Glück in einer Beziehung

von Nils Horn

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Abstract

Zwanzig Regeln für eine glückliche Beziehung. Das große Geschenk für alle Paare. Zum Weiterverschenken. Mögen alle Menschen glücklich sein.



Das Geheimnis einer glücklichen Beziehung

Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe. So lautet der Titel des Buches von John M. Gottman. Gottman hat sechzehn Jahre lang wissenschaftlich die Unterschiede zwischen guten und schlechten Beziehungen untersucht. Mehrere tausend Paare haben sich für seine Forschungen zur Verfügung gestellt.

Die zentrale Erkenntnis von Gottman ist, dass man das Positive in einer Beziehung stärken muss, wenn man dauerhaft eine gute Beziehung haben möchte. Der Schwerpunkt der Beziehungsarbeit muss auf dem Positiven liegen. Es reicht nicht aus, gut zu kommunizieren und gute Kompromisse zu machen. Insofern erweitert Gottman den bisherigen Ansatz der Paartherapie um einen wesentlichen Punkt. Man könnte sagen, dass er die heutige Paartherapie vom Kopf auf die Füße stellt. Er bringt die Dinge in die richtige Reihenfolge.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Gottman bestätigen den Ansatz, den ich in diesem Buch über das Glück vertrete. Meinen Ansatz habe ich aus den Erfahrungen in meinen persönlichen Beziehungen gewonnen. Die meisten Beziehungen sind an schlechter Kommunikation und mangelnder Kompromissfähigkeit gescheitert. Aber eine Beziehung hatte ich, da waren beide Beteiligten therapeutisch ausgebildet. Die Kommunikation war perfekt. Und trotzdem scheiterte die Beziehung. Es fehlte der tiefere gemeinsame positive Punkt.

Meine Erfahrung ist eine typische Erfahrung. Viele Psychologen haben Schwierigkeiten mit ihren Beziehungen. Nicht die Psychologen haben die guten Beziehungen, sondern die spirituellen Menschen. Das ist das Ergebnis der modernen Forschung. Wir müssen deshalb im Schwerpunkt die Spiritualität in der Gesellschaft und in unseren Beziehung stärken, wenn wir glückliche Beziehungen erreichen wollen. Wir sollten auch lernen, gut zu kommunizieren und Kompromisse zu machen. Aber am wichtigsten ist es, dass wir die Spiritualität in das Zentrum unserer Beziehungen stellen.

Spiritualität verstehe ich sehr weitgefasst. Es gibt viele gute spirituelle Wege. Jeder Mensch darf seinen eigenen Weg finden und gehen. Wir können den Weg des Yoga gehen, den Weg des positiven Denkens, den Weg des Christentums oder den Weg des Buddhismus. Mit welchen Symbolen wir den Weg des inneren Glücks und der umfassenden Liebe ausdrücken, ist egal. Wichtig ist nur, dass wir das richtige Ziel in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen und uns jeden Tag auf unsere Weise darauf besinnen.

Das erste Geheimnis einer glücklichen Beziehung besteht nach Gottman darin, sich dem Partner zu öffnen. Man muss eine gute Beziehung wirklich wollen. Man muss der Beziehung und dem Partner einen ausreichenden Platz im eigenen Leben einräumen.

Das zweite Geheimnis ist es, positiv über den Partner zu denken. Jeder Mensch ist aus sich selbst heraus wertvoll. Wer eine glückliche Beziehung haben möchte, sollte seinen Partner mit Respekt behandeln. Jeder Mensch hat Fehler. Wir müssen es lernen, die Fehler unseres Partners als Teil seiner Gesamtpersönlichkeit anzunehmen und uns im Schwerpunkt auf die positiven Seiten zu konzentrieren.

Gottman schlägt in seinem Buch eine Sieben-Wochen-Übung vor, mit der ein Paar systematisch das positive Denken trainieren kann.

Der erste Tag bei dieser Übung gehört dem Gedanken: „Ich mag meinen Partner wirklich.“ Jeder schreibt eine Eigenschaft auf, die er liebenswert an seinem Partner findet.

Am zweiten Tag erinnern sich beide an die guten Zeiten in ihrer Beziehung. Sie schreiben einen Satz über eine schöne gemeinsame Zeit auf.

Danach folgen kleine Aufgaben wie: Beschreibe einen positiven Wert, den ihr beide gemeinsam habt. Nenne ein gemeinsames Ziel. Denke an eine Zeit, in der dein Partner dich unterstützt hat. Nenne einen Fehler deines Partners, mit dem du dich arrangiert hast. Welchen Vorteil hat das Zusammensein mit deinem Partner? Plane eine positive Aktivität mit deinem Partner. Erzähle deinem Partner, wo du ihn bewunderst. Denke daran, was ihr als Team alles geleistet habt.

Die ganzen sieben Wochen beginnen beide Partner jeden Tag mit einer positiven Botschaft. Die Botschaft soll auch über den Tag hinweg so oft wie möglich gedacht werden. Jeden Tag praktizieren beide Partner eine kleine positive Aktivität. Im Laufe der sieben Wochen entwickeln sie so langsam ein individuelles System der Zuneigung. Sie bilden positive Gewohnheiten heraus, die dann langfristig das Positive in ihrer Beziehung wachsen lassen.

