raum beherrschen muss, wenn es in diesem Jahrhundert europäische Großmacht bleiben will. Russland denkt hier in längeren Zeiträumen, in denen es gemeinsam mit China die westliche Vorherrschaft brechen will.“

Zitate aus https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-militaer-analyse-101.html

16 Ostern

Ich wünsche euch ein schönes Osterfest. Ostern ist das Fest der Auferstehung. Es geht um das Leiden, das Sterben und die Auferstehung von Jesus Christus. Jesus ist ein Lehrer der umfassenden Liebe. Er lehrt den Weg des Friedens und der umfassenden Liebe. Er hat sein Leben gegeben, um der Welt einen Weg zu Liebe, Frieden und Erleuchtung zu zeigen. Er wurde von seinen Feinden gefoltert und starb nach der Meinung der meisten Christen am Kreuz. Nach drei Tagen wurde er von den Toten erweckt. Verglichen mit dem Krieg in der Ukraine können wir von einem Auferstehen der Ukraine nach der Zerstörung durch die Russen sprechen. Aber zuerst steht uns der Hauptkampf bevor. Nach Ostern plant die russische Armee eine Großoffensive. Es geht um die Einkesselung und Zerstörung der ukrainischen Armee. Im Moment ist noch offen, wer den Krieg letztlich gewinnt. Ich hoffe auf eine Auferstehung der Ukraine. Mögen Glück, Frieden und unsere Liebe mit den leidenden Menschen sein.

17 Die Auferstehung von Jesus Christus

Nach meiner Meinung ist Jesus nicht am Kreuz gestorben. Dafür gibt es viele Indizien wie das leere Grab. Jesus wurde am Kreuz mit einer Droge betäubt, als er etwas zu trinken bekam. Daraufhin durfte er vom Kreuz abgenommen und im Felsengrab beerdigt werden. Nach seiner Betäubung wachte er im Grab wieder auf und wurde von seinen Freunden gerettet. Er konnte daraufhin nach Ostern seinen Anhängern als reale Person erscheinen. Anschließend ist er nach Indien geflüchtet, wo es ein Grab aus dieser Zeit mit seinem Fußabdruck gibt. Er starb als indischer Heiliger achtzig Jahre nach seiner Geburt. Im tibetischen Buddhismus und im Hinduismus gibt es die Technik des Regenbogenkörpers. Ein Yogi dematerialisiert bei seinem Tod seinen Körper. Er kann ihn dann überall für kurze Zeit wieder materialisieren und seinen Anhängern an verschiedenen Orten erscheinen. Es ist auch möglich, dass Jesus diese Technik praktiziert hat. Sein Körper im Grab war verschwunden. Und später ist er laut Bibel seinen Jünger als realer Mensch wieder erschienen. Früher war ich von der Technik des Regenbogenkörpers begeistert. Irgendwie lebt man dann ewig. Aber jetzt habe ich mich auf den Weg der Wiedergeburten eingestellt. Nach der Ansicht des tibetischen Buddhismus ist der Regenbogenkörper eine sehr fortgeschrittene Technik, die nur wenige Menschen erreichen. Sehr viel häufiger ist es, dass erleuchtete Meister noch drei Tage spürbar nach ihrem Tod in ihrem Körper bleiben und so ihren Schülern das Weiterleben des Bewusstseins nach dem Tod demonstrieren. Das konnte sehr oft beobachtet werden, zum Beispiel beim 16. Karmapa bei seinem Tod in einem Krankenhaus in den USA. Es wurde von vielen Ärzten bestätigt.

18 Wie feiern Barbara und ich Ostern

Für uns ist Ostern das Fest des Osterhasen und der Marzipan-Ostereier. Es ist ein Fest der Freude und des Lebensgenusses. Im Leben gibt es normalerweise viel Leid. Das Leben zu feiern ist ein guter Weg das Leid des Lebens zu vergessen. Wir konzentrieren uns auf das Positive. Wir sind dankbar für das Schöne im Leben. Wofür bist du dankbar? Ich bin dankbar für meinen spirituellen Weg, für meine Beziehung, für meine Gesundheit, für mein langes Leben und mein schönes Haus in der Natur. Ich bin dankbar, dass ich vielen Menschen durch meine Bücher und Gruppen etwas Gutes tun kann.

19 Osterfeuer

Auf der Pferdewiese war ein Kinderfest mit Osterfeuer und Ostereiersuchen. Barbara hat beim Osterfeuer mitgeholfen und ich habe faul auf der Bank gesessen und das bunte Treiben beobachtet. Ich saß einfach nur da und spürte die Energien der Menschen. Es war spannend, wie unterschiedlich die Energien waren. Es gab dort auch Frauen mit Kindern aus der Ukraine. Eine der Pferdewiesefrauen hatte Ukrainerinnen aufgenommen. Sie konnten weder Deutsch noch Englisch. Sie unterhielten sich per Übersetzungsapp mit dem Handy. Es war lustig. Aber Barbara beobachtete, dass eines der Mädchen schwer kriegstraumatisiert war. Ansonsten merkte man den Frauen und Kindern nichts an. Sie wirkten normal so wie die anderen Teilnehmerinnen auch. Sie waren etwas schüchtern beim Ostereiersammeln. Aber die deutschen Kinder haben ihnen dann von ihren Ostereiern einige abgegeben. Auch bei uns im Dorf wohnen einige Ukrainerinnen. Sie erkunden derzeit die Gegend. Eine Frau mit zwei Kindern fragte uns nach dem Spielplatz. Aber so etwas gibt es hier nicht. Die Kinder spielen im Wald oder am Fluss. Ein bisschen erinnerte mich das alles an das Christentum und die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Jesus lehrte die Liebe und hier wird sie spürbar praktiziert.

Der Krieg in der Ukraine geht immer weiter. Es kommen immer mehr Flüchtlinge. Und alles wartet gespannt auf die Osteroffensive der Russen. Die fällt im Moment wegen Regen in der Ukraine aus. Was für ein Ostergeschenk. Je länger die Zeit dauert, desto besser kann sich die Ukraine auf den Angriff vorbereiten. Und je mehr Waffen kann der Westen an die Ukraine zur Verteidigung liefern. Ostern gab es wieder Ostermärsche. Dort lautete der Slogan: „Frieden schaffen ohne Waffen.“ Aber wie soll man in der Ukraine ohne Waffen Frieden schaffen? Das endet dann nur in der russischen Sklaverei ohne Meinungsfreiheit und mit der Verhaftung jeder Opposition. Deshalb gab es gleichzeitig Gegendemonstrationen von Ukrainerinnen für Waffen zur Verteidigung. Wer will schon als Sklave ohne Freiheit leben. Ich nicht. Aber ob ich den Willen hätte für mein Land mein Leben zu opfern. Ich weiß es nicht.

20 Wie überwinden wir das Leid des Lebens?

Das Leid des Lebens können wir durch fünf Techniken überwinden. Wir üben uns in Gleichmut. Wir leben ausreichend die Trauer. Wir konzentrieren uns auf das Schöne im Leben. Wir gehen mit Weisheit durch das Leben und vermeiden Leid so weit wie möglich. Wir leben in der Liebe, tuen allen Wesen Gutes und vergessen dabei uns selbst und unser eigenes Leid. Die beiden besten Wege das Leid im Leben zu besiegen ist sind der Weg der Erleuchtung und der Weg des Bodhisattvas. Als Erleuchteter erheben wir uns durch unser inneres Glück und unseren inneren Frieden über das Leid. Als Bodhisattva leben wir in der umfassenden Liebe und vergessen uns selbst. Buddha lehrte den mittleren Weg. Wir sollen auch ausreichend Freude in unser Leben bringen, damit unser Leben schön wird.

21 Die zweite russische Großoffensive beginnt

Gerade beginnt in der Ukraine die zweite russische Großoffensive. Der erste Angriff Russlands auf die Ukraine ist gescheitert, weil sich die Ukraine im Norden dank der vielen Wälder gut verteidigen konnte. Sie haben einen Partisanenkrieg gegen die russische Armee geführt. Gegen Partisanenkriegen sind moderne Armeen relativ machtlos, wie es bereits die Kriege der USA in Vietnam und in Afghanistan gezeigt haben. Partisanen schlagen blitzschnell zu und verstecken sich dann wieder. Sie tauchen in der Bevölkerung unter und sind schwer zu erkennen, wenn die Bevölkerung sie schützt.

Die zweite Offensive findet in der Ostukraine statt. Hier herrscht offenes Gelände vor. Hier kann man sich schlecht verstecken. Auf einer Breite von 500 km greifen die russischen Panzer an. Vorher werden alle Städte und Dörfer samt Anwohnern durch die russischen Raketen kaputt geschossen. Russland überlegt derzeit auch mit kleinen taktischen Atombomben die Ukraine großflächig zu zerstören. Aber das wird wohl nicht notwendig sein, weil die tausenden von Raketen mit normalen Sprengsätze dazu ausreichen. Außerdem würde Russland durch den Einsatz von Atomwaffen weitgehend von der Weltgemeinschaft geächtet werden. Jedenfalls wird in den russischen Medien breit über den Einsatz von Atomwaffen nachgedacht.

22 Die Ostukraine ist schlecht zu verteidigen

Um die Ostukraine zu verteidigen, fehlen der Ukraine die schweren Waffen. Das sind Panzer, Feldhaubitzen und Kampfflugzeuge. Die westlichen Staaten, allen voran Deutschland, weigern sich der Ukraine schwere Waffen zu liefern. Zum einen wollen sie keinen russischen Atomkrieg provozieren. Und zum anderen gibt es in der SPD, die den Bundeskanzler stellt, eine starke russlandfreundlichen und eine pazifistische Fraktion. Also muss die Ukraine versuchen mit ihren einfachen Waffen die russischen Panzer aufzuhalten. Das wird nur schwer gelingen. Aber vielleicht schaffen sie es die Russen von einer Besetzung der Gesamtukraine abzuhalten. Vielleicht gibt es nach der Eroberung des Dombass einen Waffenstillstand. Aber das wäre auch kein großer Fortschritt, weil es dort bereits seit acht Jahren einen derartigen Waffenstillstand gab. Und diesen Waffenstillstand hat Russland ständig gebrochen, weil es keinen wirklichen Frieden will. Putin möchte das Großrussische Reich wieder herstellen. Und so lange wird er keine Ruhe geben.

23 Wie erschaffen wir eine Welt des Friedens, der Liebe und des Glücks?

Angesichts der ewigen Kriege auf der Welt frage ich mich, wie man eine Welt des Friedens, der Liebe und des Glücks erschaffen kann. Die menschliche Rasse scheint eher kriegerischer Natur zu sein. Laut wissenschaftlicher Forschung haben die Menschen zuerst als Affen überwiegend von Obst gelebt. Aber dann wurden sie zu Jägern und Sammlern. Aus Afrika kommend haben sie nach und nach die ganze Welt bevölkert. Sie haben sich zu Hetzjägern entwickelt. Dafür brauchten sie den aufrechten Gang, die unbehaarte Haut und ein großes Gehirn. Durch das Gehirn waren sie geistig den Beutetieren überlegen. Durch die unbehaarte Haut und den aufrechten Gang konnte sie lange die Beutetiere jagen, ohne durch den Lauf zu überhitzen. Spannend. Doch leider hat uns die Natur zu Kriegern gemacht. Aber jetzt haben wir die ganze Welt bevölkert und können nur noch uns selbst bekämpfen. Und dieser Kampf würde wegen der modernen Atomwaffen zur Ausrottung der Menschheit führen. Es ist also Zeit umzudenken. Die Menschheit muss friedlich werden. Doch wie soll das gelingen?

24 Der Frieden muss in uns selbst beginnen

Eine wichtige spirituelle Theorie besagt, dass der Frieden in uns selbst beginnen muss. Nur wer Frieden in sich selbst hat, kann in Frieden mit seinen Mitmenschen leben. Das hört sich gut an und ist wohl auch teilweise richtig. Aber wenn die Mitmenschen unfriedlich sind, werden sie die friedlichen Menschen töten oder versklaven, wie es in der Geschichte schon oft passiert ist. Man muss auch stark sein und sich gegen Angriffe verteidigen können. Bereits der König Salomon erkannte, dass es der beste Weg zu einem Frieden ist gleichzeitig in sich friedlich und äußerlich stark zu sein.

Wenn alle versuchen stärker als der Nachbar zu sein, kommt es zu einer ständigen Aufrüstung. Das sehen wir derzeit auf der Welt. Obwohl es bereits so viele Atomwaffen gibt, dass die Welt damit bereits mehrmals vollständig zerstört werden könnte, wird immer weiter aufgerüstet. Und je mehr Waffen es gibt, desto leichter kann aus Versehen oder durch einen skrupellosen Machtpolitiker ein Krieg ausbrechen. Es kam bereits öfters auf der Welt beinahe zu einem globalen Atomkrieg. Der einzige Weg das zu verhindern ist eine globale Abrüstung und ein globaler Friedenswillen.

Die meisten Atomwaffen besitzt Russland. Die zweitgrößte Atommacht sind die USA und die drittgrößte China. Zwischen diesen Ländern müssen Abrüstungsverhandlungen beginnen. Leider geschieht derzeit das Gegenteil. Wir brauchen eine weltweite Friedensbewegung, die ausreichend Druck auf die Staaten der Welt erzeugt. Wir brauchen eine globale Vernunft. Und wir brauchen die UNO, die Vereinten Nationen, die die Grundlage einer Weltfriedensordnung bilden können.

Eine solche Friedensordnung wird aber nicht entstehen, wenn die Menschheit weiterhin so aggressiv ist. Wir müssen eine Gegenkultur des Friedens, der Liebe und des inneren Glücks schaffen. Dabei müssen wir in uns selbst und in unseren Familien und Gruppen beginnen. Dann sollten wir unseren Frieden auf unser Land, unsere Politiker und die ganze Welt ausdehnen. Wir sollten Parteien unterstützen, die Frieden auf der Welt wollen.

25 Wir brauchen viele Bodhisattvas

Letztlich wird die Welt nur der Bodhisattva-Weg retten. Wir brauchen viele Bodhisattvas. Wir brauchen Menschen, die sich für eine Welt der Liebe, des Friedens und der Erleuchtung engagieren. Solche Menschen gibt es in allen Religionen, in den Hilfsorganisationen und überall auf der Welt. Aber sie müssen noch viel mehr und viel stärker werden. Denn die Gegenkräfte des Egoismus, des Bösen und der Unweisheit sind sehr groß.

Der Bodhisattva-Weg ist die Grundlehre des Mahayana-Buddhismus (Zen, tibetischer Buddhismus). Aber es gibt diese Lehre auch im Neohinduismus (Karma-Yoga, Siddha-Weg), im Christentum (Jesus lehrte die umfassende Liebe) und im Islam (die Bahai, die Sufis). Normalerweise wird betont, dass man zuerst selbst Erleuchtung, Frieden und Glück in sich selbst erzeugen sollte. Danach kann man dann für das Glück seiner Mitmenschen arbeiten. Aus meiner Sicht ist es besser, den Weg der eigenen Erleuchtung mit dem Weg der umfassenden Liebe zu verbinden. Wenn wir auf dem spirituellen Weg nur an uns selbst denken und uns nicht gleichzeitig für das Wohl unserer Mitmenschen einsetzen, dann kann es sein, dass wir auch nach unserer Erleuchtung nur an uns selbst denken und in einer Blase aus Licht von der Welt verschwinden. Wenn wir uns aber bereits jetzt daran gewöhnen allen unseren Mitwesen Licht, Liebe und Frieden zu geben, dann werden wir diese Eigenschaft auch nach unserer Erleuchtung bewahren.

26 Die drei Geistesgifte

Dalai Lama: „Für jedes Geistesgift gibt es ein Gegenmittel.“

Nils: Die drei Geistesgifte im Buddhismus sind Anhaftung (Gier, Sucht, etwas wollen), Ablehnung (Hass, etwas nicht wollen) und Unwissenheit (Verblendung, das materielle Leben für wichtiger halten als die Erleuchtung). Was ist im Moment dein Hauptproblem? Welches Gegenmittel hilft dir?

Wenn man die drei Geistesgifte überwindet, gelangt man ins erleuchtete Sein. Das ist aber kein einfacher Weg. Man sollte genau spüren, was man gerade braucht. Alle Techniken können richtig oder falsch angewendet werden. Es kann sogar manchmal das Gegenteil richtig sein. Zum Beispiel verhindert die Anhaftung an weltliche Genüsse grundsätzlich die Erleuchtung. Andererseits wird es oft richtig sein an der Erleuchtung anzuhaften. Nur so bekommt man ausreichend Kraft für die täglichen spirituellen Übungen. Allerdings muss man kurz vor der Erleuchtung auch die Erleuchtung selbst loslassen können, damit man in den Bereich über allen Lehren vordringen und sein Ego lassen kann.

Wenn wir das Leid in unserem Leben annehmen können, kommen wir in uns zur Ruhe. Wir finden inneren Frieden und Gelassenheit. Andererseits gibt uns der Wunsch nach Leidbefreiung die Kraft konsequent den spirituellen Weg zu gehen. Er gibt uns die Kraft unser Ego zu zerschlagen und zur Erleuchtung durchzubrechen.

Das Zentrum der drei Geistesgifte ist die Unwissenheit. Wir glauben an den Weg des äußeren Glücks. Die Wahrheit aber ist, dass das Glück eines Menschen zu 90 % von seinem Inneren (seiner Psyche) abhängt. Wir müssen eine Glückspsyche entwickeln, wenn wir in unserem Leben glücklich werden wollen. Wir sollten Eigenschaften wie innerer Frieden, Liebe, Weisheit und Selbstdisziplin entwickeln. In der Erleuchtung erfahren wir dann das höchste Glück, unabhängig von unseren äußeren Gegebenheiten. Das zu erkennen ist wirkliches Wissen.

Solange wir das nicht erkennen, sind wir verblendet. Wir folgen Leben für Leben dem falschen Weg des Glücks. Wir suchen das Glück im Außen, in glücklichen Beziehungen, in einer beruflichen Karriere und im äußeren Reichtum. Bis wir begreifen, dass das Glück in uns selbst zu finden ist. Dann kommt die große Herausforderung den zu uns passenden spirituellen Weg zu finden. Das erfordert höchste Weisheit, höchste Wissenheit. Wir brauchen viel äußeres Wissen und ein gutes inneres Gespür. Die Unwissenheit zu überwinden, ist der schwierigste Teil auf dem spirituellen Weg. Haben wir die Unwissenheit überwunden, dann ist es leicht auch die Gier und den Hass zu überwinden. Wir kennen das Ziel und den Weg, der uns zu unserem Ziel führt. Wir brauchen jetzt nur noch tägliche Selbstdisziplin. Dann werden wir eines Tages das Ziel erreichen und ein Buddha sein.

27 Über das Verbeugen von Jack Kornfield

„Als ich vor über dreißig Jahren in einem thailändischen
Waldkloster als buddhistischer Mönch aufgenommen wurde,
musste ich das Verbeugen lernen. Das fiel mir zunächst schwer.
Beim Betreten der Meditationshalle hatten wir niederzuknien
und mit dem Kopf dreimal ehrerbietig den Steinboden zwischen
den Händen zu berühren. Es war eine Aufmerksamkeits- und
Respektsübung, mit der wir unsere mönchische Verpflichtung zu
Schlichtheit, Mitgefühl und Achtsamkeit körperlich zum Aus
druck brachten. Dieselbe Verbeugung gehörte sich, wenn wir zur
Übung in Anwesenheit des Meisters Platz nahmen.
Nachdem ich ein oder zwei Wochen im Kloster war, nahm
mich einer der älteren Mönche zu einer weiteren Instruktion bei
seite: »Hier im Kloster hast du dich nicht nur beim Betreten der
Meditationshalle und vor den Belehrungen des Meisters zu ver
beugen, sondern auch jedes Mal, wenn du einem Älteren begeg
nest.« Als einziger Westler wollte ich mich korrekt verhalten und
fragte, wer denn meine Älteren seien. »Traditionell sind das alle,
die vor dir ordiniert worden sind, denn sie sind schon länger
Mönch als du und damit deine Älteren«, erfuhr ich. Mir war so
fort klar, dass das für mich alle waren.
Also fing ich an, mich vor jedermann zu verbeugen.
Manchmal war das ganz in Ordnung – in der Gemeinschaft gab
es doch einige weise und würdige Ältere. Aber manchmal kam
ich mir lächerlich vor. So musste ich mich zum Beispiel vor ei
nem einundzwanzigjährigen Mönch verbeugen, der ziemlich viel
auf sich hielt und seinen Eltern zuliebe oder vielleicht auch nur
der besseren Kost wegen im Kloster war, bloß weil er eine Wo
che vor mir ordiniert worden war. Oder ich musste mich vor
einem alten ungepflegten Reisbauern verbeugen, der vor einem
Vierteljahr im Zuge der Ruhestandsregelung für Bauern ins
Klos ter gekommen war, der ständig Betelnuss kaute und noch
nie in seinem Leben meditiert hatte. Es fiel mir schwer, diesen
Mitbewohnern in der Waldeseinsamkeit solchen Respekt zu zol
len, als wären sie große Meister.
Trotzdem verbeugte ich mich weiter, während ich in meiner
Not nach einer Lösung suchte. Und als ich mich wieder auf
einen Tag voller Verbeugungen vor meinen »Älteren« gefasst
machte, kam ich schließlich auf die Idee, meine Verbeugung
einem würdigen Aspekt des Betreffenden zu widmen. Ich ver
beugte mich vor den Lachfalten des alten Bauern dafür, dass er
all die Schwierigkeiten durchgestanden hatte, denen er in seinem
Leben begegnet war. Ich verbeugte mich vor der Lebensfreude
und Tatkraft der jungen Mönche, vor den unglaublichen Chan
cen, die das Leben für sie noch bereit hielt.
Mir begann das Verbeugen Spaß zu machen. Ich verbeugte
mich vor meinen Älteren. Ich verbeugte mich beim Betreten und
Verlassen der Meditationshalle, ich verbeugte mich, bevor ich in
meine Waldklause ging, und vor der Quelle, bevor ich ein Bad
nahm. Bald hatte ich mich an das Verbeugen richtig gewöhnt –
es war mir zur zweiten Natur geworden. Was immer sich be
wegte, ich verbeugte mich davor.
Alles verdient diese Art Verbeugung,
Schönheit und Leiden, Verstrickung und Verwirrung, Ängste
und weltliche Ungerechtigkeit.
Wenn man der Wahrheit derart aufrichtig begegnet, dann
ist man auf dem Weg zur Freiheit. Es ist nicht unbedingt leicht,
sich statt vor Idealen vor dem zu verbeugen, was ist, aber
ungeachtet dessen ist es eine der nützlichsten und würdigsten Übungen überhaupt.
Wer sich vor den Leiden und Enttäuschungen seines Lebens
verbeugt, akzeptiert sie; und aus dieser aufrichtigen Geste er
wächst die Einsicht, dass jedes Leben seinen Wert hat. Wer lernt,
sich zu verbeugen, entdeckt, dass er über mehr Freiheit und Mit
gefühl verfügt, als er sich jemals vorgestellt hat.

Aus Jack Kornfield
https://www.penguinrandomhouse.de/leseprobe/Nach-der-Erleuchtung-Waesche-waschen-und-Kartoffeln-schaelen/leseprobe_9783442219162.pdf

28 Es gibt die Erleuchtung (von Jack Kornfield)

Es gibt die Erleuchtung. Ein Erwachen ist möglich. Grenzen
lose Freude und Freiheit, Einheit mit dem Göttlichen, die Be
wusstwerdung ewiger Gnade – diese Erfahrungen treten häufiger
auf, als man denkt, und sie liegen ganz nah. Allerdings halten sie
nicht ewig an, und das ist ebenso wahr. Erkenntnisse und
Erleuchtungen mögen uns die Wirklichkeit der Welt offenbaren
und verändern, aber sie vergehen.
Wer hat nicht schon traditionelle Berichte über vollkom
men erleuchtete Weise in Asien oder über makellose Heilige und
Mystiker im Westen gelesen. Aber diese Heiligengeschichten
können in die Irre führen. Tatsächlich ist das Erwachen des Her
zens niemals abgeschlossen. Einen Erleuchteten-Ruhestand gibt
es nicht.

29 Nach der Erleuchtung (von Jack Kornfield)
Nach der Ekstase, der Erleuchtung, kommt das Wäschewaschen, wartet der Haushalt.
Die meisten spirituellen Erfahrungsberichte enden mit der
Erleuchtung oder Illumination. Doch was geschieht danach?
Um das herauszufinden, habe ich mit einer Reihe von Men
schen gesprochen, die seit 25, 35, 40 Jahren auf dem spirituellen
Pfad unterwegs sind, besonders mit jenen, die heute Medita
tionsmeister und Äbte, die Lehrer und Lamas im Westen sind.
Sie erzählten mir, wie es zu ihrem Erwachen kam und welche Er
fahrungen sie in den Jahren danach machten, als sie den alltäg
lichen Weg echter Anteilnahme weitergingen.
Hier ist ein Bericht über das erste Satori (Erleuchtungser
lebnis) eines westlichen Zen-Meisters und was daraus folgte.
Solche Berichte werden selten veröffentlicht, denn nur allzu
leicht entsteht der falsche Eindruck, dass jemand, der so etwas
erlebt, etwas Besonderes sei. Mag die Erfahrung auch außerge
wöhnlich sein, die Person ist es nicht. Jeder kann Erleuchtung
erfahren, sobald er nur gelassen und aufgeschlossen genug ist,
um die Welt auf radikal neue Weise zuzulassen.
Dieser Lehrer hatte sein Erleuchtungserlebnis mit 58 Jah
ren, nach jahrelanger Praxis unter verschiedenen Meditations
meistern. Er war berufstätig und hatte eine Familie:
Mir brachten die einwöchigen Zen-Sesshins immer viel. Die
Meditation löste tiefe Gefühle und starke Erinnerungen in
mir aus. Es war wie eine Geburt – schmerzlich und be
freiend zugleich. Und diese Katharsis hielt dann noch wochenlang im Alltag an.
Dieses Sesshin begann wie alle anderen. Während der
ersten Tage hatte ich es mit heftigen Emotionen und freige
setzten Energien zu tun, die meinen Körper überfluteten.
Und jedes Mal, wenn ich beim Meister war, saß er ruhig
wie ein Fels da und stabilisierte mich durch seine Gegen
wart wie ein Steuermann auf stürmischer See. Mir war, als
müsste ich sterben, als würde es mich jeden Augenblick zer
reißen. Er riet mir, ich solle mich in meinen Koan vertiefen
und möglichst selbst vergessen. Ich wusste nicht mehr ein
noch aus.
Dann wurde ich plötzlich auf den süßen Duft aufmerk
sam, der durchs Fenster hereinkam. Mir fielen draußen drei
junge Birken auf, die mir plötzlich wie meine Familie vor
kamen. Ich begab mich im Geiste zu ihnen, streichelte ihre
glatte Rinde und wurde selbst der berührte Baum. Meine
Meditation ging in helle Freude über.
Ich hatte schon vorher in einigen Retreats Glückserleb
nisse gehabt – große Wellen der Seligkeit, nachdem sich
körperliche Verkrampfungen gelöst hatten –, aber das hier
war anders. Der Kampf hatte aufgehört, mein Geist strahl –
te, war klar und weit wie der Himmel und schmeckte der –
artig süß nach Freiheit und Wachheit, dass es sich nicht
beschreiben lässt. Ich fühlte mich wie der Buddha, der mü
helos Stunden über Stunden dasaß, geborgen im Schoß des
Universums. Es war eine Welt unendlichen Friedens und
unsäglicher Freude.
Die großen Wahrheiten des Lebens lagen vor mir ausge
breitet – dass das Festhalten Leiden hervorbringt; dass die
Identifizierung mit unserem kleinen Selbstbild, dem fal
schen Ich, uns wie spitzfindige Vermieter herumlaufen lässt,
die sich über alles aufregen. Ich weinte über all das unnö
tige Leid. Dann konnte ich stundenlang nicht aufhören zu
lachen und zu lächeln. Ich sah, wie perfekt alles ist, wie je
der Augenblick Erleuchtung bringt, wenn man sich nur zu
öffnen weiß.
Ich verweilte tagelang in dieser zeitlosen Seligkeit, mein
Körper war leicht, mein Geist leer. Ich wachte auf, und
Wellen der Liebe und Lebenslust strömten durch mein Be
wusstsein. Dann kam eine Einsicht und Offenbarung nach
der anderen. Ich sah, wie sich der Lebensstrom in karmisch
bedingten Mustern entfaltet, die wir gestalten. Ich durch
schaute die Idee des Sichkasteiens als einen Aberwitz, mit
dem man sich das normale Leben und dessen Freuden ver
gällt. In Wirklichkeit ist das Nirwana so offen und voller
Freude, so viel mehr als jedes der kleinen Vergnügen, nach
denen man greift. Man entsagt nicht der Welt, man gewinnt
sie.
Einige Monate nach dieser Ekstase bekam ich eine Depres
sion. Gleichzeitig musste ich beruflich ziemliche Enttäu
schungen verkraften. Ich hatte auch Probleme mit meinen
Kindern und der Familie. Mein Unterricht war in Ordnung,
das ja. Ich war durchaus inspiriert. Wenn du aber meine
Frau fragst, wird sie dir sagen, dass ich mit der Zeit wieder
genauso mürrisch und ungeduldig wurde wie eh und je.
Obwohl mir die Wahrheit meiner großen spirituellen Intui
tion bewusst war und mich innerlich trug, musste ich erfah
ren, dass sich äußerlich vieles überhaupt nicht geändert
hatte. Um ehrlich zu sein, mein Geisteszustand und mein
Charakter waren fast unverändert und meine Neurosen
auch. Es ist sogar härter, weil ich sie nun klarer sehe. Da
waren diese kosmischen Offenbarungen, und trotzdem
brauchte ich eine Therapie, damit ich meine alltäglichen
Fehler erkannte und ein menschliches Leben führen lernte.

30 Die vollkommene Erleuchtung (von Jack Kornfield)

Von der vollkommenen Erleuchtung wird oft geschrieben,
doch ist sie, soweit es mir bekannt ist, noch bei keinem der west
lichen Meister und Lehrer vorgekommen. Phasen tiefer Einsicht,
großen Mitgefühls und wirklich erfahrener Freiheit wechseln
sich mit Perioden der Angst und Verwirrung, mit Neurosen und
Existenzkämpfen ab. Die meisten Lehrer werden das offen zu –
geben. Leider behaupten ein paar Westler, dass sie unfehlbare
Vollkommenheit und Freiheit erlangt haben. In ihren Gemein
schaften sind umso mehr Schattenseiten vorhanden. Ihre Selbst
inflation führte in vielen Fällen zu äußerst machtzentrierten und
destruktiven Gemeinschaften.
Die Weisen legen eine größere Bescheidenheit an den Tag.
Äbte, wie Vater Thomas Keating vom Kloster Snowmass und
Norman Fischer vom Zen-Zentrum in San Francisco zum Bei
spiel sagen regelmäßig: »Ich bin am Dazulernen« und »Das weiß
ich nicht.« Im Sinne Gandhis, Mutter Teresas, Dorothy Days
und des Dalai Lama wissen sie, dass einem Vollkommenheit
nicht zufliegt, sondern dass spirituelle Reife der Geduld und
Liebe bedarf, die aus dem Wissen um die größere Gemeinschaft
erwachsen; und dass zur spirituellen Vollendung und Freiheit die
Beachtung alles Menschlichen gehört.
Jetzt könnte man fragen, was mit den alten Meistern aus
Asien sei? Könnte es nicht sein, dass die westlichen Zen-Meister
und Lamas für die Verkörperung echter Erleuchtung einfach zu
jung und unreif sind? Viele westliche Lehrer dürften dem unter
Hinweis auf sich selbst beipflichten. Doch auch wenn da jemand
weit Entferntes wäre, den man für vollkommen erleuchtet halten
könnte, dürfte dieser Eindruck eher auf einer Verwechslung der
archetypischen und menschlichen Ebene beruhen. In Tibet sagt
man, dass der eigene Guru mindestens drei Täler entfernt
wohnen sollte. Diese Täler sind von riesigen Bergen getrennt, so
dass man eine anstrengende mehrtägige Reise unternehmen
muss, um seinen Lehrer zu sehen. Gemeint ist also, dass man nur
bei dieser Distanz von der Vollkommenheit des Gurus inspiriert
sein kann.
Als ich mich bei meinem Abt Ajahn Chah, den Millionen
Menschen für einen Heiligen halten, beschwerte, er wirke nicht
immer wie ein Erleuchteter, lachte er und antwortete: »Das ist
gut so, sonst würdest du immer noch meinen, du könntest den
Buddha außerhalb von dir finden. Und dort ist er nicht.«

Mai

1 Meine Bekannte Marita, die Heilerin

Ich habe eine Freundin in Süddeutschland, die ist Yogalehrerin und Heilerin. Sie besitzt spürbar eine starke spirituelle Energie und hat eine langjährige Ausbildung zur spirituellen Heilerin gemacht. Früher war sie Lehrerin. In ihrem Beruf erlitt sie einen Burnout. Sie wurde pensioniert und arbeitet seit einigen Jahren privat als Yogalehrerin und Heilerin. Einmal in der Woche bietet sie in ihrem Haus eine Yogagruppe an. Und mehrmals in der Woche kommen Menschen zur ihr, die gegen etwas Geld ihre Heilenergie in Anspruch nehmen.

Meine Freundin heißt Marita und hat mich früher einige Male in meiner Einsiedelei besucht. Aber seit einigen Jahren telefonieren wir nur noch. Es gibt spirituelle Differenzen zwischen uns. Sie ist sehr esoterisch orientiert und gehört zur Querdenker-Szene. Und ich sehe die Dinge etwas anders. Aber im Gegensatz zu meiner anderen Freundin A. in B. können wir noch kommunizieren. Sie berichtet mir ihre Sicht und ich höre interessiert zu. Ich kann sie so annehmen wie sie ist. Und ihr genügt das.

Es gibt aber auch viele Dinge, die uns verbinden. Wir hatten beide vor vielen Jahren einen Burnout. Wir gehen beide auf unsere Art konsequent unseren spirituellen Weg. Bei uns beiden ist die Kundalini-Energie stark aktiviert und wir leiden beide oft an den Kundalini-Prozessen. Insbesondere können wir nachts oft nicht schlafen, wenn die Energieprozesse im Körper zu stark toben. Dann telefonieren wir miteinander und trösten uns gegenseitig. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Es tut gut zu wissen, dass man nicht mit seinen Problemen alleine ist.

Marita kennt sich gut in der spirituellen Szene in Deutschland und in der Welt aus. Sie hat viele Reisen zu Yogis nach Indien und zu Heilern nach Brasilien gemacht. Sie bringt mich immer wieder auf den aktuellen Stand der Diskussion. Seit einigen Jahren ist sie bei einem indischen Meister, der versprochen hat alle seine Schüler bis 2025 zur Erleuchtung zu bringen. Er meint, dass die Welt im Moment viele Erleuchtete braucht, damit das Bewusstsein der Menschheit angehoben wird. Das sehe ich genauso. Aber der Meister verlangt auch ziemlich viel Geld für die Erleuchtung. Das macht mich etwas skeptisch. Andererseits bin ich sehr gespannt, wie sich die Dinge bei Marita entwickeln.

Und eine Entwicklung findet statt. Seit sie den Erleuchtungskurs gebucht hat, haben sich ihre Energieprozesse erheblich verstärkt. Es ist typisch für den intensiven spirituellen Weg, dass damit erhebliche Reinigungsprozesse verbunden sind. Marita kommt außerdem oft in starke Glückszustände, die lange andauern. Einmal war sie spürbar bereits in einem Erleuchtungszustand. Sie dachte schon, dass sie jetzt dauerhaft erleuchtet ist. Aber dann fiel sie wieder heraus.

Die Schüler des Meisters haben weltweit Gruppen gebildet, die sich monatlich treffen. Und dort berichten viele Menschen, dass sie dauerhaft zur Erleuchtung durchgebrochen sind. Solche Berichte finde ich immer sehr inspirierend. Ich werde Marita bald wieder anrufen, um zu sehen, ob sie das spirituelle Ziel schon erreicht hat. Dann werde ich sehr neidisch sein, weil ich armer Yogi immer noch im Anfängerstadium herumkrebse.

Mir ist zwar auch die Erleuchtung vorhergesagt worden. Aber ich weiß nicht genau wie und wann und ob das eintritt. Vielleicht sollte ich nicht so geizig sein und auch den Erleuchtungskurs für einige tausend Euro buchen. Da ich daran aber zu wenig glaube, warte ich lieber darauf, dass mich kostenlos der Geistesblitz trifft. Ich weiß, dass erleuchtete Meister Erleuchtungsenergien übertragen können. Bei mir hat das leider nie lange gehalten. Mein Weg ist es etwas für die Erleuchtung zu tun, damit sie irgendwann eintritt. Und auch dabei bevorzuge ich den mittleren Weg Buddhas. Falls Marita bei dem nächsten Anruf die Erleuchtung erreicht habe, werde ich Mitfreude üben. Man muss auch gönnen können.

2 Sex mit dem Guru

Eine Bekannte von mir war jahrelang die geheime Geliebte eines indischen Gurus. Der Guru war Mitglied einer großen Yoga-Organisation. In Deutschland gab er in einem Seminarzentrum regelmäßig Yogakurse. Meine Bekannte besuchte einen seiner Kurse und war begeistert von seiner spirituelle Ausstrahlung. Das spürte der Guru, weil er über die Fähigkeit des Energiegespürs verfügte. Er bat sie deshalb nach der Yogastunde zu einer Tasse Tee in sein Zimmer. Dort fielen sie übereinander her.

Sie war durchaus einverstanden damit verführt zu werden. Insofern könnte man sagen, dass es unproblematischer einverständlicher Sex war. Ein Problem bestand allerdings darin, dass aus gutem Grund in der Yoga-Organisation Sex zwischen Lehrern und Schülerinnen verboten war. Die Beziehung musste deshalb im Geheimen stattfinden.

Sex zwischen Lehrern und Schülern ist in der Spiritualität ein großes Problem. Oft führt es zu Missbrauch, wobei man meistens nicht genau abschätzen kann, wo der Missbrauch genau beginnt. Ein Grundproblem ist das Machtgefälle zwischen Lehrern und Schülerinnen. Dieses Problem kennen wir von der katholischen Kirche, die derzeit mit extrem vielen Missbrauchfällen belastet ist. Priester missbrauchen die ihnen anvertrauten Kinder. Nonnen werden von ihren geistlichen Betreuern zum Sex gezwungen. Argumentiert wird dabei oft mit dem Willen Gottes. Dem kann sich eine gottesfürchtige Nonne nur schwer entziehen. Sie wird durch den Priester in eine geistige Notlage gebracht.

Ähnlich ist es in der Spiritualität. Der Yoga-Meister verfügt über eine spirituelle Autorität und oft auch über besondere spirituelle Kräfte. Er kann diese Autorität und seine spirituellen Kräfte einsetzen, um eine Schülerin zum Sex zu bringen. Dann sieht es scheinbar freiwillig und einverständlich aus. In Wirklichkeit hat die Schülerin keinen freien Willen.

Allerdings habe ich es auch umgekehrt erlebt. Es gibt Frauen, die ihre sexuellen und Liebesenergien auf den spirituellen Lehrer richten. Dann kann ein Guru in ziemliche Probleme kommen. Eine andere Bekannte von mir hat mich einmal davor gewarnt. Sie meinte, dass Frauen gerne Gurus verführen, weil sie auf Alpha-Männchen stehen. Das sei ein genetisches Programm aus der Steinzeit. Frauen stehen biologisch auf das stärkste Männchen, damit sie starke Nachkommen erzeugen können.

Nach meiner Erfahrung ist da durchaus etwas dran. Das spirituelle Lehrer-Schülerinnen- Verhältnis ist ein wildes Gemisch aus unklaren Energien. Von den Schülerinnen kann man keine spirituelle Weisheit verlangen. Sie sind die Schülerinnen, die den Umgang mit Energien zu lernen haben. Es ist die Aufgabe eines spirituellen Lehrers mit diesen Energien verantwortlich umzugehen. Und natürlich scheitern viele spirituelle Lehrer im Yoga, Christentum und Buddhismus daran. Auch spirituelle Lehrer sind oft nicht perfekt.

Mein Meister lehrt die Grundsätze Treue, Wahrheit und Liebe. Ein spiritueller Lehrer darf eine Beziehung haben. Aber dann muss er das ehrlich kommunizieren, in der Wahrheit und Liebe leben und vor allem seiner Frau treu sein. Wenn beide den Grundsätzen Wahrheit, Liebe und Treue verpflichtet sind, dann kann eine sexuelle Beziehung zu einem spirituellen Wachstumsweg werden. Im Yoga und im Buddhismus gibt es den Tantraweg. Hier lernt man sexuelle Energien für den Weg der Erleuchtung zu nutzen.

Das gelingt aber nur, wenn man ehrlich zu einander ist. Sonst wird der Tantraweg leicht zu einem Egoweg, der im weltlichen Chaos endet. Ehrlichkeit bedeutet, dass man keine geheime Beziehung führt und andere Menschen täuscht. Das war im tibetischen Buddhismus ein Problem, wo viele Mönche ab einer bestimmten Stufe geheime Beziehungen haben durften. Eine westliche Frau berichtete, dass sie dadurch psychisch schwer geschädigt wurde. Oft wurden tibetische Meister in den USA von Frauen verklagt und mussten hohe Schadensersatzzahlungen erbringen. Gerade im Westen kommt sexueller Missbrauch meistens eines Tages ans Licht. Berühmte Yoga-Gurus wurden dadurch schon zu Fall gebracht. Zen-Meister verloren ihre Stellung. Katholische Bischöfe mussten große Abfindungszahlungen leisten.

In unserem Fall war nicht nur das Problem, dass der Guru seine Organisation hinterging. Er war auch verheiratet und hat seiner Frau seine Nebenbeziehung verschwiegen. Gegenüber meiner Bekannten argumentierte er, dass seine Frau keine Lust mehr auf Sex hatte. Das geht manchmal Frauen nach vielen Jahren Ehe so. Es ist aber nicht in Ordnung, dass der Mann sich dann eine geheime Geliebte holt. So wird das Vertrauen in der Beziehung zerstört. Spirituell beginnt der Weg in die Hölle.

Meine Bekannte liebte den Guru wirklich. Sie ging jahrelang zu seinen Kursen, um Sex mit ihm zu haben. In Wirklichkeit wünschte sie sich eine echte Liebesbeziehung. Aber der Guru wollte sich nicht von seiner Frau trennen. Ein Problem war auch die große Distanz zwischen ihren Wohnorten. Letztlich trennte sich dann meine Bekannte von dem Guru.

