Öko-Paradiese und das gute Leben

Ladakh, Bhutan, ein neues Ökoprojekt auf Tahiti, spirituelle Lebens-Modelle

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Abstract

Die vier Punkte Bhutans können als Vorbild dienen: eine gesunde Umwelt, eine gute Volkswirtschaft, eine demokratische Regierung und die Verankerung in einer positiven Religion/Kultur. Es gibt viele alternative Projekte auf der Welt. Video Ökogemeinschaften.

Glücksland Bhutan

 
Bhutan ist aus meiner Sicht zur Zeit ein sehr wichtiges Projekt für die Welt. Dort wird konkret und sehr ernsthaft Ökologie, Ökonomie und Spiritualität zu einer Einheit verbunden. Äußerlich ist es notwendig, dass alle Menschen genug zu essen haben, dass es keinen Krieg gibt, dass eine funktionierende Umwelt existiert und dass die Menschen positiv, sanftmütig und liebevoll miteinander umgehen.
 
Entscheidend ist aber das innere Glück. Das Glück eines Menschen kommt nach der heutigen Forschung zu 90 % aus seinem Inneren. Das innere Glück sollte gepflegt werden, von jedem auf seine Art und nach seinem Glauben. Die Atheisten könnten sich an der heutigen Glücksforschung orientieren und die Spiris an den vielen positiven/gewaltfreien Religionen.
Das Hauptproblem heutzutage ist das westliche Konsumfernsehen. Es orientiert die Menschen auf falsche Glückswege (Sex, Gewalt, Kampf, Egoismus). Es macht, wissenschaftlich nachgewiesen, die Menschen innerlich unglücklich (pro Stunde Fernsehen 5 % unglücklich).
 
In Bhutan gibt es viele positive Ansätze, von denen wir in Deutschland nur träumen können. Aber sie haben auch das Problem des Konsumfernsehens seit 1999. Und es zerstört die Moral und das Glück der Menschen. Anderseits haben die Menschen den tibetischen Buddhismus als positive Gegenkraft. Es bleibt spannend, wie es sich dort in den nächsten Jahren entwickelt.
 
Die Bewohner Bhutans leben überwiegend als ökologische Bauern. Die Glücksphilosophie des Landes beruht auf vier Säulen: eine gesunde Umwelt, eine gute Volkswirtschaft, eine demokratische Regierung und die Verankerung in einer positiven Religion/Kultur. 
 
Es gibt einige Bücher im Internet, die aber nur begrenzt aufschlussreich sind. Am besten zum Thema “Glückskultur“ ist immer noch das Buch von Helena Norberg-Hodge: „Faszination Ladakh„. Ladakh ist ein Teil von Indien und ein Nebengebiet von Bhutan. Es wurde hinsichtlich des Glücks gründlich erforscht.
 
Von Ladakh hat Bhutan gelernt, dass die westlichen Werte die Menschen in den Entwicklungsländern unglücklich machen. Die westlichen Werte werden hauptsächlich durch Touristen und durch das Fernsehen übertragen. Das Touristenproblem hat Bhutan gelöst, indem es durch hohe Einreisegebühren nur wenige Touristen ins Land lässt. Das Fernsehproblem wird im Moment dadurch bewältigt, dass die Menschen nur zwei Kanäle haben und wenig fernsehen. Die Religion bildet außerdem ein starkes Gegengewicht gegen die westliche Konsumideologie.
 
Realisisch betrachtet werden die Menschen in Bhutan jetzt von zwei gegensätzlichen Lebenseinstellungen beeinflusst, von der westlichen Konsumideologie und von der Philosophie des inneren Glücks (in der Form der traditionellen Kultur). Es wird sich wohl ein Mittelweg herausbilden. Einige Menschen werden streng an der alten Religion festhalten, einige Menschen werden dem westlichen Konsumwahn verfallen und die Mehrheit wird beides irgendwie gleichzeitig leben. Es kommt auf die Kraft der alten Religion und auf den Grat der gesellschaftlichen Kontrolle des Fernsehens an, ob die traditionelle Glückskultur langfristig zerfallen oder in ihrem Kern bestehen bleiben wird.
 