Zum Thema Sex meint Gottman, dass beide Partner sensibel den für sie richtigen Weg finden sollten. Typisch für Paare mit einem glücklichen Liebesleben ist es, dass sie Unterschiede in ihren Bedürfnissen nicht persönlich nehmen. Sie sehen Sex vorwiegend als eine Möglichkeit des nahen Kontaktes an. Sie definieren sich nicht dadurch. Sie halten Sex nicht für das Wichtigste in ihrem Leben. Sie haben einen anderen Punkt, von dem aus sie ihr Leben begreifen.

Als Beispiel für unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse nennt Gottman Mike und Lynne. Mike wollte mehrmals in der Woche Sex haben. Lynne wünschte sich einmal in der Woche oder noch weniger Sex. Mike war frustriert und fühlte sich zurückgewiesen. Aber je mehr er Lynne unter Druck setzte, desto geringer wurde ihr Interesse an Sex.

Gottman schlug den beiden vor, dass als erstes Lynne ihre innere Anspannung beim Sex loswerden musste. Innere Anspannung ist lustfeindlich. Sie blockiert das Bedürfnis nach Sex. Langfristig bewirkt sie immer weniger Interesse an Sex.

Ihre innere Anspannung konnte Lynne dadurch überwinden, dass sie zur Bestimmerin über die Sexualität gemacht wurde. Sie durfte ab sofort die Abende dirigieren. Sie konnte entscheiden, wann was gemacht und ob überhaupt Sex gemacht wurde. Dadurch begann Lynne sich beim Sex sicher zu fühlen. Sie konnte ihre Bedürfnisse leben und so langsam immer mehr Freude am Sex empfinden. Im Laufe der Zeit wurde ihr Interesse an Sex etwas größer. Das Paar hatte häufiger Sex als vorher. Überwiegend hatten sie etwa einmal in der Woche Sex.

Der richtige Lösungsweg kann nur individuell und sehr sensibel gefunden werden. Eine gewisse Frustration wird bei dem Mann als dem normalerweise stärker am Sex interessierten Partner bestehen bleiben. Hier ist es wichtig, dass die Frustration nicht verdrängt, sondern positiv bearbeitet wird. Der Mann muss an seinen Gedanken arbeiten, damit er trotz des begrenzten Verzichts weiterhin eine gute Beziehung leben kann. Die Frustration darf sich nicht in eine unterschwellige Aggression gegen seine Frau verwandeln. Das würde die Beziehung langfristig zerstören.

Für die meisten Paare ist es schwierig, offen über den Bereich Sex miteinander zu sprechen. Es ist eine große Herausforderung, über dieses Thema klar und deutlich zu reden. Es ist aber wichtig, sich über die Sexualität zu unterhalten. Sonst ist es kaum möglich, den für beide Partner guten gemeinsamen Weg zu finden.

Wir leben scheinbar in einer sexuell sehr freien Welt. Aber in Wirklichkeit herrschen gerade bei der Sexualität große Ängste, Empfindlichkeiten und Verletzbarkeiten. Wer sich über die Sexualität definiert, wird durch ein Versagen und oft selbst durch kleine Schwachpunkte im Kern seiner Persönlichkeit betroffen.

Ängste können nur überwunden werden, wenn beide Partner ehrlich und sensibel miteinander über die Sexualität reden. Letztlich verschwinden die meisten Ängste erst dann, wenn man sich auf einer tiefen Ebene dem Kosmos (Gott) überlassen kann. So weit sind aber nur wenige Menschen.

Ein weiteres Geheimnis einer glücklichen Beziehung ist die Fähigkeit beider Partner, nicht lösbare Probleme als einen normalen Bestandteil jeder Beziehung zu sehen. Wenn man sich im Weg des inneren Glücks verankert, kann man auch mit den nicht lösbaren Problemen einer Beziehung positiv fließen.

Die Leidpunkte in einer Beziehung geben uns die Möglichkeit, in der Spiritualität zu wachsen. Das höchste Ziel im Yoga ist es, dauerhaft im Licht zu leben. Das können wir gerade in einer schwierigen Beziehung gut üben.

Leid und Schwierigkeiten in einer Beziehung lassen oft die Partner noch mehr zusammenwachsen. Sie können auf einer tiefen Ebene das Herz füreinander öffnen. Sie wachsen in den Eigenschaften Mitgefühl und Gelassenheit. Daraus entsteht letztlich die Erleuchtung. Durch Leid und Schwierigkeiten können beide Partner zur Erleuchtung gelangen. Dann können sie sich über alles Leid erheben und dauerhaft im Zustand des tiefen inneren Glücks verweilen, auch wenn die Probleme weiter bestehen.



Positiv denken

Gottman weist darauf hin, dass in 85 % der Ehen die Menschen deshalb nicht glücklich sind, weil sie nicht in sich selbst glücklich sind. Wenn in einem Menschen die Negativität dominiert, neigt er nicht nur dazu sich selbst kritisch zu sehen, sondern auch seine Beziehung und seinen Partner. Er konzentriert seinen Blick in allen Lebensbereichen vorwiegend auf das Negative, auf das Fehlende und auf das Unvollkommene.

Als Beispiel erzählt Gottman die Geschichte von Aaron, der ständig unzufrieden mit sich war. Was passierte, als er Courtney heiratete? Nach einiger Zeit fing er an, auch bei seiner Frau ständig das Negative zu suchen. Er war nicht dankbar für das, was an Gutem da war. Es fiel ihm schwer, das Positive an seiner Frau zu sehen. Er konzentrierte sich auf die Schwächen seiner Frau und verringerte dadurch im Laufe der Zeit immer mehr das Glück in seiner Ehe.