Sie ist eine starke Frau. Ich glaube nicht, dass die Beziehung sie geschädigt hat. Sie hat daraus gelernt und betrachtet es als ein großes Abenteuer in ihrem Leben. Das geht aber nicht allen Frauen so. Eine Frau berichtete mir auch von sexuellem Fehlverhalten ihres Gurus. Sie verlor dadurch ihr Vertrauen in die Spiritualität und konnte erst viele Jahre später ihre spirituellen Praxis wieder aufnehmen. Eine andere Frau empfand den Guru als ihre große Liebe. Als er sie wegen einer jüngeren Frau verließ, litt sie viele Jahre unter schweren Depressionen. Und eine dritte Frau wurde sexuell so abhängig von ihrem Guru, dass sie sich nicht aus der Beziehung befreien konnte. Eine Freundin von ihr bat mich um Rat. Aber was sollte ich ihr raten? Ich konnte ihr nicht helfen. Sie musste sich selbst helfen.

Meine Erfahrung ist, dass man bei allen sexuellen Energien genau hinsehen muss. Oft ist es eine Lösung nicht anzuhaften und sie einfach durch sich hindurch fließen zu lassen. Man muss sich immer wieder klar machen, dass nicht Sex der tiefere Sinn des Lebens ist, sondern die Erleuchtung und das Leben im Licht (im Nirwana). Nirwana bedeutet Anhaftungslosigkeit. Man ruht im erleuchteten Sein und ist glücklich aus sich selbst heraus. Ein Guru kann eine Beziehung haben. Aber dann sollte er es nicht aus dem Ego, sondern aus dem erleuchteten Sein heraus tun. Er sollte die Energien so lenken, dass Glück bei allen Beteiligten entsteht.

3 Barbara und ich

Wir sind seit vier Jahren zusammen. Mit 66 Jahren ging ich das erste Mal ernsthaft zu einer Partnerschaftsbörse. Ich hatte erkannt, dass es für mich richtig ist eine Beziehung zu haben. Dreißig Jahre hatte ich alleine als Yogi gelebt. Jetzt war es Zeit für eine Beziehung. Und gleich das erste Date war ein Volltreffer. Ich suchte eine schöne Frau. Und hier war sie. Allerdings wusste ich natürlich, dass schöne Frauen schwierig sind. Und so war es auch. Das erste Jahr war sehr schwierig. Das zweite Jahr war etwas schwierig. Im dritten Jahr ging es hin und her. Und jetzt ruckeln wir uns im vierten Jahr langsam zusammen und harmonieren immer besser. Im August wollen wir zusammenziehen.

Ich bin für Barbara eine große Herausforderung. Denn eigentlich sieht sie sich als spirituelle Lehrerin und mich als ihre Herausforderung. Und das stimmt in gewisser Weise auch. Ich habe so lange alleine gelebt, dass es schwierig für mich ist auf einen anderen Menschen einzustellen. Und genau deshalb hat das Leben mir wohl diese Aufgabe gegeben.

Ein großes Abenteuer ist es, wenn wir beide spirituelle Retreats geben. Dieses Jahr ist ein dreitägiges Pfingstretreat geplant. Jeder von uns lehrt etwas von seinem spirituellen Weg. Vor zwei Jahren haben wir schon einmal gemeinsam ein Retreat gemacht. Die Teilnehmer empfanden uns als guter Ergänzung. Ich war der eher Ruhige und Barbara die Kraftvolle. Aus unseren unterschiedlichen Ansichten konnten sie sich das heraussuchen, was für sie passte.

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4. Die sechs Paramitas

Die sechs Paramitas sind das Zentrum des Mahayana-Buddhismus. Wir sollten sie jeden Tag üben.

  1. Ein Buddhist lebt als Gebender. Er gibt seinen Mitmenschen Weisheit, Liebe und Frieden. Er sendet ihnen Licht und führt sie ins Licht. Mögen wir alle in der Liebe leben und das Gute in der Welt stärken.
  2. Ein Buddhist geht mit Selbstdisziplin seinen spirituellen Weg. Er hat ein klares Ziel und einen klaren Weg. Er meditiert jeden Tag und ist achtsam auf seine Gedanken und Gefühle.
  3. Ein Buddhist bewahrt bei Leid Gleichmut und Gelassenheit. Er bleibt bei Schwierigkeiten ruhig und positiv. Er richtet seinen Geist auf das spirituelle Ziel aus.
  4. Ein Buddhist hat Ausdauer auf seinem Weg. Er gibt nie auf und erreicht seine Ziele. So gelangt er ins Licht und wird ein Buddha.
  5. Ein Buddhist lebt im erleuchteten Sein. Er verbindet Meditation und äußeres Handeln. Er bleibt immer im Frieden, im Glück und in der Liebe. Er verhält sich wie ein Buddha und wird so ein Buddha.
  6. Ein Buddhist lebt weise. Er weiß, was jeweils richtig und was falsch ist. Er handelt mit klarem Verstand und innerem Gespür. Er ist die Verkörperung der Weisheit. Die höchste Weisheit ist es die Erleuchtung zu verwirklichen und das Licht und die Liebe in die Welt zu bringen.

5 Die Blume der Erleuchtung

In dir wächst die Blume der Erleuchtung. Meditiere darauf. Verwirkliche sie in dir. Werde eins mit ihr. Denke die folgenden Sätze als Mantra, bis du sie spüren kannst.

  • Visualisiere die Blume der Erleuchtung in dir. Wo siehst du sie? Wo wächst sie in dir? Wie sieht sie aus? Welche Gefühle erzeugt sie in dir?
  • Der Duft der Blume strömt aus der Blüte, bis er deinen ganzen Körper erfüllt. Rieche den Duft der Erleuchtung in dir.
  • Der Duft der Blume fließt aus dir heraus und umgibt dich. Du bist von einer Wolke von Liebe, Glück und Frieden umgeben.
  • Sende den Duft der Blume einem Mitmenschen. Spüre, wie er ihm Glück, Liebe und Frieden schenkt.
  • Sende den Duft allen Menschen, allen Tieren und der ganzen Welt. Denke das Mantra: „Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.“
  • Werde eins mit der Blume, ihrem Duft, ihrem Frieden, ihrer Schönheit und der ganzen Welt. Erkenne das Schöne in der Welt. Sei dankbar, dass du in dieser Welt leben darfst.

6 Der Weg der Liebe

Strahle Licht und Liebe in die Welt. Begegne heute deinen Mitmenschen mit einem Lächeln. Sage ihnen etwas Schönes. Tue ihnen etwas Gutes. Nimm auch die Liebe wahr, die dir begegnet.

7 Die zehn Dämonen auf dem spirituellen Weg

(von Padmasambhava, dem Begründer des tibetischen Buddhismus)

  1. Du hast den spirituellen Weg als Wahrheit für dich erkannt. Du strebst nach innerem Frieden, Liebe, Glück und Erleuchtung. Herzlichen Glückwunsch. Doch leider werden jetzt viele Dämonen auftauchen, die dich von deinem Weg abbringen wollen. Wenn du dich jedoch mit fester Absicht deinen Übungen widmest, kann dich kein Hindernis und kein Dämon in deiner spirituellen Praxis nachhaltig stören.
  2. Zuerst taucht der Dämon des Zweifels auf. Du zweifelst am spirituellen Weg, an dir und an deinem Sieg. Du bist dir nicht sicher, ob es besser ist dem äußeren oder dem inneren Glück zu folgen. Du zweifelst an deinen Fähigkeiten, konsequent den spirituellen Weg bis zum Sieg zu gehen. Denke gründlich nach und folge dann dem Weg deiner Wahrheit.
  3. Danach taucht der Dämon der Wechselhaftigkeit auf. Mal praktizierst du deine spirituellen Übungen und mal nicht. Mal lebst du weltlich und mal spirituell. So wirst du nie wirklich spirituell voranschreiten.
  4. Dann kommt der Dämon der Faulheit. Du bist zu faul zum spirituellen Üben. Du verschiebst die Erleuchtung auf später. Jetzt brauchst du große Selbstdisziplin, um auf deinem Weg zu bleiben.
  5. Hast du endlich zu deiner täglichen spirituellen Praxis gefunden und gehst eisern deinen Weg, entsteht Stolz in dir. Du findest dich besser als deine Mitmenschen. Stolz hindert dich aber an der Erleuchtung, weil du dich dadurch über deine Mitmenschen erhebst. Du erkennst nicht, dass alle Menschen eins sind.
  6. Wenn du in der Meditation Fortschritte gemacht hast, tauchen plötzlich besondere spirituellen Fähigkeiten auf. Sie können dein Ego vergrößern. Übe Bescheidenheit und Demut. Stelle deine Fähigkeiten in den Dienst der Menschheit. Erkenne, dass sie nichts Besonderes sind und du dadurch nicht etwas Besonderes bist.
  7. Wenn du noch weiter fortschreitest, wird sich dein Ego (dein Ich-Bewusstsein) auflösen und du gelangst in die große Leere (ins Nirwana). Für dich ist nichts mehr wichtig. Jetzt ist es Zeit das große Mitgefühl zu entwickeln und deinen Mitmenschen auf dem spirituellen Weg zu helfen. Stelle nicht mehr dich, sondern deine Mitmenschen in das Zentrum deines Lebens.
  8. Du wirst plötzlich sehr feinfühlig sein und dich durch die weltlichen Energien deiner Mitmenschen belästigt fühlen. Hier hilft es dir Gleichmut zu entwickeln und das Glück deiner Mitmenschen wichtiger als dein eigenes zu nehmen. Sorge aber auch ausreichend für dich selbst und überfordere dich nicht.
  9. Bist du ins erleuchtete Sein gelangt möchtest du nur noch deinen spontanen Impulsen folgen und dich nicht mehr an die gesellschaftlichen Regeln halten. Erkenne, dass du Teil der Gesellschaft bist und dass es deine Aufgabe ist deinen Mitwesen zu helfen. Dafür ist es wichtig, dass du die allgemeinen Regeln des Zusammenlebens akzeptierst.
  10. Wenn du jetzt immer noch Leid ablehnst, bist du noch nicht wirklich am Ziel. Ein Buddha steht über Freude und Leid. Er heißt alles willkommen und läßt es gehen, wie es will. Er hat die Dualität überwunden und ruht im Licht. Er wirkt aus Liebe für das Glück seiner Mitwesen.

8 Was du für den spirituellen Weg brauchst

Padmasambhava: „Die einzige Erkenntnis, die du brauchst, ist es, dass das Leben ohne Erleuchtung letztlich leidvoll und unbefriedigend ist. Die einzige Ermutigung, die du brauchst, ist das Wissen, dass der Erleuchtungsgeist bereits in dir ist. Es liegt nur an dir selbst dauerhaft im Glück, in der Liebe, in der Kraft, in der Wahrheit und im Frieden zu leben. Du brauchst nur den festen Willen glücklich zu sein. Du musst dich für das Glück und nicht für das Leid entscheiden. Du musst erkennen, dass dein Glück vorwiegend von deinen Gedanken, deinem spirituellen Weg und deiner spirituellen Verwirklichung abhängt. Spirituelle Verwirklichung ist Selbstverwirklichung. Wie lange willst ein fremdbestimmtes Leben führen? Wie lange willst du fremdgesteuert von der Konsumideologie, von der Leistungsideologie, von der Ideologie des äußeren Glücks sein? Erkenne, dass das Glück in dir liegt und verwirkliche es. Verwirkliche dein wahres Selbst, dass darin besteht eins mit allem zu sein und dadurch im Licht und in der Liebe zu leben.

Der einzige Meister, den du brauchst, ist deine eigene innere Wahrheit. Du musst auf die Stimme deiner inneren Weisheit hören. Dann findest du den Weg zu einem Leben im Licht. Die Vollkommenheit ist bereits in dir, wenn es dir gelingt alle Gedanken bereits an der Wurzel abzuschneiden. Das gelingt dir durch ein Leben der Ruhe, der Meditation und der beständigen Achtsamkeit auf deine Gedanken und Gefühle. Die einzige Zuflucht, die du brauchst, ist die Zuflucht zur großen Freude, mit der du alle deine Mitmenschen erfüllen kannst. Lebe als Bodhisattva für das Glück aller Wesen. So gelangst du in die umfassende Liebe und verwirklichst dein eigenes Glück. Du wirst in einem unvorstellbaren Glück und einer unvorstellbaren Liebe leben, wenn du den Bodhisattva-Weg gehst. Und das Leben für Leben. Es gibt nichts Besseres.

Die einzige Erleuchtung, die du brauchst, ist die Erkenntnis, dass das äußere Leben nur ein Spiel deines Geistes ist. Dein Geist bestimmt, ob du erleuchtet im Glück oder unerleuchtet im Leid lebst. Es hängt von deinen Gedanken ab, ob in dir Gefühle von Liebe, Frieden und Glück herrschen. Oder ob du vorwiegend in Gefühlen von Angst, Wut, Trauer und Sucht lebst. Es hängt von deinen Gedanken ab, ob du an Freude und Leid anhaftest oder ob du frei wie ein Vogel im wolkenlosen Himmel fliegst. Es hängt von deinen Gedanken ab, ob du in der Liebe zu allen Wesen lebst oder im dunklen Turm deines Egos verweilst. Es hängt von deinen Gedanken ab, ob du den Weg der Dunkelheit oder den Weg des Lichts gehst. Alles beginnt mit einem klaren Entschluss. Wie willst du dich entscheiden?“

9 Über den Tod

Padmasambhava: „Wer ohne Anhaftung stirbt, wer alle Unreinheiten (den inneren Stress, die Verspannungen, Traumata) geläutert und alle energetischen Knoten gelöst hat, wird im Augenblick des Todes nicht von seinen inneren Dämonen überfallen, sondern findet das Licht. Wer in diesem Augenblick sein Gewahrsein aufrecht erhält, verschmilzt mit dem Licht.“

10 Letzte Anweisungen von Yogi Padmasambhava

„Selbst wenn du dich auf dem spirituellen Weg noch so sehr anstrengst, wirst du kaum vorankommen, wenn du nicht an einem ruhigen Ort lebst. Selbst wenn du Erleuchtungserfahrungen hast, wirst du immer wieder zurückfallen, wenn du dich mit weltlichen Menschen und Energien umgibst. Wenn du nicht weißt, wie du schwierige Lebensumstände in den spirituellen Pfad umwandelst, wirst du keine dauerhafte Erleuchtung erreichen. Wenn du meditierst, ohne an deinen Gedanken zu arbeiten, wirst du immer wieder zurückfallen. Die höchste Verwirklichung ist die Einheit von Einsicht, Meditation, Handeln und Erleuchtung. Das höchste Handeln ist die Freiheit von Anziehung und Abneigung. Die höchste Einsicht ist die Freiheit von Überzeugungen. Der Gipfel der Meditation ist die Ruhe des Geistes.“

11 Drei Stufen der Verwirklichung

Padmasambhava: „Wenn du auf einer hohen Stufe bist, verbrauche deine Energie nicht dadurch, dass du zu viel redest. Wenn du auf einer mittleren Stufe bist, versacke nicht in spiritueller Trägheit. Wenn du am Anfang des Weges bist, verwickle dich nicht in negative Gefühle.“

Nils: Im Yoga gibt es die Technik des Mauna. Mauna bedeutet Schweigen. Das Schweigen kann darin bestehen, dass man nicht redet, nur das Notwendige spricht oder beim Reden darauf achtet, dass man nicht seine innere Energie verbraucht. Man verhält sich so, dass man immer in der Ruhe, in der Liebe und im Licht bleibt. Wenn man schon lange auf dem spirituellen Weg ist und immer noch nicht das Ziel der Erleuchtung erreicht hat, besteht die Gefahr, dass man träge wird und nicht mehr ernsthaft praktiziert. Wenn man am Anfang des Weges ist, tauchen oft Zweifel und negative Gedanken auf. Wir müssen mit Selbstdisziplin unseren spirituellen Weg gehen, um unseren Geist daran zu gewöhnen.

12 Tipps des Yogis Padmasambhava

„Brauchst du Hilfe auf deinem spirituellen Weg oder weist nicht weiter, dann bete zu deinem spirituellen Meister oder Vorbild. Spüre dann in dich hinein und folge der Stimme deiner innerer Wahrheit. Welche Gedanken kommen dir? Was sagt dein Gefühl der Richtigkeit? Was sagen dir deine Vernunft und dein inneres Gefühl? Wenn du so vorgehst, wirst du auf deinem spirituellen Weg erfolgreich sein. Du wirst immer die Hilfe bekommen, die du brauchst.“

13 Große Wandlung

Es ist Sommer und das Wetter ist schön. Da ist man natürlich viel draußen. Der Nils wird im Mai 70. Das ist bereits ein beträchtliches Alter. Dabei sieht er noch so jung aus und ist fit wie ein Turnschuh. Heute traf er eine junge Frau. Die meinte, das kommt vom Yoga. Der alte Mann denkt aber eher, dass das von den Genen kommt. Danach hat er wohl noch zehn bis zwanzig Jahre auf dieser schönen Erde. Dieses Jahr wird bei ihm viel gefeiert. In drei Wochen kommt vermutlich seine Verwandtschaft für einige Tage zu Besuch. Sohn Florian und Schwester Sabine samt ihren zwei Söhnen, einer Ehefrau mit einem Kind. Drei Tage später sind die Nachbarn zur großen Feier eingeladen. Und dann kommen auf dem Pfingstretreat die Menschen aus seinen Gruppen zum Feiern. Der Sohn vom alten Mann lebt jetzt übrigens nahe seiner Schwester Sabine in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Zweimal in der Woche kommt die alte Sabine und bringt ihm etwas Schönes zu Essen. Und einmal in de Woche kommt Florian zu Sabine und sie gehen gemeinsam spazieren oder hüten die Ziegen. Außerdem trifft er sich oft mit dem Sohn Wendelin der alten Sabine. Das freut den alten Nils. So hat sein Sohn doch noch irgendwie eine Familie gefunden. Ansonsten hat der alte Nils jetzt seine kleine Holzhütte eingerichtet und kann dort einziehen, wenn seine Freundin Barbara in sein Steinhaus zieht. Das ist für den Herbst geplant. Soweit so gut. Liebe Grüße vom alten Nils

14 Wie geht es weiter im Ukraine-Krieg?

Ich habe keine Angst vor einem Atomkrieg. Ich bin alt und habe mein Leben weitgehend gelebt. Mir tut es nur leid um die anderen Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben. Mein Grundsatz ist es bei Problemen genau hinzusehen und dann nach dem Prinzip der Richtigkeit zu entscheiden. Wenn ich genau hinsehe, droht im Moment kein Atomkrieg. Russland droht nur, um den Westen einzuschüchtern. Durch die Waffenlieferungen des Westens verliert Putin wahrscheinlich den Krieg. Deshalb will er Waffenlieferungen so weit wie möglich verhindern. Und Deutschland hat gerade beschlossen, jetzt doch schwere Waffen zu liefen. Wir befinden uns in einer Eskalationsspirale und keiner weiß, wo das enden wird. Putin könnte taktische Atomwaffen auf die Ukraine werfen. Das wird in Russland intensiv diskutiert. Es ist die große Frage, wie die Nato darauf reagiert. Objektiv gesehen sind wir am Ukraine-Krieg beteiligt. Aus meiner Sicht sollten wir überlegen, wie der Krieg beendet werden kann. Und insbesondere wie weitere weltweite Kriege verhindert werden können. Denn die gesamte Welt rüstest seit Jahren massiv auf, wie es gerade die Zahlen von Sipri zeigen. Ich bin gegen jede Art von Nationalismus, wie es von den rechten Parteien propagiert wird. Das endet langfristig im Krieg. Ich bin für Deeskalation, Frieden und Liebe. Aus meiner Sicht stehen wir vor einer großen Zeitenwende, wie es in den heiligen Schriften des Hinduismus, des Buddhismus und des Christentums angekündigt wurde. Im Moment gibt es eine Zeitenwende zum globalen Krieg. Wir sollten die Zeitenwende zu einem Zeitalter der Liebe und des Friedens vorbereiten. Dafür arbeiten viele erleuchtete Meister.

15 Wer bin ich?

Ich bin ein Körper, ein Bewusstsein, mein Umfeld, meine Lebenszeit. Ich bin eine unsterbliche Seele, die schon viele Leben gelebt hat. Ich bin ein Wesen, das nach Glück, Liebe und Erleuchtung strebt. Ich bin ein Bodhisattva, der für das Glück seiner Mitwesen lebt. Ich bin ein Bewusstsein, das alles beobachtet und Entscheidungen trifft. Eigentlich folge ich nur dem inneren Programm, das durch meine Gene und meine Umwelteinflüsse entstanden ist. Eigentlich bin ich das Leben, was sich selbst lebt. Und letztlich bin ich ein egoloses Nichts, ohne Identität, einfach nur da.

16 Geburtstag

Heute bin ich siebzig Jahre alt geworden. Heute Nachmittag kommt Barbara und bringt Kuchen mit. Dann feiern wir zusammen. Ich denke über mein Leben nach. Siebzig Jahre sind eine lange Zeit. Viele Menschen sterben früher. Insofern bin ich dankbar für mein langes Leben. Und es war auch ein gutes Leben. Ich konnte das leben, was ich gerne leben wollte. Ich habe viel in meinem Leben ausprobiert. Ich habe studiert. Ich hatte eine Familie. Ich war Rechtsanwalt, Psychotherapeut und Yogalehrer. Ich habe viele Gruppen geleitet. Das hat mir viel Spaß gebracht. Ich habe nach dem tieferen Sinn des Lebens gesucht und ihn auch gefunden. Ich traf Epikur, Buddha, Jesus, Shiva und Laotse. Ich hatte viele erleuchtete Meister, die mir auf meinem Weg geholfen haben. Sehr dankbar bin ich für ihre Bücher, mit denen sie ihr Wissen aufgeschrieben und weitergegeben haben. Jetzt kann jeder den Weg finden und gehen, wenn er es will. Und ich spüre auch die Hilfe auf meinem Weg, die aus einer höheren Bewusstseinsdimension im Kosmos kommt. Meine Meister führen und helfen mir auf meinem Weg, egal ob sie noch auf der Erde weilen oder vom Jenseits aus wirken. Das erleuchtete Bewusstsein stirbt nie. Und es ist allgegenwärtig. Wer sich mit ihm verbindet, wird auf seinem spirituellen Weg unterstützt. 

Ich dachte heute über die Erleuchtung nach. Erleuchtung entsteht vorwiegend durch das Leid des Lebens. Das Leid des Lebens macht uns zu einem Nichts, wenn wir gründlich darüber nachdenken. Wir können das Leid oft nicht verhindern. Wir können nicht verhindern, dass wir eines Tages sterben. Wir können nicht verhindern, dass die uns nahen Menschen, unsere Freunde, Verwandten, Eltern, Kinder und Partner sterben. Die Lebenszeit ist begrenzt. Wir können sie nur gut nutzen. Alles ist vergänglich. Wir können nur unser Ego auf dem Altar des Lebens opfern und mit der Vergänglichkeit fließen. Dadurch werden wir letztlich zu einem Nichts. Unser Ego löst sich auf. Wenn wir unseren spirituellen Weg gehen, entsteht gleichzeitig Glück, Liebe und Frieden in uns. Inneres Glück und äußeres Leid können gleichzeitig existieren. Wir können uns durch unser inneres Glück über das Leid des Lebens erheben. Wir können erleuchtet sterben. Wir können uns auf die Liebe konzentrieren und zur Liebe werden. 

Der Weg der Erleuchtung ist aus meiner Sicht ewig. Es gibt viele Stufen. Man kann sich immer weiter entwickeln. Die erste große Stufe ist es, wenn man Weisheit erlangt. Wer das spirituelle Ziel und seinen spirituellen Weg kennt, ist gesegnet. Er wächst ins Licht. Er wird ewig ein Licht sein und von Leben zu Leben weiter ins Licht wachsen. Bis er die Stufe der großen erleuchteten Meister erlangt. Nach meiner Erfahrung verfügen sie über die Fähigkeiten der Allgegenwart, der Allwissenheit und der Allmacht. Sie können alle Menschen sehen, die sich mit ihnen verbinden. Sie wissen genau, was jeweils zu tun ist. Und sie können mit ihren spirituellen Energien jederzeit optimal helfen. Sie können uns Kraft, Frieden, Liebe, Heilung und Weisheit geben. Sie können uns sogar Erleuchtungsenergie übertragen und uns die Erfahrung der Erleuchtung machen lassen. Mir haben sie gezeigt, dass es im Jenseits einen Ort höchsten Glücks gibt. Diesen Ort kann man Nirvana, Paradies, Licht oder Reines Land nennen. Dieser Ort ist das Ziel aller Seelen. Dort kann man ewig in einem unermesslichen Frieden, Glück und in der Liebe leben. Das war die größte Gnade in meinem Leben, dass ich diesen Ort kennenlernen durfte. 

Durch viele Erleuchtungserfahrungen lernte ich viele Wege zur Erleuchtung kennen. Ich überwand mit positivem Denken meine Depression und trat ins reine Sein ein. Ich visualisierte mich als Buddha und wurde ein Buddha. Ich wünschte allen Wesen Glück und trat in eine Dimension endloser Liebe ein. Ich praktizierte Yoga und gelangte so in ein Einheitsbewusstsein. Ich wurde eins mit der Energie meiner Mitmenschen. Ich erlangte Allgegenwart. Ich kann Menschen an entfernten Orten spüren und ihnen helfen. Und manche Menschen merken es und sind sich bewusst, dass sie mit mir energetisch verbunden sind. In gewisser Weise lebe ich in der umfassenden Liebe. Und das ist seit 1986 nicht mehr verschwunden. Ansonsten schwankt mein inneres Glück aber erheblich und ich bin durch viele spirituelle Prozesse gegangen. Mein Körper und mein Geist reinigen sich immer mehr. Es treten besondere spirituelle Fähigkeiten (Siddhis) auf. Aber es gibt immer noch viel zu entwickeln. 

Und ich werde immer normaler. Ich war mein Leben lang anders als meine Mitmenschen. Ich wollte immer so sein wie sie. Jetzt scheint es mir langsam zu gelingen. Meine langen Haare sind kurz. Ich habe eine Lebenspartnerin. Mein Haus, mein Äußeres und mein Garten sind dank ihr gepflegt. Aus einem wilden Yogi wurde ein zahmer Schoßhund. Aber bellen kann ich immer noch, wenn es mal notwendig ist. Im Moment ist mein äußeres und mein inneres Leben glücklich. Dafür bin ich dankbar. 

17 Nach meinem Geburtstag

Mein Geburtstag war ein Alptraum. Zwar hatte ich gut geschlafen und wachte mit guter Laune auf. Ich dachte: „Der Tag kann kommen. Ich bin bereit!“ Aber dann kam es Schlag auf Schlag. Es begann damit, dass Barbara mir schrieb, dass sie wegen ihrer Pollenallergie kaum geschlafen hat. Ich dachte: „Das kann ja heiter werden!“ Und so wurde es auch. Barbara hatte den ganzen Tag schlechte Laune. Zwar richtete sie noch meinen Geburtstagstisch her. Und die Geschenke waren auch okay. Ein Regenschirm und eine Packung mit Marzipan. Und sie machte auch ein Video von uns beiden, wo wir so taten, als ob wir gut drauf sind. Aber danach kämpften wir den ganzen Tag gegen unsere schlechte Laune.

Barbaras schlechte Laune hätte ich noch wegstecken können. Das bin ich gewohnt. Aber dann ging ich in das buddhistische Forum Buddhaland. Das ist das Hauptforum in Internet für Buddhisten aller Richtungen. Dort wollte ich mit meinen Freunden meinen Geburtstag feiern. Ich postete viele lustige Fotos von mir und alle waren begeistert. Bis auf den neuen Administrator. Das Forum hatte einen neuen Administrator gesucht und als einziger hatte sich Hendrik Hortz gemeldet. Hendrik Hortz ist der Anführer der säkularen Buddhisten in Deutschland. Und er hasst mich. Ich bin für ihn der personifizierte Alptraum. Er war früher Sektenbeauftragter bei der evangelischen Kirche. Er hatte Jagd auf alle spirituellen Menschen gemacht, insbesondere auf alle Esoteriker und Mystiker. Dann konvertierte er zum Buddhismus. Und jetzt will er den Buddhismus in Deutschland zu einer atheistischen Sekte machen. Seine erste Amtshandlung als Administrator war es, mich aus der Gruppe zu schmeißen. Plötzlich waren alle meine Freunde weg. Ich habe meine spirituelle Heimat und meine spirituellen Familie verloren. Ein Alptraum für mich. Überall werde ich rausgeschmissen. Nirgends gehöre ich hin. Das Gleiche habe ich schon bei den Christen mit Jesus.de erlebt. In der Schule war ich immer der Außenseiter und meine Mutter sah mich als Mickerling, aus dem nie etwas wird. Und in meinen früheren Leben ist es mit oft auch so ergangen. Deshalb hat es mich auch diesmal so mitgenommen. Mein Geburtstag war ruiniert.

Warum tut mir Gott das an? Wahrscheinlich will er mein Ego zerstören. Und der Geburtstag war eine gute Gelegenheit dazu. Erst fühlte ich mich wie ein König, weil mir die Leute in meinen Internetgruppen alle zujubelten. Hunderte Geburtstagsglückwünsche erreichten mich. Und dann verbannte man mich aus dem Buddhaland, dem heiligen Land der Buddhisten. Ich wurde zu einem Bettler.

Jedenfalls ist mein Leben sehr abwechslungsreich. Eine Achterbahn der Gefühle. Ich hätte natürlich meine Verletzungen verdrängen und fröhlich meinen Geburtstag feiern können. Aber ich bevorzuge es Gefühle zu leben, damit man innerlich heilen kann. Barbara konnte mich gestern nicht heilen, weil sie auch schlecht drauf war. Es nütze auch nichts, dass meine Schwester Sabine mich anrief und mir per Telefon mit ihrer Singgruppe ein Ständchen brachte. Erst heute morgen konnte ich mich etwas beruhigen, nachdem ich Unmengen von Marzipan mit Nutella gegessen hatte. Ich habe fast das ganze Marzipan von Barbara aufgegessen. So hat es doch noch seinen guten Zweck erfüllt. Jetzt komme ich langsam wieder zu mir und baue mich wieder auf. Und lache über mein sensibles Wesen. Es gibt schlimmere Dinge auf der Welt wie den Hunger in Afrika, die Klimakatastrophe und den Krieg in der Ukraine.

18 Es gibt nur eine Wahrheit

Aus meiner Sicht gibt es nur eine Wahrheit. Und diese Wahrheit kann man mit dem Begriff Erleuchtung beschreiben. Diese Wahrheit ist über allen Worten. Man kann sie nur erfahren. Buddha hat sie erfahren. Er hat sie mit seinen Worten beschrieben. Im Zen, im tibetischen Buddhismus und im Amitabha-Buddhismus wird diese Wahrheit wiederum mit anderen Worten beschrieben. Alle Worte und Lehren ergänzen sich. Der Buddhismus ist vielfältig. Du kannst deinen Weg zur Erleuchtung nur finden, wenn du in gutem Kontakt mit deiner eigenen Weisheit bist. Oder durch die Gnade der erleuchteten Meister.

Buddha lehrte einen bestimmten Weg. Aber das heißt nicht, dass wir dabei stehen bleiben müssen. Religionen entwickeln sich weiter. Die Wissenschaft entwickelt sich weiter. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse. Außerdem müssen Religionen an die Kultur und die Zeit der jeweiligen Menschen angepasst werden, damit sie hilfreich sind. Man kann es natürlich auch so sehen, dass Buddha den kleinen Weg und der Mahayana-Buddhismus den großen Weg lehrt. Also Buddhismus für Fortgeschrittene. Für mich aber sind alle buddhistischen Wege gleich und sie ergänzen sich. Ich bin zu bestimmten Zeiten jeden dieser Wege gegangen. Und alle waren hilfreich.

Zum Jenseits. Aus meiner Sicht gibt es dort unerleuchtete und erleuchtete Bereiche. Es gibt den Bereich des höchsten Glücks. Dort kommt man nur hin, wenn man kein Ego mehr hat. Je nachdem wie weit entwickelt ist, kann man dort kürzere oder längere Zeit bleiben. Ab eine bestimmten Stufe zerreißt das Band der Anhaftung an die Erde. Dann kann man dort ewig verweilen. Oder als Bodhisattva wieder auf die Erde kommen. So lehrt es jedenfalls der tibetische Buddhismus.

19 Die tägliche Meditation

Dalai Lama: „Wenn du täglich wenigstens eine kurze Zeit meditierst, ist das sehr hilfreich.“

Nils: Meditation schenkt uns inneren Frieden. Sie hilft uns zu uns selbst zu finden. Die meisten Menschen im Westen ruinieren sich durch den Stress des Lebens. Der Stress sammelt sich immer mehr im Körper an und zerstört irgendwann die Gesundheit und das innere Glück. Wenn wir jeden Tag meditieren, können wir diesen Prozess aufhalten.

20 Meinem Sohn geht es psychisch schlecht

Gestern rief mich meine Schwester an und berichtete von meinem Sohn. Ich habe bereits seit längerem kaum Kontakt zu ihm. So ist es immer schön, wenn ich durch meine Schwester von meinem Sohn etwas Neues erfahre. Leider war diesmal die Neuigkeit nicht erfreulich.

Mein Sohn ist jetzt 42 Jahre alt. Vor 42 Jahren habe ich noch mit meiner Exfrau zusammengelebt. Die ersten sieben Jahre war mein Sohn ein glückliches Kind. Leider geriet ich damals durch den Examensstress in eine schwere Depression. Meine Exfrau und ich begannen uns immer mehr zu streiten. Irgendwann konnte ich den ewigen Streit nicht mehr aushalten und trennte mich von meiner Exfrau. Mein Sohn blieb bei meiner Exfrau. Obwohl ich meinen Sohn noch oft besuchte, war die Trennung ein großes Trauma für ihn, von dem er sich nie wieder erholte. Nach der Trennung wurde er zu einem stillen und zurückgezogenen Kind.

Später studierte er Psychologie und machte viele Therapien. Aber nichts half ihm wirklich. Er machte sogar seinen Doktor in Psychologie. Aber der Stress der Doktorarbeit ruinierte ihn psychisch immer mehr. Jetzt hat er zwar einen Doktortitel, aber er leidet unter Depressionen. Er findet weder einen Beruf noch eine Freundin. So lebt er in der Nähe meiner Schwester arbeitslos vor sich hin. Er hat kaum soziale Kontakte und vereinsamt immer mehr. Zum Glück trifft er sich dreimal in der Woche mit meiner Schwester. Das tut ihm sicherlich gut.

21 Wie kann ich helfen?

Ich überlege, wie ich meinem Sohn helfen kann. Bis zum Alter von 23 Jahren hatten wir einen engen Draht zueinander. Ich war vom spirituellen Weg begeistert und mein Sohn versuchte mir auf seine Art zu folgen. Er machte sogar eine Ausbildung als Yogalehrer. Aber dann traf er auf einen atheistischen Professor, der ihn vom Atheismus überzeugte. Seit der Zeit hält er seinen Vater für verrückt. Und sein Vater glaubt, dass seinen Sohn nur der spirituelle Weg heilen kann. Schließlich habe ich mich auch durch den spirituellen Weg von meiner früheren Depression und von meinen vielen psychosomatischen Krankheiten geheilt. Ich habe viel Sport gemacht, meditiert und konsequent das positive Denken praktiziert. Im Laufe der Jahre wurden die Depressionen immer weniger und traten immer seltener auf. Bis sie ganz verschwanden. Diesen Weg müsste mein Sohn auch gehen, nachdem ihm alle Psychotherapien nicht geholfen haben.

22 Depression als Vokskrankheit

Viele Menschen in Deutschland leiden unter Depressionen. Manchen hilft eine Psychotherapie, aber die meisten werden nach meiner Erfahrung hauptsächlich durch Tabletten ruhig gestellt. Wie es auch bei einer Bekannte von mir geschieht. Sie ist stark christlich orientiert. Deshalb kann ich auch sie mit meinem Heilungsweg nicht erreichen.

Der erstes Schritt zu einer Heilung besteht darin, dass der Leidende die Heilung wirklich will. Bei Depressiven scheitert die Heilung bereits oft daran. Ihre negativen Gedanken zerstören ihren Heilungswillen. Sie finden immer irgendwelche Ausreden, weshalb sie nicht an sich arbeiten können. Entweder glauben sie nicht an die Möglichkeit einer Heilung. Tatsächlich fühlt sich eine schwere Depression so an, als ob man ihr nicht entrinnen kann. Für Unerleuchtete fühlt sich auch die Erleuchtung so an, als ob man persönlich das nicht erreichen könnte. Und trotzdem kann jeder die Erleuchtung verwirklichen, weil jeder die Erleuchtungsnatur in sich hat.

23 Erleuchtung ist das Gegenteil von Depression.

Ein Erleuchteter ist überwiegend glücklich und denkt positiv. Ein Depressiver ist überwiegend unglücklich und denkt negativ. Meine damalige Erkenntnis war, dass auch die Wege gleich sind. Mit den gleichen Techniken, mit denen man zur Erleuchtung kommen kann, kann man sich auch aus einer Depression befreien. Mein eigenes Leben ist ein Beweis dafür.

Aber der Weg ist schwer zu gehen. Ich musste ein halbes Jahr sehr konsequent den spirituellen Weg gehen, bis ich von der Dunkelheit ins Licht kam. Und das, obwohl ich als Depressiver kaum Kraft hatte und sehr durch negative Gedanken belästigt wurde. Mein Vorteil war es, dass ich an den spirituellen Weg glaubte. Ich hatte lange gesucht, viele Erfahrungen gemacht und gründlich über das Leben nachgedacht. Und ich hatte die innere Selbstdisziplin konsequent den Weg meiner Wahrheit zu gehen, auch wenn ich jeden Tag nur einen kleinen Schritt machen konnte. Aber auch mit kleinen Schritten kommt man ans Ziel, wenn die Richtung stimmt.

24 Eine Vision

Ich hoffe, dass ich eines Tages auch meinem Sohn helfen kann. Vor 25 Jahren hatte ich die Vision, dass ich mit meinem Sohn eine Reise machte. Wir beide besuchten einen spirituellen Kongress zur Einheit aller Religionen. Ich saß auf dem Podium und mein Sohn im Publikum. Reisen ist das große Hobby meines Sohnes. Alle paar Jahre findet in den USA ein Kongress vom Weltparlament der Religionen statt. Mein Sohn ist ein USA-Fan. Vielleicht kann ich ihn zu einer gemeinsamen Reise überreden. Und ihn während der Reise vom spirituellen Heilungsweg überzeugen. Und ihm durch meine Glücksenergie einen Anschub für den Start ins Licht verschaffen. Als er 16 Jahre alt war, haben wir bereits eine große gemeinsame Reise gemacht. Wir wanderten zwei Wochen durch die Wildnis Schottlands. Diese Reise begeistert meinen Sohn noch heute. Es wird Zeit für eine zweite Vater-Sohn-Reise. Ich werde sehen, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist.

25 Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Dalai Lama: „Alle Lebewesen bilden eine Einheit. Alle fühlen Freude und Schmerz. Wir sollten uns für ihr Wohlergehen einsetzen, genauso wie wir uns um uns kümmern.“

Nils: Was tust du für das Glück deiner Mitwesen? Was ist deine heutige Tat? Sende allen Licht und das Licht ist mit dir. Denke das Mantra: „Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.“

26 Der Stufenweg

Dalai Lama: „Wer die Stufenfolge des Weges beachtet, legt ein solides Fundament für die Erleuchtung.“

Nils: Im tibetischen Buddhismus wird geraten einem Stufenweg zu folgen. Die erste Stufe ist die Weisheit. Wir denken über uns und das Leben nach. Wir erkennen die Leidhaftigkeit des Leben und wünschen uns davon zu befreien. Die zweite Stufe ist dann die Zuflucht zu Buddha, zum Dharma (Lehre), zur Sangha (Gruppe) und zum persönlichen Meister. Wir verbinden uns jeden Tag mit diesen Zufluchtsobjekten, um uns fest im spirituellen Weg zu verankern. Die dritte Stufe besteht dann in der täglichen spirituellen Praxis. Wir meditieren regelmäßig und arbeiten an unserem Geist. In der vierten Stufe erhalten wir Energieübertragungen. Unsere Chakren und Energiekanäle werden durch bestimmte Techniken durch einen dazu befähigten Meister geöffnet. Dadurch wird unser spirituelles Wachstum intensiviert. Die fünfte Stufe besteht dann darin, dass wir Erleuchtungserfahrungen machen und es üben, die Erleuchtung zu stabilisieren.

Im indischen Yoga gibt es einen ähnlichen Weg. Zuerst reinigen wir unseren Körper durch die täglichen Yogaübungen. Dann arbeiten wir an unserem Geist und visualisieren uns als Gottheit. Wir suchen uns einen Guru und bekommen eine Energieübertragung. Ab jetzt hängt es nur noch von unserer Ausdauer und von der Intensität des Übens ab, wann wir unser Ziel erreichen. https://de.wikipedia.org/wiki/Lamrim

27 Die kranke Gesellschaft

„Corona, Ukraine-Krieg, wirtschaftliche Lage: Die vielen aktuellen Krisen gehen laut einer Studie auch an jungen Deutschen nicht spurlos vorbei. Und das hat Folgen für die psychische Gesundheit. Die aktuellen Kriege und Krisen hinterlassen auch bei jungen Menschen deutliche Spuren. Zu diesem Ergebnis kommen die Jugendforscher Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann, die in Berlin ihre neue Trendstudie „Jugend in Deutschland – Sommer 2022“ vorstellten. Befragt wurden dafür über 1000 junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren. Ganz besonders versetzt Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine die Befragten in Sorge: 68 Prozent beantworteten die entsprechende Frage mit „Ja“. Der Klimawandel, 2021 noch Spitzenreiter, rückt mit 55 Prozent an die zweite Stelle. Auch die Sorgen vor Inflation (46 Prozent), einer sozialen Spaltung der Gesellschaft (40 Prozent) und einer Wirtschaftskrise (39 Prozent) bleiben präsent. Wegen der zuletzt weiter spürbaren Einschränkungen durch Corona-Maßnahmen beklagen die Befragten zudem den Kontrollverlust bei ihrer Alltagsgestaltung, ihren persönlichen Beziehungen und ihrer Bildungs- und Berufslaufbahn.

Stress, Erschöpfung, Depression. Auch die psychische Gesundheit verschlechterte sich den Studienergebnissen zufolge. Fast die Hälfte (45 Prozent) der Befragten gab an, Stress zu erleben. Auf der Liste der häufigsten psychischen Belastungen folgen Antriebslosigkeit (35 Prozent), Erschöpfung und Langeweile (je 32 Prozent) sowie Depression und Niedergeschlagenheit (27 Prozent). 13 Prozent erleben demnach Hilflosigkeit, sieben Prozent sogar Suizidgedanken.Die Forscher sehen die Jugend angesichts der vielfältigen Probleme in einem „Dauerkrisen-Modus“. „Wir haben eine Überlagerung von Krisen und diese Last für junge Menschen, die ist doch sehr groß geworden“, sagt Jugendforscher Schnetzer.