Frau AB: Wir brauchen wir einen Paradigmenwechsel, der den Konsumismus kritisch hinterfragt. Wichtig ist, dass die Einbeziehung der Happiness (inneres Glück) auch auf administrativer Seite verfolgt wird. Daher ist es eine gute Idee, wenn zum Beispiel Bhutan den Focus auf die Gross National Happiness legt.
 
Um Missverständnissen vorzubeugen, sei betont, dass es ein Mindestmass an Konsum gibt, das zur Deckung der Grundbedürfnisse erforderlich wird. Bei dem anderen Konsum aber, der über die Deckung der Grundbedürfnisse hinaus geht, stellen wir die Neigung fest, dass dieser permanent erhöht wird. Genauer gesagt führt jede technische Verbesserung zu einer Mentalität des nimmersatten Haben-Wollens, zu der nicht zuletzt auch die Werbung anstiftet.
 
Wenn wir über eine andere Wirtschaftsweise nachdenken, welche mehr im Einklang mit den Erkenntnissen sind, welche der Club of Rome in seinen »Grenzen des Wachstums« beschrieben hat, dann werden wir nicht daran vorbei kommen, den Zwang zum Wachstum zu überwinden. Im Rahmen der décroissance, welche besonders in Frankreich zu einer breiten Diskussion geführt hat, sind eine ganze Reihe von Ideen berücksichtigt, und zu einem ganzheitlichen Konzept zusammen geführt.
 
Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel von Serge Latouche mit dem Titel »Gibt es einen Weg aus der Wachstumsökonomie?«, der am 11.11.2005 in Le monde diplomatique erschienen ist. Dort lesen wir folgendes: »Eine Dynamik der Wachstumsrücknahme ließe sich durch wenige einfache und scheinbar harmlose Maßnahmen in Gang setzen. Zum Beispiel müssten wir den ökologischen Fußabdruck verkleinern, das heißt eine umweltschädliche Produktion verkleinern. Weiter müssten wir die Transportkosten in die Preise hineinrechnen, die Warenströme verkürzen, die bäuerliche Landwirtschaft wiederbeleben und den verschwenderischen Verbrauch von Energie auf ein Viertel reduzieren.«
 
Nils: Hallo Frau AB, für einen ganzheitlichen Ansatz bin ich auch. Die vier Punkte Bhutans können als Vorbild dienen: eine gesunde Umwelt, eine gute Volkswirtschaft, eine demokratische Regierung und die Verankerung in einer positiven Religion/Kultur. Die Volkswirtschaft muss vom Konsumprinzip zum Glücksprinzip finden. Eine gewisse Genügsamkeit in äußeren Dingen schadet nicht dem Glück der Menschen. Die Philosophie der Genügsamkeit ist für das innere Glück sogar förderlich, wenn man sie nicht übertreibt. Das Ziel der Volkswirtschaft sollte es sein allen Menschen genug Nahrung zu geben, die Gesundheit zu bewahren und das innere Glück zu fördern.
 
Die Arbeit sollte alle Menschen glücklich machen und nicht dem Ziel des sinnlosen Luxus einer kleinen Schicht von Reichen dienen. Eine ausreichende Umverteilung von oben nach unten ist wichtig (eine weltweite Reichensteuer, nicht nur zur Bankenrettung, sondern vor allem zur Beseitigung des Hungers auf der Welt). Aber sie reicht nicht aus. Wir müssen die gesamte Weltwirtschaft von den Grundsätzen Glück, Liebe und Menschenwürde her neu organisieren (fairer Handel, Ethik für Manager, positive gesellschaftliche Steuerung, Verbot sozialschädlicher Verhaltensweisen der Großkonzerne …).
 