Was kann man in einem solchen Fall tun? Der Lösungsweg besteht darin, vorwiegend an sich selbst zu arbeiten. Man muss seine eigene Positivität entwickeln, dann kann man auch das Positive in seiner Beziehung sehen und genießen. Man muss sich im positiven Denken üben und konsequent nach den Prinzipien des inneren Glücks leben. Notfalls kann es hilfreich sein, eine Therapie zu machen.

Gottmans persönliches Glücksgeheimnis ist die jüdische Spiritualität. Er erklärt, dass sein jüdischer Glaube ihm geholfen habe, das Gute in sich und in seiner Beziehung zu nähren. Seine spirituelle Haupttechnik ist die Dankbarkeit. Im Judentum nennt man das Lobpreisung.

Gottman empfielt: „Lobe die Welt. Freue dich über den Sonnenaufgang, die glücklichen Augen deiner Kinder, die vielen kleinen Wunder auf der Welt. Lobe deinen Partner und deine Kinder. Schenke ihnen jeden Tag mindestens ein ehrliches und überzeugtes Lob. Erweitere diese Übung auf alle Personen in deiner Umgebung. Ignoriere die Unzulänglichkeiten. Dann wirst du eines Tages anfangen, dich in deiner Welt wohl zu fühlen. Je mehr du deine Beziehung mit dem Geist des Dankens und der Gegenwart von Lob umgibst, desto sinnreicher und erfüllter wird euer gemeinsames Leben sein.“



Nach den Regeln des Glücks leben

Eine glückliche Beziehung ist der größte Wunsch der meisten Menschen. Für die meisten Menschen ist Glück hauptsächlich mit einer glücklichen Beziehung verbunden. Glückliche Beziehungen entstehen, wenn die Menschen in einer Beziehung nach den Regeln des Glücks leben.

Die allgemeine Philosophie der heutigen Zeit vermittelt die Habgier, die Genusssucht, die Unverbindlichkeit und der Egoismus. Das ist der Weg des äußeren Glücks und des inneren Unglücks. Es ist kein Wunder, dass glückliche Beziehungen in der heutigen Zeit selten sind.

Glückliche Beziehungen beruhen auf den Prinzipien des inneren Glücks und der umfassenden Liebe. Bei glücklichen Beziehungen sollte man eher den gemeinsamen guten Weg im Auge haben als den persönlich optimalen Genussweg. Man sollte zu Kompromissen bereit sein. Man sollte verzeihen können, geben können und manchmal auch auf etwas verzichten können. Wir müssen die Liebe, den Frieden und das positive Denken pflegen. Wir müssen beständig an unserer Beziehung arbeiten, damit sie sich dauerhaft glücklich entwickelt.

Das größte Geheimnis einer glücklichen Beziehung ist, dass beide Partner als Gebende leben. Wenn beide Partner vorwiegend geben, dann wächst das Glück in einer Beziehung. Wenn beide vorwiegend egoistisch denken, dann schrumpft langfristig das Glück.

Auch gleichwertiges Geben und Nehmen ist nicht der Weg zu einer glücklichen Beziehung. Es ist eher der Weg einer guten Geschäftsbeziehung, aber nicht einer dauerhaften Liebesbeziehung. Man beschäftigt sich mehr mit dem gerechten Ausgleich als mit der Pflege der Liebe. Wenn ein Partner bei einem anderen Menschen mehr bekommt, geht er dort hin.

Glücklich ist es, wenn beide Partner spirituell orientiert sind. Leider leben wir in einer unspirituellen Zeit. Der Normalfall ist die nicht spirituelle Beziehung. Wenn wir als einzelne Menschen den Weg der Spiritualität gefunden haben und in einer Beziehung leben wollen, dann müssen wir meistens das Kunststück vollbringen, mit einem nicht spirituellen Partner spirituell zu leben. Das gelingt, wenn wir uns klar in der Spiritualität (dem Licht) verankern, uns ausreichend Freiraum für unsere spirituellen Übungen schaffen und uns jeden Tag mit den erleuchteten Meistern verbinden.

Was ist dein Weg einer positiven Beziehung? Wie kannst du klug Spiritualität und Beziehung verbinden? Welches sind deine täglichen spirituellen Übungen (Yoga, Lesen, Gehen, Meditation)? Was ist deine Form der täglichen Verbindung mit den erleuchteten Meistern (Gebet/Anrufung, Bilderverehrung, Lesen in einem spirituellen Buch, Meditation)? Lebe im Schwerpunkt aus dem inneren Glück und der umfassenden Liebe heraus. Dann werden dein Leben und deine Beziehung gelingen.

Zwanzig Regeln für eine gute Beziehung

Der amerikanische Paartherapeut Arnold Lazarus und die Schriftstellerin Kass Perry Otterweich (Sei gut zu deiner Ehe) haben zwanzig Grundsätze für eine gute Beziehung entwickelt:

1. Ehe ist Arbeit. Es ist eine falsche Aufassung, dass man sich zuhause völlig gehen lassen kann. Es bedarf einiger Anstrengung, um eine Beziehung gelingen zu lassen.