Sein Kollege Hurrelmann ergänzt, dass sich gleichzeitig die Mechanismen zur Krisenbewältigung veränderten: Religion spielt bei jungen Menschen inzwischen kaum noch eine Rolle. Hilfe werden vor allem in sozialen Kontakten wie Familie, Freunde und der sozialen Umgebung gesucht.“
Aus https://www.tagesschau.de/inland/jugend-in-der-krise-101.html

28 Innerer Frieden

Dalai Lama: „Innerer Frieden entsteht, wenn man heilsame und unheilsame Gedanken auseinander halten kann.“ Nils: Was ist heute dein unheilsamer Gedanke? Was ist dein heilsamer Gedanke?

29 Wir sind Teil der menschlichen Gesellschaft

Dalai Lama: „Wir sind Gesellschaftstiere. Ich vergleiche die Menschen gerne mit den Bienen. Die Bienen erzeugen gemeinsam den Honig, wie wir Menschen gemeinsam die Energie der Liebe, des Friedens und des Glücks erzeugen. Manchmal streiten sich die Bienen auch. Aber insgesamt haben sie ein großes Verantwortungsgefühl. Jeder erfüllt seine Rolle im Gesamtsystem. Manchmal habe ich das Gefühl, die Bienen sind weiter als die Menschen.“

30 Wut und Trauer

Lebe deine Wut und deine Trauer. Und dann entspanne dich. Werde eins mit der Natur. Fließe positiv mit dem Leben.

31 Genieße den Tag. Trink Tee.

Juni

1 Die beste spirituelle Praxis

Ein tibetischer Mönch hatte gehört, dass man durch die Praxis des meditativen Gehens zur Erleuchtung kommen kann. Also wanderte er zum Tempel seines erleuchteten Meisters und umrundete Tag für Tag den Tempel. Das machte er einige Jahre. Im Laufe der Zeit wurde er immer friedlicher und glücklicher. Er spürte, dass durch das tägliche Gehen Glückshormone ausgeschüttet wurden. Sie machten seinen Körper gesund und seinen Geist glücklich. Aber zur Erleuchtung gelangte er alleine dadurch nicht.

Da kam plötzlich der alte Meister aus dem Tempel heraus und stellte sich ihm mitten in den Weg. Er erklärte dem Mönch: „Gehen alleine genügt nicht. Du musst auch an deinen Gedanken arbeiten und deinen Geist auf das spirituelle Ziel ausrichten. Dafür ist es hilfreich, wenn du zuerst die buddhistische Lehre grundlegend verstehst und die heiligen Schriften liest. Danach gebe ich dir ein Mantra, das für dich hilfreich ist und die Essenz dieser Schriften darstellt.“

Der Mönch begann jetzt neben seinem täglichen Gehen auch noch einige Stunden in der Tempelbibliothek zu lesen und die buddhistische Lehre zu studieren. Er dachte gründlich darüber nach und gelangte so zu einem immer tieferen Verständnis des spirituellen Weges. Er achtete auf seinen Körper, seine Gedanken, seine Gefühle und seine Umwelt. Auch dadurch wurde er im Laufe der Zeit immer friedlicher und glücklicher.

Eines Tages stellte sich sein Meister ihm wieder in den Weg und rief: „Gehen und Gedankenarbeit alleine genügen nicht. Du brauchst auch ein Mantra, durch das du dich mit der Energie deines erleuchteten Meisters verbindest.“ Der Meister gab dem Mönch das Mantra „Om Mani Padme Hum“. Der Mönch sollte sich dabei mit dem Erleuchtungsbewusstsein seines Meisters verbunden fühlen. Das Wort Mani bedeutet Juwel oder großer Schatz. Der größte Schatz ist das Erleuchtungsbewusstsein. Der Mönch umrundete weiterhin den Tempel, dachte dabei sein Mantra und verband sich mit der Energie seines Meisters. Mit jeder Runde reinigte er sich geistig immer mehr. Er spürte, wie die spirituelle Energie in ihm wuchs.

Da stellte sich sein Meister ihm wieder in den Weg und meinte: „Ein Mantra, das Gehen und die Achtsamkeit auf die Gedanken genügen nicht für die Erleuchtung. Du solltest jeden Tag auch mindestens drei Stunden meditieren.“ Also setzte sich der Mönch nach dem Gehen und dem Lesen in den heiligen Schriften auch noch drei Stunden in den Meditationssitz. Er spürte, wie seine Energie immer mehr zunahm und er innerlich immer glücklicher und friedlicher wurde. Das Meditieren geschah von alleine. Bald meditierte der Mönch nicht nur drei, sondern sechs, sieben und manchmal auch zehn Stunden am Tag. Er schlief weniger und meditierte dafür mehr.

Plötzlich tauchte wieder sein Meister auf und behauptete: „Meditieren, gehen, lesen und die Achtsamkeit auf die Gedanken genügen nicht für die Erleuchtung. Du solltest auch dein Leben dem Glück aller Wesen widmen.“ Ab jetzt verbeugte sich der Mönch vor jedem Wesen, dem er begegnete. Er schickte ihm Licht und wünschte ihm Frieden, Liebe, Glück und Erleuchtung. Dadurch veränderte sich sein Bewusstsein und er brach in eine Dimension des Lichts durch. Er spürte das Licht in sich, um sich herum und in seiner gesamten Umwelt. Angestrengt übte er weiter, um sein Erleuchtungsbewusstsein zu stabilisieren und zu vertiefen.

Da stand plötzlich wieder sein Meister vor ihm und erklärte: „Das angestrengte spirituelle Üben genügt jetzt nicht mehr. Lass alles los und sei einfach der, der du bist. Das erleuchtete Sein ist das Ziel. Du brauchst nichts mehr zu tun, weil du jetzt am Ziel bist.“ Der Mönch ließ alles Üben los und saß einfach nur in seiner Erleuchtungsenergie glücklich da. Durch das Nichtstun (Wu-Wei) verstärkte sich seine spirituelle Energie immer mehr. Das spürten auch die Menschen um ihn herum. Sie kamen zu ihm, um an seiner spirituellen Energie teilzuhaben und sich von ihm auf ihrem spirituellen Weg inspirieren zu lassen. Das machte den Mönch noch glücklicher, weil sich sein inneres Glück mit der Energie der umfassenden Liebe verband. (Frei aus Surya Das, Tibetische Weisheitsgeschichten)

2 Der buddhistische Yogi Naropa
Naropa war ein indischer Prinz. Mit sechzehn heiratete er eine wunderschöne
Prinzessin. Er führte ein Leben in äußerem Reichtum und Wohlstand. Aber
dieses Leben konnte ihn nicht befriedigen. Er sehnte sich nach innerem
Frieden, Glück und Erleuchtung. Deshalb trat er im Alter von 24 Jahren in ein
Kloster ein und wurde Mönch. Da er sehr klug war, brachte er es bis zum Abt
des berühmten buddhistischen Klosters Nalanda.
Aber immer noch war er innerlich nicht zufrieden. Ihm fehlte die Erleuchtung.
Er ging zu einer weisen alten Frau, um sie um Rat zu fragen. Die weise Alte
meinte, dass Wissen alleine nicht für die Erleuchtung genügt. Notwendig sei
es für ihn als abgeschiedener Yogi zu leben und viel zu meditieren. Am
wichtigsten sei es einen erleuchteten Meister zu finden.
Naropa verließ das Kloster und wurde ein Yogi. Er traf den Meister Tilopa.
Aber Tilopa war nicht bereit ihn so einfach in den spirituellen Weg
einzuweihen, ihm seine geheimen Übungen zu zeigen und ihm seine
spirituelle Kraft zu übertragen. Naropa musste zwölf Jahre bei seinem Meister
leben. Im Laufe der Zeit zeigte Tilopa ihm verschiedene spirituelle Techniken,
mit denen er sich innerlich reinigen und seine spirituelle Energie entwickeln
konnte.
Eines Tages konnte Naropa es nicht mehr aushalten und wollte endlich
erleuchtet werden. Er bat Tilopa um Erleuchtung. Aber Tilopa nahm nur seinen
Schuh und schlug ihm damit kräftig auf den Kopf. Durch den Schock konnte
Naropa sein dualistisches Denken loslassen und in das
Erleuchtungsbewusstsein eintreten. Seine Kundalini-Energie erwachte und
Naropa hatte einige Jahre mit heftigen Energieprozessen zu kämpfen. In
seinem Körper schüttelte und zerrte es. Ihm wurde abwechseln warm und kalt.
Mal war er glücklich und mal ging es ihm psychisch schlecht. Der schnelle
Weg zur Erleuchtung kann sehr anstrengend sein. Deshalb wartet der Meister,
bis sein Schüler dazu bereit ist. Und er hilft ihm auch die Energieprozesse gut
zu bewältigen.
Mit Hilfe von sechs Techniken entwickelte Naropa seine spirituellen
Fähigkeiten weiter und gelangte eines Tages in einen Zustand des tiefen
Friedens und des großen Glücks. Er hatte alle äußeren Anhaftungen
losgelassen und verweilte dauerhaft im erleuchteten Sein. Die geheimen
Techniken gab er später an Marpa weiter, der sie zu einer Grundlage des
tibetischen Buddhismus machte.
Die erste Technik nennt sich Tummo. Sie ähnelt der Wärmeübung des
Autogenen Trainings. Durch die Kraft der Vorstellung kann man mit Tummo
große Hitze in seinem Körper erzeugen. Es gibt Bilder von japanischen ZenMönchen, die dampfend in Eiswasser baden. Letztlich geht es bei Tummo
darum, mit Hilfe der Kundalini-Energie den Körper innerlich von
Verspannungen zu reinigen, sie dass er aufnahmefähig wird für starke
Erleuchtungsenergien.
Eine zweite Übung ist der Gottheiten-Yoga. Man visualisiert sich als Gottheit
und erweckt dadurch die Kundalini-Energie. Um nicht an der äußeren Form
festzukleben, löst man alle Formen immer wieder in die Ruhe (Nirwana,
egolose Leerheit) auf. So realisiert man die Einheit von Form und Leere.
Die dritte Technik ist der Traum-Yoga. Man nutzt die Zeit des Schlafens für die
Meditation und die spirituelle Entwicklung. So kommt man spirituell doppelt
so schnell voran. Ein einfacher Weg ist es sich vor dem Einschlafen auf seinen
spirituellen Weg und seine spirituellen Vorbilder zu besinnen.
Dann gibt es noch den Yoga des klaren Lichts, wo man auf das klare Licht der
Erleuchtung meditiert. Mit Phowa überträgt man sein Bewusstsein in das
Paradies Buddha Amitabhas. Und mit dem Yoga des Sterbens lernt man die
Phase des Sterbens (Bardo) für den Weg der Erleuchtung zu nutzen.

3 Der Meister der Zufriedenheit

Longchenpa (1308 bis 1363) war ein Nyingma-Meister und der Begründer der
Traditionslinie des undogmatischen tibetischen Hatha-Yoga. Er schrieb viele
Bücher. Er faßte die vielen Techniken des Gründervaters der Nyingmas
Padmasambhava in einer Lehre zusammen. Er verband den Hatha-Yoga
(Körperübungen), Tantra-Yoga (Arbeit mit sexueller Energie), Karma-Yoga
(Gutes tun), Gottheiten-Yoga (Vorbild-Visualisierung, sich als Buddha sehen)
und Meister-Yoga (tägliches Gebet, Lesen) zu einer Einheit.
Longchenpa betonte das Sein (das Sat-Chid-Ananda, das Leben auf dem
schmalen Grat des optimalen Übens zwischen zu viel und zu wenig tun) und
den Meister-Yoga (die regelmäßige Verbindung mit den erleuchteten
Meistern). Er übertrug seine Lehre in einer Reihe von Visionen dem im 18.
Jahrhundert lebenden Yogi Jigme Lingpa. Einer seiner Enkelschüler war
Patrul Rinpoche, von dem wir wiederum das Wissen erhalten haben (Patrul
Rinpoche, Die Worte meines vollendeten Lehrers, Arbor Verlag 2001).
Longchenpa lebte als freier Yogi. Als spiritueller Meister konnte er seinen
Mitmenschen viel Gutes tun. Er war bei seinem Tod sehr zufrieden mit
seinem Leben: „Es war gut als Yogi zu leben und schnell zur Erleuchtung zu
kommen. Ich war gerne ein spiritueller Meister. Und jetzt freue mich darauf
ins Paradies aufzusteigen und das Glück im Himmel zu genießen.“

4 Meister Chandra beweist die Reinkarnation

Etwa tausend Jahre nach Buddha lebte in Indien der erleuchtete Meister Chandra. Damals gab es viele spirituelle Debatten unter den Gelehrten. Ein atheistischer Pandit bestritt die Lehre von der Wiedergeburt. Er behauptete: „Es gibt keine Wiedergeburt. Der Mensch lebt nur einmal. Und damit stürzt die ganze buddhistische Lehre in sich zusammen. Ohne Reinkarnation keine Karma-Lehre. Und ohne Karma-Lehre kein Buddhismus.“

Meister Chandra entgegnete: „Das Zentrum des Buddhismus ist nicht die Karma-Lehre, sondern der buddhistische Weg zur Erleuchtung. Und wer erleuchtet ist, der erkennt die Wahrheit von der Reinkarnation. Er sieht seine früheren Leben. Und er kann auch sein zukünftiges Leben bestimmen. Das werde ich dir gerne beweisen.“

Der Pandit fragte zweifelnd: „Und wie willst du das beweisen?“ Meister Chandra erklärte: „Ich werde jetzt sterben, meinen Körper verlassen und nach neun Monaten als Sohn des Königs wiedergeboren werden. Damit ihr mich erkennt, lasse ich mir eine rote Perle auf die Stirn tätowieren. Und ihr werdet sehen, dass das Kind meine Gelehrsamkeit besitzt. Körperliche und geistige Merkmale können bei der Reinkarnation übertragen werden. So läßt sich die Reinkarnation beweisen.“

Meister Chandra setzte sich in den Meditationssitz und verließ mit seinem Bewusstsein durch das Scheitelchakra seinen Körper. Er trat bewusst in den Bauch der Königin ein, die gerade schwanger geworden war. Und tatsächlich gebar sie nach neun Monaten einen Sohn. Und dieser Sohn hatte in rotes Muttermal in Form einer Perle auf seiner Stirn. Als ob dieses nicht Beweis genug wäre, zeichnete sich der Königssohn in der Folgezeit durch eine große Gelehrsamkeit aus. Er verkörperte alle Eigenschaften, die bereits Meister Chandra besessen hatte.

Der Pandit konvertierte zum Buddhismus und wurde zum Lehrer des jungen Chandra, der jetzt Chandragomi hieß. Chandragomi wurde zu einem berühmten Philosophie-Professor an der Universität von Nalanda und brachte viele Menschen zum Buddhismus. (Aus Tibetische Weisheitsgeschichten)

5 Der Yogi Milarepa

Milarepa war ein berühmter tibetischer Yogi und Sänger. Er praktizierte jahrzehntelang als abgeschiedener Yogi im Himalaya-Gebirge den Mahamudra-Weg, den er von seinem Meister Marpa gelernt hatte. Mit dem Mahamudra-Weg kann man unter günstigen Bedingungen in einem Leben ein Buddha werden. Der Mahamudra-Weg besteht aus den vorbereitenden Übungen und der Übertragung des Erleuchtungsbewusstseins. Mahamudra bedeutet „Großes Siegel“. Die große Weisheit ist das erleuchtete Einheitsbewusstsein. Die essentielle Anweisung lautet: „Komme einfach im natürlichen Zustand des Geistes zur Ruhe.“ Gelange ins erleuchtete Sein.

Als Milarepa die vollständige Erleuchtung erreicht hatte, erschien er auf der Suche nach seinem Nachfolger dem jungen Arzt Gampopa im Traum. Gampopa sah einen grünen Yogi in einer Höhle im Himalaya, der ihm ein Glas Bier (tibetisch Chang) anbot und ihn aufforderte, zu ihm zu kommen. Milarepa war als grüner Yogi bekannt, weil er sich hauptsächlich von Brennesseln ernährte und seine Haut deshalb eine grünliche Farbe angenommen hatte.

Gampopa machte sich sofort auf die Reise. Er folgte einfach seiner inneren Stimme und fand so nach einiger Zeit die Höhle von Milarepa. Und tatsächlich bot ihm Milarepa ein Glas Chang an. Gampopa lehnte freundlich ab, weil er als Buddhist keine berauschenden Getränke zu sich nehmen durfte. Milarepa lachte und sprach: „Bei mir lernst du den undogmatischen Weg. Da ist alles erlaubt.“ Gampopa trank das Bier. Dabei übertrug ihm Milarepa etwas von seiner Energie und Gampopa gelangte in einen Zustand der Glückseligkeit.

Er beschloss bei Milarepa zu bleiben und sein Schüler zu werden. Zuerst führte Milarepa ihn in die vorbereitenden Stufen des Mahamudra-Weges ein. Gampopa praktizierte den tibetischen Yoga, die sogenannten Niederwerfungen, und reinigte dadurch seinen Körper von den Verspannungen. Er aktivierte mit dem Gottheiten-Yoga seine Chakren und entwickelte seine spirituelle Energie. Er erlernte den Weg der umfassenden Liebe und legte das Bodhisattva-Gelöbnis ab. Danach übertrug ihm Milarepa das Erleuchtungsbewusstsein, indem er einen Fuß auf seinen Kopf legte.

Gampopa erfuhr das Einheitsbewusstsein. Sein Ich-Bewusstsein löste sich auf und er spürte sich als eins mit allem. Er war im Frieden, in der Liebe und im Glück. Aber dieser Zustand hielt nicht dauerhaft an. Deshalb zeigte ihm Milarepa als spirituelle Hauptlehre sein vom vielen Meditieren vernarbtes Hinterteil. „Von nichts kommt nichts. Du musst fleißig immer weiter üben, damit die Erleuchtung immer dauerhafter wird. Bis du in den Zustand des mühelosen erleuchteten Seins kommst. Dann kannst du alles Streben loslassen und dich der Erleuchtung deiner Mitmenschen widmen.“ (Tibetische Weisheitsgeschichten)

6 Der alte Meister sucht sich eine Frau

Da saß der alte Meister nun in seiner kleinen Hütte im Wald und langweilte sich. Viele Jahrzehnte hatte er den spirituelle Pfad beschritten und eine gewisse Stufe der Erleuchtung erreicht. Er hatte viel meditiert, in spirituellen Büchern gelesen, mit Yogaübungen seine Kundalini-Energie erweckt und jeden Tag die Welt gerettet. Eine kleine Schar von Schülern hatte sich um ihn versammelt. Sie fühlte sich von seinen Lehren, seiner Energie und seiner Persönlichkeit angezogen.

Der alte Meister war ein ziemlich verschrobener Typ. Er redete nicht viel. Meistens saß er einfach nur ruhig in seinem Glück da. Aber er konnte auch sehr zornig werden, wenn die Menschen andere Meinungen als er hatte. Er war durchaus etwas intolerant, obwohl er eigentlich die Liebe, die Toleranz und die Freundlichkeit predigte. Er war nicht perfekt. Er hatte einige Fehler. Er selbst sah sich sogar als den mickrigsten Menschen auf der Welt an. Das liebten seine Anhänger so an ihm. Er war so wie sie. Individuell, unperfekt, Außenseiter in der glitzernden Welt des leistungsorientierten Konsumkapitalismus.

Der Meister lehrte es, seiner eigenen Stimme der Wahrheit zu folgen. Jeder durfte den Weg gehen, den er für richtig hielt. Jeder durfte auf seine Art den Buddhismus praktizieren. Das nahm der Meister auch für sich in Anspruch. Doch wie entsetzt waren die Schüler, als der Meister auf die Idee kam, sich noch in seinem hohen Alter eine Frau zu wünschen. Und er hatte genaue Vorstellungen von dieser Frau. Alt sollte sie sein. Spirituell fortgeschritten sollte sie sein. Und hässlich sollte sie sein. Der Meister wollte es üben auch im Hässlichen das Licht der Welt zu erkennen. Er erklärte seinen Schülern, dass für ein liebendes Herz alle Menschen schön sind.

In einer Vision hatte der Meister seine Frau auch schon gesehen. Er schickte seine Schüler los diese Frau zu finden. Die Schüler durchstreiften das ganze Land auf der Suche nach einer alten hässlichen Frau. Da gab es viele. Aber die Frau musste auch spirituell weit entwickelt sein. Die Schüler sollten sie an ihrer starken spirituellen Energie erkennen. Und tatsächlich trafen einige Schüler in einer schmutzigen Hütte in der Abgeschiedenheit der Berge auf eine zahnlose alte Frau mit einer krummen Nase, vielen Warzen und einer faltigen Haut. Die Frau bewarf sie Kuhfladen und wollte die Schüler wegjagen. Aber die Schüler spürten bei ihr eine starke spirituelle Präsenz. Die Frau war sehr kraftvoll und energiegeladen. Sie hatte eine Power wie die Göttin Kali. Sie war eine Verkörperung der Vajrayogini. Auch sie hatte jahrzehntelang auf ihre Art spirituell praktiziert und strahlte eine starke Energie aus.

Das spürten die Schüler und baten die Frau ihren Meister kennenzulernen. „Was soll ich in meinem Alter mit einem Mann,“ rief die Frau. „Ich bin froh, dass ich die Ebene der Dualität überschritten habe. Ich will lieber alleine bleiben.“ Die Schüler konnten die Frau nicht überzeugen. Sie berichteten aber ihrem Meister von dem Ergebnis ihrer Suche. Da machte sich der alte Meister sofort auf den Weg zu der Frau. Und als sich beide in die Augen sahen, war da sofort Liebe. Der Energiefunke sprang über. Ohne ein Wort zu sagen verliebten sich beide ineinander. Sie merkten, dass das Zusammensein beide glücklicher macht, als wenn sie alleine waren. Also zogen sie zusammen und waren glücklich bis an ihr Lebensende.

Die Schüler fragten, ob es nicht besser ist auf dem spirituellen Weg alleine zu leben. Der Meister antwortete: „Am Anfang braucht man auf dem spirituellen Weg viel Ruhe, damit man gut spirituell vorankommt. Aber irgendwann braucht man ein Gegenüber, an dem man spirituell wachsen kann. Im Buddhismus gibt es den tantrischen Weg. Auf diesem Weg kann die spirituelle Energie verstärkt werden, wenn sich ein Mann energetisch mit einer Frau verbindet. Sexualität kann ein Weg ins Licht und ein Weg in die Dunkelheit sein. Man sollte genau spüren, was man braucht und wie der Weg einer Beziehung beide Menschen ins Licht bringt. Eine spirituelle Beziehung ist eine große Herausforderung. Aber gerade an großen Herausforderungen kann man innerlich sehr wachsen.“ (Tibetische Weisheitsgeschichten)

7 Gutes und schlechtes Karma

Eines Tages kam ein sehr reicher Mann zu dem Mahamudra-Meister Gampopa. Er wurde von Gewissensbissen geplagt. Er hatte in seinem Leben viele schlechte Dinge getan. Er hatte den Kapitalismus genutzt um viel Geld anzuhäufen. Er hatte in seinem Geschäftsleben andere Menschen betrogen und sich nicht immer an die Regeln eines ehrsamen Kaufmannes gehalten. Was würde aus ihm nach seinem Tod werden? Der reiche Mann glaubte an ein Leben nach dem Tod. Er vertraute insofern den Aussagen der erleuchteten Meister. Insbesondere glaubte er an das Karma-Gesetz. Wer Schlechtes tut, erntet nach dem Tod und im nächsten Leben die Früchte seines schlechten Karmas. Deshalb wollte er von Gampopa wissen, was er tun könnte, um ein gutes Karma zu erhalten.

Gampopa riet ihm spirituell zu praktizieren und Gutes zu tun. Wer Gutes tut, der löst damit die Folgen des schlechten Karmas auf oder hindert es zumindest an der Entfaltung. Der reiche Kaufmann meditierte ab jetzt jeden Tag drei Stunden und achtete auf seine Gedanken. Er vermied Gedanken der Habgier und des Egoismus. Er bemühte sich um Gedanken der Liebe, der Weisheit und der Großzügigkeit. Jeden Tag begann er mit einem positiven Leitsatz. Jeden Abend dachte er über den Tag und sein Verhalten nach. Er überlegte, was er am nächsten Tag besser machen konnte. Und wie er seinen Geist beständig im positiven Bereich halten konnte. Er stoppte negative Gedanken und dachte Mantren, durch die er sich mit seinem spirituellen Vorbild verband.

Insbesondere ändere er ab jetzt vollständig sein geschäftliches Verhalten. Er war stets ehrlich zu seinen Kunden und gab ihnen eher zu viel als zu wenig. Sein großes Vermögen verwendete er dazu Gutes zu tun. Er ließ kostenlos Essen an die Armen verteilen, gründete ein Meditationszentrum und errichtete einen Tempel zu Ehren Buddhas. Nach einigen Jahren hatte sich sein Geist völlig gewandelt. Er strahlte Liebe, Güte und Frieden aus.

Das erkannte auch sein Meister Gampopa, als der Reiche ihn eines Tages wieder besuchte. Jetzt hatte Gampopa eine neue Lehre für ihn. „Lass alle Gedanken an ein gutes oder schlechtes Karma los. Versenke dich einfach in dein Erleuchtungsbewusstsein. Lebe im erleuchteten Sein. Lass alle Dinge kommen und gehen wie sie wollen. Lass alle Zielstrebigkeit los. Für einen Erleuchteten gibt es nichts mehr zu tun. Er ist am Ziel. Er hat durch sein inneres Glück die Dualität des guten und schlechten Karmas überwunden.“

Der Reiche fühlte sich noch völlig unerleuchtet. Wie sollte er im erleuchteten Sein ruhen? Da zeigte ihm Gampopa eine Übung zur Erweckung seiner Erleuchtungsenergie. Der Reiche sollte sich in der Meditation als Bodhisattva Chenrezig visualisieren und allen Wesen Licht senden. Der Reiche versenkte sich in die Meditation. Gampopa berührte sanft seinen Rücken. Und schon war der Reiche erleuchtet und hatte alles schlechte Karma überwunden. Durch seine jahrelange spirituelle Praxis war er innerlich bereits so gereinigt, dass sich die Erleuchtung in einem Moment entfalten konnte. Alles äußere Geschehen erkannte er als das Spiel seines eigenen Bewusstseins. Durch die Herrschaft über seine Gedanken konnte er bestimmen, welche Gefühle er haben wollte. Er bevorzugte es im Frieden, in der Liebe und im Glück zu leben. Nach seinem Tod stieg er mit einem Mantra ins Paradies Amitabhas auf. Und im nächsten Leben kam er selbst als erleuchteter Meister wieder auf die Welt. (Tibetische Weisheitsgeschichten)

8 Chöd, das Durchschneiden des Egos

Chöd ist eine spirituelle Praxis aus dem tibetischen Buddhismus. Man zerstört mit einem positiven Gedanken sein Ego. Man erkennt den Gedanken, der einen von der Erleuchtung trennt. Ein solcher Gedanke beruht normalerweise auf den drei Geistesgiften Anhaftung (Gier), Ablehnung (Wut) oder Unweisheit (Unklarheit). Wir haften an unserem Körper an und durchtrennen mit einer Visualisierung alle Anhaftung. Wir können uns geistig den Kopf abschneiden oder unseren Körper auf dem Friedhof des Todes verbrennen. Äußerer Chöd ist es, an schrecklichen Orten zu wandern, an denen es Gottheiten und Dämonen gibt. Innerer Chöd ist es, den Gottheiten und Dämonen den eigenen Körper als Nahrung anzubieten. Der ultimative Chöd ist es, die wahre Natur des Geistes zu erkennen und durch die feine Haarsträhne der subtilen Unwissenheit zu zerschneiden.

Der indische Siddha Padampa Sangye kam im 11. Jahrhundert nach Tibet. Er war lang, dünn und hatte eine gebogene Nase wie der Schnabel eines Raubvogels. Man nannte ihn den „Habichtgleichen Guru“. Sein Geist war stark und messerscharf wie das Auge eines Adlers. Mit einigen wenigen Worten konnte er das Ego seiner Mitmenschen zerstören und sie zur Erleuchtung bringen. Einmal traf er auf eine junge Frau, die sehr stolz auf ihre Schönheit war. Er zerstörte ihre Eitelkeit mit einem einzigen Satz aus den Schriften Buddhas. Ein junger Mann war stolz auf seine Kraft. Auch er bekam von dem Habicht-Yogi ein Wort, dass er nie vergaß. Eine alte Frau erinnerte er an die Vergänglichkeit des Lebens: „Nur das innere Glück bleibt bestehen. Sorge dich um das Wesentliche und lass das Unwesentliche los.“

Die meisten Menschen in seinem Dorf hatten zwar bereits etwas vom spirituellen Weg gehört. Aber sie waren zu faul zum spirituellen Üben und hingen an ihren weltlichen Wünschen fest. Ihnen gab er den Satz: „Strengt euch mehr an.“ Das Geheimnis seiner Erleuchtungsfähigkeit lag darin, dass er genau in den Geist jedes Menschen hinsehen, den negativen Gedanken erkennen und den richtigen positiven Gedanken finden konnte. Er verglich die Sicht der Menschen mit seiner Erleuchtungssicht und wusste dadurch sofort, wo die gedankliche Fehlhaltung lag. Ein heilsamer Gedanke beruht immer auf den fünf Grundsätzen Kraft (streng dich an), Weisheit (erkenne was wichtig und was unwichtig ist), Frieden (nimm die Dinge so an wie sie sind), Glück (konzentriere dich auf die Erleuchtung) und Liebe (stelle die Liebe in den Mittelpunkt deines Lebens). Wenn man das bedenkt, kann man schnell zur Erleuchtung kommen, in einem einzigen Augenblick mit einem heilsamen Gedanken.

9 Wie ein Dummkopf zur Erleuchtung kam

Es war einmal ein armer, einfältiger Kuhhirte. Er war so dumm, dass er nichts anderes tun konnte als Kühe zu hüten. Und selbst das überforderte ihn manchmal. Das ganze Dorf ging regelmäßig zu einem erleuchteten Meister, um spirituelle Weisheit zu erlangen. Aber der arme Kuhhirte durfte nicht mitkommen. Die Menschen meinten, dass er zu dumm sei selbst eine einfache Weisheit zu begreifen. Deshalb nannten sie ihn Dummkopf. Dabei waren die Dorfbewohner selbst auch ziemlich dumm. Sie verstanden zwar die Worte des Lama, aber sie waren nicht weise genug, um sie auch konsequent zu praktizieren. So blieben sie ihr Leben lang unerleuchtet, obwohl sie einen wundervollen Lama hatten.

Der Lama merkte, dass sie seine höheren Weisheiten nicht umsetzten konnten. Deshalb gab er ihnen ein einfaches Mantra, damit sie wenigstens halbwegs auf dem spirituellen Weg blieben. Durch das Mantra konnten sie sich mit den Buddhas und Bodhisattvas verbinden. So würden sie Leben für Leben ein kleines Stück auf dem spirituellen Weg ins Licht geführt werden. Die Menschen waren sehr stolz auf ihr Mantra. Sie erklärten dem Dummkopf, dass das Mantra geheim sei und sie es ihm deshalb nicht verraten dürften. Da wurde der Dummkopf sehr traurig. Er würde ewig dumm und unerleuchtet bleiben.

Eines Tages packte er seine Sachen und schlich sich aus dem Dorf. Heimlich machte er sich auf den Weg zu dem Lama. Erst wollten die Schüler ihn nicht in das prachtvolle Haus des Lamas hineinlassen. Aber der Dummkopf war sehr stark und drängte sich gewaltsam durch die Tür. Er wollte sich nicht auch noch von den Schülern des Meisters von seinem Glück abhalten lassen, wo er doch schon den langen Weg hin zum Wohnsitz des Meisters gegangen war.

Der Meister saß im großen Saal prunkvoll auf einem Thron. Um ihn herum knieten die Menschen, um seinen Segen zu bekommen. Der Dummkopf kannte sich mit den zeremoniellen Vorschriften nicht aus. Er ging direkt zum Thron und wollte dem Meister zur Begrüßung die Hand schütteln. Der Meister schrie ihn an: „Dummkopf, was soll das?“ Dabei schlug er mit seiner Gebetskette, um den aufdringlichen Kuhhirten abzuwehren.

Der bedankte sich bei dem Lama, weil er dachte, er hätte jetzt auch ein heiliges Mantra erhalten. Zufrieden wanderte er zurück in sein Dorf und hütete weiterhin die Kühe. Immer wenn jetzt ein unweiser Gedanke in ihm aufstieg, dann dachte sein Mantra „Dummkopf, was soll das“ und schlug sich dabei mit der Hand auf den Kopf. Das praktizierte er so lange und konsequent, dass seine dummen Gedanken eines Tages zur Ruhe kamen. Er versank in eine glückselige Meditation. Seine spirituelle Energie erwachte und in ihm entwickelten sich Heilkräfte. Das bemerkten seine Mitmenschen. Wenn sie eine Krankheit plagte, kamen sie zu ihm. Und er heilte sie mit seinem Mantra. Wenn er sein Mantra dachte und dabei leicht gegen ihren Körper klopfte, übertrug sich seine spirituelle Energie auf sie. Das führte oft zur Heilung. So wurde er langsam immer berühmter.

Auch erleuchtete Menschen können alt und krank werden. Als der Lama älter wurde, erkrankte er schwer und drohte zu sterben. Voller Panik riefen seine Schüler den berühmten Heil-Yogi. Der kam auch sofort angereist, rief immer wieder zu dem Lama „Dummkopf, was soll das?“ und schlug ihn dabei kräftig mit seiner Hand. Der Lama erkannte sofort den Kuhhirten und musste wegen dessen großer Dummheit laut lachen. Wie konnte ein Mensch diese Worte für ein heiliges Mantra halten? Er lachte so sehr, dass seine Krankheit verschwand und das Leben in ihn zurückkehrte.

Aus Dankbarkeit weihte er den dummen Kuhhirten jetzt wirklich in den spirituellen Weg ein. Da er ein großer Dzogchen-Meister war, konnte er dem Kuhhirten direkt das Erleuchtungsbewusstsein übertragen. Immer wenn der dumme Kuhhirte jetzt aus dem Erleuchtungsbewusstsein herzufallen drohte, dachte er nur sein Mantra „Dummkopf, was soll das“. So blieb er immer in der Erleuchtung und wurde selbst ein Lama. Allerdings war er jetzt der dümmste Lama, der den Menschen nur sein einfaches Mantra weitergeben konnte. Aber da es viele dumme Menschen in seinem Land gab, versammelte sich bald eine großer Schülerschaft um ihn. (Tibetische Weisheitsgeschichten)

10 Was bedeutet Zufluchtnahme?

Die Zufluchtnahme ist ein zentraler Begriff im Buddhismus. Manche Menschen behaupten sogar, dass die Zufluchtnahme darüber entscheidet, ob man ein Buddhist ist. Oft wird die Zufluchtnahme jeden Tag als Ritual praktiziert, damit ein Buddhist seinen Weg nicht wieder verliert.

Acht Buddhisten stritten darüber, was Zufluchtnahme genau bedeutet. Der erste Buddhist erklärte: „Ich nehme Zuflucht zu Buddha, damit ich selbst eines Tages ein Buddha werde. Buddha ist mein spirituelles Vorbild. Wenn ich mich jeden Tag mit Buddha verbinde, wachse ich immer mehr zur Erleuchtung.“

„Das ist ja schön und gut,“ meinte der zweite Buddhist, „das Entscheidende am Buddhismus ist aber nicht der Buddha, sondern die Lehre des Buddhas. Nur wenn du die Lehre Buddhas praktizierst, wirst du ein Buddha. Die Lehre besteht aus der täglichen Meditation und der beständigen Achtsamkeit auf die Gedanken, die Gefühle, die Umwelt und den spirituellen Weg. Wir müssen es lernen im inneren Frieden, in der Liebe und in der Wahrheit zu leben. Dadurch erwachen wir und verwirklichen unsere Buddha-Natur.“

Der dritte Buddhist behauptete: „Am wichtigsten ist die buddhistische Gemeinschaft. Die meisten Menschen haben nur wenig Selbstdisziplin. Ohne eine spirituelle Gruppe bleiben nur etwa 20 % der Menschen auf ihrem Weg. Mit einer Gruppe können 90 % dauerhaft ihre spirituelle Praxis bewahren. Der Buddhismus lebt durch seine Sangha. Deshalb wird im Zen die Sangha in den Mittelpunkt gestellt.“

Der vierte Buddhist rief: „Ohne einen lebenden erleuchteten Meister kommt kaum ein Mensch zur Erleuchtung. Erleuchtung bedeutet egoloses Sein. Wer das egolose Sein nicht kennt, kann den Weg dort hin nicht finden. Sein Ego wird seine Erleuchtung immer verhindern, außer es wird durch Zufall, zum Beispiel durch einen Unfall, zerstört. Das wichtigste am spirituellen Weg ist der authentische erleuchtete Meister. Deshalb nimmt man im tibetischen Buddhismus vorwiegend Zuflucht zum spirituellen Lehrer, zum Lama, zum Guru. Man verbindet sich mit der Energie des Lamas und wächst so im Laufe der Zeit in die Erleuchtung hinein. Da der Lama das Ziel kennt, weiß er auch, was der einzelne Schüler braucht, um spirituell voranzukommen. Der spirituelle Meister ist das wichtigste auf dem spirituellen Weg. Deshalb heißt es auch: Ist der Schüler bereit, erscheint der Meister in seinem Leben.“

Der fünfte Buddhist widersprach: „Wir müssen Zuflucht zur Erleuchtung nehmen. Alles andere wird uns nicht vor dem Leid des Lebens beschützen. Nur wer erleuchtet ist, geht glücklich durch den Tod und steigt ins Nirwana auf. Alle anderen Zufluchtnahmen sind Hilfsmittel. Sie können uns mal schaden und mal nützen. Es gibt gute und schlechte Meister. Es gibt gute und schlechte buddhistische Gruppen. Wer die buddhistische Lehre dogmatisch praktiziert, kommt spirituell nicht voran. Genauso ist es mit der Fixierung auf Buddha als Vorbild. Wir brauchen ein gutes Gespür für uns selbst. Nur so können wir erkennen, was uns nützt und was uns schadet. Das Entscheidenden auf dem spirituellen Weg ist die eigene innere Weisheit. Je mehr Weisheit wir besitzen, desto weniger werden wir ein Opfer unseres Egos und des Egos der anderen Menschen.“

Der sechste Buddhist war immer noch nicht zufrieden mit der Debatte: „Das ist alles Ego-Gerede. Ins Licht bringt uns nur die umfassende Liebe. Wer nur für sein eigenes Glück strebt, endet immer im Ego. Es gibt viele scheinbar erleuchtete Menschen, die letztlich doch nur ihr Ego leben. Man erkennt sie daran, dass sie nach Macht, Geld, Sex oder Anerkennung streben. Ein wahrer Erleuchteter zeichnet sich durch Demut, Bescheidenheit und umfassende Liebe aus. Wenn wir es üben allen Wesen mit Liebe zu begegnen, wachsen wir zur Erleuchtung. Wenn wir uns in allen Wesen sehen können, uns mit ihnen identifizieren, brechen wir in ein Einheitsbewusstsein durch. Wenn wir als Bodhisattva leben, dann gelangen wir in die egolose umfassende Erleuchtung. Dafür ist es wichtig regelmäßig zu meditieren und auf unsere Gedanken zu achten, aber entscheidend ist die Praxis der umfassenden Liebe. Entscheidend ist es als Bodhisattva zu leben. Dann bekommen wir Hilfe von allen Buddhas und Bodhisattvas, die je gelebt haben und in Zukunft leben werden.“

Der siebte Buddhist schüttelte den Kopf bei so viel Unweisheit: „Ihr müsst alle Methoden gleichzeitig praktizieren. Das ist der sicherste Weg ins Licht. Alle Methoden ergänzen sich gegenseitig. Wir brauchen Buddha als klare Orientierung. Wir brauchen die Lehre, um spirituell üben zu können. Wir brauchen eine Gruppe, einen Meister und unsere innere Weisheit. Und natürlich brauchen wir die Liebe auf unserem Weg. Ohne die Liebe ist alles nichts und führt ins Nicht. Erleuchtung ohne Liebe bedeutet Versacken im Nirwana. Erleuchtung mit Liebe erfüllt die Welt mit Frieden und Glück.“

Der achte Buddhist lachte über das vergebliche Bemühen seiner Freude: „Ihr denkt alle noch dualistisch. Erkennt eure Welt als Paradies und ihr seid erleuchtet. Alles ist richtig so wie es ist. Erkennt euch selbst als erleuchtet und ihr verwirklicht spontan eure Buddha-Natur. Ihr könnte so viele Methoden praktizieren, wie ihr wollt. Nur wenn ihr das dualistische Denken überschreitet, wacht ihr aus dem Traum des Samsara auf. Ihr seid alle schon erleuchtet. Die Welt ist bereits erleuchtet. Alles ist Licht und das Licht ist in allem. Nehmt Zuflucht zu eurer Buddha-Natur. Das genügt.“

Jetzt waren alle Buddhisten völlig verwirrt. Und das war gut so. Denn das zwang sie zum eigenen Nachdenken. Und so konnten sie ihren eigenen Weg finden und auf ihrem persönlichen Weg in ein Leben im Licht gelangen.

11 Die Essenz aller spirituellen Wege

Atisha war ein berühmter indischer Gelehrter und Yogi. Er lebte im 11. Jahrhundert in Indien und hatte fast alle Religionen, Philosophien und spirituellen Lehrsysteme seiner Zeit studiert. Seine Hauptlehre war der Weg der umfassenden Liebe. Er entwickelte die Tonglen-Technik, bei der man es übt sich mit seinen Mitmenschen zu identifizieren. Man nimmt energetisch ihr Leid auf und sendet ihnen sein Glück. So gelangt man im Laufe der Zeit in ein Einheitsbewusstsein und zur umfassenden Erleuchtung.