Frau AB: Hallo Herr Horn!
»Was kann eine Gesellschaft tun, damit ihre Mitglieder glücklicher werden?«
Ich bin der Ansicht, dass dazu folgende Punkte notwendig sind:
1) Verstärkte Konzentration auf immaterielle Bedürfnissen wie inneres Glück, positives Zusammensein, spirituelles Üben.
2) Ermöglichung von individueller Freiheit.
3) Gleichberechtigung der Frauen.
4) Weniger Stress. Es zeigt sich, dass es gerade ein hoher Stressspegel ist, der die Menschen unglücklich werden lässt.
 
Nils: Ihre Ansichten zu einer glücklichen Gesellschaft teile ich weitgehend. Zu viel Stress ist dem Glück abträglich. Die weltweite Sicherung der materiellen Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Bekleidung, Wohnung und ausreichende Gesundheitsfürsorge ist wichtig. Ansonsten sollten wir stärker die immateriellen Bedürfnisse betonen. Hierzu ist in Deutschland ein großes Umdenken von Werten wie Konsum und Konkurrenz zu Liebe, Frieden und Glück notwendig.

Öko-Staat in Polynesien

(Zitate aus der TAZ März 2010)

Auf der polynesischen Insel Moorea soll ein ökologischer Modellstaat entstehen. Ein Gespräch mit den Initiatoren Roti Make und Eric Bihl. Mehr Infos unter http://www.tahiti-virus.blogspot.com und http://www.tahiti-virus.org

taz: Sie sprechen Deutsch und sind eine Polynesierin. Und Sie wollen zusammen mit polynesischen und internationalen Studenten eine Öko-Modellwirtschaft auf Tahitis Nachbarinsel Moorea aufbauen, also quasi einen biologisch abbaubaren Kleinstaat?

Roti Make: Ja! Zwei Studenten mit dem Spezialgebiet „Erneuerbare Energien“ waren von Juli bis September 2009 in Tahiti, um eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Danach kam Eric Bihl und erläuterte das Vorhaben. Ich war begeistert!

Eric Bihl: Das Projekt könnte auf dem 26 Hektar großen brachliegenden Gebiet eines früheren Club Med starten. Es gehört Tahitianern, ist sehr schön, sehr fruchtbar – die letzte von vier Verfilmungen der „Bounty“ wurde hier gedreht. Wir wollen dort zeigen, dass im Bereich Energie, Bekleidung, Behausung, Ernährung und Verkehr alles im vollständigen Einklang mit der Natur organisierbar ist. Wir wollen eine Geldreform sowie eine Parlaments-, Gesundheits-, Bildungs- und Kulturreform. Das Gebiet soll eine Art Schaufenster werden, ein Präzedenzfall, der der Welt zeigt: Seht, es ist möglich!

Roti Make: Wir hatten schon einige neue Ideen, bevor Eric Bihl kam, wir wollten die alten Traditionen wiederbeleben und mit der Modernität von heute verbinden. Das hat nicht funktioniert wegen der Eigentumsfrage. Früher war das Land Gemeinschaftseigentum der Stämme, heute ist es Individualbesitz. Unser Hauptproblem ist die Anwendung des europäischen Besitzrechtes auf unser Land. Das ist der Tod unserer Kultur. Unsere Kinder und Enkel erben immer kleinere Stücke, können sich davon nicht mehr ernähren und müssen es an reiche Leute verkaufen. Aber auf Rapa haben wir das rückgängig gemacht, wir besitzen das Land wieder gemeinschaftlich. Ich bin 1990 zur Präsidentin unserer Gemeinde gewählt worden und habe das durchgesetzt. Mein Ururgroßvater war König von Rapa. Seit Februar 2000 sind über 3.000 Anspruchsberechtigte – nicht nur auf Rapa – die gemeinschaftlichen Besitzer dieses Landes. Wir können es weder verkaufen noch verpachten.

Eric Bihl: Unser Verein steht in Kontakt mit internationalen Spezialisten für alle Gebiete, mit 14 Universitäten in Deutschland, der Schweiz und Österreich, zudem gibt es das alte polynesische Wissen. Wir würden ein Regiogeld einführen, das man später auf ganz Polynesien ausdehnen könnte.