2. Arbeite aber auch nicht zu sehr. Sei auch in deiner Beziehung du selbst. Lebe auch dich selbst und deine Bedürfnisse, so dass du dich in dir wohl fühlst.

3. Vermeide zu viel Kritik.

4. Vermeide es, deinem Partner zu häufig seine Wünsche abzuschlagen. Sage ja, so oft es vertretbar ist.

5. Löse Konflikte konstruktiv.

6. Verbringe regelmäßig eine bestimmte Zeit mit Tätigkeiten, die dir und deinem Partner Freude machen.

7. Erfreue deinen Partner regelmäßig mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Vermeide Dinge, die dein Partner nicht mag.

8. Grenze dich ausreichend gegen negatives Verhalten deines Partners ab (zum Beispiel gegen Wutanfälle, Verstöße gegen positive Lebensgrundsätze). Belohne nicht negative Verhaltensweisen, indem du darauf eingehst. Verhalte dich neutral oder sage in angemessener Form: „Nein“.

9. Arbeite an deinen eigenen negativen Eigenschaften.

10. Eine gute Beziehung beruht auf Teamwork. Seid ein gutes Team.

11. Geht sanft miteinander um.

12. Macht einander Komplimente.

13. Seid aufrichtig zueinander. Lebt in der Wahrheit. Die Wahrheit ist die Basis jeder guten Beziehung.

14. Verankert eure Beziehung in einem höheren positiven Prinzip. Findet einen zu euch passenden Namen für dieses höhere Prinzip. Nennt es Glück, Liebe, Wahrheit oder Spiritualität. Verbindet euch regelmäßig und insbesondere vor allen schönen und allen schwierigen Situationen mit eurem höheren Prinzip. Lebt im Zentrum eurer Beziehung aus eurem höheren Prinzip heraus.

15. Bittet um das, was ihr möchtet. Euer Partner kann keine Gedanken lesen.

16. Respektiert das Recht jedes Partners auf einen individuellen Freiraum. Ein ausreichender persönlicher Freiraum ist für das Wohlbefinden jedes Partners wichtig.

17. Liebe bedeutet Geduld zu haben.

18. Liebe bedeutet vergeben zu können.

19. Liebe bedeutet sich entschuldigen zu können.

20. Hört niemals auf, alle Wesen glücklich zu wünschen. Wer das Glück aller Wesen wünscht, wächst selbst ins Glück. Das ist die höchste spirituelle Weisheit.



Beziehungshimmel und Beziehungshölle

In der Beziehungshölle leben die Menschen aus dem Egoismus und dem Haben-Wollen heraus. Sie leben eher aus dem Nehmen als aus dem Geben heraus. Sie gehen Beziehungen ein, um etwas von dem Partner zu bekommen. Sie wollen Sicherheit, Kontakt, Genuss und Anerkennung. Im Laufe der Zeit artet ihre Beziehung immer mehr in Machtkämpfe aus. Beide versuchen so viel wie möglich zu bekommen und machen sich dadurch gegenseitig immer unglücklicher.

Im Beziehungshimmel leben die Menschen aus der Liebe und dem Geben heraus. Sie sind in sich selbst glücklich. Beziehungen gehen die Menschen dort ein, um ein Glücksteam zu bilden. Ein Glücksteam arbeitet für das Glück der Welt. Es hat eine soziale oder spirituelle Aufgabe.

Beide Partner helfen sich gegenseitig materiell, emotional und spirituell. Sie unterstützen sich gegenseitig auf dem Weg des inneren Glücks. In ihrer Beziehung steht das innere Glück (die Spiritualität) und nicht das äußere Glück im Mittelpunkt. Sie bauen ihre Beziehung auf den Werten Wahrheit, Treue, Liebe und Frieden auf.

Im idealen Glücksteam gelangen beide Partner zur Selbstverwirklichung. Dann leben beide Partner im Licht (Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit). Sie ruhen in der Einheit des Kosmos (in Gott) und arbeiten als Karma-Yogis für eine glückliche Welt. Nach ihrem Tod gelangen beide ins Paradies, in eine glückliche Welt im Jenseits. Von dort aus helfen sie ewig allen ihren Kindern und Kindeskindern.

Im Buddhismus gibt es das Bild von der Hölle, in der Menschen an reich gedeckten Tischen einander gegenüber sitzen. Sie können nichts essen, weil die Löffel länger sind als ihre Arme. Sie können den Löffel deshalb nicht zum Mund führen.

Im buddhistischen Himmel haben die Menschen ebenfalls lange Löffel. Sie füttern sich damit aber gegenseitig, und alle werden satt. Im Himmel leben die Mensche den Grundsatz der Liebe.

In der Hölle kommen die Menschen gar nicht auf die Idee, dass es den Weg des Gebens gibt. In der Hölle suchen die Menschen das Glück am falschen Ort. Sie sehen noch nicht einmal den gedeckten Tisch.

Der gedeckte Tisch im Kosmos ist das innere Glück. Wer weder den Weg des inneren Glücks noch den Grundsatz des Gebens für seine Beziehung kennt, kann langfristig nie satt an Glück werden. Er kann nie langfristig eine glückliche Beziehung führen. Er wird nie wirklich mit sich und der Welt zufrieden sein. Er wird nie zum tiefen inneren Frieden und zum tiefen inneren Glück finden.