Auf seiner Reise nach Tibet traf er den großen tibetischen Weisen Rinchen Zangpo. Rinchen Zangpo zeigte Atisha nicht nur die schönen Landschaften Tibets, sondern auch die vielen spirituellen Traditionen dieses Landes. Atisha war verwirrt von den vielen Gottheiten und Dämonen. Er frage, wie man die vielen tibetischen Lehrsysteme praktizieren soll. Rinchen Zangpo antwortete: „Alle nacheinander.“

Atisha entgegnete: „Jetzt weiß ich, warum ich nach Tibet kommen musste. Ihr huldigt der Vielgötterei. Deshalb gibt es auch so viel Streit unter euch. Am wichtigsten ist es den gemeinsamen Kern aller spirituellen Wege zu begreifen. Was nützt euch euer spirituelles Wissen, wenn ihr die Essenz aller Lehren nicht begreift. Alle Wege müssen geistig verbunden werden, um zum umfassenden Wissen zu gelangen. Ihr müsst alle spirituellen Konzepte übersteigen und in die Dimension jenseits der Dualität vordringen.“

Das übte Rinchen Zangpo zehn Jahre lang und begriff dann die Einheit aller Religionen. Alle Religionen sind nur verschiedene Begriffssysteme, die auf der Erleuchtungserfahrung ihres Gründers beruhen. Und diese Erfahrung läßt sich mit Worten nicht beschreiben. Sie kann nur mit einer egolosen Sicht erfasst werden. Solange religiöser Egoismus besteht, solange man seinen Weg für besser als den Weg der anderen hält, hat man seine Religionen nicht wirklich begriffen.

Der Dalai Lama hat diese Lehre aufgegriffen und vertieft. Er hat die ganze Welt bereist und sich mit vielen unterschiedlichen Religionen beschäftigt. Er kommt zu dem Schluss, dass es nur eine wahre Religion gibt, die Religion der Liebe. Es kommt darauf an, ein gutes Herz zu haben. Das ist das Wesentliche. Wenn man das begreift, dann sind alle Kriege zwischen den Religionen überflüssig. Diskussionen zwischen den Religionen sollten dazu beitragen, den gemeinsamen Kern zu begreifen und alle Teilnehmer ins Licht zu bringen. Das gilt auch für Diskussionen unter Buddhisten. Hier wird oft viel und gerne gestritten. Jeder denkt, dass nur er den Weg der Wahrheit kennt. Solange man das denkt, hängt man noch im dualistischen Denken fest. Es geht nicht darum zu streiten und das Ego zu vergrößern, sondern darum, die Wahrheit zu erforschen und gemeinsam ins Licht zu kommen. Und dafür braucht man vor allem ein gutes Herz und den Willen zu einem harmonischen Miteinander.

Es gibt den interspirituellen Dialog, insbesondere zwischen Christen und Buddhisten. Dieser Dialog beschränkt sich normalerweise darauf sich gegenseitig kennenzulernen. Genauso ist es beim Weltparlament der Religionen. Man darf aber nicht beim Kennenlernen und gemeinsamen Feiern stehen bleiben. Viel besser ist es gemeinsam zur Erleuchtungserfahrung vorzudringen.

12 Wie meditiert man richtig?

Gampopa war ein berühmter Arzt in Tibet. Aber auch ein Arzt ist dem Leid des Lebens unterworfen. Obwohl Gampopa ein sehr guter Arzt war, konnte er nicht seine Frau und seine Kinder heilen, als sie von einer gefährlichen Seuche befallen wurden. Nacheinander starben sie alle und Gampopa war ganz alleine in seinem großen Haus. Gampopa verzweifelte am Leben. Er konnte seine Trauer nicht überwinden. Er gab seinen Beruf als Arzt auf und wurde ein Yogi. Er suchte Zuflucht im Buddhismus. Er hoffte ins Nirwana zu gelangen und sein Leid zu vergessen.

Lange wanderte er in Tibet von Meister zu Meister und erlernte viele spirituelle Techniken. Aber nichts brachte ihn zum Durchbruch in die Erleuchtung. Da erschien ihm in einer Vision der Yogi Milarepa. Gampopa machte sich auf die Suche nach Milarepa und fand ihn in einer abgeschiedenen Höhle im Himalaya. Gampopa suchte sich eine Höhle in der Nähe und meditierte dort jeden Tag viele Stunden intensiv.

Nach einigen Jahren war er sehr weit fortgeschritten. Er berichtete seinem Meister begeistert, dass er sechs Stunden am Stück meditieren konnte. Milarapa fragte erstaunt: „Und was machst du in dieser Zeit?“ Gampopa erklärte mit einem gewissen Stolz: „Ich sitze einfach nur da, stoppe meine Gedanken und denke nichts.“ Milarepa antwortete: „Wie schrecklich. Kein Wunder, dass du spirituell nicht voran kommst.“ Bei der Meditation gibt es zwei große Fallen. Die eine Falle besteht darin, dass die Menschen sich in Tagträume verlieren. Es tauchen unaufhörlich Gedanken auf, die sie an einer tieferen Meditation hindern. Die zweite Falle besteht darin, dass die Menschen mit Kraft ihre Gedanken völlig stoppen. Dadurch wird der innere Reinigungsprozess behindert.

Milarepa erläuterte: „Schon Buddha machte diesen Fehler. Bis er begriff, dass er weder zu angestrengt noch zu locker meditieren darf. Er nannte das den mittleren Weg. Die Gedanken müssen beruhigt werden, damit wir in einen meditativen Zustand kommen. Dafür gibt es verschiedene Methoden wie die Konzentration auf den Atem, auf ein Mantra, auf den Körper, auf ein spirituelles Vorbild oder auf die Natur. Wir können auch einfach nur die Gedanken stoppen. Das Ziel einer Meditation ist es nicht sich innerlich abzutöten und in eine sinnlose Leerheit zu fallen. Das ist ein Missverständnis des Nirwanas. Das Ziel ist es die inneren Verspannungen aufzulösen. Werden die Verspannungen im Körper und im Geist aufgelöst, öffnen sich die Chakren und Energiekanäle. Die Erleuchtungsenergie entfaltet sich von alleine. Der Mensch gelangt in einen Zustand starker Energie. Diese starke spirituelle Energie bewirkt dann immer mehr innere Ruhe, Glück, Liebe, Einheit und Erleuchtung. Die Meditation wird mühelos. Man ruht in der spirituellen Energie und alles entwickelt sich von alleine.“

Gampopa fragte: „Und wie komme ich in diese Erleuchtungsenergie?“ Milarepa erklärte: „Das kannst du nur mit viel innerem Gespür herausfinden. Du musst die Technik finden, die dir am besten hilft. Du musst genau den Grat an innerer Anspannung und Mühelosigkeit erspüren, der die inneren Reinigungsprozesse in Gang bringt und die Energie in dir fließen läßt. Der Hauptweg ist es die Gedanken fließen zu lassen, sie zu beobachten und nicht daran anzuhaften. So kommt alles von alleine zur Ruhe.“

Am besten hat man einen erleuchteten Meister, der die Chakren öffnet und die Erleuchtungsenergie zum Fließen bringt. Man verbindet sich mit seinem Meister, seinem spirituellen Vorbild oder seiner Buddha-Natur, aktiviert dadurch die Kundalini-Energie und kommt dann auf eine natürliche Weise immer mehr in die Meditation. Ich praktiziere normalerweise zu Beginn einer Meditation fünf Minuten eine Kombination aus Mantren, Visualisierungen, Körperhalten und Atemtechniken. So komme ich zur Ruhe und aktiviere meine Erleuchtungsenergie. Dann verweile ich einfach nur längere Zeit in Meditation und alles entwickelt sich von alleine. Ich bin in einem Zustand von Ruhe und Glück und kann dadurch mühelos lange meditieren.

Gampopa befolgte den Rat von Milerapa und gelangte so in kurzer Zeit zur Erleuchtung. Alles Leid der Welt fiel von ihm ab und er ruhte dauerhaft im Glück. Er wurde ein spiritueller Arzt, der seine Mitmenschen allein durch seine Anwesenheit heilte. Alles Handeln floss spontan aus ihm heraus. Er brauchte nur auf innere Urnatur hören. Heilung geschah auf eine natürliche Weise von alleine oder auch nicht, wenn das Karma der Menschen noch nicht reif genug für eine Heilung war. Aber langfristig wird jeder geheilt, wenn er seinem spirituellen Meister treu bleibt.

Wikipedia: „Meditation bezeichnet eine Gruppe von Geistesübungen, die in verschiedenen Traditionen seit Jahrtausenden überliefert sind und seit dem 20. Jahrhundert zunehmend auch in der westlichen Welt in säkularer Weise praktiziert und beforscht werden. Ein wesentliches Element meditativer Techniken ist das bewusste Steuern der Aufmerksamkeit. Das Üben von Meditation soll abhängig vom Kontext der Praxis nachhaltige positive Veränderungen im Denken, Fühlen und Erleben bewirken oder zu spezifischen religiös definierten Einsichten und Zuständen führen. Effekte von Meditationstraining auf Kognition, Affekt, Hirnfunktion, Immunsystem und Epigenetik sowie auf die psychische Gesundheit sind wissenschaftlich belegt.“

13 Muss ein spiritueller Mensch ein Vegetarier sein?

Mutter Meera ist eine große erleuchtete Meisterin. Sie lehrt: „Ich esse das, was mir gut tut. Der Erleuchtung ist es egal, was ein Mensch in seinem Magen hat. Fleischgenuss hindert einen Menschen nicht an der Erleuchtung.“ Der Dalai Lama wollte gerne ein Vegetarier werden. Aber seine Ärzte rieten ihm aus gesundheitlichen Gründen Fleisch zu essen. Buddha war zwar eher ein Vegetarier, aber wenn er bei seinen Bettelgängen Fleisch bekam, hat er es gegessen. Sehr streng ist der indische Meister Satya Sai Baba: „Fleisch essen ist ein Sünde. Fisch essen ist ein Fehler.“ Er folgt der Tradition von Mahatma Gandhi: «Ich glaube, dass geistiger Fortschritt an einem gewissen Punkt von uns verlangt, dass wir aufhören, unsere Mitlebewesen zur Befriedigung unserer körperlichen Verlangen zu töten.» Jesus dagegen hat Fisch und Fleisch gegessen. Im Christentum sind die Vegetarier eher eine Ausnahme.

Es ist in der Spiritualität sehr umstritten, ob man Fleisch essen darf oder nicht. Im Yoga, Christentum und Buddhismus gibt es den Grundsatz nicht zu töten. Es kommt darauf an, wie man diesen Grundsatz auslegt. Im Christentum herrscht eher eine enge Auslegung vor. Christliche Priester segnen im Krieg die Waffen und die Soldaten. Die russischen Priester segnen die russischen Soldaten und die ukrainischen Priester die ukrainischen Soldaten. Und dann töten sich beide Seiten im Namen Gottes. Andererseits hat Jesus gelehrt seine Feinde zu lieben und die andere Wange hinzuhalten, wenn jemand einen auf die eine Wange schlägt. Jesus war eher friedlich und seine Nachfolger sind es oft nicht.

Der Buddhismus ist eher eine gewaltfreie Religion. Die Mongolen wurden durch die Bekehrung zum Buddhismus zu einem friedlichen Volk. Andererseits gibt es das buddhistische Myanmar (Burma), wo das Militär grausam herrscht und viele Muslime getötet hat. Tibet war früher ein buddhistisches Land. Dort gab es viele Diskussionen zwischen den Vegetariern und den Fleischessern. Die Vegetarier beriefen sich auf das Gebot der Gewaltlosigkeit und die Liebe zu allen Wesen. Die Fleischesser erklärten, dass in Tibet überwiegend nur Viehzucht möglich ist und die Menschen Fleisch zum Überleben essen müssen.

Im Hinduismus gibt es viele Vegetarier. Andererseits gibt es auch die Praxis der Tieropfer. Zitat aus dem Deutschlandfunk: „Der Vegetarismus ist tief verankert in Indien – auch religiös. Doch das Essverhalten ist im Wandel. Viele junge Hindus wollen sich den Traditionen nicht mehr beugen. Für die meisten Mitglieder der Mittel- und der Oberklasse ist Fleischgenuss kein Tabu mehr. Dass der überwiegende Teil der indischen Hindus vegetarisch lebt, ist ein Mythos. Nur ein Drittel der Hindus in Indien sind Vegetarier. Der sogenannte „Hinduismus“ umfasst eigentlich verschiedene Religionen, die sich in Schriften, Lehren und Ritualen häufig unterscheiden. Eine Pflicht, vegetarisch zu leben, gibt es in den Hindureligionen nicht. In der Summe jedoch wird Vegetarismus ethisch höher angesiedelt. Denn Tiere zu töten, erzeugt Leid, verunreinigt den Gläubigen und schmälert seine Verbundenheit zum Göttlichen. Dennoch leben wesentlich weniger Hindus vegetarisch als meist angenommen wird. „

„Hinduistische Asketen essen oft genug buchstäblich alles“, sagt der Religionswissenschaftler Professor Frank Neubert von der Universität Bern. „Besonders radikale Asketen-Gruppen scheren sich gar nicht mehr um soziale Konventionen und sie zeigen so, dass sie der gesamten physischen und sozialen Welt entsagt haben. Für sie sind dann auch Diätregeln gänzlich irrelevant und sie ernähren sich zur Erhaltung ihres Körpers von allem, was physisch essbar erscheint.“

Selbst die Götter verlangt es immer wieder nach Fleisch. Einigen Hindu-Gottheiten werden regelmäßig Ziegen, Lämmer, Hühner oder Büffel rituell geopfert. Man schlachtet die Tiere öffentlich in den Tempeln und weiht sie dem Gott oder der Göttin, um die gesegnete Speise dann Gläubigen, Priestern und armen Leuten zum Verzehr zu übergeben. Der spätere Konsum der Opfertiere ist nicht nur erlaubt, sondern er wird sogar zu einer heiligen Handlung erhoben. Die erleuchtete Meisterin Anandamayi Ma hat sich allerdings gegen die Praxis der Tieropferung ausgesprochen.

„Die Inder sind in der „Fleischfrage“ gespalten“, betont Studentin Nirja Patel. „Es reiche von Traditionalisten über Teilzeitvegetarier bis hin zu Fleischliebhabern wie sie selbst. Um des lieben Friedens willen mache sie aber hin und wieder Kompromisse“.

Wie sollen wir als spirituelle Menschen mit dem Fleisch essen umgehen? Aus meiner Sicht sollten wir zuallerst nicht zu dogmatisch sein. Es nützt nichts, wenn wir für Gewaltlosigkeit sind, uns aber wegen dieser Frage gegenseitig umbringen. Jeder darf seinen eigenen Weg gehen. Die Liebe zu allen Wesen verlangt von uns, dass wir auch das Leben der Tiere achten. Zumindest sollten Tiere artgerecht und liebevoll gehalten werden. Aus gesundheitlichen Gründen ist es nicht gut, zu oft Fleisch zu essen. Für die Ernährung der Weltbevölkerung sollte der Fleischverzehr drastisch reduziert werden. Ein Großteil des Getreides geht in die Tierhaltung, obwohl es zur Ernährung der Menschen gebraucht wird.

Man kann sowohl als Fleischesser als auch als Vegetarier zur Erleuchtung gelangen. Historisch sind die Menschen Jäger und Sammler. Sie haben also Fleisch gegessen. Der Ackerbau entstand erst in den letzten zehntausend Jahren. Spirituell gesehen schafft das Töten von Tieren schlechtes Karma, außer wir erheben uns über das Gesetz des Karma. Das geschieht in der Erleuchtung. Wir erheben uns über alle Dogmen und leben in einer Ebene über der materiellen Welt. Gutes und schlechtes Karma berührt uns nicht mehr.

Wenn wir noch nicht erleuchtet sind, sollten wir in unserem Leben viel Gutes tun, möglichst als Bodhisattva (Karma-Yogi) leben, liebevoll mit allen Lebewesen umgehen und jedem Wesen Licht senden, wenn wir für seinen Tod verantwortlich sind. Ich segne jedes Essen, bevor ich es esse. Ein Erleuchteter sieht sich in allen Wesen. Er vermeidet es anderen Wesen zu schaden. Wenn er ein Tier tötet oder es für ihn getötet wird, dann sieht er sich auch in dem Tier. Er stirbt sozusagen mit ihm. Er opfert sein Ego. Viele Indianer in Nordamerika haben sogar Bäume gesegnet, wenn sie sie fällen mussten. Sie sahen sich als eins mit der Natur und ging schonend mit der Natur um. So bewahrten sie ihr Einheitsbewusstsein.

14 Der Dalai Lama und die Ameise

Der Dalai Lama besuchte eine große Friedenskonferenz in Frankreich. Alle redeten über die umfassende Liebe und den Weltfrieden. Wie konnte in dieser schweren Zeit, wo sich die Atommächte gegenseitig mit der totalen Vernichtung bedrohen, Frieden auf der Welt geschaffen werden? Da erblickte der Dalai Lama zu seinen Füßen eine klitzekleine Ameise. Sie hatte sich im großen Saal verlaufen und drohte von den Füßen der Gäste zertrampelt zu werden. Der Dalai Lama beugte sich liebevoll zu der Ameise herunter. Er hob sie zärtlich mit seinen Händen auf und trug sie nach draußen ins Freie. Dort segnete er sie. Glücklich krabbelte die Ameise davon. Sie war gerettet. So geht Weltfrieden. Wir beginnen dort, wo wir gerade sind. Wir helfen dem Wesen, dem wir gerade helfen können. Und wir verbinden diese Hilfe mit einem Mantra, mit dem wir allen Wesen Glück wünschen. Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.

Ich habe heute auch schon eine gute Tat getan. Ich habe eine kleine Spinne in meinem Wohnzimmer entdeckt. Hilflos saß sie auf dem Fußboden und wusste nicht, wie sie diesem für sie lebensfeindlichen Raum entkommen konnte. Ich ergriff sie vorsichtig mit einem Taschentuch, um sie bei der Rettungsaktion nicht zu zerdrücken. Dann trug ich sie nach draußen in die grüne Natur, wo sie ihren Lebensweg auf ihre Art fortsetzen konnte. Ich segnete sie mit einem Mantra. Dadurch wurde mir heute die Einheit der Natur bewusst und eine kleine Ameise brachte mich in die Liebe und ins Glück.

Weltfrieden ist schwer zu erreichen. Es gibt zu viele aggressive Menschen. Wir sollten das tun, was wir können. Wir können uns global für den Frieden einsetzen. Aber meistens können wir als Einzelne global nicht viel bewirken. Die Dinge entwickeln sich, wie sie sich entwickeln wollen. Aber wir können immer an unseren Gedanken arbeiten und Frieden in uns schaffen. Und oft bietet sich in unserem Leben auch die Gelegenheit anderen Wesen zu helfen. Und sei es einer kleinen Ameise. In Wirklichkeit gibt es spirituell gesehen nicht groß und klein. Wir sind alle gleich. Wir sind alle kleine Wesen in einer unermesslich großen Natur. Wir hängen alle energetisch und physisch zusammen. Wir wollen alle leben. Wir streben alle nach Glück und Liebe. Wir möchten alle Leid vermeiden. Wohl dem, der sich in einer Ameise sehen kann.

15 Der Gott der Weisheit

Als ich bereits einige Jahre als abgeschiedener Yogi gelebt hatte, erlangte ich plötzlich die Fähigkeit in der Meditation meine früheren Leben zu sehen. Ich spürte eine große Neugier in mir, was ich in meinen früheren Leben wohl gemacht hatte. In der Meditation konzentrierte ich mich auf die Vergangenheit. An einem bestimmten Punkt auf der Zeitachse spürte ich einen Widerstand. Ich konzentrierte mich auf diesen Energiepunkt. Und plötzlich sah ich mein früheres Leben als christlicher Mönch. Im Spätmittelalter habe ich als Benediktinermönch in einem Kloster in Süddeutschland gelebt. Ich sah mich mit meinen Mitmönchen beim Beten. Ich suchte nach Gott, aber ich konnte ihn nicht finden. Ich wollte ein Heiliger werden und in Gott leben, aber es gelang mir nicht. Irgendetwas hatte ich falsch gemacht. Deshalb wurde ich wiedergeboren.

In diesem Leben setzte ich meine Suche fort. Bereits im Alter von 14 Jahren fragte ich mich intensiv nach dem Sinn des Lebens. Ich beobachtete genau das Leben. Ich dachte über meine Erfahrungen gründlich nach. Schrittweise erlangte ich immer mehr Weisheit.

Im Alter von 30 Jahren traf ich auf den Gott der Weisheit. Im Hinduismus wird er Brahma genannt und im Buddhismus Manjushri. Brahma hat vier Köpfe, mit denen er in alle Richtungen blicken kann. Man kann es so interpretieren, dass er alles weiß. Insbesondere kennt er das erleuchtete Einheitsbewusstsein. In seinen Händen hält er ein Buch, eine Gebetskette, den Wasserkrug eines Yogis und einen Schöpflöffel. Durch das Buch (die Veden) hat er die Weisheit von der Erleuchtung erlangt und praktiziert daraufhin sofort den spirituellen Weg (Manta/Gebetskette, Wasserkrug/als Yogi leben). Mit dem Schöpflöffel schöpft er spirituelle Energie und erschafft sich dadurch sein eigenes Universum des Glücks.

Manjushri besitzt ebenfalls ein Buch (die Lehren Buddhas) und das Schwert der Weisheit, mit dem er alle Unweisheit durch klares Nachdenken zerschlagen kann. Er zerschlägt konsequent alle Anhaftungen an weltliche Genüsse und alle Ablehnung von Leid. So gelangt er zur inneren Ruhe, zum inneren Frieden und zur Erleuchtung. Da er an nichts Äußerem mehr haftet, entfaltet sich sein inneres Glück. Er verbraucht seine Energie nicht mehr im äußeren Leben und kann so seine Erleuchtung bewahren.

Bei mir nahm der Gott der Weisheit die Gestalt des griechischen Philosophen Epikurs an. Ich traf auf ein Buch von Epikur, las es und war begeistert. Ich erkannte sofort, dass Epikur recht hatte. Epikur lehrte es das Glück in sich selbst zu suchen und an seinem Geist zu arbeiten. Das ist das große Geheimnis des spirituellen Weges. Es wird durch die Glücksforschung bestätigt. Das Glück eines Menschen kommt zu 90% aus seiner Psyche und nur zu etwa 10% aus seinen äußeren Umständen. Das kann je nach äußerer Situation natürlich erheblich schwanken. Aber diese Erkenntnis bedeutet, dass wir das Glück vorwiegend in uns selbst suchen müssen, wenn wir glücklich werden wollen.

Und warum bin ich als christlicher Mönch nicht zur Erleuchtung gekommen? Warum konnte ich mein inneres Glück nicht erwecken? Ich hatte mein ganzes Leben dem spirituellen Weg geweiht und intensiv praktiziert. Es lag nicht an den spirituellen Techniken. Damit sind viele Menschen zu Heiligen (Erleuchteten) geworden. Das gilt insbesondere für die christlichen Wüstenväter (christlichen Yogis), die ihre Erfahrungen aufgeschrieben und an uns weitergegeben haben. Mein spirituelles Scheitern als Christ lag daran, dass ich ohne inneres Gespür die spirituellen Rituale einfach nur formal praktiziert hatte. Das geht den meisten Mönchen und Nonnen aller Religionen so. Nur sehr wenige brechen zur Erleuchtung durch.

Man sollte seine Psyche genau kennen. Man sollte genau herausfinden, welche Übungen spirituell gut wirken und einen ins Licht bringen. Ich habe deshalb eine Ausbildung als Psychotherapeut gemacht. Ich habe über viele Jahre hinweg meinen Geist genau beobachtet. Und vor allem habe ich gelernt alle Dogmen der Religionen zu überschreiten. Wer an starren Dogmen festhängt, kann seinen Geist nicht befreien. Gott ist über allen Vorstellungen von Gott. Die Erleuchtung befindet sich in einer Ebene über allen Worten. Sie kann nicht beschrieben, sondern nur erfahren werden.

Ich habe mir aus allen Religionen und psychologischen Theorien das herausgesucht, was für mich effektiv ist. Ich habe viele Jahre in der Abgeschiedenheit als Yogi gelebt, alle Techniken ausprobiert und dabei meinen Geist beobachtet. Und dann fand ich ihn, meinen Weg ins Licht. Er war viel einfacher als gedacht. Ich brauchte keine komplizierten spirituellen Übungen. Ich habe einfach nur meditiert, in den Büchern meiner erleuchteten Meister gelesen, bin spazieren gegangen, haben für das Glück aller Wesen gearbeitet und auch etwas das Leben genossen. Das genügte. Das Geheimnis bestand darin, dass ich mit innerem Gespür jede Tätigkeit auf genau die jeweils richtige Art und in genau der richtigen Länge gemacht habe. Den Weg der Richtigkeit habe ich innerlich erspürt. Und ich habe ein halbes Jahr konsequent jeden Tag 24 Stunden praktiziert. Auch der Schlaf wurde in den Übungsweg einbezogen. Genauso wie das Essen und Fernsehen. So brach ich nach einem halben Jahr zur Erleuchtung durch.

Jetzt braucht ich nur meinen Weg konsequent weiterzugehen, damit sich die Erleuchtung stabilisiert. Es gab viele Reinigungsprozesse. Die Erleuchtung kam und ging. Mein Weg der inneren Reinigung ist lang. Ich bin noch nicht am Ziel. Aber ich weiß genau, wo mein Weg jeweils längs geht. Meine Berufung sehe ich jetzt darin, dieses Wissen weiterzugeben.

16 Das Schwert Manjushris

Der buddhistische Gott der Weisheit heißt Manjushri. Er zeigt uns den Weg zur Erleuchtung. Das Zentrum dieses Weges besteht darin, dass wir uns fest in der Wahrheit und Weisheit verankern. Wir sollten jeden Tag etwas in den Büchern der erleuchteten Meister (Buddha, Dalai Lama, Sai Baba) lesen und über das Leben nachdenken. Wir sollten uns jeden Tag durch ein Mantra oder eine Meditation mit unserem spirituellen Vorbild verbinden. Deshalb hält Manjushri das Buch in seiner linken Hand.

Mit der rechten Hand schwingt er das Flammenschwert der Weisheit. Auf dem spirituellen Weg müssen wir beständig unsere Gedanken und Gefühle beobachten. Wir sollten Eigenschaften wie innerer Frieden, Liebe, Glück und Selbstdisziplin erwerben. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere persönlichen Eigenschaften zusammenhängen. Ein negativer Gedanke führt zu einem negativen Gefühl (Wut, Angst, Trauer, Sucht, Anhaftung oder Ablehnung) und im Laufe der Zeit zu einer negativen Eigenschaft (Verfestigung von negativen Gefühlen). Ein positiver Gedanke führt zu einem positiven Gefühl und zu einer positiven Eigenschaft.

Das Zentrum des Weges der Erleuchtung besteht darin alle unerleuchteten (unheilsamen) Gedanken zu zerschlagen und heilsame Gedanken zu fördern. Zur Überwindung von unheilsamen Gedanken gibt es viele Techniken. Wir sollten unsere Gedanken und Gefühle ständig beobachten. Das ist die Grundtechnik im Buddhismus.

Wir lassen unsere Gedanken und Gefühle kommen und gehen, wie sie wollen, ohne daran anzuhaften. Wir beobachten sie einfach nur mit Gleichmut und lassen sie sich von alleine ausleben. Dann werden die meisten negativen Gedanken nach einiger Zeit verschwinden. So kommen wir zur Ruhe und erlangen inneren Frieden.

Wenn wir ein Gedanke nicht von alleine verschwindet, dann gibt es verschiedene Techniken mit solchen Gedanken umzugehen. Das gilt gerade für große und schwere Probleme. Wir sollten gründlich über unser Problem nachdenken und ein Lösung finden. Das kann eine äußere oder eine innere Lösung sein. Eine innere Lösung entsteht zum Beispiel durch den Gedanken: „Ich nehme die Dinge so an wie sie sind.“ Ist ein Problem gelöst, kehrt im Geist Frieden ein. Gut ist auch mit anderen Menschen über unsere Probleme zu reden. Auch das kann uns innerlich zur Ruhe bringen.

Uns kann auch ein positiver Gedanke helfen. Wir denken über den großen Wert des spirituellen Weges nach. Wir finden etwas, woran wir glauben. Wir denken an einen erleuchteten Meister oder ein spirituelles Vorbild. Wir überlegen uns einen positiven Leitsatz, der uns auf unserem Weg hilft. Wir beschließen als Sieger zu leben. Wir leben für das Ziel ein glücklicher Buddha zu werden. Wir wünschen unseren Mitwesen Glück und Erleuchtung. Wir streben danach bei unserem Tod ins Licht aufzusteigen. Wir wünschen im nächsten Leben ein gutes Karma zu erlangen.

Wir können des weiteren alle negativen Gedanken radikal stoppen. Das geschieht durch einen einfachen Gedankenstopp oder durch eine Meditationstechnik wie ein Mantra, die Atembeobachtung oder die Konzentration auf ein Chakra (Körperteil) oder eine Gottheit (ein spirituelles Vorbild). Wir können auch mit Yogatechniken unsere Kundalini-Energie erwecken. Ich praktiziere dazu eine Kombination aus Visualisierungen, Mantren, Atemtechniken und Körperhaltungen. Natürlich kreativ, undogmatisch und mit innerem Gespür. Ist die spirituelle Energie da, verschwinden alle negativen Gedanken. Es fällt mir dann sehr leicht positiv zu denken.

Was ist das große Geheimnis Manjushris? Wie zerschlägt man seine Gedanken so, dass man dadurch zur Erleuchtung kommt? Zuerst erspüren wir unser momentanes Gefühl. Was ist derzeit unser Problem? Was ist das Gefühl, dass uns am meisten belastet? Ist es Trauer, Wut, Angst oder Sucht? Wo sitzt dieses Gefühl in unserem Körper? Hinter jedem negativen Gefühl steckt ein bestimmter Gedanke. Diesen Gedanken finden wir durch Hinspüren, Nachdenken und Ausprobieren genau heraus.

Haben wir den negativen Gedanken genau identifiziert, fällt es uns meistens leicht einen positiven Gegengedanken zu finden. Je mehr wir an diesen Gegengedanken glauben, desto stärker löst er den negativen Gedanken und damit auch das negative Gefühl auf. Wenn wir langfristig bei unserem negativen Gefühl konsequent unseren positiven Gedanken denken, verschwindet es irgendwann ganz. Ein ganzer innerer Verspannungsbereich (Traumata) löst sich auf. Wenn es sich um ein für uns zentrales Thema handelt, können wir dadurch zur Erleuchtung durchbrechen. Das ist das Schwert Manjushris.

17 Patrul Rinpoche befreit einen Bettler von seiner Sucht

Patrul Rinpoche war ein großer erleuchteter Meister aus dem 19. Jahrhundert. Er wanderte als freier Yogi kreuz und quer durch Tibet. Wo er rastete, sammelte sich in kurzer Zeit eine große Schar von Menschen und wollte seinen Segen. Für die Segnung gaben sie ihm ein Dankesgeschenk, wie es zu der damaligen Zeit üblich war.

Eines Tages weilte Patrul Rinpoche in einem kleinen Dorf inmitten der mächtigen Berge des Himalaya. Um ihn herum hatte sich bereits ein beträchtlicher Berg aus Geschenken angesammelt. Dort gab es viele Gold- und Silbermünzen, Edelsteine und kostbare Götterstatuen. Ein armer Bettler kam vorbei und sah diese vielen schönen Dinge. Damit würde er einige Jahre gut leben können. Ihn ihm entstand eine große Sucht nach Reichtum. Frech trat er vor und bat Patrul Rinpoche um eine große Handvoll Gold.

Normalerweise war Patrul Rinpoche sehr freigiebig. Er gab die Geschenke an seine Anhänger und an arme Menschen großzügig weiter. Aber bei diesem Bettler erwies er sich als sehr geizig. Er gab ihm nur eine einzige kleine Silbermünze unter der Bedingung, dass der Bettler erklärte: „Ich brauche nichts.“ Der Bettler sagte diesen Satz auf und bekam dafür die Münze. Er wunderte sich sehr über das merkwürdige Verhalten von Patrul Rinpoche. Deshalb fragte er nach.

Patrul Rinpoche antwortete: „Ich sehe eine große Gier nach Geld in deinem Geist. Wenn du zur Erleuchtung kommen willst, musst du diese Gier auflösen. Dazu brauchst du einen passenden Satz.“ Der Bettler kam jetzt jeden Tag zu Patrul Rinpoche, spürte in seine Sucht und überlegte sich einen Satz, mit dem er sein Suchtgefühl auflösen konnte. Er brauchte viele Sätze, weil ein bestimmter Satz meistens nach einiger Zeit zur Routine wurde und keine Wirkung mehr hatte. Er entwickelte Sätze wie: „Ich habe genug. Ich will kein Geld mehr. Ich nehme die Dinge an wie sie kommen. Wenn ich nichts erhalte, ist das auch gut. Wichtig ist nur das innere und nicht das äußere Glück. Ich will nichts für mich. Ich lebe im Geben und nicht im Nehmen.“

Zur Belohnung erhielt der Bettler jeden Tag eine Gold- oder Silbermünze und manchmal sogar einen Edelstein oder eine kostbare Statue. Seine Sucht löste sich immer mehr auf. Eines Tages schlug ihm Patrul Rinpoche, statt ihm eine Münze zu geben, einfach kräftig auf den Kopf. Da löste sich alle Sucht auf und der Bettler war frei und erleuchtet. Mit dem Schlag hatte ihm Patrul Rinpoche das kostbarste Geschenk gemacht. Er hatte ihm die Erleuchtungsenergie übertragen. Jetzt brauchte sich der Bettler nicht mehr um sein äußeres Wohlergehen zu sorgen. Die Menschen kamen um ihn zu verehren. Und überhäuften ihn dabei mit soviel Geld, dass er sein Leben lang genug hatte.

18 Der heilige Narr

Drugpa Künleg lebte als freier Yogi in Tibet. Als „heiliger Narr“ (smyon) hat er Eingang in die mündliche Erzählliteratur in Tibet und im Himalaya, insbesondere Bhutan, gefunden. Er behauptete in der Hölle gewesen zu sein. Dort habe er viele dogmatische Mönche getroffen, die die spirituellen Lehren benutzt hätten, um damit andere Menschen geistig zu erschlagen. 

Erleuchtung befindet sich in einer Ebene über allen dualistischen Vorstellungen von Gut und Böse. Sie befindet sich letztlich in einer Ebene über allen Moralvorstellungen. Spirituelle Regeln (die fünf Silas im Buddhismus) wie nicht töten, nicht lügen, nicht nach materiellem Reichtum streben, kein sexueller Missbrauch und keine berauschenden Mittel (Alkohol, Drogen) sind für die meisten Menschen sicherlich hilfreiche Mittel auf dem Weg zur Erleuchtung. Aber es verfangen sich auch viele Menschen in diesen Dogmen und nutzen sie als Weg, um sich über ihre Mitmenschen zu erheben und ihr eigenes Ego zu stärken.

Im Buddhismus gibt es viele Geschichten, in denen ein spirituell Übender gegen spirituelle Regeln verstößt, um dadurch in die Sphäre der Erleuchtung vorzudringen. Es gibt erleuchtete Meister, die Alkohol trinken, es gibt Buddhisten, die Fleisch essen, es gibt Mönche, die im Bordell die Erleuchtung finden, und es gibt heilige Narren, die gegen alle Regeln verstoßen, um in die Ebene der völligen Anhaftungslosigkeit zu gelangen. Einer von diesen heiligen Narren war der berühmte tibetische Meister Drugpa Künleg.

Drugpa Künleg liebte es die buddhistischen Mönche zu provozieren, um sie dadurch zu ihrer eigenen Weisheit und letztlich zur Erleuchtung zu bringen. Einmal trieb er einen Esel in ein Kloster und setzte ihm die Krone eines Lamas auf. Er erklärte den versammelten Mönchen, dass sie wie ein Esel ohne Verstand ihre Mantras singen. Sie würden einen Esel statt Buddha anbeten. Buddha hatte gelehrt selbst nachzudenken und den Weg der eigenen Weisheit zu finden. Die Mönche dagegen würden nur komplizierte Rituale befolgen, die sie in der Tiefe nicht wirklich verstanden hätten. Dadurch würden sie in die Hölle statt in den Himmel (ins buddhistische Paradies, ins Reine Land, ins Nirvana) kommen.

An einem anderen Tag trug er einen Papagei auf seiner Schulter. Er sprach dem Papagei ein Wort vor und der Papagei sprach es nach. Mit diesem Bild zeigte er seinen buddhistischen Mönchen, wie man den spirituellen Weg nicht praktizieren sollte. Man sollte versuchen den tieferen Sinn der Worte Buddhas zu verstehen, nicht am Wortlaut haften und seinen eigenen Weg der Wahrheit finden. Erleuchtung bedeutet Selbstverwirklichung. Man verwirklicht sich nicht selbst, wenn man ohne inneres Gespür den Regeln anderer Menschen folgt. Man verwirklicht sich nur dann selbst, wenn man genau seinen eigenen Weg der Wahrheit geht.

Dieser Weg der Wahrheit war es für Drugpa Künleg als freier Yogi zu leben, viel spirituell zu praktizieren, aber auch das äußere Leben zu genießen. Er liebte Wein, Weib und Gesang, wie es früher bei uns hieß. Die 68iger sprachen eher von Sex, Drugs and Rock’n Roll. Drugpa Künleg ließ sich gerne zu einem Bier (tibetisch Dschang) einladen. Er sang anzügliche Lieder und liebte die Frauen. Einmal hatte er Sex mit einer Nonne, die daraufhin ein Kind bekam. Ihre Äbtissin nahm das locker und meinte: „Das wird bestimmt einmal ein Buddha.“  

Drugpa Künleg stellte die Lehre von den drei Vergnügen auf:

Eine junge Frau findet Vergnügen an der Liebe.

Ein junger Mann findet Vergnügen am Sex.

Ein alter Mann findet Vergnügen an seinen Erinnerungen.

Wer die Wahrheit nicht kennt, der ist verwirrt.

Wer keine Ziele hat, erbringt keine Opfer.

Wer keinen Mut hat, wird kein Yogi.

Das ist die Lehre von den drei fehlenden Dingen.

Auch wenn ein Mensch den Weg der Weisheit kennt,

ohne zu praktizieren, erfolgt keine Verwirklichung.

Auch wenn ein Meister dir den Weg zeigt,

gehen musst du ihn selbst.

Das Leben ist mein Lehrmeister

und meine innere Weisheit ist mein Führer.“

Wie finden wir den Weg unserer Wahrheit? Wir müssen genau in unsere Motivation hineinspüren. Wenn wir andere Menschen spirituell belehren wollen, warum tun wir es? Tun wir es um unser Ego zu stärken, um unsere Aggressionen auszuleben, um recht zu haben? Oder tun wir es, um für den anderen Menschen hilfreich zu sein und ihm zu helfen sein inneres Glück zu verwirklichen? Tun wir es aus Liebe oder in Wirklichkeit aus Egoismus? Reden oder schreiben wir freundlich, liebevoll und sanftmütig? Oder triefen unsere Worte von Beleidigungen und Aggressivität? Buddha lehrte den Weg der rechten Rede. Der Dalai Lama meinte, dass das Wichtigste ein gutes Herz sei. Jesus erklärte, dass die Sanftmütigen selig werden. Laotse schrieb: „Zu den Guten bin gut und zu den Bösen bin ich auch gut, denn ich bin die Güte.“ So geht der Weg der Erleuchtung.

19 Der dümmste Mönch

Es waren einmal zwei Brüder. Sie lebten zur Zeit Buddhas in Indien. Als sie eines schönen Tages auf Buddha trafen, waren sie sofort begeistert und traten dem Mönchsorden bei. Soweit so gut. Nur waren die Brüder sehr unterschiedlich. Der eine war sehr klug und war bei den Mitmönchen sehr anerkannt. Der andere Bruder war sehr dumm. Er konnte weder lesen noch schreiben. Wenn jemand ihm etwas sagte, dann vergaß er es sofort. Die vielen klugen Lehrreden Buddhas waren ihm ein Rätsel. Er konnte den Sinn dahinter nicht verstehen. Er wirkte wie fehl am Platz im Orden. Die Mönche konnten nicht wirklich etwas mit ihm anfangen.

So saß er eines Tages traurig auf seinem Platz im Orangenhain, als Buddha vorbeikam. Buddha hatte Mitleid mit dem dümmsten seiner Mönche. Er überlegte, wie er ihn spirituell voranbringen konnte. Buddha gab dem dummen Mönch eine einfache Aufgabe. Er ließ ihn jeden Tag von morgens bis abends den Platz fegen und die Schuhe der Mönche putzen. Dabei sollte der Mönch das Mantra sagen: „Entferne den Staub. Entferne den Schmutz.“ Dieses Mantra konnte der Mönch sich gerade noch merken.

Also begann er tagaus tagein den Platz mit einem Besen zu fegen und die Schuhe der Mönche zu putzen. Das praktizierte er neun Monate lang. Dann begann er über sein Mantra nachzudenken. Er fragte sich, ob Buddha mit dem Mantra den äußeren Staub meinte oder die inneren Unreinheit in seinem Geist. Er kam zu dem Ergebnis, dass die innere Reinheit wichtiger ist als die äußere Reinheit. Also konzentrierte er sich vor allem auf die innere Reinheit. Wenn ihm Gedanken der Anhaftung an weltliche Dinge kamen, dann setzte er sein Mantra gegen diese Gedanken ein. Wenn er mit seinem Leben unzufrieden war und Dinge ablehnte, die in sein Leben traten, dann sprach er sein Mantra und sein Geist wurde klar.

Insbesondere hatte er schon nach kurzer Zeit kein Lust mehr den Fußboden zu fegen und die Drecksarbeit für die anderen Mönche zu erledigen. Alle lernten die heiligen Worte Buddhas, meditierten und lustwandelten. Und der dumme Mönch musste immer nur den Fußboden fegen. Der Mönch wurde im Laufe der Zeit immer unzufriedener mit seiner Situation. Das war eine große Herausforderung für seinen Geist.

Eines Tages kam Buddha wieder vorbei und bestätigte den Mönch: „Der Staub ist das Anhaften an den weltlichen Genüssen. Ein Weiser macht seinen Geist frei von der Anhaftung an die Welt. Der Schmutz ist die Wut, die Ablehnung, die im Geist eines Unweisen oft aufsteigt. Ein Weiser nimmt die Dinge so an, wie sie sind. Ein Weiser konzentriert sich auf das erleuchtete Sein und die Liebe zu seinen Mitwesen. Ein Weiser konzentriert sich darauf ein Buddha zu sein und sich wie ein Buddha zu verhalten.“

Bei diesen Worten Buddhas wurde der Geist des dummen Mönches plötzlich frei. Er erwachte für eine kurze Zeit in das reine Sein im Hier und Jetzt. Er hatte den Sinn seines Mantras verstanden. Er praktizierte seinen einfachen Weg noch einige Jahre, bis seine Erleuchtung stabil war. Dann beauftragte ihn Buddha in die Welt hinauszugehen und allen Menschen spirituell zu helfen, die genauso dumm waren wie der Mönch. Diese Menschen konnte er mit seinen einfachen Worten erreichen und ins Licht führen. Aus der Klarheit seines Erleuchtungsbewusstseins konnte er genau erkennen, was die Menschen jeweils brauchten, um spirituell voran zu kommen.