Sind Sie optimistisch?

Roti Make: Sehr! Vor drei Jahren noch habe ich gedacht: Es gibt keine Lösung. Aber jetzt haben wir neue Ideen, wir müssen sie nur umsetzen. Das erwarten auch unsere jungen Leute. Sie träumen von einer neuen Welt mit Gerechtigkeit, Glück und Kreativität, mit Freiheit und Schönheit, mit Respekt zwischen Menschen. Viele in Tahiti sagen: Roti, wir wollen doch nicht zurück in die Steinzeit. Aber für mich ist Ökologie nicht Steinzeit, sondern Freiheit. Unabhängigkeit. Unsere jungen Leute wollen neue Welten kreieren.

Anmerkungen Nils: Ich finde die Idee eines demokratischen Ökoprojektes auf Tahiti spannend. Sich ökologisch selbst versorgen ist gut, spirituell leben ist besser. Als reines Ökoprojekt wird es vermutlich langfristig scheitern. Die traditionellen Kulturen fanden ihren Zusammenhalt vor allem in der Spiritualität. Solange wir nicht die Notwendigkeit der Verbindung von Spiritualität und Ökonomie begreifen, gibt es keine wirkliche Glücksperspektive. Die Welt der Zukunft muss sich im inneren Glück zentrieren und kann dann relativ frei mit verschiedenen äußeren Lebensmodellen experimentieren.

Im Tahiti-Projekt probieren die Menschen den Weg des Gemeineigentums an Grund und Boden. In Bhutan existiert die Verankerung in der alten spirituellen Kultur bei individuellem Eigentum. Es gibt dort nach meinem Wissen gemeinschaftliches Eigentum (Allmende) und privates Grundeigentum. Das war auch in Deutschland früher ein guter Weg. Ich halte das Gemeineigentum für kein Dogma. Auch eine soziale Marktwirtschaft mit Privateigentum kann als Glücksweg organisiert werden. Die demokratische Gemeinschaft kann durch Gesetze die Wirtschaft lenken und für einen guten sozialen Ausgleich sorgen.

Spirituelle Lebens-Projekte

Es gibt viele alternative Projekte auf der Welt. Besucht habe ich die Findhorn-Gemeinschaft in Schottland. Wir können sie uns als alternative ökologische Dorfgemeinschaft vorstellen. Findhorn ist spirituell ausgerichtet, nach meinem Gefühl aber nicht genug. Jeder kann dort seinen eigenen spirituellen Weg gehen. Es fehlt ein für alle verbindlicher spiritueller Kern. Bei den Jugendlichen von Findhorn habe ich beobachtet, dass sie weitgehend die spirtuelle Orientierung ihrer Eltern verloren haben und sich eher an der westlichen Konsumwelt orientieren. Tiefes inneres Glück kommt aber nur aus einer tiefen Spiritualität.

In Deutschland gibt es die ökologische Gemeinschaft Lebensgarten Steyerberg. Jeder besitzt dort sein eigenes Haus. Im Zentrum steht das Gemeinschaftshaus, in dem regelmäßig spirituelle Veranstaltungen angeboten werden. Im Wesentlichen lebt der Lebensgarten Steyerberg von dem vielfältigen Seminarangebot. Er orientiert sich an Findhorn, ist aber wesentlich spiritueller. Obwohl auch hier der Individualismus vor der gemeinsamen Spiritualität kommt.

In Indien gibt es das berühmte Auroville. Es orientiert sich an dem indischen Heiligen Sri Aurobindo (Meditation und Gutes tun). Konflikte existieren auch dort zwischen den Menschen. Da ich da nicht war, kann ich das aber nicht genau beurteilen.