In einer spirituellen Beziehung sorgen wir als erstes gut für uns selbst. Wir sorgen dafür, dass unser inneres Glück langfristig wächst. Wir achten auf genügend Erholung, auf genug Zeit für uns selbst und machen jeden Tag ausreichend unsere spirituellen Übungen (Yoga, Lesen, Gehen, Meditation).

Wir leben das kleine Geben. Wir geben nur so viel, wie wir Energie übrig haben. Wenn wir dann eines Tages ein Buddha (eine selbstverwirklichte Seele) sind und viel Glück in uns haben, dann können wir primär das Geben leben. Dann wird das Geben das innere Glück in uns noch verstärken. Wenn wir vorher zuviel geben, verbrauchen wir uns und werden langfristig unglücklich.Der höchste Weg ist es, geschickt inneres Glück (spirituelle Übungen) und äußeres Lebens (Beziehungen, Beruf) miteinander zu verbinden. Wenn wir nach diesem Prinzip leben, können wir glückliche Beziehungen erreichen.

Evelyn und Nils

In einer Diskothek lernte Nils 1971 Evelyn kennen. Evelyn hatte blonde Haare und einen großen Busen. Nils achtete damals bei Frauen eher auf die äußeren als auf die inneren Werte. Und von den äußeren Werten her gesehen gefiel Evelyn ihm sehr gut.

Evelyn war auf der Suche nach dem großen Glück in einer Beziehung. Sie war auf der Suche nach ihrem Traummann. Für einige Zeit hatte sie die Idee, dass Nils dieser Traummann wäre. Nils hat sich auch redlich bemüht. Aber auf die Dauer war er doch etwas überfordert, was Evelyns Vorstellungen von einer perfekten Beziehung anbelangte. Wir können es kaum glauben, aber Nils hatte auch einige Fehler. Insbesondere war er etwas unachtsam in äußeren Dingen. Das hat Evelyn auf die Dauer ziemlich genervt.

Evelyn machte eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. Sie stammte aus einem schwierigen Elternhaus. Ihre Eltern hatten sich viel gestritten. Sie sehnte sich nach Liebe, Zärtlichkeit und Geborgenheit. Sie hoffte bei Nils das Glück zu finden, das sie in ihrem Elternhaus vermißt hatte und dass sie auch aus sich selbst heraus alleine nicht besaß.

Nils war jetzt ein Student. Er lebte zusammen mit zwei Freunden in seinem kleinen Haus in Hamburg-Duvenstedt. Das Haus hatte er von seinen Großeltern geerbt. Es lag etwas abseits vom Ort in einem Naturschutzgebiet. Sie hatten viel Freiraum. Sie konnten die Musik so laut machen, wie sie wollten.

Evelyn besuchte Nils oft in seiner Männerwohngemeinschaft. Sie gingen zusammen tanzen. Sie redeten viel und waren sehr zärtlich zueinander. Sie lernten immer besser ihre Körper kennen. Nach einem halben Jahr fanden sie den Weg ins Bett.

Sie schrieben einander viele Liebebriefe. Ein besonders schöner Satz von Evelyn lautete: „Das Leben ist wie ein tiefer Strom. Jeder versucht sich über Wasser zu halten. Mancher treibt alleine. Und ein anderer hat jemanden, an dem er sich festhalten kann. Und der sich auch an ihm festhalten kann. Das ist ein großes Geschenk.“

Im ersten Jahr waren Evelyn und Nils noch sehr verliebt. Das ist normal. Im zweiten Jahr waren sie nicht mehr ganz so stark verliebt. Das ist auch normal. Im dritten Jahr begannen sie sich viel zu streiten. Das ist leider sehr normal in der heutigen Zeit. Evelyn und Nils merkten, dass ihre Beziehung in eine kritische Phase kam. Sie erkannten, dass sie an einem Wendepunkt angekommen war und dass jetzt gehandelt werden mußte.

Das war an sich bereits eine große Leistung. Viele Paare wachen erst auf, wenn sich die negativen Strukturen völlig verfestigt haben. Dann ist oft kaum noch etwas zu machen. Wer rechtzeitig seine Beziehung in die richtige Richtung lenkt, kann langfristig eine glückliche Beziehung erhalten. Doch was ist der Weg einer langfristig glücklichen Beziehung?

Evelyn und Nils versuchten ein besseres Kommunikationsverhalten zu erlernen. Sie kauften sich ein Buch über positive Beziehungen und arbeiteten es gemeinsam durch. Geholfen hat es ihnen nicht viel. Das Zentrum ihrer Schwierigkeiten lag darin, dass Evelyn von Nils erwartete, dass er ihren Ansprüchen an einen Traummann entsprach. Sie erwartete von Nils, dass er sie dauerhaft auf einer tiefen Ebene glücklich macht.

Evelyn suchte nicht das Hauptglück in sich selbst. Sie ging nicht den Weg des inneren Glücks und des täglichen spirituellen Übens. Wer aus sich selbst heraus glücklich ist, braucht vom Partner nur etwas Glück. Wer mit sich selbst unglücklich ist, braucht vom Partner viel Glück und überfordert ihn damit normalerweise auf die Dauer.

Evelyn und Nils kannten nicht den Weg einer glücklichen Beziehung. Eine Beziehung beruht normalerweise auf einer Suchtliebe. Jeder möchte vom anderen etwas haben. Er möchte Liebe, Sex, Zärtlichkeit, Sicherheit oder Geborgenheit. Wenn wir unsere Beziehung auf der Basis des Habenwollens leben, schrumpft langfristig die Liebe und wir geraten in ständige Machtkämpfe. Wer am besten kämpfen kann, bekommt am meisten. Nur hat die Liebe bei so einem Verhalten langfristig keine Chance.