Diese Geschichte stammt aus dem Buch „Tibetische Weisheitsgeschichten“. Eine ähnliche Geschichte erhielt ich vor vielen Jahren von meinem Meister Mantak Chia. Die Geschichte handelt von einer westlichen Frau, die nach Tibet reiste, um dort eine Nonne zu werden. Der oberste Lama des Klosters erkannte, wie verspannt der Geist der Nonne war. Er gab ihr deshalb die Aufgabe die Wege des Klosters zu fegen. Das tat sie drei Jahre jeden Tag. Dadurch erdete sie sich immer mehr und wurde immer ruhiger. Aber leider hatte sie nach drei Jahren keine Lust mehr immer nur den Fußboden zu fegen. Sie verließ das Kloster und ging zu einem anderen buddhistischen Kloster. Aber auch dort bekam sie die Aufgabe den Fußboden zu fegen. An den höheren Belehrungen durfte sie nicht teilnehmen.

Bereits nach einem Jahr hatte sie die Nase voll und gab ihr Leben als Nonne auf. Sie reiste zurück in den Westen, wo sie auf Meister Mantak Chia traf. Er erkannte, dass sie durch ihre vier Jahre als Nonne innerlich bereits sehr gereinigt war. Er zeigt ihr eine einfache Technik, mit der die Kundalini-Energie aktiviert werden konnte. Diese Technik nennt sich den kleinen Energiekreislauf. Mit dieser Technik gelangte die ehemalige Nonne dann sehr schnell zum inneren Frieden, ins Glück und zur Erleuchtung.

Ich habe sogar noch eine dritte Geschichte. Bei meiner Yogalehrer-Ausbildung in Kanada bekam jeder Teilnehmer eine Karmayoga-Aufgabe. Ich durfte einfache handwerkliche Dinge tun. Eine Frau musste jeden Tag die Klos putzen. Sie haderte sehr mit dieser Aufgabe, statt sie als Chance zu sehen an ihrem Geist zu arbeiten. Hätte sie ein Mantra gedacht und positives Denken praktiziert, dann hätte das Putzen für sie ein Weg zur Erleuchtung sein können. Ich dagegen trat beim Spazierengehen in einen Haufen Hundescheiße, erkannte mich als ein Stück Scheiße und war im Glück. Durch ein Stück Scheiße erwachte meine Kundalini-Energie. Dazu gibt es auch den Ausspruch eines Zen-Meisters: „Was ist Erleuchtung? Scheiße am Stock.“ Wenn man sich in allem sehen kann, erwacht man zum wahren Sein.

20 Yogi Nils: Mein Leben, meine Lehre

Wie kann ich mein Leben, meine Erfahrungen und meine Lehre in wenigen Worten zusammenfassen? Kurz gesagt: Lebe erleuchtet. Erleuchtung ist der tiefere Sinn des Lebens. Ein nichterleuchtetes Leben ist ein vergeudetes Leben. Wenn du erleuchtet bist, kann du alles tun was du willst. Am besten widmest du dann dein Leben der Erleuchtung deiner Mitmenschen. Darauf weisen uns die großen Vorbilder wie Buddha, Krishna, Jesus, Sokrates und Laotse hin.

Wenn du nicht erleuchtet bist, wird es schwierig. Dann musst du deinen Weg der Erleuchtung finden. Dann solltest du so leben, dass du jeden Tag ein Stück zur Erleuchtung wächst. Was bedeutet Erleuchtung? Erleuchtung bedeutet innerer Frieden, Glück, Kraft, Liebe und Einheitsbewusstsein. Wir sehen uns nicht getrennt von der Welt, sondern als Teil der Welt. Wir sind eins mit der Natur, mit allem und mit uns selbst. Das ist das Ziel. Und was ist der Weg? Der Weg ist sehr unterschiedlich, sehr individuell. Zuerst lernt man von den Erleuchteten der Welt. Dann findet man seinen eigenen Weg. Und dann praktiziert man konsequent bis zum Ziel. Wer konsequent in der Wahrheit und der Liebe lebt, erreicht eines Tages das Ziel. Das ist sicher. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Mein Weg besteht aus fünf Techniken: 1. Besinne dich jeden Tag spirituell. Richte deinen Geist auf die Erleuchtung aus. Orientiere dich an einem spirituellen Vorbild wie Buddha, Jesus oder Krishna. Verbinde dich geistig mit einem realen erleuchteten Meister. Lies in einem spirituellen Buch. Denke ein Mantra. Beginne den Tag mit einem spirituellen Gedanken. Achte den ganzen Tag auf deine Gedanken und Gefühle. Mein täglicher spiritueller Satz ist ganz einfach: „Ich gehe den spirituellen Weg. Heute ….“ Ich füge dann etwas ein, was ich auf meinem Weg gerade brauche.

2. Meditiere jeden Tag. Du kannst im Sitzen, im Liegen oder im Gehen meditieren. Du kannst Yoga machen, beten oder spirituelle Lieder singen. Du kannst dich als Göttin, Buddha oder Bettler (als Nichts) visualisieren. Du kannst mit geschickten Mitteln deine Kundalini-Energie (Erleuchtungsenergie) aktivieren. Du kannst drei Minuten, dreißig Minuten oder drei Stunden meditieren. Aber meditiere. Ein Buddha lebt dauerhaft in der Meditation. Er verbindet Meditation und Leben im Alltag. Ohne Meditation gibt es kein Leben in der Erleuchtung.

3. Gehe spazieren. Treibe Sport. Praktiziere Yoga, Chi Gong, Karate oder einen anderen Sport. Sport hält den Körper gesund und gibt dem Geist Kraft. Der Hauptweg Buddhas zur Erleuchtung war es im ständigen Wechsel zu gehen und zu meditieren. Ich gehe dreimal am Tag in der Natur spazieren. Ich gehe schnell oder langsam, wie ich es gerade brauche. Durch schnelles Gehen löst man inneren Stress. Durch langsames Gehen kommt man zur Ruhe und kann die Natur genießen. Ich verbinde das tägliche Gehen mit spirituellen Übungen (Mantra, Visualisierungen, Atemtechniken).

4. Lebe in der Liebe. Öffne dein Herzchakra. Tue dir etwas Gutes. Tue deine Mitmenschen etwas Gutes. Denken das Mantra: „Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben. Möge es eine Welt des Friedens, der Liebe, des Glücks und der Weisheit geben.“ Denke dieses Mantra so oft, bis du in die Liebe kommst. Sende deine Mitmenschen Licht und Liebe. Vergebe deinen Feinden. Was ist heute deine gute Tat für das Glück und die Erleuchtung deiner Mitmenschen?

5. Lebe glücklich. Was musst du heute tun, damit in dir Glück entsteht? Der Hauptweg zum inneren Glück ist das positive Denken. Es gibt viele Wege des positiven Denkens. Wichtig ist es positives Denken mit Weisheit zu verbinden. Wir verdrängen nicht unsere Probleme, sondern lösen sie. Wir verdrängen nicht unsere Gefühle, sondern leben sie. Wir leben so, dass negative Gefühle wie Wut, Angst, Sucht und Trauer heilen. Wir fördern positive Gefühle durch positive Gedanken und positive Handlungen. Wir tun etwas, was uns Spaß bringt. Wir hören schöne Musik, sehen einen schönen Film oder essen etwas Schönes. Wir treffen nette Menschen und feiern das Leben. Was ist die Essenz des glücklichen Lebens? Erstaunlicherweise die Demut, die Bescheidenheit und die Genügsamkeit in äußeren Dingen. Auf dieser Basis kann sich am besten ein glückliches Leben entwickeln. Wir leben äußerlich einfach und innerlich reich. Das ist die Essenz des spirituellen Weges.

21 Die drei Wünsche

Was würdest du dir wünschen, wenn du drei Wünsche frei hättest? Dorje war ein armer tibetischer Bauer. Er lebte mit seiner Frau Pemala ein einfaches Leben auf dem Land. Er hatte eine kleine Hütte, einige Yaks (Schafe) und ein steiniges Weizenfeld. Er lebte in der schönen tibetischen Gebirgslandschaft, aber seine Frau war leider sehr streitsüchtig. Sie hatte immer etwas an ihm zu kritisieren. Er dagegen war sehr faul und konnte sich kaum aufraffen, das notwendige Geld zum Leben zu verdienen. So machten sie sich beide gegenseitig das Leben schwer.

Andererseits war Dorje sehr gläubig. Er glaubte an Buddha und die vielen Gottheiten, die es im tibetischen Buddhismus gibt. Jeden Tag betete er vor seinem Hausaltar zur Göttin Tara. Eines Tages wurden seine Gebete belohnt. In einer Vision erschien ihm die Göttin Tara. Sie erklärte ihm, dass er drei Wünsche frei hätte.

Aufgeregt rannte er zu seiner Frau und berichtete ihr von dem glücklichen Ereignis. Aber Pemala glaubte nicht an die Vision und lachte ihn aus: „Dann wünsche dir doch eine schönere Nase.“ In der Tat hatte Dorje eine sehr dicke und hässliche Nase. Die Menschen im Dorf nannten ihn deshalb Kartoffelnase, weil seine Nase wie eine dicke Kartoffel aussah. Pemala litt sehr unter dem hässlichen Aussehen ihres Mannes. Sie wünschte sich einen schönen Mann. Insofern war dieser Wunsch durchaus berechtigt.

Aber Dorje war darüber sehr beleidigt. Sie hatte seinen wunden Punkt getroffen. Wütend entgegnete er: „Ich wünsche, dass du auch so eine dicke und hässliche Nase wie ich hast. Dann kannst du nachempfinden, wie es mir mit meiner Kartoffelnase ergeht!“ Und tatsächlich wuchs Pemala sofort eine Kartoffelnase. Darüber war sie vollständig entsetzt. Sie hätte sich jetzt freuen können, dass ihr Mann Dorje tatsächlich Wünsche erfüllen könnte. Sie hätte den Segen in der Situation erkennen können. So hätte sie jetzt sich mit klarem Verstand zwei wirklich gute Wünsche überlegen können. Sie hätte sich viel Geld, andauernde Gesundheit oder ein Kind wünschen können. Danach sehnte sie sich eigentlich schon lange. Dorje hätte sich die Erleuchtung wünschen können oder wenigstens, dass seine Frau in Zukunft immer glücklich ist.

Stattdessen fixierte sich Pemala nur auf ihre Kartoffelnase und befahl ihrem Mann: „Wünsche sofort meine Nase weg.“ Da Dorje etwas dumm und gewohnt war, seiner Frau auf das Wort zu folgen, erfüllte er ihr sofort ihren Wunsch. Jetzt hatte sie gar keine Nase mehr, was ihr auch nicht gefiel. Statt einer Nase war ein großes Loch in ihrem Kopf. Darüber war sie noch mehr entsetzt als über ihre Kartoffelnase. Sie verlangte von ihrem Mann: „Ich möchte wieder normal wie vorher aussehen.“ Auch diesen Wunsch erfüllte ihr Dorje. Doch leider waren jetzt alle drei Wünsche verbraucht und seine jahrelange Gebetspraxis war vergebens.

Oder war sie doch nicht vergebens? Dieses ist ein tibetisches Märchen. Vielleicht hat es einen tieferen Hintergrund? Die dicke Nase können wir als die Technik der Meditation auf die Nase begreifen. In der Nase verbinden sich wichtige Energiekanäle. Durch die Konzentration auf die Nase können diese Energiekanäle geöffnet werden. Die Erleuchtungsenergie kann sich entwickeln, wenn er oft genug auf seine Nase meditiert.

Tatsächlich gibt es im Buddhismus die Atembetrachtung. Man meditiert dabei auf den Atem in der Nase oder im Bauch. Im indischen Yoga gibt es die Wechselatmung, bei der man abwechselnd das linke und das rechte Nasenloch zudrückt. Dadurch wird der rechte und der linke Energiekanal im Körper (Idala und Pingala) aktiviert, was zur Erweckung der Kundalini-Energie führen kann.

Wenn man dank einer Atemmeditation voller spiritueller Energie ist, dann spürt man Frieden und Glück in sich. Jetzt fehlt zur Erleuchtung nur noch das Bewusstsein der Leerheit. Man muss sein Ego überwinden, sich selbst und alle Dinge als leer erkennen. Nichts hat eine eigene Identität. Man ist Einheitsbewusstsein, Ichlosigkeit, Ruhe und Glück. Man ist Licht und sieht das Licht in allem. Das geschieht durch die Erkenntnis der Leerheit aller Dinge, die im tibetischen Buddhismus viel geübt wird. Erst visualisiert man sich als Buddha oder als Göttin und erweckt dadurch die Erleuchtungsenergie in sich. Und dann bringt man seinen Geist völlig zur Ruhe, löst alle Anhaftungen auf, erkennt alles als leer und tritt in die Egolosigkeit ein.

In der dritten Stufe strebt man dann danach wieder völlig normal zu werden. Man verhält sich als Erleuchteter völlig normal. Man ist innerlich glücklich, ohne Ego, aber äußerlich normal. Man bleibt auch als Erleuchteter bescheiden und demütig. Man tritt nicht als großer erleuchteter Meister auf. Man bleibt unauffällig und vermeidet dadurch den spirituellen Stolz, der einen an der weiteren spirituellen Entwicklung hindern kann. Im Buddhismus heißt es deshalb: „Vor der Erleuchtung Holz hacken und Wasser tragen. Nach der Erleuchtung Holz hacken und Wasser tragen.“

Dorje und seine Frau Pemala haben in Wirklichkeit die drei Stufen der Erleuchtung durchlaufen. Sie wurden von der Göttin Tara mit der Erleuchtung gesegnet. Ihr langjähriger spiritueller Weg wurde von Erfolg gekrönt. Sie habe durch eine Atemmeditation ihre Erleuchtungsenergie aktiviert. Dann haben sie ihr Ego aufgelöst. Und wurden sie wieder völlig normal. Sie lebten ein ganz normales Leben, nur ohne Ego, dafür dauerhaft in der Liebe, im Frieden und im Glück.

22 Mit Buddha verbinden

Es lebte einmal in Indien eine alte Frau, die war eine große Verehrerin Buddhas. Als ihr Sohn eines Tages nach Bodhgaya, dem Ort der Erleuchtung Buddhas, reiste, bat sie ihn eine Reliquie von Buddha mitzubringen. Bodhgaya ist heutzutage ein großes Pilgerzentrum für alle Buddhisten. Es gibt dort noch den Bodhibaum, einen Ableger des Baumes, unter dem Buddha seine Erleuchtung fand. Deshalb heißt dieser Baum übersetzt der Erleuchtungsbaum.

Als der Sohn seine Gebete im großen Mahabodhi-Tempel vor der Statue des Buddhas mit der Königskobra verrichtet hatte, fiel ihm plötzlich ein, dass er seiner alten Mutter etwas mitbringen sollte. Er kaufte eine kleine Buddhastatue. Aber das schien ihm nicht auszureichen. Seine Mutter hatte ausdrücklich eine Reliquie als Mitbringsel gewünscht. Wo sollte der Sohn eine Reliquie herbekommen? So etwas gab es nicht zu kaufen. Also brach der Sohn einen kleinen Zweig vom Bodhibaum ab, als die Wärter gerade nicht hinsahen.

Die alte Mutter freute sich riesig über das Geschenk. Sie pflanzte den kleinen Zweig in ihrem Garten ein, stellte davor die Buddhastatue auf und begann jeden Tag an ihrem heiligen Ort zu meditieren. Sie glaubte fest daran, dass durch den Zweig noch die heilige Energie Buddhas fließt und sie durch die Statue persönlich mit Buddha verbunden ist. Jeden Tag rezitierte sie Mantren vor der Statue und meditierte in der Gegenwart Buddhas. Im Laufe der Zeit nahm die spirituelle Energie an diesem Ort immer mehr zu. Das spürten auch die Nachbarn. Immer mehr Menschen kamen, um an diesem heiligen Ort zu beten und um die Erfüllung ihrer Wünsche zu bitten.

Als die alte Frau starb, hatte sie ein Lächeln um ihrem Mund. Es erschienen Regenbogenlichter, die andeuteten, dass die alte Frau nach ihrem Tod ins Nirwana, ins buddhistische Paradies, aufgestiegen war. Ihr Glaube verbunden mit ihrer täglichen spirituellen Praxis, hatte sie zur Erleuchtung gebracht. Ihre Verehrung Buddhas hatte sie selbst zu einem Buddha gemacht. Wie es bereits der Dalai Lama sagte: „Wer auf Buddha meditiert, wird ein Buddha.“

Es gibt zwei Möglichkeiten sich mit Buddha zu verbinden. Wir können glauben, dass die Energie Buddhas noch existiert und durch seine Statuen, Bilder und Bücher zu uns kommt. Buddha führt uns durch unser Unterbewusstsein dahin ein Buddha zu werden. Das ist der Weg des Guru-Yoga. Wer sich mit mit einem erleuchteten Meister verbindet, der wird durch den Meister ins Licht geführt.

Es gibt im Buddhismus aber auch den Weg der Selbsterleuchtung. Wir nehmen uns Buddha als Vorbild und bemühen uns selbst ein Buddha zu werden. Wir verhalten uns wie ein Buddha, meditieren regelmäßig und üben die Eigenschaften innerer Frieden, Liebe, Glück und Weisheit. Wir achten auf unsere Gedanken und Gefühle und gehen achtsam durch unser Leben. Wenn wir intensiv genug üben, wird sich unser Erleuchtungsbewusstsein entfalten, weil jeder von uns eine Erleuchtungs-Natur besitzt, die nur freigelegt werden muss.

Ich persönlich bevorzuge es beide Wege zu gehen. Ich verbinde mich jeden Tag mit meinen erleuchteten Meistern. Ich lese in ihren Schriften und bitte sie um Führung und Hilfe für den Tag. Und gleichzeitig mache ich jeden Tag meine spirituellen Übungen und verwandele mich dadurch selbst in einen Buddha. Das wird vermutlich noch einige Leben dauern. Aber auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Wenn die Richtung stimmt, kommt man eines Tages am Ziel an.

23 Stufen der Geh-Meditation (auf dem Weg ins Glück)

Heute dachte ich beim Spazierengehen über den Weg der buddhistischen Meditation nach. Die buddhistische Meditation verbindet die Konzentration auf den Atem mit der Achtsamkeit auf den Körper, den Geist, die Gedanken und die Gefühle. Aus meiner Sicht reinigt die Konzentration auf den Atem den Menschen von seinen inneren Verspannungen. Sie verstärkt die Energie im Körper.

Ich praktiziere normalerweise beim Gehen die Feueratmung. Ich atme schnell und gehe allen inneren Stress heraus. Dadurch reinige ich meinen Körper und meinen Geist schnell von inneren Verspannungen und lade mich mit spiritueller Energie auf. Zuerst bin ich vorwiegend im Geist. Wenn ich ruhiger werde, geht meine Energie in meinen Körper. Ich kann meinen Körper beim Gehen spüren.

Wenn meine Energie noch mehr wird, dann fließt sie über meinen Körper hinaus in meine Umwelt. Ich kann plötzlich die Natur um mich herum spüren. Ich werde eins mit der Natur. Ich trete in ein Einheitsbewusstsein ein. In mir entstehen Frieden und Glück. Mein Geist wird positiv und ich denke vorwiegend positiv.

Ich verbinde mich energetisch mit den Menschen in meinem Leben. Ich spüre sie über jede Distanz durch die energetischen Verbindungen. Ich nehme auch die Menschen und ihre Energien wahr, die mir beim Gehen begegnen.

Ich verstärke meine Energie, indem ich mich als Buddha visualisiere. Das aktiviert meine Kundalini-Energie. Ich bin in einer starken Energie. Jetzt besteht die Gefahr, dass ich am spirituellen Ego hafte. Ich empfinde mich als großartigen Buddha, der spirituell weit entwickelt ist. Deshalb ist es laut tibetischem Buddhismus wichtig danach die Stufe der Leerheit zu praktizieren. Ich löse alle Vorstellungen auf. Ich erkenne alle äußeren Erscheinungen als vergänglich, ohne wahre Identität, als einen falschen Traum. Ich erkenne mich als bedeutungslos, ein Nichts. Ich komme ins Ich Bin. Ich bin einfach nur da, Energie, Licht, Präsenz des reinen Bewusstseins.

Aber auch da bleibe ich nicht stehen. Es gibt viel Leid auf der Welt. Es gibt viele Menschen, die nicht erleuchtet sind und am Leben leiden. Es ist wichtig eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks aufzubauen. Es ist wichtig allen Menschen auf dem Weg der Erleuchtung zu helfen, die diesen Weg gehen wollen. Deshalb entscheide ich mich als Bodhisattva zu leben und in der Welt aktiv zu sein. Ich komme aus der glücklichen Ruhe in die aktive Liebe. Ich überlege, was im Moment meine Aufgabe ist. Und tue das, was zu tun ist. Und erkenne auch das als einen vergänglichen Traum.

24 Die tägliche Besinnung

Die Essenz des spirituellen Weges ist die tägliche Besinnung. Gut ist es sich am Morgen nach dem Aufstehen und am Abend vor dem Ins Bett Gehen auf seinen spirituellen Weg zu besinnen. Wir beginnen jeden Tag mit einem kleinen spirituellen Ritual. Welches Ritual wir praktizieren, hängt davon ab, was für uns persönlich hilfreich ist.

Wir können jeden Morgen kurz über den Tag nachdenken und uns mit einem positiven Satz darauf einstimmen. Wir überlegen uns einen passenden Satz und denken ihn mehrmals als Mantra, bis er gut in unserem Unterbewusstsein verankert ist. Dann wird er uns sicher durch den Tag begleiten. Hilfreiche Sätze sind: „Ich lebe als Sieger. Ich meistere meinen Tag. Ich habe Kraft. Ich gehe gelassen durch den Tag. Ich denke positiv und konzentriere mich auf das Positive. In der Ruhe liegt die Kraft. Ich handele aus der Ruhe heraus. Ich konzentriere mich auf das Wesentliche. Das Wesentliche im Leben ist das innere Glück. Ich verhalte mich wie ein Buddha und werde ein Buddha. Om alle erleuchteten Meister. Ich bitte um Führung und Hilfe für meinen Tag.“

Ich habe einen kleinen Hausaltar. Jeden Tag stelle ich eine spirituelle Statue auf meinen Altar. Ich besitze viele Statuen. Ich wähle jeweils die Statue aus, deren Eigenschaft ich gerade brauche. Es gibt den Buddha der Ruhe, den Shiva der Kraft, die Göttin der Liebe und den Gott des Glücks Ganesha, der den mittleren spirituellen Weg verkörpert. Ich visualisiere mich als mein jeweiliges Vorbild, denke ein Mantra, schlage einen Gong und erwecke so die jeweilige Eigenschaft in mir. Ich habe Vorbilder der Kraft, der Liebe, der Ruhe, des Glücks und der Weisheit.

Um die Weisheit zu verfestigen, ist es gut jeden Tag etwas in einem spirituellen Buch zu lesen. Das verankert einen gut in der Spiritualität. Um in die Liebe zu kommen, sende ich jeden Tag allen Wesen Licht.

Am Abend setze ich mich in eine kurze Meditation. Ich denke über den Tag nach. Ich überlege mir, was ich besser machen kann. Ich mache mir klar, was gut gelaufen ist. Ich lebe so, dass ich jeden Tag möglichst mit mir zufrieden bin. Ich denke über mich nach. Ich besinne mich auf mich selbst. Was will ich vom Leben? Wer bin ich? Worin liegt der tiefere Sinn? Wie komme ich in Kontakt mit dem tieferen Sinn? Wie finde ich zu mir selbst? Wie erwecke ich mein inneres Glück? Wie komme ich in die umfassende Liebe? Wie lebe ich ein erfülltes Leben? Wie lebe ich so, dass es bei meinem Tod nichts zu bereuen gibt?

Ein spirituelles Leben ist ein Leben der Weisheit und der Selbstdisziplin. Ich verankere mich fest in der Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass die Erleuchtung gibt. Die Wahrheit ist, dass das Bewusstsein nach dem Tod weiterlebt. Die Wahrheit ist, dass wir durch unser jetziges Verhalten unsere Zukunft bestimmen.

25 Acht Dämonen, die bei der Meditation auftauchen können

Meditation hat viele Vorteile. Man kann damit seinen inneren Stress abbauen, seine Gesundheit stärken, zur Gelassenheit finden, innere Kraft aufbauen, Ängste überwinden, zu sich selbst finden und sogar die Erleuchtung verwirklichen. Aber es können auch Dämonen auftauchen, die einen an einer erfolgreichen Meditation hindern.

Einstmals lebte ein spiritueller Meister mit seinen Schülern in einem abgeschiedenen Tal in Tibet. Die Landschaft war perfekt für eine gute Meditation. Die Menschen hatten dort viel Ruhe, kaum Ablenkung, einen spirituellen Lehrer und eine nette Gruppe. Es war schön in der wilden Gebirgslandschaft zu leben. Viele Yogis waren dort bereits zur Erleuchtung gelangt. Jeder Schüler hatte eine kleine Hütte, in der er seinen persönlichen Weg der Meditation gehen konnte.

Doch leider kamen eines Tages acht böse Dämonen in das Tal. Sie wollten die Schüler an einem erfolgreichen spirituellen Weg hindern. Sie störten die Schüler in der Meditation, so dass bald keiner mehr meditieren konnte. Sie flüsterten den Schüler Gedanken ins Ohr, die ihnen jede Freude an der Meditation nahmen.

Der erste Dämon hieß Faulheit, der zweite Lustlosigkeit, der dritte Zweifel, der vierte Unruhe, der fünfte Langeweile, der sechste Müdigkeit, der siebte Ineffektivität und der achte Stolz. Die Schüler fragten den Meister, was sie gegen die Dämonen tun konnten. Der Meister riet ihnen, bei jedem Dämon genau hinzusehen und dann eine geeignete Gegenstrategie zu finden. Den Dämon der Faulheit überzeugt man am besten mit Weisheit. Man macht sich jeden Tag die Vorteile einer Meditation bewusst. Man gibt sich nach jeder Meditation eine persönliche kleine Belohnung.

Wenn man keine Lust zur Meditation hat, dann findet man eine Technik, die einem Spaß bringt. Manche Menschen brauchen dynamische Meditation, manche analytische Meditationen, manche Visualisierungen und manche ruhige Meditationen. Dynamische Meditationen sind die Geh-Meditation, Yoga-Übungen, die tibetischen Niederwerfungen und die Muskelan- und Entspannung. Bei analytischen Meditationen denkt man über sich und das Leben nach. Man besinnt sich auf sich selbst und seinen Weg. Durch die Visualisierung von spirituellen Vorbildern, Buddhas und Gottheiten kann man die spirituelle Energie in sich erwecken, die man gerade braucht. Durch eine ruhige Meditation beruhigt man seinen Geist und findet zur Gelassenheit.

Der dritte Dämon hieß Zweifel. Ihn überwindet man durch klares Nachdenken. Hilfreich ist es auch regelmäßig in einem spirituellen Buch zu lesen, um seinen Geist spirituell auszurichten. Wenn alles das nicht hilft, dann braucht man eine klaren Tagesplan. Man meditiert einfach immer weiter, der Geist gewöhnt sich daran und die Zweifel verschwinden.

Innere Unruhe überwindet man je nach Situation mit einer dynamischen Meditation, einer analytischen Meditation und durch eine ruhige Meditation, bei der man zum Beispiel durch den Körper hindurch spürt (Body Scan), ein Mantra denkt oder sich auf den Atem konzentriert. Bei Langeweile wechselt man die Meditationsform oder findet eine Meditation, die nicht langweilig ist. Man kann zum Bespiel eine geführte Meditation machen, ein schönes Bild malen oder einen kreativen Text schreiben. Ich kann gut zu Filmen im Fernsehen oder Videos meditieren. Früher habe ich auch in Warteschlangen meditiert oder wenn ich Routinearbeiten zu erledigen hatte.

Bei Müdigkeit braucht man eine aktive Meditation. Oder man meditiert nur kurz, so dass keine Müdigkeit entsteht. Schwieriger sind die Dämonen Ineffektivität und Stolz zu überwinden. Am Anfang sucht man kreativ seinen Weg der Meditation. Aber dann besteht die Gefahr, dass die Meditation zur Routine wird und man im formalen Üben feststeckt. Deshalb sollte man seinen Weg der Meditation immer wieder überprüfen und spüren, was gerade effektiv für einen ist.

Stolz erfaßt oft Menschen, die schon lange erfolgreich meditieren. Sie schaffen es jeden Tag zu meditieren, lange zu meditieren und haben oft besondere spirituelle Erfahrungen. Sie können dann im spirituellen Ego feststecken. Für sie ist es wichtig zu erkennen, dass die Erleuchtung ein Weg der umfassenden Liebe und nicht ein Egoweg ist. Es ist hilfreich, jede Meditation dem Glück aller Wesen zu widmen und zu denken: „Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.“

Damit die Schüler ihre Dämonen bezwingen konnten, gab ihnen der Meister als letztes den Rat, sich bei jeder Meditation mit den Buddhas und Bodhisattvas oder ihrem persönlichen Meister zu verbinden. So erhielten sie Kraft und Unterstützung aus einer höheren Dimension. Das taten die Schüler und konnten so alle Dämonen immer wieder vertreiben.

26 Wie überzeugt man einen Skeptiker?

Einstmals kam ein Skeptiker zu Buddha und erklärte: „Ich glaube nicht, was du lehrst!“ Buddha antwortete: „Erfahre es selbst.“

Einen Skeptiker zu überzeugen ist meistens schwierig bis unmöglich. Wie beweist man die Erleuchtung? Wie beweist man, dass die Erleuchtung etwas Gutes und nicht etwas Schlechtes ist? Viele Psychologen halten Erleuchtung für eine psychische Störung. Die meisten Wissenschaftler glauben nicht an ein Leben nach dem Tod, an Paradiese im Jenseits und schon gar nicht an die Reinkarnation. Die Diskussion in der Wissenschaft geht hin und her, ohne dass eine Seite die andere überzeugen kann. Die einen Menschen glauben an die Materie und die anderen an das ewige Bewusstsein. Das betrifft auch den Bereich der Physik, wo viele Quantenphysiker von der Existenz eines Informationsfeldes jenseits der Welt der Materie ausgehen. Bereits Albert Einstein hatte erkannt, dass die Welt letztlich aus Energie besteht. Was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, ist ein sehr begrenzter Teil der Realität.

Ich war bis zu meinem dreißigsten Lebensjahr ein überzeugter Atheist. Meine Eltern waren Atheisten und haben mich atheistisch erzogen. In der linken Studentenbewegung der 70iger Jahre wurde ich zu einem Anhänger von Karl Marx, der die Religion für eine Droge für das Volk hielt, damit die Kapitalisten das Volk besser beherrschen können. In der heutigen Zeit zerfallen die Religionen. Im Fernsehen wird der Glaube an den materiellen Konsum verbreitet. Daran glauben die meisten heutigen Menschen. Bis ihre eigene Lebenserfahrung sie auf den spirituellen Weg bringt. Sie beginnen sich mit ihrer Psyche zu beschäftigen und erkennen, dass das Glück vorwiegend aus ihnen selbst kommt. Man muss das Glück in sich selbst verwirklichen, wenn man es im Außen erfahren will. Das ist die Haupterkenntnis der heutigen Glücksforschung. Zu 90 % kommt das allgemeine Lebensglück eines Menschen aus seiner Psyche. Er lebt auf einem persönlichen Glücksniveau, zu dem er nach allen Erfahrungen von Freude und Leid immer wieder zurückkehrt.

Wobei wir wieder bei Buddha wären. Buddha hat erkannt, dass jeder Mensch eine innere Glücksnatur, eine Buddha-Natur hat. Wenn man diese Glücksnatur freilegt, kann man dauerhaft auf einem hohen Glücksniveau leben. Der Weg dort hin ist der achtfache Pfad, der im Wesentlichen aus Gedankenarbeit und Meditation besteht. Das sieht auch die heutige Glücksforschung so. Wer positiv denkt, verdoppelt sein allgemeines Lebensglück und wird zu 90 % weniger krank. Mit der Erleuchtung hat sich die Glücksforschung noch nicht beschäftigt. Sonst würde sie die Erleuchtung als Hauptweg zum Glück lehren.

Ich geriet im Alter von dreißig Jahren durch einen Burnout in eine schwere Depression. Soweit so normal in unserer heutigen Zeit. Ich überlegte, wie ich mich aus der Depression befreien kann. Ich machte sogar eine Ausbildung zum Psychotherapeuten und erlernte alle psychologischen Theorien. Mir half damals vorwiegend der Weg des positiven Denkens verbunden mit regelmäßigem Sport und Meditation. Nach einer Phase des radikalen Übens brach ich zur Erleuchtung durch. Ich begriff, dass der gleiche Weg, mit dem man sich aus einer Depression befreien kann, auch zu dem hohen Glücksniveau der Erleuchtung führen kann. Wenn man die richtigen Techniken verwendet. Viele heutige psychisch Kranke werden vorwiegend durch Medikamente behandelt. Das führt nicht zur Erleuchtung und heilt die Depressionen auch nur sehr begrenzt. Man muss den spirituellen Weg konsequent über viele Jahre gehen, damit man die Wahrheit vom inneren Glück erfahren kann.

Erleuchtung ist aus meiner Sicht eine klare Erfahrungstatsache. Man kann sie selbst erfahren oder den Erleuchteten glauben. Man kann gründlich seine eigene Psyche erforschen und wird so eines Tages von selbst auf den spirituellen Weg kommen. Wer gründlich über das Leben nachdenkt, wird weise. So einfach ist das. Erleuchtung ist keine psychische Krankheit. Erleuchtung ist innere Heilung. Man wird ein Heiliger. Man spürt in sich Frieden, Glück, Liebe, Kraft und Wahrheit. Man ist eins mit sich und der Welt. Ein Erleuchteter weiß, dass er am Ziel ist. Er hat sich selbst verwirklicht. Es gibt für ihn nicht mehr wirklich etwas zu tun. Er kann einfach nur sein Leben genießen. Und er kann anderen Menschen auf dem spirituellen Weg helfen. Denn Hilfe ist dringend notwendig in einer Zeit der psychischen Verwirrung.

Aber wie ist es mit dem Leben nach dem Tod? Gibt es ein Paradies im Jenseits? Gibt es die Möglichkeit der Reinkarnation? Folgt auf dieses Leben ein nächstes Leben? Mit diesen Fragen habe ich viele Jahrzehnte gerungen. Letztlich war die Antwort dann ganz einfach. Wer erleuchtet ist, sieht seine früheren Leben. Buddha hat seine früheren Leben bei seiner Erleuchtung erfahren. Bei mir tauchten sie von alleine nach einigen Jahren der intensiven Meditation auf.

Wenn es frühere Leben gibt, gibt es auch zukünftige Leben. Nach der Karma-Lehre Buddhas pflanzt man durch sein jetziges Verhalten den Samen für das Geschehen in seinen zukünftigen Leben. Das Bewusstsein wandert von Leben zu Leben und nimmt seine Charaktereigenschaften mit. Man muss inneren Frieden, Glück, Liebe, Weisheit und Selbstdisziplin in sich pflegen, damit man diese Eigenschaften auch in seinen zukünftigen Leben hat. Diese Eigenschaften führen zu einem glücklichen Leben. Der Schlüssel dazu ist die konsequente Arbeit an den Gedanken. Im Buddhismus nennt man das die Achtsamkeit auf die Gedanken und Gefühle. Das ist das Zentrum des Buddhismus.

Ab einer bestimmten Stufe der Erleuchtung kann man auch ins Jenseits blicken und mit seinem Bewusstsein dort hin reisen. Das haben viele Erleuchtete getan und davon berichtet. Es gibt eine Dimension des Lichts im Jenseits, die man als Nirwana oder Paradies bezeichnen kann. Das bestätigt auch die moderne Nahtodforschung, die Menschen erforscht, die bei einer Nahtoderfahrung mit ihrem Bewusstsein aus ihrem Körper ausgetreten sind. Sie haben im Jenseits die Lichtdimension kennengelernt.

Wenn wir selbst zur Erleuchtung kommen, werden wir diese Dinge selbst erfahren. Bis dahin können wir den Erleuchteten glauben. Wir können ihre Bücher lesen und so Weisheit erlangen. Oder wir können eigene Lebenserfahrungen machen, darüber nachdenken und die Wahrheit vom spirituellen Weg selbst herausfinden.

27 Gedanken zum Vatertag und zur Vaterrolle

Weltweit wird zu verschiedenen Zeiten der Vatertag gefeiert, mal als Familientag und mal als Männergruppe. Heute ist in Deutschland der Vatertag. Er findet immer vierzig Tage nach Ostern an Christi Himmelfahrt statt. An diesem Tag ist Jesus in den Himmel aufgestiegen und wurde eins mit seinem Vater. Für mich ist das eine gute Gelegenheit an meinen Vater, meine Großväter und alle meine Ahnen zu denken. Meine Ahnen stelle ich mir als Beschützer ihrer Frauen und ihrer Kinder vor. Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Kriege, des Überlebenskampfes, aber auch der Liebe und Freude. Das Leben bestand wohl immer aus Freude und Leid. Die Männer mussten Tiere jagen, hart für ihr tägliches Brot arbeiten und gegen Feinde kämpfen. Aber es gab auch viele Feste, Geselligkeit, Fröhlichkeit und Liebe zwischen den Menschen.

Mein Vater war eher von der Sorte Geselligkeit. Er war ein dicker Buddha, der gerne lachte , feierte, viel Wein trank und mit den Frauen flirtete. In seiner Jugend war er ein Wandervogel mit einer Laute. Er konnte laut und falsch singen. In allen Dingen war er unperfekt. Er konnte nicht mit Geld umgehen und war sozial ungeschickt. Aber er liebte das Leben. Von ihm habe ich meine Lebensfreude und meinen Humor. Als Kind war er mein großer Beschützer. Als Jugendlicher habe ich mich ständig mit ihm gestritten. Da er vollständig weltlich orientiert war, hielt er meinen spirituellen Weg für einen großen Irrtum. Erst nach seinem Tod mit 79 Jahren haben wir uns wieder vertragen. Er erschien mir im Traum und hat mir erklärt, dass er jetzt erkannt hat, dass mein spiritueller Weg richtig ist. Er fragte mich, was ich noch brauche. Und ich antwortete: „Kraft.“ Da führte er mich auf den Yogaweg. Nach diesem Traum hatte ich einen starken Impuls in eine Buchhandlung zu gehen und mir ein Yogabuch zu kaufen. Ich praktizierte ein halbes Jahr jeden Tag eine halbe Stunde Yoga und meine innere Energie erwachte. Letztlich muss ich meinem Vater danken. Wir hatten eine schwierige Beziehung. Aber wir haben wieder zur Harmonie gefunden.

Mit meinem Großvater war das Verhältnis ganz anders. Er war ein ganz anderer Mann als mein Vater. Er war innerlich sehr stark und folgte konsequent seinen Idealen. Genauso wie mein Urgroßvater, der ein Handwerker und Tischlermeister war. Mein Großvater wurde Soldat bei der kaiserlichen Garde. Er hat in der Schlacht von Tannenberg als Teil der deutschen Armee das russische Heer besiegt. Das führte zum Sturz des Zaren. Im Nazideutschland hat mein Großvater im Widerstand gegen Adolf Hitler gekämpft. Er wurde beinahe erwischt und ins KZ gesperrt. Er hat mir viele Geschichten aus seinem Leben erzählt. Er war ein großartiger Geschichtenerzähler. Er war mein Held. Ich wollte immer so werden wie er. Von ihm bekam ich den Willen für meine Ideale zu kämpfen.

Heute bin ich selbst ein Vater. Ich habe einen Sohn und wünsche allen Kindern der Welt ein glückliches Leben. Ich wünsche eine Welt der Liebe, des Friedens und des allgemeinen Glücks. Dafür gibt es im Moment noch viel zu tun.

28 Aufnahmeprüfung im Himmel für Buddhisten

Ein Christ, ein Muslim und ein Buddhist sterben und kommen am Himmelstor an. Ein Engel (oder Deva) hält sie an und fragt: „Warum kommt ihr hierher? Könnt ihr mir einen Grund nennen, warum ich euch in den Himmel aufnehmen sollte?“

Der Christ antwortet: „Ich habe mein ganzes Leben lang gesündigt. Jesus ist jedoch für mich gestorben und alle meine Sünden sind vergeben. Also verdiene ich es, in den Himmel zu kommen.“

„OK“, antwortet der Engel. „Klingt gut, aber ich muss dir eine Aufnahmeprüfung geben, bevor du eintreten kannst. Sprich ein Gebet.“ Der Christ spricht das Vaterunser (Vater unser, der du bist im Himmel. Dein Wille geschehe. Dein Reich komme.) und geht durch das Tor.

Als nächstes kommt der Muslim, der sagt: „Ich war sehr fromm. Ich betete fünfmal am Tag zu Gott. Also sollte auch ich in den Himmel kommen.“ Der Engel antwortet: „Es klingt OK für mich, aber ich muss dir auch einen Test geben. Sprich ein Gebet?“ Der Muslim sagt „Allah – Hu – Akbar“(Gott ist der Größte) und kommt in den Himmel.

Schließlich ist der Buddhist an der Reihe. Er sagt dem Engel: „Ich habe viele gute Dinge in meinem Leben getan, ich habe viel meditiert und ich habe Buddhas fünf Gebote befolgt: Ich habe nie getötet, ich habe nie gelogen, ich habe nie gestohlen, ich habe keine berauschenden Mittel genommen und war meiner Frau treu.“ Der Engel antwortet: „Das genügt nicht. Du musst auch den Aufnahmetest bestehen, um in den Himmel zu kommen. Erkenne dich selbst?“ Der Buddha sagt „Mu“, gelangt so zur Erleuchtung und in den Himmel. Mu bedeutet im Zen Leere, ein Nichts, ohne Identität, ohne Ego. Wer erleuchtet ist, der erfährt seine Umgebung als Reines Land, als Paradies. Er hat das Glück in sich und sieht dadurch auch das Positive in der Welt. Er entwickelt ein Paradiesbewusstsein. Er lebt im Nirwana, einer Mischung aus Leere (Frieden) und Fülle (Glück). Und nach Buddha ist Nirwana das höchste Glück.

Wir können es so sehen, dass das Nirwana der höchste Himmel ist. Aber dieses Glück gibt es auch im Christentum. Wir werden eins mit Gott, wie Jesus eins mit Gott war. Und wie die islamischen Mystiker eins mit Gott waren. Letztlich gibt es nur eine Wahrheit, und die finden wir in allen Religionen. Erst verehren wir Gott und dann werden wir zu Gott. Die Energie Gottes (der Heilige Geist) fließt durch uns in die Welt. Im tibetischen Buddhismus nennt man das den Gottheiten-Yoga. Es ist die Verbindung von Leerheit (Erleuchtung) und Fülle (Glück. Liebe). Wir visualisieren uns als Gottheit (Gott, Göttin) und erwecken dadurch die Energie Gottes (das Licht) in uns. Und dadurch verwandelt sich auch unsere Weltsicht.