Ich glaube, dass der optimale Weg für eine zukunftsfähige Gemeinschaft in der klugen Verbindung von Ökologie, Ökonomie und Spiritualität besteht. Den richtigen Weg darf jedes Land und jede Dorfgemeinschaft für sich finden. Ich halte allgemeinverbindliche Grundsätze verbunden mit individueller Freiheit für einen guten Weg. Allgemeinverbindliche Grundsätze könnten zum Beispiel die zehn Yoga-Gesetze und die fünf Grundsätze der Gesundheit sein. Auf dieser Basis kann dann jedes Gemeinschaftsmitglied seinen persönlichen Glücksweg gehen (christlich, buddhistisch, atheistisch, yogisch …). Letztlich muss aber die demokratische Gemeinschaft ständig beobachten, ob die Gemeinschaft auseinander driftet oder im inneren Glück wächst. Und geeignete Massnahmen ergreifen.

Wichtig ist das insbesondere bei der Kindererziehung. Auch in einer abgeschotteten ökologischen Gemeinschaft werden die Kinder von den Werten der umgebenden kapitalistischen Konsumgesellschaft beeinflusst. Die Schule und die Eltern müssen die Kinder innerlich stark genug machen, damit sie den falschen Glücksversprechen des globalen Kapitalismus widerstehen können. Die Hauptkraft kommt letztlich aus der Weisheit und den täglichen spirituellen Übungen. Alle Familien sollten sich in den Werten Weisheit, Liebe, Frieden, Selbstdisziplin und Lebensfreude zentrieren. Und die dazu persönlich passenden Rituale finden.

Wikipedia/Auroville: Die soziale Zusammensetzung Aurovilles, das für 50.000 Bewohner geplant ist, umfasst die über 2000 Aurovillianer, ihre Kinder und Enkel, Neubewohner, Gäste, Studenten (in Saison-Zeiten rund 2000). Gegen eine Mitarbeit im Gemeinwesen, die in ihrer Ausgestaltung unterschiedlich aussehen kann, steht jedem Aurovillianer ein Grundeinkommen zur Verfügung von dem die Lebenshaltungskosten bestritten werden können. Laut der letzten Erhebung vom November 2009 leben in Auroville 2184 Menschen (1704 Erwachsene und 480 Kinder). Insgesamt kommen die Bewohner von Auroville aus 45 Nationen.

Aus der Website des Lebensgartens Steyerberg: Der Lebensgarten Steyerberg e.V. ist eine Siedlungsgemeinschaft. Uns verbindet der Wunsch nach einem harmonischen Zusammenleben miteinander sowie mit der umgebenden Natur. Wir pflegen nachbarschaftlichen Kontakt, gestalten gemeinsam unsere Feste und stimmen uns in gemeinsamer Verantwortung für die satzungsgemäßen Aufgaben unseres Vereins ab.

Der Lebensgarten möchte ein Ort sein, der seine Bewohner und Gäste anregt, mehr in Kontakt mit sich selbst und anderen zu kommen. Die verbindenden Elemente unserer Gemeinschaft: Achtung vor der Schöpfung, Gegenseitige Unterstützung im Alltag, Neue Formen der Konfliktlösung  (Mediation), Die Erfahrungen der inneren Sammlung (Meditation), Die Ökologie im Alltag.

Gegründet wurde der gemeinnützige Verein Lebensgarten Steyerberg e.V. im Jahr 1986. Die Reihenhaussiedlung besteht aus 62 Reihenhäusern, einem Seminarhaus (Heilhaus) und dem großen Zentralgebäude mit Westflügel, Halle und Ostflügel. Wir unterstützen uns gegenseitig bei der Entwicklung unserer Fähigkeiten und Talente sowie im alltäglichen Leben. Ebenso wichtig war und ist uns die Kooperation mit der Natur und die Ökologie im Alltag. Inzwischen gehören ca. 100 LebensgärtnerInnen zu dem Projekt, die auf ihre individuelle Weise diese Ziele leben. Jede/r ist wirtschaftlich für sich selbst verantwortlich.