Für den Anfang einer Partnerschaft ist die Suchtliebe normal. Wenn die Partnerschaft aber langfristig gelingen soll, muss sie nach einiger Zeit auf eine spirituelle Grundlage umgestellt werden. Die Basis der Beziehung müssen die positiven Werte Weisheit, Liebe, Frieden, innere Arbeit und gegenseitige Unterstützung sein. Wir verankern uns primär im Ziel des eigenen inneren Glücks und nicht in unserem Partner. Wir lösen uns langsam vom Lebensgrundsatz des äußeren Glücks und erwarten unser Hauptglück von uns selbst. Wir üben in unserer Beziehung das positive Denken und die Geben-Liebe.

Wenn wir so unsere Beziehung leben, wird sie langfristig glücklich. Wir wachsen immer mehr im Glück und in der Liebe. Die Suchtliebe verbraucht sich nach einiger Zeit. Die Geben-Liebe ist wahre Liebe und kann unbegrenzt wachsen. Ein reines Herzchakra kann sich bis in die höchsten Höhen der Erleuchtung öffnen. Bis wir nur noch Liebe sind, in der Liebe leben und Liebe in die Welt ausstrahlen.

Der Weg des äußeren Glücks besteht darin, durch einen anderen Menschen glücklich werden zu wollen. Dieser Weg ist ein Suchtweg. Er geht deshalb grundsätzlich langfristig schief. Wer sein Hauptglück von einem anderen Menschen erwartet, wird langfristig normalerweise immer irgendwann enttäuscht. Irgendwann ist die Anfangsfreude vorbei und beide Menschen werden auf ihre eigene Psyche zurückgeworfen. Die meisten Menschen geben dann dem Partner die Schuld am fehlenden Beziehungsglück. Sie beginnen zu streiten oder ziehen sich frustriert innerlich zurück. Wir müssen die Philosophie des äußeren Glücks überwinden. Dann können wir auch langfristig glückliche Beziehungen leben.

Evelyn hatte ihre Beziehungsvorstellungen aus dem Kino. Nils orientierte sich an den psychoanalytischen Theorien von Sigmund Freud. Beides sind Wege der großen Fehlorientierung. Sie führen ins Beziehungsunglück. Die meisten Schauspieler, die in der Welt des Filmes leben, haben unglückliche Beziehungen und trennen sich irgendwann. Gleiches gilt für die Psychologen. Die besten Beziehungen haben nach wissenschaftlichen Untersuchungen die Menschen, die regelmäßig die Spiritualität in ihrer Beziehung pflegen.

Statt sich im positiven Denken zu üben, konzentrierte sich Evelyn auf die Fehler von Nils. Ein spiritueller Mensch beschäftigt sich nur mit seinen eigenen Fehlern. Bei anderen Menschen konzentriert er sich auf die positiven Seiten. Die Yoga-Begrüßung „Namaste“ bedeutet: „Ich sehe Gott in dir.“ Wer das Positive (Gott) in seinen Mitmenschen zu sehen übt, erweckt dadurch sein inneres Glück. Wer sich auf das Negative fixiert, verstärkt das Negative in sich selbst.

Evelyn sah vorwiegend die negativen Eigenschaften von Nils und erweckte dadurch die Wut in sich. Im dritten Jahr ihrer Beziehung stritten sie intensiv. Nils versuchte zu begreifen, was hier vor sich ging. Die süße Evelyn hatte sich in einen Beziehungsdrachen verwandelt.

Irgendwann begann sich Evelyn nach anderen Männern umzusehen. Und Nils suchte sich eine andere Frau. Das schöne Märchen von Evelyn und Nils hatte ein trauriges Ende.

Die spirituelle Beziehung

In einer spirituellen Beziehung kann jeder Partner seinen eigenen spirituellen Weg gehen. Wichtig ist nur, dass beide Partner das spirituelle Ziel erreichen wollen. Sie müssen jeder für sich innerlich beschließen, auf das spirituelle Ziel orientiert zu leben.

Dabei ist es egal, wie jeder Partner das Ziel für sich definiert. Er kann es Selbstverwirklichung, inneres Glück, Erleuchtung, Paradies oder Gott nennen. Er kann als Vorbild Buddha, Jesus, Shiva oder ein anderes Symbol der Selbstverwirklichung haben. Menschen mit unterschiedlichen spirituellen Wegen in einer Partnerschaft können ein positives Beispiel für die Zusammenarbeit aller Menschen sein.

Es ist auch möglich, dass in einer Partnerschaft ein Partner den schnellen und ein Partner den langsamen spirituellen Weg geht. Wir müssen nicht alle gleichzeitig das Ziel erreichen. Wer zuerst ankommt, kann dann sehr gut dem anderen Partner auf seinem spirituellen Weg helfen. Wer den langsamen Weg geht, kann sehr gut seinen Partner auf dem schnellen Weg, der oft schwer zu gehen ist, unterstützen.