29 Der traurige Erleuchtete

Vor achthundert Jahren lebte in Tibet der erleuchtete Meister Langri Thangpa. Er folgte der Kadampa-Tradition von Atisha und versuchte Liebe und Mitgefühl zu allen Wesen zu entwickeln. Er konzentrierte sich auf das Leid auf der Welt und war dadurch ständig traurig. Obwohl in ihm auch gleichzeitig das Glück der Erleuchtung war. Er lebte in einer Mischung aus Trauer, Liebe und Glück.

Die anderen Lamas sprachen zu ihm: „Warum nimmst du das alles so ernst? Die materielle Welt ist doch nur ein Traum, den man durch die Erleuchtung übersteigt. Alles kommt und geht. Ein Erleuchteter sollte an nichts anhaften und sich über die Dinge auf der Welt erheben.“ Der traurige Langri antwortete: „Wie könnte mich das Leid auf der Welt unberührt lassen, wo ich doch eins mit allem bin. Ich habe versprochen als Bodhisattva zu leben, und allen Wesen zu helfen. Wer anderen Wesen helfen will, muss zuerst ihr Leid sehen und ernst nehmen. Vielleicht ist das Leid aus der Sicht eines Erleuchteten nicht real, aber die vielen Wesen auf der Welt leiden aus ihrer Sicht real.“

Durch seine Übung der Identifikation mit allen Wesen, genannt Tonglen, wuchs Langri Thangpa zwar immer mehr in der Erleuchtung und in der Liebe, gleichzeitig wurde er aber immer trauriger. Jeden Tag übte er es das Leid seiner leidenden Mitwesen zu übernehmen und ihnen sein eigenes Glück zu geben. Schon das Leid einer kleinen Ameise konnte ihn in Tränen ausbrechen lassen. Man hörte ihn nie lachen.

Eines Tages schlurfte er wieder traurig durch den Gang des Klosters. Die Mönche machten sich über ihn lustig und fragten: „Ist heute jemand gestorben?“ Langri antwortete: „Gibt es einen Tag, an dem nicht jemand gestorben ist. Jeden Tag gibt es irgendwo Leid auf der Welt. Wer das weiß, kann gar nicht anders als immer traurig zu sein.“ Die Mönche meinten, dass das eine sehr einseitige Sicht des Lebens sei. Im Leben gäbe es Freude und Leid. Man müsse auch mal über sich selbst und über das Leben lachen können. Das könne man, wenn man sich und seinen Weg nicht zu ernst nehme.

Das leuchtete Langri Thangpa ein. Er erkannte, dass er sich zu sehr mit dem Leiden der Welt identifizierte. Also ließ er sich und seinen Weg des Mitgefühls auch etwas los. Dadurch entwickelte sich mehr Glück in ihm. Er lebte mehr im Licht. Und eines Tages musste er sogar herzhaft lachen, als er sah, wie eine Ameise ein Stück von seinem Käse rauben wollte. Das Stück Käse war so groß, dass sie sich dabei übernahm. Sie wollte mehr als sie tragen konnte und konnte den Käse nicht wegschaffen. Zum Glück war die Ameise schlau, holte ein paar Kollegen. Und gemeinsam schafften sie das große Käsestück fort. Da waren die Ameisen glücklich. Und der traurige Langri gelangte in die Energie der Mitfreude und konnte sich endlich von seiner übergroßen Trauer befreien. (Frei nacherzählt aus Tibetische Weisheitsgeschichten)

30 Folge deinem inneren Gespür

Jeder von uns trägt die Erleuchtung bereits in sich. Jeder von uns hat eine Buddha-Natur. Wir müssen sie nur freilegen. Doch wie kann es gelingen? Der Hauptweg ist der Weg der inneren Reinigung. Jesus sagt: „Selig sind die innerlich Reinen, denn sie werden Gott schauen.“ Gott schauen ist ein Ausdruck für die Erleuchtung. Wer erleuchtet ist, lebt in Gott. Er hat die Energie Gottes (den Heiligen Geist) in sich und sieht das Licht (Gott) in der Welt. Der tibetische Meister Chagdud Rinpoche erklärte diesen Sachverhalt mit den Worten: „Wo sich die inneren Verspannungen lösen, ist die Erleuchtung nicht fern.“

Unrein sind wir durch unsere inneren Verspannungen. Die Verspannungen sind durch den Stress des Lebens entstanden. Meistens sitzen Traumata aus vielen Leben in uns. Sie sitzen im Körper und im Geist. Sie bewirken körperliche und psychische Krankheiten. Sie hindern uns an der Erleuchtung. Sie blockieren die Erleuchtungsenergie, unser inneres Glück. Werden die Verspannungen aufgelöst, fängt die Erleuchtungsenergie (der Heilige Geist) von alleine an zu fließen. Erleuchtung entsteht von alleine, wenn wir Energieblockaden in uns auflösen.

Wie kann das geschehen? Dafür gibt es viele Wege. Das Entscheidende ist, dass wir in jedem Moment genau spüren müssen, was wir gerade brauchen. Wo müssen spüren, wo die Verspannungen in uns sind und welche Technik uns gerade hilft. Wir müssen unseren spirituellen Weg mit Weisheit und innerem Gespür gehen. Das machen die meisten Menschen nicht. Und deshalb kommt kaum jemand zur Erleuchtung. Die meisten Menschen praktizieren dogmatisch und ohne Gespür.

Ich habe das überall erlebt. Am Anfang meiner Yogazeit habe ich viele Yogagruppen in ganz Deutschland besucht, um von den Yogalehrerinnen zu lernen. 90 % hatten kein Gespür für spirituelle Energien. Sie blockierten mit ihrer Arbeit die Erleuchtung ihrer Schüler und ihre eigene Erleuchtung. Sie praktizierten Yoga nur als körperliche Gymnastik. Genauso war es bei meinem Besuch bei einer Zen-Gruppe in Hamburg. Sie meditierten voller Kraft und ohne Gespür. Ich merkte, wie dabei meine ganze Erleuchtungsenergie blockiert wurde.

Um die inneren Verspannungen aufzulösen, muss man manchmal zielstrebig und manchmal ohne Zielstrebigkeit meditieren. Man muss in sich spüren, was man gerade braucht und was die Energieblockaden auflöst. Ohne solches innere Gespür wird Meditation nur zu einem Weg, mit dem man den Geist etwas beruhigen kann. Das Einzige was hilft ist es einen erleuchteten Meister zu haben, der einen unterstützt. Und das gibt es im Zen zum Glück oft.

Im Christentum ist nach meiner Erfahrung am Schlimmsten. Am Anfang war ich viel in der christlichen Szene unterwegs. Ich traf auf Dogmatiker vieler Arten. Sie lebten vor allem ihr Ego. Sie leben äußeren Reichtum, sexuellen Missbrauch und falsche Emotionen. Sie sind die Zerstörer des Christentums. Das erleben wir in Deutschland gerade intensiv. Zum Katholikentag kamen nur noch ein Drittel aller früheren Besucher. Das Christentum zerstört sich gerade selbst. Das gilt sowohl für die Katholiken, als auch für die evangelischen und evangelikalen Christen. Sie kennen den Weg zur Heiligkeit (Erleuchtung) nicht und führen ein unheiliges Leben. Das spüren natürlich die Besucher und bleiben den Veranstaltungen fern.

Es gibt erleuchtete Christen, die sogenannten Mystiker. Aber sie werden aus der Kirche herausgedrängt. Sie werden an den Rand gedrängt. Jesus war ein Mystiker. Die heutigen Christen verbannen ihn aus ihrer Kirche. Sie beschäftigen sich lieber mit Politik, als den Kern ihres Glaubens zu begreifen und zu leben. Sie hängen in dogmatischen Ritualen fest, anstatt kreativ und mit innerem Gespür ihre Erleuchtungsenergie zu aktivieren. Und dabei gibt es viele christliche Mystiker, die ihnen den Weg dahin aufgezeigt haben. Aber sie werden nur verehrt. Man folgt ihnen nicht nach.

Der Hauptweg zur Erleuchtung ist die innere Reinigung. Wir praktizieren Meditation, Gedankenarbeit, Gefühlsarbeit und weitere spirituelle Techniken mit innerem Gespür. Wir entwickeln Eigenschaften wie inneren Frieden, umfassende Liebe, Glück, Weisheit und Selbstdisziplin. Deshalb achten die Religionen auf bestimmte Gebote. Sie sind ein Weg der inneren Reinigung.

Es gibt aber auch den Weg der direkten Aktivierung der Erleuchtungsenergie. Im tibetischen Buddhismus geht man zuerst den Weg der inneren Reinigung. Man praktiziert Niederwerfungen, Heilyoga, Geh-Meditation, Pilgern und die Verehrung von Buddha. Ab einer bestimmten Stufe der inneren Reinigung wird dann gezielt mit bestimmten Techniken die spirituelle Energie erweckt. Man aktiviert die Chakren und die Energiekanäle. Es gibt Einweihungen, bei denen die Erleuchtungsenergie übertragen wird.

Der Hauptweg ist der Gottheiten-Yoga. Es gibt verschiedene Gottheiten, je nachdem welche Energie wir gerade brauchen. Manchmal brauchen wir Kraft, um die Erleuchtungsenergie zu aktivieren. Dafür gibt es dynamische Gottheiten. Göttinnen der Liebe öffnen unser Herzchakra. Meditationsbuddhas bringen uns zum inneren Frieden. Es gibt sogar eine Gottheit der inneren Reinigung, Vajrasattva. Wir können diese Gottheiten verehren oder uns selbst als Gottheit sehen. Manchmal bringt uns der eine und manchmal der andere Weg in die Erleuchtungsenergie. Wir müssen spüren, was gerade richtig ist. Anders geht es nicht. Formales dogmatischen Üben schadet uns, weil es unser inneres Gespür abtötet. Ich arbeite kreativ mit verschiedenen Gottheiten. Ich stelle ihre Statuen auf meinen Altar, identifiziere mich mit ihnen und denke ein Mantra. Bis ich spürbar in die Energie der jeweiligen Gottheit komme.

Ich praktiziere Gottheiten-Yoga beim Gehen, im Sitzen und im Liegen. Ich verbinde kreativ Visualisierungen, Mantren, Atemtechniken und körperliche Bewegungen miteinander. Meistens aktiviere ich so in fünf Minuten meine Erleuchtungsenergie. Ich bin dann im Frieden, in der Liebe und im Glück. Mein inneres Glück löst dann von alleine meine inneren Verspannungen auf. Traumata tauchen von alleine auf und heilen sich. Innere Reinigung geschieht von alleine. Im Laufe der Jahre wächst man so von alleine zur Erleuchtung. Erleuchtung geschieht automatisch und von alleine. Es ist nur notwendig, dass man mit Ausdauer auf seinem Weg bleibt. Und es ist hilfreich einen erleuchteten Meister zu haben, der einen spirituell unterstützt. Und es ist gut in der Ruhe zu leben, weil in der Ruhe die spirituelle Entwicklung am besten geschehen kann.

Im Yoga wird dieser Weg der Verbindung aus Ruhe, Weisheit, Körperübungen, Meditation und Gottheiten-Yoga von vielen erleuchteten Meistern gelehrt. Mein Hauptmeister ist Swami Sivananda. Amritanandamayi (Amma) betont den Gottheiten-Yoga und das spirituelle Singen. Mutter Meera betont die Ruhe. Und Anandamayi Ma hat selbst den Weg vorgelebt. Sie praktizierte zuerst Körperübungen, dann den Gottheiten-Yoga und zum Schluss eine ruhige Meditation. Anschließend wirkte sie als Karma-Yogi (Bodhisattva) für das Glück aller Wesen.

Juli

1 Buddha Amitabha

Im normalen Buddhismus strebt man durch die Kraft des Egos zur Erleuchtung. Das Ego kann aber den Weg zur Erleuchtung nicht finden, weil es sich dabei selbst abschaffen muss. Deshalb konzentriert man sich im Amitabha-Buddhismus auf die andere Kraft. Man verläßt sich auf Amitabha, dass er einen zur Erleuchtung führt. Dadurch kann man sich innerlich entspannen. Man braucht nicht mehr so angestrengt zu üben. Das nimmt den Druck aus dem spirituellen Weg. Aber etwas spirituell üben sollte man weiterhin. Ich bevorzuge eine Mischung dem Weg der eigenen Kraft und dem Weg der anderen Kraft. Das machen viele Menschen im Zen und im tibetischen Buddhismus so. Man kann den Amitabha-Weg auch einfach Vertrauen und Überlassung an das Leben nennen. So passt es auch für Atheisten.

Die große Frage ist, was Amitabha ist. Daran scheitern viele wissenschaftlich denkende Menschen im Westen. Im Osten dagegen sieht man das lockerer. Amitabha ist einfach ein mystisches Wesen, das gelobt hat alle Menschen zur Erleuchtung zu führen, die es mit seinem Namen anrufen. Beweise für seine reale Existenz gibt es nicht. Man muss es einfach glauben. Das fällt den Menschen im Westen schwer. Sie brauchen einen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Verehrung von Amitabha zur Erleuchtung führt. Und diesen Beweis gibt es. Viele Menschen sind durch den Amitabha-Buddhismus zur Erleuchtung gelangt. Obwohl es den ursprünglichen Amitabha vielleicht nie gegeben hat. Wie kann das geschehen?

Durch die Verehrung des äußeren Buddha Amitabha verehren wir sozusagen den Buddha Amitabha in uns selbst. Wir versuchen in Kontakt mit unserer Erleuchtungs-Natur zu kommen. Wenn wir die Eigenschaften Amitabhas wie umfassenden Liebe, innerer Frieden, Glück und Weisheit üben, dann reinigt uns das innerlich. Wenn wir den Namen Amitabhas denken und uns so mit unserer Buddha-Natur verbinden, dann können wir mit diesem Mantra unsere Erleuchtungsenergie erwecken. Wenn wir wie ein Buddha Amitabha leben und uns wie er verhalten, dann wachsen wir immer weiter in die Erleuchtung. Insbesondere, wenn wir das ausdauernd und konsequent praktizieren.

Der Dalai Lama sagt: „Wer auf Buddha meditiert, wird ein Buddha.“ Wer sich wie ein Buddha verhält, wächst zur Erleuchtung. Bei Buddha Shakyamuni liegt der Schwerpunkt auf der Ruhe und der Meditation. Bei Buddha Amitabha liegt der Schwerpunkt auf der umfassenden Liebe. Wenn wir Liebe zu allen Wesen entwickeln und uns in ihnen sehen, dann entsteht ein Einheitsbewusstsein. Das ist ein guter Weg zur Auflösung des Egos und zur Erleuchtung. Das wird von allen Religionen gelehrt.

Aus meiner Sicht verbinden wir am besten den Weg der Ruhe Buddhas mit dem Weg der Liebe Amitabhas. Das führt am schnellsten zur Erleuchtung. Amitabha wird meistens als meditierender Buddha dargestellt, der Licht und Liebe zu allen Wesen ausstrahlt. Ich verbinde deshalb gerne die Anrufung von Amitabha mit dem Mantra: „Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.“ Dabei bewege ich segnend eine Hand und sende allen Wesen und der ganzen Welt Licht.

Eine zweite Technik des Amitabha Buddhismus ist es seine Umwelt als Paradies zu sehen. Alles ist richtig so wie es ist. Alles ist gut und wird gut. Darauf vertrauen wir. Wir denken konsequent positiv. Dadurch verwandeln wir uns und unsere Welt. Innen wie außen. Wenn wir wirklich unsere äußere Welt als Paradies sehen können, erweckt das die Erleuchtungsenergie in uns. Ähnlich ist die Mandala-Technik. Wir begreifen die Welt und die Natur als ein erleuchtetes Mandala. Wir gelangen so in den Kreis des Lebens, in die Einheit, in ein Einheitsbewusstsein.

Der dritte Punkt im Amitabha Buddhismus ist der Glauben, dass Amitabha uns auf unserem spirituellen Weg hilft und führt. Wie kann uns ein mystisches Wesen helfen, dass es vielleicht nie gegeben hat? Ich stelle es mir so vor, dass alle erleuchteten Meister durch Buddha Amitabha wirken. Wenn wir uns mit Buddha Amitabha verbinden, dann bekommen wir Hilfe von den Buddhas und Bodhisattvas aller Richtungen. Insbesondere bekommen wir natürlich Hilfe von den erleuchteten Meistern des Amitabha-Buddhismus. Das alleine genügt schon. Ich persönlich glaube, dass man Hilfe durch Buddha Amitabha bekommt. Ich habe das selbst beim Tod meiner Mutter erfahren. Ich rief Buddha Amitabha an und plötzlich war alles in Glückseligkeit getaucht. Meine Mutter starb glücklich lächelnd. Das war für mich der beste Beweis für die Wirksamkeit des Amitabha-Weges.

2 Was ist ein Sotapanna?

Fünfzehn Jahre hatte ich nach dem tieferen Sinn des Lebens gesucht. Ich hatte erkannt, dass es der Sinn des Lebens ist ein glückliches Leben zu führen und Leid soweit wie möglich zu vermeiden. Ich hatte alle weltlichen Glückswege ausprobiert. Ich hatte es mit Reisen, mit Liebesbeziehungen und mit beruflichem Erfolg versucht. Ich hatte es mit extremer Faulheit und mit extremer Arbeit versucht. Ich hatte mein Glück in viel Geld und viel Sex gesucht.

Ich hatte in meinem Leben das Glück alles leben zu können, was ich wollte. Es gab viel Sex, viel Geld, viele Beziehungen, viele Reisen und beruflichen Erfolg. Ich hatte mein Abitur gemacht, ein freies Leben als Student geführt und war ein erfolgreicher Rechtsanwalt geworden. Ich hatte eine glückliche Familie und einen Sohn. Aber ich wusste tief in mir, dass ich meinen wahren Lebenssinn noch nicht gefunden hatte.

Im Alter von dreißig Jahren erkannte ich, dass das Hauptglück eines Menschen nicht in äußeren Dingen, sondern in ihm selbst zu finden. Das bestätigt auch die aktuelle Glücksforschung. 90 % des Glücks kommen aus der Psyche und nur 10 % aus den äußeren Lebensumständen. Das kann sich in Extremsituationen natürlich verändern. Aber im Normalfall findet der Mensch immer wieder zu seinem persönlichen Glücksniveau zurück. Die große Frage ist also, wie man das persönliche Glücksniveau erhöhen kann. Diese Frage zu stellen ist der Wendepunkt im Leben eines Menschen.

Die Glücksforschung gibt uns viele Hinweise. Wir sollten gesund leben, meditieren, positiv denken und anderen Wesen Gutes tun. Wir sollten eher im Geben als im Nehmen leben. Wir sollten positive Ziele in unserem Leben haben und nach einem klaren Tagesplan leben. Wir sollten selbstdiszipliniert leben, aber es nicht übertreiben. Wir sollten das Leben auch ausreichend genießen und schöne Dinge in unser Leben bringen. Mit wenig Aufwand kann man so sein allgemeines Lebensglück um 40 % erhöhen.

Das genügte mir aber nicht. Ich wollte noch mehr inneres Glück. Und so fand ich zum spirituellen Weg. Er versprach das absolute Lebensglück, und zwar nicht nur für ein Leben, sondern für die Ewigkeit. Man brauchte nur zur Erleuchtung zu kommen, ein Heiliger zu werden, ein Jivanmukti (vom Leid Befreiter) zu sein. Jetzt stellte sich für mich die Frage, wie ich das erreichen konnte.

Ich wollte die Erleuchtung radikal. Ich gab meinen Beruf als Rechtsanwalt auf, verließ meine Familie und wurde ein Yogi. Ich lebte Jahrzehnte alleine in einer abgeschiedenen Hütte im Wald. Ich praktizierte jeden Tag Yoga, ging im Wald spazieren, meditierte viel und arbeitete an meinen Gedanken. Ich machte spirituell viele Fortschritte und brach oft zur Erleuchtung durch, obwohl ich die Stufe der dauerhaften Erleuchtung noch nicht erreicht habe. Ich wurde zu einem Sotapanna, einem Stromeingetretenen. Laut buddhistischer Lehre ist für einen Sotapanna der Weg zur Erleuchtung nicht mehr umkehrbar. Eines Tages wird er sein Ziel erreichen. Er kennt das Ziel der Erleuchtung und kann deshalb aus sich selbst heraus den Weg dort hin finden. Aber natürlich braucht auch ein Sotapanna noch einen erleuchteten Meister, der ihm konkret auf seinem spirituellen Weg hilft.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sotapanna

3 Brauchen wir einen erleuchteten Meister?

Meister-Yoga ist für die meisten Menschen auf der Welt der spirituelle Hauptweg. Wer kann in der heutigen Zeit schon Jahrzehnte als Mönch oder Nonne leben? Wer kann sein Leben als abgeschiedener Yogi verbringen? Wer schafft es jeden Tag alleine für sich auch nur eine Stunde Yoga zu praktizieren oder zu meditieren? Wer kommt alleine durch seine spirituellen Übungen zur Erleuchtung? Nur ganz wenige Menschen.

Die meisten Menschen brauchen die Hilfe einer Gruppe und eines spirituellen Lehrers. Aber ein unerleuchteter Lehrer nützt ihnen auf dem spirituellen Weg auch nur begrenzt etwas. Er kann sie inspirieren und auf dem spirituellen Weg halten. Aber er kann sie normalerweise nicht zur Erleuchtung bringen. Er kann keinen spirituellen Durchbruch bewirken. Das kann nur ein erleuchteter Meister oder eine Meisterin.

Wenn wir wirklich spirituell voranschreiten wollen, brauchen wir einen erleuchteten Meister. Bis zu einer bestimmten Stufe kann ein Mensch alleine üben. Aber dann braucht er zum Fortschreiten einen erleuchteten Meister. Es gibt in der Spiritualität den berühmten Satz: „Ist der Schüler bereit, taucht der Meister auf.“ Eigentlich braucht der Schüler seinen Meister nicht zu suchen. Der Meister kommt von alleine in sein Leben. Bei mir war es allerdings so, dass plötzlich das Bedürfnis auftauchte erleuchtete Meister aufzusuchen.

Mein erster Meister war der griechische Philosoph Epikur. Er lehrte es das Glück in sich selbst zu suchen und dabei auf einem mittleren Weg voranzuschreiten. Man sollte in der Ruhe leben und an seinen Gedanken arbeiten. Man sollte für das Glück aller Wesen wirken. Man sollte spirituelle Freundschaften pflegen. Und man sollte das Leben auch etwas genießen. Seine Methoden war es sich an den kleinen Genüssen des Lebens zu erfreuen. Ein Stück Käse reicht. Ein gutes Gespräch reicht. Sein Stichwort hieß Genügsamkeit. Ein Mensch sollte den Genugpunkt in seinem Leben definieren. So kommt das ewige Wachstum der Ansprüche zum Stillstand. Eine wichtige Lehre für die heutige Zeit. Wer seinen Genugpunkt nicht kennt, hat nie genug.

Ich las die Bücher von Epikur und mein Auge der Weisheit öffnete sich. Ich wusste sofort, dass ich jetzt den Weg zum tieferen Sinn des Lebens gefunden hatte. Es entstand ein großer Jubel in mir. Irgendwie wurde durch Epikur mein Unterbewusstsein auf das spirituelle Ziel programmiert. Dadurch konnte es jetzt von alleine den Weg finden. Ich brauchte nur auszuprobieren, was für mich hilfreich war und was nicht.

Von Buddha lernte ich den Weg der Ruhe und der Meditation. Von Jesus lernte ich den Weg der umfassenden Liebe. Und von meinem Meister Swami Sivananda lernte ich den Yogaweg. Ich las seine Bücher (insbesondere Sadhana, der Weg des Yoga) und machte 1992 eine Yogalehrer-Ausbildung bei seinem erleuchteten Schüler Swami Vishnudevananda in Kanada. Ich lebte vier Wochen in seinem Ashram. Dort spürte ich eine starke spirituelle Energie. Ich trat mühelos in der Meditation in höhere Geisteszustände ein. Ich lebte in einer starken Glücksenergie. Und eines Tages öffnete sich der Energiebereich, durch den ein Erleuchteter seine ganze Erleuchtungsenergie verstecken kann. Nur ein anderer Erleuchteter kann ihn erkennen. Der Vorteil der Verankerung in diesem Energiebereich besteht auch darin, dass man sich normal in der Welt der normalen Menschen bewegen kann, ohne durch weltliche Energien zu sehr beeinträchtig zu werden. Als geheimer Erleuchteter kann man seine Erleuchtung gut bewahren. Sonst verliert man unter weltlichen Menschen leicht seine Erleuchtung.

1995 trat Sathya Sai Baba in mein Leben. Ich las ein Buch von ihm und lebte acht Jahre lang in seiner Energie. Er führte mich durch viele spirituelle Krisen, indem er mir jeweils die Energie übertrug, die ich gerade brauchte. Er gab mir Kraft, Gelassenheit, Glück und Liebe. In Träumen erhielt ich viele spirituelle Einweihungen. Er gab mir bestimmte übersinnliche Fähigkeiten, die ich für meine Aufgabe als spiritueller Lehrer brauchte. Es geschahen viele Wunder in dieser Zeit. Doch dann verschwand er plötzlich aus meinem Leben. Ein wirklicher erleuchteter Meister macht seine Schüler nicht durch seine Energie von sich abhängig, sondern führt sie zu sich selbst. Einer anderen Schülerin erklärte er in diesem Zusammenhang: „Sei ab jetzt deine eigene Meisterin.“ Ich habe einige Jahre getrauert, weil mir seine starke spirituelle Energie fehlte.

Doch dann kam ich zu Mutter Meera. Mutter Meera lehrt die Einheit aller Religionen. Sie hilft Menschen aus allen Religionen. Jeder kann zu ihr kommen. Sie lehrt aus der Ruhe heraus und spricht kaum. Beim Darshan kommen alle Menschen nacheinander zu ihr. Mutter Meera berührt sie an ihrem Kopf, sieht ihnen in die Augen und gibt ihnen das, was sie gerade brauchen. Ein Bekannter von mir wurde beim Darshan direkt erleuchtet. Mir wurden viele verschiedene Energien übertragen. Jetzt bin ich seit vielen Jahren mit Mutter Meera unterwegs. Wer sich geistig mit ihr verbindet, ihren Namen denkt, den führt sie über eine höhere Bewusstseinsdimension. Es ist ähnlich wie beim Amitabha-Buddhismus. Jeder darf das tun, was er für richtig hält. Und trotzdem entwickelt er sich spirituell immer weiter. Mutter Meera führt ihn durch die Ereignisse des Lebens.

Mein letzter Satsang war bei Amma (Amritanadamayi). Bei ihr geht es ganz anders zu als bei Mutter Meera. Es ist eher traditionell indisch. Es wird viel gesungen und viel gefeiert. Ein Satsang bei Amma ist ein großes spirituelles Festival mit viel Musik. Es gibt schönes Essen. Man kann viel kaufen und gute Gespräche führen. Wer möchte, kann sich von Amma umarmen lassen. Dabei trat ich in die Liebe von Amma ein. Ich spürte, wie sie sich mit meinem Herzchakra verband. Sie flüsterte ein Mantra in mein Ohr und heilte dadurch ein Magenproblem von mir. Danach fühlte ich mich als Schüler von ihr angenommen.

Der Meister-Yoga wird im tibetischen Buddhismus Guru-Yoga genannt. Im Hinduismus spricht man eher vom Bhakti-Yoga (Gottheiten-Yoga). Der Meister wirkt durch die Statuen und Bilder der indischen Gottheiten. Man kann sich aber auch direkt Bilder seiner Meisterin oder seines Meister auf seinen Altar stellen. Der Meister ist energetisch in seinem Bild und auch in seinen Büchern anwesend. Wer sich regelmäßig mit einem erleuchteten Meister verbindet, wird von ihm zur Erleuchtung geführt. Das geschieht oft über viele Leben. Vor zwei Leben war ich eine indische Frau und habe die indischen Götter verehrt. Dadurch wurde ich von Leben zu Leben spirituell geführt und konnte so spirituell immer weiter wachsen. Es ist sehr schwierig in einem Leben zur Erleuchtung zu gelangen. Aber mit dem Meister-Yoga kommt man Leben für Leben spirituell voran.

Das Geheimnis des Meister-Yoga sind die übersinnlichen Fähigkeiten (Siddhis) eines erleuchteten Meister. Durch die Verehrung verbindet man sich mit der Energie und dem Bewusstsein des Meisters. Je öfter man sich verbindet, desto mehr verschmilzt man mit der Erleuchtungsenergie des Meisters. Das kann man spüren, wenn man in das Energiefeld eines Meisters eintritt. Außer der Meister versteckt seine Energie. Bei manchen Meistern habe ich deshalb nichts gespürt. Bei anderen Meistern dagegen trat ich in eine starke Energie ein. In mir entstanden zuerst eine tiefe Trauer, dann ein tiefer Friede und dann spürte ich Liebe und Glückseligkeit. Mein Körper bildete automatisch bestimmte Yogahaltungen. Mein Geist meditierte von alleine. Mein Satsang bei bestimmten Meistern war ein Wunderwerk der Energie. Das galt insbesondere beim Dalai Lama, bei Thich Nhat Hanh, bei Mantal Chia, bei Amma, bei Shanti Mayi, Gangaji, bei Samarpan und bei Krishna Das (einem Schüler von Neem Karoli Baba). Ich habe viele erleuchtete Meister getroffen, die mich durch ihre Energie durch ihre besonderen Fähigkeiten überzeugt haben. Der Meister-Yoga lebt durch die Energieübertragungen. Man fühlt sich durch die Nähe zum Meister spirituell angehoben und getragen. Es ist ein großes Geschenk, wenn man einen erleuchteten Meister hat.

4 Der glückliche Pilger Ben

Ben war ein Kleinbauer in Tibet. Eines Tages beschloss er eine Pilgerreise zu einem berühmten Tempel zu machen. Dort gab es einen großen goldenen Buddha, der angeblich alle Wünsche erfüllte. Ben war zufrieden mit seinem Leben als einfacher Bauer. Aber seine Frau nervte ihn manchmal erheblich. Also machte er sich auf zum goldenen Buddha. Seine Frau war damit gar nicht einverstanden. Sie musste jetzt alle Arbeit auf dem Bauernhof alleine machen. Und es gab dort viel Arbeit.

Ben wanderte mehrere Wochen durch die wilde Berglandschaft Tibets, bis er den Tempel erreichte. In der Mitte des Tempels saß auf einem Thron der goldene Buddha. Um ihn herum brannten im Dämmerlicht des Tempels viele heilige Butterlampen. Andere Pilger hatten kleine Opferbrote vor dem Buddha niedergelegt. Das waren kleine leckere Süßspeisen. Bei dem Anblick lief Ben das Wasser im Mund zusammen, denn er war durch die lange Pilgerreise sehr hungrig geworden.

Ben warf sich vor dem Buddha mehrmals auf den Boden. Die tibetischen Niederwerfungen sind eine Form der Verehrung. Mein legt die Hände vor dem Herzchakra zusammen, verneigt sich vor dem Buddha, kniet sich nieder und legt sich dann ausgestreckt mit der Stirn auf den Boden. Das macht man mindestens dreimal. Beim dritten Mal schlief Ben vor dem Buddha auf dem Boden ein, denn er war sehr müde und erschöpft von der langen Reise. Im Traum erschien ihm in einer Vision der goldene Buddha. Der Buddha sprach zu Ben: „Ich begrüße dich in meinem Tempel. Du bist hungrig von dem vielen Wandern. Du darfst gerne die Opferbrote aufessen.“

Das ließ sich Ben nicht zweimal sagen. Er wachte sofort auf und verzehrte genüsslich alle Opferbrote. Vorher tauchte er sie in das Fett der Butterlampen ein, damit sie noch besser schmecken. Plötzlich öffnete sich die Tür des Tempels und der Tempelwächter, ein hoher Lama, trat herein. Er erblickte voller Entsetzen Ben, wie der den Tempel entweihte. Das Verzehren der Opferbrote war nur den Priestern des Tempels als Stellvertretern des Buddhas erlaubt. Der Lama schrie: „Nichtsnutz, verschwinde.“ Das tat Ben dann auch.

Auf dem Rückweg dachte er immer an die Worte des Lamas. Ben hielt sie für ein heiliges Mantra, das ihm letztlich der goldene Buddha gegeben hatte. Immer wenn ein negativer Gedanke auftauchte, der Ben belästigte, dachte er „Nichtsnutz, verschwinde“. Im Laufe der Zeit wurden seine negativen Gedanken immer weniger und Ben immer friedlicher. Er vergaß sogar den Wunsch, den er an den goldenen Buddha richten wollte. Sein Wunsch war es von dem ständigen Gemecker seiner Frau erlöst zu werden.

Als er wieder bei seinem Bauernhof ankam, hatte sich die Frau inzwischen einen anderen Mann genommen. Die Zeit der Pilgerreise war ihr zu lang und die Arbeit zu viel geworden. Also hatte sie kurzerhand den Knecht geheiratet. Als Ben wieder auftauchte, hatte sie jetzt einen Mann zu viel. Deshalb schrie sie zu Ben: „Nichtsnutz, verschwinde.“

Ben ließ spontan alle Anhaftung an seine Frau und seinen Bauernhof los. Er erkannte sich als Nichtsnutz und sein Ego löste sich auf. In ihm erwachte das Glück der Erleuchtung. Durch die lange Pilgerfahrt und sein neues Mantra war er selbst zu einem goldenen Buddha geworden. Als glücklicher Bettler zog er durch das Land und erhielt jetzt selbst viele Opferbrote von seinen Verehrern. Sein Wunsch nach einem meckerfreien Leben hatte sich erfüllt. Und wenn ihn ein negativer Gedanke plagte, dann dachte er sein Mantra. Er begriff sich als Nichtsnutz, der keine Ansprüche auf irgendetwas hatte. Er nahm deshalb das Leben so an, wie es gerade kam. Er floss mit den Dingen, wie sie sich gestalteten und blieb dadurch immer im Frieden und im Glück. (Frei nacherzählt aus Tibetische Weisheitsgeschichten)

5 Der Mantra-Mann und seine Pferde

In einer kleinen Steinhütte zwischen den Bergen des Himalaya lebte einst ein alter Mann. Seine Frau war vor vielen Jahren gestorben und so war er ganz alleine. Nur sein Sohn war noch bei ihm. Darüber war er sehr dankbar. Egal wie es in seinem Leben kam, er war immer dankbar. Das verdankte er seiner tiefen Spiritualität. Alles Äußere nahm er nicht wichtig. Für einen spirituellen Menschen dient alles Äußere letztlich nur dazu sich innerlich zu entwickeln und die Erleuchtung zu erlangen.

Der alte Mann hatte eine kleine Gebetsmühle, die er beständig drehte. Dabei wiederholte er das tibetische Mantra „Om Mani Padme Hum“. Das Wort Mani bedeutet wunscherfüllendes Juwel. Das wunscherfüllende Juwel im Leben ist das innere Glück. Wer inneres Glück hat, hat alles. Wer kein inneres Glück hat, hat letztlich nichts. Das Mani-Mantra erfüllt uns den Wunsch nach innerem Frieden, Glück und Erleuchtung. Immer wenn den alten Mann ein negativer Gedanke belästigte, dann dachte er sein Mantra und der Gedanke verschwand nach einiger Zeit. So konnte der alte Mann immer seinen inneren Frieden und sein Glück bewahren.

Der alte Mann lebte von der Pferdezucht. Er besaß eine kleine Pferdeherde und einen schönen Hengst. Eines Tages verschwand die Pferdeherde. Der Hengst hatte sie in die Wildnis der Berge entführt. Da bedauerten alle Nachbarn den alten Mann. Doch der Mann drehte seine Gebetsmühle und sagte nur: „Wer weiß, wozu das alles gut ist.“ Nach einigen Woche kam der Hengst mit einer noch größeren Herde zurück. Da war der alte Mann sehr dankbar, denn ohne seine Pferde konnte er kein Geld verdienen.

Einige Zeit später fiel der Sohn beim Zureiten der Wildpferde auf die Erde und brach sich ein Bein. Er konnte nie wieder richtig gehen und erst recht nicht auf einem Pferd reiten. Die Nachbarn bedauerten den alten Mann. Der alte Mann meinte nur trocken: „Wer weiß, wozu das alles gut ist.“

Einige Monate später kam der Krieg in das Land. Der König rekrutierte alle jungen Männer zwangsweise zum Wehrdienst. Die Söhne aller Nachbarn wurden eingezogen. Viele starben im Krieg. Nur der Sohn des alten Mannes durfte zuhause bleiben, weil er zu behindert zum Kämpfen war. Da waren alle Nachbarn neidisch. Der alte Mann drehte seine Gebetsmühle, sprach sein Mantra und war dankbar. Sein spiritueller Weg hatte ihm dauerhaftes Glück beschert. Und als er eines Tages starb, war er auch dankbar. Er war dankbar für sein langes glückliches Leben. Er dachte sein Mantra und ging im inneren Frieden ins Jenseits über. Dort dreht er immer weiter seine Gebetsmühle, denkt sein Mantra und hilft jetzt seinem Sohn auf dem Weg des Glücks.

7. Wie gehst du mit dem Tod um?

Dalai Lama: „Ich meditiere jeden Tag auf den Tod. Ich gehe täglich alle Stadien des Sterbens durch.“

Nils: Die tägliche Beschäftigung mit dem Tod ist ein wichtiger Weg zum inneren Frieden und zur Erleuchtung. Es nimmt uns unsere Angst. Wir können uns positiv auf den Tod einstellen. Wir können den Tod so planen, dass er zu einem Aufstieg ins Licht wird. Wir sind uns der Vergänglichkeit des Lebens bewusst und können dadurch jeden Tag unseres Leben bewusst leben. Für alle spirituellen Menschen ist klar, dass das Bewusstsein ewig lebt. Wir bestimmen durch unser jetziges Verhalten, wie es uns in Zukunft gehen wird. Ein spiritueller Mensch hat grundsätzlich eine positive Zukunft. Wer einen erleuchteten Meister hat, braucht keine Angst vor dem Tod zu haben. Ihm wird immer geholfen.

8 Der alte Khenpo praktiziert Phowa (Bewusstseinsübertragung)

Als die Chinesen 1950 in Tibet einmarschierten, wurden viele Mönche und Nonnen in chinesische Konzentrationslager gebracht, wie wir es heute noch von den Uiguren kennen. Auch der Abt des Dzogchen-Klosters von Kham wurde eingesperrt, gefoltert und umerzogen. Aber alle Umerziehungsmaßnahmen waren wirkungslos. Der alte Khenpo war ein sturer Mensch. Er blieb seiner Religion treu. Er gab lieber sein Leben als seine Religion auf. Er erklärte, dass diese Welt ein unwirklicher Traum ist und auch alles Leid letztlich unwirklich ist.

Die Chinesen wollten testen, ob der Khenpo sich tatsächlich über alle Schmerzen erheben kann. Sie brachen ihm alle Knochen und folterten ihn, bis er kurz vor dem Tod stand. Dann setzten sie ihn auf ein Pferd und trieben ihn durch den Hof, wo sich alle anderen tibetischen Gefangenen versammeln mussten. Doch der alte Khenpo pries weiterhin die Lehren Buddhas. Plötzlich blieb das Pferd stehen. Der spirituelle Gesang des alten Meisters brach ab. Er richtete seinen Blick zum Himmel, schrie: „Hick!“ und schleuderte mit diesem Mantra sein Bewusstsein ins Licht. Mit seiner letzten Handlung gab er ein Zeugnis ab für die tibetische Kunst des Sterbens, die sich Phowa (Bewusstseinsübertragung) nennt. (Aus Surya Das, tibetische Weisheitsgeschichten).

Eine ähnliche Technik gibt es im Hinduismus. Dort setzen sich fortgeschrittene Yogis in den Meditationssitz, wenn die Stunde ihres Todes gekommen ist. Sie denken das Manta „Om Shiva Namaha!“ und lassen damit ihr Bewusstsein durch das Scheitelchakra ins Licht aufsteigen.

Im tibetischen Buddhismus ist es eine Tradition, dass erleuchtete Meister noch drei Tage nach ihrem Tod mit ihrem Bewusstsein im Körper bleiben. Das Herzchakra ist dann noch warm, der Körper verwest nicht und man spürt die Energie des Meisters im Raum. Das hat der 16. Karmapa 1981 bei seinem Tod in Chicago vor den westlichen Ärzten demonstriert. Er hat damit bewiesen, dass das Bewusstsein nach dem Tod des Körpers weiterlebt. Der tibetische Buddhismus hat in seinem tibetischen Totenbuch viele Techniken beschrieben, mit denen man bei seinem Tod zur Erleuchtung kommen und ins Licht aufsteigen kann. Der Tod ist für die meisten Menschen die beste Gelegenheit zur Erleuchtung zu gelangen. Das kann durch ein einfaches Mantra geschehen. Mir gaben meine Meister dazu im Traum das Mantra „Ja.“ Man denkt es beim Sterben so lange, bis man im Licht ist.

Wikipedia: „Lama Thubten Yeshe lehrte zum Thema Phowa: „Wir müssen den richtigen Zeitpunkt wählen, um unser Bewusstsein zu übertragen; Wir dürfen es nicht zur falschen Zeit tun, weil das zum Selbstmord wird.“ Die Methode kann im Moment des Todes angewendet werden, um nach dem vajrayāna-buddhistischen Glauben das Bewusstsein durch die Oberseite des Kopfes direkt in ein Buddha-Feld seiner Wahl zu übertragen. Phowa wird auch von Spezialisten im Auftrag des Verstorbenen als Ritual durchgeführt. Im Kontext des westlichen Buddhismus ist die Praxis des Phowa in zwei Gruppen in Europa und Amerika bekannt geworden. In Rigpa, das 1979 von Sogyal Rinpoche gegründet wurde. Der Diamantweg-Buddhismus wurde 1972 von Lama Ole Nydahl und Hannah Nydahl gegründet und bietet Intensivkurse aus einer Nyngma- und Karma-Kagyü-Übertragung an. Phowa hat viele verschiedene Bedeutungen; im Tibetischen bedeutet es „Bewusstseinsübertragung“. Die höchste Form ist bekannt als die Phowa des Dharmakaya, die Meditation über die große Vollkommenheit ist. Wenn du die Dzogchen-Meditation machst (Nils: im Zustand der Erleuchtung stirbst), gibt es keine Notwendigkeit, etwas zu übertragen, denn es gibt nichts zu übertragen, keinen Ort, um es zu übertragen, noch irgendjemanden, der es tun könnte. Das ist die höchste und größte Phowa-Praxis.“

9 Der Friedenstifter

Zwischen zwei Dörfern in Tibet herrschte Krieg. Ein alter Lama beschloss Frieden zwischen den Menschen zu stiften. Er wanderte zu den abgelegenen Dörfern und setze sich auf den schmalen Gebirgspfad, durch den die beiden Dörfer verbunden waren. Wenn die Männer der Dörfer gegeneinander Krieg führen wollten, mussten sie an ihm vorbeireiten. Der alte Lama zündete ein kleines Feuer an und begann mitten auf dem Weg zu meditieren.