Inspiriert wurden wir am Anfang durch die Findhorn-Gemeinschaft in Schottland. So können auch wir hier täglich gemeinsam unsere Spiritualität leben (Meditation, Singen in der Kapelle, Kreistanz). Einen Guru oder Chef gibt es hier nicht. Auch gibt es keine gemeinsame Glaubens-, Religions- oder Kirchen-Zugehörigkeit. Wir achten alle spirituellen Wege. Unsere Entscheidungen für die Gemeinschaft treffen wir in den monatlichen Mitglieder­versammlungen nach dem Konsensprinzip. Es ist unser Ziel, nur Entscheidungen zu treffen, mit denen alle gut leben können.

Wir sind Gründungsmitglied und ein Teil des Global Eco-Village Network, welches zum Zwecke des weltweiten Informationsaustauschs zwischen Ökodörfern (und an diesem Thema interessierten Menschen) ins Leben gerufen wurde. Außerdem stehen wir im Austausch mit Gemeinschaften in Deutschland und der ganzen Welt.

Wikipedia/Findhorn: Die Findhorn Foundation (Findhorngemeinde) ist eine spirituelle Gemeinschaft, die ihren Sitz auf einer Halbinsel bei der Findhornbucht im Nordosten Schottlands in der Nähe der gleichnamigen Ortschaft hat. Begründer der Gemeinschaft Anfang der 1960er Jahre sind das Hotelier-Ehepaar Peter und Eileen Caddy sowie Dorothy McLean. Sie war eine der ersten Gemeinschaften, die im Verlauf des New Age-Zeitalters entstanden sind. Die Foundation ist Teil eines weltweit wachsenden Ökodorf- und Nachhaltigkeits-Projektes mit der Unterstützung der Vereinten Nationen. Feste Mitglieder hat das Zentrum zur Zeit etwa 300. Jährlich kommen mehrere tausend Besucher nach Findhorn.


—> Video: 

Ein neues Wir – Ökodörfer und ökologische Gemeinschaften in Europa. 

http://www.yogapad.de/video/neues-wir

Der Dalai Lama 

Frank:Ich weiß ja, dass die verkorkste Moral der bürgerlichen Gesellschaft dem menschlichen Verstand oft ins Gesicht schlägt. Aber muss sie uns nun wirklich ins finstere Mittelalter mit tiefstem Aberglauben und religiösem Delirium zurückführen? Der Dalai Lama als Weltherrscher? …

Nils: Lieber Frank! Mit dem Dalai Lama als Weltherrscher bin ich einverstanden. Etwas Besseres könnte der Welt nicht passieren. Der Dalai Lama ist für die Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, gegen den Hunger und für eine Globalisierung des Glücks auf der Welt. Er vertritt Werte wie Frieden, Liebe, Weisheit, Wissenschaftlichkeit und Lebensfreude. Die Welt würde sich unter seiner Herrschaft an den vier Glücksgrundsätzen Bhutan orientieren.

Der tibetische Buddhismus ist eine alte Religion. Natürlich gibt es dort noch viele Restbestände aus früheren Jahrhunderten. Der Dalai Lama bemüht sich als moderner Mensch sie zu überwinden. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber im Westen entwickelt sich doch ein sehr wissenschaftlich orientierter Buddhismus. Genauso ist es mit dem Yoga und dem chinesischen Taoismus. Man sollte bei den Religionen sehr genau hinsehen, bevor man sie in Bausch und Bogen verdammt.

Der Dalai Lama hat erklärt, dass die Essenz aller Religionen die Liebe ist. Das ist ein guter Ansatzpunkt.
Auch der Neohinduismus (Amma, Sri Sri Ravishankar, Mutter Meera) stellt die Liebe in das Zentrum. Im Christentum können wir ebenfalls eine Betonung der Liebe beobachten. Insofern sollte es möglich sein, dass die großen Weltreligionen sich auf die Werte Frieden, Liebe und Toleranz einigen. Bei den Religionen befürworte ich einen wissenschaftlichen Ansatzpunkt. Jede echte Religion basiert auf der Erleuchtungserfahrung des Religionsgründers. Im Kern geht es bei den Religionen um die Entwicklung des inneren Glücks. Wenn wir dieses in Zukunft verstärkt herausarbeiten, erhalten wir eine gute Grundlage für die Diskussion der Religionen untereinander und für die Vermittlung der Spiritualität an die heutigen wissenschaftlich denkenden Menschen.