Ein wichtiger Bereich in spirituellen Beziehungen ist die Sexualität. In den einzelnen Religionen werden hier viele unterschiedliche Ansichten vertreten. Auf der einen Seite gibt es das Modell der Beziehung ohne Sexualität und auf der anderen Seite das Modell der intensiven Sexualität. Wichtig ist, dass in einer Partnerschaft beide Partner über ihren Weg sprechen und einen guten gemeinsamen Weg finden.

Spiritualität und Sexualität zu verbinden, ist eine große Kunst. Man kann dabei tief fallen oder bis zur Erleuchtung aufsteigen. Das Grundproblem besteht darin, dass einerseits bei der Sexualität heilsame Energien entstehen können und andererseits Sexualität zur starken Anhaftung führen kann. Anhaftung an äußere Genüsse erzeugt innere Verspannungen, die das Glück behindern oder sogar zum Verschwinden bringen können. Sexsucht ist keine Form des inneren Glücks, sondern eine Form des inneren Unglücks.

Auf dem spirituellen Weg müssen wir Sexualität deshalb so praktizieren, dass sich die heilsamen Wirkungen entfalten und die unheilsamen Wirkungen verhindert werden. Wir müssen insbesondere vermeiden, dass wir uns durch Anhaftung innerlich verspannen. Wenn wir anhaften, müssen wir durch geeignete spirituelle Übungen die Anhaftung wieder auflösen.

Wir sollten die Sexualität aus dem anhaftungslosen Sein, dem inneren Frieden heraus praktizieren. Wir sollten uns primär in der Spiritualität verankern, damit wir uns nicht in der Sexualität verlieren.

Damit wir bei unserer Sexualität den richtigen Weg finden ist es gut, vom spirituellen Ziel aus zu denken. Das spirituelle Ziel ist das innere Glück. Inneres Glück hat seine Basis in der inneren Ruhe. Innere Ruhe ist ein Zustand der Freiheit von inneren Verspannungen. Wir leben im Sein (im kosmischen Einheitsbewusstsein). Wir leben ohne Anhaftung und ohne Ablehnung. Wir sind nicht fixiert auf äußere Genüsse und regen uns bei Leid nicht auf. Wir sind aus uns selbst heraus glücklich und deshalb für unser Glück nicht auf äußere Dinge angewiesen.

Ein erleuchteter Mensch kann Sexualität praktizieren, muss es aber nicht. Er ist glücklich mit Sexualität. Und er ist glücklich ohne Sexualität. In gewisser Weise steht er über der Sexualität. Es ist unabhängig davon. Er macht Sexualität, wenn es richtig ist. Er lehnt Sexualität nicht aus Angst ab. Und er rennt der Sexualität auch nicht aus Sexsucht hinterher.

Wann ist Sexualität richtig? Sexualität ist richtig, wenn wir eine positive und dauerhafte Beziehung haben, wenn alle Fragen der Verhütung geklärt sind, wenn die Gefahr von Krankheiten und Ansteckung besprochen ist, wenn eine Vereinbarung über die Treue in der Beziehung getroffen worden ist und wenn beide Sexualität wollen.

Sexualität ist richtig, wenn es Freude bewirkt. Freude kann uns auf dem spirituellen Weg stärken. Bei allen äußeren Genüssen ist das richtige Maß wichtig. Zu viel Genuss an äußeren Dingen kann uns süchtig machen. Zu wenig Genuß kann uns die Lebensfreude nehmen und uns trübsinnig machen.

Sexualität ist richtig, wenn sie uns heilt. Bei der Sexualität können heilsame Energien entstehen, die innere Verspannungen auflösen und Krankheiten heilen.



Ondrea und Stephen Levine


Zwei der bekanntesten Meister der spirituellen Beziehung sind in der heutigen Zeit Ondrea und Stephen Levine. Ondrea ist eine Krankenschwester. Stephen ist ein Schriftsteller und Meditationslehrer. Beide leben abgeschieden in einem Waldgebiet im Südwesten der USA. Sie haben drei Kinder, die inzwischen erwachsen sind und ihre eigenen Wege gehen.

1995 erschien von Stephen und Ondrea Levine das Buch „In Liebe umarmen. Der spirituelle Wegweiser für Liebende.“ Darin geben sie viele wertvolle Hinweise für das Leben in einer Beziehung. Sie beschreiben in dem Buch auch teilweise ihr eigenes Leben.

Seit sieben Jahren leben Stephen und Ondrea in der Einsamkeit des Berglandes von New Mexico. Sie verstehen ihren Weg als ein undogmatisches Experiment. Sie probieren aus, was ihnen gut tut und wie sie gemeinsam am besten spirituell wachsen. Sie nennen ihren Weg den Yoga der Partnerschaft.

Am Anfang ihres Lebens in der Zurückgezogenheit haben sie viel meditiert. Doch dann entwickelte sich ihr Weg langsam von einem intensiven Meditationskurs zu einem Beziehungsretreat. Ihre Beziehung wurde zum Hauptmotor ihrer spirituellen Entwicklung.

Jeder hatte seine eigene spirituelle Praxis. Aber die meiste Zeit verbrachten sie gemeinsam. Es gab Zeiten, wo sie nicht im Einklang miteinander waren. Mit Liebe und Achtsamkeit haben sie diese Zeiten bewältigt.

Eine Menge Schmerz, der in den Tiefen ihres Unterbewusstseins schlummerte, kam an die Oberfläche und wurde geheilt. Die subtilen Leiden unzähliger Lebensjahre tauchten auf und wurden aufgelöst.