Nach kurzer Zeit sprach es sich in den beiden Dörfern herum, dass der Weg von einem verrückten alten Mann blockiert wurde. Männer beider Dörfer wurden losgeschickt, um den alten Lama vom Gebirgspfad zu vertreiben. Sie bewaffneten sich mit Schwertern und Gewehren und ritten wütend auf ihren Pferden los. Beim Lagerfeuer des alten Lamas trafen sich die beiden Gruppen der Krieger. Der Lama bat sie sich erst einmal zu ihm zu setzen und ihm gründlich den Grund des Krieges zu erklären. So saßen alle um das Lagerfeuer herum und diskutierten. Sie konnten sich über den tieferen Grund des Krieges nicht einigen. Die Fehde zwischen den Dörfern dauerte schon viele Jahrhunderte an. Viele Männer war in dieser Zeit gestorben. Viele Frauen und Kinder waren unglücklich geworden. Aber die Ursache des Krieges war in Vergessenheit geraten. Der Hass zwischen den Dörfern jedoch war bestehen geblieben.

Der alte Lama versuchte zwischen den Kriegern zu vermitteln. Durch seine friedliche Ausstrahlung wurden sie im Laufe der Zeit immer ruhiger. Zum Schluss tranken sie alle gemeinsam Chang (tibetisches Bier) und vertrugen sich wieder. Sie beschlossen statt sich zu bekämpfen jedes Jahr ein gemeinsames Fest zu feiern. Dort konnten sie sich dann im Bogenschießen und im Liedsingen messen, ohne sich gegenseitig töten zu müssen. Der alte Lama stellte fest, dass erleuchtete Energie ansteckend ist und reiste zufrieden weiter zum nächsten unfriedlichen Dorf. (Frei nacherzählt aus Tibetische Weisheitsgeschichten)

10 Erleuchtung für den Weltfrieden

Im Moment herrscht Krieg auf der Welt. Russland und die westlichen Länder bekämpfen sich in der Ukraine. Täglich sterben Tausende von Menschen. Jeder Krieg bringt unermessliches Leid über die beteiligten Menschen. Wir sehen sterbende Kinder, vergewaltigte Frauen, weinende Mütter und traumatisierte Männer. Es gab zu allen Zeiten Krieg auf der Welt. Und es droht uns ein noch größerer Krieg zwischen den USA und China. Im Moment werden noch keine Atomwaffen eingesetzt. Damit könnte die ganze Menschheit ausgerottet werden.

Was können wir tun? Wir sollten Krieg verhindern, soweit wir können. Wir sollten Kriege beenden, soweit wir es vermögen. Es ist wichtig das Ziel einer Welt des Friedens, der Liebe und des allgemeinen Glücks aufrecht zu erhalten. Es ist wichtig, weltweit eine Kultur des Friedens aufzubauen. Es ist wichtig, dass wir in uns selbst Frieden, Liebe und Glück erzeugen. Es ist wichtig, dass wir in unseren Familien, Gruppen und Freundeskreisen Frieden und Liebe erzeugen.

Wie kann das gelingen? Wir brauchen eine globale Bewusstseinsänderung. Wir müssen die Energien der Liebe, des Friedens und des inneren Glücks stärken. Inneres Unglück erzeugt Frustration. Und Frustration führt zu Aggression und Kriegen zwischen den Menschen. Eine egoorientierte Welt führt zu Kriegen. Die Liebe und gemeinsames Glück und nicht äußerer Konsum und gegenseitiger Kampf müssen in den Universitäten gelehrt, in den Schulen geübt und in den Massenmedien verbreitet werden.

Wir brauchen mehr erleuchtete Menschen, die mit ihrem Bewusstsein der Liebe und des Friedens das allgemeine Bewusstsein der Welt verändern. Wir brauchen ein goldenes Zeitalter der Weisheit und der Liebe auf der Welt. Dafür arbeiten viele erleuchtete Menschen. Dafür arbeiten Christen, Hindus, Buddhisten und auch viele Menschen im Islam. Dafür arbeite auch ich mit meinen Gruppen und meinen Büchern.

Eine Bekannte von mir hat mir erzählt, dass sie jetzt auch auf dem Weg der Erleuchtung ist. Ein erleuchteter Meister in Indien möchte 80 000 Menschen zur Erleuchtung bringen. Er meint, dass dadurch das Bewusstsein der Welt verändert würde. Noch hat er diese Zahl nicht zusammen. Meine Bekannte hat sich dieser Bewegung angeschlossen. Jeder muss 2500 Euro zahlen und bekommt dafür die Erleuchtungsenergie übertragen. Zuerst hatte meine Bekannte starke Reinigungsprozesse. Aber jetzt entstehen Frieden, Glück und Liebe in ihr. Sie glaubt, dass sie kurz vor der Erleuchtung steht. Ich beobachte interessiert ihren Weg.

Mein Weg ist es das Wissen von der Erleuchtung kostenlos zu verbreiten. Ich habe es kostenlos von meinen Meistern erhalten. Meine Meister wie der Dalai Lama, Swami Sivananda, Sai Baba, Amma (Amritanandamayi) und Mutter Meera geben ihre Energie kostenlos oder gegen einen kleinen Beitrag an ihre Schüler weiter. Jeder entwickelt sich in seiner persönlichen Geschwindigkeit zur Erleuchtung. Dadurch kommt es nicht zur Überforderung bei den Reinigungsprozessen. Aber letztlich hat jeder seinen eigenen Weg. Jeder fühlt sich dahin gezogen, wo es für ihn richtig ist. Meine Bekannte ist eine starke Frau. Sie hat die Kraft für ihren Weg. Sie glaubt an ihren Weg.

Und ich glaube an meinen Weg. Obwohl ein frecher Mensch unter eines meiner Bücher geschrieben hat: „Was nichts kostet, taugt nichts.“ Dann ist mein Weg wohl nicht richtig für ihn. Aber es gibt viele Menschen, die wenig Geld haben. Sie dürfen vom Weg der Erleuchtung, der Liebe, des Friedens und des inneren Glücks nicht ausgeschlossen werden. Deshalb gibt es kostenlose und kostenreiche Angebote auf dem spirituellen Weg. Aber letztlich kann ein Meister nur Weisheit und Energien übertragen. Die innere Arbeit muss jeder selbst machen. Tun wir es für uns und für eine glückliche Welt.

11 Pfingstretreat 2022

Mit der Erleuchtung hat es Pfingsten nicht geklappt. Ich bin so wie immer. Es war wohl nur eine verrückte Idee. Oder der Kosmos hat umdisponiert und die Erleuchtung auf eines der nächsten Retreats verschoben. Das Retreat war das reinste Chaos. Es hatten sich elf Leute angemeldet. Wie in meiner Vision wäre das Retreat voll gewesen. Aber dann haben sich in den letzten zwei Wochen zehn Leute wieder abgemeldet, zwei davon am Tag des Retreats. Nur einer kam. Und der kam eine Stunde zu spät. Das lag vermutlich an verschiedenen ungeplanten Umständen wie der Corona-Pandemi, dem Ukraine-Krieg und dann auch noch dem 9 Euro Ticket, womit man über Pfingsten überall mit der Bahn hinreisen konnte. Die Leute nutzen es zu einem billigen Urlaub und nicht zu einem spirituellen Retreat.

Wir wollten schon das Retreat aufgeben. Dann haben wir es für den einen Teilnehmer durchgeführt, aber auf zwei Tage verkürzt. Barbara war sehr enttäuscht. Sie sah sich als große spirituelle Lehrerin. Und dann das. Aber sie ist eine Kämpferin. Sie rappelte sich wieder auf und machte sofort einen besseren Plan für nächstes Jahr. Wir wollen in Zukunft 50 Euro Anzahlung bei der Anmeldung nehmen. Wenn die Leute etwas anzahlen müssen, dann kommen sie nach aller Erfahrung auch. Und dann wollen wir noch testen, welche Themen die Leute wollen. Wir machen einen Fragebogen. Vielleicht bieten wir Ausbildungen und Einweihungen an. Das ist auch ein Erfolgsmodell. Barbara hat die Idee eine Kurzausbildung zum spirituellen Wegbegleiter zu machen. Ich könnte Yoga, rational-positive Therapie oder das Tarot-Orakel anbieten. Ich bringe mein Wissen ein und Barbara bringt ihr Wissen ein. Sie hat ein Ausbildung als Naturärztin (schweizer Heilpraktikerin) und als Wegbegleiterin der neuen Zeit mit einer Einweihung in die Quellen-Energie. Ich habe eine Ausbildung als Yogalehrer und eine Ausbildung in rational-emotiver Psychotherapie. Ich habe zehn Jahre therapeutische Gruppen mit dem Schwerpunkt positives Denken und Gefühlsarbeit geleitet. Ich nenne meinen Weg rational-positive Therapie, weil ich festgestellt habe, dass die Verbindung von rational-emotiver Therapie (bei der der Schwerpunkt auf dem vernünftigen Denken und dem Verstand liegt) mit dem positiven Denken (bei dem der Schwerpunkt auf der Liebe und dem Herzchakra liegt) für die meisten Menschen der beste Weg der Arbeit an sich selbst ist. Des Weiteren habe ich von einem tibetischen Meister ein Einweihung in den Amitabha-Weg erhalten. Amitabha ist der Buddha der Liebe und des Lichts. Ich werde auf dem nächsten Retreat die Amitabha-Energie übertragen. Das wird ein großer Segen für alle Menschen.

Letztlich war das Pfingstretreat auch mit uns Dreien gut. Barbara konnte alles erzählen, was sie erzählen wollte. Sie konnte es gut üben eine spirituelle Lehrerin zu sein. Und ich habe erkannt, dass jeder von uns sein eigenes spirituelles System hat. Barbaras System passt für sie und mein System für mich. Ich konnte sie mit ihrem System so lassen wie sie ist. Erleuchtung ist letztlich über allen Systemen. Und ich lehre es seinen persönlichen Weg der Wahrheit und Weisheit zu gehen.


Wenn ich genauer hinsehe, war alles gut so wie es ist. Ich hatte die letzten Wochen wieder erhebliche Reinigungsprozesse. Da nur einer kam, überforderte mich das Retreat nicht. Die erste Nacht konnte ich drei Stunden und die zweite Nacht sogar acht Stunden schlafen. Heute bin ich körperlich erholt, aber geistig arbeitet es noch in mir. Ich musste mein Ego loslassen. Das Leben folgt seinem eigenen Plan. Das Leben wollte es so und ich ordne mich dem unter. Und eigentlich ist in meinem Leben alles gut so wie es ist. Ich bin gesund, lebe in der schönen Natur, gehe meinen spirituellen Weg, habe eine passende Freundin und Barbara ist glücklich mit mir. Für sie ist es sehr wichtig, dass wir zusammenziehen. Dieser Gedanke macht sie glücklich. Auch die Idee als spirituelle Lehrerin zu arbeiten und Retreats zu abzuhalten, macht sie glücklich. Das ist ihre Erfüllung. Sie möchte eigentlich auch noch heiraten. Aber da neige ich im Moment eher nicht zu. Ich bin ein eingefleischter Junggeselle. Aber mal sehen, was das Leben noch so bringt.

12 Meine Ausbildungen und Einweihungen

Mein spiritueller Weg begann 1983, als ich ein Buch des griechischen Philosophen Epikur las. Epikur lehrte, dass das Glück eines Menschen hauptsächlich in einem selbst zu finden ist. Diese Lehre ist von der modernen Psychologie bestätigt worden. Nach Sonja Lyubomirsky kommen 90 % des Glücks aus der Psyche und nur 10 % aus unserer äußeren Situation. Wenn wir in unserem Leben glücklich werden wollen, müssen wir an unserer Psyche arbeiten. Wir müssen Eigenschaften wie innerer Frieden, Glück, Liebe und Weisheit entwickeln. Das gelingt durch den Zusammenhang von Gedanken und Gefühlen. Wer positiv denkt, erhält positive Gefühle. Wer negativ denkt, erhält negative Gefühle, ein eher negatives Lebensgefühl und wird oft krank. Negativ denkende Menschen werden neunmal öfter krank als positiv denkende Menschen. Es ist also wichtig achtsam auf die Gedanken und Gefühle zu sein. Das ist auch die Hauptlehre des Buddhismus. Sonja hat festgestellt, dass man mit einigen wenigen einfachen täglichen Übungen sein allgemeines Glücksniveau um 40 % erhöhen kann. Wir sollten jeden Tag etwas meditieren, Sport treiben, auf unsere Gedanken achten und etwas Positives tun.

Mit den Techniken der Psychologie und der Spiritualität überwand ich eine schwere Depression und viele psychosomatische Krankheiten. Ich machte 1988 eine dreijährige Ausbildung zum Psychotherapeuten. Damals war die psychotherapeutische Ausbildung zweigeteilt. Zuerst studierte man Psychologie und danach machte man eine psychotherapeutische Spezialausbildung in einer der vielen therapeutischen Richtungen. Da ich Jura studiert hatte, konnte ich nach einem Test als Quereinsteiger direkt eine psychotherapeutische Ausbildung beginnen. Ich wählte den Weg der rational-emotiven Therapie, eine Form der Verhaltenstherapie mit dem Schwerpunkt auf der Arbeit an den Gedanken und Gefühlen. Gefühle wie zum Beispiel Angst wurden genau erspürt und dann mit einem rationalen Gedanken bearbeitet.

Das ist in vielen Fällen hilfreich. Wenn man bei dem Grund der Angst genau hinsieht, findet man oft einen Weg die Angst zu verringern oder zu überwinden. Gefühle werden also vom Verstand her bearbeitet. Ich habe aber festgestellt, dass der Verstand allein nicht genügt. Man muss auch sein Herzchakra öffnen. Dazu braucht man Liebe, Optimismus und positives Denken. Mein Weg wurde es deshalb Herz und Kopf miteinander zu verbinden. Ich nenne es rational-positive Therapie. Ich war mit dieser Methode sehr erfolgreich. Ich arbeitete einige Jahre als Psychotherapeut und machte zehn Jahre therapeutische Gruppen mit dem Schwerpunkt positives Denken an einem Gesundheitszentrum und an der Volkshochschule.

Nach meiner Ausbildung zum Psychotherapeuten machte ich noch eine Ausbildung als Yogalehrer. Ich arbeitete 18 Jahre als Yogalehrer an der Hamburger Volkshochschule. Dabei habe ich meinen eigenen Weg des Yoga entwickelt, den ich kreativen intuitiven Yoga (oder auch Glücksyoga) nenne. Dieser Weg besteht aus einfachen Übungen und ist leicht zu erlernen. Der Schwerpunkt liegt auf der Energiearbeit und der Entwicklung von innerem Glück. Er beinhaltet dynamische Übungen (Schüttelmeditation), Yogaübungen im Liegen und im Sitzen und verschiedene Meditationstechniken (Muskelentspannung, Body Scan, Gedankenstopp, Lichtmeditation). Ich habe einige erfolgreiche Bücher zum Thema Glücksyoga geschrieben.

Auf meinem spirituellen Weg bekam ich viele Einweihungen und Energieübertragungen. 1991 wurde ich vom Dalai Lama auf einer großen Veranstaltung in Hamburg in den tibetischen Gottheiten-Yoga eingeweiht. Der Gottheiten-Yoga ist ein fortgeschrittener Weg die Erleuchtungsenergie (Kundalini-Energie) zu erwecken. 1998 bekam ich auch noch eine Einweihung vom Dalai Lama zum Bodhisattva. Bei einem langen Ritual spürte ich, wie sich die Energie des Dalai Lama auf mich übertrug und in mich einging. Der Dalai Lama erschien mir danach viele Jahre im Traum und führte mich auf meinem spirituellen Weg.

Im Buddhismus gibt es viele verschiedene Wege. Der Hauptweg mit der größten Anhängerschaft ist der Amitabha-Buddhismus. Er wird vor allem in China, Vietnam, Südkorea und Japan praktiziert. Er ist der einfachste buddhistische Weg. Man verbindet sich täglich mit Buddha Amitabha und denkt seinen Namen als Mantra. Amitabha ist der Buddha der Liebe und des Lichts. Wer sich mit ihm geistig verbindet, dem hilft er in seinem Leben. Er führt ihn in die Liebe und ins Licht. Insbesondere hilft er einem Menschen beim Sterben. Man gelangt dann nach dem Tod ins Paradies von Amitabha (das Reine Land Sukhavati). Ich habe die Wirksamkeit des Amitabha-Mantras beim Tod meiner Mutter sehr deutlich erfahren. Sie starb im Glück und teilte mir danach im Traum mit, dass sie im Paradies sei.

Ein Amitabha-Anhänger ist frei in der persönlichen Gestaltung seines spirituellen Weges. Er muss nicht als Mönch oder Nonne leben. Er muss nicht als abgeschiedener Yogi leben. Er kann so leben wie er möchte. Natürlich sollte er sich bemühen ein guter Mensch zu sein. Hilfreich ist es zu meditieren und an den Gedanken zu arbeiten. Aber hauptsächlich verläßt man sich auf Buddha Amitabha, der einen durch das Leben ins Licht führt. Man wächst spirituell an den Ereignissen des Lebens. Man bewältigt sie mit der Kraft des Mantra und der Gedankenarbeit.

Mich faszinierte der Amitabha-Buddhismus. Ich habe viele Bücher darüber gelesen und geschrieben. In meinem Haus stehen viele Statuen von Buddha Amitabha. 1999 kam dann ein tibetischer Lama nach Hamburg, der mir eine Einweihung in den Amitabha-Buddhismus gab. Eine Woche lang visualisierten wir in einer kleinen Gruppe Amitabha in seinem Paradies, dachten seinen Namen als Mantra, lasen lange tibetische Texte und erhielten eine Segensübertragung. Ich nahm den Segen mit den Willen an auf meine Art kreativ den Amitabha-Buddhismus im Westen zu lehren. Das habe ich bis jetzt durch meine Bücher und meine Gruppen im Internet getan. Ab nächstem Jahr möchte ich auch Menschen in den Amitabha-Weg einweihen und die dazu notwendige Energie übertragen.

Ich lehre einen undogmatischen spirituellen Weg. Jeder darf dem Weg seiner eigenen Wahrheit und Weisheit folgen. Ich vertrete die Einheit aller Religionen, insbesondere die Verbindung von indischem Yoga, buddhistischer Philosophie und westlicher Psychologie. Es gibt bestimmte Techniken, die für viele Menschen hilfreich sind. Dazu gehören die Gedankenarbeit, die Meditation und der Sport (Yoga, Gehen). Mit meiner Freundin Barbara möchte ich das spirituelle Wissen nächstes Jahr in einem Retreat weitergeben. Wir planen eine Ausbildung zum spirituellen Wegbegleiter, die mit einem Zertifikat endet. Darin werden wir die wichtigsten spirituellen Techniken weitergeben und auch eine Einweihung vornehmen.

13 Der alte Zen-Meister trifft eine junge Frau

Es war einmal ein alter Zen-Meister, der lebte abgeschieden in einer kleinen Hütte in den Bergen. Sein Weg war es, die Lehre Buddhas radikal ernst zu nehmen. Buddha hatte es gelehrt ohne Anhaftung und ohne Ablehnung zu leben. Also nahm der Zen-Meister alle Dinge an, die in sein Leben kamen. Und er ließ alles gehen, was gehen wollte. So blieb er immer im Frieden. Er strahlte eine heitere Gelassenheit aus und war freundlich zu allen Menschen, die ihm begegneten. Er verbeugte sich vor allem, vor seinen Mitmenschen, seinem Schicksal, dem Leben und natürlich auch vor der Statue von Buddha Amitabha, die auf dem kleinen Altar in seiner Hütte stand.

Er war ein bescheidener und genügsamer Mensch. Wichtig war es ihm nur, dass er auf seine Art seinen Weg der Erleuchtung gehen konnte. Alles Äußere war für ihn nicht wichtig. Für ihn zählte nur das Innere. Für ihn zählte nur sein spiritueller Weg und die Lehre Buddhas. Jeden Tag meditierte er einige Stunden, las in den heiligen Schriften, aß etwas und ging dreimal am Tag spazieren. Wenn Besucher in seine abgeschiedene Hütte kamen, bewirtete er sie freundlich. Sie erhielten seinen Segen und gingen wieder.

So lebte er viele Jahre friedlich vor sich hin. Seine spirituelle Energie nahm immer mehr zu. Er hatte eine Ausstrahlung von Frieden, Licht, Liebe und Glück. Eines Tages verirrte sich eine schöne junge Frau in den Bergen. Sie fand zum Glück die Hütte des alten Zen-Meisters und übernachtete bei ihm. Ihr Leben war von vielen chaotischen Beziehungen geprägt. Aber nirgends hatte sie wirkliche Liebe und Glück gefunden. Bei dem alten Zen-Meister fühlte sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig wohl und geborgen.

Deshalb beschloss sie noch einige Tage bei dem Zen-Meister zu bleiben. Der Zen-Meister nahm alles wie es kam. So sagte er zu. Nach einigen Tagen hatte die junge Frau immer noch keine Lust in ihr weltliches Leben in der Großstadt zurückzukehren. Also blieb sie noch einige weitere Tage. Aus den Tagen wurden Wochen und aus den Wochen Monate. Dann erklärte sie, dass sie jetzt für immer bei ihm bleiben wollte. Auch damit war der alte Mann einverstanden. Sie wünschte, seine Frau zu werden. Der Zen-Meister war damit einverstanden. Sie wollte Sex. Der Zen-Meister war damit einverstanden.

Die Frau führte seinen Haushalt, reinigte seine Hütte, kochte sein Essen und hatte viel Spaß mit dem alten Zen-Meister. Sie waren ein harmonisches Paar, da der Zen-Meister mit allem einverstanden war, was die Frau ihm vorschlug. Er erfüllte alle ihre Wünsche, soweit es ihm möglich war. So einen Mann hatte sich die Frau immer gewünscht. Zwar war er äußerlich etwas alt, aber innerlich wirkte er noch sehr jung. Sie passte sich sogar etwas seinem spirituellen Weg an, begann zu meditieren und Buddha Amitabha zu verehren. Sie lasen zusammen in den buddhistischen Schriften und sangen spirituelle Lieder. Die Frau blühte auf und wurde selbst immer friedlicher und glücklicher.

Doch nach drei Jahren tauchte ihre alte Unruhe wieder auf. Das Leben in der Abgeschiedenheit der Berge wurde ihr zu langweilig. Sie sehnte sich nach dem Lärm und der Unterhaltung der Großstadt. Sie sehnte sich nach ihren Freundinnen. Sie wollte sich auch mal wieder mit Frauen unterhalten. Deshalb beschloss sie den alten Mann zu verlassen und in ihr weltliches Leben zurückzukehren. Der Zen-Meister war auch damit einverstanden. Sein Grundsatz war es an nichts anzuhaften, auch wenn er sich inzwischen an die Frau gewöhnt und sie liebgewonnen hatte. Wenn sie gehen wollte, dann durfte sie gehen. Also ging sie.

Jetzt war das Leben des Zen-Meister wieder sehr ruhig. Er trauerte eine Zeitlang und vergaß dann die junge Frau. Das Leben ist ein vergänglicher Traum. Nach einigen Jahren erschien ihm auch diese Episode wie ein Traum. Da stand plötzlich die Frau wieder vor seiner Tür. Sie war inzwischen etwas älter und weiser geworden. Sie hatte erkannt, dass sie hier in den Bergen viel glücklicher war als in ihrer alten Heimat. Da sie schlau war, hatte sie alle ihre Freundinnen mitgebracht. Sie alle waren begierig darauf den alten Zen-Meister kennenzulernen. Jetzt war viel Leben in der Hütte. Ständig wurde geredet und gelacht. Der alte Meister nahm es wie es kam. Er lernte es seine spirituelle Energie auch beim Tanz der weltlichen Energien zu bewahren.

Nach zwei Wochen reisten die Freundinnen wieder ab. Aber sie kamen jetzt öfter zu Besuch. So war das Leben für die Frau stimmig. Sie blieb bei dem alten Zen-Meister und beide waren glücklich bis an ihr Lebensende. Und danach stiegen sie in das Paradies von Buddha Amitabha auf. Dort leben sie jetzt in Liebe und Frieden weiter. Und eines Tages werden beide als Bodhisattvas wieder auf die Erde zurückkehren. Der Zen-Meister wird sich als Chenrezig und die Frau als die Göttin Tara inkarnieren, um den unruhigen Menschen auf der Erde den Weg zu einem Leben im Frieden und im Glück zu zeigen.

14 Erleuchtung ist ganz einfach

Ein Mann hatte viele Jahre nach der Erleuchtung gesucht. Er hatte die Schriften Buddhas gelesen. Er hatte Zuflucht zu Buddha (dem spirituellen Vorbild), zum Dharma (dem spirituellen Weg) und zur Sangha (der spirituellen Gemeinschaft) genommen. Er hatte 100 000 tibetische Niederwerfungen praktiziert, um seinen Körper von seinen Verspannungen zu reinigen und seine Energiekanäle zu öffnen. Bei den tibetischen Niederwerfungen berührt man nacheinander mit den zusammengelegten Händen das Scheitelchakra, das Halschakra und das Herzchakra. Dann beugt man sich nach vorne vor und legt den ganzen Körper auf den Boden. Man kann es so sehen, dass man damit Buddha verehrt.

Der Mann hatte sein Ego in das Mandala des Kosmos geopfert, seinen Geist mit der Vajrasattva-Meditation gereinigt und beim Guru-Yoga sein Bewusstsein mit dem Bewusstsein aller Buddhas und Bodhisattvas verbunden. Aber nichts hatte ihn zur Erleuchtung geführt. Jetzt saß er einfach neben seinem Meister und meditierte auf die untergehende Sonne. Langsam kam sein Geist zur Ruhe. Der Frieden der tibetischen Berge erfüllte ihn. In der Ferne bellte ein Hund. Der Meister fragte: „Hörst du den Hund bellen?“ Der Mann antwortete: „Ja.“ Die Sonne ging unter und die Sterne erschienen am Nachthimmel. Der Meister fragte: „Siehst du die Sterne am Himmel.“ Der Mann antwortete: „Ja.“ Der Meister erklärte ruhig: „Das ist es. So einfach geht die Erleuchtung.“ In dem Moment hatte der Mann einen Bewusstseinsdurchbruch.

In der Energie eines erleuchteten Meisters zu meditieren ist ein einfacher Weg zur Erleuchtung. Aber der Schüler muss dazu bereit sein. Sein Körper und sein Geist müssen ausreichend von den Energieblockaden (Samskaras) gereinigt sein. Dann genügt ein kleiner Funke, um zu einem Einheitsbewusstsein zu erwachen. Es genügt ein Hundebellen oder die Betrachtung des Sternenhimmels. Dadurch kann man eins mit der Natur werden. Und dadurch kann die Buddha-Natur im Menschen erwachen.

Der Mann brach vor Freude in Tränen aus. Er hatte sich große Sorgen gemacht, ob er je das Ziel der Erleuchtung erreichen würde. Jetzt fielen alle Sorgen von ihm ab. Er war am Ziel. Es gab nichts mehr zu erreichen. Als sein Meister ihm erklärte, dass er jetzt erleuchtet sei, hatte er ihm spontan geglaubt. Und bereits dieser feste Glaube an das Wort des Meisters hatte die Erleuchtung bewirkt. Zweifel zerstören die Erleuchtung. Fester Glauben bewirkt die Erleuchtung, wenn man dabei von einem erleuchteten Meister geführt ist. Man muss nur mit Ausdauer auf dem spirituellen Weg bleiben.

Im Hinduismus nennt man das Satsang. Satsang ist das Verweilen in der Gegenwart eines erleuchteten Meisters. Dann kann eine Erleuchtung auf vielfältige Weise geschehen. Bei ShantiMayi trat ich in den Saal und setzte mich einfach auf einen Stuhl. Ich spürte die starke Energie, die von ShantiMayi ausging. Sie saß weit entfernt von mir auf der Bühne. Aber ihre spirituelle Energie durchdrang den ganzen Saal. Erst tauchte viel Trauer in mir auf. Ich ließ meine Sorgen los, indem ich noch einmal hindurchging. Dann entstand großer Frieden in mir. Und dann war in mir Glückseligkeit und viel Liebe. ShantiMayis Lehre ist es, dass man seinem Herz folgen soll. Aus ihrer Sicht ist Erleuchtung ein ewiger Weg, der nie endet. Für sie gibt es weder Dualität noch Nicht-Dualität. Interessanterweise ist es das, was ich auch im Moment fühle. Ich bin ich und gleichzeitig bin ich energetisch mit allem verbunden.

Bei einem Satsang von Gangaji wurden einige Frauen einzeln auf die Bühne gebeten. Sie saßen vor Gangaji, einer modernen amerikanischen Erleuchteten, auf dem Stuhl. Gangaji führte ein kurzes therapeutisches Gespräch mit ihnen, berührte ihre wunden Punkte, löste sie mit einfachen Worten auf, und es entstand Erleuchtung. Die Frauen spürten das, auch wenn sie in den meisten Fällen die Erleuchtung nicht dauerhaft halten konnten. Aber sie hatten einen Geschmack von der Erleuchtung bekommen, die ihnen auf ihrem spirituellen Weg sehr half.

Meine Meisterin Mutter Meera hält ihre Satsangs im Schweigen ab. Etwa fünfhundert Menschen sitzen zwei Stunden ruhig im Saal auf ihren Stühlen. Sie knien einzeln vor Mutter Meera nieder. Mutter Meera berührt ihren Kopf und sieht ihnen eine Minute in die Augen. Das ist alles. Und gleichzeitig geschieht alles in der erleuchteten Energie von Mutter Meera. Starke Energien ziehen durch den Raum und helfen jedem Menschen individuell auf seinem spirituellen Weg. Im Moment finden wegen Corona keine Satsangs statt. Statt dessen meditiert Mutter Meera jeden Tag per Lifestream über YouTube mit ihren Anhängern. Und auch dabei übertragen sich starke Energien und die Menschen erfahren Hilfe auf ihrem Lebensweg.

15 Buddha hält eine Blume hoch

Als Buddha eine Rede halten sollte, hielt er einfach nur eine Blume hoch. Kashyapa lächte. Er hatte verstanden, was das bedeutete. Daraufhin wurde er zum Nachfolger von Buddha ernannt. Die Blumenrede ist deshalb sehr bedeutsam. Was bedeutet sie?

Die Grundlehre Buddhas ist es, dass das Leben leiden ist. Es gibt das Leid im Leben. Diese Tatsache dürfen wir nicht verdrängen. Wir sollten beim Leid hinsehen. Wir sollten das Leid vermeiden, soweit es uns möglich ist. Wir sollten es annehmen, wenn wir es nicht verhindern können. Wir sollten demütig sein vor dem Willen des Lebens. Das Leben besteht aus Freude und Leid. Es gibt Alter, Krankheit und Tod bei allen Lebewesen. Manchmal gibt es sogar ein Übermaß an Leid auf der Welt, wie wir es gerade beim Ukraine-Krieg sehen. Jeden Tag sterben sehr viele Soldaten und Zivilisten. Städte werden zerstört. Familien werden zerstört. Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung beherrscht die Menschen.

Die Zahl der Kriege auf der Welt hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Und jetzt erleben wir sogar eine globale Zeitenwende. Die Welt beginnt ein neues Wettrüsten. Die Staaten bereiten sich auf einen neuen globalen Krieg vor. In zehn Jahren hat China militärisch die USA eingeholt. Dann könnte ein neuer Atomkrieg drohen. Gleichzeitig verstärkt sich der Hunger auf der Welt. Viele Frauen und Kinder verhungern. Es trifft sie besonders stark. Und dann verstärkt sich noch die Klimakrise auf der Welt mit weltweiten Dürren und Unwettern.

Das ist nur der äußere Zustand der Welt, der immer bedrohlicher wird. Gleichzeitig leiden immer mehr Menschen an psychischen und körperlichen Krankheiten. Die Zahl der Ängste und Depressionen nimmt rapide zu. Dieses Leid sollten wir nicht verdrängen. Wir sollten handeln, soweit es uns möglich ist. Und wir sollten es auch gleichzeitig annehmen, nicht daran anhaften, damit wir unseren inneren Frieden finden. Laut Buddha gibt es einen Weg zur Überwindung des Leidens. Es gibt den engagierten Buddhismus, der sich für eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks engagiert. Und es gibt den Buddhismus als inneren Weg, der uns hilft innerlich das Leid in unserem Leben zu überwinden.

Wie überwinden wir innerlich das Leid? Dafür gibt es viele Techniken. Wir sollten die Techniken finden, die uns persönlich helfen. Es gibt den Weg der Meditation. Dadurch finden wir zum inneren Frieden. Es gibt den Weg der Kundalini-Erweckung durch körperliche und geistige Übungen, durch den Kundalini-Yoga und durch den Gottheiten-Yoga. Durch Visualisierungen, Mantren, Atemtechniken und Körperbewegungen aktivieren wir die Glücksenergie in uns. Dadurch können wir uns innerlich über das äußere Leid erheben. Wir können dadurch zur Erleuchtung gelangen und so grundsätzlich frei vom Leid werden, weil wir kein Ego mehr haben. Wir identifizieren uns nicht mehr mit uns und unserem Körper. Wir sind reines Bewusstsein über allen Dingen.

Wichtig ist auch die Arbeit an den Gedanken. Auch hierfür gibt es verschiedene Techniken. Die grundlegende Erkenntnis besteht darin, dass Gefühle und Gedanken zusammenhängen. Wenn wir positiv denken, erhalten wir positive Gefühle. Wir sollten deshalb Gedanken des Friedens, der Liebe und des Glücks pflegen. Wir sollten achtsam auf unsere Gedanken und Gefühle sein. Wir sollten negative Gedanken sofort stoppen, damit sie nicht negative Gefühle entstehen lassen. Wir sollten auf negative Gefühle meditieren, uns nicht damit identifizieren und sie sich so von alleine beruhigen lassen. Und wir sollten den Blick auch auf das Schöne, Gute und Positive in unserem Leben richten.

Dafür steht die Blumenrede. Sie wendet unseren Blick auf das Positive. Ich ging heute morgen im Wald spazieren. Zuerst machte ich meine Atemübungen, Visualisierungen und dachte Mantren. Ich bewegte allen Stress und alle negativen Gefühle aus meinem Körper heraus. Die Kundalini-Energie erwachte und es entstanden Ruhe und Frieden in mir. Mein Geist war jetzt bereit, auch das Schöne in der Welt zu sehen. Da fiel mein Blick auf einen blühenden Holunderbeerbusch. Ich erkannte spontan die Schönheit der Welt. Durch den Blick auf einen schönen Punkt wandelte sich meine ganze Weltsicht. Ich empfand plötzlich die ganze Welt als schön. Ich gelangte in eine Paradiessicht, in eine Reine Land Sicht, in ein Einheitsbewusstsein. Und dadurch entstand Glück in mir.

Ich pflückte eine Blüte ab und hielt sie vor mir in die Luft. Ich wurde eins mit der Blüte und der ganzen Natur um mich herum. Es gab mich nicht mehr als Körper getrennt von der Natur. In mir waren Frieden, Liebe und Glück. Mir war bewusst, dass es immer noch das viele Leid auf der Welt gab, den Krieg, den Hunger und das innere Leid vieler Menschen. Aber ich hatte mich gleichzeitig auch darüber erhoben. Ich befand mich in einem Zustand aus Trauer, Mitgefühl, Liebe, Frieden und Glück. Das ist das Einheitsbewusstsein, in dem man alle Dinge gleichzeitig sieht und gleichzeitig auch durch sein inneres Glück darüber steht. Ich kochte mir aus der Blüte einen schönen Tee, gab etwas Wildblütenhonig dazu und trank den Tee. So einfach. So zufrieden mit mir und der Welt. So im Frieden und im Glück.

16 Der Gott der Weisheit erscheint einem Pilger

Der Wutai Shan ist einer der heiligsten Berge in China. Er liegt in der Nähe Pekings und ist ein wichtiges Ziel buddhistischer Pilger. Auf dem höchsten Gipfel befindet sich ein kleiner Tempel, in dem der Gott der Weisheit wohnt. Der Gott der Weisheit wird im Buddhismus Manjushri genannt und ist sowohl ein Buddha als auch ein Bodhisattva. Als Buddha ruht er in sich selbst und seinem inneren Glück. Als Bodhisattva hilft er allen Menschen Weisheit zu erlangen. In der linken Hand hält er ein Buch und in der rechten Hand ein Flammenschwert, mit dem er alle negativen Gedanken zerschlägt. Er zerstört damit alle Anhaftungen an die Welt und verwandelt den Menschen in einen Buddha.

Ein tibetischer Lama (spiritueller Lehrer) machte sich auf eine Pilgerreises zum Wutai Shan. Unterwegs visualisierte er den Gott der Weisheit und murmelte beständig sein Mantra. Er hoffte, dass ihm auf dem Wutai Shan der Gott der Weisheit erscheinen und ihn segnen würde. Dazu musste er ausreichend innerlich gereinigt sein. Diese innere Reinigung konnte durch das Gehen verbunden mit einer Visualisierung und einem Mantra geschehen. Dadurch lösen sich die Verspannungen (Samskaras) im Körper und im Geist. Die Chakren öffnen sich und die Erleuchtungsenergie beginnt zu fließen. Dann gelangt der Pilger in ein Einheitsbewusstsein und kann die Welt so sehen wie sie wirklich ist. In ihm entstehen Ruhe, Frieden, Glück, Liebe und Weisheit. Ich praktiziere das verbunden mit Atemübungen jeden Tag beim Spazierengehen in der Natur. Wenn man effektiv pilgert, kann das Pilgern (die tägliche Gehmeditation) zu einem Weg ins Licht werden.

Nach einem halben Jahr war der Lama beim Wutai Shan angekommen. Er erstiegt mühsam die vielen Stufen zum Berggipfel. Um ihn herum breitete sich die schöne Gebirgslandschaft aus. In den bewaldeten Berghängen blühten die Blumen und die Vögel sangen. Die Sonne schien und alles war lichtdurchflutet. Es war ein gesegneter Tag, an dem der Pilger den kleinen Tempel auf der Spitze des Berges betrat. Doch im Tempel saß statt eines Buddhas ein alter zerlumpter Bettler auf dem Thron. Er grinste den Lama frech an und bat um eine Spende. Der Lama zog ein kleines Geldstück aus seiner Tasche und legte es in die Bettelschale, die der alte Bettler in seinem Schoß hielt. Statt dankbar für das Geld zu sein, rief der Bettler mit donnernder Stimme: „Das genügt nicht. Ich verlange dein ganzes Herz.“

Da wusste der Pilger, dass der Gott der Weisheit Manjushri in Gestalt eines Bettlers vor ihm saß. Er opferte ihm sein ganzes Herz, sein ganzes Streben. Er ließ alle Anhaftung an die Welt los und erkannte sich in dem Bettler. Er identifizierte sich mit dem Bettler und wurde eins mit ihm. Dadurch erwachte die Erleuchtungsenergie in ihm. Er hatte einen ersten Durchbruch zur Erleuchtung. Der Energiestrom trat in ihn ein. Er erlangte Weisheit und kannte von jetzt an sein Ziel und seinen Weg. Er lebte von jetzt an so, dass alle seine täglichen Handlungen zu einem Erleuchtungsweg wurden. Er war achtsam auf seine Gedanken und Gefühle. Er meditierte viel. Er handelte nicht mehr aus dem Ego, sondern aus der Ruhe und der Liebe heraus.

Er sah sich als Nichts in Bezug auf die Welt. Er blieb stets demütig und bescheiden. Er nahm die Dinge so an, wie sie kamen. Er ordnete sich dem Willen des Lebens unter. Er war ein Buddha und ein Bettler zugleich. Seine spirituelle Haupttechnik war die Arbeit an seinen Gedanken. Er zerschlug alle negativen Gedanken mit dem Schwert der Weisheit. Er pflegte Gedanken des Friedens, der Liebe und der Wahrheit. Und weil er in der Wahrheit und der Liebe lebte, konnte er seine Mitmenschen mit seiner Wahrheit und Liebe erreichen. (Frei nacherzählt aus Tibetische Weisheitsgeschichten)

17 Ein Urlaubstag an der Ostsee

Ich blickte aus dem Fenster und erkannte sofort: „Es wird ein sehr schöner Tag.“ Es war Sommer, sehr warm und die Sonne schien. Was sollten wir mit diesem Tag tun? Ab ins Auto und ans Meer. Die Ostsee liegt nicht weit von unserem Haus entfernt, nur 1 1/2 Stunden mit dem Auto. Wir fahren viel zu selten dort hin. Aber heute war der perfekte Tag. Ich kaufte mir noch schnell einen feschen Hut gegen Sonnenbrand. Barbara setzte sich ans Steuer. Sie war die Kapitänin. Der Hund nahm neben ihr auf dem Beifahrersitz platz. Das ist neuerdings sein Stammplatz, der ihm nicht mehr streitig zu machen ist. Und ich wurde auf den Rücksitz verbannt. Dort konnte wenigstens schön meditieren. So ging die Fahrt schnell vorbei.

Wir landeten in Laboe, einem kleinen Touristenort an der Kielerförde mit einem schönen Hundestrand. Es war sehr windig. Wir suchten uns einen geschützten Platz in den Dünen. Der Strand war relativ leer. Erstaunlich für einen so schönen Tag im Sommer. Aber auf dem Meer tobten die Kitesurfer. Das ist im Moment die absolute Trendsportart. Man braucht dazu ein Surfbrett und einen Drachen, der einen durch das Meer zieht. Für die Kitesurfer war es ein perfekter Tag. Es war sehr windig und sie brausten mit großer Geschwindigkeit durch die Wellen.

Ich lief sofort durch den heißen Strand zum Meer. Der Hund hinterher. Aber die Wellen erschreckten ihn zuerst. Bis er merkte, dass sie harmlos sind. Ich setzte vorsichtig einen Fuß ins Wasser. Es war angenehm warm. Barbara kam hinterher und wir machten eine kleine Wanderung am Strand entlang. Überall lagen braungebrannte schöne Frauen mit ihren Hunden. Es gab auch einige Familien. Unser Hund freute sich über die vielen Hundefreunde, mit denen er spielen konnte. Nach der kleinen Strandwanderung sonnten wir uns in unserer Sandmulde. Barbara fragte, ob ich sie noch liebe. Und ich schenkte ihr eine schöne Muschel. Das alles ist mit einem Video dokumentiert.