Der kommunistische Weg ist weltweit gescheitert. Wenn kommunistische Gruppen die Macht in einem Staat erlangt haben, haben sie den Staat innerhalb kurzer Zeit ruiniert. Die Parteiführer mutierten zu egoistischen Diktatoren und haben das Volk unterdrückt. Die Korruption griff um sich. China ist ein Beispiel dafür, wie positive sozialistische Ideale an der Realtität scheitern. Solange das Problem des Egoismus nicht begriffen wird, sind alle sozialistischen und kommunistischen Ansätze langfristig zum Scheitern verurteilt. Der Dalai Lama vertritt die Verbindung von Sozialismus und Erleuchtung. Hierin liegt eine Perspektive für eine erfolgreiche Zukunft. Wir brauchen eine Weltgesellschaft auf der Basis des inneren Glücks aller Menschen, der gerechten Vermögensverteilung und des positiven Miteinanders.

Wir müssen das innere Glück in das Zentrum der neuen Welt stellen. So löst sich auch das Problem vieler fortschrittlicher Menschen, dass ihre Arbeit letztlich umsonst ist. Wer die Spiritualität in das Zentrum seines Lebens stellt, kann ewig für eine glückliche Welt arbeiten, auch wenn es äußerlich nur kleine Erfolge gibt. Sein inneres Glück wächst. Und mit seinem inneren Glück wächst auch das Licht in der Welt.

Karl Marx hat das Problem der Ausbeutung erkannt. Er hat aber leider nicht das Problem des inneren Glücks begriffen. Wir müssen soziale Gedanken mit der Spiritualität (Glücksforschung) verbinden. Dann ergibt sich eine effektive Perspektive für eine bessere Welt. Nur so können die sozialistischen Parteien der Welt auch ihren tiefsitzenden Perspektivmangel überwinden. Nur so wird es langfristig erfolgreich vorangehen.

Weltretter und Frustration

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Frau AB: Hallo Herr Horn! Wenn wir uns das Ziel setzen, die Welt verändern zu wollen, dann erwarten uns jede Menge Ohnmachtserlebnisse. Spirituelle Übungen können uns helfen, besser mit Frustrationen umzugehen. Wenn wir meditieren, werden wir glücklich. So schaffen wir es auch in aussichtslosen Situationen noch Happiness zu erleben.

Nils: Liebe Frau AB! Ich stimme Ihnen zu. Es ist wichtig für eine bessere Welt einzutreten. Aber es ist auch ein langer Weg mit viel Stress und Frustration. Durch spirituelle Übungen kann man gut sein inneres Glück und seine innere Kraft bewahren.

Frau AB: Während Sie die ganze Menschheit verändern wollen, würde es mir schon reichen, wenn ich erfolgreich meinen spirituellen Weg gehen kann. Ich bin da eher bescheiden.

Nils: Unbescheidenheit ist eine Tugend, wenn es darum geht andere Menschen vor dem Verhungern zu retten oder die kommende Klimakatastrophe aufzuhalten. Ich bin ein Anhänger der umfassenden Liebe. Ich wünsche allen Wesen Glück und helfe ihnen im Rahmen meiner Möglichkeiten. Das Glück aller Wesen ist ein sehr unbescheidenes Ziel. Aber gerade dafür habe ich beim Dalai Lama das Bodhisattva-Gelöbnis abgelegt.

Wir brauchen eine globale Umkehr zur Vernunft. Sich selbst zu erleuchten ist gut, dadurch werden aber nicht automatisch auch alle unsere Mitmenschen erleuchtet. Es ist wichtig den Weg der Weisheit und der Liebe in die Welt zu tragen und viele Mitmenschen dafür zu gewinnen. Ich glaube an die Macht der guten Argumente. Ich glaube an das Gute in den Menschen. Langfristig werden sich die Wahrheit und die Liebe durchsetzen.