Die Levines fanden für sich den Begriff Tandem-Weg. Beide stiegen den großen Berg der Erleuchtung hoch, jeder auf seinem eigenen Weg. Aber zwischen ihnen hing locker ein Seil. Wenn einer zu stürzen drohte, gab ihm der andere Halt.

Sehr wichtig war für sie der Grundsatz der Treue: „Wir befinden uns nun auf einer Stufe, wo die Monogamie eine unverzichtbare Voraussetzung für das weitere Aufsteigen geworden ist. Wir betreten den Weg in das gemeinsame Herz.“

Jahr für Jahr wuchsen sie weiter auf dem Weg des inneren Glücks. In ihrem Buch beschreiben sie es so: „Unsere Praxis geht über in ein schlichtes Ruhen im Sein. Wir werden eins mit der Landschaft um uns herum. Von der Liebe des Partners gelangen wir zur umfassenden Liebe. Die Heilung wird unermesslich. Die Furcht wird zu furchtloser Achtsamkeit. Die Freude wird zu einem ganz alltäglichen Zustand. Die Lotusblüte erhebt sich aus den dunklen Wassern.“

Die Lotusblume ist im Yoga ein Symbol für den erleuchteten Menschen. Sie verkörpert seine innere Reinheit. Innere Reinheit bedeutet, dass die inneren Verspannungen aufgelöst sind. Dann entsteht inneres Glück. Man lebt im Zustand der Liebe, des Seins und des inneren Friedens.

Auf ihrem spirituellen Weg wurde den Levines bewusst, welche großen Möglichkeiten der Heilung aus einer achtsamen und warmherzigen Sexualität entstehen können: „Nur wenige Menschen erkennen, wie machtvoll eine Liebesbeziehung als Medium gemeinsamer Heilung sein kann – sowohl im körperlichen, als auch im emotionalen und im spirituellen Sinne.“

Der Weg der Heilung bestand darin, die spirituelle Energie gemeinsam in die Bereiche zu strahlen, die der Heilung bedurften. Sie konzentrierten sich während der Sexualität jeweils auf die Bereiche, wo sie Verspannungen und Blockaden spürten. Irgendwann lösten sich die Verspannungen dann auf, die Energie begann zu fließen, und der Körper konnte sich von selbst heilen.

Stephen und Ondrea Levine entdeckten, welche Fülle an Erfahrung die Sexualität in sich birgt, wenn sie mit einer liebevollen Spiritualität verbunden wird. Sie erfuhren, dass es jenseits des Orgasmus ein Potential hochenergetischer Extase gibt. Sie beschrieben es als ein Entzücken, das sich aus der Konzentration auf die Empfindungen (Gefühle) und aus dem gebündelten Energiestrom entwickelt, der vom Herzen her durch den Körper fließt.



Beziehungsmeditation

Wir können die Beziehungsmeditation im Sitzen oder Liegen machen. Wir können sie alleine oder mit einem Partner praktizieren. Wichtig ist es, dass wir in einen realen Kontakt mit unseren Gefühlen kommen.

1. Glückliche Welt = Wir visualisieren unter uns die Erdkugel, reiben den Erdboden und senden der ganzen Welt Licht. Wir denken: „Möge es eine glückliche Welt geben. Mögen alle Wesen glücklich sein.“

2. Licht = Wir senden unserem Partner Licht und hüllen ihn in Licht ein: „Om … (Name des Partners). Ich wünsche, dass du glücklich wirst.“ Wir stellen uns vor, dass unser Partner uns mit seiner Hand berührt und zu uns sagt: „Ich mag dich.“

3. Verschmelzen = Wir umarmen geistig unseren Partner. Wir verschmelzen mit ihm zu einer Energie. Wir werden zu einer Person. Wir denken das Mantra: „Wir eins.“ Wir spüren Liebe, Zärtlichkeit und Verschmelzung. Zum Schluss lösen wir den Partner ganz in uns auf. Er wird zu einem Teil unserer eigenen Seele. Wir lösen alle Anhaftungen durch vollständige Integration auf.

4. Kosmos = Wir visualisieren um uns den Kosmos voller Sterne. Wir machen große Kreise mit den Armen und denken: „Ich sehe den Kosmos voller Sterne.“ Wir lassen unser kleines Ich los, indem wir uns auf die Ganzheit des Kosmos konzentrieren. Wir erheben uns von der Ebene der Dualität in die Ebene der Einheit. Wir sind Teil der Natur und haben unseren Eigenwillen aufgegeben.

5. Meister-Yoga = Wir visualisieren über uns im Himmel unseren erleuchteten Meister (Buddha, Jesus, Shiva …) und denken: „Om …(Name). Om alle erleuchteten Meister. Ich bitte um Führung und Hilfe auf meinem Weg.“ Wir leben uns und unsere Beziehung aus dem täglichen Meister-Yoga und der Gottüberlassenheit heraus.

6. Gedankenstopp = Wir stoppen eine Minute alle Gedanken und bewegen dabei unsere Zehen. Dann entspannen wir uns.

7. Zurückkommen = Wir gehen positiv durch unser Leben. Wir bewahren jeden Tag auf unsere Art unser spirituelles Bewusstsein.

—> Teil II: Wie erhalte ich eine glückliche Beziehung

—> Nils Horn: Liebe und Glück trifft Erleuchtung und Humor. Yoga-Chat im Internet (2011)