Abends fuhren wir mit dem Auto in den Ort und gingen mit Hund auf der Strandpromenade spazieren. Hier konnte man die unterschiedlichsten Menschen beobachten. Meistens waren es Paare, wobei es sehr erstaunlich war, wer sich mit wem paarte. Es gab dicke alte Frauen mit schönen jungen Männern. Es gab viele schöne junge Frauen mit eher hässlichen dicken Männern. Es gab Alte und Junge. Barbara und ich fühlten uns zu den Jungen zugehörig, obwohl wir inzwischen nicht mehr ganz so jung sind. Aber nicht das äußere Alter zählt, sondern das innere.

Barbara kaufte in einem Souvenirladen ein Geschenk für ihre Freundin. Ich bekam eine modische Mütze als Andenken. Wir aßen in einem chinesischen Restaurant am Strand und genossen noch etwas den Tag. Dann fuhren wir nach Hamburg zurück. Barbara war glücklich über den schönen Tag. Und wenn die Frau glücklich ist, ist der Mann auch glücklich.

18 Gedankenarbeit im Buddhismus – Vitakkasanthāna Sutta

„So habe ich gehört. Einmal hielt sich Buddha bei Sāvatthī im Jeta Hain, dem Park des Anāthapiṇḍika auf. Dort richtete er sich folgendermaßen an die Bhikkhus: „Ihr Bhikkhus.“ – „Ehrwürdiger Herr“, erwiderten sie. Buddha sagte dieses: „Ihr Bhikkhus, wenn ein Bhikkhu nach höherer Geistigkeit strebt, sollte er von Zeit zu Zeit die Aufmerksamkeit auf fünf Objekte richten. Was sind die fünf?“

„Ihr Bhikkhus, wenn da ein Bhikkhu die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt richtet, und infolge jenes Objektes entstehen in ihm üble unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, dann sollte er die Aufmerksamkeit auf ein anderes Objekt richten, das mit dem Heilsamen verbunden ist. Wenn er die Aufmerksamkeit auf ein anderes Objekt, das mit dem Heilsamen verbunden ist, richtet, dann werden jegliche üble, unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm überwunden und verschwinden. Mit dem Überwinden dieser Gedanken wird sein Geist innerlich gefestigt, beruhigt, zur Einheit gebracht und konzentriert..“

„Falls dann immer noch üble unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm entstehen, dann sollte er die Gefahr in jenen Gedanken so untersuchen: ‚Diese Gedanken sind unheilsam, sie sind tadelnswert, sie haben Leid als Ergebnis.‘ Wenn er die Gefahr in jenen Gedanken untersucht, dann werden jegliche üble, unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm überwunden und verschwinden. Mit dem Überwinden dieser Gedanken wird sein Geist innerlich gefestigt, beruhigt, zur Einheit gebracht und konzentriert.“

„Falls dann immer noch üble unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm entstehen, dann sollte er versuchen, jene Gedanken zu vergessen, und sollte sie nicht beachten. Wenn er versucht, jene Gedanken zu vergessen, und sie nicht beachtet, dann werden jegliche üble, unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm überwunden und verschwinden. Mit dem Überwinden dieser Gedanken wird sein Geist innerlich gefestigt, beruhigt, zur Einheit gebracht und konzentriert. So wie ein Mann mit guten Augen, der Formen, die in sein Blickfeld gekommen waren, nicht sehen wollte, entweder die Augen schließen oder wegblicken würde, genauso sollte ein Bhikkhu versuchen jene Gedanken zu vergessen, und sollte sie nicht beachten. „

„Falls dann immer noch üble unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm entstehen, dann sollte er die Aufmerksamkeit auf die Stillung der Gestaltung jener Gedanken richten. So wie ein Mann, der schnell geht, erwägen könnte: ‚Warum gehe ich schnell? Wie wäre es, wenn ich langsam ginge?‘ und er würde langsam gehen; dann könnte er erwägen: ‚Warum gehe ich langsam? Wie wäre es, wenn ich stehen bliebe?‘ und er würde stehen bleiben; dann könnte er erwägen: ‚Warum stehe ich? Wie wäre es, wenn ich mit hinsetzte?‘ und er würde sich hinsetzen; dann könnte er erwägen: ‚Warum sitze ich? Wie wäre es, wenn ich mich hinlegte?‘ und er würde sich hinlegen. Mit dieser Vorgehensweise würde er jede gröbere Körperstellung durch eine feinere ersetzen. Mit dem Überwinden dieser Gedanken wird sein Geist innerlich gefestigt, beruhigt, zur Einheit gebracht und konzentriert.“

„Falls dann immer noch üble unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm entstehe, dann sollte er mit zusammengebissenen Zähnen und an den Gaumen gepreßter Zunge den Geist mit dem Herzen niederwerfen, ihn zu Boden zwingen und überwältigen. Wenn er mit zusammengebissenen Zähnen und an den Gaumen gepreßter Zunge den Geist mit dem Herzen niederwirft, ihn zu Boden zwingt und überwältigt, dann werden jegliche üble, unheilsame Gedanken, die mit Begierde, mit Haß und mit Verblendung verbunden sind, in ihm überwunden und verschwinden. Mit dem Überwinden dieser Gedanken wird sein Geist innerlich gefestigt, beruhigt, zur Einheit gebracht und konzentriert.“

„Dieser Bhikkhu wird dann ein Meister der Gedankenarbeit genannt. Welchen Gedanken er auch immer denken will, den wird er denken, und welchen Gedanken er auch immer nicht denken will, den wird er nicht denken. Er hat Begehren abgeschnitten, die Fesseln abgeworfen, und mit der vollständigen Durchdringung des (Ich-)Dünkels hat er Dukkha ein Ende bereitet.“ Das ist es, was Buddha sagte. Die Bhikkhus waren zufrieden und entzückt über die Worte des Erhabenen.“

Anmerkungen: Unheilsame Gedanken überwindet man im Wesentlichen durch Nachdenken, Achtsamkeit auf die Gedanken, Meditation (in der Ruhe leben), Gedankenstopp und die Konzentration auf positive Gedanken wie innerer Frieden und liebende Güte. Wenn zum Beispiel weltliche Begierde in dir entsteht, dann denkst du: „Ich gehe den spirituellen Weg. Ich bin ein Buddha. Ich lebe im Frieden, in der Liebe und in der Weisheit.“

Wir festigen unseren spirituellen Weg, wenn wir nach einem spirituellen Tagesplan leben. Zum Beispiel könnten wir jeden Tag mit einer positiven Tageseinstellung (einem positiven Satz) beginnen. Wir könnten eine Seite in einem spirituellen Buch lesen, ein spirituelles Lied hören oder ein spirituelles Mantra singen. Wir könnten uns vor Buddha verneigen und geloben, auch diesen Tag spirituell zu leben. Spirituell zu leben bedeutet, uns wie ein Buddha zu verhalten. Wir orientieren uns an den Grundsätzen innerer Frieden, Liebe, Glück, Weisheit und Selbstdisziplin. Wir leben nach den fünf Silas nicht töten (Gewaltlosigkeit), nicht stehlen (materielle Bescheidenheit), nicht lügen (in der Wahrheit leben), kein sexuelles Fehlverhalten (Treue in Beziehungen) und keine berauschenden Mittel (keine Suchtmittel).

19 Geshe Ben wird ein Meister der Gedankenarbeit

In seiner Jugend zog Ben als Bettelmönch durch Tibet. Er war ein überaus gewissenhafter Praktizierender des tibetischen Buddhismus. Mit großer Disziplin achtete er beständig auf seine Gedanken und Gefühle. Er bemühte sich wie ein Buddha zu denken und zu handeln. Er hielt sich konsequent an die fünf Regeln Buddhas zur Gedankenarbeit.

Buddha lehrte das erleuchtete Sein. Ein Anhänger Buddhas sollte im inneren Frieden, in der Wahrheit, in der Liebe, im Einheitsbewusstsein und in der Selbstdisziplin leben. Wenn Gedanken auftauchten, die den inneren Frieden, die Liebe, die Disziplin, die Wahrheit oder die Erleuchtung beeinträchtigen, dann sollte er darüber nachdenken, darüber meditieren, sie stoppen und durch heilsame Gedanken ersetzen. Er sollte seinen Geist auf heilsame Objekte wie den Buddha als Vorbild, den spirituellen Weg (Dharma) oder die spirituelle Gemeinschaft richten.

Unheilsame Gedanken kommen insbesondere aus den drei Geistesgiften Begierde (Anhaftung), Hass (Ablehnung) und Verblendung (Unweisheit). Wenn ein Gedanke der weltlichen Begierde auftaucht, dann sollten wir darüber nachdenken, darauf meditieren, ihn stoppen und ihn durch einen heilsamen Gedanken ersetzen. Wir wünschen uns zum Beispiel eine schöne Frau oder einen attraktiven Mann, äußeren Reichtum, Ruhm oder Anerkennung. Der erste Schritt ist es solche unheilsamen Gedanken zu erkennen. Dazu müssen wir beständig achtsam auf unsere Gedanken und Gefühle sein.

Wenn wir den unheilsamen Gedanken erkannt haben, dann können wir darüber nachdenken. Wir können begreifen, dass das Hauptglück des Lebens in uns selbst und nicht in schönen Männern oder Frauen liegt. Auch äußerer Reichtum, Ruhm und Anerkennung machen uns nicht wirklich glücklich. Wir brauchen nicht viele Likes oder Follower im Internet. Es genügt in uns selbst glücklich zu sein. Es genügt erleuchtet zu sein. Dann können wir frei mit dem Leben spielen. Wir können viele Likes anstreben oder auch nicht. Es ist letztlich egal. Möge meine Freundin Barbara das auch begreifen. Ein kleiner Scherz am Rande.

Wenn wir den tieferen Sinn des Lebens wirklich begriffen haben, dann können wir uns auf ein erleuchtetes Leben, ein Leben im Einheitsbewusstsein, im inneren Glück und in der umfassenden Liebe konzentrieren. Wir können alle weltlichen Gedanken stoppen. Wir können sie durch spirituelle Gedanken ersetzen. Wir können darauf meditieren ein Buddha oder eine Gottheit (Tara, Chenrezig) zu sein. So gelangen wir im Laufe des Lebens zu Erleuchtung. Wir müssen aber konsequent sein, so wie Ben es war.

Einmal wurde Ben mit mehreren Mönchen von einem reichen Kaufmann zu einem Gastmahl eingeladen. Ben saß leider ganz hinten am Tisch. Vorne wurden die leckersten Gerichte aufgetischt. In Ben stieg die Angst auf, dass er von dem leckeren Essen nichts mehr abbekommen würde. Er stoppte diesen Gedanken, konzentrierte sich auf den Gedanken der Genügsamkeit und war mit einem kleinen Bissen zufrieden, als er mit dem Essen an die Reihe kam. Als seine Hand gierig nach den leckeren Süßigkeiten griff, die in der Mitte des Tisches stand, schlug er sich auf die Hand und rief laut: „Haltet den Dieb!“ Die Mitmönche drehten sich erschrocken um. Aber dann lachten sie, als sie erkannten, dass Ben es wieder sehr genau mit seiner spirituellen Disziplin genommen hatte.

Die große Selbstdisziplin zahlte sich aus. Ben lernte fleißig an der Klosteruniversität und erreichte den Titel eines Geshe (Doktor der Philosophie). Er meditierte viele Jahre in einer abgeschiedenen Höhle und erlangte die Erleuchtung. Die Menschen hörten von seiner spirituellen Verwirklichung und machten sich auf die Reise, um ihn zu besuchen und zu verehren. Geshe Ben putze seine Höhle und kleidete sich in sein Festtagsgewand. Dann wurde ihm bewusst, was er tat. Um seine eitlen Gedanken zu zerstören, zog er sich wieder sein zerlumptes Bettlergewand an und brachte wieder Unordnung in seine Höhle. Die Leute sollten ihn so kennenlernen, wie er wirklich lebte. Er wollte keinen falschen Schein aufbauen, sondern authentisch so sein, wie er wirklich war.

20 Wo finden wir Sicherheit, Liebe und Glück

Es war einmal ein kleiner Yogi, der war auf der Suche nach dem großen Glück. Er wünschte sich ein Leben voller Frieden, Liebe und Harmonie. Doch leider war die Welt um ihn herum sehr unharmonisch. Es gab Hunger, Leid und Krieg auf der Welt. Auch in seiner persönlichen Umgebung war das Leben ein beständiges Chaos. Menschen starben. Menschen wurde krank. Menschen litten am Leben.

Das begann bereits in der Schule. Alle strebten danach gute Leistungen zu erbringen. Wer viel leistete, wurde belohnt. Er würde später einen guten Beruf und ein gutes Leben haben. Das war das große Versprechen. Doch viele Menschen scheiterten an dem ständigen Leistungsdruck. Viele waren einsam. Viele hatten Ängste und Depressionen. Viele waren psychisch und körperlich krank.

Konnte ein Mensch nur dann glücklich werden, wenn er sich an die Gesellschaft anpasste? Oder musste er gerade unangepasst sein, damit er sein inneres Glück bewahren kann? Wissenschaftlich ist erwiesen, dass die meisten Menschen in den westlichen Gesellschaften im Laufe ihres Lebens immer unglücklicher werden. So kommen glücklich auf die Welt und verlassen sie unglücklich. 50 Prozent der Sechsjährigen gehen noch „sehr gerne“ in die Schule, 13-Jährige tun dies nur noch zu 16 Prozent. Wir sehen hier einen gravierenden Glücksverlust, der sich später im Leben noch fortsetzt. Die Zahl der Fehltage im Beruf aufgrund psychischer Erkrankungen ist in den letzten zwanzig Jahren um das zweineinhalbfache gestiegen. Psychische Erkrankungen sind Depressionen, Ängste und Burnout.
Wir leben in einer kranken und krankmachenden Gesellschaft. Wenn wir in einer kranken Gesellschaft leben, dann müssen wir gegen den Strom schwimmen, wenn wir glücklich sein wollen. Statt das Glück im Außen sollten wir das Glück im Inneren suchen. Wir sollten meditieren, an unseren Gedanken arbeiten und gut für uns sorgen. In einer materiellen Welt sollten wir spirituell leben. Das ist das Geheimnis des Glücks.

Wir finden Liebe und Glück, wenn wir mehr aus dem Geben als aus dem Nehmen leben. Wir finden Liebe und Glück, wenn wir aus der Ruhe heraus leben. Dazu sollten wir äußerlich eher genügsam sein und den Zeitgewinn in unseren spirituellen Weg investieren.

In einer kranken Gesellschaft sollten wir möglichst gesund leben. Wir sollten uns gesund ernähren, Schadstoffe vermeiden, Sport treiben, meditieren und positiv denken. Dadurch kann man auf eine einfache Weise sein allgemeines Glücksniveau um bis zu 40 % anheben. Man kann durch eine gesunde Lebensweise im Durchschnitt 14 Jahre länger leben.

Wir müssen es nur konsequent umsetzen. Wir sollten uns mit den Erkenntnissen der Glücksforschung befassen und sie in unseren Alltag integrieren. Wir sollten einen klaren Entschluss fassen, einen guten Plan machen und den Plan mindestens vier Wochen mit großer Disziplin durchführen, bis sich unser Unterbewusstsein daran gewöhnt hat. Dann geht es leichter.

Das größte Glück winkt uns auf dem spirituellen Weg durch das Ziel der Erleuchtung. Je mehr wir investieren, desto schneller erreichen wir unser Ziel. Den Weg finden wir in den Yoga-Schriften und in den Lehren Buddhas. Es genügt nicht einen Deko-Buddha in der Wohnung aufzustellen. Wir sollten selbst ein Buddha werden. Buddha lehrte: „Sei dir selbst eine Insel.“ Das ist eine gute Lehre für die heutige Zeit. Wir sollten in uns selbst Sicherheit, Liebe und Glück finden. Dann gelingt unser Leben auch in einer schwierigen äußeren Welt.

21 Wie überwinden wir das Leid im Leben?

Die Grundlehre Buddas ist es, dass das Leben leiden ist. Wir leiden immer an irgendetwas. Das Leid gehört zum Leben dazu. Ich nehme es so wahr, dass das Leben aus Freude und Leid besteht. Unsere Aufgabe ist es die Freude zu genießen und das Leid gelassen zu ertragen. Wir sollten uns möglichst auf eine hohe Glücksebene erheben.

Buddha hat erkannt, dass es einen Weg gibt, das Leid im Leben zu überwinden. Wir können es nicht äußerlich überwinden. Äußerlich gibt es immer etwas Leid im Leben. Äußerlich können wir es üben weise zu handeln, so dass es nicht so viel Leid im Leben gibt und wir das Leid klein halten können. Es ist möglich eine Welt des Friedens, der Liebe und des Glücks aufzubauen. Dazu müssen wir das Leben auf der Erde nur besser organisieren. Wir müssen das Ego verringern und die Liebe und das Gemeinschaftsdenken verstärken. Es gibt bereits gute Ansätze. Es gibt die UNO und die vielen Hilfsorganisationen auf der Welt. Aber es gibt auch immer wieder sehr egoistische Politiker, Kriminelle und Machtmenschen, die das Glück auf der Erde zerstören. Wir müssen diese Egomenschen in ihrem Handeln einschränken. Wir müssen die guten Menschen auf der Erde stärken. So einfach geht das. Wir brauchen nur mehr Weisheit, Liebe und Ausdauer. Letztlich hat die Menschheit kein Interesse sich selbst zu zerstören. Die Mehrheit der Menschen möchten glücklich leben. Daran müssen wir anknüpfen.

Grundsätzlich überwinden können wir das Leid in unserem Inneren. Wir können an unserer Psyche arbeiten. Wir können es lernen auf Leid gelassen zu reagieren. Buddha nennt es Gleichmut. Wir können es lernen unseren Geist auf das Positive und Heilsame im Leben zu konzentrieren. Dazu hat Buddha das Sutra der Gedankenarbeit geschrieben. Wir können unheilsame Gedanken überwinden, indem wir über unsere Probleme nachdenken und eine Lösung finden. Wir können unheilsame Gedanken stoppen oder sie durch hilfreiche Gedanken ersetzen. Hilfreiche Gedanken sind Gedanken der Weisheit, der Liebe, des Friedens, des Glücks und der Selbstdisziplin.

Neben der Gedankenarbeit ist es wichtig die spirituelle Energie in uns zu erwecken. Wir können die Chakren aktivieren und die Glücksenergie in uns fließen lassen. Dafür gibt es im tibetischen Buddhismus viele Übungen wie den Gottheiten-Yoga, den Guru-Yoga und die Yoga-Körperübungen. Ich gehe jeden Tag in der Natur spazieren und mache meine Atemübungen. Das bringt mich immer wieder ins Glück. Es erweckt meine innere Energie und befähigt mich positiv zu denken.

Der Hauptweg zur Überwindung des Leidens am Leben ist der Weg der Erleuchtung. Erleuchtung ist die große Befreiung vom Leid. Erleuchtung ist Frieden, Liebe und Glückseligkeit. Wir leben wie ein Buddha in der Welt. Jeder kann ein Buddha werden, weil jeder die Buddha-Natur bereits in sich hat. Wir müssen sie nur erwecken. Wir sollten so leben, dass jeder Tag ein Weg ins Licht wird. Dafür gibt es viele Techniken, aber der Weg ist grundsätzlich individuell. Wir sollten genau hinsehen, was uns hilft und was uns gerade möglich ist. Manchmal ist es eine kleine Meditation am Tag, etwas Sport oder ein hilfreicher Gedanke. Manchen Menschen hilft ein gutes Gespräch oder sich etwas Schönes gönnen. Manche kommen durch Taten der Liebe ins Licht.

Für mich ist das Hauptinstrument mein spiritueller Tagesplan. Mit meinen systematischen täglichen Übungen bringe ich mich immer wieder ins Licht. Ich erhebe mich dadurch in eine höhere Glücksebene. Zwar falle ich aus dieser Ebene auch immer wieder heraus. Aber der Weg ist das Ziel. Je länger ich den Weg gehe, desto stabiler wird das Glück. Das ist für alle möglich. Erleuchtung ist für alle möglich. Jedenfalls jeden Tag ein kleines Stück. Das hat die Glücksforschung eindeutig festgestellt. Wenn wir nach den Regeln des inneren Glücks leben, können wir grundsätzlich mindestens ein etwas glücklicheres Leben erreichen. Wir können uns mindestens etwas jeden Tag über das Leid des Lebens erheben. Und wenn wir langfristig diesen Weg gehen, dann belohnt uns der buddhistische Weg mit der dauerhaften Erleuchtung.

Das ist das große Ziel. Dieses Ziel sollten wir nie aufgeben. Aus diesem Ziel sollten wir die innere Kraft beziehen, die uns durch das Leben trägt. Der Dalai Lama sagt: „Wer auf Buddha meditiert, der wird eines Tages ein Buddha.“ Wenn wir an uns glauben, dann führt uns das Leben ins Licht. Weil unser Unterbewusstsein auf das Licht programmiert ist.

22 Der Dalai Lama hilft einem psychisch kranken Menschen

Bei einem seiner Besuche in den USA traf der Dalai Lama zufällig einen psychisch kranken Menschen. Dieser Mensch litt an Burnout, Ängsten und Depressionen. Er hatte schon viele Dinge ausprobiert, um sich von seiner Krankheit zu heilen. Er hatte viele Tabletten geschluckt, war zu vielen Psychotherapeuten gegangen und hatte es sogar mit spirituellen Heilern versucht. Aber nichts hatte geholfen. Er wurde seine Krankheit nicht mehr los. Er war verzweifelt und haderte mit dem Leben. So traf er den Dalai Lama.

Der Dalai Lama versuchte zuerst ihn mit Worten zu ermutigen. Er sprach entsprechend der Lehre des tibetischen Buddhismus von der Kostbarkeit des menschlichen Lebens, von der Kraft des menschlichen Verstanden und dass alle Probleme gelöst werden können. Jeder könne durch den spirituellen Weg Heilung finden. Aber der Mann konnte mit diesen Argumenten nichts anfangen. Die Worte des Dalai Lama erreichten ihn nicht. Ärgerlich entgegnete der Mann: „Wie kann ich Ihnen trauen? Mir hat bisher noch nichts geholfen.“ Und zum Schluss rief er sogar: „Was kümmern Sie meine Probleme!“

Das machte den Dalai Lama wirklich traurig. Wie sollte er diesem Mann helfen? Und wie diesem Mann geht es vielen Menschen im Westen. Voller Mitgefühl streckte der Dalai Lama seine Hand aus und streichelte beruhigend den Arm des Mannes. Dabei muss sich viel spirituelle Energie übertragen haben, denn der Dalai Lama ist ein erleuchteter Meister. Jedenfalls lächelte der Mann plötzlich. Sein Geist wurde fröhlich und zuversichtlich.

Und am nächsten Tag kam er wieder, einfach nur um den Dalai Lama zu treffen. Da erklärte ihm der Dalai Lama: „Betrachte mich als deinen Freund. Du kannst mich jederzeit besuchen. Ich tue alles was ich kann, um dir zu helfen. Ich stehe dir stets Diensten.“ Der Dalai Lama erkannte aus diesem Vorfall, wie kraftvoll echte Liebe und ein natürliches Verhalten sein kann.

Ich erkenne daraus, wie kraftvoll die Präsenz eines erleuchteten Meisters seine Mitmenschen verwandeln kann. Ich habe das selbst bei vielen Veranstaltungen des Dalai Lama gespürt. Die Menschen waren begeistert. Ihre inneren Verhärtungen schmolzen dahin und ihre Herzen öffneten sich. Sie kamen unglücklich und gingen glücklich wieder nach Hause. Und so war es bei vielen Erleuchteten, die ich getroffen habe. Allein ihre Gegenwart verwandelte die Menschen, egal was sie taten. Es war egal, ob sie einen Vortrag hielten, Mantras sangen, die Menschen umarmten oder einfach nur schweigend mit ihnen meditierten. Sie hatten das Licht in sich und gaben es auf ihre Weise an ihre Mitmenschen weiter.

(Frei nacherzählt aus Dalai Lama, Dzogchen)

23 Was ist vom Weg der Entsagung zu halten?

Entsagung ist heutzutage kein beliebtes Wort. Die modernen Menschen streben eher nach weltlichem Konsum, äußerem Reichtum und äußerer Fülle. Nur noch wenige Menschen fühlen sich zu einem Leben als Mönch oder Nonne hingezogen. Die christlichen Klöster werden immer leerer. Viele Klöster müssen schließen. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen geht den spirituellen Weg verbunden mit einem Leben in der Welt. Das ist im westlichen Buddhismus und im Yoga genauso.

Zitat aus Buddhismus für Dummies: „In einigen Weltreligionen werden Mönche oder Nonnen als Verkörperungen des spirituellen Ideals angesehen – als Personen, die alle weltlichen Anhänglichkeiten aufgegeben haben und ihr Leben dem höchsten Streben gewidmet haben. Auch der Buddhismus schätzt traditionell den Weg als Mönch oder als Nonne am höchsten. Viele werden von der Mönchspraxis aus denselben Gründen angezogen, die sie zum Buddhismus gebracht haben: der Wunsch, das Leiden zu überwinden, anderen Wesen zu dienen und die ultimative Klarheit zu erlangen. Wenn Sie zu diesem Mix eine gewisse Ablehnung (oder Verachtung) des normalen weltlichen Lebens hinzufügen, bekommen Sie ein gutes Gefühl für den Impuls, Mönch oder Nonne zu werden. Mein erster Zen-Lehrer pflegte zu sagen: Klöster sind Plätze für verzweifelte Menschen.“

in der heutige Zeit gibt es viele Menschen, die mit dem normalen weltlichen Leben nicht klar kommen. Sie leiden an dem Leistungsdruck, dem Berufsstress, dem Konkurrenzkampf und oft auch unter Einsamkeit und Sinnlosigkeitsgefühlen. Das Kloster gibt ihnen eine gewisse Geborgenheit, sozialen Kontakt, Halt und Sinnhaftigkeit. Für die meisten Menschen sind die Klosterregeln auf die Dauer aber zu streng. Sie gehen für eine gewisse Zeit ins Kloster. Es ist für viele Menschen sicherlich hilfreich, zur Ruhe zu kommen und aufzutanken. Etwas Entsagung von der Welt ist gut, aber wie ist es mit der dauerhaften Entsagung?

Das spirituelle Ziel im Buddhismus und im Yoga ist das innere Glück, nennen wir es Erleuchtung, Erwachen oder ein Leben im Licht. Grundsätzlich muss sich jeder Mensch zwischen dem inneren und dem äußeren Weg entscheiden. Auf dem äußeren Weg verbrauchen wir unsere innere Energie im ständigen Lebenskampf und in der Anhaftung an die weltlichen Genüsse. Wer in einer Beziehung lebt oder einen anstrengende Beruf hat, hat kaum Zeit sein inneres Glück zu entwickeln. Wenn wir aber der Welt entsagen, als Mönch oder abgeschiedener Yogi (Eremit) leben, dann sammelt sich durch das Leben in der Ruhe und im spirituellen Üben die innere Energie an. Es kann zu einem Durchbruch ins Glück und zur Erleuchtung (Heiligkeit) kommen.

Das muss aber nicht so sein. Auch als Mönch oder Nonne kann man sich durch die dogmatischen und starren Strukturen in einem Kloster an der Erleuchtung hindern. Nur wenige Mönche und Nonnen erreichen das Ziel der Erleuchtung. Aber viele sind in ihrem Leben in der Geborgenheit eines Klosters und einer spirituellen Gemeinschaft glücklich. Andererseits fällt vielen der Verzicht auf Beziehungen, auf die persönliche Freiheit und auf äußere Genüsse schwer.

Ich habe für mich einen Mittelweg gewählt. Ich lebe seit 34 Jahren als abgeschiedener Yogi. Am Anfang war die Abgeschiedenheit sehr stark und es kam oft zu Durchbrüchen zur Erleuchtung. Andererseits war ich aber auch sehr einsam. Jetzt lebe ich in einer Beziehung und gleichzeitig weiter in der Abgeschiedenheit. Das ist für mich im Moment der richtige Weg. Mein spiritueller Weg entwickelt sich etwas langsamer, aber dafür bin ich auch in meinem äußeren Leben glücklich. Es ist aber jeden Tag eine große Kunst, das richtige Gleichgewicht zwischen dem spirituellen und dem weltlichen Weg zu schaffen. Ich muss dafür sorgen, dass ich meine spirituelle Energie bewahre und nicht in äußeren Genüssen verbrauche. Das gelingt durch das persönlich richtige Verhältnis von Nähe und Distanz. Und durch die beständige Achtsamkeit auf die Gedanken und Gefühle. Ich vermeide Gedanken der Anhaftung. Das gelingt durch eine innere Entsagung von der Welt. Ich nehme die Dinge so an wie sie kommen und verstricke mich nicht in den weltlichen Energien. Und wenn ich mich verstricke, dass löse ich das durch meine regelmäßigen Meditationen immer wieder auf.

Ich versuche auch in der äußeren Welt in der inneren Ruhe und Abgeschiedenheit zu leben. Nach der Lehre des Yoga muss man nicht in der äußeren Abgeschiedenheit leben, wenn man zur Erleuchtung kommen will. Viel wichtiger ist die innere Abgeschiedenheit und Entsagung von der Welt. Erleuchtung kommt aus dem Geist. Aber etwas äußere Abgeschiedenheit ist meistens auch wichtig, weil man ohne ausreichende äußere Abgeschiedenheit und Ruhe nicht die Kraft zu einer inneren Abgeschiedenheit hat.

24 Höre auf deine innere Stimme

Heute machen wir mal einen Test. Es heißt, dass die erleuchteten Meister durch die innere Stimme wirken, wenn man sie mit ihrem Namen anruft. Sucht euch einen erleuchteten Meister, verbindet euch geistig mit ihm oder ihr, und denkt mehrmals seinen Namen mit Om davor als Mantra. Zum Beispiel: Om Mutter Meera, Om Dalai Lama, Om Buddha, Om Jesus, Om Shiva, Om alle Buddhas und Bodhisattvas, Om innere Weisheit, Om innere Buddha-Natur. Dann spürt in euch hinein und horcht, was die Stimme eurer inneren Weisheit, eurer Wahrheit und eurem Gefühl der Richtigkeit sagt. Ihr könnt euch auch auf ein Problem oder eine Frage konzentrieren und die Antwort erspüren. Wenn ihr wollt könnt ihr das jeden Tag machen und euch so weise durch das Leben führen lassen. Was sagt eure innere Stimme heute? Habt ihr eine Antwort erhalten?

25 Die Grundübungen des tibetischen Buddhismus

Etwa tausend Jahre nach Buddha entwickelte sich in Indien ein neuer spiritueller Weg, der Tantrismus. Der tantrische Weg beinhaltet viele Körperübungen (Yoga), geistige Übungen (Gottheiten-Yoga, Mantras) und den Guru-Yoga. Er ist kein streng asketischer Weg wie der ursprüngliche Buddhismus, sondern verbindet Leben und Spiritualität. Er nutzt auch das weltliche Leben, um daran spirituell zu wachen. Der indische Yogi Padmasambhava hat die vielen neuen Techniken des indischen Yoga zusammengefasst, in den Buddhismus integriert und dann nach Tibet gebracht.

Man kann es so sehen, dass der tibetische Buddhismus eine Mischung aus Buddhismus und indischem Yoga ist. Er legt den Schwerpunkt auf den Weg der Liebe, auf das Bodhisattva-Ideal. Des Weiteren passte Padmasambhava den Buddhismus an die tibetische Kultur an. Deshalb werden dort viele Gottheiten verehrt, die teilweise im Zusammenhang mit indischen Gottheiten stehen.

Der tibetische Buddhismus ist meiner Meinung nach ein geniales spirituelles System. Die grundlegenden Praktiken wurden in den Ngöndro-Übungen zusammengefasst. Diese Übungen werden von allen Richtungen des tibetischen Buddhismus praktiziert. https://de.wikipedia.org/wiki/Vajrayana

26 Die vorbereitenden Übungen zur Erleuchtung

Mit den fünf vorbereitenden Übungen (Ngöndro) des tibetischen Buddhismus (Vajrayana) kann man direkt zur Erleuchtung gelangen oder sie als vorbereitende Übungen praktizieren. Ich stelle sie hier stark vereinfachend für westliche Menschen dar, die sich nicht gut mit dem tibetischen Buddhismus auskennen. Grundsätzlich gilt, dass diese Übungen nicht dogmatisch, sondern mit innerem Gespür praktiziert werden sollten. Wir dürfen sie kreativ für uns passend abwandeln. Wir sollten sie so praktizieren, dass dadurch eine spirituelle Wirkung in uns entsteht.

  1. Wir beginnen mit der Zufluchtnahme. Wir besinnen uns auf das Leid in der Welt und in unserem Leben. Wir denken über die Kostbarkeit des spirituellen Weges nach. Wir nehmen Zuflucht zu Buddha (dem spirituellen Vorbild), dem Dharma (dem spirituellen Weg) und zur Sangha (der spirituellen Gemeinschaft. Wir verbeugen uns vor unserer Buddha-Statue (einem Buddha-Bild), visualisieren uns als Buddha oder verehren den historischen Buddha. Dabei denken wir das Mantra: „Ich gehe den spirituellen Weg. Ich strebe danach ein Buddha zu werden. Mögen alle Wesen glücklich sein und vom Leid befreit werden.“ Wir können uns auch einen anderen hilfreichen Satz ausdenken.
  2. Wir machen einige Körperübungen, um unseren Körper zu entspannen und die Energie zum Fließen zu bringen. Ich habe 18 Jahre lange den indischen Hatha-Yoga auf meine Art (Glücksyoga genannt) praktiziert. Jetzt gehe ich dreimal am Tag 20 Minuten spazieren und mache dabei Atemübungen. Wir können auch in unserer Wohnung eine dynamische Meditation, eine Gehmeditation oder die tibetischen Niederwerfungen praktizieren. Finde eine hilfreiche Körperübung, die dir gut tut.
  3. Mit der Vajrasattva-Meditation erwecken wir unsere spirituelle Energie. Vajrasattva ist eine tibetische Meditationsgottheit, die bestimmte Chakren aktiviert und dadurch die Kundalini-Energie zum Fließen bringt. Wir gelangen dadurch in einen höheren Energiezustand. Wir visualisieren uns als erleuchtete Gottheit (Buddha oder Göttin), halten in der einen Hand einen Vajra (den Energiestab des Gottes Indra, ein Symbol für den Kundalini-Kanal in der Mitte unseres Körpers) und bewegen mit der anderen Hand eine Gebetsglocke. Ich visualisiere das nur und bewege geistig die Glocke vor allen Chakren meines Körpers, bis die spirituelle Energie erwacht.
  4. Die Mandala-Meditation dient dazu unser Ego (unsere Ich-Zentrierung) aufzulösen und in die Leerheit, ins Nirwana, in die Einheit mit der Natur zu gelangen. Ein Mandala ist eine kreisförmige Zeichnung, die das gesamte Universum symbolisiert. Wir erkennen uns als Teil des Universums, des Lebens und der Natur. Wir fügen uns in die große Ordnung des Lebens ein. Wir nehmen die Dinge so an wie sie sind. Wir lassen unseren Eigenwillen los. Wir fließen positiv mit dem Leben, wie es sich gestaltet. Wir kommen in uns zur Ruhe und gelangen zum inneren Frieden. Wir stoppen alle Gedanken und werden eins mit dem Mandala, dem Leben, der Natur. Wir leben im erleuchteten Sein, im erleuchteten Hier und Jetzt.
  5. Der zweite Teil der Mandala-Meditation dient dazu in die umfassende Liebe zu kommen. Wir bewegen segnend eine Hand und senden unseren Freunden und allen Wesen Licht. Dazu denken wir das Mantra: „Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.“ Sende so lange allen Wesen Licht, bis du dich real mit ihnen verbunden fühlst.
  6. Der Guru-Yoga ist für die meisten Menschen im Westen die schwierigste Übung. Deshalb ist es hilfreich, sich vorwiegend mit dem eigenen inneren Guru zu verbinden, mit der eigenen Wahrheit und Weisheit, mit dem Gefühl der Richtigkeit. Im tibetischen Buddhismus glaubt man an erleuchtete Meister, die uns aus einer höheren Bewusstseinsdimension helfen können. Wenn wir uns mit ihnen verbinden, dann können sie uns helfen. Wir denken das Mantra: „Om alle erleuchteten Meister, Om alle Buddhas und Bodhisattvas, Om innere Weisheit. Ich bitte um Führung und Hilfe auf meinem Weg.“

https://studybuddhism.com/de/fortgeschrittene-studien/gebete-und-rituale/vorbereitungen/ratschlag-zu-den-vorbereitenden-uebungen-des-ngoendro

27 Zuflucht im Buddhismus suchen

Der erste Schritt auf dem buddhistischen Weg beginnt damit, dass man sich über den Buddhismus informiert. Das geht einfach durch Wikipedia, durch die Schriften Buddhas und die vielen Bücher, die es zum Buddhismus gibt. In einem zweiten Schritt können wir dann Zuflucht zu Buddha als spirituellem Vorbild, zu seiner Lehre (Dharma) und zur Gemeinschaft der Buddhisten nehmen. Die Zuflucht können wir privat für uns selbst nehmen. Wir können uns auch offiziell in einer buddhistischen Gruppe zu einem Buddhisten weihen lassen.

Die Zufluchtnahme ist ein wichtiges Ritual im Buddhismus. Wir können sie immer wiederholen. Sie erinnert uns an unseren buddhistischen Weg. Und sie erweckt auch unser spirituelles Potential. Wir können uns selbst als Buddha visualisieren oder Buddha verehren. Durch das Lesen seiner Schriften stimmen wir uns auf den Buddhismus ein. Durch die Achtsamkeit auf unsere Gedanken und unser Verhalten schreiten wir auf dem buddhistischen Weg voran. Und durch die Meditation und andere spirituelle Übungen erwecken wir unsere Buddha-Natur, das in uns wohnende Erleuchtungspotential.

Ausdauer ist ein wesentliches Element des spirituellen Weges. Wir sollten uns jeden Tag gut motivieren, damit wir unseren spirituellen Weg nicht verlieren. Der spirituelle Weg ist kostbar. Er hilft uns bei der Überwindung von Leid. Er führt uns zum inneren Frieden und ins Glück. Wenn wir gute Ursachen in unserem Leben setzen, erhalten wir ein gutes Karma. Wer weise lebt, kann viel Leid vermeiden. Wer gesund lebt, erntet Gesundheit. Wer nach den Regeln des inneren Glücks lebt, erntet inneres Glück. Wer spirituell lebt, lebt eines Tages im Licht.

Grundlage des buddhistischen Weges sind die fünf Silas: nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, kein sexuelles Fehlverhalten und keine berauschenden Mittel. Durch die fünf Silas schaffen wir eine gute Basis für unseren spirituellen Weg. Des Weiteren sollten wir uns beständig an den fünf Eigenschaften innerer Frieden, Weisheit, Liebe, Selbstdisziplin und Erleuchtung orientieren. Wir sollten es üben uns wie ein Erleuchteter (Buddha) zu verhalten, damit sich unser Erleuchtungspotential entwickelt. Wenn wir uns auf das richtige Ziel im Leben orientieren, werden wir es irgendwann erreichen. Unser Unterbewusstsein (unsere innere Weisheit) wird uns führen. So leben Sieger.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zuflucht_(Buddhismus)

28 Körperübungen im Buddhismus

Das grundlegende spirituelle Übungssystem im Buddhismus besteht aus Meditation, Körperübungen und Gedankenarbeit. Regelmäßige Körperübungen sind für jeden Buddhisten unverzichtbar. Tägliche Körperübungen geben uns innere Kraft, erhalten unsere Gesundheit und reinigen unseren Körper von Verspannungen. Körperübungen schütten Glückshormone aus und bewirken inneren Frieden, Gelassenheit und Glück. Allein durch intensive Körperübungen kann man bereits zur Erleuchtung gelangen. Als Kreislauf- und Gesundheitstraining werden 20 Minuten am Tag empfohlen. Notfalls können wir auch zweimal in der Woche eine Stunde unseren Körper trainieren.

Für Buddha war die Hauptkörperübung das tägliche Gehen. Alle Mönche praktizierten jeden Tag einen Bettelgang. Es gibt auch die Praxis des Pilgerns über einen langen Zeitraum hinweg. Im Zen meditiert man abwechselnd im Sitzen und im Gehen. Im tibetischen Buddhismus absolviert jeder Übende mindestens 100 000 Niederwerfungen. Im Hinduismus gibt es entsprechend den Sonnengruß, mit dem sich Yogis in ihren Höhlen fit halten können. Gut ist auch der Hatha-Yoga, der aus vielen verschiedenen Bewegungsfolgen besteht. Hatha-Yoga wird auch im tibetischen Buddhismus geübt. Als Spezialität gibt es dort den tibetischen Heilyoga, Lu Jong.

Ich habe am Anfang meines spirituellen Weges zweimal in der Woche in einem Verein Karate trainiert. Das gab mir die Kraft meine Gedanken zu kontrollieren und meine Depression zu überwinden. Dann ging ich zum Yoga über und habe 18 Jahre als Yogalehrer gearbeitet. Jetzt mache ich jeden Tag nur noch eine kleine Yogareihe, entsprechend dem Sonnengruß und den tibetischen Niederwerfungen. Meine Hauptübung besteht darin dreimal am Tag etwa 20 Minuten in der Natur zu gehen und dabei Atemübungen zu machen. Meine Atemübungen bestehen hauptsächlich aus der Feueratmung (schnellen Atmung), wodurch ich schnell viel Energie aufnehmen kann. Und oft auch die andere Spaziergänger erschrecke. Aber inzwischen kennt man mich hier meistens schon als den verrückten Yogi. Ich gehöre zum Wald dazu.

Mein spiritueller Weg besteht insgesamt aus den fünf Elementen meditieren, lesen, gehen, Gutes tun (meine Bodhisattva-Praxis) und das Leben genießen. Das praktiziere ich im ständigen Wechsel, alles jeweils zur richtigen Zeit und mit innerem Gespür. Ich praktiziere alles so, dass es mich innerlich reinigt und meine Energie verstärkt. Alle weltlichen Tätigkeiten können auch für den spirituellen Weg genutzt werden, wenn man sie auf die richtige Weise und mit einer spirituellen Motivation praktiziert. Wenn man im Schwerpunkt spirituell lebt, verwandelt sich das ganze Leben in einen spirituellen Weg. Die Essenz ist letztlich der Vorbild-Yoga (Guru-Yoga). Ich verbinde mich jeden Tag mit meinem spirituellen Vorbild (Buddha) und meinen erleuchteten Meistern durch ein kleines Ritual. Ich handele dann konsequent aus der inneren Stimme meiner Wahrheit und Weisheit heraus. Ich halte mich an die Regel des Dalai Lama: „Wer auf Buddha meditiert, wird ein Buddha.“ Wer sein Leben auf Buddha und seinen Weg ausrichtet, der wächst spirituell.

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