Eine Mutter wünscht alle ihre Kinder glücklich. Eine Mutter ist nicht bescheiden. Sie will immer das Beste für alle ihre Kinder. Ein Anhänger der großen Mutter sieht sich selbst als große Mutter aller Wesen. Er gelangt dadurch zur Erleuchtung, dass er sich mit allen Wesen identifiziert. Das ist das Geheimnis des Erleuchtungsweges der umfassenden Liebe.

Sonnengebet

Das Sonnengebet ist die bekannteste Yogareihe. Das Geheimnis ihrer Wirkkraft ist die Verbindung von einfachen Körperbewegungen mit der Visualisierung von Licht. Wir stellen uns wirklich die Sonne am Himmel vor. Wir spüren, wie sie Licht, Liebe und Wärme auf uns herab strahlt und uns mit ihrer Kraft erfüllt. Das Sonnengebet können wir langsam oder schnell machen. Damit der Kreislauf in Schwung kommt, sollte man es am besten mehrmals hintereinander machen.

1. Begrüßung = Wir stehen aufrecht auf unserer Yogamatte. Wir legen die Handflächen vor dem Herzchakra aneinander. Wir visualisieren vor uns die Sonne und denken (oder sprechen) das Mantra „Om“. Wir begrüßen die Sonne, das Licht und das Leben. Wir stellen uns positiv auf unseren Tag ein.

2. Himmel = Wir strecken die Hände zum Himmel und denken: „Sonne“. Wir atmen ein.

3. Erde = Wir beugen uns mit dem geraden Oberkörper vor, legen die Hände neben den Füßen auf die Erde und denken: „Om“. Das Scheitelchakra zeigt zu den Füßen. Dadurch wird das Wurzelchakra (die Erdenergie) aktiviert. Wir atmen aus.

4. Schritt nach hinten = Wir setzen einen Fuß weit nach hinten ab und strecken das Gesicht wieder hoch zur Sonne. Das Knie des hinteren Beines liegt auf dem Boden.  Der Rücken ist gerade. Wir atmen ein und denken: „Sonne“. Die Hände bleiben neben den Füßen.

5. Hund (Berg) = Wir setzen auch den anderen Fuß nach hinten. Wir atmen aus und drücken den Hintern nach oben zum Himmel. Der Körper bildet mit Armen, Erdboden und Beinen ein Dreieck. Der Rücken ist durchgedrückt. Die Schultern sind gedehnt. Der Kopf zeigt zu den Füßen: „Om“.

6. Schiefe Ebene = Wir bewegen das Becken zum Erdboden und strecken den Kopf in den Nacken und  zur Sonne nach oben. Die beiden Beine liegen auf dem Boden, wir drücken den Oberkörper mit den Armen nach oben, und der Rücken hängt entspannt nach unten. Wir atmen ein und denken: „Sonne“.

7.  Hund (Berg) = Wir drücken wieder den Hintern nach oben zum Himmel, der Kopf befindet sich zwischen den Armen und zeigt zu den Füßen. Wir atmen aus und denken: „Om“.

8. Schritt nach vorne = Wir setzen den hinteren Fuß wieder nach vorne zu dem anderen Fuß zwischen die auf der Erde liegenden Hände. Der Kopf erhebt sich wieder zur Sonne. Wir atmen ein: „Sonne“.

9. Erde = Wir gehen wieder in die Vorbeuge (Hintern zum Himmel, Füße zwischen den Händen, Kopf zur Erde), atmen aus und denken: „Om“.

10. Armkreis = Wir richten uns langsam wieder auf und zeichnen dabei mit den Armen einen großen Kreis um uns herum. Die Hände bewegen sich seitlich ausgestreckt nach oben und dann herunter zum Herzchakra. Wir visualisieren uns in der Einheit des Kosmos, atmen ein und denken: „Sonne“.


 
Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge

 es eine glückliche Welt geben.